vim3
25.03.2020, 08:35
Das schon, für diese Petition habe ich mich auch extrem geschämt. Aber sie hat es meines Erachtens nach gut auf den Punkt gebracht, ohne das wie einen Brandbrief (wie die meisten Posts der Gruppe) zu formulieren:
Ich habe nach wie vor das Bedürfnis auf meiner Facebookseite und in meinem Bekanntenkreis Stellung zu nehmen und die Tragik unserer aktuellen Situation darzustellen. Hier mein Vorschlag dessen, was ich gerne zumindest privat posten möchte, ohne dass es als "Alleingang" verschrien wird. Ich bin offen für jegliche Kritik. Besonders der Teil zu Jana ist durchaus kritisier-und optimierbar. Zur Not lasse ich den auch komplett weg. Sollten sich viele in der Darstellung wiederfinden und auch das Gefühl haben, dass diese Inhalte in diesem Zusammenhang fehlen, kann man über weitere Schritte nachdenken. Ich habe als Studentin das Bedürfnis öffentlich den frechen Annahmen von Fr. Jünger zu widersprechen und mir "Solidarität" nicht absprechen zu lassen:
-----> auch im PDF angehängt, da dort übersichtlich formatiert.
Es ist Zeit zu entscheiden – Medizinexamen und PJ im Chaos:
Das Instituts für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP) und der Medizinische Fakultätentag (MFT) empfehlen das zweite Staatsexamen der Medizinstudierende (M2) ausfallen zu lassen und 2021 die Studierende die M2 zusammen mit der M3 nach einem Praktischen Jahr in der Coronakrise abhalten zu lassen.
Die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) hat sich schon mehrfach positioniert und erklärt, warum dieser Ansatz, so wie er aktuell diskutiert wird aus Sicht der Studierende nicht akzeptabel ist. (Positionspapiere finden sich im Anhang)
Der Marburger Bund und das Bündnis junger Ärzte stellen sich hinter die Studierende (s. Anhang) und lehnen ein Zusammenlegen von M2 und M3 in der bisher geplanten Form ab.
In der Presse werden zunehmend Kommentare von einzelnen Studierende unter Zeitungsartikeln zitiert oder einzelne Studierende interviewt. Dabei fällt auf, dass teilweise eindimensional berichtet wird. Es hilft nicht ein authentisches Bild zu gewinnen, indem man einzelne, oft sehr emotional verfasste Kommentare zitiert, ohne den Kontext realistisch aufzuzeigen: die Studierende stehen seit Monaten unter massivem Druck und bereiten sich auf „das“ große Staatsexamen in der medizinischen Ausbildung vor - auch ohne Corona befinden sie sich in einer Ausnahmesituation und sind enorm angespannt.
Hauptproblem ist, dass die Kommunikation sämtlich zuständiger Behörden (wie IMPP, MFT, Bund) über die Köpfe der Studierende hinwegläuft. Zur Lösungsfindung werden die Studierende weder eingebunden, noch wird mit ihnen direkt kommuniziert. „Wer spricht mal mit uns? Wieso wird über uns fremdbestimmt?“, melden sich einige Studierende in Kommentaren unter den entsprechenden Artikeln seit Tagen zu Wort. „Warum bezieht uns nach wie vor niemand in die Überlegungen mit ein?“
Offiziell findet das für den 15.4. geplante Examen nämlich weiterhin statt! Dass geplant ist, es eventuell abzusagen und im gleichen Schritt die Bedingungen des PJs gleich mit zu ändern, und nebenbei eine zurecht obsolete Prüfungsmodalität zu reaktivieren, erfahren die unter Hochdruck lernenden Studierende aus Zeitungsartikeln. Dabei wird auch noch behauptet wird das sei „im Sinne der Studierenden“ (IMPP) und ein “Benefit für die Studiereden“ (MFT). Dieses Vorgehen ist im besten Fall noch als schlechter Stil zu bezeichnen. Im schlechtesten Fall könnte man den Institutionen vorwerfen, dass sie ihre Stellung missbrauchen, um öffentlich Stimmung gegen Positionen oder Vorschläge der Studierenden zu machen und die Tatsachen zu verzerren (Jana Jünger (IMPP)).
Kommen wir also zurück zu den Tatsachen. Klar steht schon jetzt:
Dass sich die große Mehrheit der Medizinstudierende ihrer Verantwortung der Gesellschaft gegenüber bewusst ist und durchaus gewillt ist ihren Teil in der Versorgung von Patienten zu übernehmen, indem sie – in welcher Art auch immer – das Gesundheitssystem zu entlasten. Die vielen von Medizinstudierenden ins Leben gerufenen Initiativen, die schon heute mehrere hundert Unterstützer haben und Medizinstudierende, die in Kliniken aushelfen zeigen, dass wir durchaus gewillt sind unseren Teil in der Krise beizutragen. Beharrungen auf einem Examen oder eine unglücklich formulierte Petition widersprechen dieser Tatsache nicht, da durchaus nach Kompromissen gesucht wird und mittlerweile sehr unterschiedliche Lösungsansätze vorgebracht wurden.
Beides ist vielmehr Ausdruck des Frustes und der Angst, dass über die Köpfe entschieden wird und diese Krise nicht auf dem Rücken und zu Lasten der Studierenden ausgetragen werden soll. Wer der Mehrheit der Studierende Unsolidarität vorwirft, hat sich mit den Gründen hinter einzelnen Forderungen nicht ausreichend beschäftigt oder sieht nicht, wie variabel die Meinungen auch unter den Studierende sind. Wenn sie sich in einem Punkt einig sind, dann in dem, dass sie Verantwortung gerne übernehmen und sich einbringen, solange man sie nicht nur ausnutzt, sondern gemeinsam nach flexiblen Lösungen für die aktuellen Probleme sucht.
Egal wie die kommenden Entscheidungen ausfallen: Der aktuelle Jahrgang von Medizinstudierende wird aller Wahrscheinlichkeit nach kein PJ absolvieren, wie es laut Approbationsordnung vorgesehen ist, sondern in diesem Ausnahmezustand Hilfsdienste leisten, um an „vorderster Front“, die Ärzteschaft und die Pflege zu unterstützen. Die in Zeiten außerhalb der Corona-Krise vorgesehene Lehre und praktische Ausbildung wird in diesem Kontext zu kurz kommen. Darüber hinaus steht die mit dem PJ verbundene Einsicht in verschiedene Fachbereiche auf dem Spiel. Das PJ bietet im Regelfall die einmalige Chance praktische Fähigkeiten auch in den Fachbereichen zu sammeln, in denen man später eventuell nicht arbeiten wird, Kliniken kennen zu lernen, die potenzielle Arbeitgeber sein könnten und bildet einen wichtigen Pfeiler in der Ausbildung eines Arztes. Die Arbeitsbedingungen in diesem Jahrgang werden all dies höchstwahrscheinlich nicht ermöglichen. Beispielsweise wird darüber diskutiert Studierende umzuverteilen und dort einzusetzen, „wo sie gerade gebraucht werden“. Dass wir keine vollausgebildeten Ärzte sind, ist kein Grund unsere Motivation und Bereitschaft zu helfen herabzuwürdigen. In diesem Kontext muss man wissen, dass Studierende schon jetzt unter Umständen Mietverträge gekündigt, Verträge unterschrieben, andere Wohnungen angemietet haben und große Veränderungen ohne Rücksprache mit den Studierende nicht berücksichtigen, dass für viele das oft unbezahlte PJ auch ohne Coronakrise enorme Hürden mit sich bringt. Von offizieller Seite wird hier deutlich zu eindimensional nur daran gedacht, uns möglichst effizient einzusetzen und schnell durchzuschleusen, damit durch unseren Sondereinsatz keine Leerlaufzeiten entstehen und der ohnehin schon bestehende Ärztemangel verschärft wird. Hier muss die Lehre mitberücksichtigt werden und es müssen die Studierende in der individuellen Situation berücksichtigt werden. Pauschallösungen über unsere Köpfe hinweg helfen nicht. Kaum ein Student hat aktuell keine Sorgen im Hinblick auf das kommende Jahr. Seien sie finanzieller, logistischer oder familiärer Natur. Die Belastung, die auf uns zukommt, wird egal mit welcher „Lösung“ enorm sein.
Die Studierenden stehen seit Wochen unter hohem Druck. Viele helfen schon jetzt und bringen ihre Fähigkeiten ein. Die Prüfungsvorbereitung gestaltet sich bei geschlossenen Bibliotheken und Kitas für viele deutlich belastender, als es bei einem solchen Examen sonst schon der Fall ist. Für Verwandte und Bekannte sind wir schon jetzt Ansprechpartner und leisten unseren Teil in dieser Krisenzeit. Hinzu kommt die unakzeptable Unwissenheit, durch die mangelnde Informationsversorgung über den aktuellen Stand des Entscheidungsprozesses. Wir wissen nicht, wie es weiter geht mit Examen und PJ, geschweige denn, wann eine definitive Entscheidung getroffen werden soll. Dabei wäre das Examen schon am 15.04.!
Ein Wort zu den Fakten im Hinblick auf die M2 Prüfung: Schon jetzt wären Examensergebnisse mit früheren Examina nicht vergleichbar. Die Konzentration und das Lernen leiden unter den genannten Unsicherheiten. Auch das Absagen des Examens wäre keine „rosarote, geschenkte Optimallösung“, sondern ein bitterer Kompromiss, da sich die Studierende monatelang vorbereitet haben und durchaus die Prüfung ablegen woll(t)en. Es ist aber ein Vorschlag, den man nicht nur belächeln sollte, da die Studierende bisher schon durch zahlreiche Prüfungen bewiesen haben, dass sie fachliches Wissen besitzen. Bitter und suboptimal wäre die Lösung dennoch, da die Vorwürfe eines erschlichenen Examens ja schon laut werden, sobald man nur die Idee äußert. Internationale Beispiele wie Italien und Spanien zeigen aber, dass es möglich ist. Die mit Abstand unfairste Lösung ist es, das Examen nach all den Vorbereitungen abzusagen, die Studierende in ein PJ im Ausnahmezustand zu schicken und anschließend von den Studierende nach ihrem Einsatz zu verlangen, dass sie sich parallel zum PJ noch einmal auf die Prüfung vorbereiten für die unter normalen Umständen ein 100 Tage Lernplan vorgesehen ist. Gleichzeitig sollen sie dann auch noch die M3 ablegen. Das wäre dreifach unschön, unzumutbar und im Gegensatz zu den Behauptungen von IMPP und MFT durchaus zum Nachteil der Studierende.
Der Appell des Gesundheitsministers Jens Spahns oder des IMPPs an die Solidarität der Studierenden begrüße ich und möchte doch daran erinnern, dass Solidarität keine einseitige Sache sein kann.
Denn, wenn ich von etwas überzeugt bin und mir etwas nicht absprechen lasse, dann dass:
- wir alle helfen wollen
- wir alle respektvoll behandelt werden wollen
- bei so spontanen und ggf. weitreichenden Veränderungen, Beteiligte die Möglichkeit haben müssen selbst „mitzuentscheiden“ oder flexible Lösungsmöglichkeiten angeboten werden
- die finanziell teils prekäre Lage der Studierende berücksichtig werden muss. Seit Jahren fordern wir ein fair vergütetes PJ und das ist in Umbruchzeiten wie diesen nötiger denn je.
- Alle Lösungsvorschläge, selbst das „Ausfallenlassen“ des Examens in Zeiten wie diesen ernst genommen werden müssen. Es lohnt sie zu durchdenken und nicht nur zu belächeln. Wir haben uns auf dieses Examen intensiv vorbereitet und hätten es gerne unter den üblichen Bedingungen absolviert. Diese Bedingungen liegen längst nicht mehr vor.
- die aktuelle Kommunikation mehr als zu wünschen übriglässt und es ist dringend notwendig den Studierenden zu sagen woran sie sind und sie besser mit einzubeziehen.
Eines muss endlich klar sein:
Jegliche weitere Verzögerung der Entscheidung schadet unserem Gesundheitssystem langfristig. Die Vertrauensbasis, der Respekt, die Aufopferungsbereitschaft und die Energie der Studierenden leidet enorm unter dem offiziellen Schweigen, der Kräfte zehrenden Ungewissheit und der Anspannung der letzten Tage und Wochen. Das sind in Zeiten wie diesen alles enorm wertvolle Ressourcen, die aktuell im Nichts verläuft und die wir für deutlich Sinnvolleres aufwenden könnten oder sollten wie:
- vernünftige Vorbereitung auf die Prüfungen, sollten sie denn stattfinden
- vernünftige Vorbereitung auf ein Corona-PJ, aneignen von Wissen und Tätigkeiten, die uns wirklich im kommenden Jahr helfen können, statt Kolibris für ein Examen zu pauken
- Planungen und Organisation eines PJs, das offenbar anders ablaufen wird, als wir es uns noch vor wenigen Monaten vorgestellt haben.
Ich habe nach wie vor das Bedürfnis auf meiner Facebookseite und in meinem Bekanntenkreis Stellung zu nehmen und die Tragik unserer aktuellen Situation darzustellen. Hier mein Vorschlag dessen, was ich gerne zumindest privat posten möchte, ohne dass es als "Alleingang" verschrien wird. Ich bin offen für jegliche Kritik. Besonders der Teil zu Jana ist durchaus kritisier-und optimierbar. Zur Not lasse ich den auch komplett weg. Sollten sich viele in der Darstellung wiederfinden und auch das Gefühl haben, dass diese Inhalte in diesem Zusammenhang fehlen, kann man über weitere Schritte nachdenken. Ich habe als Studentin das Bedürfnis öffentlich den frechen Annahmen von Fr. Jünger zu widersprechen und mir "Solidarität" nicht absprechen zu lassen:
-----> auch im PDF angehängt, da dort übersichtlich formatiert.
Es ist Zeit zu entscheiden – Medizinexamen und PJ im Chaos:
Das Instituts für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP) und der Medizinische Fakultätentag (MFT) empfehlen das zweite Staatsexamen der Medizinstudierende (M2) ausfallen zu lassen und 2021 die Studierende die M2 zusammen mit der M3 nach einem Praktischen Jahr in der Coronakrise abhalten zu lassen.
Die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) hat sich schon mehrfach positioniert und erklärt, warum dieser Ansatz, so wie er aktuell diskutiert wird aus Sicht der Studierende nicht akzeptabel ist. (Positionspapiere finden sich im Anhang)
Der Marburger Bund und das Bündnis junger Ärzte stellen sich hinter die Studierende (s. Anhang) und lehnen ein Zusammenlegen von M2 und M3 in der bisher geplanten Form ab.
In der Presse werden zunehmend Kommentare von einzelnen Studierende unter Zeitungsartikeln zitiert oder einzelne Studierende interviewt. Dabei fällt auf, dass teilweise eindimensional berichtet wird. Es hilft nicht ein authentisches Bild zu gewinnen, indem man einzelne, oft sehr emotional verfasste Kommentare zitiert, ohne den Kontext realistisch aufzuzeigen: die Studierende stehen seit Monaten unter massivem Druck und bereiten sich auf „das“ große Staatsexamen in der medizinischen Ausbildung vor - auch ohne Corona befinden sie sich in einer Ausnahmesituation und sind enorm angespannt.
Hauptproblem ist, dass die Kommunikation sämtlich zuständiger Behörden (wie IMPP, MFT, Bund) über die Köpfe der Studierende hinwegläuft. Zur Lösungsfindung werden die Studierende weder eingebunden, noch wird mit ihnen direkt kommuniziert. „Wer spricht mal mit uns? Wieso wird über uns fremdbestimmt?“, melden sich einige Studierende in Kommentaren unter den entsprechenden Artikeln seit Tagen zu Wort. „Warum bezieht uns nach wie vor niemand in die Überlegungen mit ein?“
Offiziell findet das für den 15.4. geplante Examen nämlich weiterhin statt! Dass geplant ist, es eventuell abzusagen und im gleichen Schritt die Bedingungen des PJs gleich mit zu ändern, und nebenbei eine zurecht obsolete Prüfungsmodalität zu reaktivieren, erfahren die unter Hochdruck lernenden Studierende aus Zeitungsartikeln. Dabei wird auch noch behauptet wird das sei „im Sinne der Studierenden“ (IMPP) und ein “Benefit für die Studiereden“ (MFT). Dieses Vorgehen ist im besten Fall noch als schlechter Stil zu bezeichnen. Im schlechtesten Fall könnte man den Institutionen vorwerfen, dass sie ihre Stellung missbrauchen, um öffentlich Stimmung gegen Positionen oder Vorschläge der Studierenden zu machen und die Tatsachen zu verzerren (Jana Jünger (IMPP)).
Kommen wir also zurück zu den Tatsachen. Klar steht schon jetzt:
Dass sich die große Mehrheit der Medizinstudierende ihrer Verantwortung der Gesellschaft gegenüber bewusst ist und durchaus gewillt ist ihren Teil in der Versorgung von Patienten zu übernehmen, indem sie – in welcher Art auch immer – das Gesundheitssystem zu entlasten. Die vielen von Medizinstudierenden ins Leben gerufenen Initiativen, die schon heute mehrere hundert Unterstützer haben und Medizinstudierende, die in Kliniken aushelfen zeigen, dass wir durchaus gewillt sind unseren Teil in der Krise beizutragen. Beharrungen auf einem Examen oder eine unglücklich formulierte Petition widersprechen dieser Tatsache nicht, da durchaus nach Kompromissen gesucht wird und mittlerweile sehr unterschiedliche Lösungsansätze vorgebracht wurden.
Beides ist vielmehr Ausdruck des Frustes und der Angst, dass über die Köpfe entschieden wird und diese Krise nicht auf dem Rücken und zu Lasten der Studierenden ausgetragen werden soll. Wer der Mehrheit der Studierende Unsolidarität vorwirft, hat sich mit den Gründen hinter einzelnen Forderungen nicht ausreichend beschäftigt oder sieht nicht, wie variabel die Meinungen auch unter den Studierende sind. Wenn sie sich in einem Punkt einig sind, dann in dem, dass sie Verantwortung gerne übernehmen und sich einbringen, solange man sie nicht nur ausnutzt, sondern gemeinsam nach flexiblen Lösungen für die aktuellen Probleme sucht.
Egal wie die kommenden Entscheidungen ausfallen: Der aktuelle Jahrgang von Medizinstudierende wird aller Wahrscheinlichkeit nach kein PJ absolvieren, wie es laut Approbationsordnung vorgesehen ist, sondern in diesem Ausnahmezustand Hilfsdienste leisten, um an „vorderster Front“, die Ärzteschaft und die Pflege zu unterstützen. Die in Zeiten außerhalb der Corona-Krise vorgesehene Lehre und praktische Ausbildung wird in diesem Kontext zu kurz kommen. Darüber hinaus steht die mit dem PJ verbundene Einsicht in verschiedene Fachbereiche auf dem Spiel. Das PJ bietet im Regelfall die einmalige Chance praktische Fähigkeiten auch in den Fachbereichen zu sammeln, in denen man später eventuell nicht arbeiten wird, Kliniken kennen zu lernen, die potenzielle Arbeitgeber sein könnten und bildet einen wichtigen Pfeiler in der Ausbildung eines Arztes. Die Arbeitsbedingungen in diesem Jahrgang werden all dies höchstwahrscheinlich nicht ermöglichen. Beispielsweise wird darüber diskutiert Studierende umzuverteilen und dort einzusetzen, „wo sie gerade gebraucht werden“. Dass wir keine vollausgebildeten Ärzte sind, ist kein Grund unsere Motivation und Bereitschaft zu helfen herabzuwürdigen. In diesem Kontext muss man wissen, dass Studierende schon jetzt unter Umständen Mietverträge gekündigt, Verträge unterschrieben, andere Wohnungen angemietet haben und große Veränderungen ohne Rücksprache mit den Studierende nicht berücksichtigen, dass für viele das oft unbezahlte PJ auch ohne Coronakrise enorme Hürden mit sich bringt. Von offizieller Seite wird hier deutlich zu eindimensional nur daran gedacht, uns möglichst effizient einzusetzen und schnell durchzuschleusen, damit durch unseren Sondereinsatz keine Leerlaufzeiten entstehen und der ohnehin schon bestehende Ärztemangel verschärft wird. Hier muss die Lehre mitberücksichtigt werden und es müssen die Studierende in der individuellen Situation berücksichtigt werden. Pauschallösungen über unsere Köpfe hinweg helfen nicht. Kaum ein Student hat aktuell keine Sorgen im Hinblick auf das kommende Jahr. Seien sie finanzieller, logistischer oder familiärer Natur. Die Belastung, die auf uns zukommt, wird egal mit welcher „Lösung“ enorm sein.
Die Studierenden stehen seit Wochen unter hohem Druck. Viele helfen schon jetzt und bringen ihre Fähigkeiten ein. Die Prüfungsvorbereitung gestaltet sich bei geschlossenen Bibliotheken und Kitas für viele deutlich belastender, als es bei einem solchen Examen sonst schon der Fall ist. Für Verwandte und Bekannte sind wir schon jetzt Ansprechpartner und leisten unseren Teil in dieser Krisenzeit. Hinzu kommt die unakzeptable Unwissenheit, durch die mangelnde Informationsversorgung über den aktuellen Stand des Entscheidungsprozesses. Wir wissen nicht, wie es weiter geht mit Examen und PJ, geschweige denn, wann eine definitive Entscheidung getroffen werden soll. Dabei wäre das Examen schon am 15.04.!
Ein Wort zu den Fakten im Hinblick auf die M2 Prüfung: Schon jetzt wären Examensergebnisse mit früheren Examina nicht vergleichbar. Die Konzentration und das Lernen leiden unter den genannten Unsicherheiten. Auch das Absagen des Examens wäre keine „rosarote, geschenkte Optimallösung“, sondern ein bitterer Kompromiss, da sich die Studierende monatelang vorbereitet haben und durchaus die Prüfung ablegen woll(t)en. Es ist aber ein Vorschlag, den man nicht nur belächeln sollte, da die Studierende bisher schon durch zahlreiche Prüfungen bewiesen haben, dass sie fachliches Wissen besitzen. Bitter und suboptimal wäre die Lösung dennoch, da die Vorwürfe eines erschlichenen Examens ja schon laut werden, sobald man nur die Idee äußert. Internationale Beispiele wie Italien und Spanien zeigen aber, dass es möglich ist. Die mit Abstand unfairste Lösung ist es, das Examen nach all den Vorbereitungen abzusagen, die Studierende in ein PJ im Ausnahmezustand zu schicken und anschließend von den Studierende nach ihrem Einsatz zu verlangen, dass sie sich parallel zum PJ noch einmal auf die Prüfung vorbereiten für die unter normalen Umständen ein 100 Tage Lernplan vorgesehen ist. Gleichzeitig sollen sie dann auch noch die M3 ablegen. Das wäre dreifach unschön, unzumutbar und im Gegensatz zu den Behauptungen von IMPP und MFT durchaus zum Nachteil der Studierende.
Der Appell des Gesundheitsministers Jens Spahns oder des IMPPs an die Solidarität der Studierenden begrüße ich und möchte doch daran erinnern, dass Solidarität keine einseitige Sache sein kann.
Denn, wenn ich von etwas überzeugt bin und mir etwas nicht absprechen lasse, dann dass:
- wir alle helfen wollen
- wir alle respektvoll behandelt werden wollen
- bei so spontanen und ggf. weitreichenden Veränderungen, Beteiligte die Möglichkeit haben müssen selbst „mitzuentscheiden“ oder flexible Lösungsmöglichkeiten angeboten werden
- die finanziell teils prekäre Lage der Studierende berücksichtig werden muss. Seit Jahren fordern wir ein fair vergütetes PJ und das ist in Umbruchzeiten wie diesen nötiger denn je.
- Alle Lösungsvorschläge, selbst das „Ausfallenlassen“ des Examens in Zeiten wie diesen ernst genommen werden müssen. Es lohnt sie zu durchdenken und nicht nur zu belächeln. Wir haben uns auf dieses Examen intensiv vorbereitet und hätten es gerne unter den üblichen Bedingungen absolviert. Diese Bedingungen liegen längst nicht mehr vor.
- die aktuelle Kommunikation mehr als zu wünschen übriglässt und es ist dringend notwendig den Studierenden zu sagen woran sie sind und sie besser mit einzubeziehen.
Eines muss endlich klar sein:
Jegliche weitere Verzögerung der Entscheidung schadet unserem Gesundheitssystem langfristig. Die Vertrauensbasis, der Respekt, die Aufopferungsbereitschaft und die Energie der Studierenden leidet enorm unter dem offiziellen Schweigen, der Kräfte zehrenden Ungewissheit und der Anspannung der letzten Tage und Wochen. Das sind in Zeiten wie diesen alles enorm wertvolle Ressourcen, die aktuell im Nichts verläuft und die wir für deutlich Sinnvolleres aufwenden könnten oder sollten wie:
- vernünftige Vorbereitung auf die Prüfungen, sollten sie denn stattfinden
- vernünftige Vorbereitung auf ein Corona-PJ, aneignen von Wissen und Tätigkeiten, die uns wirklich im kommenden Jahr helfen können, statt Kolibris für ein Examen zu pauken
- Planungen und Organisation eines PJs, das offenbar anders ablaufen wird, als wir es uns noch vor wenigen Monaten vorgestellt haben.