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freestyler
20.12.2024, 06:32
Trenn hat es sehr schön zusammengefasst. Genau so ist das. Ich habe auch 1500 Scheine und das ist für einen alleine schon grenzwertig bzw. stressig. Haben zu häufig ja gesagt. Und ein Zurück geht nicht mehr. Und trotzdem rufen täglich Patienten an, die nicht versorgt sind. Wir lehnen aber seit Monaten ab.

JAK1
20.12.2024, 14:12
Ruft ihr eigentlich in der Notaufnahme an, wenn ihr einen Patienten einweist? Ich mache das immer und erkläre weshalb, was mein Verdacht ist, was ich an Vordiagnostik gemacht habe und dass ich dem Patienten die letzten Arztbriefe und einen Medikamentenplan mitgegeben habe. Mittlerweile nervt es mich einfach nur noch, weil die Kollegen in der Notaufnahme zu 99% unfreundlich sind und genervt sind, dass sie noch einen Patienten bekommen. Ich kann das einfach nicht verstehen, der Pat hat alles richtig gemacht, ist erst zum Hausarzt, ich hab ne Blutentnahme, Sono etc. Gemacht und dann wird vom Kollegen gemault? Was sind da so eure Erfahrungen? Mittlerweile denke ich mir, ab jetzt schicke ich sie einfach ohne Anzurufen, weil ich mir diese Telefonate nicht mehr antun möchte.

DA1994
20.12.2024, 14:17
Würde ich auch so machen, in der ZNA wird sowieso immer nur gemault angesichts der Arbeitsbelastung und Chance genutzt, zu diskutieren.

Wichtiger ist, dass der Patient die Unterlagen mitbekommt sofern möglich oder zumindest ein paar Stichworte (und nicht nur "ihre Blutwerte sind schlecht")

Sh4dy21
20.12.2024, 14:29
Erstmal brauchst du einen zweiten Sitz, sonst gibt es bei über 1500 Scheine zu viel Abzüge. Um den zweiten Sitz zu besetzen muss entweder jemand niedergelassen sein, also du teilst dann den Gewinn, oder du stellst jemanden mit mind. 30,5h ein (zumindest bei uns so). Ob das sich schon bei 2000 Scheinen rentiert, weiss ich nicht. Die andere Frage ist doch, wo die Patienten herkommen sollen. Ich kenne keinen Selbstständiger, der einen Aufnahmestopp für fitte Patienten hat. Also haben vielleicht nur komplexe Patienten Probleme einen passenden Hausarzt zu finden, und da ist man stärker zeitlich sowie psychisch limitiert, wie viele man adäquat versorgen kann. Miete ist bei den Betriebsausgaben nur untergeordnet, Personalkosten wiegt viel schwerer. Um zwei Ärzten zuzuarbeiten braucht man definitiv mehr MFAs. Zudem ist man langsamer, wenn man nur in einem Zimmer arbeitet statt zwischen den Zimmern springen zu können. Größerer Patientenstamm bedeutet auch größeres Einzugsgebiet was eventuell auch bedeutet, dass weniger Vertretungspatienten kommen (da eine andere Praxis doch näher dran ist). Außer du hast irgendeine tolle Spezialisierung. Von 1500 auf 2500 Scheine zu skalieren dauert bestimmt mehrer Jahre in einem nicht stark unterversorgtem Gebiet. Da passt doch die Kombi Betriebsmedizin und Allgemein.
Dein letzter Gedanke ist allerdings unbegründet. Bei 3000 Scheine stellst du einen Kollegen für 100k+ ein und verdienst auch noch genug. :-P

Mega, vielen Dank für den ausführlichen Beitrag und deine Expertenmeinung. Meine naive Meinung war ja, da die Praxis und tatsächlich auch alle anderen Praxen im “Dorf “keine Patienten mehr nehmen können, und täglich Leute nachfragen die dann leider abgewiesen werden , dass man das mehr oder weniger leicht generieren kann. Aber klar die Patienten sind natürlich auch endlich. Wobei die Region nach der KV nicht als gefährdet bzw. unterversorgt eingestuft ist.

nie
20.12.2024, 14:35
Naja, ich arbeite in einer völlig überlasteten Großstadt-ZNA. Gespräche mit Niedergelassenen, die irgendwen einweisen wollen, kosten mich nur Zeit, die ich nicht habe. Und bis der entsprechende Patient dann irgendwann mal auftaucht, hab ich den eh wieder vergessen weil ich bis dahin tausend andere Dinge machen muss. Oder er landet dann bei einem Kollegen, der von all dem gar nichts weiß (hier arbeiten zu Spitzenzeiten 5-6 Ärzte und 2-3 PAs, da gelangen solche Telefonate nie zur richtigen Person) und doch wieder von vorne anfangen muss. Es hat in der Regel auch keinen Mehrwert, wenn der Patient telefonisch angekündigt ist weil man sich ja doch alles erst anschauen kann wenn der Patient da ist. Mir sind da tatsächlich Patienten lieber, die mit vernünftigen Unterlagen inkl. konkreter Fragestellung/Verdachtsdiagnose ankommen. Da kann man sich dann eben kurz einlesen und muss sich nicht an irgendein Telefonat erinnern, was man irgendwann mal auf irgendeinen Zettel gekritzelt hat.

JAK1
20.12.2024, 14:39
Es gibt natürlich alles notwendige und erhobene dazu. Wenns von NFA Seite nur nervig ist spare ich mir da ab jetzt die Spucke. Dachte eigentlich das wäre kollegial eine kleine Übergabe zu machen.

nie
20.12.2024, 15:52
Kommt halt drauf an, ich kann halt nur für „meine“ ZNA sprechen. Bei uns kündigt auch der Rettungsdienst nur Schockräume/STEMIs an.

In meiner Heimatstadt war es dagegen zu meinen Rettungsdienstzeiten explizit erwünscht, dass Patienten telefonisch angekündigt werden. Ist aber halt auch kleiner und familiärer, da kennt man sich auch untereinander.

Aber wenn du das Gefühl hast, dass die Leute am Telefon eher genervt und unhöflich sind, dann scheint es ja bei dir eher nicht gewünscht zu sein.

JAK1
20.12.2024, 17:58
Hast recht nie. Wird vermutlich so sein, aber schade irgendwie. Ich habe ja auch Interesse, dass mein Patient in der NFA gut behandelt, richtig triagiert etc. wird.

Kandra
20.12.2024, 21:49
Ich schicke unsere Patienten meist in mein altes Haus (ist auch das nächste) und kannte es schon so, dass man anruft wenn man ein Kind einweist. In den letzten Wintern waren die Häuser aber alle so überlastet, dass der Patient abgelehnt wurde, wenn man ihn angekündigt hat. Nachdem ich dann irgendwann mal bei einem Patienten alle 4 Kliniken in der Nähe durch hatte und keiner das Kind haben wollte, hab ich das anrufen eingestellt und einfach geschickt. Ich hab in der Praxis keine Zeit um halb Bayern nach einem Bett abzutelefonieren. Ich weiß, der Arzt in der Notaufnahme hat dafür auch keine Zeit, aber das kann ich dann leider nicht ändern und so bekommt das Kind wenigstens schon mal eine rudimentäre Versorgung. Mal sehen, wie es dieses Jahr wird...
Blutwerte und Befunde bekommen die Patienten natürlich auch immer mit.

anignu
21.12.2024, 22:11
Ich weiß immer nicht was ein Hausarzt erwartet wenn er anruft. Es kommt ein Anruf "Patient hat kaltes Bein". Ja und? Dann schick ihn halt. Schick möglichst viele Infos zum Patienten mit, schau dass der Patient umso früher umso besser kommt und fertig. Ich weiß ja nicht mal ob ich ihn mir selbst anschau oder ein Kollege. Ist ja auch egal. Hauptsache der Patient wird adäquat behandelt. Und ich weiß auch nicht ob die Notaufnahme ein Bett für den Patienten hat oder der Patient erstmal draußen warten muss. Insofern kommt eh nur ein "alles klar, dann einfach so schnell wie möglich schicken" und ich arbeite weiter wie gehabt...

Wobei: was wirklich was bringt ist z.B. eine Aktion wie kurz telefonisch ankündigen (oder auch nicht ankündigen, wie es tatsächlich war ist ja egal) und auf die Überweisung draufschreiben "Einweisung Gefäßchirurgie, wie telefonisch besprochen". Denn dann versucht die Notaufnahme ab der Sekunde ab der der Patient da ist uns anzurufen, wir wissen sofort Bescheid, können unsere Duplexsonographie machen und eine Entscheidung treffen wie es weiter geht. Sowas ist schon cool. Ansonsten warten die Patienten oft ewig bis was vorangeht.

davo
21.12.2024, 23:05
Ich find, dass das einfach eine Sache der Höflichkeit ist. Wenn man jemanden schickt, dann ruft man natürlich auch an.

Absolute Arrhythmie
22.12.2024, 16:02
Ich find, dass das einfach eine Sache der Höflichkeit ist. Wenn man jemanden schickt, dann ruft man natürlich auch an.

So wie ich am Telefon von manchen Kollegen behandelt werde, überlege ich es mir drei Mal, ob ich einen Patienten telefonisch ankündige... Ich werde nur abgewimmelt, meine Verdachtsdiagnose hinterfragt, etc. Wir versuchen eh Einweisungen zu vermeiden und vermitteln sehr viel ambulante Diagnostik. Wenn jmd geschickt wird, dann hat der in der Regel auch was.. Und dann schicke ich entweder mit ausgeprägter Klinik, oder eben mit Befunden.

Ausnahme: Strokes bespreche ich vorab mit dem Diensthabenden Neurologen.

Trenn
22.12.2024, 20:02
So wie ich am Telefon von manchen Kollegen behandelt werde, überlege ich es mir drei Mal, ob ich einen Patienten telefonisch ankündige... Ich werde nur abgewimmelt, meine Verdachtsdiagnose hinterfragt, etc. Wir versuchen eh Einweisungen zu vermeiden und vermitteln sehr viel ambulante Diagnostik. Wenn jmd geschickt wird, dann hat der in der Regel auch was.. Und dann schicke ich entweder mit ausgeprägter Klinik, oder eben mit Befunden.

Ausnahme: Strokes bespreche ich vorab mit dem Diensthabenden Neurologen.

Wozu bei Strokes vorab besprechen? Subakute Strokes sind nicht mehr zeitkritisch, die Leute, die in die Praxis kommen, sind selten schwer betroffen, dass sie einen Stammverschluss haben und die im Lysezeitfenster laufen über die Leitstelle per Rettungssienst. Gefühlt wimmeln alle nur ab, erlebe ich oft genug im Bereitschaftsdienst.

Absolute Arrhythmie
22.12.2024, 20:41
Ich hab die Neurologen hier als sehr dankbar empfunden, da werden die Patienten dann auch wirklich erwartet. Da hab ich dann irgendwie eher das Gefühl dass es Sinn macht. Abwimmeln ist in dem Fall hier auch eher nicht möglich, es gibt nicht so viele Stroke Units hier in der Gegend.

anignu
23.12.2024, 01:26
Bei nem Stroke wird bei uns der Rettungsdienst incl. Notarzt gerufen und der Notarzt MUSS dem diensthabenden Neurologen telefonisch die wichtigsten Dinge zum Patienten incl. Ankunftszeit durchgeben. Ist so geregelt bei uns und funktioniert sehr gut.

Und die anderen Notfälle: irgendwelche Bäuche oder vermeintliche Gefäßprobleme oder Ähnliches. Einfach Schicken. Und nur im Zweifel anrufen. Manche Hausärzte rufen an weil sie sich unsicher sind bzgl. des weiteren Vorgehens. Das macht manchmal Sinn dann kann man denen sagen "sofort schicken" oder "Termin in der Sprechstunde ausmachen" oder wie auch immer man die Dringlichkeit einschätzt. Aber die Ankündigung, dass ein Patient kommt, find ich immer eher so mitteltoll. Denn dann wird vielleicht auch noch erwartet dass man sich persönlich drum kümmert auch wenn man schon Dienstschluss hat und ein anderer Kollege zuständig ist etc... einfach schicken. Hilft ja eh nix. Und was da ist wird abgearbeitet.

Trenn
23.12.2024, 03:53
Mein Punkt ist eben welcher Patient aus der Hausarztpraxis ist schon im Lysezeitfenster. Außer die, die man nach nem Telefonat direkt von zu Hause schickt (aber dann auch wieder mit dem Rettungsdienst). In nem (über)regionalen Stroke unit hatten wir pro Tag 3-6 Zeitfenster Patienten, dann noch mal das zwei bis dreifache subakute Fälle und Verdachtsfälle, da hätten wir es gar nicht geschafft, auf angekündigte subakute Fälle zu warten. Mein Punkt ist eben, dass wenn der Patient schon auf den Hausarzt wartet es meist über 6 Stunden dauert seit Symptombeginn, bis er im CT ist oder der Schweregrad so gering ist, dass nicht thrombektomiert wird. Ein Notarzt wird ja nur bei den akuten oder welche mit ABC-Problemen geschickt, da "wartet" der Neurologe auf den Patienten. Ansonsten hatten die Sanitäter alleine die Übergabe gemacht.

JJ*
23.12.2024, 09:29
Der lokale Maximalversorger hat rund um die Uhr einen koordinierenden Oberarzt in der Notaufnahme, der auch alle telefonischen Vorankündigungen entgegennimmt und an die zuständigen Kollegen weitergibt. Das System funktioniert, soweit ich das überblicke, ganz gut, ist aber gedacht für Patienten, die entweder einer unmittelbaren Intervention/Diagnostik bedürfen (zum Beispiel besagte Stroke-Patienten, hier regulär ohne Notarzt) oder einen Monitor-Platz bzw. andere Notaufnahme-Ressourcen brauchen. Wobei das natürlich auch die Patienten sind, die üblicherweise mit dem Rettungsdienst kommen. Andere Patienten würde ich, sofern nicht ausdrücklich anders gewünscht, auch eher nicht ankündigen. Man hat ja schon im Rettungsdienst teilweise ermüdende telefonische Diskussionen mit Krankenhäusern, das würde ich mir als Hausarzt erst recht nicht antun wollen, wenn ich mir mit der Indikation für die Vorstellung sicher bin.

morgoth
23.12.2024, 10:04
Als Psychiater in einer ZNA rate ich auch ganz klar vom Anrufen (durch den Hausarzt/Facharzt) ab.
Die Infos aus dem niedergelassenen Bereich werden für die Akutbeurteilung und -versorgung des Patienten definitiv nicht benötigt, und ein Gespräch muss ja eh geführt werden.
Ich brauche keine mündliche Vorabinformation, dass sich die seit Jahren bestehende Depression in den letzten Wochen verschlechtert hat und jetzt alle ambulanten Massnahmen ausgeschöpft sind. Dafür ist mein Kopf (wie oben zutreffend beschrieben) bereits zu voll mit Details zu bereits real anwesenden Menschen.

(Wenn durch den Zuweiser eine akute Gefährdung festgestellt/vermutet wird, sollte ein geeigneter Transport + ein verständlicher Kurzbericht/Überweisungsschein veranlasst werden.)

Praia-do-Forte
23.12.2024, 12:24
In meiner alten Praxis hab ich vorher immer im Kh angerufen, da der RD darauf bestand und sonst einen riesen Aufstand gemacht hat.
Die haben die Patienten dann teilweise so lange nicht mitgenommen bis ich einen Platz gefunden hatte...

20km weiter hab ich das Problem jetzt nicht mehr. Zumindest nicht von Seiten des RD. In den meisten Fällen, auch wenn der Pat. nicht mit RD kommt, ist es sogar besser nicht anzukündigen. Bei manchen KH (zb 5km weiter) weiss ich, es funktioniert auch ohne Anruf (ich schicke + schreibe natürlich alles wichtige mit). Da würde ich nur Zeit in der Warteschleife vertrödeln.
Beim Kh direkt neben uns rufe ich nur den Kardio-OA an wenn dringend, ansonsten sollen die Leute einfach rüber. Da hatte ich schon Pappnasen am Telefon die sagten, "rufen Sie nächste Woche nochmal an"
... Und nein, ich weise sehr selektiv ein.

Fr.Pelz
07.01.2025, 15:33
Mir erzählte heute eine Patientin, dass ihre Krankenkasse nur noch Reha-anträge online annimmt, die Papierform gäbe es seit dem 1.1. nicht mehr.
Ihr und mir war dabei nicht klar, ob es um das Muster 61 geht oder um den Antrag S0051 für die DRV. Weiß da jemand was genaueres?

Mein Prozedere bislang war, die Patienten mit Muster 61 zu ihrer KK zu schicken zur Kostenträgerprüfung auf dass diese dann den Patienten entweder den Antrag für die DRV mit vorausgefüllter Rentenversicherungsnummer mitgegeben haben oder eben nach Teil B-E vom Muster 61 verlangten.