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Ich frag mal anders: hättest du ihn denn krank geschrieben, wenn er sich selbst vorgestellt hätte? Ich muss zugeben, am Anfang hatte ich überlesen, daß du den Patienten gar nicht kennst. Da hätte ich dann auch geschluckt. Vielleicht hättest du ihn kurz anrufen können?
(Edit: hast du ja eigentlich schon beantwortet. Also eher nicht.)
Den Ton hier im Forum finde ich, wie an so vielen Stellen, erschreckend. Teilweise kränkend, teilweise die Eignung ansprechend. Wann ist dieses Forum eigentlich zur Bild-Kommentarspalte verkommen? (Vielleicht war ich auch zu lange weg, aber das war früher mal anders.)
Deine Entscheidung, deine Medizin.
Wir hatten diese Diskussion zum Thema Krankschreibung in letzter Zeit schon mal. Für mich gehört zur Allgemeinmedizin gelebte Anamnese und Begleitung. Wie du sicher weißt, behandeln wir nur in 10 % Diagnosen, beim Rest dann was anderes. Ich frage mich bei vielen AUs, ob das jetzt "richtig" im Sinne des Erfinders ist. Aber ist halt aktuell so.
Den Ton hier im Forum finde ich, wie an so vielen Stellen, erschreckend. Teilweise kränkend, teilweise die Eignung ansprechend. Wann ist dieses Forum eigentlich zur Bild-Kommentarspalte verkommen? (Vielleicht war ich auch zu lange weg, aber das war früher mal anders.)
Als (noch) Student mit dem Wunsch bald die WB zum FA Allgemeinmedizin zu beginnen, lese ich gerne in diesem Thread mit. Es gibt immer wieder spannende Fragen und Eindrücke aus der Realität, nach der man sich am Ende eines langen Studiums und viel Schreibtisch manchmal sehnt.
Allerdings lese ich auch nur noch in diesem mit. In fast allen anderen ist der Ton zumeist unerträglich. Nach spätestens einer Seite driften die Diskussionen in persönliche Fehden, die 3-5 User dominieren und damit den Ton im Forum maßgeblich prägen. Schade, dass es nun auch hier soweit ist. Sprecht ihr im Alltag mit Kollegen eigentlich auch so?
Relaxometrie
21.09.2023, 16:48
Bist Du der Praxisinhaber? Oder Weiterbildungsassistent? Normalerweise kennt man doch die familiären Verhältnisse seiner Patienten und kann einschätzen, ob der Wunsch nach einer AU gerechtfertigt/ ehrlich ist, oder nicht.
Der Patient scheint in Eurer Praxis ja bekannt zu sein, so dass man das Anliegen eigentlich einschätzen können müsste.
Du hast die Frage noch nicht beantwortet, Immerweiter90.
Als (noch) Student mit dem Wunsch bald die WB zum FA Allgemeinmedizin zu beginnen, lese ich gerne in diesem Thread mit. Es gibt immer wieder spannende Fragen und Eindrücke aus der Realität, nach der man sich am Ende eines langen Studiums und viel Schreibtisch manchmal sehnt.
Allerdings lese ich auch nur noch in diesem mit. In fast allen anderen ist der Ton zumeist unerträglich. Nach spätestens einer Seite driften die Diskussionen in persönliche Fehden, die 3-5 User dominieren und damit den Ton im Forum maßgeblich prägen. Schade, dass es nun auch hier soweit ist. Sprecht ihr im Alltag mit Kollegen eigentlich auch so?
Lieber Flomo,
Nicht verunsichern lassen - dies ist ein Internetforum und repräsentiert nicht die Art der Allgemeinärztinnen und Allgemeinärzte „im allgemeinen“.
Kann da nur empfehlen mal hausärztliche Fortbildungkongresse wie die Practica in Bad Orb oder Ähnliches zu besuchen. Buntgemischt und weiter.
Ich finde es schön, wie manche Ärzte denken, Fingerspitzengefühl ist eine Ausrede, um sowas zu machen. Das ist Illegal und Betrug. Aber wenn du es geschafft hast, dir einzureden, dass das richtig ist, weil du gute Bewertungen bekommen hast, denn du gibst den Leuten was sie wollen oder verlangen, dann herzlichen Glückwunsch, du bist ein Teil des Problems.
You're not above the law!!!
Das ist auf jeden Fall ein der Gründe, warum andere Fachrichtungen uns nicht ernst nehmen. Wenig Medizin, mehr Fingerspitzengefühl (oder Quatsch).
Diagnose? Ach ja, egal. "Von mir aus Atemwegserkrankung"
Dr. Holiday will ich nicht werden. Ich mache lieber gute Medizin, statt diese Bazar/Wunschkonzert Medizin was manche betreiben. Ein Arzt kontakt muss stattfinden, er hat nicht mal selbst angerufen, er hat seine Frau geschickt. Ich finde das geht gar nicht.
Beim nächsten Mal bestelle ich mir eine Pizza und schreibe ich noch drauf, bitte auf dem Weg noch eine AU vom HA abholen, 2 Wochen. So wird es irgendwann werden, wenn ihr so weiter "arbeitet".
Jetzt ist Schluss. Und guten Morgen. Heute ist ein neuer Tag.
Wo habe ich gesagt, dass ich über dem Gesetz stehe? Ich sehe die Krankschreibung weiterhin als gerechtfertigt an, wenn eine akute seelische Notlage durch den Tod eines nahen Angehörigen entstanden ist. Wenn der Patient in der Praxis (wenn auch nicht bei dir) bekannt ist, dann kann man ja leicht nachvollziehen, ob der Patient bisher öfter krankgeschrieben wurde etc.. Wenn es bisher keine Auffälligkeiten gab, dann spricht für mich nichts gegen die Krankschreibung. Was hat denn die Frau überhaupt erzählt, warum der Mann nicht selber kommen kann? Ich finde es einfach anmaßend daraus so eine Bagatelle zu machen. Spar dir doch den Pizzaspruch, das ist ebenfalls anmaßend. Stell dir mal vor dein Vater/Bruder oder sonst wer stirbt und jemand vergleicht das mit einfach keinen Bock auf Arbeit haben und lieber zuhause in der Unterhose Pizza essen wollen. Das ist peinlich.
Wegen der guten Bewertungen - Mach dir da mal keine Sorgen! Ich arbeite an einem Universitätsklinikum und bin deshalb nicht auf gute Bewertungen angewiesen. Ich kann dir sagen es gibt genug deiner Zunft, die weder richtige Medizin praktizieren können NOCH Fingerspitzengefühl besitzen. Ersteres kann ich bei dir nicht beurteilen, zweiteres scheint aber nur in rudimentärster Weise (wenn überhaupt) ausgeprägt zu sein. Ich kann dir aber eins sagen! Ich hab viel Kontakt zu Allgemeinmedizinern und ich habe noch nie einen nicht ernstgenommen, nur weil er großzügig krankschreibt. Das hat dann andere Gründe. Vielleicht fehlt es hier einfach auch noch ein bisschen an Lebenserfahrung.
Sagt mal,
nur mal aus Interesse. Ist bei euch die Arbeitbelastung auch so hoch?
Ich sehe aktuell teils pro Tag 40 Patienten an einem 8 Stunden Praxis-Tag. Ich bin noch in der Weiterbildung.
Ich glaube, ich hatte auch schon 30-40 Patienten an nem Vormittag gehabt. Da musste man auch ein bisschen hin und her schieben, um für die Weiterbildung paar Sonos zu kriegen. Sachen wie AUs oder Laborbesprechung gehen doch schnell, die Leute wollen teilweise gar net länger beim Arzt sein. Und Depressionen etc. kann man gut mit Fragebögen vorselektieren und abkürzen. Habe mal in nem Fernsehbericht gesehen, dass Hausärzte in der Erkältungssaison bis 100 Patienten innerhalb von 3h sehen. Manchmal bringt dir eine Wiedereinbestellung am Folgetag mehr Informationen als dich ewig an einem Patienten abzuarbeiten.
Kannst du mir 10 Fingern blind tippen? Ich glaube das ist mitunter der wichtigster Skill ...
Speranza100
28.10.2023, 09:13
bei mir waren 40 Patienten (Weiterbildung) auch eher die Regel als die Ausnahme... oft auch mehr. vorallem in Pandemiewellen oder im Herbst wenn die Stimmungstiefs und Zunahme psychischer Belastungen mit den Infekten kollidieren. Die Wiedereinbestellung hab ich auch immer oft genutzt. AUch für meine eigene SIcherheit bei dem Durchlauf.
Absolute Arrhythmie
28.10.2023, 09:39
40 Patienten finde ich auch außerhalb der Infektsaison eher normal in acht Stunden. Ich hab öfters um die 30 am Vormittag, wenn viel los ist (arbeite Teilzeit). Was hilft sind Kürzel für die Dokumentation! Damit geht's deutlich schneller. Und 0815-Sachen halt wirklich schnell abarbeiten und den Leuten sagen dass sie wieder kommen sollen wenn es nicht besser oder sogar schlimmer wird.
Sagt mal,
nur mal aus Interesse. Ist bei euch die Arbeitbelastung auch so hoch?
Ich sehe aktuell teils pro Tag 40 Patienten an einem 8 Stunden Praxis-Tag. Ich bin noch in der Weiterbildung.
Ich sehe in der Weiterbildung in der Regel um die 40 am Vor- und 20 bis 30 am Nachmittag. Das ist dann aber auch die Grenze des gut Machbaren.
Wahnsinn …. 70 Patienten am Tag. Da wär ich aber fertig mit der Welt.
Ehrlicherweise kann man auch mit 15 Minuten Terminen und guter Abrechnung mehr als gut verdienen. Mit husch husch und nur ordinationsziffer wird das aber nix.
Relaxometrie
29.10.2023, 20:45
Ich sehe in der Weiterbildung in der Regel um die 40 am Vor- und 20 bis 30 am Nachmittag. Das ist dann aber auch die Grenze des gut Machbaren.
Jetzt mal ehrlich: die Vormittagssprechstunde hat ca. 4 Stunden. Macht also 10 Patienten pro Stunde. 6 Minuten pro Patient. In der Infektsprechstunde schaffe ich das auch. Aber in der sonstigen Sprechstunde niemals.
Du hast also nie Patienten, die z.B. sagen "ach, wo ich gerade hier bin, hätte ich noch dieses und jenes Anliegen" (was einen, selbst wenn man darauf hinweist, dass sie dafür einen neuen Termin ausmachen sollen, Zeit kostet), oder z.B. kompliziertere Krankenhausentlassungen?
Autolyse
29.10.2023, 21:08
Jetzt mal ehrlich: die Vormittagssprechstunde hat ca. 4 Stunden. Macht also 10 Patienten pro Stunde. 6 Minuten pro Patient. In der Infektsprechstunde schaffe ich das auch. Aber in der sonstigen Sprechstunde niemals.
Du hast also nie Patienten, die z.B. sagen "ach, wo ich gerade hier bin, hätte ich noch dieses und jenes Anliegen" (was einen, selbst wenn man darauf hinweist, dass sie dafür einen neuen Termin ausmachen sollen, Zeit kostet), oder z.B. kompliziertere Krankenhausentlassungen?
Vielleicht so organisiert wie eine Akutsprechstunde in der Pädiatrie? Vorstellungsanlass ist schon klar, Patient schon ausgezogen (soweit erforderlich) und eine MfA dokumentiert für Dich nach Ansage einen Textbaustein und ändert den nur bedarfsweise ab und macht eine Rezeptvorlage fertig. Alles was nicht den Akutanlass betrifft konsequent abwürgen und auf Sprechstundentermin verweisen. Dann geht auch Schlagzahl von 2-3 Minuten pro Patient.
Absolute Arrhythmie
30.10.2023, 07:35
Bei uns ist die Vormittagssprechstunde von 7:30 bis das Wartezimmer leer ist (max 13 Uhr). Wenn die Patienten schnell zu klärende Probleme haben schaffe ich ca 8/Stunde. Unsere Termine sind als zehn Minuten Slots terminiert.
Aber klar, da sind immer wieder Patienten bei, die den Rahmen sprengen. Im Idealfall kann man die aber auch mit längerem Termin wieder einbestellen.
aschenputtel1977
30.10.2023, 10:25
Ich (Päd) versuche von Beginn der Praxisübernahme an, strikt nur mit der Termin durchzusetzen. Corona kam mir das sehr zu Pass. D97% der Patienten haben es verinnerlicht, die anderen erweisen sich als renitent, manches gibt es auch immer wieder Unverständnis. Keine Geschwister dazu, es sei denn sie sind auch angemeldet, Impftermin ist Impftermin, da gibt es keine zusätzlichen Fragen, dafür braucht es dann wieder einen Termin bitte.
Letztes Jahr im Chaos machte sich das bezahlt, Wartezeit blieb unter 1 Stunde (leider trotz Termin, aber bei dem Massenzulauf ging das wirklich nicht anders. Da waren 3 Minuten pro Patient realistisch, es ging einfach nicht anders bei 125 Patienten am langen Tag.
Grundsätzlich ist der Kalender in 10 Minuten Slots aufgeteilt, das klappt auch recht gut.
Relaxometrie
30.10.2023, 12:28
Was habt Ihr als Weiterbildungsassistenten in der Allgemeinmedizin für Arbeitszeiten? Habt Ihr Zeit fürs Selbststudium oder für Bürostunden/ Telefonate angerechnet bekommen, oder entspricht Eure vertragliche Arbeitszeit 1:1 den Sprechstundenzeiten?
Absolute Arrhythmie
30.10.2023, 13:18
Was habt Ihr als Weiterbildungsassistenten in der Allgemeinmedizin für Arbeitszeiten? Habt Ihr Zeit fürs Selbststudium oder für Bürostunden/ Telefonate angerechnet bekommen, oder entspricht Eure vertragliche Arbeitszeit 1:1 den Sprechstundenzeiten?
Ich arbeite Teilzeit mit 30h/Woche. Ich arbeite jeden Tag von 8-13 Uhr und Montags nachmittags bis 16 Uhr und freitags nachmittags bis 15 Uhr. Die Sprechstunde geht offiziell bis 12:30, danach bearbeite ich dann noch meine Mappe mit Briefen, befunden, Anfragen, etc. Oder eben wenn sonst Leerlauf ist. Zeit für Selbststudium hab ich nicht extra, fünf Tage Fortbildungsurlaub kann ich aber noch nehmen. Wenn nix zu tun ist sagt aber auch keiner was wenn ich 12:30 gehe.
Wahnsinn …. 70 Patienten am Tag. Da wär ich aber fertig mit der Welt.
Ehrlicherweise kann man auch mit 15 Minuten Terminen und guter Abrechnung mehr als gut verdienen. Mit husch husch und nur ordinationsziffer wird das aber nix.
Es geht halt nicht immer nur um Ziffern. Die Leute müssen halt versorgt werden. Da gibt es Gegenden, wo das wunderbar mit 15 Minuten Terminen klappt und anderswo stehen Montags morgens halt schon vor Öffnung 30 Leute ohne Termin da, da es schlichtweg keinen Alternativ-Hausarzt gibt.
Und Wielange will man das Spiel so mitspielen? Bis man jeden Tag 200 versorgt oder wann ist Schluss?
Naja, Streiks werden ja von unserem Gesundheitsminister als Versuch unser durchschnittliches Gehalt von 250.000 Euro auf Kosten der Beitragszahler zu erhöhen gewertet.
Nächster Schritt ist dann Aufnahmestop.
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