Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Eigen- oder Fremdgefährdung? Der Psychiatertreffpunkt
Das war als ich in der Erwachsenenpsychiatrie famuliert habe ganz genauso. Da wurden alle EKGs immer nur von Internisten befundet.
Auch derzeit in meiner PJ-Abteilung in der Unfallchirurgie ist das der Fall.
Dürften sie schon, genauso wie ein Internist Suizidalität beurteilen darf. Aber im Falle des Falles ist es relevant, dass ein offiziell fachkundiger Arzt das getan hat.
Elena1989
26.01.2019, 16:05
Wir befunden unsere EKGs und EEGs selbst, sobald wir aber unsicher sind, wird es weitergereicht.
Bei uns gehen auch alle EKGs an die Internisten. Ich finde das manchmal albern. Zumindest Normalbefunde oder ein paar Standardsachen kann man ja auch als Psychiater ohne Probleme befunden.
In unserer KJP machen die psychologischen Kolleg*innen tatsächlich Vordergrund - erstens passiert wenig, zweitens haben wir krassen Ärztemangel. Ich find das sehr unschön, aber das läuft jetzt seit drei oder vier Jahren okayish. Ich werde allerdings vermutlich bald - unter anderem deswegen, aber auch wegen desolater Gesamtsituation - bald gehen, dann werden die Dienste vermutlich mit der EP zusammengelegt, was wiederum die therapeutische Qualität der Dienste, äh, einschränken dürfte. War in meinem anderen Haus so, da haben die EPler einfach alles immer aufgenommen weil keine Zeit Alternativen zu suchen.
Wie sind denn die Dienstsysteme in anderen KJPs? Oder seid ihr alle soviel besser besetzt? Sechs Dienste fand ich machbar (damals, mit mehr Kollegen, ohne Psychologen), dauerhaft um die 10 eher nicht. Sind da dann immer Honorarkräfte im Einsatz oder wird mit der EP Dienst gemacht?
Elena1989
31.01.2019, 17:04
Wie sind denn die Dienstsysteme in anderen KJPs? Oder seid ihr alle soviel besser besetzt? Sechs Dienste fand ich machbar (damals, mit mehr Kollegen, ohne Psychologen), dauerhaft um die 10 eher nicht. Sind da dann immer Honorarkräfte im Einsatz oder wird mit der EP Dienst gemacht?
Wir haben 24h Dienste als Bereitschaftsdienst, 2-3 Dienste im Monat, ausschließlich durch Ärzte der KJP geleistet. Honorarkräfte gibt es bei uns nicht, eine Erwachsenenpsychiatrie ist nicht mit in Haus.
Herbstblume90
31.01.2019, 17:27
Wir haben auch Rufbereitschaft, die Psychologen springen momentan auch mit ein, da muss der Hintergrund dann für Somatische Sachen ran. Wo geht’s hin Elena?
Bandwurm
31.01.2019, 19:54
Dienste: Bei uns in der KJP 2-5 Dienste, Dienstbelastung gering (d.h. i.d.R. weniger als 30% arbeiten). Übrigens noch mal ein Nachtrag zum Thema nichtärztliche Therapeuten im Vordergrund: Im letzten Hintergrunddienst eine Notfalleinweisung, im Routinescreening Amphetamin deutlich positiv, EKG deutlich auffällig --> verlegt. 10 Min vorher Patientin verwaschende Sprache, sonst alles o.K., 30 min später somnolent, eingenässt. --> mit TATÜ TATA verlegt (war Suizidversuch). Und ich war im Hintergrund 30 min entfernt. Hat mich noch mal in der neu gewonnenen Einsicht bestärkt, dass ich das ohne Arzt im Vordergrund sicher nicht möchte.
Elena1989
31.01.2019, 22:38
Wir haben auch Rufbereitschaft, die Psychologen springen momentan auch mit ein, da muss der Hintergrund dann für Somatische Sachen ran. Wo geht’s hin Elena?
Wieso? Wo soll es hingehen? Außer bald ins Fremdjahr nirgendwo hin, bin sehr glücklich da, wo ich bin :)
@Bandwurm: macht ihr Routinemäßig direkt bei Aufnahme ein EKG oder war das aufgrund der verwaschenen Sprache oder anderer Symptome / Anamnese?
Herbstblume90
01.02.2019, 05:26
Oh stimmt, das warst gar nicht du der schrieb dass ein stellenwechsel ansteht sondern Kyranic.. da war ich wohl etwas müde :) wo machst du das Fremdjahr?
Bandwurm
01.02.2019, 19:27
Elena1989. Wir machen Normalerweise kein EKG bei Aufnahme. Der Jugendliche stand auch wie ne 1 und hatte keine Symptome; er hatte aber einen sehr hohen Apmhetaminspiegel, welches auf eine Menge Übung schließen ließ. War nur zur Sicherheit. Wir haben schon bei unseren "normalen" Dosen von MPH und Amphetaminen immer mal wieder QTc-Zeit- Verlängerungen.
SarahJulia90
02.02.2019, 10:22
Leute, ich bräuchte mal ein paar Anregungen. Nachdem ich in der ersten Zeit eigentlich ausschließlich psychotische, bipolare und hirnorganisch erkrankte Patienten betreut habe, wurde mir jetzt meine erste rein psychotherapeutische Patientin zugewichtelt. Die hat eine Panikstörung und Agoraphobie und lehnt eine Medikation strikt ab. Sie ist auch schon ziemlich therapieerfahren. Ich habe leider von PT bis jetzt keinen blassen Schimmer und meine Ausbildung startet erst im November. Hat da jemand ein paar Literaturtipps, wie ich da gut einen Einstieg finden kann?
Eines der besten Bücher für psychodynamische Therapie:
https://www.amazon.de/Intensive-psychodynamische-Kurzzeittherapie-nach-Davanloo-ebook/dp/B004ZI6LVA/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1549105166&sr=8-1&keywords=gottwik
Wir haben keine Schnelltests, Arzt hin, Arzt her. Egal, für mich gehts ab April erstmal in die Pädiatrie.
Herbstblume90
26.02.2019, 20:05
Puh. Wie geht ihr mit Fixierungen um? Ich bin heute das erste mal zusätzlich zu einem Kind hinzugezogen worden, das fixiert und getragen werden musste. Und das hat mich warum auch immer echt emotional umgehauen, damit habe ich vorher gar nicht gerechnet.
Elena1989
26.02.2019, 20:17
Puh. Wie geht ihr mit Fixierungen um? Ich bin heute das erste mal zusätzlich zu einem Kind hinzugezogen worden, das fixiert und getragen werden musste. Und das hat mich warum auch immer echt emotional umgehauen, damit habe ich vorher gar nicht gerechnet.
Kind bedeutet was vom Alter?
Ich fand das am Anfang tatsächlich auch sehr abschreckend und war tatsächlich am Anfang der festen Überzeugung, dass man das ja gar nicht braucht, wenn man nur lang genug deeskaliert und dass ich das aaaaalles mal besser machen werde....
(Da hab ich aber tatsächlich noch im Kinderbereich gearbeitet, wo das ja eigentlich nicht vorkommt (also tragen schon öfter, aber Fixierungen eher weniger) und in meinen Diensten Glück gehabt)
Ich hab meine Meinung dann tatsächlich recht schnell geändert, als ich in den Akutbereich gewechselt habe und ziemlich am Anfang gleich eine Patientin hatte, die regelmäßig massive Krisen hatte und häufig fixiert werden musste. So furchtbar ich das auch fand / finde, gibt es leider manchmal keine andere Möglichkeit.
Mich stresst es eher, wenn es meine eigenen Patienten sind und man stundenlang versucht zu deeskalieren und dann endet es doch in einer Fixierung.
Allerdings sind das im KJP Bereich doch eher seltene Fälle.
Ich denke, Nachbesprechungen sollten nach Fixierungen für das Team angeboten werden. Ansonsten hab ich leider keinen tollen Tipp.
Herbstblume90
26.02.2019, 20:26
Das Kind war 11.. ich habe dann auch direkt mit den Beteiligten gesprochen, die das alles aber auch schon viel öfter gemacht haben als ich und die alle routiniert mit der Situation umgegangen sind.
Elena1989
26.02.2019, 20:52
Das Kind war 11.. ich habe dann auch direkt mit den Beteiligten gesprochen, die das alles aber auch schon viel öfter gemacht haben als ich und die alle routiniert mit der Situation umgegangen sind.
Und wir reden jetzt von einer richtigen Fixierung oder "nur" von Festhalten?
Eine klassische Fixierung hätte mich bei einem elfjährigen Kind tatsächlich auch mitgenommen, hab ich tatsächlich auch noch nie erlebt, die sind bei uns im Regelfall schon im Jugendalter und unser PED der Kinderstation wäre in so etwas sicher auch nicht routiniert.
Festhalten hingegen ist bei den Kindern doch recht häufig, aber ich denke auch da ist wichtig zu verstehen, warum man das jetzt macht, warum das Kind jetzt in den Ruheraum soll, was das bringen soll etc. Schutz vor Eigen / Fremdgefährdung etc...
Meistens sind es bei den kleineren ja eher "Wutausbrüche", die dann zu so etwas führen.
Hmmm... ich glaube, das ist alles nicht hilfreich, was ich hier so schreibe :-oopss
Herbstblume90
27.02.2019, 07:12
Nee, nur gehalten und halt in die Klinik getragen, nicht richtig fixiert. Das war das erste mal, dass ich so hinzugezogen wurde, ich glaube ich habe vorher nicht damit gerechnet und deswegen hat es mich so kalt erwischt. Aber so ganz verstehe ich meine Reaktion noch nicht...Danke für deine Antworten Elena!
Elena1989
27.02.2019, 18:23
Nee, nur gehalten und halt in die Klinik getragen, nicht richtig fixiert. Das war das erste mal, dass ich so hinzugezogen wurde, ich glaube ich habe vorher nicht damit gerechnet und deswegen hat es mich so kalt erwischt. Aber so ganz verstehe ich meine Reaktion noch nicht...Danke für deine Antworten Elena!
Naja, kann ich schon verstehen. Ist ja doch erst einmal eine sehr befremdende Situation. Aber ich könnte jetzt ganz abgedrochschen sagen, dass man sich daran gewöhnt...
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