Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Medizinstudium: Fehler meines Lebens
Da habt ihr uns gegenüber tatsächlich einen Vorteil. Uns kann man den ganzen tag lang alles reindrücken was die geräte hergeben und wenn man dann abends um 8 immer noch nicht alles aufgearbeitet hat heißt es: „du musst halt schneller arbeiten“
Ja genau. Versuch mal als Chirurg abends um 8 einen Radiologen zu erreichen... hol dir dein Mitleid von denen die keine Ahnung von der Realität haben...
Und ja, ich versuch nicht nur telefonisch die Radiologen zu erreichen, ich geh auch tatsächlich in deren Befundungsräume. Wir Gefäßchirurgen haben eigene Passwörter für deren PCs bekommen, das ist billiger als den Gefäßchirurgen Befundungsrechner zur Verfügung zu stellen die sie brauchen für die eigenständige Beurteilung der Gefäßsituation und um Aorten auszumessen für eine endovaskuläre Prothesenversorgung. Insofern, glaub mir, 16 Uhr, spätestens 16:30 findest du in unserem Haus nur noch einen einzigen Radiologen. Und der ist quasi nicht ansprechbar weil maximal dauergestesst.
Habe eigentlich keine Einwände gegen deinen Post. Ich bin selbst überrascht ;)
Ich auch ;-)
Das gleiche gilt für Ingenieure. Auch ein Berufseinsteiger im Ingenieurwesen kostet anfangs erstmal mehr als er einbringt. Glaubst du Audi stellt sich ne Uniabsolventin ein und 6 wochen später konstruiert sie nach kurzer einarbeitung selbstständig Teile für die neue Modellreihe? Ganz bestimmt nicht.
Die Lernkurve ist steiler oder die Zeit bis zur Selbständigkeit kürzer. Da ist schon ein Unterschied.
Nehmen wir wieder das einfach Beispiel von Ports: deine Assistenten im 4. und 5. Jahr können, nachdem der Oberarzt die Indikation gestellt hat, schon selbstständig Ports implantieren solange es keine Probleme gibt denn dann wird wieder der Oberarzt gerufen. Sind halt schon ein paar Einschränkungen, oder? Für Assistenten im 4. und 5. Jahr.
Und wir reden von Ports. Ich hab noch nicht mal angefangen von den ersten Operationen zu reden die man als Gefäßchirurg operiert. Femoralis-TEA und so. Das ist noch ein bissl anderes Niveau wie Ports. Und doch die erste eigentliche Gefäß-OP.
(ich warte noch auf Anästhesisten die gleich erzählen wie selbständig sie doch nach 3 Sekunden Einarbeitung sind... mich juckt es schon im Detail zu schreiben dass auch Anästhesisten von Erfahrung profitieren, wie jede Fachrichtung)
Mr. Pink online
27.09.2020, 03:03
Gott sei Dank ist das hier ein Forum, denke in der Realität würdet ihre viele von den Sprüchen nicht loslassen.
Ist mir ehrlich gesagt auch egal wer hier FA, OA und auf welchem Gebiet ist. Denkt mal nur 3 Sekunden darüber nach was für Vergleiche bzgl. Assistenzarzt hier vom Stapel gelassen werden. Das best of ist LKW Fahrer, Chimpanse, Sekretärin mit medizinischem Halbwissen. Wenn tatsächlich solche Kandidaten in euren Abteilungen einlaufen, dann fragt euch Mal warum die guten nicht bei euch landen. Assistenten machen doch schon nach kürzester Zeit alle möglichen Dienste, schmeißen Stationen, Notaufnahme etc. Im chirurgischen Bereich mag es nochmal anders sein, da macht der Assistent nicht allein den Whipple. Aber ohne 2. Assistent wären viele Operateure dann vermutlich auch unzufrieden. Und wie gesagt, die Assistenten sind nicht nur lästiges Beiwerk, sondern eigentlich Investment für die Klinik.
Und ich habe hier als älterer Weiterbildungsassistent nur Bezahlung nach Tarif und bessere Weiterbildung gewünscht. Dazu gehört nicht, dass mir der Oberarzt erklärt, was die Indikation fürs Röntgen Thorax ist, sondern dass Rotationen in Funktionen und von mir aus Zuteilungen zu OPs in den chirurgischen Fächern leichter ermöglicht wird. Das ist schließlich Pflicht des Weiterbilders.
Konsequenzen muss dann jeder für sich selber ziehen. In einem stimmt ich aber 100% überein. Im Forum rumheulen bringt nichts.
Ja panisch
27.09.2020, 06:10
Ich finde den Beitrag echt amüsant. Dass es den FA/ OA braucht, keine Frage. Die restlichen Tätigkeiten, die du hier Beschreibst, klingen eher nach der Arbeit eines Pjlers. Das haben wir jeden Tag gemacht, eigene Patienten, die von Aufnahme bis Entlassung selbstständig betreut, Untersuchungen, Labore etc. alles selbst angemeldet. Das Beispiel mit dem U-Status kann ja nur ein Witz sein. Vielleicht solltet ihr anfangen, die Pjler nicht zum Schränke einräumen zu verheizen, sondern die mehr adäquat einzusetzen, dann habt ihr vlt auch gleich Nachwuchs mit Assistenzärzten, deren Station nicht im Chaos versinkt. Bei euch scheint man ja hilflos unterzugehen.
Ich würde nie als Berufsanfänger behaupten, einen FA ersetzen zu können. Aber ich will nicht die Arbeit von vier Assistenzärzten alleine übernehmen müssen, nur weil die Klinik sparen will und als Stationsaffe eingesetzt werden. Selbst Pjler können mit dem Endoskop, dem Defi, dem TEE, dem Sono etc umgehen. Das zeigt man denen einmal. Schade dass bei euch der Nachwuchs so untergeht.
Emachen. Klar. Aufklärung? Kann auch ein AA machen. OP? Muss FA/OA machen, möglicherweise ein fortgeschrittener AA wenn ein FA/OA in der Nähe ist falls es Probleme gibt, ein frischer AA alleine -> keine Chance. Brief schreiben? Kann auch der AA. Oder die Sekretärin.
Zusammengefasst: für die eigentliche Leistung braucht es den FA/OA. Für den Papierkram reicht es für die zweite Hälfte wenn man eine Sekretärin hat, für die erste Hälfte braucht es eine Sekretärin mit Approbation. Und genau da kommt der Assistenzarzt ins Spiel. Zu Beginn ist der Assistenzarzt wie eine nicht ausgebildete Sekretärin mit medizinischem Halbwissen aber Approbation.
Bei stationären Patienten ist das natürlich aufwändiger. Aber wenn ich mir die Fragen mancher Assistenzärzte anschaue... Beispiel "unklarer Anstieg der Entzündungszeichen". Es ist ja wohl nicht so schwierig für den Anfang. Postoperativ schaut man sich grundsätzlich mal die Bereiche an die operiert wurden ob das Problem dort zu finden ist, dann U-Status und ggf. Rö-Thorax und Zugänge (ZVK, Viggo etc.). Und erst wenn es da nichts gibt überlegt man weiter. Es ist immer das Gleiche. Immer. Wieso um alles in der Welt fragt ein Assistenzarzt ständig nach um sich dann anzuhören "hast du schon einen U-Status gemacht? Nein? Wirklich nicht? Wieso nicht? Wieso immer noch nicht? Wieso schon wieder nicht?". Eine einigermaßen gute Sekretärin kapiert das spätestens nach dem zweiten Mal.
Und beim 10. Mal sagt man es dann in schärferem Ton und der Assistenzarzt heult sich dann in einem Forum aus weil alle so fies sind und das Potential nicht erkennen und man viel zu wenig Geld bekommt für das was man alles aushalten muss...
John Silver
27.09.2020, 08:19
@Mr. Pink online:
Übrigens typisch. Ich habe Assis nicht als Schimpansen bezeichnet; „scutwork monkey“ ist eine Redewendung. Aber statt nachzulesen, lieber erst die Klappe aufreißen.
Ihr versteht das falsch mit der Rolle der Assis. Klar bilde ich weiter, Pflicht ist es für mich zwar nur bedingt, da nicht ermächtigt, aber dennoch. Es ist aber für mich schon sehr enttäuschend gewesen, zu sehen, dass diejenigen, die ich weiterbilden soll, einfach erwarten, dass dies ohne wesentliche Leistung ihrerseits geschehen soll. Ich meine damit keine Überstunden, keine Arschkriecherei, und nein, GelbeKlamotten, ich meine auch keinen Flirt oder Sex. Ich meine Respekt vor der Weiterbildung. Wenn man entscheiden will, wie ein Patient im Alltag behandelt wird, muss man mir erstmal das nötige Hintergrundwissen (das man sich größtenteils selbst aneignen kann und muss) präsentieren, und nicht beleidigt jammern, dass ich keinen Raum für eigene Entscheidungen lasse. Wenn man eine OP machen will, muss man erstmal zeigen, dass man die Indikation versteht (warum so und nicht anders), dass man die Theorie des Krankheitsbildes kennt, dass man die Anatomie kennt (zumindest aus den Büchern) und die einzelnen OP-Schritte ebenfalls. DANN gibt es eine Weiterbildung.
@GelbeKlamotten:
Dein Argument mit der Investition in junge Talente interessiert in der Verwaltung leider keine Sau, obwohl ich den Einwand für richtig halte. Die Verwaltung denkt so: Ein guter Anfänger bringt formal zunächst nicht mehr als ein schlechter. Klar, ein Ausländer mit Deutsch auf „ähh“-Niveau ist bspw. ein klares Sicherheitsrisiko, aber solange weder die Personalleitung noch die Geschäftsführung relevant bestraft werden, wenn etwas passiert, sondern nur der Chef und Oberärzte, interessiert es halt die Verwaltung Null. Ansonsten interessiert sich die Personalleitung nur dafür, dass der Dienstplan formal besetzt werden kann. Absolventen mehr zahlen, weil sie bessere Noten haben und der Chef sie für talentiert hält? Äh, nö. Gehen doch eh spätestens als Fachärzte weg, und dann hat man in Luft investiert; dass diese Einstellung ein wesentlicher Grund für die hohe Fluktuation ist, ist wiederum egal. Leider.
Mr. Pink online
27.09.2020, 08:41
@Mr. Pink online:
Übrigens typisch. Ich habe Assis nicht als Schimpansen bezeichnet; „scutwork monkey“ ist eine Redewendung. Aber statt nachzulesen, lieber erst die Klappe aufreißen.
Wo und an welcher Stelle habe ich dich denn zitiert?! Das Wort Chimpanse/trainierte Affe viel schon vorher hier im Thread, genau wie der Vergleich mit dem LKW Fahrer und der Sekretärin.
Aber genau das meine ich mit dem erst Mal drei Sekunden nachdenken, bevor du/ihr in die Tasten haut. 😉
tragezwerg
27.09.2020, 09:09
@Mr. Pink online:
Übrigens typisch. Ich habe Assis nicht als Schimpansen bezeichnet; „scutwork monkey“ ist eine Redewendung. Aber statt nachzulesen, lieber erst die Klappe aufreißen.
Ihr versteht das falsch mit der Rolle der Assis. Klar bilde ich weiter, Pflicht ist es für mich zwar nur bedingt, da nicht ermächtigt, aber dennoch. Es ist aber für mich schon sehr enttäuschend gewesen, zu sehen, dass diejenigen, die ich weiterbilden soll, einfach erwarten, dass dies ohne wesentliche Leistung ihrerseits geschehen soll. Ich meine damit keine Überstunden, keine Arschkriecherei, und nein, GelbeKlamotten, ich meine auch keinen Flirt oder Sex. Ich meine Respekt vor der Weiterbildung. Wenn man entscheiden will, wie ein Patient im Alltag behandelt wird, muss man mir erstmal das nötige Hintergrundwissen (das man sich größtenteils selbst aneignen kann und muss) präsentieren, und nicht beleidigt jammern, dass ich keinen Raum für eigene Entscheidungen lasse. Wenn man eine OP machen will, muss man erstmal zeigen, dass man die Indikation versteht (warum so und nicht anders), dass man die Theorie des Krankheitsbildes kennt, dass man die Anatomie kennt (zumindest aus den Büchern) und die einzelnen OP-Schritte ebenfalls. DANN gibt es eine Weiterbildung.
@GelbeKlamotten:
Dein Argument mit der Investition in junge Talente interessiert in der Verwaltung leider keine Sau, obwohl ich den Einwand für richtig halte. Die Verwaltung denkt so: Ein guter Anfänger bringt formal zunächst nicht mehr als ein schlechter. Klar, ein Ausländer mit Deutsch auf „ähh“-Niveau ist bspw. ein klares Sicherheitsrisiko, aber solange weder die Personalleitung noch die Geschäftsführung relevant bestraft werden, wenn etwas passiert, sondern nur der Chef und Oberärzte, interessiert es halt die Verwaltung Null. Ansonsten interessiert sich die Personalleitung nur dafür, dass der Dienstplan formal besetzt werden kann. Absolventen mehr zahlen, weil sie bessere Noten haben und der Chef sie für talentiert hält? Äh, nö. Gehen doch eh spätestens als Fachärzte weg, und dann hat man in Luft investiert; dass diese Einstellung ein wesentlicher Grund für die hohe Fluktuation ist, ist wiederum egal. Leider.
Bei uns in der Anästhesie gibt es auch immer mehr junge Assistenten, die es nicht für nötig halten, banale Dinge wie die Dosierungen der gängigen Narkosemedikamente oder Normwerte der BGA/Beatmungseinstellungen nachzulesen und dann zu wissen. Und solche Leute dann in kurzer Zeit fürs selbstständige eigenverantwortliche Arbeiten im OP fit zu machen, funktioniert nur bedingt. Wir haben einen Oberarzt für 4-6 Säle, wenn du dann nur solche Typen im Saal rumstehen hast, ist das die Vollkatastrophe.
Unbezahlte Überstunden etc. pp. gibt es bei uns schon lange nicht mehr, und die Sekretärinnentätigkeiten halten sich glücklicherweise entsprechend des Fachs in Grenzen.
Ein Anästhesieassistent ist verglichen mit einem Chirurgen insgesamt früher fähig, alleine zu arbeiten (das liegt einfach an der anderen Arbeitsstruktur und dass man für die meisten Narkosen eben keinen Facharztstandard braucht wie bei operativen Eingriffen), aber sobald es an richtig kranke Patienten, Kinder etc. geht, braucht man natürlich gut ausgebildetes Personal. Und das fällt halt nicht von Bäumen, auch wenn sich das die Klinikleitungen so vorstellen.
Weil es jetzt zum x. mal falsch interpretiert wurde: Ich habe nicht gesagt, dass Ärzte und LKW-Fahrer einen vergleichbaren Job haben, sondern dass LKW-Fahrer eine hohe Verantwortung tragen und trotzdem eher wenig verdienen. Weil die "hohe Verantwortung" sonst oft als Totschlagargument angebracht wird, warum man mehr als x oder y verdienen sollte.
Ein Anästhesieassistent ist verglichen mit einem Chirurgen insgesamt früher fähig, alleine zu arbeiten (das liegt einfach an der anderen Arbeitsstruktur und dass man für die meisten Narkosen eben keinen Facharztstandard braucht wie bei operativen Eingriffen), aber sobald es an richtig kranke Patienten, Kinder etc. geht, braucht man natürlich gut ausgebildetes Personal. Und das fällt halt nicht von Bäumen, auch wenn sich das die Klinikleitungen so vorstellen.
Facharztstandard braucht man schon - zumindest für die jeweilige Aufgabe. Aber bei einem ASA I Patienten mit banaler OP muss man sich schon echt anstrengen um ihn durch die Narkose zu schädigen.
Spannend ist in dem Zusammenhang ja, dass es in vielen kleinen Häuser gerade keine Anästhesie-Assistenten sondern nur Oberärzte gibt. Assistenzärzte in der Anästhesie "lohnen" sich für eine Klinik eigentlich erst ab einer gewissen Größe (damit man nicht eine FA-AA-Doppelbesetzung hat, sondern eben einen aufsichtsführenden OA für viele Assistenten) oder wenn man anderweitig nicht genügend Personal rekrutieren kann.
GelbeKlamotten
27.09.2020, 12:12
Ja genau. Versuch mal als Chirurg abends um 8 einen Radiologen zu erreichen... hol dir dein Mitleid von denen die keine Ahnung von der Realität haben...
Und ja, ich versuch nicht nur telefonisch die Radiologen zu erreichen, ich geh auch tatsächlich in deren Befundungsräume. Wir Gefäßchirurgen haben eigene Passwörter für deren PCs bekommen, das ist billiger als den Gefäßchirurgen Befundungsrechner zur Verfügung zu stellen die sie brauchen für die eigenständige Beurteilung der Gefäßsituation und um Aorten auszumessen für eine endovaskuläre Prothesenversorgung. Insofern, glaub mir, 16 Uhr, spätestens 16:30 findest du in unserem Haus nur noch einen einzigen Radiologen. Und der ist quasi nicht ansprechbar weil maximal dauergestesst.
Ob du es glaubst oder nicht: Die Realität geht über das hinaus, was du in deinem Haus erlebst. Und ich kann dir garantieren, dass es bei uns nicht einen einzigen regulären Arbeitstag im Jahr gibt, an dem um 17 Uhr nur noch der diensthabende da ist.
Es gibt solche Abteilungen in der Radiologie, in der alle um 16 Uhr zusammenpacken und heim gehen können. Das gibts auch in der Inneren und in der Chirurgie. Aber es ist an größeren Häusern nicht die Regel.
Und ja, wenn ich um 7 Uhr gekommen bin uns sitze abends um 8 noch an meinen Befunden (kommt bei mir eher selten vor, bei einigen Kollegen, die "engagiert" sind regelmäßig), dann bin ich selbstverständlich auch keine Ansprechpartnerin mehr für den Gefäßchirurgen. Wenn wir in unseren unbezahlten Überstunden noch anfangen sollen, den Ansprechpartner für alle möglichen chirurgischen Kollegen zu spielen, dann ist der Bogen irgendwann überspannt.
Und ja, eure Gefäße könnt ihr sehr gerne selbst ausmessen, wir Radiologen sind nicht eure Hampelmänner. Dein Horizont ist leider sehr eingeschränkt auf das ziemlich überschaubare Spektrum der Gefäßchirurgie. Für uns seid ihr ein winziger Teil unserer Arbeit und wir sind nich nur dafür da, euch 24h am Tag zu umsorgen.
Die Lernkurve ist steiler oder die Zeit bis zur Selbständigkeit kürzer. Da ist schon ein Unterschied.
Das ist reine Spekulation. Ob ein Ingenieur im Schnitt in den ersten 3 Berufsjahren mehr Rücksprache mit seinem Vorgesetzten hält oder ein Assistenzarzt, halte ich für alles andere als klar. Es dürfte zudem auf beiden Seiten stark vom genauen Tätigkeitsfeld abhängen.
Nehmen wir wieder das einfach Beispiel von Ports: deine Assistenten im 4. und 5. Jahr können, nachdem der Oberarzt die Indikation gestellt hat, schon selbstständig Ports implantieren solange es keine Probleme gibt denn dann wird wieder der Oberarzt gerufen. Sind halt schon ein paar Einschränkungen, oder? Für Assistenten im 4. und 5. Jahr.
Es ist ja nun nicht so, dass Portimplantationen das Haupttätigkeitsfeld in der Radiologie sind. Lass einen Assistenzarzt von Anfang bei wöchentlich mehreren Portimplantationen mitmachen, dann wird es nur wenige Monate dauern bis er es allein kann. Eine Portimplantation ist nicht schwieriger als eine mäßig komplizierte Ingenieursaufgabe und ein Assistenzarzt ist nicht per se dümmer als ein Ingenieur. Also wieso sollte der Ingenieur eine solche Aufgabe schneller selbstständig erledigen können?
Und wir reden von Ports. Ich hab noch nicht mal angefangen von den ersten Operationen zu reden die man als Gefäßchirurg operiert. Femoralis-TEA und so. Das ist noch ein bissl anderes Niveau wie Ports. Und doch die erste eigentliche Gefäß-OP.
Jaja, wir wissen langsam hier alle wie toll eure OPs sind.
Mal wieder aber auch alles durcheinander.
1. Die Dienste werden beschissen bezahlt. Egal, was man da leistet. Darüber herrscht, denke ich, Konsens.
2. Das Grundgehalt ist ok. Hier besteht offenbar Dissens, deswegen eine kleine Erklärung an die sich unterbezahlt Fühlenden:
3. Jetzt zur Weiterbildung. Die Weiterbildung ist scheiße, zumindest meist. Woran liegt‘s? Wenn mal wieder Assis vor mir stehen, die die Basics nicht beherrschen
Hmm da sind wir uns in den ersten beiden Punkten einig, Dienst sind schlecht bezahlt und Grundgehalt ist okay.
Die Weiterbildung ist schlecht. Das liegt aber nicht in erster Linie an faulen Ärzten in Weiterbildung. Natürlich kann es immer mal wieder vorkommen, dass sich jmd. in der Weiterbildung nicht beliest und die nötigen Basics beherrscht, das sollte er dann schnell nachholen nach entsprechendem Feedback-Gespräch. In chirurgischen Fächern kann sich jmd. in der Weiterbildung aufgrund der Natur des Fachs möglicherweise öfter mal überschätzen.
Das eigentliche Problem der Weiterbildung in DE ist die Organisation&Qualität. Die Organisation soll man ja selber machen in die Hand nehmen soll. Eine prima Idee. Am wenigsten ideal läuft das ganze in der Allgemeinmedizin. Hier wäre dringend eine strukturierte Ausbildung notwendig in einer Region, so dass die Allgemeinmediziner von morgen später mal auch Basics von Psychiatrie, Pädiatrie und Ortho/Neuro beherrschen.
Ein Problem sind fehlende Rotationen bzw. Rotationen, die versprochen werden und an die sich nicht gehalten wird. Problem sind auch die Weiterbildungsberechtigte, die erst nach Aufforderung durch die Ärztekammer Zeugnisse ausstellen. Das sind absolute Basics für die Weiterbilder, Konsequenz durch die ÄK= Null.
Nicht alles Spezialwissen kann man aus Büchern ziehen, ein strukturierter Forbildungsplan nach Inhalten für jeden Arzt in Weiterbildung wäre nötig. Anstattdessen gab es in manchen Jahren an meiner ehemaligen Klinik 1-2 intere Fortbildungen. Auch in meiner jetzigen Klinik ist die Fortbildung ein bunter Mix von Inhalten bzw. Neuerungen des Fachs. Ein weiteres Problem ist, dass sich immer wieder an getroffene Vereinbarung nicht halten, es auf der anderen Seite die Weiterbilder aber ablehnen sowas schriftlich festzuhalten.
Weil es jetzt zum x. mal falsch interpretiert wurde: Ich habe nicht gesagt, dass Ärzte und LKW-Fahrer einen vergleichbaren Job haben, sondern dass LKW-Fahrer eine hohe Verantwortung tragen und trotzdem eher wenig verdienen. Weil die "hohe Verantwortung" sonst oft als Totschlagargument angebracht wird, warum man mehr als x oder y verdienen sollte.
Und warum hat denn der LKW Fahrer eine Lenkzeiterfassung? Warum gibt es das im Krankenhaus nicht, da kann man soviel arbeiten wie man will?
Ach DaCapo, Du kannst oder willst mich nicht verstehen, oder. Ich wies in besagtem Post darauf hin, daß jemand auch an ein Haus mit wenig Fallzahlen wechseln kann, der sicher genug Experise mitbringt, die entsprechenden Eingriffe auch weiter gut durchzuführen. (...) auch wenn ich jetzt nur mehr 2 oder 3 die Woche an meinem Implantationstag mache, kann ich das immer noch schneller, sicherer und besser
Das sind Schrittmacher, ein Ösophaguskarzinom operieren oder eine Whipple OP oder robotische Prostatektomie sind OPs von "größerem" Ausmaß.
Bessere Sekretäre...
Emachen. Klar. Aufklärung? Kann auch ein AA machen. OP? Muss FA/OA machen,
Ein weiteres Zeichen von Qualität in DE, die Aufklärung. Eine nicht delegierbare Tätigkeit. Solle laut mehreren Gerichtsurteilen von jmd. gemacht werden, der die Untersuchung/Eingriff schonmal selbst gemacht hat (oder wenigstens zugeschaut hat).
PEG Anlage? Gastro- Kolo? Habe ich nie gemacht, werde ich auch nicht und gehört auch nicht zu meinem Fachgebiet. PEG kann tödlich enden. Trotzdem weigert sich die Gastroklinik das selbst zu machen im stationären Bereich (für ambulante Diagnostik dann schon). Vorgesetzte interessiert diese justitiable Organisation 0.
Ganz anders die Radiologie, da klären die Radiologen selbst über den Port, die Myelographie auf. Chirurgen natürlich auch über ihre OPs. Bemerkenswert
Christoph_A
27.09.2020, 12:53
Jemand der ca. 500 Whipple Ops hat, kann das genauso nachts um 3 im Vollrausch besser als derjenige am grooooßen Zentrum, der das gerade lernt.
Jemand der ca. 500 Whipple Ops hat, kann das genauso nachts um 3 im Vollrausch besser als derjenige am grooooßen Zentrum, der das gerade lernt.
Gut dann lass dich nachts um 3 im Vollrausch operieren, am besten in einer gut betuchten Praxis.
Versuche um 8 Uhr einen Radiologen zu erreichen
Ja habe ich schon mehrfach gemacht, mit Spätdienst und Nachtdienst, vllt mal 20 Min gewartet wegen Polytrauma. Das CT sogar noch um 5 vor 12 bekommen, obwohl es eigentlich nicht so dringend war, die Oberärztin wollte es.
tragezwerg
27.09.2020, 13:01
Facharztstandard braucht man schon - zumindest für die jeweilige Aufgabe. Aber bei einem ASA I Patienten mit banaler OP muss man sich schon echt anstrengen um ihn durch die Narkose zu schädigen.
Spannend ist in dem Zusammenhang ja, dass es in vielen kleinen Häuser gerade keine Anästhesie-Assistenten sondern nur Oberärzte gibt. Assistenzärzte in der Anästhesie "lohnen" sich für eine Klinik eigentlich erst ab einer gewissen Größe (damit man nicht eine FA-AA-Doppelbesetzung hat, sondern eben einen aufsichtsführenden OA für viele Assistenten) oder wenn man anderweitig nicht genügend Personal rekrutieren kann.
Also, Doppelbesetzung FA-AA hab ich in der Anästhesie noch nie gesehen (das wäre ja paradiesisch!)...nur 2-10 Assistenten pro Oberarzt, am kleinen wie auch am großen Haus.
Vielleicht mal kurz eine vermittelnde Stimme zwischendurch von einer, die mittlerweile beide Seiten kennt und auch die hier geäußerten Meinungen von beiden Seiten (AA u. OA) gut verstehen kann.
Das Tarifgehalt ist aus meiner Sicht gemessen an anderen akademischen Berufen initial ok - nicht mehr und nicht weniger. Ja, mein Göttergatte als Ingenieur hat direkt als Anfänger besser verdient als ich im 1. Jahr Assistenzarzt, konnte aber auch tatsächlich bereits mehr und war gewinnbringender für die Firma.
Dafür hatte ich aber eine konstante Gehaltssteigerung mit jedem Jahr Erfahrung, er musste das durchaus "erkämpfen". Das ist allerdings durchaus auch wieder ein Vorteil, denn:
Guter Mitarbeiter mit guter Leistung --> mehr Leistungspunkte in der Bewertung der Einstufung --> besseres Gehalt.
Bei uns Ärzten geht es rein nach der Zeit, aber dass eben leider abgesessene Zeit auch nicht immer pauschal gute Erfahrung und bessere Arbeitskraft bedeutet, ist da nicht abgebildet.
Ich kann viele der hier schreibenden Asisstenzärzte verstehen - mir ging es gerade am Ende der Weiterbildungszeit echt ähnlich, dass man (dann!) auch schon recht viel kann und tut, aber im Vergleich zum OA echt schlecht bezahlt wird. Meines Erachtens ist auch der Sprung von der 6. Stufe Assistenzarzt zur 1. Stufe FA mit knapp 200 Euro echt ein schlechter Witz. Dafür ist dann der Sprung auf die 1. Stufe OA echt nett...
Im Rückblick kann ich ganz klar sagen:
AA-Tarifgehalt ist ok, FA-Tarifgehalt ist unglaublich unfair, OA-Tarifgehalt ist sehr nett.
Unterm Strich verdiene ich aktuell als OÄ im Jahresgehalt jetzt besser als mein Ingenieurs-Gatte, aber habe viel länger gebraucht, um dort hin zu kommen, während er nach nur 8 Semestern Studium und Diplom sehr viel schnell sehr viel besser verdient hatte, aber dann eben nicht mehr die krasse Steigerung kam (hätte er haben können, wollte aber aus verschiedensten Gründen nicht, anderes Thema). Kommt sehr wahrscheinlich übers gesamte Berufsleben gesehen dann ungefähr beim Gleichen raus.
Das Unfaire im System ist meiner Meinung nach, dass alle Assistenzärzte eben nach reiner Zeit hochgestuft werden, aber eben überhaupt nicht nach persönlicher Leistung und Können und Engagement.
Mich hat es schon als Assistenzärztin aufgeregt, dass manch anderer Assi, der echt mehr als nur eine schlechte Perfomance hingelegt hat, letztlich mit dem gleichen Gehaltszettel rechnen konnte wie ich und viele andere, die sich reingehängt haben.
Und das erlebe ich jetzt aus OA-Perspektive ähnlich.
Ich habe Assistenten, bei denen fehlt selbst nach mehreren Berufsjahren noch das (theoretische) Basiswissen und vor allem auch ganz oft der Bock, mal selbst aktiv zu werden. Da wird dann auch nach 3 Jahren Assistenzarztzeit immer noch mal lieber bei mir nach der Standarddosis von den standardmäßig gebrauchten Medis gefragt statt mal selber einfach anzusetzen und auf die Idee zu kommen, dass es beim 10 001. Mal tatsächlich auch so sein könnte wie bei den 10 000 Malen davor.
Ich habe aber auch Assistenten (und auch schon PJler), die extrem motiviert sind, sich nicht scheuen, mal was zu probieren, aktiv selber nachzulesen und dann intelligente Fragen zu stellen. Mit denen macht das Arbeiten echt Spaß. Und für die setze ich mich dann auch gerne ganz ohne eigenen Profit bei Chef und Klinikleitung ein, damit der Vertrag entfristet wird oder die sinnvolle Rotation schnell umgesetzt wird.
Christoph_A
27.09.2020, 13:14
Gut dann lass dich nachts um 3 im Vollrausch operieren, am besten in einer gut betuchten Praxis.
Ja habe ich schon mehrfach gemacht, mit Spätdienst und Nachtdienst, vllt mal 20 Min gewartet wegen Polytrauma. Das CT sogar noch um 5 vor 12 bekommen, obwohl es eigentlich nicht so dringend war, die Oberärztin wollte es.
Solange am Schluß kein DaCapo kommt, ist alles gut
Solange am Schluß kein DaCapo kommt, ist alles gut
Ohje, das hört sich ja ganz traumatisiert an.
Im Rückblick kann ich ganz klar sagen:
AA-Tarifgehalt ist ok, FA-Tarifgehalt ist unglaublich unfair, OA-Tarifgehalt ist sehr nett.
(...)
Und für die setze ich mich dann auch gerne ganz ohne eigenen Profit bei Chef und Klinikleitung ein, damit der Vertrag entfristet wird oder die sinnvolle Rotation schnell umgesetzt wird.
Das mit dem Gehalt sehen wir also alle ähnlich. Die Dienste wurden jetzt nicht angesprochen-->schlecht bezahlt (in Anbetracht der Zeit/Resourcen, die drauf geht) und zu viele und es interessiert niemand. FA an der Klinik ist für niemand eine Dauerlösung außer Underperformer, die in einer Praxis auch keinen Platz finden.
Letztendlich sollten alle die Chance auf Rotation haben. Wenn jemand eine Arbeit nicht sicher beherrscht oder einfach dort nicht seine Zeiten hat, ist es selbstverständlich, dass er dann noch nacharbeiten muss. Aber das ist doch die Ausnahme, in der Regel gibt es Personallücken an allen Ecken und Enden und den Ärzten in Weiterbildung wird die Rotation vorenthalten z.B. klagen die Kollegen aus der Neuro, dass sie nie in den Doppler kommen, weil Notaufnahme oder Station/Intensiv kein Personal haben.
Ach, doch ein da capo. Hoffen wir auf al fine.
zu viele (unerwünschte?) Diskussionen in einem Diskussionsforum;-)
Insofern, glaub mir, 16 Uhr, spätestens 16:30 findest du in unserem Haus nur noch einen einzigen Radiologen. Und der ist quasi nicht ansprechbar weil maximal dauergestesst.
Das ist aber von Klink zu Klinik durchaus auch anders.
Bei uns gibt es bis 19 Uhr CT und MRT-Spätdienste, alles bis 19 Uhr wird am selben Tag oberärztlich vidiert und nachts gibt es 2 Radiologen im Haus die du anrufen kannst. Und für den ungewöhnlichen Fall, dass wir Stroke und Polytrauma gleichzeitig haben, musst du dich dann vielleicht mal 20min gedulden bis einer Zeit hat. :knuddel:
Kackbratze
27.09.2020, 18:08
Die Tatsache, dass es in jedem Haus anders geregelt ist, was Wertschätzung, Arbeitszeiten und Ausbildung anbetrifft ist absolut unwichtig.
Hier geht es ausschließlich um das Große Ganze.
Powered by vBulletin® Version 4.2.3 Copyright ©2026 Adduco Digital e.K. und vBulletin Solutions, Inc. Alle Rechte vorbehalten.