Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Hausarztpraxis - Treffpunkt für Allroundmediziner
Rudiologe
02.12.2024, 16:38
Danke für eure Rückmeldungen. Wir werden hier in unserer PIA fast überrannt von Patienten, die eigentlich keine PIA-Patienten sind, die aber auch keinen ambulanten Psychiater finden, weil alle Praxen voll sind. Wir hingegen vergeben immer Termine und behandeln auch immer (fast) alle Notfallpatienten. Dafür müssen wir dann aber auch oft wieder abnabeln, um genug Kapazitäten für die Schwerkranken zu behalten, für die wir den eigentlichen Behandlungsauftrag haben. An den Hausarzt verwiese ich dabei auch nur Leute, bei denen es rein um die Weiterverordnung der Medis geht. Und damit meine ich auch eher sowas wie SSRIs bei affektiven Störungen. Patienten mit einer Kombi aus Aripiprazol, Lithium und Venlafaxin oder auch einfach nur mit Schizophreniediagnose gehen natürlich (hoffentlich irgendwann) zum Facharzt für Psychiatrie oder bleiben eben sonst so lange bei uns.
In meiner hausärztlichen Tätigkeit erlebe ich oft dass die Patienten total enttäuscht bis entsetzt vom niedergelassenen Psychiater kommen weil dieser in einem 5min Termin irgendein Medikamentenrezept über den Tisch schiebt und gut is. Das spiel dann alle 3 Monate...
Jo, ist leider so üblich, man will ja schließlich Umsatz machen. Die Frage ist jedoch, was genau erwarten die Pat. denn? Es sind nicht unbedingt bessere Outcomes in Institutsambulanzen, wo für dieselben Pat. pro Quartal zweimal 30 min (oder mehr bei bayrischem Modell) reserviert werden und sich die dortigen MA die Eier schaukeln, einschließlich einen Vormittag pro Woche "Teambesprechung" und morgens 8 Uhr nicht etwa Öffnung für Pat., sondern erstmal eine halbe Stunde "ankommen" bei Kaffee (hab ich genau so erlebt).
Rudiologe
02.12.2024, 19:26
Jo, ist leider so üblich, man will ja schließlich Umsatz machen. Die Frage ist jedoch, was genau erwarten die Pat. denn? Es sind nicht unbedingt bessere Outcomes in Institutsambulanzen, wo für dieselben Pat. pro Quartal zweimal 30 min (oder mehr bei bayrischem Modell) reserviert werden und sich die dortigen MA die Eier schaukeln, einschließlich einen Vormittag pro Woche "Teambesprechung" und morgens 8 Uhr nicht etwa Öffnung für Pat., sondern erstmal eine halbe Stunde "ankommen" bei Kaffee (hab ich genau so erlebt).
Gute und schlechte Beispiele gibt es sowohl bei niederlassenen Kollegen als auch
bei PIAs, das ist klar. Wir können in unserer PIA (bayrisches Modell) komplexe Behandlungsangebote machen, das kann kein niedergelassener Kollege auch nur ansatzweise erreichen (Sozialdienst, Ergotherapie, Sport- und Bewegungsangebote, etwa 20-30 verschiedene diagnose- und störungsspezifische und auch -übergreifende Gruppen, Krisenangebote, wenn es sein muss wöchentliche Arztkontakte, Hausbesuche durch Pflege und/oder ärztliches Personal, psychotherapeutische Einzelgespräche…). Aber ich kenne das aus PIAs in anderen Bundesländern auch, dass es zwei Arzttermine gibt pro Quartal und einen Termin beim
Sozialdienst und das war‘s. Aber selbst dann hat man als PIA immer noch den Vorteil der Nähe zur Klinik. Und meiner Erfahrung nach werden in solchen PIA‘s die Leute auch viel hochfrequenter in stationäre oder tagesklinische Behandlungen übergeleitet. Wir können bei uns extrem viel ambulant abfangen. Hat aber auch viel mit der Finanzierung und der Klinikleitung zu tun. Aber vielleicht jetzt auch langsam etwas off topic hier. :)
Beides ist aus medizinökonomischer Sicht Wahnsinn: In der Praxis scheffelt jemand Geld ohne Sinn und Verstand (5min/Quartal Rezepte rüberschieben), wofür es definitiv keinen FA braucht, in der Ambulanz wird ebenfalls sehr niedrigschwellig Geld der Solidargemeinschaft verbraucht mit unendlichen Bespaßungsangeboten, eben für einen Großteil Pat., für die eine PIA nicht gedacht war. Nach meiner Schätzung sind über 80%, eher 90% der dortigen Klientel eben keine komplexen Fälle, für die es sich lohnt zur Vermeidung von Stationsaufenthalten ein derartiges Angebot zu präsentieren. Ein sich selbst unterhaltendes System - oder auch eine Industrie.
Rudiologe
03.12.2024, 05:17
Würde ich nicht so sehen. So viel Geld ziehen wir als Psychiatrie auch nicht aus dem System im Verhältnis. Dafür können wir vielen Menschen wirklich konkret helfen, sowohl auf Funktions- als auch Symptomebene. Was sind denn Bespaßungsangebote? Die Spaziergangsgruppe für Menschen, die teilweise seit Jahre sozial isoliert zu Hause gesessen haben? Oder bist du auch der Meinung, dass Ergotherapie nur basteln ist?
Das große Geld wird an ganz anderer Stelle aus dem System gezogen.
Citratzyklus_92
06.12.2024, 15:41
Ich habe eine Frage bezüglich der Weiterbildung Allgemeinmedizin:
Ich habe bereits fast 2 Jahre in der Radiologie gearbeitet. Mir fehlen somit unbedingt noch die 12 Monate Innere Medizin. Mach ich diese dann einfach in einem Krankenhaus und kündige nach 12 Monaten oder muss die Stelle explizit als Allgemeinmedizin ausgeschrieben sein? Darüber hinaus werden noch 2 Jahre in der Allgemeinmedizin gefordert und weitere 6 Monate in der unmittelbaren Patientenversorgung (laut AEKWL). Müsste ich dann nach 2 Jahren die Weiterbildungsstelle wechseln und in einer andere Hausarztpraxis ziehen?
Du kannst einfach kündigen, du kannst aber auch mit offenen Karten spielen, dann kannst du wegen der Förderung vielleicht was raushandeln (Dienste, Fortbildungen, PSOM-Grundversorgung -Kurs...). Vielleicht kannst du dann auch länger als 12 Monate im Haus bleiben und die 3 Jahre Nicht-Allgemeinmedizin Vollmachen mit Radio+Innere
Wieso solltest du wechseln müssen? Radio ist auch bei der ÄKWL unmittelbare Patientenversorgung für die 6 Monate und x Monate der 18 anderen.
Und wenn Wechsel, dann nur, weil der andere Praxisinhaber noch was anderes weiterbilden kann.
Citratzyklus_92
08.12.2024, 17:13
Du kannst einfach kündigen, du kannst aber auch mit offenen Karten spielen, dann kannst du wegen der Förderung vielleicht was raushandeln (Dienste, Fortbildungen, PSOM-Grundversorgung -Kurs...). Vielleicht kannst du dann auch länger als 12 Monate im Haus bleiben und die 3 Jahre Nicht-Allgemeinmedizin Vollmachen mit Radio+Innere
Wieso solltest du wechseln müssen? Radio ist auch bei der ÄKWL unmittelbare Patientenversorgung für die 6 Monate und x Monate der 18 anderen.
Und wenn Wechsel, dann nur, weil der andere Praxisinhaber noch was anderes weiterbilden kann.
Also direkt im Bewerbungsgespräch sagen, dass man nur 12 Monate bleiben möchte?
Ich habe 18 Monate Radiologie. Bedeutet, dass noch 6 Monate in anderen Fächern fehlen, 12 Monate Innere und 24 Monate Allgemeinmedizin. Die restlichen 6 Monate müsste ich dann wieder woanders verbringen oder ich mache sofort 18 Monate Innere, was ich aber vermutlich nicht durchhalten werde. Wäre es möglich die restlichen 6 Monate auch in der Allgemeinmedizin zu machen, also 30 statt nur 24 Monate?
Da wäre eigenes Gefühl wichtig. Je nach dem wie der Chef drauf ist.
Oder du sagst halt, dass dein Ziel Allgemeinmedizin ist und dir die genaue Dauer noch nicht klar ist und dann einfach schauen, wie es sich entwickelt. Kann ja sein, dass du 15 Monate machst oder die ZNA doch dein Ding wird oder oder.
Und wieso willst du für die geförderte Weiterbildung so lange in die Allgemeinmedizin? Geh doch in die Derma, zum Kinderarzt, Orthopäden, um für alle Beteiligten gewinnbringend was zu lernen/mitzuarbeiten. Oder du gehst in die Mibi oder Labormed oder Arbeitsmedizin (und verlängerst da, um gleich ZB Betriebsmedizin mitmachen zu können).
HeleneeneleH
18.12.2024, 13:58
Hab eine Frage bzgl elogbuch an die WBA.
Habe in der Praxis angefangen und werde wohl demnächst mal in die Klinik rotieren.
Wenn ich jetzt in die Innere gehe, dann füge ich die Zeit trotzdrm ,,nur" als Abschnitt im eLogbuch für Allgemeinmed aus, oder? Gilt dann auch für die restlichen Monate in anderen Fächern?
(Also ich muss nicht mehrere logbücher anfangen?)
Immer im jeweiligen Fach, denn du lernst ja dann bei einem Weiterbilder für Innere und nicht für Allgemeinmedizin.
HeleneeneleH
18.12.2024, 18:06
Stimmt, das ist logisch..
Aber wenn ich jetzt zB 3 oder 6 Monate Dermatologie mache, dann kann ich doch natürlich bei weitem nicht bei allen Punkten abhaken, es gemacht zu haben und komme natürlich auch nicht auf die eigentlich erforderlichen Zahlen für den FA Derma (auch logisch). Das lässt man dann einfach lückenhaft ausgefüllt? (Den FA Derma will man ja auch nicht machen..)
Mhh ganz schöner Dschungel.
Hey Leute,
Gibt es hier Allgemeinmediziner die Fachärztlich angestellt arbeiten oder ggf. Inhaber mit angestellten FA? Mich interessiert, was man als angestellter FA realistisch verdienen kann? An die 120k+ gehälter wie viele andere FA zB Radio angestellt etc, kommt mal wohl eher nicht dran oder?
Wollte eigentlich Arbeitsmedizin machen bin aber gerade in einer Hausarztpraxis (Einzelpraxis ca. 1500 scheine)und es macht mir doch sehr viel spaß. Die Praxis ist aus dem näheren Bekanntenkreis und die Übernahme wäre grundsätzlich irgendwann möglich, habe sehr solide Zahlen transparent gezeigt bekommen. Möchte mich aber ungern direkt, falls es doch Allgemeinmedizin werden sollte, niederlassen und bin jetzt am Grübeln, da ich vermute dass man angestellt eher "schlechter" verdient. Freue mich über jeden Input!
Hey Leute,
Gibt es hier Allgemeinmediziner die Fachärztlich angestellt arbeiten oder ggf. Inhaber mit angestellten FA? Mich interessiert, was man als angestellter FA realistisch verdienen kann? An die 120k+ gehälter wie viele andere FA zB Radio angestellt etc, kommt mal wohl eher nicht dran oder?
Wollte eigentlich Arbeitsmedizin machen bin aber gerade in einer Hausarztpraxis (Einzelpraxis ca. 1500 scheine)und es macht mir doch sehr viel spaß. Die Praxis ist aus dem näheren Bekanntenkreis und die Übernahme wäre grundsätzlich irgendwann möglich, habe sehr solide Zahlen transparent gezeigt bekommen. Möchte mich aber ungern direkt, falls es doch Allgemeinmedizin werden sollte, niederlassen und bin jetzt am Grübeln, da ich vermute dass man angestellt eher "schlechter" verdient. Freue mich über jeden Input!
Mache den Facharzt Allgemeinmedizin und dazu Zusatzbezeichnung Betriebsmedizin oder Facharzt Arbeitsmedizin - dann wärst du als auch Angestellter Arzt in Hausarztpraxis sehr sehr viel wert…
Ja das ist im Moment auch was mit so im Hinterkopf schwebt, am liebsten mit dem ganzen FA Arbeitsmedizin. Muss ich mal schauen ob dafür meine Motivation reicht :) aber bringt das in der Hausarztpraxis echt so viel mehr ? Klar man kann die Untersuchungen machen aber die meisten größeren Betriebe bzw. Arbeitgeber haben ja einen “eigenen” überregionalen Dienstleister oder auch eigenen Arbeitsmediziner.
HeleneeneleH
19.12.2024, 13:05
Danke dir, JAK1 :)
Hey Leute,
Gibt es hier Allgemeinmediziner die Fachärztlich angestellt arbeiten oder ggf. Inhaber mit angestellten FA? Mich interessiert, was man als angestellter FA realistisch verdienen kann? An die 120k+ gehälter wie viele andere FA zB Radio angestellt etc, kommt mal wohl eher nicht dran oder?
Wollte eigentlich Arbeitsmedizin machen bin aber gerade in einer Hausarztpraxis (Einzelpraxis ca. 1500 scheine)und es macht mir doch sehr viel spaß. Die Praxis ist aus dem näheren Bekanntenkreis und die Übernahme wäre grundsätzlich irgendwann möglich, habe sehr solide Zahlen transparent gezeigt bekommen. Möchte mich aber ungern direkt, falls es doch Allgemeinmedizin werden sollte, niederlassen und bin jetzt am Grübeln, da ich vermute dass man angestellt eher "schlechter" verdient. Freue mich über jeden Input!
Kommt immer drauf an, wo man arbeitet. In der Pampa in nem MVZ kriegt man bestimmt über 100k, bei nem Chef in der beliebten Stadt weitaus weniger, da man auch gut und gerne mit Teilzeitlern konkurriert, wo der Partner genug verdient. 1500 Scheine sind recht viel, die Frage ist, ob man auf Dauer es aufrecht erhalten kann, einen Betrieb die Woche zusätzlich zu betreuen. Bedarf ist sicherlich da und sollte ein Zubrot von 20k+ im Jahr bringen. Jedes Jahr, wo man kürzer niedergelassen ist, verliert man so 100k brutto, hat aber mehr Freiheit und kann sich besser weiterbilden (den Diabetologen oder Betriebsmediziner wird man mit voller Zulassung nicht mehr machen können...). Bei der Niederlassung bindet man sich (fast) fürs Leben.
Kommt immer drauf an, wo man arbeitet. In der Pampa in nem MVZ kriegt man bestimmt über 100k, bei nem Chef in der beliebten Stadt weitaus weniger, da man auch gut und gerne mit Teilzeitlern konkurriert, wo der Partner genug verdient. 1500 Scheine sind recht viel, die Frage ist, ob man auf Dauer es aufrecht erhalten kann, einen Betrieb die Woche zusätzlich zu betreuen. Bedarf ist sicherlich da und sollte ein Zubrot von 20k+ im Jahr bringen. Jedes Jahr, wo man kürzer niedergelassen ist, verliert man so 100k brutto, hat aber mehr Freiheit und kann sich besser weiterbilden (den Diabetologen oder Betriebsmediziner wird man mit voller Zulassung nicht mehr machen können...). Bei der Niederlassung bindet man sich (fast) fürs Leben.
Hey! Danke für deinen Beitrag, im Grunde ist es der letzte Satz der mir bei der Niederlassung “Angst” macht, man wird halt sehr unflexibel im recht “jungen” Alter, falls man sich direkt niederlässt. Meinst du es ist möglich aus eine einzelpraxis, auf zwei Ärzte hoch zu skalieren, sprich dann 2500 Scheine ? Man “spart” sich ja die doppelten Mietkosten etc.? Frage mich nur wenn dann der alte Inhaber tatsächlich in Rente geht, man eine 3000 Scheine Praxis hat ist man ja “gezwungen” das ganze als Gemeinschaftspraxis weiterzuführen oder ? Man hat ja die Patienten schon im System dann.
Hey! Danke für deinen Beitrag, im Grunde ist es der letzte Satz der mir bei der Niederlassung “Angst” macht, man wird halt sehr unflexibel im recht “jungen” Alter, falls man sich direkt niederlässt. Meinst du es ist möglich aus eine einzelpraxis, auf zwei Ärzte hoch zu skalieren, sprich dann 2500 Scheine ? Man “spart” sich ja die doppelten Mietkosten etc.? Frage mich nur wenn dann der alte Inhaber tatsächlich in Rente geht, man eine 3000 Scheine Praxis hat ist man ja “gezwungen” das ganze als Gemeinschaftspraxis weiterzuführen oder ? Man hat ja die Patienten schon im System dann.
Erstmal brauchst du einen zweiten Sitz, sonst gibt es bei über 1500 Scheine zu viel Abzüge. Um den zweiten Sitz zu besetzen muss entweder jemand niedergelassen sein, also du teilst dann den Gewinn, oder du stellst jemanden mit mind. 30,5h ein (zumindest bei uns so). Ob das sich schon bei 2000 Scheinen rentiert, weiss ich nicht. Die andere Frage ist doch, wo die Patienten herkommen sollen. Ich kenne keinen Selbstständiger, der einen Aufnahmestopp für fitte Patienten hat. Also haben vielleicht nur komplexe Patienten Probleme einen passenden Hausarzt zu finden, und da ist man stärker zeitlich sowie psychisch limitiert, wie viele man adäquat versorgen kann. Miete ist bei den Betriebsausgaben nur untergeordnet, Personalkosten wiegt viel schwerer. Um zwei Ärzten zuzuarbeiten braucht man definitiv mehr MFAs. Zudem ist man langsamer, wenn man nur in einem Zimmer arbeitet statt zwischen den Zimmern springen zu können. Größerer Patientenstamm bedeutet auch größeres Einzugsgebiet was eventuell auch bedeutet, dass weniger Vertretungspatienten kommen (da eine andere Praxis doch näher dran ist). Außer du hast irgendeine tolle Spezialisierung. Von 1500 auf 2500 Scheine zu skalieren dauert bestimmt mehrer Jahre in einem nicht stark unterversorgtem Gebiet. Da passt doch die Kombi Betriebsmedizin und Allgemein.
Dein letzter Gedanke ist allerdings unbegründet. Bei 3000 Scheine stellst du einen Kollegen für 100k+ ein und verdienst auch noch genug. :-P
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