Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Hausarztpraxis - Treffpunkt für Allroundmediziner
][truba][
14.08.2021, 06:40
Also in Berlin kann ich sowohl für Urologie als auch allgemeinchirurgie bestätigen dass chefs zu Praxen fahren, die Abteilung vorstellen, was die so machen etc pp. Also einweiserpflege betreiben. Ruft einer davon den Chef wegen einem „dringenden“ Patienten an, darf der auch immer sofort anrücken (natürlich ohne rs bzgl betten oder Personalsituation). So dringend sind die meisten dann aber eigentlich fast nie. Also in Berlin wird geworben aber Zuwendungen sind nicht erlaubt. Wie es bei Allgemeinmedizinern ist, kann ich nicht einschätzen aber gerade bezüglich Appendices kamen auch da einige von den HA. Hab da mal einen angerufen und mich bedankt wie toll seine Einweisungsscheine sind. Aber sonst 🤷🏻*♂️
Ich denke es ist relativ einfach: ein Einweiser will Sachen unkompliziert haben. Hat schließlich eine Praxis und Zeit ist Geld. Also geht es für ihn (oder sie, könnt ihr ja selbst umwandeln) drum dass...
1. die Klinik möglichst alle eingewiesenen Fälle nimmt, nicht nur Rosinenpicken
2. es möglichst unkompliziert geht, ein Anruf, ein Einweisungsschein etc.
3. die Qualität der Arbeit passt, also die Klinik gute Arbeit macht
4. die Entlasssachen aus der Klinik möglichst gut funktionieren, sich die Klinik um möglichst viel kümmert, einen möglichst guten Brief bemüht, möglichst viel organisiert hat etc.
Und wenn eine Klinik in den Punkten besser abschneidet dann werden die Patienten möglichst dort hingeschickt.
Und weil unser Chef das auch weiß hat er letztens eine klare Ansage zum Thema Sprechstunde gemacht. Dass jeder Patient einfach zackig einen Termin in der Sprechstunde bekommt egal wie gut die Vorarbeit von außen ist. Und dann schaut man sich alles an, kümmert sich um alle Untersuchungen die man noch präOP braucht und bestellt dann den Patienten nochmal in die Sprechstunde ein um dann alles zu besprechen. Dienstleistungsgedanke und so!
Statt dass man dem Patienten sagt: ein Termin in der Sprechstunde mit V.a. Sowieso ist Schmarrn so lange nicht Untersuchung 1+2+3 vorliegen, daher bitte drum kümmern und das gleich mitbringen.
Dienstleistung für Zuweiser vor Effektivität der eigenen Sprechstunde.
Marketing und aktives Anwerben von Patienten und Niedergelassenen scheinen in Deutschland weitaus weniger wichtig genommen zu werden. In Regionen mit hoher Klinikdichte, teilweise auch mehreren Kliniken der Maximalversorgung in unmittelbarer Nähe, dürfte das aber nicht allzu unwichtig sein. Vielleicht kommt es ja irgendwann dass das auch bemerkt wird - was dann auch den Status der Zuweiserpraxen erhöhen würde. Vielleicht wird das ja mal eine Einnahmequelle für Hausärzte.
Die Aussage ist absolut falsch. Wie von meinen Vorrednern beschrieben. Ein Schlüssel für den wirtschaftlichen Erfolg einer Abteilung ist das Zuweisermanagenent. Persönliches Vorsprechen des Chefs in der Praxis, Fortbildungen, unkomplizierte Einweisungsmöglichkeiten, kurze Kommunikationswege bis hin zu Nachbesetzungen der Arztsitze durch ehemalige Ober- und Fachärzte. Die Spitze sind natürlich klinikeigene MVZ die natürlich offiziell unabhängig arbeiten.
Eine Klinik ohne eigenes MVZ lässt sich ganz schön viel Geld durch die Lappen gehen. Eine Goldgrube sind angeschlossene onkologische, rheumatologische und je nach Standort auch pulmologische und gastroenterologische Praxen. So bedienen sich die Kliniken schön aus dem ambulanten Topf.
DrSkywalker
14.08.2021, 11:35
Im Ausland ist es teilweise so, dass manche Praxen von bestimmten Kliniken dafür bezahlt werden alle ihre Patienten dorthin zu schicken.
Ob das in Deutschland funktionieren würde weiß ich nicht - wäre sicher auch nicht ganz legal, nur kann einem das wahrscheinlich auch keiner nachweisen wenn man es nicht irgendwo schriftlich fixiert hat. Und selbst dann muss sich erstmal jemand darüber beschweren. Der EW-Schein landet ja auch nur in der Abteilung die man "begünstigt" bzw. empfohlen hat.
e.
Junge, wenn du deine Approbation loswerden willst kannst du sie auch einfach zurück geben. Das was du da beschreibst ist verdammt kriminell und unter aller würde. Tickt da noch alles richtig?
Man verdient, wenn man gut ist, so viel Geld durch legale Arbeit , die paar lausigen kick back Zahlungen wären portokasse. Dafür als Betrüger im Gesundheitswesen die Existenz gefährden wäre sehr sehr dämlich.
Thomas24
14.08.2021, 11:59
Junge, wenn du deine Approbation loswerden willst kannst du sie auch einfach zurück geben. Das was du da beschreibst ist verdammt kriminell und unter aller würde. Tickt da noch alles richtig?
Man verdient, wenn man gut ist, so viel Geld durch legale Arbeit , die paar lausigen kick back Zahlungen wären portokasse. Dafür als Betrüger im Gesundheitswesen die Existenz gefährden wäre sehr sehr dämlich.
@Skywalker: reg dich nicht auf, bedenke die Quelle. Über den ambulanten Sektor wird ja leider oft so ein inkohärenter und weltfremder Unfug zusammengeschrieben (hier: offenkundig Kriminelles!!! handeln), dass es einem vom Kopfschütteln nur schwindelig werden kann. Ich warte nur noch auf ne Wortmeldung a la "Mimimi, ich hab aber vom Schwippschwager meines Skatkumpels mitbekommen, dass Dr. Meyer - Lüdenscheid in Pusemucke mal eine Kickback Zahlung vom lokalen Klinikum St. Maria und ihre 13 Nothelfer helfen immer gerne bekommen hat/haben soll".
DrSkywalker
14.08.2021, 13:33
Danke, da hast du recht, ich habe diesen User bisher nicht wahrgenommen. Das hier ist aber ein öffentliches Forum es lesen bestimmt auch nicht Mediziner mit, ich denke man sollte so einen Quatsch auf jeden Fall widersprechen.
GelbeKlamotten
14.08.2021, 14:04
Illegale und halblegale Machenschaften gibt es überall, da ist die Medizin natürlich nicht ausgenommen. Kickback-Zahlungen von Kliniken, das werden größere Kliniken vermutlich eher nicht riskieren. Kleine Privatkliniken o.ä.? Halte ich für durchaus denkbar.
Sicherlich macht die Mehrzahl der Praxisbetreiber sowas auch nicht. Aber geben tut es das selbstverständlich. Klassische Beispiele: Arzt oder Zahnarzt + Apotheker ("Versuchen Sie's am besten in Apotheke xy, die haben das immer vorrätig"), Orthopäde + Sanitätshaus,...
Die Wahrscheinlichkeit, damit aufzufliegen ist bei persönlichen Absprachen im kleinen Stil gering, der Schaden wenn es doch auffliegt natürlich potentiell groß. Ich persönlich würde das auch nicht machen, da schlafe ich lieber ruhig. Aber zu glauben dass es gar nicht vorkommt ist auch ziemlich illusorisch.
John Silver
15.08.2021, 00:06
Ich würde als Niedergelassener nie im Leben so einen Schwachsinn machen. Für die Paar Euro die gesamte Existenz riskieren?? Da muss man entweder sehr dumm, sehr verzweifelt oder sehr gierig sein.
„Bedenke die Quelle“ ist ein sehr richtiger Hinweis. User „mbs“ bleibt seinem Repertoire treu und schreibt haarsträubenden Schwachsinn, weil der Mitteilungsdrang es nicht zulässt, sich erst zu informieren oder einfach mal die Klappe zu halten, wenn man com Gesprächsgegenstand keine Ahnung hat.
cartablanca
15.08.2021, 10:09
Die Verbindung Orthopäde Sanitätshaus kenne ich eher als Regel denn als Ausnahme.
Mal so der Neugier halber: ist es tatsächlich illegal eine Klinik oder Abteilung zu empfehlen?
GelbeKlamotten
15.08.2021, 10:37
Eigentlich hilft schon eine flüchtige Google-Recherche. Hätte man vielleicht machen sollen bevor man auf mbs schimpft…
https://www.arzt-wirtschaft.de/finanzen/verbotene-verlockungen-kickback-zahlungen-an-aerzte/
„Gernot Kiefer, Mitglied im Vorstand des GKV-Spitzenverbandes und ehemaliger Vorstandschef des IKK-Bundesverbands, berichtet, dass mehr als 30 Prozent aller Akutkrankenhäuser Kickback-Verträge abgeschlossen hätten.“
Ob legal oder nicht hängt wohl von der genauen Ausgestaltung des Vertrages ab.
"Arzt & Wirtschaft" ist ein kostenloses werbefinanziertes Blatt, welches bei Vertragsärzten ungefragt im Briefkasten landet und sich durch mannigfaltige Interessenskonflikte auszeichnet (noch schlimmer als beispielsweise die Münchner Medizinische Wochenschrift).
Und dass ein Funktionär der GKV Unterstellungen über halblegale Verträge zwischen Vertragsärzten und Krankenhäusern äußert, selber aber keine Quellen angibt und sich (O-Ton des Artikels) "als Law-and-Order-Man positionierte"... valide Quellen sehen anders aus.
Hast Du bessere?
Praia-do-Forte
15.08.2021, 19:27
Also wir entscheiden nach einigen Kriterien wohin wir stationär schicken, z.B: (Reihenfolge bzw. Wichtigkeit variiert je nach Patient)
1. Wie weit entfernt?
2. Haben die Ahnung vom Thema? Können die alles selbst machen oder müssen ggf. weiterverlegen?
3. Wie unkompliziert nehmen die auf?
4. Kennen wir jemanden dort in der Abteilung?
5. Wie klappt es stationär und poststationär?
6. Was haben die noch für Abteilungen (Konsile?)
7. Patienten- oder Angehörigen-Präferenz
Mr. Pink online
15.08.2021, 20:54
Hallo zusammen, ich habe eine Frage an die bereits hausärztlich tätigen Kollegen, bzw. kurz vor Niederlassung/FA:
Ich stehe kurz vor dem FA Innere Medizin und habe ernsthafte Zweifel an einem Verbleib in der Klinik. Zum einen wegen grottiger Weiterbildungsbedingungen in der Inneren und zum anderen an der mangelnden Perspektive in der Klinik. Eigentlich wollte ich sogar noch einen FA nach dem Internisten obendrauf setzen, wie in der Klinik so üblich, aber das wird zunehmend unrealistischer. Daher überlege ich mir Alternativen. Ich kann mir gut vorstellen, in einer Niederlassung tätig zu sein, habe aber bislang 0 Erfahrung außerhalb der Klinik. Welche Möglichkeiten gibt es überhaupt für mich? Hausärztlich tätiger Internist? Gibt es das noch? Einen zusätzlichen FA in Allgemeinmedizin? Könnte ich als Internist angestellt in einer Praxis arbeiten? Wie ist diesbezüglich überhaupt die Stellensituation im Allgemeinen? Weiterbildungsplätze für Allgemeinmedizin gibt es so viel ich weiß reichlich, da die Förderung vom Land für Praxen sehr attraktiv ist, aber wie ist es wenn man bereits FA ist? Wäre es "schlauer", den FA Innere gar nicht zu machen und sich mit Förderung für den FA Allgemeinmedizin in einer Praxis anstellen zu lassen? Hoffentlich könnt ihr kompetente Antworten liefern. Falls das nicht der richtige Thread für meine Frage sein sollte, bin ich für Tips dankbar, wo ich sie stellen kann.
Irgendwie kam auf meine Frage keine große Resonanz. Könnt ihr mir einen thread empfehlen, wo ich damit gut aufgehoben bin?
Als FA Innere Medizin kannst du dich auf einen huasärztlichen Sitz anstellen lassen. Ich würde den FA auf jeden Fall abschließen. Die Unterschiede zum Allgemeinmediziner sind in deinem Fall aus rein fachlicher Sicht marginal und zu vernachlässigen.
Aber du kannst einen Fachinternisten ebenfalls ambulant abschließen. Viele Praxen haben bis zu 18 Monaten weiterbildungsermächtigung. Je nach Fach solltest du aber die Nadelöhr-Untersuchungen schon bescheinigt bekommen haben. Evtl kommt ein Klinikwechsel in Frage
Als FA Innere Medizin kannst du dich auf einen huasärztlichen Sitz anstellen lassen. Ich würde den FA auf jeden Fall abschließen. Die Unterschiede zum Allgemeinmediziner sind in deinem Fall aus rein fachlicher Sicht marginal und zu vernachlässigen.
Aber du kannst einen Fachinternisten ebenfalls ambulant abschließen. Viele Praxen haben bis zu 18 Monaten weiterbildungsermächtigung. Je nach Fach solltest du aber die Nadelöhr-Untersuchungen schon bescheinigt bekommen haben. Evtl kommt ein Klinikwechsel in Frage
Stehe selber gerade vor einer ähnlichen Entscheidung und frage mich immer mehr:
Was genau sind denn die Unterschiede zwischen dem Facharzt für Innere der hausärztlich tätig ist und dem Facharzt für Allgemeinmedizin ?
Gibt es Abrechnungsunterschiede?
Denke man kann in einer guten Praxis in 2 Jahren besser schallen lernen als in der Klinikmühle.
Und auch gerade in Bezug auf eine schnelle selbstständige Niederlassung scheint es mir von Vorteil mal 2 Jahre als WBA in einer Praxis mitgearbeitet zu haben oder ?
Bin aktuell auch an einem Punkt angelangt an dem ich mir die Frage stelle ob ich statt dem Facharzt für Innere lieber den Allgemeinmediziner machen sollte.
2 Jahre ambulante Weiterbildung mit guten Arbeitszeiten ohne Dienste sind doch sehr attraktiv im Vergleich zu den Qualen der Stationären Inneren.
Gibt es denn irgendwelche Vorteile doch den Internisten zu machen wenn man sich sowieso hausärztlich niederlassen will ?
Ich denke Ultraschall kann man auch gut in der Praxis lernen.
Das Argument mit dem fachinternisten kann ich verstehen- vor allem wenn man den Internisten sowieso bald fertig hat. Ansonsten dauert ein fachinternist ja auch nochmal 3 Jahre … inklusive vieler Dienste
cartablanca
16.08.2021, 21:15
Der Vorteil ist der, dass du als Internist im Krankenhaus
- Endoskopie
- SM-Auswertungen
- Kardioversionen
- TEE
- Bronchoskopie
etc. erlernen kannst. Das ist einerseits interessant. Andererseits steigert es deinen Marktwert. Auch wenn du mit Tätigkeiten als Vertretungsarzt liebäugelst steigert es den Marktwert.
Viele Krankenhäuser bieten ja auch in der Inneren 48 Stunden Wochen an. Ohne Dienste läuft es aber tatsächlich nicht. Außerdem kann es sein, dass man je nach Krankenhaus nicht in die Funktion kommt.
In der Praxis ist die Atmosphäre aber um EINIGES angenehmer.
Mr. Pink online
16.08.2021, 21:44
Die o. g. Sachen lernst du heutzutage in deiner Weiterbildung zum Internisten eigentlich nicht mehr. Du wirst auf Stationen oder Intensivstation verheizt. Solche Funktionen kommen dann eher in der Weiterbildung Gastro/Kardio/Pneumo. Davon abgesehen muss man ja auch wirklich viele der Untersuchungen gemacht haben, bevor man sagen kann, dass man es wirklich gut beherrscht. Das lässt sich in der 5-jährigen Weiterbildung zum Internisten nur schwer unterbringen.
cartablanca
16.08.2021, 22:42
Kommt drauf an. Also ich hab schon eine Kollegin gehabt die an der Uniklinik auf Intensiv im zweiten Jahr TEE, Kardioversion und SM -Auswertungen sowie Bronchoskopien gelernt hat. Das ist von Abteilung zu Abteilung und Krankenhaus zu Krankenhaus unterschiedlich. Man sollte bei der Stellensuche darauf achten, dass es eine feste Einteilung für Funktion gibt und das man das nicht "nebenbei" lernen muss.
Mr. Pink online
17.08.2021, 07:48
Das ist inzwischen die Nadel im Heuhaufen. Die Kliniken sind eigentlich gleichermaßen überall unter Kostendruck, insbesondere in der Inneren. Und wie gesagt, weil man Mal auf intensiv eine Bronchoskopie oder ein TEE gemacht hat, ist das noch lange nicht vergleichbar mit der Qualifikation die man als Fachinternist eigentlich braucht um das regelmäßig anzubieten.
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