Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Medizinstudium: Fehler meines Lebens
FirebirdUSA
12.07.2020, 22:30
Mal davon abgesehen kannst du auch als Arzt nach 5 Jahren >100000 € verdienen. Ich seh noch nicht wo ich da schlechter bin.
Am Ende geht es darum ob dir deine Arbeit Spass macht. Geld ist nur bis zu einem gewissen Grad ein Ausgleich. Es hört sich sehr so an als ob der TE sich dringend ein neues Beschäftigungsfeld suchen sollte. Mit Medizin hast du viele Möglichkeiten, ich befürchte nur du hast selbst gar keine Ahnung was das richtige wäre.
Bonnerin
12.07.2020, 23:01
Mit Medizin hast du viele Möglichkeiten, ich befürchte nur du hast selbst gar keine Ahnung was das richtige wäre.
Ich glaube, der TE hatte (noch) nicht auf die Frage geantwortet, was ursprünglich der Anreiz für Medizin war, da könnte man ja eventuell dann dran anknüpfen.
Eher NaWi-Interesse und der Meinung gewesen, dass Medizin "das vernetzt"? Noch nen NaWi-Bachelor/Forschung in dem Bereich/Suche nach einem Schnittstellenjob. Da gibt es eventuell aber Gehaltseinbußen, die man aber für mehr Jobzufriedenheit hinnehmen kann.
Rein monetär? Dann halt doch Kardio interventionell (tut mir Leid, aber das Klischee hab ich irgendwie immer überall bestätigt bekommen) und da dann mit Forschung PD/OA. FA irgendwie durchziehen, MBA machen, dann eher Richtung Krankenhausmanagement oder Wirtschaft. Mehr Risiko, aber vermutlich auch höhere Verdienstmöglichkeiten.
Wirklich reine Grundlagen-Forschung im ausschließlich medizinischen Bereich? Die PostDoc-Stelle annehmen und dann nicht mehr zurück in die Klinik? FA in Mibi/Viro und dann nur Laborarbeit machen? Da wäre zumindest der Patientenkontakt stark eingeschränkt.
Das sind jetzt so die Sachen, die mir spontan einfallen würden.
ehem-user-21-08-2020-1502
12.07.2020, 23:34
Leute, die ihre Berufswahl verfluchen gibt es in jedem Beruf. Das werden auch die Jurastudenten tun, die nach 10 oder 11 Semestern endgültig durch das 1 Examen gefallen sind oder ohne Prädikat schauen müssen, wo sie unterkommen. Für gewisse Stellen (z.B. Dermaßen, PC) sind Noten sicher wichtig, aber im Laufe des Berufslebens wird sie unwichtiger. Es kann frustrieren wenn der Kommilitone mit ein paar Punkten mehr 120k zum Einstieg bekommt und ich mich auf Sachbearbeiterstellen oder als freier Mitarbeiter bei kleinen Kanzleien bewerben muss. Natürlich gibt es auch bei Medizin im laufe des Berufslebens große Unterschiede aber nicht dieses vorgefertigte Kastensystem, aus dem es kaum ein Entkommen gibt. Die Verdienstaussichten bei Jura und auch bei BWL relativieren sich sehr schnell, wenn die Note nicht passt.
ehem-user-21-08-2020-1502
12.07.2020, 23:48
FA irgendwie durchziehen, MBA machen, dann eher Richtung Krankenhausmanagement oder Wirtschaft. Mehr Risiko, aber vermutlich auch höhere Verdienstmöglichkeiten.
.
Mach lieber Wirtschaft. Krankenhausmanager verdienen (meist) signifikant weniger als Geschäftsführer von Unternehmen vergleichbarer Größe. An einigen privaten Kliniken werden sie auch regelmässig ausgetauscht.
Mag sein. Sicher ist das nicht einfach. Aber in der Medizin war ich in jedem Examen in den besten 5% oder besser, im Abitur Jahrgangsbester. Experimentelle Doktorarbeit mit summa und Erstautorenschaft. Da kommen mir "die oberen 20%" nicht unerreichbar viel vor, aber vielleicht täusche ich mich auch.
Das ist doch der Beweis, dass die oben genannten Punkte weder Reichtum, Erfolg und schon gar nicht Glück garantieren.
Alle Dinge, über die du dich beschwerst, sind veränderbar. Es ist absolut egal was du studiert hast. Wenn dich die Medizin nicht interessiert, kehre ihr den Rücken. mache berufsbegleitend ein MBA, Gründe ein Startup, spekuliere an der Börse, arbeite in einem Pharmakonzern...
Dann machst du nichts anderes als deine Bekannten mit BWL, Maschinenbau, Jura etc. Vielleicht wirst du glücklicher, erfolgreicher und deine Erwartungen werden erfüllt.
Cor_magna
13.07.2020, 00:05
Leute, die ihre Berufswahl verfluchen gibt es in jedem Beruf. Das werden auch die Jurastudenten tun, die nach 10 oder 11 Semestern endgültig durch das 1 Examen gefallen sind .
Witzig, dass du das sagst, ich habe wirklich eine Freundin, der das passiert ist. Sehr Ehrgeizig, aber die is nach 5 oder 6 Jahren komplett durchgeflogen, gar nicht witzig. Ist jetzt Beamtin im Finanzdienst (hat da ne Ausbildung oder Studium gemacht im Anschluss an Jura)
ehem-user-21-08-2020-1502
13.07.2020, 00:40
Witzig, dass du das sagst, ich habe wirklich eine Freundin, der das passiert ist. Sehr Ehrgeizig, aber die is nach 5 oder 6 Jahren komplett durchgeflogen, gar nicht witzig. Ist jetzt Beamtin im Finanzdienst (hat da ne Ausbildung oder Studium gemacht im Anschluss an Jura)
Ich kenne zwei Leute aus Schulzeiten denen genau das passiert ist. Sie sagten, in ihrem Jahrgang hätten mehrere dieses Schicksal geteilt. Wohlgemerkt nach mehreren Jahren Examensvorbereitung und über 10.000 Euro Rep-Kosten mit Einzelunterricht.
Es gibt mittlerweile sogar Firmen, die sich auf Leute spezialisieren, die endgültig durchgefallen sind.
https://www.youtube.com/watch?v=aZQ-Uh4D_Yc
Ja, so kann's einem ergehen. 1,2,3 letzte Chance vorbei. Kann in Medizin auch vorkommen, aber wenn man das Physikum hat, ist die Wahrscheinlichkeit 3x durch die M2 zu fallen deutlich geringer als beim juristischen Staatsexamen. Da wird frühestens nach 8 Semestern gesiebt. Man muss sich diesem Risiko bewusst sein. Es sind nämlich nicht alles Faulenzer die durchfallen. Nach soviel Zeit und Geld (Rep ist nicht billig) kann das durchaus frustrieren.
cartablanca
13.07.2020, 01:12
Wenn du richtig viel Geld verdienen willst mach Labormedizin und ein Labor auf oder wandere in die USA aus. Das Geld kommt aber erst mit 35 aufwärts. Das ist halt der Haken. Mit 35 aufwärts ist aber die Hälfte des Lebens und damit die schönsten Jahre schon vorbei.
Ich hab aus ähnlichen Gründen heraus meine Berufswahl bereut. Die Zwanziger sind die schönsten Jahre des Lebens. In dieser Zeit hätte man viel mehr erleben können. Heute denke ich mir eine 3 jährige Ausbildung oder ein dreijähriges Studium und anschließend möglichst schnell selbstständig machen wäre deutlich besser gewesen. Einmal wegen dem Geld: Wenn du zB mit 20 deine Ausbildung fertig hast und 2000 netto pro Monat verdienst hast du bis zum 30 Lebensjahr 240 Tsd. Euro verdient und bist in der Lage ein Haus zu bauen. Wenn man das Geld in Aktien gut angelegt hat, kommt man bis dahin locker auf 400.000 Tsd. Der Mediziner steigt stattdessen mit 27 oder 28 quasi mittellos ein. Häufig sogar noch verschuldet. Und dann auch, weil ich mich grundsätzlich mehr für Dinge als für Menschen interessiere aber das ist ein individueller Faktor.
In diesem Staat werden Hochqualifizierte systematisch diskriminiert. Dieser Sarrazin (dessen Meinung ich nicht überall teile) hat das in "Deutschland schafft sich ab" durch Zahlen ganz gut dargelegt. So bleiben zB 25% aller Akademikerinnen kinderlos. Bei den Ärztinnen ist der Anteil sogar noch höher. Man soll gar nicht neidisch in Richtung Jura oder BWL schauen. Mit arbeitslosen Juristen kann man die Straßen pflastern. BWL ist das mit Abstand ätzendste Studium dessen Vorlesung ich mal zur Probe besucht habe. Ingenieurwesen fand ich immer spannend. Das wäre ne gute Alternative gewesen. Aber die Sicherheit im Bereich Medizin ist schon höher als bei den Ingenieuren.
Ich sage mir heute: Das Wichtigste im Leben ist nicht der Job, sondern die Familie. Man muss einen Sinn in dem finden was man tut. Wenn man Medizin macht weil man Spaß daran hat ist das hervorragend. Wenn man Medizin macht, um seiner Familie ein gutes Leben zu bieten, kann das sinnstiftend sein.
Ich würde auch den Abiturienten raten niemals 6 bis 7 Jahre in Deutschland zu studieren. Hochqualifizierte Lohnarbeiter werden nur ausgebeutet. Möglichst schnell ins Arbeitsleben einsteigen und selbstständig machen. Geld anlegen lernen. Das ist ein deutlich besserer Weg um glücklich zu werden.
cartablanca
13.07.2020, 01:27
Jo, das ist doch mal eine tolle Idee. Nichts kommt in der Wirtschaft besser an, als wenn man mit Anfang 40 ohne relevante Berufserfahrung, aber mit fachlich völlig irrelevantem Zweitstudium einsteigt. Da kann man sich dann direkt beim Lidl an der Kasse bewerben. Aber wenigstens kann man sich dann dort „Dr. med.“ aufs Namensschild drucken lassen.
Elon Musk hat mal in einem Video was Interessantes gesagt. Er meinte sinngemäß, dass er gar nicht wisse, warum Alle so viel Angst hätten Risiken einzugehen. Die Wahrscheinlichkeit in der westlichen Welt zu verhungern läge quasi bei Null.
ehem-user-21-08-2020-1502
13.07.2020, 01:33
Wenn du zB mit 20 deine Ausbildung fertig hast und 2000 netto pro Monat verdienst hast du bis zum 30 Lebensjahr 240 Tsd. Euro verdient und bist in der Lage ein Haus zu bauen.
Dann darfst du aber auch 10 Jahre nichts essen und keine Miete bzw. Versicherungen zahlen, weil sonst die 240k schnell weg sind :) Allein die laufenden Kosten relativieren die 2000 Euro netto sehr schnell. Ansonsten stimme ich dir zu
cartablanca
13.07.2020, 02:30
Die Lebenshaltungskosten habe ich bei den Studenten aber auch weg gelassen. Von daher passt der Vergleich schon. Ansonsten wären wir aber immer noch bei ca. 250 bis 300 Tsd.
tragezwerg
13.07.2020, 07:56
Welcher Lebensabschnitt der beste ist, ist aber sehr individuell. Ich bin mit 35 defintiv deutlich glücklicher als ich mit 25 war. Und im Studium ist man viel flexibler was Urlaube etc. angeht als wenn man im gleichen Alter schon arbeiten muss.
Und ja, es gibt in jedem Job zufriedene und unzufriedene Leute. In der Medizin gibt es in meiner Erfahrung von beidem nicht ungewöhnlich viele. Wie viele andere schon erwähnt haben, ist Innere an der Uni oft das Paradebeispiel für grottenschlechte Arbeitsbedingungen. Aber (Überraschung!!!) man ist ja selbst für sein berufliches Glück verantwortlich. Neue Stelle, vielleicht neues Fach suchen. Das super einfach verdiente große Geld dürfte für die meisten Berufstätigen, egal ob in der Medizin oder nicht, sowieso eher utopisch sein.
JungerArzt92
13.07.2020, 08:06
Weil schon öfter die Frage aufkam, was mich an der Medizin gereizt hat: Begeisterung und Interesse fürs Fach. Die ist in Grundzügen auch immer noch da, auch wenn sich das etwas in den Bereich der Forschung verschoben hat. Deswegen habe ich auch die "Innere an der Uni" gewählt, weil mich meine Subspezialisierung fasziniert, und eigentlich nur an der Uni so tief in das Thema eintauchen konnte, wie ich das wollte (mit Forschung etc.).
Nur: Ich verbringe 80% meiner Arbeitszeit mit dem Schreiben von Briefen, sonstiger Dokumentation, Sekretärsarbeit. Die Patientenversorgung steht hinten an, und ich habe das Gefühl, dass man selbst wesentlich besser fährt (auch in den Augen der Vorgesetzten), wenn man diese eher vernachlässigt. Frau Meier in Zimmer 10 ist nach dem Eingriff dauernd übel? Egal, MCP 10mg, ab nach Hause, wir brauchen das Bett, die Zahlen müssen passen!
Mein Job ist so scheiße - auch explizit die damit verbundene Tätitgkeit - dass ich mittlerweile soweit bin, dass ich für das Geld, dass meine Freunde verdienen, euch auch den Rasen mähen würde. Es ist gar nicht mal das Geld als solches, das mich so stört (das einzige, was mich an Statussymbolen reizt, wäre eine schöne, große, gut gelegene Wohnung), sondern dass die miese Bezahlung einfach in Linie steht mit einer fehlenden Wertschätzung von eigentlich allen Seiten: Dass man uns in so katastrophale Arbeitsplätze pfercht, während in der Verwaltung jede Sachbearbeiterin ein Büro hat, das größer ist als das des eigenen Oberarztes. Dass einem von allen Seiten ein permanentes "Fuck you" entgegengeschleudert wird - von Vorgesetzten, von der Verwaltung, leider auch oft von den Patienten. Zu diesem Gefühl, irgendwie Leibsklave der Klinik zu sein, gehören auch die nicht-Vergütung unserer Arbeitszeit und die damit verbundene Ausbeutung.
Ich habe kein Problem damit, prinzipiell viel zu arbeiten. Ich gehe selbst nach 12h-Tagen noch abends ins Labor (mein armer Doktorand, aber ich habe ihm im Vorfeld gesagt, dass es bei mir manchmal später werden kann). Aber auch wenn das dort nicht bezahlt wird, habe ich wenigstens das Gefühl, auch etwas "für mich" zu tun, und was von meinem PI auch wertgeschätzt wird.
Und wer nun denkt, dass das doch quasi der Fast Track zum Chefarzt wäre: Blödsinn. Nach 11 Jahren Mühle kommt dann erst einmal der PD mit Funktionsoberarzt, wo man weiter für wenig Geld viel arbeiten darf. Nach ein paar Jahren Rumgeschleime beim Chef kommt der APL-Prof und vielleicht eine Oberarztstelle. Inzwischen verdient man brutto vielleicht 20% dessen, was sie in den Großkanzleien verdienen.
Unternehmensberatung werde ich probieren, aber da sieht die Stellensituation dank Corona sehr mau aus (egal, was die Chefs in den Interviews sagen: Es wird kaum eingestellt. Ich kenne da ein paar Leute), vor allem für Fachfremde (die erfordern eine wesentlich höhere Anfangsinvestition für die Firma, weil man sie erst einarbeiten muss). Ich werde das in einem Jahr oder so probieren, aber auch dann werden die Chancen eher schlecht stehen, es wird ja nur ein Bruchteil der Bewerber einegstellt. Die guten BWLer haben dann noch andere Optionen, ich nicht.
Inzwischen bin ich fast so weit zu sagen: Scheiß drauf. Werde ich halt Allgemeinmediziner und lebe mein Leben in der Mittelschicht. Habe ich halt dumme Fehler gemacht (dazu gehört das Medizinstudium). Hätte ich besser Informatik an der FH studiert oder BWL oder irgendetwas anderes. Schlechter als Ärzte trifft es die wenigsten Akademiker (die nicht gerade irgendein Orchideenfach studieren).
Feuerblick
13.07.2020, 08:14
Ich versteh es nicht... du findest deinen Arbeitsplatz scheisse und fühlst dich unterbezahlt. Letzteres wäre dir (du würdest sogar das minderprivilegierte Leben in der Mittelschicht akzeptieren... ernsthaft...wenn ich das schon lese...) ja offenbar noch eher egal. Warum zum Geier wechselst du nicht Stelle und ggf. auch das Fach, wenn alles so schrecklich ist? Das meinte ich mit Jammermentalität. Man jammert und jammert, wie furchtbar alles ist und wie toll die Jobs der anderen... aber den Hintern hochbekommen und was ändern, das will ja wieder keiner. Kündige, geh an eine andere Uni, an eine andere Klinik, in eine andere Stadt oder in ein anderes Fach. Oder, wenn dir Prestige und Kohle so wichtig sind, beiß die Zähne zusammen und box dich an eine Position, von der du meinst, dass sie dir zusteht. Aber hör auf zu jammern über das grünere Gras auf der anderen Seite des Zauns. Das ändert nämlich nix.
Cor_magna
13.07.2020, 09:02
Ah , der letzte Beitrag ist sehr erhellend. Du bist also in die Medizin gegangen, um ziemlich reich zu werden. Also nicht wohlhabend wie viele Ärzte (sagen wir mal alles ab 5 Netto im Monat), sondern schon gut wohlhabend, also eher so ab 10 bis 20 netto im Monat und deutlich mehr.
Und das Problem: Du lebst was deine Freunden anbelangt anscheinend in einer sehr privilegierten Blase. Zumindest von dem Standpunkt her, dass die deutlich mehr als du als Arzt verdienen.
Jetzt mach dich auf die Wirklichkeit gefasst: Ärzte stehen zusammen mit guten BWLern und guten Juristen und Informatikern und Ingenieuren (die üblichen Fächer halt) an der Spitze der Akademikereinkommenspyramide. Ja wirklich. Rede mal mit den unzähligen anderen Akademikern aus den Naturwissenschaften (Bio und so) die erschlagen dich wenn sie an der Uni die gerade ihren PHD machen oder dort als Postdoc arbeiten und du jammerst über dein arztgehalt. Oder noch krasser: Geisteswissenschaflter. Hast du dort Freunde? Ich schon. Uncool da :) Also so Job und Gehaltsmässig.
Nochmal zurück zum Arztdasein: Als Arzt wird man nur selten richtig reich. Wohlhabend ja, reich ist möglich, aber selten.
Die alten Labortmediziner von früher oder die Radiologen die sich große Praxen aufgebaut haben. Auch mancher Orthopäde der hobbymässig Knie TEps reinhaut bis zum umfallen. Als Arzt im Krankenhaus wirds aber sehr schwer bis unmöglich :) Ein Vorstand im Unternehmen lacht auch über Chefarztgehälter (Als Chefarzt ca. so 200 bis 400k im Jahr Brutto), und leider siehst du dich als jemand der es bis zum Vorstand schaffen würde (jenseits der Millionen Brutto im Jahr).
In der BWL Welt (da zahle ich jetzt auch ITler und Ingenieure dazu, können alle bei großen Konzernen etc arbeiten) ist es auch schwierig so hoch zu kommen, aber dort ist eben die Spanne nach oben viel größer als bei uns. Dafür ist bei uns wirklich jeder irgendwann obere Mittelschicht.
Darüber hätte man sich aber vorher informieren müssen. Mir persönlich geht diese reine Gelddenke auf den Sack. Gehöre auch eher zu den finanziell interessierten Menschen (ich sag nur ETFs und Aktien etc.) aber dieses reine von Geld gelenkt sein.... damit hättest du echt gut in die BWL Welt gepasst. Wie bereits bemerkt gehts da um nix anderes. Wers mag.
Ergänzung: Dir passt auch die fehlende Wertschätzung nicht:
1. Du bist als Assi das unterste Glied der Kette - arbeite dich hoch.
2. Geh woanders hin wo man dich wertschätzt.
my 2 Cents.
Was hat der Umstand, dass durch den Tarifvertrag jede Pflaume in der Medizin zu Beginn dasselbe verdient wie jemand, der wirklich Leistung bringt, damit zu tun, dass sich solche Leistung seltenst für uns lohnt?
Unsere Arbeitsmodalitäten sind unser aller Sau - die Dienstmodelle, lächerliche Schichtzulagen, absurde Minusstunden nach Nachtarbeit, geplante Personalschlüssel am unteren Ende der Kollapsskala, fehlende uns untergeordnete Assistenzberufe, die Erwartungshaltung an Arbeitseinsatz und Überstunden ohne Mehrwert für uns, private Weiterbildung, keine Sonderzahlungen, Geld für Fortbildungen nur im absoluten Ausnahmefall, keine Pool-Beteiligung, keine Sonderleistungen, kein eigener Arbeitsplatz, kein Parkplatz ohne Lohnabzug, Dauerbefristung, regelhaft Frustventil für andere Berufsgruppen. Der Tariflohnt bringt halt auch mit sich, dass man nicht verhandeln kann. Und wenn man vom CA der PC gesagt bekommt, man habe zwar Traumnoten, eine fertige Disse, 5 Jahre als Werkstudent gearbeitet und einen Top-Eindruck in Hospitation und Gespräch hinterlassen, dürfe sich aber dennoch gerne nach dem Common Trunk wieder bewerben; dann bleibt vom Einsatz im Studium auch nur ein feuchter Furz übrig.
Ich liebe den Arztberuf inhaltlich, und auch die Arbeit mit Patienten. Aber das Drumherum ist flächendeckend unter aller Kanone und da fällt mir in Summe kein vergleichbar mieser akademischer Bereich ein. Ja, der Tarif bietet ein Sturznetz nach unten für den Bodensatz der Absolventen. Aber nicht ohne Grund werden alle höheren Posten in der Medizin außertariflich vergeben. Selbst Schreiber hier im Thread, die all das relativieren, geben ja letztlich offen Tips, um den anscheinend als Standard empfundenen Kollateralschaden der Berufsausübung so gut es geht zu minimieren. In anderen Branchen wechselt man die Stelle für mehr Verantwortung und 30 % mehr Gehalt. Bei uns, um mit weniger Ausbluten dasselbe fürs gleiche Geld weiter zu machen. Ich sage ja nicht, dass ich jedes Problem perfekt gelöst haben will. Aber die Summe an Missständen kann einem den Beruf schon verleiden, und das muss angegangen werden. Ich verstehe den Beißreflex vieler Kollegen nicht, bei dem Thema instinktiv zu argumentieren, es sei doch nicht so schlecht, weil es woanders auch nicht pefekt ist.
(Und wer meint, man dürfe als Vergleich nicht den Anwalt in der Großkanzlei heranziehen, kann nicht im Umkehrschluss mit Leuten argumentieren, die endgültig durch die EJP gefallen sind.)
Ach Göttchen, das ärztliche Leben in der Mittelschicht mit Durchschnittgehältern um die 200000€ im niedergelassenen Bereich ist echt eine Schmach...
Wenn Dir Geld und Prestige so wichtig sind, wirst Du vermutlich niemals satt werden. Egal was Du machst. Aber da ist jeder seines eigenen Glückes Schmied...
ehem-user-21-08-2020-1502
13.07.2020, 11:55
Habe ich halt dumme Fehler gemacht (dazu gehört das Medizinstudium). Hätte ich besser Informatik an der FH studiert oder BWL oder irgendetwas anderes. Schlechter als Ärzte trifft es die wenigsten Akademiker (die nicht gerade irgendein Orchideenfach studieren).
Nur komisch, dass Ärzte (ja auch Angestellte) am oberen Ende der Gehaltsskala stehen. Natürlich müssen sie dafür viel arbeiten. Ich frage mich mittlerweile ob du ein Troll bist. Wenn ich das mit Mittelschicht etc lese und miese Bezahlung lese. Und das man an der Uniklinik nach Tarif bezahlt wird und keine 120k zum Einstieg bekommt, weiss doch jedes Kind. Wenn du so gut bist, dann verlass doch die Uniklinik-Mühle und geh in die freie Wirtschaft
Kackbratze
13.07.2020, 13:29
Dafür bräuchte man Eier und einen realen Abschluss. Hier im Internet zu Jammern ist viel effizienter.
Abiturient2010
13.07.2020, 15:00
Anderes Fach, kleinere Klinik, und doch kann ich nahezu alle Gedanken des TE 1:1 nachvollziehen (bis auf die Klinikklamotten - die sind echt ganz bequem! *gefaelltmir*).
Bequeme Klamotten alleine reichen aber leider nicht, um zufrieden mit seinem Job zu sein. Der Stress/Druck von allen Seiten, die Verantwortung und die erbärmlichen Arbeitsbedingungen in der Klinik sind leider auch bei mir harte Realität. Das Monetäre interessiert mich gar nicht wirklich, aber in Relation zur Wochenarbeitszeit ist auch das ein deprimierender Faktor.
Daher informiere auch ich mich aktuell über Alternativen, wobei ich zunächst insbesondere einen (notfalls auch zwei) Fachrichtungs- und Klinikwechsel in Betracht ziehe, falls das nicht fruchtet, bin ich raus aus der Medizin und suche mir irgendwas ganz anderes. Schließe mittlerweile auch nicht aus, nochmal studieren zu gehen, um die Chancen zu erhöhen, irgendwo anders mit guten Karrierechancen unterzukommen.
Wie auch immer: TE, du bist nicht allein! Das Gefühl der Reue hinsichtlich der naiven Entscheidung für das Medizinstudium begleitet mich auch täglich. Genauso würde ich auch lieber jeden Tag Rasen mähen anstatt mir diesen Mist weiter anzutun (lustigerweise hatte ich ähnliche Gedanken auch schon in den letzten Wochen/Monaten).
Trotzdem: Irgendwas ändern muss man, das Leben ist zu kurz um es mit einer Arbeit zu vergeuden, die einem keinen Spaß bereitet.
Powered by vBulletin® Version 4.2.3 Copyright ©2026 Adduco Digital e.K. und vBulletin Solutions, Inc. Alle Rechte vorbehalten.