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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Medizinstudium: Fehler meines Lebens



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FirebirdUSA
16.07.2020, 10:28
Ich kann immer nicht ganz nachvollziehen, wie man 6 -7 Jahre in einen der arbeitsaufwendigsten, längsten und teuersten Studiengänge (Medizin, Zahnmedizin) investieren kann, um dann späterer in Teilzeit bzw. Anstellung für wenig Geld zu arbeiten. Die durchschnittliche Zahnarztpraxis müsste wohl auch ca. 160k Gewinn machen, in einschlägigen Praxisbörsen gibt es auch zahlreiche Praxen mit >200k Gewinn, da muss das Ziel klar sein, dass man sich eben so schnell wie möglich selbstständig macht. Wenn man das im vornherein ausschließen kann, ist es meiner Meinung sinnvoller etwas anderes zu machen z.B. ein duales Studium bei Siemens ( komme auch aus Erlangen).

Wieso? Ehrlich gesagt Arbeite ich weil es mir Spass macht und natürlich sollte auch monetär dabei genug rum kommen. Aber wenn ich genug Geld habe ist Freizeit evtl mehr Wert als noch mehr Geld. Ob ich jetzt 100.000, 150.000 oder 250.000 im Jahr verdient ist für mich ehrlich gesagt nicht der entscheidende Faktor zur Wahl meiner Arbeitsstätte.

Wenn ich keinen Spass an meiner Arbeit hätte würde ich sie auch nicht für 500.000 länger machen wollen. Mit mehr Geld lässt sich aber gewisse Unzulänglichkeiten natürlich ausgleichen (ich mach gerne ein WE Dienst wenn am Ende auch was auf meinem Konto bleibt, jedes WE lässt sich damit aber nicht bezahlen).

Wenn der TE seine Arbeit hasst und gar keine Freude daran hat, war es vermutlich ein Fehler. Aber die Bezahlung (alleine) ist sicher nicht das Problem. Das es systematische Probleme gibt ist klar.
Ich denke nur auch im Ausland werden die meisten nicht viel glücklicher sein. Neid und "in D ist alles schlecht" sind keine guten Ansätze selbst zufrieden zu werden. Aber "einfache" Erklärungen und Beschweren ohne für sich etwas zu ändern sind leider zunehmende Problem(nicht)Lösungsstrategien.
Die Probleme zu benennen ist richtig, dann muss man aber auch etwas tun.

Parotis
16.07.2020, 10:40
Also die Motivation, warum jemand Arzt wird, dürfte doch jedem selbst überlassen sein. Wenn man dann angestellt bleiben, in Teilzeit arbeiten und insgesamt nicht das große Geld verdienen möchte und Medizin macht, weil es einen interessiert, dann ist das doch völlig in Ordnung. Genauso in Ordnung ist es, wenn man als Arzt viel verdienen möchte und entsprechend eine Karriere bzw. eine Selbstständigkeit anstrebt.

Ich persönlich möchte durchaus beides, eine möglichst angenehme Tätigkeit die mir liegt und ein möglichst guter Verdienst und ich versuche mich so aufzustellen dass ich eine gute Kombination aus beidem habe. Die Hauptsache ist doch, dass man diese Möglichkeit hat seine Präferenzen als Arzt auszuleben und eben selbst zu entscheiden wie weit man karrieretechnisch geht und wo man hin möchte. Das geht meiner Meinung nach.

hebdo
16.07.2020, 10:40
Wieso? Ehrlich gesagt Arbeite ich weil es mir Spass macht und natürlich sollte auch monetär dabei genug rum kommen. Aber wenn ich genug Geld habe ist Freizeit evtl mehr Wert als noch mehr Geld. Ob ich jetzt 100.000, 150.000 oder 250.000 im Jahr verdient ist für mich ehrlich gesagt nicht der entscheidende Faktor zur Wahl meiner Arbeitsstätte.

Wenn ich keinen Spass an meiner Arbeit hätte würde ich sie auch nicht für 500.000 länger machen wollen. Mit mehr Geld lässt sich aber gewisse Unzulänglichkeiten natürlich ausgleichen (ich mach gerne ein WE Dienst wenn am Ende auch was auf meinem Konto bleibt, jedes WE lässt sich damit aber nicht bezahlen).

Sehe ich genauso. Abnehmender Grenznutzen. Wenn die Motivation zur Arbeit nur auf materielle Anreize basiert, ist man selten auch in der normalen Wirtschaft erfolgreich.

Das Problem mit dem Gesundheitswesen ist, dass eine hohe intrinsische Motivation der Angestellten auf ein hauptsächlich monetäre ziele der GF trifft. Deswegen ist auch die Unzufriedenheit und Frustration beim Personal hoch.

daCapo
16.07.2020, 16:36
Neid und "in D ist alles schlecht" sind keine guten Ansätze selbst zufrieden zu werden. Aber "einfache" Erklärungen und Beschweren ohne für sich etwas zu ändern sind leider zunehmende Problem(nicht)Lösungsstrategien.
Die Probleme zu benennen ist richtig, dann muss man aber auch etwas tun.

Masse statt Klasse wie bei Aldi.

GelbeKlamotten
16.07.2020, 16:37
Ein Tischlermeister im Unternehmen meines Mannes arbeitet nebenbei auch selbstständig und ist mit einer Zahnärztin verheiratet. Verdient mehr als sie.

Glaube ich gerne. Wie gesagt, dass ein von der Mitarbeiterzahl vergleichbarer Handwerksbetrieb mehr Gewinn macht als eine Arztpraxis ist sicherlich keine Seltenheit. Weil dort eben kein Kommunismus herrscht wie in der Medizin. Und man darf auch nicht vergessen, dass ein sehr großer Teil der Handwerker teilweise schwarz arbeitet, was den tatsächlichen Gewinn noch mal deutlich vergrößert.

Mal ein Badezimmer zur Hälfte schwarz sanieren ist halt relativ einfach möglich. Einen Nierentumor in Schwarzarbeit zu embolisieren ist hingegen eher nicht so angesagt. Nicht nur weil man bei jeder ernsthaften Komplikation dann im Knast landet, sondern auch weil eh jeder ne Medizin-Flatrate hat.

Aber ist ja kein Problem, dass wir ein top Abi brauchen, eine 10 Jahre längere Ausbildung machen müssen und uns dann 5-6 Jahre tägliche anschnauzen und rumkommandieren lassen müssen, um nachher weniger zu verdienen als ein Handwerker. Dafür haben wir ja unsere intrinsische Motivation.

Und was ist schon der Unterschied zwischen 100.000 und 300.000 Euro Jahresgehalt? Das entscheidet ja nur darüber, ob man mit 50 finanziell unabhängig ist oder schuften muss bis 67. gibt ja schließlich wichtigeres im leben als zu leben.

Mukopolysaccharid
16.07.2020, 16:49
laut aussage meiner Oberärzte wird man was Verträge/ Bezahlung angeht im MVZ noch mehr verascht...

daCapo
16.07.2020, 16:53
laut aussage meiner Oberärzte wird man was Verträge/ Bezahlung angeht im MVZ noch mehr verascht...

Aha meine sagen das Gegenteil. Im MVZ OA Gehalt (je nach Qualifikation der Person und Lage des MVZ mit hohen Zulagen). Nachtdienste / WE Dienste/ Station fällt weg.


Bad sanieren finde ich anstrengender als Nierentumor, schwierig bis 67 zu machen, inkl ganze Belastung mit Staub, Farbe, schwere Fliesen usw. Das Medizinstudium und PJ sind auch sehr. lang ausgelegt. In anderen Ländern ist das auch kürzer. Die Noten an den Schulen (u.a. Bundesland abhängig) sind absolut nicht zu vergleichen. Inzwischen werden die 15 Pkt inflationär genutzt im Vergleich zu Anfang der 2000er. Ein Test würde vieles fairer machen. Die Medizinflatrate und unnötogen Behanslungen / OPs (um den Fallzahlen gerecht zu werden) werden seit Jahren kritisiert. Der MDK scheint zu lasch zu sein. Es bedarf hier struktureller Reformen, die aber auf viel Gegenwehr stoßen werden, wenn Leute ihre Pfründe verlieren.

Handwerkerlehrlinge werden ebenso mies behandelt wie Assistenzärzte (ähnliche Position).

Als Radiologiepraxeninhaber sollte man die Möglichkeit haben gut zu verdienen

Mukopolysaccharid
16.07.2020, 17:01
Handwerkerlehrlinge werden ebenso mies behandelt wie Assistenzärzte (ähnliche Position)??? dein Ernst? 16 Jähriger mit Mittlerer Reife ist ähnlich einem Assistenzarzt nach 6 Jahren Studium, Doktortitel und monatelangern Praktika?

Feuerblick
16.07.2020, 17:04
Darf man jüngere, weniger gut (aus)gebildete Menschen getrost schlecht behandeln, studierte Menschen mit höherem Berufseintrittsalter aber nicht?

Mukopolysaccharid
16.07.2020, 17:10
auf keinen Fall. Aber man wurde schon 3 Monate im Pflegepraktikum, 3 Monate in der Famulatur, im Blockpraktikum und im Pj ausgenutzt. Da sollte doch iwann mal schluss sein. Zudem haben viele Assistenten sogar eine Ausbildung vor dem Studium absolviert, selbst Fachärzte anderer Abteilungen werden, wenn sie in einem neuen Fach anfangen, wie Dreck behandelt. Ich finde nur, das ist nicht die gleiche Position wie jemand, der gerade die Schule verlassen hat. Damit meine ich aber nicht, dass man denjenigen schlecht behandeln darf!

GelbeKlamotten
16.07.2020, 17:13
Darf man jüngere, weniger gut (aus)gebildete Menschen getrost schlecht behandeln, studierte Menschen mit höherem Berufseintrittsalter aber nicht?

Besonderer Respekt vor älteren, gebildeten Menschen, die sich schon viel erarbeitet haben, ist in anderen Kulturen eine Selbstverständlichkeit. Aber dass in Deutschland gleich wieder die selbsternannten Gleichstellungsbeauftragten auf der Matte stehen, wundert mich nicht.

kartoffelbrei
16.07.2020, 17:24
Wo arbeiten denn hier bitte alle, dass sie so mies behandelt werden?!
Wir haben ein vernünftiges Miteinander und wenige Überstunden, die Dank elektronischer Zeiterfassung alle bezahlt werden. Und die Stühle funktionieren auch!

ehem-user-21-08-2020-1502
16.07.2020, 17:36
Wenn Handwerk so gut bezahlt ist, zumindest als Selbstständiger, wundert es mich schon, warum es einen so großen Nachwuchsmangel gibt und Handwerk als nicht besonders erstrebenswert angesehen wird. Der Ärztemangel hängt ja u.A. mit den wenigen Studienplätzen zusammen. Mir hat vor einiger Zeit mal ein Handwerksmeister erzählt, dass es sogar schwierig sei, unter Hauptschülern Interessenten für das Handwerk zu finden. Zahlen zu Gewinnen von Selbstständigen gibt es fast nur von Akademikern. Das Abiturienten nicht unbedingt Handwerker werden wollen ist klar, aber mit Haupt- und Realschulabschluss wollen es anscheinend auch nur sehr wenige.

Heerestorte
16.07.2020, 17:40
Hier mal ein Beispiel eines wohl durchschnittlichen Anwaltes.
Ist näher an der Realität, alsdass man als Anwalt direkt sechsstellig verdient:
https://www.youtube.com/watch?v=5u2_X6niReQ

Abiturient2010
16.07.2020, 17:55
Wo arbeiten denn hier bitte alle, dass sie so mies behandelt werden?!
Wir haben ein vernünftiges Miteinander und wenige Überstunden, die Dank elektronischer Zeiterfassung alle bezahlt werden. Und die Stühle funktionieren auch!

Genauso könnte ich Dich fragen, wo Du denn arbeitest, dass Du so gut behandelt wirst?!

Ich arbeite in einer recht beliebten Großstadt, und hier kündigen sehr regelmäßig in zahlreichen Abteilungen wirklich gute Leute, oftmals schon nach wenigen Monaten. Aber anstatt die Bedingungen zu verbessern, werden Ärzte aus Nicht-EU-Ländern (und zunehmend auch Nicht-Europäischen-Ländern) angestellt, denen zwar die Arbeitsbedingungen aufgrund des vermeintlich (für ihr Verhältnisse) astronomischen Gehalts egal sind, die leider aber oftmals erhebliche Defizite hinsichtlich der deutschen Sprache haben, sodass ich nun bereits mehrfach miterlebt habe, dass es allein aufgrund dessen zu einer sowohl mittel- als auch unmittelbaren Patientengefährdung kam.

Da ich engen Kontakt zu zahlreichen Kollegen zahlreicher Fächer anderer Kliniken in der Stadt sowie dem Speckgürtel habe, weiß ich, dass es bei einer überwiegenden Mehrheit ähnlich zugeht.

Kann ja sein, dass das ein systematisches Problem der Ballungsräume ist. Viele Bewerber, kein Grund die Bedingungen zu verbessern. Und wenn keiner, der in Deutschland studiert hat mehr Lust hat, nimmt man halt im Zweifelsfall den eifrigen Ukrainer.

FirebirdUSA
16.07.2020, 18:00
Masse statt Klasse wie bei Aldi.

Versteh nicht so ganz was du mir damit sagen willst.

Bluej
16.07.2020, 18:01
Hier mal ein Beispiel für das Einstiegsgehalt eines 22 jährigen dualen Studenten mit 35h Woche aus dem Jahr 2018

https://depotstudent.de/mein-gehalt-als-bachelor-wirtschaftsingenieurwesen/

Reflex
16.07.2020, 18:04
Wo arbeiten denn hier bitte alle, dass sie so mies behandelt werden?!
Wir haben ein vernünftiges Miteinander und wenige Überstunden, die Dank elektronischer Zeiterfassung alle bezahlt werden. Und die Stühle funktionieren auch!

Das frage ich mich auch. Ich bin nie wie Dreck behandelt worden. In der Neurologie war das Miteinander toll. Nur die Arbeits- und Dienstbelastung war irgendwann eine Katastrophe. Mein erster Chef hat sich zur Entlastung für Honorarkräfte, vernünftige Rotation/Weiterbildung/individuelle Förderung und eine ganze Menge Goodies (Poolbeteiligung, Kaffeevollautomat, Fußballdauerkarten, gemeinsame Essen etc.) eingesetzt. Der Nachfolger hat das auch weitergeführt, ist aber an der Verwaltung gescheitert. In der Psychiatrie hatte ich auch tolle Kollegen und Vorgesetzte. Die Arbeits-und Dienstbelastung war moderat. Der Chef glänzte mit Abwesenheit, was dafür sorgte, dass Weiterbildung durch meine motivierten Oberärzte kompensiert wurde. Das war gut, brachte mich aber in Psychotherapieausbildung nicht weiter. Deshalb bin ich da, wo ich jetzt bin und auch bleiben werde. Gutes Team, nette immer präsente Chefs, interne Fortbildungen und Supervision, gut strukturierte Terminplanung und Organisation plus angemessenes Gehalt. Überstunden gibt es nicht. Keine Nacht-und Wochenendienste. Und ich werde regelmäßig gefragt, ob ich alles zum Arbeiten habe, was ich brauche. Ich darf mir sogar die PT Sessel aussuchen.

Feuerblick
16.07.2020, 18:25
Wo arbeiten denn hier bitte alle, dass sie so mies behandelt werden?!
Wir haben ein vernünftiges Miteinander und wenige Überstunden, die Dank elektronischer Zeiterfassung alle bezahlt werden. Und die Stühle funktionieren auch!
Das habe ich mich auch gefragt... keine Ahnung. Selbst in meiner chirurgischen Zeit habe ich solche Zustände nicht erlebt. Und selbst da wurden (und das ist wirklich schon einige Jahre her) Überstunden problemlos aufgeschrieben und bezahlt. :-nix

JumpRopeQueen
16.07.2020, 18:48
Mein Mann als Arbeitgeber, schüttelt nur mit dem Kopf, wenn ich ihm über den Alltag im Krankenhaus erzähle. Seine Mitarbeiter, fast alles Handwerker, machen keine einzige Überminute, geschweige denn Überstunde. Mein Mann allerdings arbeitet im Schnitt 10-11 Stunden täglich. Er sagt auch, hätte er sein Unternehmen so geführt, als Krankenhäuser bzw. einzelne Stationen geführt werden, wäre er schon längst vor Gericht gelandet.

Ich bin zwar noch im PJ, beobachte aber immer wieder wie es auf manchen Stationen miteinander umgegangen wird. Wo das Pflegepersonal nicht mehr ein Hilfspersonal ist, sondern spielt auch noch fleißig gegen Ärzte. Das ist jetzt aber ein ganz anderes Thema...