PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Medizinstudium: Fehler meines Lebens



Seiten : 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 [22] 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50

Mr. Pink online
21.09.2020, 08:55
Ich habe die Hoffnung, dass es mit baldigem FA und perspektivischer Niederlassung besser wird, sonst hätte ich mich schon lange verabschiedet.

daCapo
21.09.2020, 08:56
Gerade, wenn Du Dich nicht mit jedem Akademiker in D vergleichst, solltest Du Dich allerdings auch schön vom Gedanken 8h Tages ohne Überstunden verabschieden, auch der nicht unterdurchschnittliche Jurist oder high flying bird VWLer wird wohl eher nicht nach 8h den Griffel fallenlassen und seinen Feierabend genießen.

Es geht nicht um einige Überstunden und Zeit für Forschung, um seine eigene Karriere vorranzutreiben. Hauptsächlich sind es die Dienste/Wochenenden und mangelnde Organisation im stationären Bereich, die viel Kraft kosten.
Auf die Dauer sind die ca. 30% mehr Gehalt durch Dienste es nicht Wert:-meinung Daher sollte man schauen die WB Zeit zügig abzuschließen.

Christoph_A
21.09.2020, 09:22
Irgendwie versuchst du es dir aber auch auf Teufel komm raus schön zu reden oder? :D

Vom 8h Tag ohne Überstunden hat sich doch jeder hier schon verabschiedet. Ich arbeite aktuell genausoviel wie meine high flying Akademikerfreunde in Jura und VWL, allerdings zu nem deutlich schlechteren Einstiegsgehalt. Außerdem arbeiten die seltenst am Wochenende, von Schichtarbeit mal abgesehen. Ohne Frage kloppen die halt unter der Woche bis um 21h. Das hab ich aber auf Station auch oft gemacht und ich bin nicht erst um halb neun ins Büro geschneit.
Der Vergleich muss nicht sein wer arbeitet mehr, sondern wer bekommt für wieviel Arbeit wieviel Geld. Und da dürfen wir Mediziner uns ganz hinten anstellen.

Wenn Du bis 21h in der Arbeit sitzt, machst Du grundlegend etwas verkehrt. Hatte ich in 6 Jahren bis zum FA vlt. 1 oder 2mal und da hats wirklich medizinisch gebrannt. Ansonsten ist es doch oft so, daß man spätestens ab dem 3.-4. WBJ schon meist eher pktl. rauskommt.
P.s.: Ich muß mir nix mehr schönreden, habe die Assizeit längst hinter mir gelassen und einkommenstechnisch brauche ich mich, glaube ich, jetzt grad vor niemandem zu verstecken.
PPs.: Man ist ungefähr 5-7 Jahre WB Assistent, danach haste noch ungefähr 30 Berufsjahre, um den ach so großen monetären Verlust auszugleichen. Aber Vorsicht, in der Niederlassung arbeitet man deutlich verdichteter und länger als in der Klinik, nur, um da schon etwaigen ruhigere Kugel-Gedanken vorzubauen (allerdings sind die WE fast arbeitsfrei, das stimmt).

Mr. Pink online
21.09.2020, 09:57
Wenn Du bis 21h in der Arbeit sitzt, machst Du grundlegend etwas verkehrt. Hatte ich in 6 Jahren bis zum FA vlt. 1 oder 2mal und da hats wirklich medizinisch gebrannt. Ansonsten ist es doch oft so, daß man spätestens ab dem 3.-4. WBJ schon meist eher pktl. rauskommt.

Das einzige was ich dabei grundlegend verkehrt gemacht habe ist, dass ich es überhaupt gemacht habe. Das passiert nicht nur mir, sondern leider vielen meiner Kommilitonen von damals (also nicht nur in meiner Klitsche). Klar ist das vor allem in der Anfangszeit, aber verkehrt macht es doch nicht der arme Assi, sondern der PersonalOA, der Stations-OA und die Verwaltung, die diese Zustände einfach so hinnehmen. Dass bei solchen Bedingungen natürlich auch die PJ Ausbildung leidet ist gar keine Frage. Hat man irgendwann mehr Routine, führt es ja nicht dazu, dass man ein ruhigeres Leben hat. Im Gegenteil bekommt man mehr Dienste (auch wenns dann teilweise Funktionsdienste sind), mehr Schichtarbeit in INA und Intensiv und dann soll man sich wie gesagt freuen, wenn man verbindlich 2 Wochenenden im Monat frei hat. Wtf... Klar als OA kann später vielleicht eine ruhigere Kugel schieben und versteckt sich tagsüber in der Endo, Broncho oder Koro. Was die Assis auf Station machen ist ihm scheiß egal, er geht um 17 Uhr. Warum auch nicht, er muss schließlich am Wochenende auch nochmal für Dienste ran. Offensichtlich leidet darunter aber Ausbildung, Atmosphäre usw. Die Mehrzahl der Fächer sind nunmal internistisch/chirurgisch und da sieht es eben genau so aus. Da bringt es auch nichts den Assis zu erzählen "du machst grundlegend was falsch und hättest dir halt eine Stelle in der Mibi oder Reha gesucht". Irgendwer muss ja die Müllabfuhr in der Medizin machen.
Mit den Arbeitszeiten hab ich mich abgefunden, aber was am Ende mehr Lebensqualität verschafft sind doch "geregelte Arbeitszeiten". Einfach mal nicht immer rumüberlegen müssen ob man das WE frei hat oder ob ich jetzt nen Termin wahrnehmen kann weil ich vllt Früh/Spät/Nacht etc arbeite.. oder Dienst habe. Für derlei Verschleiß wird man definitiv nicht gut genug bezahlt.

medicinentia
21.09.2020, 10:18
Wenn Du bis 21h in der Arbeit sitzt, machst Du grundlegend etwas verkehrt. Hatte ich in 6 Jahren bis zum FA vlt. 1 oder 2mal und da hats wirklich medizinisch gebrannt. Ansonsten ist es doch oft so, daß man spätestens ab dem 3.-4. WBJ schon meist eher pktl. rauskommt.
P.s.: Ich muß mir nix mehr schönreden, habe die Assizeit längst hinter mir gelassen und einkommenstechnisch brauche ich mich, glaube ich, jetzt grad vor niemandem zu verstecken.
PPs.: Man ist ungefähr 5-7 Jahre WB Assistent, danach haste noch ungefähr 30 Berufsjahre, um den ach so großen monetären Verlust auszugleichen. Aber Vorsicht, in der Niederlassung arbeitet man deutlich verdichteter und länger als in der Klinik, nur, um da schon etwaigen ruhigere Kugel-Gedanken vorzubauen (allerdings sind die WE fast arbeitsfrei, das stimmt).

3.- 4. Wbj pünktlich rauskommen ? Das ist wirklich wenn ich alle meine Arztbekannten miteinbeziehe völlig realitätsfremd, wirklich Lichtjahre von der Realität weg.
Wenn deine Weiterbildung so aussah und du jetzt für dich akzeptiert hast, dass alles in Ordnung ist - Super ! Ich gönne es jedem von Herzen und Zufriedenheit ist wirklich viel wert.

Bzgl Gehalt und dergleichen will ich keine Neiddebatte entflammen, ich berichte nur das was ich sehe da ich viele Freunde in anderen Branchen habe (Akademiker, insbesondere It Branche , Wirtschaft etc). Mit denen muss man sich vergleichen dürfen, das Medizinstudium wird einem bekanntlich auch nicht geschenkt.
Von meinen Bekannten verdienen tatsächlich die meisten teils empfindlich besser , bis auf die Geisteswissenschaften. Und das AUCH im Vergleich zum Facharztgehalt und der hochgelobten Praxis. Dementsprechend stelle ich fest, dass offenbar Mediziner stur auf Gehaltstabellen bei Google blicken und sich beruhigt zurücklegen (Stichwort : Es gibt keine Underachiever dank Tarif in Medizin), die Realität sieht dann aber doch erheblich anders aus.
Gerade der Unterschied Arzt Praxis zu GmbH im IT/ Consulting Bereich würde hier manche ach so stolzen Praxisinhaber Tränen in die Augen befeuern ! (Von Workload komplett zu schweigen), sodass ich hier keine Zahlen nenne und es dabei belasse.

Christoph_A
21.09.2020, 10:24
3.- 4. Wbj pünktlich rauskommen ? Das ist wirklich wenn ich alle meine Arztbekannten miteinbeziehe völlig realitätsfremd, wirklich Lichtjahre von der Realität weg.
Wenn deine Weiterbildung so aussah und du jetzt für dich akzeptiert hast, dass alles in Ordnung ist - Super ! Ich gönne es jedem von Herzen und Zufriedenheit ist wirklich viel wert.

Bzgl Gehalt und dergleichen will ich keine Neiddebatte entflammen, ich berichte nur das was ich sehe da ich viele Freunde in anderen Branchen habe (Akademiker, insbesondere It Branche , Wirtschaft etc). Mit denen muss man sich vergleichen dürfen, das Medizinstudium wird einem bekanntlich auch nicht geschenkt.
Von meinen Bekannten verdienen tatsächlich die meisten teils empfindlich besser , bis auf die Geisteswissenschaften. Und das AUCH im Vergleich zum Facharztgehalt und der hochgelobten Praxis. Dementsprechend stelle ich fest, dass offenbar Mediziner stur auf Gehaltstabellen bei Google blicken und sich beruhigt zurücklegen (Stichwort : Es gibt keine Underachiever dank Tarif in Medizin), die Realität sieht dann aber doch erheblich anders aus.
Gerade der Unterschied Arzt Praxis zu GmbH im IT/ Consulting Bereich würde hier manche ach so stolzen Praxisinhaber Tränen in die Augen befeuern ! (Von Workload komplett zu schweigen), sodass ich hier keine Zahlen nenne und es dabei belasse.

So, dann leg mal ein paar ach so große Zahlen auf den Tisch, bin gespannt, ob dann den Praxisbetreibern hier Tränen in die Augen schießen... :-)
Ich sehe außer viel populistischem Allgemein blabla in Deinem Beitrag wenig subtantielles, stell Dir vor, andere Akademiker hier haben auch Freunde, mit denen sie sich vergleichen können und haben andere Erfahrungen, da sind wir wieder bei kackbratzes N=1.
Und stell Dir vor, es soll immer noch viele Altassistenten geben, die halbwegs pünktlich aus der Arbeit kommen, auch, wenn Du das so hartnäckig negierst.

urinbeutel
21.09.2020, 10:49
3.- 4. Wbj pünktlich rauskommen ? Das ist wirklich wenn ich alle meine Arztbekannten miteinbeziehe völlig realitätsfremd, wirklich Lichtjahre von der Realität weg.
Wenn deine Weiterbildung so aussah und du jetzt für dich akzeptiert hast, dass alles in Ordnung ist - Super ! Ich gönne es jedem von Herzen und Zufriedenheit ist wirklich viel wert.

Bzgl Gehalt und dergleichen will ich keine Neiddebatte entflammen, ich berichte nur das was ich sehe da ich viele Freunde in anderen Branchen habe (Akademiker, insbesondere It Branche , Wirtschaft etc). Mit denen muss man sich vergleichen dürfen, das Medizinstudium wird einem bekanntlich auch nicht geschenkt.
Von meinen Bekannten verdienen tatsächlich die meisten teils empfindlich besser , bis auf die Geisteswissenschaften. Und das AUCH im Vergleich zum Facharztgehalt und der hochgelobten Praxis. Dementsprechend stelle ich fest, dass offenbar Mediziner stur auf Gehaltstabellen bei Google blicken und sich beruhigt zurücklegen (Stichwort : Es gibt keine Underachiever dank Tarif in Medizin), die Realität sieht dann aber doch erheblich anders aus.
Gerade der Unterschied Arzt Praxis zu GmbH im IT/ Consulting Bereich würde hier manche ach so stolzen Praxisinhaber Tränen in die Augen befeuern ! (Von Workload komplett zu schweigen), sodass ich hier keine Zahlen nenne und es dabei belasse.

kek. junge. du hast einfach keine ahnung. /thread
Man muss halt in der Medizin auch schauen, dass man einen guten Deal erwischt. In der freien Wirtschaft sogar noch eher, weil man mehr Konkurrenz hat. Im Durchschnitt ist man aber in der Medizin besser dran.
Nenn bitte mal Zahlen. Ich kenne auch Leute die IT Consulting Investmentbanking machen.

Mr. Pink online
21.09.2020, 10:49
Von deiner Seite wird doch auch nur mit N=1 gegenargumentiert. Und die immer selben Sprüche hier im Forum: "wenn du nicht zufrieden bist, dann wechsel halt die Stelle". Naja, wie oft soll man denn wechseln? 5 mal während der WB? Kommt vom Regen in die Traufe, braucht zum FA drei Jahre länger als normal usw. Sind doch keine ernstgemeinten Ratschläge. Als Assi in den Arbeitsfächern Innere/Chirurgie/Neuro (nur als Beispiele) muss man einfach buckeln und da gibt es auch nicht so viele tolle Stellen. Wenn man es sich leicht machen will und in die Ultrakleine Klitsche geht, dann büßt man an der Breite der Ausbildung ein, ist also auch nicht das Allheilmittel. Kann jeden verstehen der sich beschwert, ändern wird sich aber halt nicht viel.

Absolute Arrhythmie
21.09.2020, 11:21
Was macht ihr denn denn ganzen Tag bis 21 Uhr in der Klinik?
Ich gehe bis auf seltene Ausnahmen jeden Tag pünktlich (+-30 Minuten), 1. WBJ, Innere Medizin, mittelgroßes Haus. Überstunden hab ich auch en masse, aber das liegt am dämlichen Dienstsystem. Bei uns ist die WB auch nicht das gelbe vom Ei, aber Überstunden werden bezahlt. Es gibt also auch durchaus akzeptable Stellen.

BlackVelvet
21.09.2020, 11:26
Da hier ja immer Zahlen verlangt werden, ein paar Beispiele:

Arzt, 2 Jahre Berufserfahrung in der Pharmaindustrie (keine klinische Tätigkeit, Einstieg nach dem PJ): 1. Jahr 105k, 2. Jahr 110k, 40-50 Stunden pro Woche, keine Zeiterfassung, 40 Urlaubstage durch pauschale Überstundenabgeltung

Ingenieur, 6 Jahre Berufserfahrung in der Automobilindustrie, 135k, 35 Stundenwoche mit Zeiterfassung, 30 Tage Urlaub

BWLer, 5 Jahre Berufserfahrung in der Unternehmensberatung, 160k, 60 Stunden, keine Zeiterfassung, 25 Tage Urlaub

Ingenieur mit Promotion, Berufseinstieg, 80k, 35 Stundenwoche mit Zeiterfassung, 30 Tage Urlaub

Juristin, 2 Jahre Berufserfahrung, 170k, 70 Stunden, 25 Tage Urlaub

Lehrer, 3 Jahre Berufserfahrung, verbeamtet, bei Steuerklasse 1 3,6k netto, 50 Stunden, Urlaub deutlich >30 Tage

Beispiele aus dem eigenen Bekanntenkreis, alles natürlich keine chiller und Langzeitstudenten aber als Arzt im TV Ärzte sollte man sich schon damit vergleichen können/dürfen. Das Problem des TV Ärzte ist einfach, dass er für die Chiller attraktiv ist für die wirklich engagierten jedoch vor allem im Vergleich zu Möglichkeiten außerhalb des Krankenhauses nicht mehr kompetitiv ist (Arbeit/Zeit und zum Teil auch absolut im Einkommen). Vor allem wenn man die betriebliche Aötersvorsorge in der Industrie und als verbeamteter Lehrer noch mit hinzunehmen würde.

Mr. Pink online
21.09.2020, 11:34
Um nochmal was klarzustellen: ich bin hauptsächlich gegen die desaströsen Arbeitsbedingungen, also: fehlende Zeiterfassung, kein FzA, keine Überstundenbezahlung, kein Forschungsfrei, nur zwei Wochenenden frei, Schichtarbeit im Akkord, volle Arbeit wird nur als Bereitschaftsdienst erfasst, etc. Das sind keine Einzelfälle, das wissen wir alle hier. Die Bezahlung könnte, würde der TvÄ, TdL eingehalten werden, sehr sehr gut sein. Aber vieles wird halt runtergefallen gelassen, systematisch. Deshalb sind wir für die Zeit die wir vergeuden zu schlecht bezahlt.

Christoph_A
21.09.2020, 11:38
Bei 170k für Juristen kann man eigtl das Lesen aufhören, das sind Zahlen aus ner Großkanzlei, die von der Realität von 95% aller Juristen Lichtjahre entfernt sind. Und bevor die Frage kommt, 2 meiner besten Freunde sind Juristen( 1 Richter, 1 mittelgroße Kanzlei), die erreichen diese Zahlen nicht im geringsten, wollen das aber auch nicht, da die wirklich halt nur 40 bis max. 50h die Woche arbeiten.
Irgendwie scheinst Du nur Maximalperformenten zu kennen, ein Querschnitt der genannten Berufsgruppen ist das mitnichten.
Und mit ner gutgehenden Praxis stellste nebenbei alle genannten Gehälter mal spielend in den Schatten......

Mr. Pink online
21.09.2020, 11:38
Da hier ja immer Zahlen verlangt werden, ein paar Beispiele:

Arzt, 2 Jahre Berufserfahrung in der Pharmaindustrie (keine klinische Tätigkeit, Einstieg nach dem PJ): 1. Jahr 105k, 2. Jahr 110k, 40-50 Stunden pro Woche, keine Zeiterfassung, 40 Urlaubstage durch pauschale Überstundenabgeltung

Ingenieur, 6 Jahre Berufserfahrung in der Automobilindustrie, 135k, 35 Stundenwoche mit Zeiterfassung, 30 Tage Urlaub

BWLer, 5 Jahre Berufserfahrung in der Unternehmensberatung, 160k, 60 Stunden, keine Zeiterfassung, 25 Tage Urlaub

Ingenieur mit Promotion, Berufseinstieg, 80k, 35 Stundenwoche mit Zeiterfassung, 30 Tage Urlaub

Juristin, 2 Jahre Berufserfahrung, 170k, 70 Stunden, 25 Tage Urlaub

Lehrer, 3 Jahre Berufserfahrung, verbeamtet, bei Steuerklasse 1 3,6k netto, 50 Stunden, Urlaub deutlich >30 Tage

Beispiele aus dem eigenen Bekanntenkreis, alles natürlich keine chiller und Langzeitstudenten aber als Arzt im TV Ärzte sollte man sich schon damit vergleichen können/dürfen. Das Problem des TV Ärzte ist einfach, dass er für die Chiller attraktiv ist für die wirklich engagierten jedoch vor allem im Vergleich zu Möglichkeiten außerhalb des Krankenhauses nicht mehr kompetitiv ist (Arbeit/Zeit und zum Teil auch absolut im Einkommen). Vor allem wenn man die betriebliche Aötersvorsorge in der Industrie und als verbeamteter Lehrer noch mit hinzunehmen würde.

Bitte Lehrer aus dem Spiel lassen, die haben immer und ausnahmslos das härteste Leben.

urinbeutel
21.09.2020, 11:39
Da hier ja immer Zahlen verlangt werden, ein paar Beispiele:

Arzt, 2 Jahre Berufserfahrung in der Pharmaindustrie (keine klinische Tätigkeit, Einstieg nach dem PJ): 1. Jahr 105k, 2. Jahr 110k, 40-50 Stunden pro Woche, keine Zeiterfassung, 40 Urlaubstage durch pauschale Überstundenabgeltung

Ingenieur, 6 Jahre Berufserfahrung in der Automobilindustrie, 135k, 35 Stundenwoche mit Zeiterfassung, 30 Tage Urlaub

BWLer, 5 Jahre Berufserfahrung in der Unternehmensberatung, 160k, 60 Stunden, keine Zeiterfassung, 25 Tage Urlaub

Ingenieur mit Promotion, Berufseinstieg, 80k, 35 Stundenwoche mit Zeiterfassung, 30 Tage Urlaub

Juristin, 2 Jahre Berufserfahrung, 170k, 70 Stunden, 25 Tage Urlaub

Lehrer, 3 Jahre Berufserfahrung, verbeamtet, bei Steuerklasse 1 3,6k netto, 50 Stunden, Urlaub deutlich >30 Tage

Beispiele aus dem eigenen Bekanntenkreis, alles natürlich keine chiller und Langzeitstudenten aber als Arzt im TV Ärzte sollte man sich schon damit vergleichen können/dürfen. Das Problem des TV Ärzte ist einfach, dass er für die Chiller attraktiv ist für die wirklich engagierten jedoch vor allem im Vergleich zu Möglichkeiten außerhalb des Krankenhauses nicht mehr kompetitiv ist (Arbeit/Zeit und zum Teil auch absolut im Einkommen). Vor allem wenn man die betriebliche Aötersvorsorge in der Industrie und als verbeamteter Lehrer noch mit hinzunehmen würde.

vielleicht sollte man einfach chillen. Prinzipiell hast du aber recht. Wer engagiert sein will und dafür entlohnt werden will, muss halt seine Karriere dahingehend planen.
Bei den Zahlen bin ich aber überrascht, wie hoch die sind. Man muss aber bei dem Alter der Leute, dann mit einem Facharztgehalt vergleichen.
- Ingenieur 135k? Was für eine Position ist das?
- Ingenieur 80k mit Promotion klingt nicht krass, weil ein phd ein großer Aufwand ist
- Jurist in einer Großkanzlei werden die wenigsten.

Dh. Im Endeffekt steckt jeder Hausarzt all diese Überflieger in die Tasche.
Klar, wenn man per Tarif als Facharzt als Internist bezahlt wird, sieht es mau aus.

urinbeutel
21.09.2020, 11:44
Außerdem frage ich mich, was ihr mit dem ganzen Geld macht lol. Das Einkommen als Niedergelassener reicht locker für eine entspannte Lebensplanung. Wer mehr verdienen will, der sollte vielleicht an seiner Lebenseinstellung arbeiten.
Ich kenne auch BWLer die gekündigt worden sind und sehr viele Menschen, die niemals in ihrem Leben 100k verdienen werden.

Trüffel
21.09.2020, 11:51
Das Problem ist doch einfach, dass es bei uns Ärzten einen massiven Bruch zwischen Erwartung und Gratifikation gibt.

Es wird vielerorts selbstverständlich ein Arbeitseinsatz eingefordert, der in anderen Branchen an High Performer gestellt wird. Die Entlohnung wird gleichzeitig auf einem durch und durch mittelmäßigen Niveau angesetzt, mit dem man anderorts sicherlich keine Überflieger oder Visionäre anlocken könnte. Der Tarifvertrag ist ein Sturznetz nach unten und wird gerne als solches angepriesen. Wie hier richtig angemerkt wurde, fungiert er angesichts der von uns regelhaft erwarteten Leistungsbereitschaft aber öfter eher als Deckel nach oben. Das Medizinwesen ist unfrei. Wir haben zwar eine große Fachauswahl, aber eine geringe Branchendiversität. Wir können uns kaum selbstständig machen und wir können keine Gehaltserhöhungen durch Stellenwechsel aushandeln. Wir können Trottel vor dem Herrn sein und verdienen trotztdem "okay", aber wir könnten eben auch der beste Bewerber auf 1.000 sein und werden trotzdem aufs Standardniveau runtergedrückt.

Ich bleibe dabei: Wer Leistung will, muss Leistung zahlen. Dass sich bei uns nichts tut liegt halt daran, dass die Mediziner durch NC und die gesamte Studienkultur primär eine Meute von High Performern im Geiste sind, die sich am stark reglementierten System gegenseitig aufreiben. In jeder anderen Branche wäre die Konsequenz, dass die Arbeitnehmer ihrerseits aufs Minimalprogramm umschalten. Das tun die Ärzte nicht, weil sie sich selbst an der Pissrinne zwischen antrainiertem Perfektionismus und internalisierter Hilflosigkeit noch lieber gegenseitig Tackeln. Ist halt auch angelernt. PJler argumentieren, dass es doch okay ist, als Student keinen Lohn zu kriegen. Und Lehrjahre sind in der Klinik eben auch dann noch keine Herrenjahre, wenn sie bereits ein Jahrzehnt umspannen ...

nie
21.09.2020, 11:54
Ich bin gerade ein bisschen froh, mein Umfeld aus normal verdienenden Durchschnittsmenschen und ambitionslosen Langzeitstudenten besteht :D Da spiele ich ganz oben mit, was das Gehalt angeht und muss nicht ständig gucken, wie es alle andere besser haben als ich. Ich möchte mit keinem meiner Freunde tauschen... ich mag sie aber trotzdem, der Job spielt nämlich in unserer Freundschaft eine eher untergeordnete Rolle.

Aber ich arbeite halt auch im normalen Stationsalltag nicht bis 21 Uhr, hab elektronische Zeiterfassung, erhalte eine Weiterbildung durch meine Oberärzte und mache 2-3 Dienste im Monat.

Mr. Pink online
21.09.2020, 11:55
Vielleicht liegt es auch daran, dass Menschen draufgehen, wenn ich Mal nur 50% gebe. Das ist ja jetzt kein dahingelaber, sondern die Wahrheit. Man kann es sich halt schlecht erlauben, dies und jenes Mal bis übermorgen liegen zu lassen. Zumindest nicht mit Gewissen.

John Silver
21.09.2020, 12:21
Das System zu beschuldigen, ist immer einfach. Vieles stimmt auch, wenngleich es tatsächlich unsinnig ist, sich nur mit Spitzenleuten in anderen Berufen oder mit Vertretern einfacher Berufe zu vergleichen (ja, LKW fahren ist einfach, dazu reichen sogar unterdurchschnittliche intellektuelle Fähigkeiten). Aber man kann als Einzelner das System nur extrem selten wesentlich ändern, und es ist auch nicht für jeden. Das muss man akzeptieren; dann macht man, was man kann (z.B. bei der Ärztekammerwahl), hilft, wem man helfen kann, und schaut sonst, dass man für sich einen guten Weg findet. Das Leben muss nicht so weitergehen, wie es in der Weiterbildung ist. Als Facharzt eröffnen sich viele Möglichkeiten, dem System den Mittelfinger zu zeigen und aus dem Hamsterrad auszusteigen. Man merkt häufig nicht, wie gut das Leben sein kann, während man im Rad steckt; deshalb sollte man das Rad so oft wie möglich verlassen und sich umsehen. Hospitieren etc.

Und eines ist wirklich sicher: In kaum einem Beruf kann man so ein gutes Verhältnis aus Arbeit, Stress und Einkommen generieren. Die Leistung lohnt sich als Assi vielleicht noch nicht allzu sehr; aber als Facharzt muss man sich nicht für einen Billiglohn verkaufen, wirklich nicht.

Absolute Arrhythmie
21.09.2020, 12:24
Vielleicht liegt es auch daran, dass Menschen draufgehen, wenn ich Mal nur 50% gebe. Das ist ja jetzt kein dahingelaber, sondern die Wahrheit. Man kann es sich halt schlecht erlauben, dies und jenes Mal bis übermorgen liegen zu lassen. Zumindest nicht mit Gewissen.

Was genau gibt es denn jeden Tag lebensbedrohliches zwischen 17 Uhr 21 Uhr?
Für akute Notfälle gibt es den Dienst.