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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Medizinstudium: Fehler meines Lebens



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RussianAngel
08.06.2021, 11:14
Bei uns kam es leider tatsächlich schon vor, dass WBA "einfach so" der Vertrag nicht verlängert wurde und stattdessen irgendein Zögling vom Chef oder der Sohn seines Golfpartners eingestellt wurde.

Im Prinzip müsste man es daran anlehnen, wie es überall sonst in der Arbeitswelt ist: Entfristung nach Probezeit, was vor dem Hintergrund der Facharztausbildung bedeuten würde, dass der Assistenz bis zum Facharzt in der Klinik bleiben kann (dass sich danach die Gegebenheiten ändern bestreitet ja niemand).

Außerdem weitestgehende Streichung der obligatorischen Kataloge für die nicht-chirurgischen bzw. interventionellen Ausbildungsinhalte (wird ohnehin nur zur Schikane missbraucht - bei uns Internisten sollte man vielleicht z.B. noch die Echos drinbehalten); stattdessen regelmäßige anonyme Befragungen der Assistenten über ihre Zufriedenheit mit der Ausbildung.

Bzgl. der operativen/interventionellen Ausbildung müsste man sich etwas überlegen, aber auch hier könnte man z.B. einführen, dass die Kliniken den Stand des OP-Katalogs an die Ärztekammern durchgeben müssen. Wenn dann bestimmte Eingriffe beim einen deutlich schneller steigen als beim anderen könnte man nachfragen.

Grund ist aber der mangelnde Wille. Stattdessen WILL man die WBA weiter nach Belieben ausbeuten dürfen.

Okay, klar will man das und das ist in jedem anderen Beruf doch auch so, dass die "Oberen" die "Unteren" ausbeuten sollten/wollen/können/müssen. Aber trotzdem ist es so, dass die anderen Berufe mindestens eine Sicherheit haben, nicht in Willkür zu geraten, das kann ich in der Medizin nicht sagen.

Ich sehe ständig irgendwelche Zöglinge, Liebhaber, Sexmitarbeiterinnen in spe deutlich in den Kliniken vorankommen, nichts dagegen, "Beziehungen" sind schon wichtig, aber hässlich wird es eben wenn es zu extremen Nachteil von anderen, "Normalsterblichen" ausgetragen wird, da gibt es einfach keine Kontrollmechanismen... Es kann nicht sein, dass an den meisten Kliniken noch reiner Absolutismus gilt...Aber leider wahr...

Endoplasmatisches Reticulum
08.06.2021, 11:24
irgendwie verarschen wir uns mit den Weiterbildungen selbst
Es gibt einen Bruch auf mehreren Ebenen im "Wir" zwischen Assistenzärzten und der ärztlichen Leitungsetage. Ich möchte das nicht vollends pauschalisieren. Meiner Erfahrung nach decken Chef- und Oberärzte aber eher selten die Interessen der Assistenten.

Tja. Und auf übergeordneter Ebene? Naja. Wenn ein- und dieselbe Person quasi "nebenbei" zum hochrangigen Oberarztposten an der Uniklinik sowohl den Vorstandsvorsitz des Marburger Bundes als auch der Ärztekammer innehaben kann, weiß ich nicht, ob ich von einer realistischen Vertretung meiner Assistenzarzt- und Arbeitnehmerinteressen ausgehen sollte. (Ich kenne die Person nicht und möchte sie nicht diskreditieren. Alleine der Umstand, dass eine solche Postenpluralität möglich ist, gab mir aber immer sehr zu denken.)

WiWi18
08.06.2021, 11:25
Okay, klar will man das und das ist in jedem anderen Beruf doch auch so, dass die "Oberen" die "Unteren" ausbeuten sollten/wollen/können/müssen. Aber trotzdem ist es so, dass die anderen Berufe mindestens eine Sicherheit haben, nicht in Willkür zu geraten, das kann ich in der Medizin nicht sagen.

Ich sehe ständig irgendwelche Zöglinge, Liebhaber, Sexmitarbeiterinnen in spe deutlich in den Kliniken vorankommen, nichts dagegen, "Beziehungen" sind schon wichtig, aber hässlich wird es eben wenn es zu extremen Nachteil von anderen, "Normalsterblichen" ausgetragen wird, da gibt es einfach keine Kontrollmechanismen... Es kann nicht sein, dass an den meisten Kliniken noch reiner Absolutismus gilt...Aber leider wahr...

Mit "man" meine ich die Politik, wo die Verantwortlichen die Probleme kennen sollten.

Ja, Krankenhäuser werden nach Gutsherrenart regiert. Die Chefs können mit ihren WBA schalten und walten wie sie wollen.

Raclette
08.06.2021, 12:09
Wie ist es denn mit der Altersstatistik. Viele Ärzte werden in den nächsten Jahren in Rente gehen.
https://www.bundesaerztekammer.de/ueber-uns/aerztestatistik/aerztestatistik-der-vorjahre/aerztestatistik-2017/

cartablanca
08.06.2021, 13:55
Ja das fällt mir schon seit Ewigkeiten auf: EKGs schreiben, Antibiose anhängen, Laborettiketten ausdrucken... inzwischen alles ärztliche Aufgaben. Wer ausser dem Arzt hat eigentlich im KH 60 bis 70 Stunden Wochen, 24 h Dienste und haftet für Alles?

daCapo
08.06.2021, 14:48
Wie ist es denn mit der Altersstatistik. Viele Ärzte werden in den nächsten Jahren in Rente gehen.
https://www.bundesaerztekammer.de/ueber-uns/aerztestatistik/aerztestatistik-der-vorjahre/aerztestatistik-2017/

Nee die jungen bis 35 nehmen zu.
Und es gibt ja unendlich Nachschub durch einfache Zuwanderung ohne zu viele Hürden.




Ja, Krankenhäuser werden nach Gutsherrenart regiert. Die Chefs können mit ihren WBA schalten und walten wie sie wollen.

Ja das stimmt. Möglicherweise historisch und durch die hiesige Mentalität bedingt.

cartablanca
08.06.2021, 15:02
Klar das ist die Zukunft. Lohndumping durch billige anspruchslose Arbeitskräfte aus dem Ausland mit denen man das Gesundheitssystem billiger machen kann. Kliniken werden geschlossen, zentralisiert, die Niederlassungsmöglichkeiten beschränkt. Die 16 Krankenkassen mit ihrem Heer von Beamten werden natürlich nicht als Kostenfaktor gesehen. Ebensowenig die überbordende Bürokratie, die wertvolle Arbeitszeit frisst. Digitalisierung inkl. elektronischer Dokumentation und Zentralisierung, damit Herr Spahn und seine Truppe (der mal eben eine Milliarde mir nichts dir nichts verbraten hat) auf Knopfdruck aus Berlin aus in totalitärer Manier jede Leistung prüfen und sanktionieren können.

daCapo
08.06.2021, 17:17
Kliniken werden geschlossen, zentralisiert

Grundsätzlich gilt: je öfter eine Klinik eine OP/Eingriff durchführt, je routinierter ist sie. Wenige große Krankenhäuser bedeutet mehr Personalreserven, bessere Ausstattung. In DE gibt es bereits sehr viele Betten pro Einwohner im Vergleich, aber keinen so guten Betreuungsschlussel. Mit dieser Maßnahme kann man einen bessere Betreuungsschüssel im Krankenhaus bei Pflege und Ärzten erreichen. Das wird sehr langsam seit Jahrzehnten so umgesetzt.

Und letztendlich müssten auch mehr Patienten ambulant geführt werden, teilweise wird manchen Patienten ganz offen gesagt: Das wird stationär gemacht wegen dem lieben Geld.

https://www.tagesspiegel.de/politik/deutschland-hat-zu-viele-krankenhaeuser-kleine-kliniken-schliessen-fuer-mehr-op-qualitaet/25959330.html
https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2019/juli/eine-bessere-versorgung-ist-nur-mit-halb-so-vielen-kliniken-moeglich


Die 16 Krankenkassen mit ihrem Heer von Beamten werden natürlich nicht als Kostenfaktor gesehen. .
Soweit mir bekannt arbeiten in den Krankenkassen Angestellte.
Ich gebe dir Recht: es (immer noch) zu viele Kassen. Auch hier ein sehr langsamer Prozess.

cartablanca
08.06.2021, 17:30
Grundsätzlich gilt: je öfter eine Klinik eine OP/Eingriff durchführt, je routinierter ist sie. Wenige große Krankenhäuser bedeutet mehr Personalreserven, bessere Ausstattung. In DE gibt es bereits sehr viele Betten pro Einwohner im Vergleich, aber keinen so guten Betreuungsschlussel. Mit dieser Maßnahme kann man einen bessere Betreuungsschüssel im Krankenhaus bei Pflege und Ärzten erreichen. Das wird sehr langsam seit Jahrzehnten so umgesetzt.

Und letztendlich müssten auch mehr Patienten ambulant geführt werden, teilweise wird manchen Patienten ganz offen gesagt: Das wird stationär gemacht wegen dem lieben Geld.

https://www.tagesspiegel.de/politik/deutschland-hat-zu-viele-krankenhaeuser-kleine-kliniken-schliessen-fuer-mehr-op-qualitaet/25959330.html
https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2019/juli/eine-bessere-versorgung-ist-nur-mit-halb-so-vielen-kliniken-moeglich


Soweit mir bekannt arbeiten in den Krankenkassen Angestellte.
Ich gebe dir Recht: es (immer noch) zu viele Kassen. Auch hier ein sehr langsamer Prozess.

Ja und lange Fahrten bei Herzinfarkt, Schlaganfall und Co. Außerdem Zunahme der Urbanisierung.

daCapo
08.06.2021, 17:34
Ja das fällt mir schon seit Ewigkeiten auf: EKGs schreiben, Antibiose anhängen, Laborettiketten ausdrucken... inzwischen alles ärztliche Aufgaben. Wer ausser dem Arzt hat eigentlich im KH 60 bis 70 Stunden Wochen, 24 h Dienste und haftet für Alles?

Und trotzdem findet sich jemand trotz dieser unattraktiven Bedingungen.
Bei der Pflege ist es anders, da findet sich öfter mal keiner mehr. Ich kann es verstehen.

ehem-user-02-08-2021-1033
08.06.2021, 17:51
Und trotzdem findet sich jemand trotz dieser unattraktiven Bedingungen.
Bei der Pflege ist es anders, da findet sich öfter mal keiner mehr. Ich kann es verstehen.
Als Arzt kann man vermeintlich noch die Profilneurose befriedigen... Allerdings nur in der Theorie.

daCapo
08.06.2021, 18:42
Ja und lange Fahrten bei Herzinfarkt, Schlaganfall und Co. Außerdem Zunahme der Urbanisierung.

In einer Stadt mit 4 Krankenhäusern, die einen Linksherzkatheter besitzen inkl. 24h Betrieb jeweils. Was das alles an Personal bindet.
Ich kenne es auch: Patient mit Parese komplett links wird in die Innere in ein peripheres Haus gefahren fürs CT-->ach nix für uns-->Verlegen; Natürlich kann man trefflich drüber streien, welches Krankenhaus genau wo geschlossen werden soll und welches dafür groß gemacht werden soll. Der zugegebenermaßen unangenehmen Diskussion gänzlich sich entziehen ist kaum möglich.

daCapo
08.06.2021, 18:45
Als Arzt kann man vermeintlich noch die Profilneurose befriedigen... Allerdings nur in der Theorie.

Naja für Ärzte ist die Weiterbildung irgendwann vorbei und dann verschwinden die Leute zu großen Teilen wieder.
Pflege hat ihre Ausbildung hinter sich und nicht jeder möchte dort die Pflegekarriere machen. Sprich, die suchen einen Job, wo sie längerfristig gerne bleiben möchten und können.

GelbeKlamotten
08.06.2021, 21:56
In einer Stadt mit 4 Krankenhäusern, die einen Linksherzkatheter besitzen inkl. 24h Betrieb jeweils. Was das alles an Personal bindet.
Ich kenne es auch: Patient mit Parese komplett links wird in die Innere in ein peripheres Haus gefahren fürs CT-->ach nix für uns-->Verlegen; Natürlich kann man trefflich drüber streien, welches Krankenhaus genau wo geschlossen werden soll und welches dafür groß gemacht werden soll. Der zugegebenermaßen unangenehmen Diskussion gänzlich sich entziehen ist kaum möglich.

Na das ist hoffentlich die absolute Ausnahme. Einen Patienten mit neuer kompletter Hemiparese erstmal in ein Krankenhaus ohne Neurologie zu fahren, überschreitet eigentlich die Grenze zur Körperverletzung schon deutlich.

Relaxometrie
08.06.2021, 22:01
Patient mit Parese komplett
Was ist eine "Parese komplett"? Meinst Du eine Plegie?

daCapo
08.06.2021, 22:19
Na das ist hoffentlich die absolute Ausnahme. Einen Patienten mit neuer kompletter Hemiparese erstmal in ein Krankenhaus ohne Neurologie zu fahren, überschreitet eigentlich die Grenze zur Körperverletzung schon deutlich.

hoffe ich auch

ehem-user-02-08-2021-1033
09.06.2021, 08:24
Was ist eine "Parese komplett"? Meinst Du eine Plegie?
An dieser Stelle möchte ich warnen und deeskalieren: Vorsicht! Neurologen sind bei einer Schlägerei immer mit einem Reflexhammer bewaffnet.

FirebirdUSA
09.06.2021, 11:20
Was ist eine "Parese komplett"? Meinst Du eine Plegie?

Oder Arm- und Bein und nicht nur Arm oder Bein...

Relaxometrie
09.06.2021, 13:10
Oder Arm- und Bein und nicht nur Arm oder Bein...
Kann alles sein.
In der Neurologie gibt es aber eine so exakte Ausdrucksweise, dass man eigentlich nicht mehr nachfragen muss.
Also daCapo: Was ist eine "Parese komplett"?

Thomas24
09.06.2021, 14:15
Evtl das Äquivalent zu “Döner -mit scharf und allem". Eben "Parade komplett" ;) Duckundweg