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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Medizinstudium: Fehler meines Lebens



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OhDaeSu
17.07.2020, 17:05
Außerdem ist es nicht zwingend ein Problem, angestellt zu sein: Der Chef des MVZ hat den Stress, der Arzt macht nur die Arbeit. Und kündige mal einem Angestellten, nur weil er vermeintlich zu wenig Umsatz generiert. Das geht selbst in einer UB schwer.

Hast Recht, wo könnte es da zu Problemen kommen.... https://www.medical-tribune.de/praxis-und-wirtschaft/niederlassung-und-kooperation/artikel/kapitalinteressen-statt-allgemeinwohl-bedrohen-investoren-die-ambulante-gesundheitsversorgung/

Bezüglich der Kündigung in der UB: Das geht ganz einfach, auch wenn zunächst eine einvernehmliche Lösung gesucht wird (inklusive Unterstützung beim Finden einer guten Ausstiegsposition). Wenn du nicht freiwillig gehst, schaut man sich deine Spesen-Abrechnung nochmal genauer an.

Thomas24
17.07.2020, 17:11
Als Augenarzt stelle ich mir die Niederlassung nicht so einfach vor. Viele Sitze werden hier bereits von der Ober Scharrer Gruppe, Artemis Gruppe betrieben. Ebenso ist die 360 Grad Gruppe mit vielen unterschiedlicher Fachrichtungen in fast jeder Stadt vertreten.

Es ist genug für alle da. OSG/ Artemis usw. haben nämlich alle dasselbe Problem: schneller gewachsen, als die Organisationsstruktur mithalten konnte, in der Fläche auch nicht genügend Personalstärke, um die gekauften Sitze qualitativ adäquat besetzen zu können (Patienten goutieren es nämlich nicht, bei jedem Besuch in der Filiale Hintertupfing von jemand anders betreut zu werden- und die zum großen Teil ausländischen Kollegen sind auch recht mobil und kennen ihren Markt"wert", bzw. die Preise und wechseln, wenn Sie unzufrieden sind), die operativen Koryphäen, Leistungsträger und Umsatzbringer in der Gruppe lassen sich auch nicht mit 120 K/anno abspeisen, es gibt auch abgebende Kollegen, die ihre Praxis bewusst *nicht* an die Ketten verkaufen wollen usw. Kurzum, die Konzentrationsprozesse können noch ein ganzes Stück weitergehen, bevor man wirklich das "man hat ja gar keine Chancen mehr" Klagelied anstimmen kann. Wir haben derzeit 15 Sitze in Süddeutschland und machen uns über OSG und co keine großen Sorgen.

Man kann abseits der Ballungsräume sogar noch richtig gute Deals finden, Kumpel von mir macht sich jetzt im wilden Osten selbständig. Einzelpraxis Umsatz 750 K/anno, Reinertrag 500 K, Kaufpreis: 250 K (!!!), eigener Investitionsbedarf ca 150 K (Renovierung etc.), KV Förderung (da unterversorgtes Fördergebiet: 100 K). Wenn man in der Pampa leben möchte, ein Mega Schnäppchen.

Evil
17.07.2020, 17:31
Falls ich mal in ein MVZ investieren werde, dann werde ich nur so Leute wie euch einstellen. Bei mir dürft ihr euch auch den Bürostuhl aussuchen und ich lade euch auch mal zum Essen ein. Solange ihr nie auf die Idee kommt, Teilhaber oder so zu werden. Dann packt bitte eure Sachen.

Leider werden/wurden die lukrativen Kassensitze bzgl. Dialyse und Labordienstleistungen zunehmend von Investoren aufgekauft und mit Ärzten in Anstellung besetzt. Aber hey, Allgemeinmedizin in Sachsen-Anhalt ist doch auch ganz nett.
Wie süß! Generation Z hat bereits Pläne wie sie die Weltherrschaft erringen wollen, müssen vorher aber erst noch zuende jammern, bevor es losgehen kann. Aber dann!

Solche Dampfplauderer vergessen dabei allerdings, daß die aktuellen Arbeitsbedingungen, so unbefriedigend wie sie sind, um vieles besser sind als die, zu deren Zeit wir angefangen haben. Allerdings haben wir damals auch nicht nur in Internetforen gejammert (das musste schon auch manchmal sein), sondern sind u.a. dafür streiken gegangen.
Ich befürchte ja stark, dass sich die Bedingungen wieder verschlechtern werden, weil unsere Nachfolger es nicht auf die Reihe bekommen...

Kackbratze
17.07.2020, 17:57
Ich befürchte ja stark, dass sich die Bedingungen wieder verschlechtern werden, weil unsere Nachfolger es nicht auf die Reihe bekommen...

Durch Corona sind ja auch Sachzwänge entstanden, die man einfach nicht umgehen kann.
Die Pflege bekommt ein paar klatschende Hände und kein Geld, die Landesregierung Niedersachsen schreibt, diesmal juristisch besser formuliert, eine Zwangsverpflichtung von medizinischem Personal ins Gesetzbuch, aber wenn man solche Zwangsmaßnahmen mit gleichzeitiger Förderung von Elektroautos oder einer Einschränkung von Fleischkonsum kombiniert, ist der geneigte Z-ler wieder happy, weil wenigstens das Gewissen nicht leiden muss. :-kotz

Mukopolysaccharid
17.07.2020, 18:22
wie kann ich denn als assistent mir überhaupt gehör verschaffen? wenn ich dem chef mitteile, zu wenig lehre, zu viele überstunden, da sagt er womöglich da kann man nix machen. wenn ein oberarzt dagegen sagt, wenns hier weiter so abläuft, dann spring ich ausm fenster, is das ja schon mehr ein druckmittel

Reflex
17.07.2020, 18:30
In dem man sich mit den Kollegen solidarisiert und gemeinsam gegen Missstände vorgeht und am Besten bei gravierenden Mängeln auch den Personalrat etc. mit ins Boot holt. Kein Chef findet es gut, wenn er plötzlich ohne Personal da steht.

schnix25
17.07.2020, 18:50
Das ist doch so nicht richtig, dass man heutzutage keinen KV Sitz mehr bekommt, weil alle Sitze von MVZ aufgekauft werden. Man muss doch nur mal ins Ärzteblatt schauen wie viele Praxen da ausgeschrieben werden und das zig Mal, da sich offensichtlich keiner findet. Wer da regelmäßig reinschaut wird vllt die große Praxis für Auge Nähe an der Ostsee aufgefallen sein, die mittlerweile schon 4 oder 5 Mal drin stand. Von mehreren Bekannten weiß ich auch, dass sich auf die Anzeigen im Ärzteblatt einfach niemand meldet (nicht Allgemeinmedizin). Praxis wird dann halt einfach zugemacht ohne Nachfolger. Viele junge Ärzte haben einfach keine Lust auf das Risiko einer Selbstständigkeit. Und wenn eine Praxis entsprechend erfolgreich ist, muss man eben auch viel arbeiten.
Wer aber eine Praxis will, kann definitiv eine bekommen. Vllt nicht unbedingt in der Wunschstadt, aber man kann im Leben eben nicht alles haben.

daCapo
17.07.2020, 19:32
Hast du Lack gesoffen?
Das Zweiwochen-Berufspraktikum soll vergleichbar sein mit einem gesamten Medizinstudium?
Der Lehrling steht am Anfang seiner Ausbildung, der Arzt hat diese abgeschlossen; der Facharzt ist eine Weiterqualifikation.
Davon abgesehen, dass man auch Handwerkslehrlinge nicht so behandelb dürfte. Aber ich wette, selbst die haben besseren Arbeitsschutz als wir.
(...)

(...)Mein Vertrag geht noch 1,5 Jahre. Bis dahin überlege ich mir etwas anderes. Entweder doch mehr Forschung, Pharma, Beratung, anderes Fach eher nicht, dafür hasse ich die Klinik zu sehr. Keine Ahnung. Ich bin zwar örtlich gebunden, aber vielleicht kann man das auch arrangieren (privat nicht so unproblematisch, leider).

Dennoch: Ich muss jedem abraten, Medizin zu studieren.

Beides sind Lehrlinge, der Arzt nach dem Studium hat geballtes Hintergrundwissen. Muss es nur noch anwenden:-D Also ich hab bereits gesehen, dass Lehrlinge mies behandelt werden. Die brechen ihre dann Lehre ab oder wechseln den Betrieb anstatt 1,5 Jahre zu warten, dass der Vertrag ausläuft. Macht einen wenig ambitionierten Eindruck. Und immer an den Spruch denken :
Lehrjahre sind keine Herrenjahre (gilt überall).



Aber du brauchst doch nie im Leben 1,5 Jahr um erst einmal ne andere Innere-Stelle zu finden? Das eine schließt das andere doch nicht aus. Und bei so einem verhaltensoriginellen Chef würde ICH nicht mal mehr drei Monate bleiben. :-nix

Yo Assistenzarzt sein ist der letzte Dreck/ist Sklave sein, je schneller vorbei je besser und wenn dann in einem erträglichen Fach. Maximal 6 Monate sollte man brauchen für eine neue Stelle in der Inneren oder einem anderen Fach.

Man kann nicht davon abraten Medizin zu studieren wegen der langweiligen Inneren Medizin. Meiner Ansicht nach ein wenig ansprechendes Fach mit sehr multimorbidgen Klientel, dem man wenig helfen kann und das allzu oft eine Übertherapie erfährt.

Mit MEdizin kann man soviel machen, man sollte aus Interesse studieren und nicht für Porsche, Privatschule, Freizeit, Herabschauendes Verhalten auf Pflege und Handwerker, Geld. Und man muss wissen, dass es leider viel Zeit kostet.

Mr. Pink online
17.07.2020, 20:46
Die Innere hat nicht nur schlechtes. Die Arbeitsbedingungen sind durch die kontinuierliche Notfallversorgung und die Dienste unvergleichlich schlimm, aber man hat natürlich auch zig Möglichkeiten sicher später zu subspezialisieren oder in die Niederlassung zu gehen. Man findet immer irgendwo eine Stelle und das Fach wird nie aussterben. Die Assistentenjahre sind wirklich grausam und leider wird es auch nie besser, da man einfach immer nur mehr Verantwortung aufgebrummt bekommt. Aber wie gesagt, die Perspektive ist wirklich nicht schlecht. Arbeitslos wird man sicherlich nie.

RussianAngel
17.07.2020, 21:00
Ich habe diesen Thread mit sehr viel Interesse verfolgt. Auf jeden Fall kann ich mich leider an manchen Stellen wiedererkennen. Das, was man an grossen Unikliniken wie München, Hamburg und Charite erlebt hat nichts mehr mit Kollegialität.

Kackbratze
17.07.2020, 21:13
Ich denke: mein Porsche steht mir.
Und ich würde es wieder tun.

daCapo
17.07.2020, 22:48
Die Innere hat nicht nur schlechtes. Die Arbeitsbedingungen sind durch die kontinuierliche Notfallversorgung und die Dienste unvergleichlich schlimm, aber man hat natürlich auch zig Möglichkeiten sicher später zu subspezialisieren oder in die Niederlassung zu gehen. Man findet immer irgendwo eine Stelle und das Fach wird nie aussterben. Die Assistentenjahre sind wirklich grausam und leider wird es auch nie besser, da man einfach immer nur mehr Verantwortung aufgebrummt bekommt. Aber wie gesagt, die Perspektive ist wirklich nicht schlecht. Arbeitslos wird man sicherlich nie.

Ich wollte auch mal Internist werden bis ins 8 Semester (cardio oder gastro). Nach mehr Kontakt zu Chirurgen und anderen Fächern sowie Lektüre eines amerikanischen Buches über Innere habe ich das Interesse glücklicherweise verloren. Die Theorie mag interessant sein im Studium, die Praxis ist langweilig und nervtötend: Egal ob es die ewiglange Visite mit Diskussionen über minimal erniedrigte Calciumwerte und ihre unklare Bedeutung ist, Sozialkonsile/Altenheimplätze mit Drehtür zum Krankenhaus, die ganzen Untersuchungen, die jede Woche wiederholt werden und auch die Eingriffe.
Wenn dann nur im ambulanten Bereich sowas. Arbeit gibt es in der Medizin in vielen weitaus interessanteren und angenehmeren Fächern mit normalen Arbeitsbedingungen, auch in der Weiterbildung.
machen, müsste dann mit erheblichen Gehaltseinbußen leben.

ehem-user-21-08-2020-1502
17.07.2020, 23:57
machen, müsste dann mit erheblichen Gehaltseinbußen leben.

Inwiefern Gehaltseinbußen? Meinst du den niedergelassenen oder den stationären Bereich? Die Assistenzärzte und ein Teil der Oberärzte verdienen doch im Krankenhaus in allen Fächern fast das Selbe. Ich meine nach Tarif, die Dienste jetzt mal außen vor

daCapo
18.07.2020, 08:52
Inwiefern Gehaltseinbußen? Meinst du den niedergelassenen oder den stationären Bereich? Die Assistenzärzte und ein Teil der Oberärzte verdienen doch im Krankenhaus in allen Fächern fast das Selbe. Ich meine nach Tarif, die Dienste jetzt mal außen vor

Nee ich meine, wenn man was ganz anderes macht (nicht-medizinischer Beruf). Andererseits kann man da auch sehr erfolgreich sein.

WackenDoc
18.07.2020, 09:16
Übrigens- wer meint dass er im Handwerk glücklicher ist- nur zu. Manche Gewerke suchen händeringend Mitarbeiter.

GelbeKlamotten
18.07.2020, 12:51
Übrigens- wer meint dass er im Handwerk glücklicher ist- nur zu. Manche Gewerke suchen händeringend Mitarbeiter.

Genau darum geht es doch dem TE: man muss sich dafür VOR dem Studium entscheiden, damit es sinnvoll ist. Wenn man erst 10 jahre ausbildungszeit zum arzt anhängt und DANN noch handwerksmeister wird und sich selbstständig macht, dann hat man zwar vermutlich irgendwann besseren verdienst und bessere bedingungen, aber halt erst mit 45+. und mit über 30 noch mal von 0 anzufangen ist auch nicht gerade toll und mit vielen lebenssituationen gar nicht vereinbar.

da wäre es auf die lebenszeit gerechnet dann besser man bleibt beim arztberuf, sucht sich eine ruhige nische (teilzeit angestellt in einer praxis, betriebsmedizin, reha,..) und gibt sich mit einem niedrigeren verdienst zufrieden.

Genau dazu ruft der TE auf: sich vor dem studium ernsthaft mit den arbeitsbedingungen auseinandersetzen und gut überlegen, ob man das studium wirklich machen will oder nicht. Wenn man schon mitten drinsteckt, ist der zug abgefahren.

klump3n
18.07.2020, 13:04
bin da ganz unerfahren, habe als pfleger aber oft gesehen, wie assis leiden. den spruch des CA der unfallchirurgie zu einer assistentin, die aus der küche kam ("da gehören sie auch hin") werde ich nicht vergessen.
gab im gleichen haus sehr ambivalente aussagen von ärzten. die internisten sagten meistens "durch den drecksladen musste durch, geld verdient wird später in der niederlassung." in der notaufnahme war ich da relativ gut vernetzt, hab auch einige abrechnungen der assis gesehen. als jemand, der sich quasi "hocharbeitet" als pfleger fand ich es schon interessant zu sehen, dass mein bekumpelter unfallchirugen assi in der notaufnahme für die paar knickfüße am tag, 2 packungen kippen rauchen und paar nachtdienste (in denen er meistens durchschlief) 5k netto überwiesen bekommen hat. dazu noch irgendwelche KV-vertretungen, die nicht mit auf der abrechnung standen.
habe aber auch natürlich einige gesehen, die recht zügig im burnout waren.

naja, nichts desto trotz: eine freundin arbeitet im finanzamt und bezogen auf unseren bekanntenkreis, in dem sich viele ingenieure und andere akademiker aufhalten, sagte sie "du wirst mal am meisten verdienen". wird wohl nicht alles schlecht sein.

dass das alles mal zur routine wird und zu großem teil auch nur "arbeit" ist klar, aber dann bin ich doch froh, dass ich ggf mal was "sinnvolles" beitragen kann und jemanden was gutes tun kann. mit meinen ingenieur-kumpels möchte ich auch nicht tauschen, die 10h am schreibtisch sitzen, zwar nach ig metall tarif bezahlt werden, aber dafür auch nicht die gehaltssprünge erwarten, die man als arzt ggf erwarten kann.
ich versuche eigentlich auch eher gehaltsdiskussionen zu vermeiden, da das eh nie zufriedenstellend ist. es gibt immer jemanden, der nach der eigenen meinung mehr gehalt für weniger arbeit bekommt. bpsw. mein kumpel bei vw, der nen bachelor in informatik hat und ca. 4k netto für ne entspannte woche mit gleitzeit bekommt.

daCapo
18.07.2020, 17:42
da wäre es auf die lebenszeit gerechnet dann besser man bleibt beim arztberuf, sucht sich eine ruhige nische (teilzeit angestellt in einer praxis, betriebsmedizin, reha,..) und gibt sich mit einem niedrigeren verdienst zufrieden.

Genau dazu ruft der TE auf: sich vor dem studium ernsthaft mit den arbeitsbedingungen auseinandersetzen und gut überlegen, ob man das studium wirklich machen will oder nicht. Wenn man schon mitten drinsteckt, ist der zug abgefahren.

Die Darstellung von GelbeKlamotten ist unzutreffend. Gerade als Radiologin sieht es mit dem Verdienst in der (eigenen) Praxis nicht schlecht aus.

Die Arbeitsbedinguen in manchen Fächern zur Weiterbildung an vielen (Uni)kliniken sind miserabel, wie hier mehrfach gesagt.



Genau darum geht es doch dem TE: man muss sich dafür VOR dem Studium entscheiden, damit es sinnvoll ist. Wenn man erst 10 jahre ausbildungszeit zum arzt anhängt und DANN noch handwerksmeister wird und sich selbstständig macht, dann hat man zwar vermutlich irgendwann besseren verdienst und bessere bedingungen, aber halt erst mit 45+. und mit über 30 noch mal von 0 anzufangen ist auch nicht gerade toll und mit vielen lebenssituationen gar nicht vereinbar.


Besser mit einer Arbeit aufhören, die einem garnicht gefällt als sie ewig weiterzumachen nur fürs Geld. Nicht jeder Handwerker führt einen Betrieb mit super Verdienst, nicht jeder macht den Meister, manche bleiben immer nur Angestellt und sind zufrieden. Vom Charakter passen übrigens Internist und Handwerker auch wenig zusammen.
Wie bereits auch schon gesagt: Bereits beim Pflegepraktikum, Famulaturen bemerkt man die Arbeitsbedingungen im Krankenhaus, kann sich erkundigen, was man für Karrierechancen hat, sich Fächer anschauen usw. Wenn einem da garnix gefällt, kann man immer noch das Studium wechseln oder eine Ausbildung machen anstatt ewig rumzujammern und nix zu verändern.

Es gibt auch nicht nur Reha und Arbeitsmedizin als Fächer mit normalen Arbeitsbedingungen: Es gibt Mibi/ Labor, Transfusionsmedizin, die Bildgebenden Verfahren (Radio, Nuk, Radioonko), Augenheilkunde, Psychiatrie , Anästhesie , Allgemeinmedizin (wobei ich die WB unstrukturiert finde)





ich versuche eigentlich auch eher gehaltsdiskussionen zu vermeiden

Genau, in einem Job arbeite, den ich hasse nur fürs Geld könnte ich nicht jahrzehntelang machen



bekumpelter unfallchirugen assi in der notaufnahme für die paar knickfüße am tag, 2 packungen kippen rauchen und paar nachtdienste (in denen er meistens durchschlief) 5k netto überwiesen bekommen hat. dazu noch irgendwelche KV-vertretungen, die nicht mit auf der abrechnung standen.
habe aber auch natürlich einige gesehen, die recht zügig im burnout waren.


Hmm so eine UCH habe ich noch nicht gesehen, Polytrauma meistens mehrfach abends und nachts.
Möglicherweise eine REgion mit sehr guter Versorgung.

freak1
18.07.2020, 18:14
Ich glaube so wenig wie unsere Unfallchirurgen nachts Ruhezeit haben brauchen die nichtmal ein Dienstzimmer...

WackenDoc
18.07.2020, 19:22
Jaaaa das goldene Handwerk. Komischerweise erzählen mir meine Probanden da was anderes. Viele sind halbwegs zufrieden, müssen aber für relativ wenig Geld körperlich hart arbeiten. Wer mehr verdient, hat oft mehr Verantwortung und hat dann den Stress weil er zwischen den Stühlen sitzt (die Poliere z.B.).
Die chefs der kleinen, mittelständischen Unternehmen verdienen in dem Sinne nicht schlecht und haben den Vorteil dass sie oft günstig bauen können. Aber sie tragen das volle unternehmerische Risiko. Kunden die nicht zahlen, Probleme Mitarbeiter zu bekommen, eigene Krankheit...
Für die Arbeiter selber läuft es gut, solange sie gesund sind- so bis Mitte 50. Und dann wird es eng.

55-jähriger Baggerführer der eine Sehstörung entwickelt (und eher nicht eine einfache Weitsichtigkeit die latent war und jetzt dekompensiert), mein 53-jähriger Dachdecker mit erstem grand Mal Anfall.
Maurer mit Bandscheibenvorfällen- entweder kommst damit klar oder hast nen Problem.
Jobs als Platzwart gibt es schlichtweg nicht genug.

Wie gesagt- die Zufriedenheit ist nicht so schlecht wie man denken könnte. Das liegt daran, dass der Ton zwar rauh, in der Regel aber das Miteinander nicht asozial ist. Dann kommen noch positive Faktoren wie sichtbares Ergebnis, Vollständigkeit der Aufgabe etc. dazu.

Das schlimmste am Jungassistentendasein fand ich tatsächlich der im wahrsten Sinne asoziale Umgang, fehlende Wertschätzung, fehlende Struktur.
Ich bin jetzt bei einem Arbeitgeber mit eher etwas niedrigerem Lohnniveau, aber ich versteh mich gut mit meinem Chef, das Verhältnis auch zwischen Ärzten und Assistenzpersonal ist professionell- kollegial, ich kann meinen Job so machen, dass es weitgehend Spass macht. Und habe bessere Bedingungen als viele WBA in der Arbeitsmedizin.