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Heerestorte
19.11.2020, 08:30
zufrieden in der Kinderortho....gibts das Video auch mit Innere?


https://www.youtube.com/watch?v=dQw4w9WgXcQ

;-)

Medizininteressentin87
22.11.2020, 13:49
Danke für den Link zum Video! Das gibt einen wirklich einen guten Einblick und hilft einen weiter. Die Kommentare überhaupt. Sonst kommt man nicht an solche ehrlichen Kommentare.

tarumo
22.11.2020, 18:45
Danke für den Link zum Video! Das gibt einen wirklich einen guten Einblick und hilft einen weiter. Die Kommentare überhaupt. Sonst kommt man nicht an solche ehrlichen Kommentare.

Entsprechende Kommentare gibt es zuhauf in Foren von ZEIT, SPON usw.. Einfach dort einen Artikel zum Thema Ärztemangel/streiks/Krankenkassenfinanzen usw.. heraussuchen und man bekommt mit, wie ein erheblicher Teil der "lieben" Patienten so tickt.

asdff123
08.04.2021, 12:55
Ich habe 7 Jahre u.a. als (Investment) Banker gearbeitet. Nun will ich nochmal Medizin studieren.

Ein Job gibt einem doch 2 Arten vom Kompensation: Geld & Sinn der Arbeit. Warum wird Medizin als Fach überlaufen? Bestimmt nicht weil man hier super reich werden kann, gewiss aber ganz gut verdient. Die Leute wollen keinen Bürojob, der zunehmend digitalisiert wird. Arzt ist ein freier Beruf mit einer großen sozialen Komponente. Zusätzlich sieht man in der Tätigkeit einen Sinn. In Konzernen geht es letztlich nur darum sich zu verkaufen und in Meetings am gescheitesten herumzulabern. Wir diskutieren bspw. über abstrakte rechtliche Strukturen. So etwas ist nicht lebensnotwendig für die Menschen. Wir haben uns unsere Welt zu kompliziert gemacht. Deshalb möchte ich noch umschwenken und einen wichtigen Beruf ausüben - Geld ist im Leben nicht wichtig, solange es für ein gutes Leben reicht.

Bonnerin
08.04.2021, 13:07
Die Zeit der "Selbstverwirklichung" und "Sinnhaftigkeit" ist im Zuge der DRG-Codierung und -Abrechnung längst begraben worden.
Es werden immer mehr ärztliche Tätigkeiten auf anderes Personal übertragen, dafür kommt immer mehr Papierkram und Bürokratie auf einen zu. Gerade in der Inneren hat man je nach Abteilung das Gefühl, als Sekretariatsmitarbeiter tätig zu sein.

Spoiler: Die deutsche Krankenhauslandschaft ist mindestens genauso gewinngeil wie die Privatwirtschaft. Mit der Gesundheit der Patienten wird Geld für die Klinikbetreiber und ihre Hauptaktionäre generiert. Was denkst du, warum es so viele Spondylodesen gibt? Oder Herzkatheter? Weil man es gut abrechnen kann...und nicht, weil wir international überproportional viele derartige Eingriffe wirklich benötigen.

Wenn du wirklich was mit "Sinn" suchst und damit auf Medizin hoffst wirst du maximal enttäuscht werden. Such dir lieber was wirklich Sinnhaftes in deinem Privatleben (ehrenamtlich im Tierheim, in die Obdachlosenversorgung...).

Wenn du dir mal 30 Minuten Zeit nehmen willst, die Reportage ist wirklich gut: https://www.zdf.de/dokumentation/zdfzoom/zdfzoom-aerzte-am-limit---kostendruck-statt-patientenwohl-100.html

Mr. Pink online
08.04.2021, 13:22
Warum wird Medizin als Fach überlaufen? Bestimmt nicht weil man hier super reich werden kann, gewiss aber ganz gut verdient. Die Leute wollen keinen Bürojob, der zunehmend digitalisiert wird. Arzt ist ein freier Beruf mit einer großen sozialen Komponente. Zusätzlich sieht man in der Tätigkeit einen Sinn.
Nein ... einfach nur NEIN.
Medizin wird überlaufen weil geschätzt 90% der Studienanfänger 18 Jahre alt sind und kein Schimmer von der Lebenswirklichkeit haben. Da stehen andere Motive im Vordergrund als purer Altruismus. Medien und Gesellschaft suggerieren ja erfolgreich Arzt sein wäre finanziell lohnenswert und genießt eine hohe gesellschaftliche Anerkennung. Letzteres stimmt sogar. Gegenüber deinem Arbeitgeber kannst du die Anerkennung aber suchen. Du wirst ausgequetscht wie eine Zitrone. Nachdem der Pflegenotstand über alle KH hereingebrochen ist, darfst du als AA jetzt auch zunehmend nicht originär ärztliche Aufgaben übernehmen. Weil auch nach oben hin die Luft dünn wird, haben OÄ kaum noch Interesse ihre AÄ in die wirklich wichtigen und interessanten Bereiche des Berufs einzuarbeiten. Mal abgesehen davon, dass man als AA im Prinzip gar keine Zeit mehr dafür hat, da man ja für die ganze andere Sch**** die tagsüber anfällt selbstverständlich zuständig ist.

Naja, alles schon endlos diskutiert hier. Man kann uns allen nicht mehr helfen, wir machen es ja trotzdem weiter mit. Vielleicht studier ich auch nochmal und werde Investment-Bänker.

asdff123
08.04.2021, 13:36
Danke für Deine Antwort. Im privaten hab ich es auch schon versucht, aber als Vollzeitjob ist es nochmal was anderes. Man könnte auch da viel Bewegen und pro Bono arbeiten.

Auch wenn ich mir hier viele Feinde mache: ich denke, dass die Vorteile privater Kliniken die Nachteile überwiegen. Wenn der Eigentümer im Risiko steht (Eigenkapital) wird er viel genauer auf die Versorgung der Patienten schauen (Reputation) und - passend zum Thema - die Arbeitsbedingungen und Attraktivität als Arbeitgeber im Auge behalten.

Wir haben in Deutschland schon gesehen wohin es führt wenn der Staat alles regeln möchte. Das Ergebnis ist Willkür und Mismanagement.

Was du beschreibst geht natürlich gar nicht, unnötige OPs sind Körperverletzung am Patienten und Betrug und müssen mit scharfen Gesetzen und Sanktionsmoglichkeiten bestraft werden. In anderen Sektoren kann man auch illegale Aktivitäten eindämmen, warum nicht in der Medizin.

asdff123
08.04.2021, 13:49
Vielleicht studier ich auch nochmal und werde Investment-Bänker.

Das braucht man nicht studieren :)

Irgendein Studium reicht siehe Dr. Med. Alexander Dibelius

ehem-user-02-08-2021-1033
08.04.2021, 13:59
Danke für Deine Antwort. Im privaten hab ich es auch schon versucht, aber als Vollzeitjob ist es nochmal was anderes. Man könnte auch da viel Bewegen und pro Bono arbeiten.

Auch wenn ich mir hier viele Feinde mache: ich denke, dass die Vorteile privater Kliniken die Nachteile überwiegen. Wenn der Eigentümer im Risiko steht (Eigenkapital) wird er viel genauer auf die Versorgung der Patienten schauen (Reputation) und - passend zum Thema - die Arbeitsbedingungen und Attraktivität als Arbeitgeber im Auge behalten.

Wir haben in Deutschland schon gesehen wohin es führt wenn der Staat alles regeln möchte. Das Ergebnis ist Willkür und Mismanagement.

Was du beschreibst geht natürlich gar nicht, unnötige OPs sind Körperverletzung am Patienten und Betrug und müssen mit scharfen Gesetzen und Sanktionsmoglichkeiten bestraft werden. In anderen Sektoren kann man auch illegale Aktivitäten eindämmen, warum nicht in der Medizin.

Ach komm schon...
Für/gegen das schlechte Image gibt es PR-Agenturen.
Privatwirtschaftliche Unternehmen versuchen natürlich immer einen möglichst guten Kapitalwert zu erzielen.
Aber ich stimme dir auch zu, dass assoziale
Mitarbeiterführung auch in kommunalen Häusern bzw. Unikliniken erfolgen kann. Da werden dann mögliche Gewinne in der Verwaltung oder anderen patientenfernen Tätigkeiten vergeudet und für das eigentlich arbeitende Personal nichts reinvestiert.

Mr. Pink online
08.04.2021, 14:06
Auch wenn ich mir hier viele Feinde mache: ich denke, dass die Vorteile privater Kliniken die Nachteile überwiegen. Wenn der Eigentümer im Risiko steht (Eigenkapital) wird er viel genauer auf die Versorgung der Patienten schauen (Reputation) und - passend zum Thema - die Arbeitsbedingungen und Attraktivität als Arbeitgeber im Auge behalten.


Leider funktionieren die Gesetze der Marktwirtschaft im Krankenhaus nicht wie in der "normalen" Privatwirtschaft. Schmecken die Brötchen vom Bäcker nicht, geht man zur Bäckerei nebenan. Krankenhaus ist aber Grundversorgung am Menschen. Es gibt nicht in jedem Nest Notaufnahmen, Chirurgie, Intensiv etc. Die Auswahl ist für den "Kunden" von vorneherein nicht gegeben. Noch dazu versteht der "Kunde" in der Regel wenig bis gar nichts von der Leistung die er in Anspruch nimmt.
Das nächste "Problem" sind die Tarife. KH bieten ihren AÄ nicht mehr Kohle/bessere Arbeitsbedingungen, weil sie sich auch aus Eigeninteresse am Tarif orientieren. Noch dazu können KHs gar keine besseren Arbeitsbedingungen anbieten. Dazu fehlt schlichtweg das Personal. Selbst wenn du genug Ärzte hast, fehlt die Pflege. Rate mal wer dann Aufgaben von denen übernimmt.

hebdo
08.04.2021, 15:59
Bitte den Arztberuf nicht idealisieren. Wer versucht mit dem Arztsein Menschen zu helfen und eine sinnstiftende Tätigkeit auszuüben wird eine bittere Enttäuschung erleben. Das Gesundheitswesen ist komplett durchökonomisiert, ein Teil des Dienstleistungssektors mit vielen Profiteuren - außer den Patienten und dem medizinischem Personal. Das sollte einem klar sein, man sollte seine Nische finden und mit dem sicheren und gut bezahlten Job sein Leben genießen. Der Sinn des Lebens liegt nicht im Beruf.

daCapo
08.04.2021, 16:00
Auch wenn ich mir hier viele Feinde mache: ich denke, dass die Vorteile privater Kliniken die Nachteile überwiegen. Wenn der Eigentümer im Risiko steht (Eigenkapital) wird er viel genauer auf die Versorgung der Patienten schauen (Reputation) und - passend zum Thema - die Arbeitsbedingungen und Attraktivität als Arbeitgeber im Auge behalten.

(...) Das Ergebnis ist Willkür und Missmanagement.

Was du beschreibst geht natürlich gar nicht, unnötige OPs sind Körperverletzung am Patienten und Betrug und müssen mit scharfen Gesetzen und Sanktionsmoglichkeiten bestraft werden. In anderen Sektoren kann man auch illegale Aktivitäten eindämmen, warum nicht in der Medizin.

Feinde machst du dir nicht, jedoch Ist es naiv zu glauben privaten Kliniken gehen mit dem Geld der versicherten besonders schonend um. Wie bereits gesagt: es gibt überdurchschnittlich viele OP s und Intervention und Untersuchung ,die viel Kohle Reinspülen. In mancher Reportage wird das ganz offen gesagt, die Indikationsstelling wird dann ''weich'' genannt.

Staatliche Leistungen sind so gut, wie die Leute,die dahinterstehen. Schau dir in GB den NHS an. Die Impfkampagne ist deutlich schneller als hier, obwohl komplett staatlich. Sterben die Briten früher, obwohl sie deutlich weniger zahlen für den vollkommen staatlichen Gesundheitsdienst : Nein. Und wer Luxus will,geht in die Privatklinik.

Privatisierungen im Gesundheitswesen (insb Krankenhaus) geltrn oft als Fehltritt...warum sind nicht alle Unikliniken privatisiert wurden nach Gießen und Marburg? Dreimal darfst du raten oder googln. Ebenso umstritten sind Zusatzvereinbarung bei Chefarztverträgen über Bonusvergütungen, wenn xx OPs durchgeführt werden.
Sinnvoller wäre es ein festes Gehalt zu bieten und keine falschen finanziellen Anreize durch Untersuchungen und OPs.

Die Facharztausbildung in Deutschland ist wenig zu empfehlen in den meisten Fächern, oft arbiträr. Selbst die Schreibkraft im Krankenhaus glaubt was besseres zu sein als der Arzt in Weiterbildung, der in Deutschland immer noch Assistenzarzt genannt wird, um seine nachrangige niedere Stellung zu betonen. Es gibt wirklich nur wenige gute Stellen und sehr viele schlechte.
Als Facharzt hat man dann wieder normale Arbeitsbedingungen und erfährt mehr Respekt für seine Arbeit.

ehem-user-02-08-2021-1033
08.04.2021, 17:29
Als Facharzt hat man dann wieder normale Arbeitsbedingungen und erfährt mehr Respekt für seine Arbeit.

Das gilt nicht für Anästhesiologie...

Mr. Pink online
08.04.2021, 17:34
Das gilt in vielen Kliniken für viele FÄ nicht, da zwischenzeitlich die Weiterbildung so unterirdisch ist, dass man mit Erreichen des FA quasi erst in die relevanten Funktionen nach und nach eingeführt wird. Hauptsache möglichst lang in Abhängigkeit halten. Und so lange ist man natürlich auch der DvD.

nie
08.04.2021, 18:42
Lass es. Du wirst nur bitter enttäuscht sein und sehr schnell maximal frustriert.

In den meistens Fächern ist die Medizin tatsächlich ein Bürojob. Ich muss auch immer wieder über mein früheres Ich lachen, das Ärztin werden wollte um nicht den ganzen Tag am Schreibtisch zu sitzen und jetzt ca. 85 % seines Arbeitstages am Schreibtisch verbringt.... Kostendruck ist auch in der Medizin kein Fremdwort und die schon mehrfach angesprochene „weiche“ Indikation häufiger als man es sich vorstellen kann. Und ich saß mehr als einmal in einer Besprechung in der der Chefarzt darauf hingegebenen hat, dass zuviel Medikament X verabreicht wurde und dass das zu viel Geld gekostet hat.

Klar, man hilft auch Menschen und rettet man sogar mal ein Leben. Aber man geht sicher nicht jeden Tag mit dem befriedigenden Gefühl nach Hause, dass man die Welt ein bisschen besser gemacht hat. Die meiste Zeit arbeitet man auch als Arzt nur Routinen ab und selbst Menschen helfen wird irgendwann mal zur Routine.Und zu guter letzt sind Patienten oft gar nicht so dankbar wie man denkt. Selbst wenn man ihnen hilft und ihr Leben besser macht oder gar rettet, wird sich noch über das eklige Essen und die unbequeme Matratze beschwert.

Der Arztberuf hat auch gut Seiten und ich bereue meine Berufswahl definitiv nicht aber mit deinen Gründen und Vorstellungen wirst du nur enttäuscht und frustriert sein. Diesen Weg würde ich an deiner Stelle nicht gehen.

Cor_magna
08.04.2021, 19:30
Ich sehe das so: Wenn du nach den genannten Ansichten hier immer noch Bock auf Arztsein hast, bzw. überzeugt bist, dass du dahin willst, dann gönn dir :D Aber stell dich drauf ein, dass es ne harte Mühle wird.

Muss aber ein wenig relativieren: Ich kenne durchaus genug Ärzte, die ihre Tätigkeit als sehr sinnvoll empfinden, trotz der genannten Nachteile, und für einen gewissen Schlag Mensch ist das sehr wichtig. Die könnten NIEMALS auf Dauer einen Job im Konzern machen, wo im Endeffekt nix dabei raus kommt (muss grad irgendwie an den einen oder anderen Chirurgen denken, dem es extrem wichtig ist, die "Früchte" seiner Arbeit auch sehen zu können bzw das Gefühl zu haben die eigene Arbeit produziert irgendetwas greifbares).

Oder die Jobs wo man die Kunden wirklich über den Tisch ziehen muss. Provisionsbasierter Vertrieb sag ich nur. Vor allem in der Banken und Versicherunsbranche wird mir von Bekannten gerne so einiges erzählt. Da wird der Kunde regelrecht verarscht. Wer da Moral hat dem wird sie ausgetrieben oder man endet am Strick. In dem Ausmaß hab ich das in der Klinik noch nicht mitbekommen, auch wenn hier nicht immer im besten Patientensinn gehandelt wird.

Denke viele Ärzte können gar nicht nachvollziehen, wie wirklich sinnlos viele Tätigkeiten in der BWL und Finanzwelt sind, gibt ja den schönen Namen Bullshit Jobs hierfür... Ich würde da gerne so einige Zeitgenossen aus der Klinik da drüben sehen :D :D Die würden untergehen. Ganz anderes Setting. Die können froh sein, dass man in der Klinik auch mit miserablen Selbstvermarktungs und Netzwerkskills (die "weichen" Skills) einigermassen hoch kommt, das kannst du in der BWL Welt vergessen.

Ich denke es kommt hier drauf an mit welchen Erwartungen man an das Ganze Thema Beruf, also auch den Arztberuf, rangeht.

Allgemein denke ich, jede Berufssparte hat sein Päckchen zu tragen, die Ärzte haben sicherlich nicht das leichteste, aber bei weitem nicht so ein schweres wie das allgemeine Mimimi gerne suggeriert.

Just my 2 cents.

Edit: Ich Konnte im Laufe meines Lebens ein wenig Konzern bzw Unternehmensluft schnuppern, aber vll sagt ja noch jemand wie davo , als ehemaliger BWLER, was dazu.

daCapo
08.04.2021, 19:56
Naja echte Chirurgen könnten auch nie 2h Visite machen, über den grenzwertig normalen Calciumwert und irgendwelche Medikamente diskutieren mit bescheidenen Behandlungszielen... die würden auch vor Langeweile durchdrehen.

Es ist eine lange Mühle,durch die man geht. 6 Jahre Studium, wo man praktisch nix verdient, viel lernen muss und mindestens 5 Jahre die arbiträre Facharztausbildung. Der Großteil meiner Kollegen hat länger gebraucht. Oftmals muss man erstmal Sein Fach finden. Das kostet alles viel sehr viel Zeit und die muss man haben.
Ja es stimmt, die Chefärzte wollen die Ärzte in Weiterbildung möglichst lange abhängig halten durch lange Weiterbildung, Promotion oder befristete Verträge. Und ja auch in der Medizin Ist viel Routine. Es gibt auch einige Fächer und Ausbilder mit ganz humanen Arbeitszeiten, ohne Dienste und respektvollen Umgang miteinander. Die muss man aber suchen. Schlechte Stellen gibt es wie Sand am Meer.

Als unglücklicher Anästhesist kann man in 2 Jahre Quereinsteigen in die Allgemeinmedizin.

Chirurgie Ist ein tolles Handwerksfach, das aber auch rund um die Uhr betrieben wird in den meisten Fällen. Schau es dir einfach an.

Fazit: Wenn es wirklich dein Ding ist, schau es dir an und entscheide dann.

nie
08.04.2021, 20:20
Ich bin auch zufrieden mit meinen Medizinerdasein und würde es nie gegen einen Job im Finanz-/BWL-Sektor tauschen wollen.

Aber ich denke halt, dass die Realität bitter wird wenn man als Erwachsener einer Karriere wegwirft und ein langes anstrengendes Studium aufnimmt um dann irgendwann als Assistenzarzt zu arbeiten weil man die Vorstellung hat, dass der Beruf einem das Gefühl gibt, sinnvolles zutun und man sein Leben irgendwie mit seinem Job aufwerten will. Das ist der Weg einfach nicht wert.

mbs
08.04.2021, 20:29
Bei Chirurgie muss man auch nochmal zwischen den genauen Fachgebieten unterscheiden. Als Viszeralchirurg wird es mit der Flucht in eine Praxis oder ein MVZ unter Umständen extrem schwierig, während man in der Unfallchirurgie da doch relativ schnell Möglichkeiten findet, auch wenn man bei weitem noch nicht alles kann was man formal können müsste um in der Klinik aufzusteigen. Hab schon oft darüber nachgedacht in ein anderes chirurgisches Fach zu wechseln - würde ich auch machen wenn ich nicht schon die Zeit in der VCH "voll" hätte und eigentlich den FA dort machen müsste (auch wenn noch einiges an Eingriffen fehlt).

Aber das mit dem in-Abhängigkeit-Halten-solange-es-geht kann ich nur unterstreichen. Hab das nicht nur bei mir selbst schon ganz häufig erlebt. Teilweise scheint das sogar chirurgischen OÄ noch so zu gehen. Wirklich autark kann man in der Klinik vermutlich nie werden.

Aus heutiger Sicht würde ich wenn ich nochmal entscheiden könnte auf jeden Fall Flexibilität und eine möglichst große Zahl an Optionen als Entscheidungskriterium an die erste Stelle setzen.

daCapo
08.04.2021, 21:25
Wie gesagt, einfach anschauen und entscheiden ob der Kosten (sehr viel Zeit und Arbeit) / Nutzen (Arbeit, die man gerne macht)

Als Oberarzt oder Facharzt muss auch seinen Chef fragen, in der einen Abteilung öfters in der anderen weniger.

Arzt in Weiterbildung bedeutet, dass man sehr viel Sekretariatsaufgaben macht und die eigentliche Sekretärin das eher je nach Lust und Laune macht, auf jedem Fall selbst pünktlich in den Feierabend geht, man ihre Arbeit im Urlaub übernimmt oder sogar ganz übernimmt, wenn die Stelle ganz wegfällt. Wenn irgendwelche Arbeit anfällt, macht es der abhängige Arzt in Weiterbildung. Wie gesagt in der letzten Klinik ging das bis zum Ausdruck und Bekleben der Monovetten , Reinigung der Blutabnahmesets, Transport von Labor in Offzeiten und Blutkonserven nahezu immer, außer die Pflege hat Mitleid und schickt einen Praktikanten. Briefe je nach Laune der Sekretärin. Termine selbst natürlich.

Im großen und ganzen sind Kliniken oft sehr unprofessionell organisiert seitens der Leitung, auch wenn die Medizinische Leistung (meist) stimmt.

Und natürlich gibt es Ausnahmen, sonst kommen gleich Gegenstimmen,wie toll es doch ist. Insb. in kleinen Fächern: In der Augenheilkunde beklebt man nur selten Blutmonovetten, läuft zum Zentrallabor oder hängt Blutkonserven. Ebenso gibt es weniger Sekretärinnenarbeit in kleineren Fächern wie Patho, Radio oder Labor.