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Danke für die Empfehlungen!
Ich beschäftige mich gerade mit den Möglichkeiten einer Zusatzbezeichnung, welche man ja auch schon in der Weiterbildung machen kann. Ich finde es irgendwie extrem schwer herauszufinden, welche sich davon auch monetär später lohnen. Habt ihr da Erfahrungswerte?
Betriebsmedizin ist sicherlich eine der besten Varianten, um Geld zusätzlich einzunehmen.
Besser aber man macht Zusatzbezeichnungen, die man auch gerne macht - sonst quält man sich.
Und man sollte sie dann auch leben können.
Letztlich generiert man da auch ein bestimmtes Patientenklientel - beispielsweise Ernährungsmedizin oder Naturheilkunde - muss man dann mögen ständig diese Themen durchzudiskutieren.
Mittlerweile verschweige ich die zusätzliche Ausbildung in Ernährungsmedizin - weil die Menschen da sehr viel Informationsbedarf haben aber es sich einfach nicht lohnt…
Nouseforaname16
17.11.2024, 12:24
an alle niedergelassenen hausärztlichen Kollegen: vielleicht gibt es hier Jemanden der berichten möchte?
Würdet ihr den Schritt in die Selbstständigkeit nochmals wählen unter den Bedingungen derzeit?
Ich sehe eine deutliche Diskrepanz zwischen den in unterschiedlichen Medien (KV, hausärzteverband etc) publizierten Erfahrungsberichten und der erfahrenen Realität.
Mein Hintergrund ist folgender: nach anfänglich sehr guter (pandemiebedingter) Entwicklung in der Praxis in der ich aktuell noch bis zum Jahresende angestellt bin, bricht die Praxis unter den Kosten (Personal) und der ausgereizten Einnahmen in der Form wie sie bislang existiert hat (ein Inhaber, zwei Sitze, hiervon Arbeitgeber und ich in Vollzeit, zusätzlich eine 20 Stunden Stelle eines angestellten Arztes, sowie den Altinhaber auf stundenbasis) zusammen.
Mein mittelfristiges Ziel war nach dem Quereinstieg über die Anästhesie eine hausärztliche Niederlassung. Die fünf Jahre im ambulanten Bereich haben mich insbesondere in der letzten Zeit stark verunsichert. Sowohl bezüglich der Anstellung als auch in Hinblick auf die Selbstständigkeit.
Wie sind Eure Erfahrungen? Insbesondere derer, die sich nicht mehr in Weiterbildungsförderung befinden und in einer Großstadt angestellt oder niedergelassen sind. Im besten Fall auch auf längere Erfahrungen in anderen Sektoren zurückgreifen können.
ehem-user-19-05-2025-1430
17.11.2024, 12:51
[QUOTE=Nouseforaname16;2286376].
Wie sind Eure Erfahrungen? Insbesondere derer, die sich nicht mehr in Weiterbildungsförderung befinden und in einer Großstadt angestellt oder niedergelassen sind. Im besten Fall auch auf längere Erfahrungen in anderen Sektoren zurückgreifen können.[/QUOTE
Ich denke die heterogenen berichte spiegeln auch die heterogene Lage ab. Unterschiede ergeben sich vor allem bei den Themen
- Stadt vs ländlich/kleinstädtisch
- Anteil ebm vs HZV
(Teilweise auch Privatpatienten Anteil aber gar nicht so sehr wie die obigen)
Mein Eindruck ist dass städtische spots in Bundesländern mit wenig HZV es schon deutlich schwerer haben als eher suburbane bis ländlichen spots in HZV starken Bundesländern (Süddeutschland).
Bin gespannt auf die Meinung von anderen.
Spannendes Thema - glaub zB die erstmalig wieder notwendige Budgetierung zuletzt in BaWü hat einigen ganz schön weh getan. Zusätzlich die steigenden Personalkosten ohne suffiziente Anpassung des EbM…
Die Frage ist ja in deiner aktuellen Praxis: wieviel Scheine ? Scheinwert? HZV? Gibt nämlich schon noch genug die gut verdienen. Man sollte vielleicht schon aufpassen wieviel man für Einstieg / Übernahme hinlegt.
Letztlich glaube ich aber auch weiterhin dass die Miseren des Gesundheitswesens nur durch einen starken Hausarzt gelöst werden können.
Danke auch für den Hinweis mit der Ernährungsmedizin- Hatte mir tatsächlich auch überlegt, dass zu absolvieren. Bin auch der Meinung, dass Zusatzbezeichnungen weniger finanziell ertragreich sind, sondern vielmehr das eigene Profil und das Praxis Profil stärken.
freestyler
17.11.2024, 19:05
an alle niedergelassenen hausärztlichen Kollegen: vielleicht gibt es hier Jemanden der berichten möchte?
Würdet ihr den Schritt in die Selbstständigkeit nochmals wählen unter den Bedingungen derzeit?
Ich sehe eine deutliche Diskrepanz zwischen den in unterschiedlichen Medien (KV, hausärzteverband etc) publizierten Erfahrungsberichten und der erfahrenen Realität.
Mein Hintergrund ist folgender: nach anfänglich sehr guter (pandemiebedingter) Entwicklung in der Praxis in der ich aktuell noch bis zum Jahresende angestellt bin, bricht die Praxis unter den Kosten (Personal) und der ausgereizten Einnahmen in der Form wie sie bislang existiert hat (ein Inhaber, zwei Sitze, hiervon Arbeitgeber und ich in Vollzeit, zusätzlich eine 20 Stunden Stelle eines angestellten Arztes, sowie den Altinhaber auf stundenbasis) zusammen.
Mein mittelfristiges Ziel war nach dem Quereinstieg über die Anästhesie eine hausärztliche Niederlassung. Die fünf Jahre im ambulanten Bereich haben mich insbesondere in der letzten Zeit stark verunsichert. Sowohl bezüglich der Anstellung als auch in Hinblick auf die Selbstständigkeit.
Wie sind Eure Erfahrungen? Insbesondere derer, die sich nicht mehr in Weiterbildungsförderung befinden und in einer Großstadt angestellt oder niedergelassen sind. Im besten Fall auch auf längere Erfahrungen in anderen Sektoren zurückgreifen können.
Bin seit 3 Jahren auf dem Land niedergelassen in einem unterversorgtem Gebiet. Wir sind maximal ausgelastet. Finanziell würde ich immer eine Selbstständigkeit vor der Anstellung vorziehen. Es ist schon stressig. Ich denke in einem MVZ mit nur 1000 Scheinen lebt man ruhiger. Aber ich bereue es nicht. Bin auch Quereinsteiger aus der Orthopädie.
Ich würde jetzt mal in den Raum werfen, dass Quereinsteiger zu 99% mit der Intention sich nieder zu lassen das Fach wechseln, weil sie in ihrem Ursprungsfach keinen Sitz kriegen oder eine zu schlechte Ausbildung genossen haben. Als angestellter Facharzt kriegt man schon bis zu 150k (das ist die Summe, die ich von meinen Fachkollegen so höre), als angestellter Hausarzt ist so viel definitiv nicht drin (Angebot und Nachfrage). Deswegen tut man sich die Selbstständigkeit an. In der Innenstadt kann man mit 1000-Scheine Überweiserpraxen schon gut für wenig Arbeit leben (sechsstellig für 3-Tage-Woche), wenn man mehr Geld verdienen will, muss man in eine gewisse Monopolstellung (Sprache, Sonderqualifikation, Einzugsgebiet) kommen.
ehem-user-19-05-2025-1430
18.11.2024, 07:26
Ich würde jedem der die Tätigkeit als selbständiger Hausarzt anstrebt empfehlen Hausarzt und selbständig sein zu wollen :D ansonsten wird man vielleicht unglücklich. habe da keine studien oder große daten auf die ich mich stütze, aber das ist so mein bauchgefühl ;)
Wenn man Allgmeinmed eh doof findet und vom angestelltendasein schwärmt wird es schwierig :)
Ich würde jetzt mal in den Raum werfen, dass Quereinsteiger zu 99% mit der Intention sich nieder zu lassen das Fach wechseln, weil sie in ihrem Ursprungsfach keinen Sitz kriegen oder eine zu schlechte Ausbildung genossen haben. Als angestellter Facharzt kriegt man schon bis zu 150k (das ist die Summe, die ich von meinen Fachkollegen so höre), als angestellter Hausarzt ist so viel definitiv nicht drin (Angebot und Nachfrage). Deswegen tut man sich die Selbstständigkeit an. In der Innenstadt kann man mit 1000-Scheine Überweiserpraxen schon gut für wenig Arbeit leben (sechsstellig für 3-Tage-Woche), wenn man mehr Geld verdienen will, muss man in eine gewisse Monopolstellung (Sprache, Sonderqualifikation, Einzugsgebiet) kommen.
Von welchen Fächern sprechen wir da?
Von welchen Fächern sprechen wir da?
Neuro und Ortho. Schon paar Jahre Erfahrung im ambulanten Sektor und zum Teil leistungsabhäengige Vergütung.
Nouseforaname16
19.11.2024, 21:55
Soweit ich Einblick habe...Scheinzahl: sehr schwankend, 1500-2200, zwei Sitze. Ganz klar zu wenig.
Bei insgesamt 81 h Sprechstundenzeit/Woche (Inhaber 28 h Sprechstunde, Ich 33h bei 36 h Arbeitszeit. Weiterer Angestellter Arzt mit 20 h bei 22 h Arbeitszeit. Scheinwert wohl gut). In den Ferienzeiten immer geöffnet. Allerdings haben wir angestellten Ärzte 37 Tage Urlaub (für die 5 Tage Woche).
Der einzige Unterschied zu den Praxen in der Umgebung ist ein in der Tendenz älteres und kränkeres Patientengut (war für mich ein Grund dort anzufangen) und eben die Sprechzeiten in den Ferien.
Zudem online Termine nur über website, kein doctolib oder ähnliches, weil zu teuer; nahezu 0 Heimpatienten, kaum HZV und sehr viel DMP. Für eine hausärztliche Praxis ist der Anspruch an die internistische Versorgung meiner Einschätzung sehr hoch (im Einzelfall Initiierung antivirale Therapie bei Hep C, DMARDs, Labor ohne Grenzen...). Aber vermutlich lässt sich eine Praxis in der Form in einer Großstadt nicht umsetzen...
Danke auf jeden Fall für die Einschätzungen
Soweit ich Einblick habe...Scheinzahl: sehr schwankend, 1500-2200, zwei Sitze. Ganz klar zu wenig.
Bei insgesamt 81 h Sprechstundenzeit/Woche (Inhaber 28 h Sprechstunde, Ich 33h bei 36 h Arbeitszeit. Weiterer Angestellter Arzt mit 20 h bei 22 h Arbeitszeit. Scheinwert wohl gut). In den Ferienzeiten immer geöffnet. Allerdings haben wir angestellten Ärzte 37 Tage Urlaub (für die 5 Tage Woche).
Der einzige Unterschied zu den Praxen in der Umgebung ist ein in der Tendenz älteres und kränkeres Patientengut (war für mich ein Grund dort anzufangen) und eben die Sprechzeiten in den Ferien.
Zudem online Termine nur über website, kein doctolib oder ähnliches, weil zu teuer; nahezu 0 Heimpatienten, kaum HZV und sehr viel DMP. Für eine hausärztliche Praxis ist der Anspruch an die internistische Versorgung meiner Einschätzung sehr hoch (im Einzelfall Initiierung antivirale Therapie bei Hep C, DMARDs, Labor ohne Grenzen...). Aber vermutlich lässt sich eine Praxis in der Form in einer Großstadt nicht umsetzen...
Danke auf jeden Fall für die Einschätzungen
Also eine VW-Praxis? Kenne Toyota-Praxen die bei gleichen Fallzahlen (bis 2000 Scheine) als Einzelpraxen, ggf. +1 WBA, laufen. Man kann viel als Arzt, muss aus wirtschaftlichen Gründen vieles sein lassen. Ich überweise auch lieber zum Neurologen als selbst neurologisch tätig zu werden (zeitlich oft nicht machbar, Regressgefahr bei zu vielen Mrts im Fachgruppenvergleich, Elektrophysiologie nicht abrechenbar, Medikamentenbudget, Laborbudget).
ehem-user-19-05-2025-1430
20.11.2024, 12:23
also ihr seid quasi 2.5 volle Arztstellen (WBA würd ich nicht reinzählen weil anders vergütet). Da sind im Schnitt 1800 Scheine zu wenig aber auch nicht gigantisch zu wenig. 1000 Scheine pro "volle Stelle" (früher pro Sitz aber das wurde ja aufgeweicht) kann schon funktionierten wenn der Rest stimmt. Gilt noch immer der Satz.
HZV bringt uns >30% mehr Scheinwert bei im endeffekt gleichen kosten, warum habt ihr so wenig HZV?
offtopic: Ohne Ende Labor heißt ja nicht immer =gute Versorgung. Das kann im Hausarztbereich auch Überdiagnostik mit schlechterer Versorgung sein, unnötiger Folgediagnostik, Förderung von psychsosomatischer Fixierug, Fehlbehandlung durch allgmeinmed statt notwendiger überweisung zum Facharzt usw. Mehr ist mehr gilt nicht in der Medizin.
Ich würde jedem der die Tätigkeit als selbständiger Hausarzt anstrebt empfehlen Hausarzt und selbständig sein zu wollen :D ansonsten wird man vielleicht unglücklich. habe da keine studien oder große daten auf die ich mich stütze, aber das ist so mein bauchgefühl ;)
Wenn man Allgmeinmed eh doof findet und vom angestelltendasein schwärmt wird es schwierig :)
Ich bin angestellt und gerade glücklich DESWEGEN. Ich kann nur Medizin machen, gebe gerade noch die Ziffern ein für meine Leistungen, ansonsten hab ich nichts am Hut mit Abrechnung, Personal, Steuern, IT... etc. Das ist super, ich verdiene definitiv genug, Oberarztniveau, und hab ca 32h Arbeit/Woche.... Ich würde unglücklich werden, wenn ich mich noch drum kümmern müsste, welche Reinigungsfirma kommt etc...
ehem-user-19-05-2025-1430
20.11.2024, 17:14
Ich bin angestellt und gerade glücklich DESWEGEN. Ich kann nur Medizin machen, gebe gerade noch die Ziffern ein für meine Leistungen, ansonsten hab ich nichts am Hut mit Abrechnung, Personal, Steuern, IT... etc. Das ist super, ich verdiene definitiv genug, Oberarztniveau, und hab ca 32h Arbeit/Woche.... Ich würde unglücklich werden, wenn ich mich noch drum kümmern müsste, welche Reinigungsfirma kommt etc...
Kann ich gut verstehen!
Aber du machst dich ja auch nicht als Hausarzt selbständig und beschwerst dich danach dass du nicht als Facharzt angestellt bist :P
denkstdu
20.11.2024, 20:50
Ich bin derzeit auch angestellt und kann Fr.Pelz nur beipflichten.Allerdings wenn ich zu Hause zu viel über gewisse Dinge schimpfe die ich anders machen würde, kommt immer von meinem Mann dann mach doch ne eigene Praxis auf und mache es besser :-)
freestyler
20.11.2024, 21:31
Wenn ich beim Stammtisch bin meckern beide Fraktionen, die Angestellten aber auch die Selbstständigen. Meist aber über verschiedene Dinge. Wer zufriedener ist kann ich gar nicht sagen.
Ich könnte nicht mehr in einem Angestelltenverhältnis arbeiten. Bin zufrieden mit meinem kleinen Unternehmen.
Meckern gehört in Deutschland dazu. Ist normal. Und vor allem in der Klinik ist es sehr wichtig zu meckern und zu jammern. Wenn man nicht ständig jammert dass man eigentlich völlig überlastet ist, dass alles zuviel ist usw. dann kommen Chef und Verwaltung daher und finden immer neue Dinge die man doch einfach mal noch mitmachen kann. Man hätte ja eh sooo viele Valenzen.
Nouseforaname16
21.11.2024, 19:25
Mich frustriert einfach, dass ich jetzt gezwungenermaßen viel zurücklasse. Das soll sich weder in der neuen Anstellung noch in der möglichen Selbstständigkeit nochmal wiederholen…
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