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Bonnerin
23.07.2020, 22:56
Das ist gerade sehr off topic, aber da ich auch zu den Leuten gehört hab, die die Frage bezüglich Laparoskopie/CT bei V.a. Appendizitis damals im Examen (mit Erfolg) angefochten haben:

Warum wird in der Praxis auf das CT verzichtet? Alleine wegen der Strahlenbelastung? Das ist natürlich ne rein persönliche Meinung, aber wenn ich die Wahl hab zwischen "Verdacht überprüfen aber mit Strahlenbelastung" oder "Narkose + Laparoskopie" würde ich definitiv nicht die letztere Option wählen...

conquistador
23.07.2020, 23:11
In einzelnen Fällen kann man natürlich CT machen. Meistens braucht man sie aber für die Diagnostik der APP aber nicht. Immer CT zu machen finde ich übertrieben, meistens lässt sich nach gewisser Erfahrung eine APP klinisch sowie sonographisch gut erkennen. Das andere wäre mit Kanone auf Spatzen schießen.
Wir machen das so: wenn unklarer Befund und leicht erhöhte infektwerte mit eher mäßiger Klinik: stationäre Aufnahme ins Bauchzentrum (interdisziplinär) am nächsten Tag wird erneute Labor und Sono morgens gemacht, dann ggf. Op oder Entlassung. Damit fahren wir eigentlich ganz gut und müssen auch selten eine CT- Untersuchung machen.

nie
24.07.2020, 00:16
Und dann wechseln die Chirurgen mal das Haus und müssen im Dienst die chir. Notfälle schallen...und können es dann nicht

Dann lernen sie es eben :-nix Ich konnte auch nicht vernünftig schallen (bzw. nur Nieren) bevor ich in die Notaufnahme rotiert bin weil ich einfach nie in die Verlegenheit kam, andere Organe zu schallen. Hab mir die wichtigsten Dinge mittels Büchern und Videos selbst beigebracht (Kurse gabs ja wegen Corona nicht) und schalle mir jetzt die Finger wund um Übung darin zu bekommen. Und wenn ich nicht weiter komme, muss halt der Oberarzt gucken.

Radiologen nehmen hier übrigens außerhalb des Schockraums keinen Schallkopf in die Hand.

ehem-user-21-08-2020-1502
24.07.2020, 04:08
Dann lernen sie es eben

Wenn dafür Zeit bleibt. Man hört doch sehr oft, dass Leute nach 3-4 Wochen die ersten Dienste haben. Und es ist ja nicht in jeder Abteilung ein zweiter erfahrener AA da, der dem unerfahrenen AA helfen kann. Und wegen eines US ruft man doch auch nicht den Hintergrund, man ist primär auf sich allein gestellt. In 4 Wochen wäre ich niemals fit im Schallen. Und dann alleine im Dienst. Selbst im OP (wo die Beteiligten ja nicht weglaufen können) und genug Zeit wäre wurde den AÄ nichts erklärt (selbst so erlebt). Ob dann noch Jemand Zeit und Lust hat, dem AA das Schallen zu vermitteln. Ich rede jetzt nicht von einem Polytrauma sondern von den "normalen" Fällen in der Notaufnahme

Konntet ihr z.B. im 1 Weiterbildungsjahr sicher eine Thrombose ausschließen?

Reflex
24.07.2020, 06:13
Dann nimmt man sich die Zeit! Es hindert einen keiner daran sich um Funktionsdiagnostik proaktiv selbst zu kümmern und seine Fähigkeiten kontinuierlich zu verbessern. Ich hab in der Neurologie sofort am ersten Tag mit Duplex der hirnversorgenden Gefäße angefangen. Innerhalb des ersten Jahres war ich dann in Kombination mit den Fortbildungen recht sicher. Vor meinem ersten Dienst hab ich mich bemüht, wie die wilde Wutz zu lpieren. Und im Verlauf der Weiterbildung hab ich mir auch von meinen Patienten versucht die Elektrophysiologischen Untersuchungen immer noch einmal selbst an zu sehen. Meistens war das leider für die Briefe eh notwendig, wenn der Funktionsassistent nicht rechtzeitig mit der Befunden fertig war. Das wurde von meinen Chefs und OA eigentlich immer auch gefördert.

Autolyse
24.07.2020, 19:04
Dann nimmt man sich die Zeit! [...]
Ja, geil, als würde ich nicht für den normalen Scheiß schon ständig Überstunden machen...

freak1
24.07.2020, 20:34
Radiologen nehmen hier übrigens außerhalb des Schockraums keinen Schallkopf in die Hand.

Wenn ich im Nachtdienst 15-20 CTs habe wäre die Wartezeit für das Sono sonst auch für die meisten Kliniker zu lang. :-D

GelbeKlamotten
24.07.2020, 20:38
Wenn ich im Nachtdienst 15-20 CTs habe wäre die Wartezeit für das Sono sonst auch für die meisten Kliniker zu lang. :-D

Bei nur 15 CTs mach ich locker noch 5 Sonos nebenbei :P

freak1
24.07.2020, 20:40
Wenn Schädel ja, wenn gammlige Bäuche, Post-Reanimations-Ganzkörper-CT oder Polytrauma ganz sicher nein. ;-)

schnix25
24.07.2020, 21:42
Wobei halt dann die frage bleibt warum der radiologe den schockraum schall machen soll wenn er sonst nie schallt.

freak1
24.07.2020, 21:51
Arbeitsteilung. Der Radiologe macht das FAST, die UC untersucht und legt Zugänge während der Anästhesist Atemwege sichert etc.

Wir müssen ja zwingend im SR anwesend sein wenn man als Traumazentrum zertifiziert sein will, dann können wir auch was machen.

anignu
24.07.2020, 22:44
So viele Sachen zu erwidern, so wenig Zeit...

Das Radiologen im Schockraum anwesend sein "müssen" ist interessant. Kann sein dass sie "müssten", die Realität sieht oft anders aus. Teilsweise gibt es beim Schockraum Teleradiologie! Und FAST kenn ich so dass die Chirurgen machen. Noch nie anders erlebt.

Ansonsten finde ich die Sonokünste der Radiologen extrem unterschiedlich. In vielen Kliniken machen sie einfach keine Sonos, das wurde primär von den Internisten und sekundär von den entsprechenden Abteilungen übernommen und damit ist die Expertise bei den Radiologen auch entsprechend. Man kann halt das was man regelmäßig macht. Das ist nicht böse gemeint, einfach als Art Tatsachen-Behauptung. Wenn in einem Haus der Chirurg nie selbst schallt und immer nur der Radiologe das Abdomensono macht dann liegt die Expertise eben beim Radiologen, und andersrum.

Dr. Salto
25.07.2020, 09:08
So viele Sachen zu erwidern, so wenig Zeit...

Das Radiologen im Schockraum anwesend sein "müssen" ist interessant. Kann sein dass sie "müssten", die Realität sieht oft anders aus. Teilsweise gibt es beim Schockraum Teleradiologie! Und FAST kenn ich so dass die Chirurgen machen. Noch nie anders erlebt.

Ansonsten finde ich die Sonokünste der Radiologen extrem unterschiedlich. In vielen Kliniken machen sie einfach keine Sonos, das wurde primär von den Internisten und sekundär von den entsprechenden Abteilungen übernommen und damit ist die Expertise bei den Radiologen auch entsprechend. Man kann halt das was man regelmäßig macht. Das ist nicht böse gemeint, einfach als Art Tatsachen-Behauptung. Wenn in einem Haus der Chirurg nie selbst schallt und immer nur der Radiologe das Abdomensono macht dann liegt die Expertise eben beim Radiologen, und andersrum.

Kenne beides beim FAST Sono im Schockraum. Ist denke ich eine rein willkürliche Einteilung wer das macht. Und besonders gute Ultraschallkenntnisse braucht man dafür ja auch nicht.

Wenn eine Klinik nur teleradiologisch betreut ist, dann ist es notgedrungen halt oft auch beim Schockraum so. Kostet aber viel Zeit. Und sorgt bestimmt auch für mehr übersehene kleinere Befunde, wenn der Radiologe den Patient nicht gesehen hat und viellicht nicht mal ausreichend über den körperlichen Untersuchungsbefund informiert wird.

Viele akute Verletzungen sehen ja zum Glück auch die Unfall- und Neurochirurgen. Bei nicht ganz so alltäglichen Sachen z.B. Gefäßverletzungen, einem Harnleiterausriss o.ä. wirds dann aber oft eng. Da macht es dann schon Sinn, einen Radiologen vor Ort zu haben, der z.B. nach erster Sichtung auch mal auf einen zweiten Scan in der venösen/spätphase drängen kann.

ehem-user-02-08-2021-1033
25.07.2020, 10:08
Hat irgendjemand behauptet, dass das gemacht wird? Bei den meisten 20 Jährigen mit Appendizitis reicht ein Ultraschall vollkommen aus. Aber die Zeiten, in denen ein 20-jähriger mit rechtsseitigen Unterbauchschmerzen und leicht erhöhtem CRP ohne jegliche Bildgebung sofort operiert wird sind zu Recht auch vorbei.

Kommt auf das Haus, die Uhrzeit und die Präferenzen des diensthabenden Chirurgen an. ;-)

GelbeKlamotten
25.07.2020, 22:34
Kommt auf das Haus, die Uhrzeit und die Präferenzen des diensthabenden Chirurgen an. ;-)

Mag sein. Aber die Riege der Chirurgen der alten Schule, die lieber gleich das Messer zücken statt wenigstens ein bisschen Diagnostik zu machen scheint sich immer mehr dem Ende zuzuneigen.

Roadkiller
26.07.2020, 16:13
Wobei ich immernoch oft genug Würmer auf dem Tisch habe die einfach völlig unauffällig aussehen und nicht im mindesten zu der angegebenen Symptomatik passen...

medicinentia
20.09.2020, 11:05
Um den ursprünglichen Thread aufzugreifen, es gibt definitv absolute Defizite was die Attraktivität des Berufs Arzt in Deutschland angeht.

Die Arbeitsbedingungen sind teilweise unmenschlich (Der Fluglotse darf schließlich auch nicht 24 Stunden schichten schieben), die Bezahlung ist gemessen an der Arbeitsbelastung und Verantwortung ein Witz (!) (zb für Assistenten oder Fachärzte an Kliniken), wenn man nicht gerade plastischer Chirurg in der Praxis ist oder Chefarzt mit AT Vertrag.
Prinzipiell stimmt an vielen Häusern nichtmal das Arbeitsklima sodass man kaum einen positiven Punkt ausmachen kann außer vielleicht Jobsicherheit.

Noch mehr verstörend ist aber wie "zufrieden" wir uns präsentieren mit dieser Situation , wir feiern wenn der Marburger Bund 2 % mehr Lohn aushandelt (was de facto der Inflation entspricht) , wir klatschen wenn das Arbeitszeitgesetz tatsächlich auch mal durchgesetzt wird, wir akzeptieren dass PJler, die Kollegen von morgen, unter dem Mindestlohn ärztliche Tätigkeiten verrichten und schon so vor Berufseintritt völlig desillusioniert werden.
Was passiert? Eigentlich nichts, es wird still hingenommen, "man hat ja genug zu tun mit der eigenen Arbeit". Auch Missstände auf der Arbeit werden stillschweigend hingenommen da offenbar der Durchschnittstypus Mediziner sich in seinen Bedürfnissen grenzenlos unterordnet und Konflikte meidet.
Jeder ist seines Glückes Schmied, die Ärzte in Deutschland schmieden sich aktuell ihr Eigenes.
Zu beobachten ist aktuell schon ein besorgniserregendes Stellen-Hopping (zB alle 6 Monate neue Stelle oder etwas mehr), gute Stellen werden extrem selten.
Wir erwerben schulische Bestnoten um unser Ziel zu erreichen, jetzt können wir uns eigentlich nur selbst ein "Ungenügend" für Berufsintelligenz und kollegiale Empathie ausstellen.

ნინი
20.09.2020, 14:44
In NRW gibt es eine Klinik, wo Ärzte für 8 Stunden Dienst am Wochenende kein Gehalt bekommen. Stattdessen dürfen sie 1 Tag im Monat frei nehmen. Ich könnte nicht glauben, was ich da hörte(;

GelbeKlamotten
20.09.2020, 15:03
In NRW gibt es eine Klinik, wo Ärzte für 8 Stunden Dienst am Wochenende kein Gehalt bekommen. Stattdessen dürfen sie 1 Tag im Monat frei nehmen. Ich könnte nicht glauben, was ich da hörte(;

Halte ich für eher unwahrscheinlich, da es in dieser Form nur schwer in eine nach außen hin pro forma legale Hülle zu packen sein dürfte. Wenn eine Klinik überhaupt keine Zuschläge für zB Sonntagsarbeit zahlt, ist das zu auffällig. Die meisten Ausbeutungen sind nicht so offensichtlich illegal. Z.B. Überstunden, die nicht aufgeschrieben werden dürfen. Das fällt erst auf, wenn jemand aktiv dagegen wehrt.

An sich zeigt deine Entgeisterung aber vor allem, dass du wenig Ahnung hast, was tatsächlich so alles abgeht. Es gibt genug Kliniken/Abteilungen, in denen im Schnitt 30% der ärztlichen Arbeitszeit überhaupt nicht vergütet wird, ohne Freizeitausgleich o.ä.

Wenn in dem von dir beschriebenen Modell der freie Tag auch noch frei wählbar ist, man sich also quasi mit 8 stunden wochenendarbeit einen zusätzlichen urlaubstag generieren könnte, dann wäre das sogar ein extrem attraktives modell. Die paar Euro, die so ein Dienst normalerweise bringt, würde ich sehr gerne gegen einen zusätzlichen flexiblen Urlaubstag tauschen.

urinbeutel
20.09.2020, 16:36
Wenn letzteres der Fall ist klingt das ja extrem gut.