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Lava
07.11.2006, 17:07
Ne leere Intensivstation? Sowas gibt's auch? Bei uns würde man die sofort mit Patienten aus anderen Abteilungen füllen... besonders die Innere lagert gern mal aus :-D

Berlinerin
10.11.2006, 17:05
Also bei uns ist es auch so dass man, auch als blutiger Anfänger, die Stationen mit insg. 90 Betten, die Ambulanz und die Intensiv (8 Betten, davon 4 internistisch und 4 chirurgisch) mitbetreuen muss. Mir ist da auch nie wohl bei. Habe jetzt 5 Dienste hinter mir und bisher war es Gott sei Dank auf der Intensiv relativ ruhig. Wenn es Probleme mit Beatmungen gab, hab ich halt den Anästhesisten gefragt (der für die 4 chirurgischen Pat. zuständig ist). Aber prinzipiell habt ihr recht - es ist unverantwortlich wenn es mal richtig zur Sache geht. Ich kann weder einen ZVK noch Arterien legen noch sonst irgendwas in der Richtung. Selbst Intubieren dürfte schwierig werden. Hab ich zuletzt in ner Famulatur. Wo her soll man das auch können mit 3 Monaten Berufserfahrung? Mir wäre es in meinen Diensten wesentlich wohler wenn ich wüßte auf der Intensiv wär noch einer der Ahnung hat. An kleinen Häuser ist es aber eben leider so üblich dass man allein ist und da muss man dann eben durch. Und im Zweifelsfall muss eben der Hintergrund öfter reinkommen.

Ansonsten kann ich dem vorher gesagten nur zustimmen. Man hat einen Horror hoch drei vor den Diensten und dann schafft man es irgendwie doch. Ich habe immer noch überall Bücher drappiert, 1 in der Ambulanz, 1 auf Intensiv und 1 in der Kitteltasche :-lesen . Und irgendwie hangelt man sich dann so durch :-?

Gruß aus Bonn

Berlinerin

Sackbauer
10.11.2006, 19:51
Also da kommt mir ja die nackte Angst den Ruecken hoch, wenn ich das so les, wie das in D so laeuft.

Mal ein paar Impressionen aus UK: in einem durchschnittlichen Krankenhaus mit ~500 Betten wuerde es in der Nacht geben:

Interne:
- Medical House Officer (PRHO): jemand im 1. Ausbildungsjahr, hauptzustaendig fuers Management der Patienten auf den Stationen, aber auch, falls Zeit, fuer Neuaufnahmen meist von Patienten, die per Hausarztueberweisung kommen (verpflichtender Review durch SHOs)
- 2 Medical Senior House Officers (SHOs): 2.-4. Ausbildungsjahr, zustaendig fuers Beantworten der Fragen der PRHOs bzgl. stationaerer Patienten und Neuaufnahmen von internistischen Patienten
- Medical Registrar: 4.-9. Ausbildungsjahr, "Assi", Letztinstanz fuer alle internistischen Probleme ueber Nacht (+Tag) von stationaerer Pat. + Neuaufnahmen.
- zu Hause: Medical Consultant: Fach bzw. Oberarzt. Hab ich noch nie waehrend der Nacht im KH gesehen, abgesehen von Notfall-Endoskopien oder Herzkatheter (wobei hier meist auch fachspezifische Consultants angerufen werden).
- Bed-Manager: Senior-Schwester, zustaendig fuer Verteilung der Patienten auf die entsprechenden Stationen/Betten

Zusaetzlich in A&E (Notaufnahme):
- 1-2 Senior House Officers (2.-4. Ausbildungsjahr): Evaluation/Behandlung aller Patienten, die durch die Tuer kommen
- A&E-Registrar: 4.-9. Ausbildungsjahr, Supervision der SHOs

Chirugie:
- surgical House Officer: detto, Stationsbetreuung, Aufnahmen von Patienten, die via Hausarztueberweisung kommen
- surgical/orthopaedics Senior-House-Officer (2.-4. Ausbildunsjahr): zustaendig fuer Aufnahme aller chirurgischen/traumatologischen/urologischen Patienten
- surgical Registrar (meist on-site): "Chirurgie-Assi", faehig, die meisten Dinge selbstaendig zu operieren (wie Appendix, Hernien....).

Intensivstation/Anaesthesie:
- anaesthetics SHO (2.-4. Jahr): eigenstaendige kleinere Anaesthesien, Supervision durch....
- anaesthetics Registrar (4.-9. Jahr): betreut Intensiv + Notfallanaesthesiedienst
- obstetrics Registrar: zustaendig fuer Epidurale....

Ein Herzalarmteam ("crash team") besteht aus...
- Medical HO, 2 SHOs, Registrar (Teamleiter)
- Anaesthesie SHO/Registrar
- Bed-Manager
- Porter (Hol/Bringdienst)
- untertags Resus-Officer (meist Ex-Sanis/Intensivschwestern)

Ein "Trauma-Team", das bei erwarteten Polytraumatas angefordert wird, aus
- surgical HO, SHO, Registrar
- orthopaedics SHO, Registrar
- Roentgentechniker
- A&E SHO+Registrar +-Consultant
- Anaesthesie SHO+Registrar

Berlinerin
11.11.2006, 10:25
Wir sind nachts zu viert. 1 Chirurgie Assi, 1 Innere Assi, 1 Gyn Assi und 1 Anästhesie Assi. Super Besetzung, ne? :-(( Allerdings hat das Haus auch nur 230 Betten.

Pünktchen
11.11.2006, 11:19
:-D

In einem 143 Bettenhaus sind wir nachts 3-4 Assis plus 1-2 Oberarzt/Chefarzt von denen einer Leiterdienst (Rotation durch alle Abteilungen) hat. Von diesen hat einer aus der Inneren oder Chirurgie den Notarztdienst :-D

Abteilungen Pädiatrie, Gyn/Geburtshilfe, Chirurgie, Anästhesie und Innere....

Doktor_No
11.11.2006, 12:57
bei uns (ca. 600 betten):
1 viscchirassi
1 uchassi
2 innereassis (1x notfall, 1x intensiv)
1 anästhesie-op-assi
1 intensivanästhet
1 mkgassi
1 neuroassi (rufdienst)
1 radioassi (rufdienst)

Evil
12.11.2006, 10:12
560 Betten:
Chirurgie 1 Ambulanzassi, 1 Hausassi, 1 Rufdienstassi, Hintergrund
Innere (Schichtdienst) 1 Assi im Haus, 1 Assi in der Ambulanz, Hintergrund
Anästhesie 1 Hausdienstassi, Hintergrund
Intensiv (unabhängige Schicht) 1 Assi (Innere oder Anä)
Gyn 1 Hausdienstassi, Hintergrund
Uro 1 Hausdienstassi, Hintergrund
Pädiatrie 1 Hausdienstassi, Hintergrund
Radio 1 Hausdienstassi, Hintergrund

agapi
12.11.2006, 12:44
Hallo,

trete im Januar meine erste Assistenzarztstelle auf einer Inneren Station an. Den ersten Dienst soll ich nach 4 Wochen machen! Das find ich schon ziemlich schnell! Klar soll im Hintergrund ein erfährener NEF-Arzt sitzen, aber trotzdem!

Goborg
12.11.2006, 13:55
Hallo.

Naja, ihr seid ja alle ganz gut besetzt - sind aber auch größere häuser. wir haben knapp 140 betten und da wäre es luxus, noch mehr bereitschaftler zu haben.

hab inzwischen den 2. dienst hinter mir, der auch wieder sehr ruhig war. viel zu tun hat man mit den sachen auf station. sachen, über die man sich teilweise vorher selbst nie wirklich gedanken gemacht hat. aber dafür beschäftigt man sich dann halt im dienst damit (unser FOA sagte neulich: jaja, medizin lernt man erst so richtig im dienst...) aber dafür behält man es dann auch besser, glaube ich.

inzwischen bin ich mit büchern ausgestattet: perioperatives management als kittelbuch, leitfaden chir. ambulanz und den larsen hab ich im dienst auch mit ;)

und so wurschtelt man sich eben durch.

Skalpella
12.11.2006, 13:58
Den LARSEN :-(( !!!?????
Den dicken, fetten LARSEN? Als Kitteltaschenbuch nehm ich an:-))

Sackbauer
12.11.2006, 14:06
Das beste medizinische Buch/Klinikleitfaden unter dieser Sonne ist meiner Meinung nach das Oxford Handbook of Clinical Medicine. Ueber eine Million verkaufter Exemplare geben dem Konzept Recht. Man wird kaum etwas klinisch relevantes finden, das in diesem Buch net drinsteht. Vielleicht etwas Mut zum Englischen? Es lohnt sich, glaubt mir.

Ach ja, das beste Intensivmedizin-Taschenbuch ist Intensive Care, von Simon M. Whiteley (Churchill's Pocketbooks) oder Critical Care Medicine at a Glance (Leach).

Goborg
12.11.2006, 15:30
jo den dicken fetten larsen :D

erwähnte ich nicht, dass ich mit nem rucksack im dienst rumlaufe ? ;-)

Skalpella
12.11.2006, 15:42
jo den dicken fetten larsen :D

erwähnte ich nicht, dass ich mit nem rucksack im dienst rumlaufe ? ;-)
:-)) :-dafür

hohesC
18.11.2006, 19:29
So, ich habe jetzt auch meinen ersten Dienst hinter mir. Ich arbeitet in der Frauenklinik in nem relativ großen Haus. Wir selbst haben 69 Betten. Also gestern um 7 angefangen mit der Frühbesprechung von der aus ich direkt zu einer laufenden Geburt geschickt wurde. Sehr süßes Mädchen :-wow Danach der typische Stationsalltag....Entlassungen, Visite, Kreißsaalvorstellung, eine Entlassung gegen ärztlichen Rat ( mal wieder so ein junges Mädchen,22, mit der Begründung, sie müße rauchen gehen.Als ich etwas erschrocken guckte, weil sie eine Schachtel raucht am Tag in der 35 SSW, schnauzte sie mich an, das sie vorher 3 Schachteln geraucht hatte! :-(( ). Als ich mit der fertig war und das Mittag in greifbare Nähe rückte, mußte ich in den OP. Nun gut, eine TVT, danach schnell Mittagessen eingeatmet, dank meiner Oberärztin, die mich gehen ließ. Danach eine laparoskopische Salpingovarektomie. Danach kurzer EDV-Kurs für meine Kollegin, wie man mit einem USB Stick umgeht.(auch sowas muss getan werden! :-) ) !5:15 Übergabe und ab jetzt war´s mir komisch, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Übelkeit, am liebsten auch nach Hause gehen. Aber irgendwann muss man ja mal anfangen und ein vollwertiges Mitglied des Kollektivs werden :-oopss
Also auf in den Kampf.
Meine diensthabende Oberärztin verteilte die noch ausstehenden Aufgaben unter uns, nachdem wir die Hausrunde gemacht hatten. Ich habe noch 2 Schwangere aufgenommen, eine davon 15! (Pille vergessen....) dann Kleinkram erledigt, d.h. zwischen dem 3. und 4. Stock Treppe rauf, treppe runter...oben ist die Gyn, unten der Kreißsaal und die Präpatalen. Und dann war meine Oberärztin gegangen..... :-oopss
Nachdem ich mit den Schwestern der Gyn gegessen hatte, brauchte unser Sorgenkind auf der Wochenbettstation eine neue Flexüle. Eine sehr nette Vietnamesin, die kaum deutsch spricht. Wir unterhalten uns immer mittels eines Wörterbuches. Sie hatte vor 11 Tagen extern entbunden und war zu uns gekommen, weil ihr Kind auf der Kinderstation liegt. Dann hat sie mal eben so bis auf 41, 8 gefiebert. Seitdem suchen wir nach der Ursache. Gott sei DAnk hat sie das letzte Nacht nicht nocheinmal gemacht....
Um 23 Uhr irgendwas bekamen wir ein Kind nachdem die Frau Temperatur bekommen hatte und mit Puls und Blutdruck in die Höhe ging. Da das CTG auch nicht so berauschend aussah, hatte ich meinen Hintergrund angerufen. Eigentlich wollte ich nur erstmal hören, was ich machen soll, aber sie ist gleich gekommen und so haben wir dann gemeinsam mit den anderen Hebammen gewartet, bis das Kind da war. (Die Frau war mit ihrer Beleghebamme gekommen.)Ich hab dann die Epi versorgt. Oben auf der Gyn meldet sich eine mit ner Nachblutung, die wir mit einem Sandsack bekämpft haben, es sickerte so ein bißchen aus der Einstichstelle des einen Trokars. Um 1 bin ich dann ins Bett. Um 2 hat es dann gepiept.... Die Rettungsstelle! Davor hatte ich im Vorfeld die meiste Angst, weil ich ja auf der Geburtshilfe bin und noch nicht soviel Rettungsstellen gesehen hatte. Sie war als Nachblutung angekündigt worden und entpuppte sich als verkannte Regelblutung! Die Frau glücklich und ich auch, weil ich wieder ins Bett gehen konnte. Um halb 5 rief mich der Kreißsaal wieder an. Eine Geburt.... Da kommt ein riesen Kind! Naja, so riesig war es dann nicht, noch eine Epi zu versorgen und dann um dreiviertel 7 nochmal ins Bett und um dreiviertel 8 wieder aufgestanden und auf die Ablösung und Erlösung gewartet! :-dance
Geschafft! So schlimm war es also nicht, aber wer weiß was noch so kommen wird. Den restlichen Tag hab ich fast nur geschlafen.
Bin ganz schön matschig in der Birne.
Jetzt hab ich erstmal eine Woche Urlaub, was für ein Glück!
Gruß HohesC

trina1081
18.11.2006, 21:43
Nach welcher Zeit hast du den ersten Dienst in der Gyn gemacht?

Evil
18.11.2006, 22:18
Und nicht den armen Gasmann für eine PDA aus dem wohlverdienten Schlaf gerissen? Lobenswert :-))

ramirez
19.11.2006, 01:04
Und nicht den armen Gasmann für eine PDA aus dem wohlverdienten Schlaf gerissen? Lobenswert :-))

*unterschreib* vorzugsweise nachts um 4....

teletubs
23.11.2006, 18:25
moin!

bin mittlerweile bei dienst numero acht angekommen! :-keks den esrten hatte ich sanfterweise nach guten zwei wochen.... :-(( naja...rein ins kalte wasser und ordentlich schwimmen! :-keks c´est la vie! :-nix
morgen kommt der nächste...

hohesC
27.11.2006, 19:00
Sorry, ich war ne Woche im Urlaub....
Mein erster Dienst war nach 4 1/2 MOnaten, sie waren gnädig zu mir! :-) Der nächste ist am Freitag in der netten KOmbi mit Sonntag :-kotz Naja, wird schon werden.
Bei uns sind die PDAs nicht so "in"... ;-)

Gruß HohesC

Goborg
02.01.2007, 23:15
Hallo und ein frohes neues jahr allerseits !

habe jetzt schon meinen 12. dienst hinter mir.
da wir ein kleinstadtkrankenhaus sind, sind zum glück meistens nur lapalien gekommen (hatte aber auch schon ganz knackige verletzungen gesehen).
und als neuling wurde ich nun zum neujahrsdienst eingeteilt.
habe dann mal die ganzen residuen aus der sylvesternacht versorgt, die ihren rausch ausgepennt hatten und dann mit den frakturen und prellungen etc. kamen.
die nacht war zum glück recht ruhig.

ne wirkliche katastrophe kam erst heute morgen
20 minuten vor schichtende ruft vermittlung an:" der krankenwagen bringt was, was genau hab ich nicht verstanden"....*grmpfl*

ich inne ambulanz...die assis kommen total verpennt mit nem alkoholisierten Pat.
O-Ton: "keine ahnung was der hat, hat uns die Polizei übergeben" *grrrrrrpppffffmmlllll* keine vitalwerte, kein bodycheck, nix.

ich den mal so halbwegs wachgemacht, er sagte "bin verprügelt worden, alles tut weh"

beim bodycheck platzwunde kopf gesehn, thorax schmerzhaft, leichte dyspnoe, abdomen bretthart...... *klingeling --> alarmglocken!)

erstmal zugang gelegt, ringer dran und dann röntgenorgie mit renitentem patienten...alle waren wir begeistert....(mach mal ne dens-aufnahme mit einem nicht-stillliegen-wollendem patienten :D)

während der abdomen-übersicht (ich füllte gerade den aufnahmezettel aus) sagte die MRTA ich solle mal gucken, da stimme was nicht.
ich rein, patient blitzeblau und am krampfen....
:-wow mit diazepam wieder ruhig bekommen, aber dann kreislaufeinbruch....

ich mal ganz fix das sono aus der ambulanz geholt (wie schaltet man das überhaupt ein ?? :-??? ), schwester losgeschickt für HAES zum holen, MRTA OA anrufen lassen...... war irgendwie hektisch, kann mir nicht helfen...

hatte dann beim sono den (begründeten ) verdacht auf freie flüssigkeit (und das nicht wenig). zum glück war ja inzwischen OA und auch OP personal im hause zum dienstbeginn, so dass er dann 15 minuten später aufm tisch lag mit ner fetten milzruptur.

das war mal äkschen so zum dienstende hin... aber auch diese katastrophe hatte ihren guten ausgang :)

aber letztendlich wächst man mit seinen diensten... die fragen, die auf station so nachts aufkommen lernt man bald zu beantworten (und die anweisungen zu verantworten ;) ), und auch wenn das herz noch manchmal bummert, wenns telefon geht...man gewinnt echt sicherheit und dann machts auch langsam spass, der diensthabende zu sein :)

fazit: macht euch vor den diensten keinen zu großen kopf. man muss glück haben, kann aber auch pech haben. aber egal was kommt, ihr bekommt das irgendwie hin. ich sage auch noch manchmal...moment ich melde mich zurück, oder lasse nen patienten nach RÖ in der ambulanz sitzen, um ins buch zu sehen.

bis die tage,

chris.