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davo
02.11.2022, 08:22
In meiner Hausarztfamulatur hatte ich auch den Eindruck, dass Privatpatienten eigentlich bedeutungslos sind. Wenn die Praxis gut organisiert ist und man bereit ist, sich mit betriebswirtschaftlichen Aspekten, mit der Abrechnung, usw. auseinanderzusetzen, kann das Einkommen dennoch sehr hoch sein.

Das ist IMHO etwas befreiendes an der Niederlassung - man hat es, anders als im Krankenhaus, zu einem guten Teil selbst in der Hand, ob man effizient arbeitet oder nicht, ob man viel Einkommen haben will oder nicht.

Es gibt ja sogar Radiologen, die große finanzielle Probleme haben. Manche Ärzte sind nicht willens und/oder nicht fähig, sich mit betriebswirtschaftlichen Aspekten auseinanderzusetzen. Und manche Ärzte gehen daran zugrunde, dass sie auf einmal Unternehmer sind, dass sie Mitarbeiterführung machen müssen, usw., und schließen ihre Praxis nach ein paar Monaten wieder.

Ich hab in den letzten Monaten in ein paar psychiatrischen Praxen hospitiert, und mein Eindruck war auch da ähnlich. Manche Ärzte sind einfach wahnsinnig schlecht organisiert, arbeiten extrem ineffizient, und bei anderen läufts wie am Schnürchen. Das fängt mit der Software an und hört mit der Prozessoptimierung auf.

Seit ich mich näher damit beschäftige, hab ich die "Angst" vor der Niederlassung zum Glück verloren. Es ist, glaube ich, erlernbar. Gibt ja viele, die es schaffen :-))

JJ*
02.11.2022, 08:37
Deckt sich auch mit den Erfahrungen in meiner Hausarzt-Famulatur. Der Praxisinhaber war dankenswerterweise sehr offen, was das Thema angeht und hat mir zum Ende einen halben Tag lang die betriebswirtschaftlichen Grundlagen der Praxis erklärt und auch Zahlen gezeigt. Das war eine Einzelpraxis in einem sozialen Brennpunkt mit absolut marginaler P-Patienten-Quote, dafür deutlich überdurchschnittlicher Scheinzahl und Nutzung diverser der von Evil angesprochenen „Eigenheiten“. Der Reingewinn war signifikant höher als die Zahlen aus dem Artikel, O-Ton: „Wir könnten problemlos noch 1-2 Ärzte anstellen“. Ich war jedenfalls sehr positiv überrascht.

klump3n
02.11.2022, 16:26
hatte den artikel gerade gefunden und wollte das hier im forum zum thema machen. wo gibt es denn als OA 86k netto? hier wird doch brutto und netto verwechselt, oder nicht?

und ein paar kommentare darüber "dafür würde ich mich auch nicht selbstständig machen" - wenn das ironie war, dann hab ich sie nicht verstanden. das sind 7100 netto im monat, nach abzug aller kosten (inklusive versicherungen).

gibt es irgendwo möglichkeiten zu kalkulieren, wie viel man in welcher region mal ungefähr als niedergelassener allgemeinmediziner netto verdienen könnte?

rappelpaprika
02.11.2022, 16:56
gibt es irgendwo möglichkeiten zu kalkulieren, wie viel man in welcher region mal ungefähr als niedergelassener allgemeinmediziner netto verdienen könnte?

Es gibt von dem Hausärzteverband in Baden-W. einen Verdienstkalkulator. Findet man ganz leicht über google. Die jeweiligen Werte kann man eingeben und auch die Kostenquote verändern (ist ja auch von Praxis zu Praxis verschieden)

anignu
02.11.2022, 22:40
wo gibt es denn als OA 86k netto? hier wird doch brutto und netto verwechselt, oder nicht?
86k netto geht als Krankenhaus-OA. Rechne doch einfach selbst: nimm nen OA in TVÄ-VKA (https://oeffentlicher-dienst.info/aerzte/kommunal/), nicht frisch sondern sagen wir 3-4 Jahre im Dienst und rechne dir selbst aus was man mit Lohnsteuerklasse 3 dann bekommt. Und dann rechne ein Drittel dazu für Dienste. Auf die kann man sich zwar nicht immer verlassen aber irgendwie auch wieder schon. Also 86k netto geht. Die Dienste bedingen halt 1-2 Wochenenden im Monat und genug Dienste unter der Woche.

rappelpaprika
03.11.2022, 00:44
86k netto geht als Krankenhaus-OA. Rechne doch einfach selbst: nimm nen OA in TVÄ-VKA (https://oeffentlicher-dienst.info/aerzte/kommunal/), nicht frisch sondern sagen wir 3-4 Jahre im Dienst und rechne dir selbst aus was man mit Lohnsteuerklasse 3 dann bekommt. Und dann rechne ein Drittel dazu für Dienste. Auf die kann man sich zwar nicht immer verlassen aber irgendwie auch wieder schon. Also 86k netto geht. Die Dienste bedingen halt 1-2 Wochenenden im Monat und genug Dienste unter der Woche.

Wieviel Wochenstunden hätte denn ein solcher OA? Ist das ähnlich den AÄ ca. 60+?
Ich frage mich, ob das ZI die Durchschnittszahlen publiziert um den Nachwuchs von einer Niederlassung (mit der Absicht mehr Geld als im KH zu verdienen) abzuschrecken , weil im KH Personal fehlt

anignu
03.11.2022, 01:21
Mei, rechne doch. Um von 105k brutto auf 131k brutto zu kommen musst du rechnerisch 50h statt 40h arbeiten. Verstehst was ich mein? Oder im Monat ca. 44h mehr. Davon ziehen wir doch gleich mal die Rufdienstpauschalen ab für sagen wir 6 Rufdienste mit 4x2h unter der Woche und 2x4h am WE, dann kommst auf verbleibende 28h Rufdienst-/Überstunden die du noch erbringen müsstest. Oder 7h pro Woche. Also im Schnitt 47 Arbeitsstunden pro Woche. Verstehst was ich mein.

Aber täusch dich da nicht! Als Assistenzarzt kommt man sehr schnell auf sehr viele bezahlte Stunden weil man Dienste macht. Bereitschaftsdienste werden schon ziemlich gut vergütet, wenn sie ehrlich eingestuft werden. Wenn man durcharbeitet und dafür eine schlechte Stufe bekommt ist das natürlich Mist. Ansonsten geht es. Und dafür hat man aber auch unter der Woche gern mal nen freien Tag oder mindestens einen halben Tag um irgendwelche Termine auf die Reihe zu bekommen. So läuft das als OA nicht. Man ist auf der einen Seite in der Regel jeden einzelnen Tag da, auf der anderen hat man noch den Rufdienst der schon einschränkend ist. Und wenn man Termine hat, baut man dafür halt Überstunden ab oder legt die Termine in den Urlaub. Die Sachen klingen cooler als wenn man selbst drin steckt...
Als Assistenzarzt konnte ich mich nebenbei total easy um einen Hausbau kümmern. Einfach bissl mehr Dienste machen und ich hatte so viel Freizeit zu normalen Geschäftszeiten. Als OA geht da nix mehr. Termine überhaupt auf die Reihe zu bekommen ist da schon schwieriger. Regelmäßig unter tags irgendwas zu tun haben bei 100% kann man vergessen. Und wenn man überlegt zu reduzieren gibt es auch wieder weniger Gehalt.

rappelpaprika
03.11.2022, 02:48
Mei, rechne doch. Um von 105k brutto auf 131k brutto zu kommen musst du rechnerisch 50h statt 40h arbeiten. Verstehst was ich mein? Oder im Monat ca. 44h mehr. Davon ziehen wir doch gleich mal die Rufdienstpauschalen ab für sagen wir 6 Rufdienste mit 4x2h unter der Woche und 2x4h am WE, dann kommst auf verbleibende 28h Rufdienst-/Überstunden die du noch erbringen müsstest. Oder 7h pro Woche. Also im Schnitt 47 Arbeitsstunden pro Woche. Verstehst was ich mein.


Vielen Dank, ist mir jetzt verständlich

Dragonheart
07.11.2022, 09:06
Guten Morgen ihr Lieben,
Bald geht es für mich hoffentlich nach der Pflichtzeit in der Inneren weiter auf de Weg zum FA Allgemeinmedizin. Daher plane ich gerade, oder versuche es, die nächsten Weiterbildungsabschnitte...

Da stellt sich mir immer wieder die Frage in wie weit es sinnvoll / ratsam / praktikabel oder sogar notwendig (?) ist auf dem Weg auch den Notarzt zu machen? Sprich zb in die Anästhesie zu gehen für die Pflichtzeit auf Intensiv/Anästhesie für die Anrechnung hierzu.

Aktuell, nach 9 Monaten in der Klinik, habe ich 0,00 Interesse daran später Notarzt auf der Straße zu fahren. Jedoch wäre es, allein um der persönlichen Weiterbildung für die Praxis / Hausbesuche später nicht schlecht. Oder was meint ihr?

h3nni
07.11.2022, 10:35
Wenn du kein Interesse am Fahren hast, brauchst du auch die ZB nicht.

Fürs eigene Lernen kann man die Kurse trotzdem machen, also den 80h Kurs für die ZB, NASim Kurse und vielleicht kannst du sogar auf dem NEF hospitieren. Sozusagen die ZB ohne die Weiterbildungszeit und Prüfung ;)

In Bayern kann man auch 6 Monate in eine ZNA für den Schein, vielleicht wäre das eine Option?

Markian
07.11.2022, 15:42
Guten Morgen ihr Lieben,
Bald geht es für mich hoffentlich nach der Pflichtzeit in der Inneren weiter auf de Weg zum FA Allgemeinmedizin. Daher plane ich gerade, oder versuche es, die nächsten Weiterbildungsabschnitte...

Da stellt sich mir immer wieder die Frage in wie weit es sinnvoll / ratsam / praktikabel oder sogar notwendig (?) ist auf dem Weg auch den Notarzt zu machen? Sprich zb in die Anästhesie zu gehen für die Pflichtzeit auf Intensiv/Anästhesie für die Anrechnung hierzu.

Aktuell, nach 9 Monaten in der Klinik, habe ich 0,00 Interesse daran später Notarzt auf der Straße zu fahren. Jedoch wäre es, allein um der persönlichen Weiterbildung für die Praxis / Hausbesuche später nicht schlecht. Oder was meint ihr?

Ich würde dir eher empfehlen mehr als 12 Monate Innere zu machen. Die Lernkurve ist hier definitiv noch nicht beendet. Notarztschein würde ich an deiner Stelle nicht machen und wenn dann wäre es sinnvoller das über den Weg Innere ITS und dann Notarztschein zu machen, als einen Wechsel in die Anästhesie anzustreben.

Dragonheart
07.11.2022, 19:04
Ich würde dir eher empfehlen mehr als 12 Monate Innere zu machen. Die Lernkurve ist hier definitiv noch nicht beendet. Notarztschein würde ich an deiner Stelle nicht machen und wenn dann wäre es sinnvoller das über den Weg Innere ITS und dann Notarztschein zu machen, als einen Wechsel in die Anästhesie anzustreben.

Leider ist aktuell bzw dies zeichnet sich die letzten Monate immer mehr ab, dass eine längere Zeit als die Pflichtzeit in der stationären Inneren für mich keine Option ist...

Dragonheart
07.11.2022, 19:06
Wenn du kein Interesse am Fahren hast, brauchst du auch die ZB nicht.

Fürs eigene Lernen kann man die Kurse trotzdem machen, also den 80h Kurs für die ZB, NASim Kurse und vielleicht kannst du sogar auf dem NEF hospitieren. Sozusagen die ZB ohne die Weiterbildungszeit und Prüfung ;)

In Bayern kann man auch 6 Monate in eine ZNA für den Schein, vielleicht wäre das eine Option?

Mhh ein interessanter Mittelweg, wobei das sich liest als wäre es nichts halbes nichts ganzes. Ist ja auch nicht billig der Spaß.
Durch die ganzen Nachtdienste in letzter Zeit käme schon einige an Zeit in der ZNA zusammen :-)
Wobei man ja laut WBO auch 24 Monate stationäre Weiterbildungen braucht für die ZB, von dem her....

nappy
07.11.2022, 19:23
Würde die Zusatzbezeichbung nur machen wenn folgende karriereoptionen offen bleiben sollen:
1. nach dem Allgemeinmediziner die Weiterbildung Betriebsmedizin - Arbeit als Werkarzt im Verlauf

2. zurück Richtung Klinik- klinische akut und Notfallmedizin - da werden immer mal Allgemeinmediziner gesucht

Hört sich aber nicht so an als ob du in die Klinik willst später ;).
Man sollte die Infektzeit als Hausarzt aber auch nicht unterschätzen vom Stresslevel …

Dragonheart
07.11.2022, 21:11
Beide Optionen würde ich, zumindest stand heute für mich ausschließen.

Dessen bin ich mir voll und ganz bewusst und die "Klinikflucht" soll nicht mit "Lotterleben in der Praxis" missverstanden werden. Als Student hatte ich damals den/die hausärztlichen Kollegen auch bei so manchen 10-13h Stunden Tagen begleitet und es war nicht immer ein Zuckerschlecken. Aber mein Herz schlägt einfach für dieses Fach wie es bei keinem anderen der Fall war. Zudem liegt mir das Selbstmanagement und die Arbeitsweise einer (eigenen) Praxis einfach mehr.
Daher, und aus diversen anderen Gründen wird es bei mir die (ländliche) Allgemeinmedizin werden und ich möchte der Klinik (und der Fachrichtung, aber besonders der Inneren) so schnell als möglich den Rücken kehren.
Ich frage mich nur, ob es nicht doch später in der Praxis (warum auch immer) sich als besser herausstellen könnte damals (also mehr oder weniger jetzt) die ZB Notarzt gemacht zu haben / zu machen...

_calendula_
07.11.2022, 21:23
Wenn du so überlegst, und du jetzt die Zeit und die Möglichkeit dazu hast, dann mach es?
Du hast zwar dann nicht die Übung, die jemand hat der regelmäßig fährt und den Rest der Zeit auch akutmedizinisch arbeitet, aber das ist ja auch nicht dein Ziel.

h3nni
07.11.2022, 22:17
Ist ja auch nicht billig der Spaß.
Durch die ganzen Nachtdienste in letzter Zeit käme schon einige an Zeit in der ZNA zusammen :-)
Wobei man ja laut WBO auch 24 Monate stationäre Weiterbildungen braucht für die ZB, von dem her....

Billig ist nichts, Manuelle Medizin kostet auch einiges usw.
Praxistrainings für Rea kosten je nach Aufwand auch mal ein paar Tausend Euro, die Frage ist, denkst du es bringt dich inhaltlich weiter oder nicht.

Wenn du weg aus der Klinik willst, ist Anästhesie, vor allem für ein halbes Jahr um Zeiten zu sammeln glaub suboptimal. ZNA ist da wahrscheinlich der geringste Widerstand, den man gehen könnte, wenn man muss bzw will. ITS bringt bestimmt auch viel, um es mal gesehen zu haben, für Verfügungen usw, aber nochmal richtig stationär...

Naja, das stationäre für die ZB könnte man theoretisch auch in der Derma machen oder in der Reha oder so.

Dragonheart
08.11.2022, 09:55
Wenn du so überlegst, und du jetzt die Zeit und die Möglichkeit dazu hast, dann mach es?
Du hast zwar dann nicht die Übung, die jemand hat der regelmäßig fährt und den Rest der Zeit auch akutmedizinisch arbeitet, aber das ist ja auch nicht dein Ziel.

Naja, die Möglichkeit direkt habe ich nicht. Ich müsste dafür noch mindestens ein Jahr an der aktuellen Stelle bleiben für die Mindestzeit / Zeit auf Intensiv / dem Kurs. Und genau das ist das letzte was ich aktuell wollte...

Dragonheart
08.11.2022, 10:05
Billig ist nichts, Manuelle Medizin kostet auch einiges usw.
Praxistrainings für Rea kosten je nach Aufwand auch mal ein paar Tausend Euro, die Frage ist, denkst du es bringt dich inhaltlich weiter oder nicht.

Wenn du weg aus der Klinik willst, ist Anästhesie, vor allem für ein halbes Jahr um Zeiten zu sammeln glaub suboptimal. ZNA ist da wahrscheinlich der geringste Widerstand, den man gehen könnte, wenn man muss bzw will. ITS bringt bestimmt auch viel, um es mal gesehen zu haben, für Verfügungen usw, aber nochmal richtig stationär...

Naja, das stationäre für die ZB könnte man theoretisch auch in der Derma machen oder in der Reha oder so.

Wobei ich mir persönlich Manuelle Medizin zb echt gut vorstellen könnte zu machen und auch in der Praxis "zu nutzen". Wie zb auch Naturheilverfahren, Palliativmedizin etc.

Es stellt sich mir einfach die Frage, auch Sicht eines praktizieren Hausarztes, ob es im klinischen Alltag in der Praxis einen Mehrwert hat den Notarztschein zu haben / mal gemacht zu haben. Oder ob man später als niedergelasse Hausarzt eh nix mehr damit am Hut hat und es sich "auch Hätte sparen können"

nappy
08.11.2022, 12:59
Im klinischen Alltag hilft dir nicht der Notarztschein sondern klinische Erfahrung - also lieber noch nen bisschen ZNA mitnehmen und schallen lernen