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Feuerblick
17.07.2020, 10:23
Aber du brauchst doch nie im Leben 1,5 Jahr um erst einmal ne andere Innere-Stelle zu finden? Das eine schließt das andere doch nicht aus. Und bei so einem verhaltensoriginellen Chef würde ICH nicht mal mehr drei Monate bleiben. :-nix

Mr. Pink online
17.07.2020, 10:37
Ich verstehe nicht, warum es hier soviel Kritik am TE gibt, er hat doch inhaltlich vollkommen recht. Als Arzt hat man schreckliche Arbeitsbedingungen, quasi keine Anerkennung (schon gar nicht von Seiten der Oberen) und ein höchstens mittelmäßiges Gehalt für einen promovierten Akademiker. Ich bin zum Glück bereits vor dem Arbeitsbeginn etwas rumgekommen und hab daher in verschiedene Fächer und Häuser reinschnuppern dürfen. Eines ändert sich nirgends: Als Assistenzarzt wirst du einfach nicht respektiert. Man wird verarscht wo es nur geht, ob es um Dienstpläne, Überstunden, Fortbildungen usw geht. Vom Umgang mit der Pflege mal ganz abgesehen, die sind selbst so geschunden, dass das Verhältnis zunehmend schwieriger werden wird. Würden sich alle an die Vereinbarung in den Tarifverträgen und an die Weiterbildungsordnung halten, dann wäre der Job echt cool, aber so ist es einfach nur bedauerlich. In Wahrheit wird man mit der Zeit einfach nur frustrationstolerant, das ist auch notwendig sonst kann man sich mit Burnout und Gratifikationskrise in der Psychosomatik vorstellen. Aber die Frage ist dennoch, ob Arbeit so aussehen sollte. Ich denke da aus Selbstschutz nicht mehr so viel darüber nach, weil es ja nicht änderbar ist. Einfach mal Fach- oder Ortswechsel nach Jahren der Weiterbildung ist auch nicht so einfach. Der TE hat viel investiert, das macht die Situation natürlich noch frustraner, aber irgendwas muss er ändern.

JungerArzt92
17.07.2020, 10:41
Wenn mein Paper angenommen ist (und es gibt viele Szenarien, wo ich das noch brauche) und ich noch keine Alternative habe bzw. die in zu weiter Zukunft liegt überlege ich mir das. Aber Leute, die gekündigt haben, werden in der Forschung leider zu oft fallen gelassen wie heiße Kartoffeln (einschließlich Neuverteilung der Autorenschaften). Und für 6 Monate nochmal woanders anzufangen macht meiner Ansicht nach auch keinen Sinn.

JungerArzt92
17.07.2020, 10:42
Ich verstehe nicht, warum es hier soviel Kritik am TE gibt, er hat doch inhaltlich vollkommen recht. Als Arzt hat man schreckliche Arbeitsbedingungen, quasi keine Anerkennung (schon gar nicht von Seiten der Oberen) und ein höchstens mittelmäßiges Gehalt für einen promovierten Akademiker. Ich bin zum Glück bereits vor dem Arbeitsbeginn etwas rumgekommen und hab daher in verschiedene Fächer und Häuser reinschnuppern dürfen. Eines ändert sich nirgends: Als Assistenzarzt wirst du einfach nicht respektiert. Man wird verarscht wo es nur geht, ob es um Dienstpläne, Überstunden, Fortbildungen usw geht. Vom Umgang mit der Pflege mal ganz abgesehen, die sind selbst so geschunden, dass das Verhältnis zunehmend schwieriger werden wird. Würden sich alle an die Vereinbarung in den Tarifverträgen und an die Weiterbildungsordnung halten, dann wäre der Job echt cool, aber so ist es einfach nur bedauerlich. In Wahrheit wird man mit der Zeit einfach nur frustrationstolerant, das ist auch notwendig sonst kann man sich mit Burnout und Gratifikationskrise in der Psychosomatik vorstellen. Aber die Frage ist dennoch, ob Arbeit so aussehen sollte. Ich denke da aus Selbstschutz nicht mehr so viel darüber nach, weil es ja nicht änderbar ist. Einfach mal Fach- oder Ortswechsel nach Jahren der Weiterbildung ist auch nicht so einfach. Der TE hat viel investiert, das macht die Situation natürlich noch frustraner, aber irgendwas muss er ändern.

Danke, du sprichst mir echt aus der Seele.

Feuerblick
17.07.2020, 10:59
Wenn mein Paper angenommen ist (und es gibt viele Szenarien, wo ich das noch brauche) und ich noch keine Alternative habe bzw. die in zu weiter Zukunft liegt überlege ich mir das. Aber Leute, die gekündigt haben, werden in der Forschung leider zu oft fallen gelassen wie heiße Kartoffeln (einschließlich Neuverteilung der Autorenschaften). Und für 6 Monate nochmal woanders anzufangen macht meiner Ansicht nach auch keinen Sinn.Naja, wenn du aus der Medizin sowieso raus willst, dann ist die Forschung doch komplett egal. :-nix Ich habe zumindest in meinem Fach nicht erlebt, dass Forschungswillige fallen gelassen wurden. Im Gegenteil. Potentielle Chefs haben solche Leute mit Handkuss genommen.

OhDaeSu
17.07.2020, 11:18
Dass das in den meisten anderen Fachrichtungen erstens teurer ist und zweitens dadurch, dass Großpraxen und MVZs die Kassensitze aufkaufen, praktisch unmöglich geworden ist, kann man da natürlich unter den Tisch fallen lassen.

Das ist ein Punkt. Attraktiv wird der Arztberuf nämlich durch die Möglichkeit ab ~35 die eigene Selbstständigkeit fast risikolos aufzubauen und dann mit überschaubarem Aufwand die €200k zu knacken, mit mehr Aufwand und Investition auch deutlich mehr. Das geht in anderen akademischen Berufen nicht einfach so. Partner in GK oder UB zu werden ist schwer und erfordert vor allem eigenes Geschäft. Partner in einer mittelständischen Kanzlei oder einer Boutique bringt ähnliche Erträge bei mehr Unsicherheit und Akquise. Exit aus UB in AT-Positionen in der Industrie oder Syndikus im Unternehmen kann zu einem entsprechendem Einkommen führen, geht aber auch mit gewissen Nachteilen einher, die hier auszuführen eh keinen Sinn macht.

Der "Deal" bei Medizin ist es, 15 Jahre Scheiße zu fressen und dann verlässlich in der eigenen Praxis (oder als Honorararzt, oder als Chef irgendwo peripher) Geld zu machen ohne nervige Vorgesetzte zu haben. Alternative: Garantierte €120k als OA oder angestellt irgendwo.

Wenn nun aber die unfähige ärztliche Interessenvertretung nicht verhindert, dass (lukrative) Kassensitze von Unternehmen aufgekauft werden und eine Selbstständigkeit nicht mehr realistisch ist, dann wird besagter Deal für die obere Hälfte der Medizinstudenten komplett unattraktiv.

Zu der Diskussion über die Arbeitskultur in DAX30-Unternehmen vs im Krankenhaus: Da ist die Ursache eigentlich simpel.Ein Unternehmen oder auch eine Kanzlei kann nicht einfach ersatzweise einen weniger kompetenten (u.U. nicht mal fehlerfrei deutsch sprechenden) Ing. oder Anwalt einstellen (Initiativbewerbungen gäbe es weiß Gott genug). Das wirkt sich direkt oder zumindest mittelbar auf den Umsatz aus.
Ganz offensichtlich wird das in den Bereichen Informatik, Jura oder in der Beratung. Ein super Informatiker hat vielleicht nur 30 produktive Minuten täglich. Trotzdem ist er sein Geld wert, denn auch 5 mittelmäßige Informatiker könnten ihn nicht ersetzen. Sie könnten zweifellos irgendwas zusammenschustern, aber sicher nichts was die Firma zum Marktführer, zu Google, zu Tesla, zu Amazon macht.
Von dem Gehalt eines Doppel-VB Associates kannst du 3 Durchschnittsjuristen bezahlen. Nur arbeiten die dann gegen ein Team aus besagten Spitzenjuristen. Man verliert den Prozess, man verliert den Mandanten.
Meine Firma könnte nicht fünfstellige Tagessätze aufrufen, wenn der Kunde nicht den Eindruck hätte, ich wäre ein kleines bisschen smarter als seine Angestellten. Sonst könnte er ja die fragen.

Um es ganz hart zu sagen: Die Fallpauschale wird bezahlt, ob der Patient nun stirbt oder nicht.

Reflex
17.07.2020, 11:35
Macht Ihr hier grade Kaminvergleich?:-blush

Sollen wir Bilder tauschen? Ich hab sogar einen mit Elektronischer Automatik! 🥰

Christoph_A
17.07.2020, 12:29
Ich hab nur ne Feuerschale für meine Terrasse im Angebot, sowas elitäres wie nen offenen Kamin habe ich nicht, das geht von meinem mickrigen Arztgehalt nicht, kann ja nicht jeder reich erben/heiraten:-blush

Kackbratze
17.07.2020, 12:43
Ich habe einen Garten mit mehreren Feuerstellen und im Ferienhaus 2 gemauert Feuerstellen. Chirurgie halt.

Christoph_A
17.07.2020, 13:50
Ich habe einen Garten mit mehreren Feuerstellen und im Ferienhaus 2 gemauert Feuerstellen. Chirurgie halt.

Alte OP N***e, hochgeschlafen er sich hat! :-)):-))

Mukopolysaccharid
17.07.2020, 14:03
Ich habe einen Garten mit mehreren Feuerstellen ja, Bierfässer sind wirklich klasse :D

Kackbratze
17.07.2020, 14:23
Alte OP N***e, hochgeschlafen er sich hat! :-)):-))
Ich lasse in der Umkleide öfter mal die Tür offen stehen.

Christoph_A
17.07.2020, 14:25
Ich lasse in der Umkleide öfter mal die Tür offen stehen.

Besonders, wenn wieder die Verwaltungsetage vorbeikommt. Gekonntes freischwingen zur Einkommenssteigerung, eh klar!

Evil
17.07.2020, 14:57
Offener Kamin ist leider bautechnisch nicht mehr im Neubau zugelassen, aber naja. Angefeuert wird eh erst im Herbst.
Auf die Automatik haben wir übrigens verzichtet, ich mach das gerne selber ;-)
Und der Knaller ist das Wärmefach für frische Backwaren :-love




Der Allgemeinmediziner, der einem erklärt, es sei doch total easy mit der Niederlassung, er habe nur 200.000 statt 300.000 bezahlt. Dass das in den meisten anderen Fachrichtungen erstens teurer ist und zweitens dadurch, dass Großpraxen und MVZs die Kassensitze aufkaufen, praktisch unmöglich geworden ist, kann man da natürlich unter den Tisch fallen lassen.
Putz Dir die Nase, Kleiner, die meisten allgemeinmedizinischen Sitze bekommst Du für locker < 100.000. Und wenn Du keinen eigenen Sitz kaufst, dann lässt Du Dich halt von einer Großpraxis oder einem MVZ anstellen, da gelten dieselben Regeln wie in der von Dir ach so gepriesenen freien Wirtschaft. Hohes Gehalt Verhandlungssache.
Aber das ist halt auch der Knackpunkt, auch da muß man mehr bieten als mimimi... wie kommst Du darauf, dass es Dir in einem anderen Beruf besser erginge?

CrashStudios
17.07.2020, 15:38
Falls ich mal in ein MVZ investieren werde, dann werde ich nur so Leute wie euch einstellen. Bei mir dürft ihr euch auch den Bürostuhl aussuchen und ich lade euch auch mal zum Essen ein. Solange ihr nie auf die Idee kommt, Teilhaber oder so zu werden. Dann packt bitte eure Sachen.

Leider werden/wurden die lukrativen Kassensitze bzgl. Dialyse und Labordienstleistungen zunehmend von Investoren aufgekauft und mit Ärzten in Anstellung besetzt. Aber hey, Allgemeinmedizin in Sachsen-Anhalt ist doch auch ganz nett.

John Silver
17.07.2020, 15:52
Nur weil Sitze in der Labormedizin und Dialyse aufgekauft werden, heißt es noch lange nicht, dass das in allen Fachrichtungen passiert. Außerdem ist es nicht zwingend ein Problem, angestellt zu sein: Der Chef des MVZ hat den Stress, der Arzt macht nur die Arbeit. Und kündige mal einem Angestellten, nur weil er vermeintlich zu wenig Umsatz generiert. Das geht selbst in einer UB schwer.

davo
17.07.2020, 15:52
Man kann auch in abgelegenen Regionen als Hausarzt hervorragend verdienen. Gewinn deutlich über €200k. Kaum Privatpatienten, weder IGeL noch Voodoo. Konnte mir in meiner Hausarztfamulatur selbst die Abrechnungen ansehen.

Und was genau soll an Sachsen-Anhalt schlecht sein?

Ärzte sind halt oft eher faul und untätig, zeigen wenig Initiative. Es gibt Optionen, aber viele Ärzte wollen sie nicht nutzen. Naja - gut für die, die sie nutzen.

Reflex
17.07.2020, 16:14
Falls ich mal in ein MVZ investieren werde, dann werde ich nur so Leute wie euch einstellen. Bei mir dürft ihr euch auch den Bürostuhl aussuchen und ich lade euch auch mal zum Essen ein. Solange ihr nie auf die Idee kommt, Teilhaber oder so zu werden. Dann packt bitte eure Sachen.

Leider werden/wurden die lukrativen Kassensitze bzgl. Dialyse und Labordienstleistungen zunehmend von Investoren aufgekauft und mit Ärzten in Anstellung besetzt. Aber hey, Allgemeinmedizin in Sachsen-Anhalt ist doch auch ganz nett.

Ähm, Dir ist aber schon klar, dass dein neidzerfressenes Gehabe langsam langweilig wird? Ich finde es eher niedlich wie Du weiter nicht existente unrealistische Feindbilder pflegst. Denn die meisten, die hier im niedergelassenen Bereich arbeiten sind bereits selbstständig oder werden es bald sein...und in meinem KV Bereich in meiner Fachrichtungen sind die meisten Inhaber von Praxen weiterhin Einzel- oder Gemeinschaftspraxen, die von Einzelpersonen oder Gesellschaftern geführt werden. Die Preise für Praxisübernahmen liegen selbst hier je nach Praxislage in einem größeren Ballungsgebiet samt Speckgürtel um die 100000€ und die suchen händeringend Nachfolger. Wegen der neuen Quotenreglung mit Erlass neuer kostenloser Sitze wurden die Werte der bestehenden Praxen noch mal gedrückt.

Bluej
17.07.2020, 16:22
Als Augenarzt stelle ich mir die Niederlassung nicht so einfach vor. Viele Sitze werden hier bereits von der Ober Scharrer Gruppe, Artemis Gruppe betrieben. Ebenso ist die 360 Grad Gruppe mit vielen unterschiedlicher Fachrichtungen in fast jeder Stadt vertreten.

Feuerblick
17.07.2020, 16:32
Als Augenarzt stelle ich mir die Niederlassung nicht so einfach vor. Viele Sitze werden hier bereits von der Ober Scharrer Gruppe, Artemis Gruppe betrieben. Ebenso ist die 360 Grad Gruppe mit vielen unterschiedlicher Fachrichtungen in fast jeder Stadt vertreten.Es gibt dennoch noch ausreichend Praxisinhaber, die händeringend Nachfolger suchen... Als Einzelkämpfer ohne OP wirds als Augenarzt aber schwierig. Da sucht man sich besser eine Praxisgemeinschaft.