Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Hausarztpraxis - Treffpunkt für Allroundmediziner
Ja das ist meine andere Sorge, ich hab schon mal von jemandem gehört, dass ein Großteil des Kurses auch eher esoterisch ist so im Sinne von „Milz einrenken“ und dass man nur wenige Griffe wirklich brauchen kann.
Und: viele, die den Kurs gemacht haben, sind danach irgendwie wie missioniert. "Die Art, wie ich medizin mache, auf den Kopf gestellt" oä
Hallo liebe Leut,
kennt sich von euch jemand aus, wie es ist als Hausarzt in Österreich zuarbeiten? Ich befinde mich zwar erst am Anfang der WB als Quereinsteiger, wurde aber bereits angesprochen, ob ich mir nicht vorstellen könnte dann ab dem FA eine Hausarztpraxis im Österreichischen/deutschen Grenzgebiet zu übernehmen, da dort ein absoluter Mangel herrscht… Internetrecherche ist so halb aussagekräftig! Vielleicht hat sich damit ja schon mal jemand befasst von euch! Danke und liebe Grüße
Absolute Arrhythmie
13.03.2024, 06:03
Ich muss jedes Mal innerlich lachen wenn jemand zu mir meint sein Wirbel sei ausgerenkt oder raus gesprungen... Einer meiner Chefs macht das, ich hab da kein gesteigertes Interesse dran :-))
Coxy-Baby
13.03.2024, 07:55
@Coxy-Baby, meiner Erfahrung nach übernimmt der Innere Nachtdienst umso mehr Aufgaben, je kleiner das Haus ist. Das kann dann neben der NA und IMC, gerne auch mal die nächtliche Aufnahme von Patienten aus kleineren Fächern sein. Alles schon im Freundes-/ Bekanntenkreis erleb
hatte ja nicht kleines Haus geschrieben ;-) am besten eins wo man die ersten 6 Monate erstmal nur Tagesdienst macht und dann nach 6 monaten auch mal 24h. ITS macht nicht so richtig Sinn, aber vielleicht so letztes halbes Jahr dann Notaufnahme... Ich denke mir mal das dürfte dir das meiste bringen als Basis für die ambulante Versorgung.
Cor_magna
13.03.2024, 09:16
Heute war mal wieder ein Patient sehr unzufrieden mit mir, weil ich ihn nicht "einrenken" kann. Ich wünschte, ich könnte das, aber diese ewig lange und teure Weiterbildung manuelle Medizin schreckt mich erstmal ab. Hat die jemand von euch? Macht das abrechnungstechnisch Sinn?
Es ist mit großer Wahrscheinlichkeit einfach Käse... genau wie Quaddeltherapie.
Anne1970
13.03.2024, 13:03
Die Evidenz zum einrenken ist auch ziemlich dürftig- das würde mich abschrecken ��
Bei „eingerenkten“ Patienten bitte auch immer an DD Gefäß-Dissektion denken. Mehr sach ich mal nicht dazu :grins: .
Naja die Gesellschaft für manuelle Medizin distanziert sich ja von groben Manipulationen, die zu so etwas führen können. Ich denke schon, dass man bei der richtigen Indikation da schon zb Myogelosen lockern kann- man darf halt nicht in die Esoterik Schiene abrutschen und glauben, dass jedes Symptom auf irgendeigene "Blockade" zurückzuführen ist, und man nur "den Wirbel reindrücken" müsse um zu heilen... immerhin gibt es in der NVL Rückenschmerzen low-level- Evidenz für positive Effekte von manueller Medizin.
Coxy-Baby
13.03.2024, 15:22
Naja willst du jetzt extra weil ein Patient böse geguckt hat den Kurs machen? oder hast du echtes Interesse daran? Mir persönlich würde Kosten/Nutzen nicht zusagen...
][truba][
13.03.2024, 16:50
Einer meiner besten Freunde ist Physiotherapeut und hat ein immenses Wissen über den Bewegungsapparat. Weit mehr als die meisten Orthos/Unfaller die ich kenne.
Der ist inzwischen auch Osteopath. Wenn der dich richtig untersucht und dir da einige Blockaden löst hilft das immens.
Das problem ist aber meistens, dass die Ursache für diese Sachen Übergewicht und zu wenig Bewegung sind. Ist also nur „Kosmetik“ wenn die Leute nicht selbst was ändern.
Als ich noch Football gespielt/Wettkämpfe gemacht hab, hat mir das schon gut getan.
Amy_Maus
13.03.2024, 17:35
Heute war mal wieder ein Patient sehr unzufrieden mit mir, weil ich ihn nicht "einrenken" kann. Ich wünschte, ich könnte das, aber diese ewig lange und teure Weiterbildung manuelle Medizin schreckt mich erstmal ab. Hat die jemand von euch? Macht das abrechnungstechnisch Sinn?
Einer meiner Chefs hat die Zusatzbezeichnung manuelle Medizin und renkt auch gerne ein. Da werde ich von Patienten auch öfters mal böse angeguckt, weil ich die Technik nicht beherrsche oder mich weigere, Cortison in Muskel zu spritzen :-nix Steh ich mittlerweile auch drüber. In wieweit sich das Ganze finanziell lohnt, muss ich ihn direkt mal fragen :-stud
Finanziell lohnt es sich nur, wenn man viele orthopädische Patienten hat. Pro Manipulation gibt es 8 Euro. Die Kurse für die Zulassung kosten bestimmt so um die 6-8k, sind ja 320h. Ich habe jetzt nicht nachgeschaut, ob man für den Erhalt der Zulassung noch regelmäßig Auffrischungen machen muss, da kommen bestimmt noch paar 100€ im Jahr zusammen. Ein Bekannter rechnet das als Orthopäde bei der Untersuchung häufig gleich mit ab, da er auch in Anschluss manipuliert. Bei 50 Pat. am Tag lohnt es sich bestimmt. Ich habe bei 20-40 Pat am Tag so 1-2 orthopädische Patienten Fälle, so selten wie ich es anwenden würde wäre mein Wissen nach nem Jahr wieder weg. Akupunktur, manuelle Medizin, Naturheilverfahren sind gefühlt eine Behelfsbehandlung bei den ganzen Psychosomatikern, wo man mit der Schulmedizin nicht weiter kommt. Ich mache gerade Akupunktur, denke aber dass der Zeitpunkt noch zu früh ist (bin erst frisch in eigener Praxis). Wahrscheinlich noch nicht frustriert genug mit der Schulmedizin, dass man richtig Bock auf was Alternatives hat....
denkstdu
13.03.2024, 20:29
Ich liebäugel such mit manueller Medizin, weils mich einfach auch interessiert.Die Kosten für den Kurs schrecken mich aber trotzdem etwas ab.Gibts denn ein empfehlenswertes Buch mit dem man sich gewisse Sachen vielleicht alleine aneignen kann...
Ich kann mir nicht vorstellen, das aus einem Buch sinnvoll zu lernen.
Finanziell lohnt es sich nur, wenn man viele orthopädische Patienten hat. Pro Manipulation gibt es 8 Euro. Die Kurse für die Zulassung kosten bestimmt so um die 6-8k, sind ja 320h. Ich habe jetzt nicht nachgeschaut, ob man für den Erhalt der Zulassung noch regelmäßig Auffrischungen machen muss, da kommen bestimmt noch paar 100€ im Jahr zusammen.
(…)
Wahrscheinlich noch nicht frustriert genug mit der Schulmedizin, dass man richtig Bock auf was Alternatives hat....
Die Kosten für die Kurse insgesamt sind geringer 2 Grundkurse, 4 Aufbaukurse - jeweils ca 600-700 Euro je nach Anbieter. Regelmäßige Auffrischungen werden nicht zwingend verlangt. Die EBM Abrechnungsziffern ist in der Tat nicht gerade hoch aber immerhin gibt es eine, die nicht wie bei Akupunktur lauter Einschränkungen beinhaltet. Und GOÄ ist auch bedeutsam. Es sorgt dafür dass ggf mehr Patienten gerade deswegen kommen. Frustriert mit der Schulmedizin muss man da nicht sein 😀. Es ist eine nette Ergänzung, die bisweilen recht gut funktioniert und eben viele Patienten erfreut wieder rausgehen lässt. Was ist sonst die Alternative: Ibuprofen (Magen und Nieren freuen sich) oder Metamizol (muss leider auch sehr respektieren bezüglich der UAW)? Physiotherapie (insgeheim Massage)? Patienten selbst Übungen zeigen?
Letztlich kann man eine Blockade lösen und dabei den Patienten aufklären über den Segen von Bewegung, Sport und Wärme - zugleich auch klar machen, dass eine Blockade lösen ja nicht das Gesamtproblem löst. Manuelle Medizin/Chirotherapie ergänzt ganz einfach das Spektrum und hat seine Grenzen die man kennen sollte.
Kann nur empfehlen mal einen Grundkurs mitzumachen - wer es praktisch-hausärztlich mag fernab jedweder Esoterik, zB Christoph Seeber in Leer ist da geeignet, zumal dort noch zusätzlich richtig gut körperliche Untersuchung gelehrt wird.
Leider ist Chirotherapie etwas, was im Gegensatz zu vielen anderen Themen, aus dem Buch nicht gut lernbar ist.
Die Preise sind aber auch verwirrend. Habe jetzt nochmal genauer nachgeschaut. Für mich ist die Referenz die Akademie der Landesärztekammer Hessen, da kostet ein Kurs 1200€ (reduziert 1080€) bei 7 Kurse. Woanders werden schon Komplettpakete für 3800€ angeboten. Die Frage ist natürlich, ob die KV dann den günstigen Kurs anerkennt. Ein Mittelweg wäre nur den Grundkurs zu machen und es nach GOÄ anzubieten. Man sollte aber schon daran interessiert sein, um es gut zu können. Wir haben in unserer Gegend auch einen Orthopäden, der nur noch manuelle und Akupunktur macht (arbeitet ohne Kassenzulassung). Der hatte aber auch eine Ausbildung über mehrere Jahre in China gemacht. Wenn meine Patienten danach fragen (sind aber nicht viele), schicke ich dort hin. Die meisten sind trotz den Preisen relativ zufrieden.
ehem-user-19-05-2025-1430
14.03.2024, 16:27
Kann man bei manueller Medizin irgendwas abrechnen wenn die Patientin im HZV sind? Bei mir sind >80% HZV.... :/ Finde es eigentlihch cool und will nicht mit reich werden, aber wenigstens kostendeckend/paar Euro wäre schön...
DrSkywalker
14.03.2024, 18:49
Bei der rein monetären Betrachtung bitte noch den eigenen Stundensatz berücksichtigen.
Wenn du statt der fobi 320h notdienst am Wochenende machst, in Bayern 100€ brutto möglich wenn viel los, kostet dich die Zusatzbezeichnung fast 40.000€.
Medizinisch brauche ich MT nicht, die Patienten sollen ihre Übungen machen und ggf bekommen sie ein kg Rezept.
Bei der rein monetären Betrachtung bitte noch den eigenen Stundensatz berücksichtigen.
Wenn du statt der fobi 320h notdienst am Wochenende machst, in Bayern 100€ brutto möglich wenn viel los, kostet dich die Zusatzbezeichnung fast 40.000€.
Finde ich ansich eine berechtigte Rechnung, allerdings nur wenn man die Notdienste auch machen würde. Du kannst für mehr Geld auch in einer Mine in Australien buckeln. Deine Rechnung ist faktisch richtig, aber in den meisten Settings aber halt eine Milchmädchenrechnung.
OK danke, ja vermutlich lohnt es sich wirklich nicht. In der Hausarztpraxis fehlt mir halt das "unmittelbare, manuelle Helfen" aus der Chirurgie etwas. So oft kommen dann ja doch keine Menschen mit Abszessen oder Wunden... Nur die Zeckensaison startet bald wieder, dann kann ich die rausprokeln, yay :-keks
Apropos HZV- ich habe mich jetzt über HÄVG angemeldet und die HZV-Berechtigung beantragt- die meisten KK haben die jetzt erstmal abgelehnt, weil mir die DMP-Fortbildungs-Nachweise fehlen. Die Akademie, bei der ich Mitglied bin, bietet die DMP-Fortbildung in 6 Modulen/DMP a 30 Euro an. Mein Chef meint, er brauchte das nie, er hat immer mal einen DMP-Fortbilungstag mitgemacht, der von der Industrie gesponsert wurde.
Ist das also neu, dass man quasi eine DMP-Grundausbildung braucht? Und wenn ja, gibts die irgendwo günstiger? (Ich mache die DMPs schon seit ich in der Praxis bin und es ist ja nun wirklich keine große Kunst, sich am Formular entlangzuhangeln)
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