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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Medizinstudium: Fehler meines Lebens



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Bonnerin
20.09.2020, 19:35
Oh doch! Das Medizinstudium ist arg verschult. Vom Präsenzanteil dürften da nur die Laborfächer vergleichbar sein oder uns sogar noch übertrumpfen. Ansonsten würde es mich sehr wundern, wenn an der Uni auch nur ein einziger trauriger Hahn danach kräht, wie schnell Studierende ihren Abschluss bekommen.

1. Ich habe nie behauptet, dass das Studium nicht verschult sei. Aber ich habe angemerkt, dass ich der Meinung bin, dass DAS nicht das Hauptproblem im Bezug auf "Haken und Fresse halten" ist. Da spielen eher absurde Heilsbringervorstellungen/Scrubs-Träume eine Rolle.

2. Zur Geschwindigkeit des Abschlusses: Eben doch. Denn es geht um viel Geld: https://taz.de/Mehr-Gelder-fuer-Forschung-und-Lehre/!5580513/?goMobile2=1599264000000
Mit der angestrebten neuen Allokation der Gelder sollen die Unis maximal 2 Semester mehr tolerieren, sonst gibts für den Studierenden weniger Fördergelder.

Trüffel
20.09.2020, 19:47
1. Ich habe nie behauptet, dass das Studium nicht verschult sei. Aber ich habe angemerkt, dass ich der Meinung bin, dass DAS nicht das Hauptproblem im Bezug auf "Haken und Fresse halten" ist. Da spielen eher absurde Heilsbringervorstellungen/Scrubs-Träume eine Rolle.
Ne, aber du hast behauptet, die meisten Fächer seien vergleichbar durchgetaktet. Und das stimmt so eben nicht: Ich habe genug Stundenpläne anderer Fächer im Bekanntenkreis gesehen, die waren ein Witz gegenüber meinem Stundenplan. Und damit will ich nicht so tun, als wären wir Mediziner die tollen Hechte, die viel mehr leisten. Ich finde vielmehr, ein Großteil der Pflichtveranstaltungen könnte locker gekürzt werden und das Studium müsste auch keine 6 Jahre lang sein. Aber es stimmt schon, dass andere Fächer teilweise viel mehr Spielraum lassen und meine privaten Interessen im Studium sehr gelitten haben. Das erging vielen Bekannten in anderen Fächern nicht so. Allerdings komme ich auch aus dem Modellstudiengang. Mag sein, dass das bei uns sehr viel schlimmer geworden ist?


2. Zur Geschwindigkeit des Abschlusses: Eben doch. Denn es geht um viel Geld: https://taz.de/Mehr-Gelder-fuer-Forschung-und-Lehre/!5580513/?goMobile2=1599264000000
Mit der angestrebten neuen Allokation der Gelder sollen die Unis maximal 2 Semester mehr tolerieren, sonst gibts für den Studierenden weniger Fördergelder.
Da fehlen mir jetzt Informationen. Wenn eine Hochschule etwa Geld pro Student bekommt, und Langzeitstudenten weniger Geld bringen sollen, dann sind sie netto immer noch ein zusätzliches Einkommen. Ich habe nicht die Zeit und Lust, mich da tiefer einzulesen. Vielleicht weißt du das? Ansonsten ist die Frage doch vor allem: Inwiefern kommt das in der Lehre an? Da sitzen Doktoranden und Post-Docs, kriegen von ihrem Prof per Zuruf die Vorlesung nächsten Montag hingeschmissen und wollen eigentlich an ihrem Paper arbeiten. Denkst du, die sagen sich jetzt: "Damnit, ich muss die MEGA Vorlesung hinlegen nächste Woche, damit alle Studis richtig viel lernen, weil wenn sie das nicht tun und 3 Semester länger studieren müssen, dann kriegt meine Alma mater weniger Schotter vom Staat?" Halte ich für eher fragwürdig. ;)

medicinentia
20.09.2020, 19:49
2. Zur Geschwindigkeit des Abschlusses: Eben doch. Denn es geht um viel Geld: https://taz.de/Mehr-Gelder-fuer-Forschung-und-Lehre/!5580513/?goMobile2=1599264000000
Mit der angestrebten neuen Allokation der Gelder sollen die Unis maximal 2 Semester mehr tolerieren, sonst gibts für den Studierenden weniger Fördergelder.

Interessant doch gerade wenn man den finanziellen Aspekt eines Medizinstudiums betrachtet drängt sich mir die Frage auf - muss der Staat nicht ein ursprüngliches Interesse haben hier ausgebildete Mediziner zu halten (im Land und in der Branche) ?
Mir erschließt sich das einfach nicht, mittlerweile gibt es doch zahlenmäßig zunehmende Arztabwanderung ins Ausland, Wechseln von der Klinik in die Praxen oder sogar ganz weg von der gesamten Medizinbranche.

Offenbar ist der Druck nicht groß genug oder wie muss man das verstehen oder gibt es einen Arzt Überschuss und ich sehe ihn nicht ?

Trüffel
20.09.2020, 19:51
Wenn man rein ökonomisch denkt, müsste man ohnehin 95 % der Studienfächer an staatlichen Unis wegen Belanglosigkeit und arbeitsmarkttechnischer Irrelevanz einstampfen ...

GelbeKlamotten
20.09.2020, 20:09
Interessant doch gerade wenn man den finanziellen Aspekt eines Medizinstudiums betrachtet drängt sich mir die Frage auf - muss der Staat nicht ein ursprüngliches Interesse haben hier ausgebildete Mediziner zu halten (im Land und in der Branche) ?
Mir erschließt sich das einfach nicht, mittlerweile gibt es doch zahlenmäßig zunehmende Arztabwanderung ins Ausland, Wechseln von der Klinik in die Praxen oder sogar ganz weg von der gesamten Medizinbranche.

Offenbar ist der Druck nicht groß genug oder wie muss man das verstehen oder gibt es einen Arzt Überschuss und ich sehe ihn nicht ?

Nö man importiert ja mittlerweile einfach im großen Stil Billigmediziner aus der ganzen Welt, von der Ukraine über den Iran bis nach Columbien. Ist eher eine Frage der Zeit, bis die deutschen Studienplätze aus Kostengründen reduziert werden.

Trüffel
20.09.2020, 20:14
Nö man importiert ja mittlerweile einfach im großen Stil Billigmediziner aus der ganzen Welt, von der Ukraine über den Iran bis nach Columbien.

Nicht zu vergessen, dass die auch gleich noch die "korrekte" Arbeitsmentalität mitbringen.

daCapo
20.09.2020, 20:15
Offenbar ist der Druck nicht groß genug oder wie muss man das verstehen oder gibt es einen Arzt Überschuss und ich sehe ihn nicht ?

Ja es gibt so viele Ärzte in DE wie noch nie, aber die wollen nicht alle den Job auf der Inneren Station, den keiner machen will.
Dafür gibt es wie GelbeKlamotten sagt die Import-Ärzte immer mehr. Man könnte eigentlich ca. 50% der Studienplätze streichen, viel billiger und noch mehr importieren. Macht die Schweiz auch.

Bonnerin
20.09.2020, 20:25
@Trüffel: Nö, mehr leisten tun wir sicherlich nicht, denn im Regelfall ist die Anwesenheit eine Unterschrift und dann im Wlan surfen gewesen, zumindest was mich und meine Freunde anging. Da mussten die Freunde im reinen NaWi-Bereich deutlich mehr leisten. Aber es ging um reinen Präsenzanteil, und der ist so wie ich das mitbekommen habe auch in manchen anderen Bereichen wieder gestiegen.

Ich hab es nur aus NRW mitbekommen: Da war es lange so, dass die Uni für jeden Studienbeginn pauschal 20.000€ als Einmalzahlung erhalten hatte. Das hat dann aber dazu geführt, dass a) den Unis erstmal egal war, wer sich für was einschreibt bis b) klar war, dass es nicht mehr Geld für den Philosophen im 27. Bachelor-Semester gibt wie für den Informatiker, der im sagen wir mal 8. Bachelor-Semester fertig wird.

Daraufhin hat NRW dann das Geld anders gesplittet: 18.000€ pauschal bei der Immatrikulation und dann nochmals 4.000€ bei erfolgreichem Studienabschluss. Der Artikel oben greift halt den nächsten Punkt auf: Ja, erfolgreicher Studienabschluss ist schön, aber der Informatiker nach dem 8. Semester macht jetzt entweder (vermutlich) rasch noch den Master oder steht dem Arbeitsmarkt direkt zur Verfügung. Und ist deutlich jünger als der 27 Semester-Philo-Student, der nach dem deutlich längeren Studium auch weniger lange arbeiten wird. Darum also dann die Prämie, wenn die Leute schnell fertig werden (und damit vermutlich auch schnell und lange in die klamme Rentenkasse einzahlen).

Die Lehre in der Medizin ist so oder so für die Tonne in den meisten Bereichen, eben weil sie dank MC und Bibliothek/Amboss eigentlich eh egal ist.
Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass in anderen Fachbereichen schon geschaut wird, welcher Dozent z.B. wie viele Studierende wie schnell zum Bachelor/Master bringt, wenn die bei ihm die Arbeit anfertigen + verteidigen. Und wenn das Soll nicht da ist kann ja auch mal unangenehm nachgehorcht werden.

RussianAngel
20.09.2020, 20:55
Ich finde diese Diskussion wirklich sehr ernüchternd.

Kackbratze
20.09.2020, 23:27
Empfehlen würde ich inzwischen niemandem, sich nur am entferntesten einem Krankenhaus als Arbeitnehmer in Deutschland anzunähern...Vor allem eben wegen des Klimas und der fehlenden Ausbildung.

N=1 ist tatsächlich statistisch signifikant genug, um für alle Fachbereiche in allen Kliniken sprechen zu können.
Wenn das die Basis der modernen Ausbildung im Medizinstudium ist, kann ich echt nur euch zustimmen, dass ihr besser Abstand vom Arbeiten in einem Krankenhaus hier nehmen solltet.

daCapo
20.09.2020, 23:45
N=1 ist tatsächlich statistisch signifikant genug, um für alle Fachbereiche in allen Kliniken sprechen zu können.
Wenn das die Basis der modernen Ausbildung im Medizinstudium ist, kann ich echt nur euch zustimmen, dass ihr besser Abstand vom Arbeiten in einem Krankenhaus hier nehmen solltet.

Hmm, ist nur ein Forum für Meinungsaustausch. Krankenhaushygiene/Labor/Patho/Radio usw ist anders als Innere oder Viszeralchirurgie. Sicherlich auch überspitzte Meinung. Trotzdem eher unattraktive Arbeitgeber und Weiterbildung im Großen und Ganzen (positive Ausnahmen gibt es sicher, die muss man suchen).


Meint ihr nicht, dass ihr ein wenig übertreibt?

Die Arbeitsbedingungen sind furchtbar, alle anderen Berufe verdienen ihr Geld praktisch im Schlafen und "Alle sind Idioten, weil sie sich nicht wehren......LKW Fahrer haben zwar ihre Pausen, aber trotzdem. Und Plantagenarbeiter oder Arbeiter bei der WM in Quatar haben es noch viel schlechter


Verwaltung? Personaloberarzt? Chef? gutsituiert&priviligiert in der Praxis? Gutsituierter OA? Gutsituierter FA mit gewissen Extras?

mbs
21.09.2020, 01:24
Was attraktiv ist und was nicht ist eine höchst subjektive Bewertung. Oder was genau soll die objektive Definition von "gute Arbeitsbedingungen" sein? Gibt es so eine überhaupt? Insofern brächte auch ein großes n vermutlich wenig, einfach weil die Präferenzen und Vorstellungen sehr heterogen sind und es dadurch unmöglich ist eine genaue Hypothese zu formulieren. Wenn ich mir aber die Arbeitsbedingungen in anderen Branchen ansehe denke ich schon, dass man es trotz der Dienstbelastung als Arzt doch im Schnitt noch relativ gut erwischt hat. Aber es ist auch eine typisch menschliche Denkweise zu glauben "das andere" was man nicht kennt und nicht gemacht hat wäre besser gewesen - nur wäre es das wirklich? Woher will man das wissen? Hätte, wäre...alles Dinge die man retrospektiv nicht mehr überprüfen kann.

milz
21.09.2020, 05:29
Man kann auch das Beste für sich selbst daraus machen. Hatte mich seinerzeit u.a. aufgrund der Klinikarbeitszeiten für ein pat.fernes Fach entschieden. Die Assizeit war vor allem in den ersten Jahren kein Zuckerschlecken, aber kurz nach nach der WB wurde ich OA und verdiene mittlerweile mit Anfang 40 in einer Praxis deutlich übertariflich. Musste mich dafür natürlich etwas ins Zeug legen und Glück war sicher auch dabei. Hätte deutlich schlimmer kommen können, wenn ich mir andere Berufsgruppen anschaue.

Mr. Pink online
21.09.2020, 07:52
- doppelter Post -

Mr. Pink online
21.09.2020, 07:53
Naja also man kann hier ja viel rumdiskutieren darüber wer es in der Welt noch besser oder schlechter hat, aber wir leben nunmal in Deutschland. Und dann vergleiche ich mich eben mit anderen Akademikern in Deutschland und nicht mit dem Minenarbeiter in Afrika. Ich hab 6 Jahre studiert, promoviert und dazu kommen noch 5-6 Jahre Weiterbildung. Ich denke da hat man das Recht sich mit Juristen/Ingenieuren/Vwlern vergleichen zu dürfen. Was die Verantwortung angeht mal ganz abgesehen. Natürlich reißen die sich auch nen Arsch auf am Anfang, über mein Einstiegsgehalt haben meine Kumpels aber immer gelacht. Und jetzt soll ich mich freuen, weil ich dank Tarif 2 Wochenenden im Monat frei haben darf?

Ich würde meinen Beruf trotzdem nicht tauschen wollen, ich finds geil, vor allem wegen der Perspektive der Niederlassung. Aber wie hier manche im Forum bashen gegen diejenigen, die die Arbeitsbedingungen zurecht kritisieren: "heul nicht", "schau dir mal den LKW-Fahrer an", "such dir halt ne bessere Stelle".
Keine Ahnung was passiert ist, damit man so fernab ist von allem was normal ist. Vielleicht zu viel gearbeitet, dann keine anderen Akademikerfreunde mehr, mit denen man sich vergleichen kann?! Anders kann man es sich nicht erklären.

Christoph_A
21.09.2020, 07:58
Sehr schön, VWLer und Juristen(ausgenommen Großkanzleien), die mehr verdienen als Mediziner, da frage ich mich gerade, wer abseits der Norm lebt?
Ingenieure geh ich mit, aber ansonsten kenne ich kaum eine Berufsgruppe, die mehr verdient als wir, war auch, zumindest in meinem Freundeskreis immer so der Tenor. Arbeitsbedingungen, ja, da kann man sicher noch extrem viel verbessern, aber das Gehalt fand ich jetzt nie problematisch.

daCapo
21.09.2020, 08:04
Arbeitsbedingungen, ja, da kann man sicher noch extrem viel verbessern, aber das Gehalt fand ich jetzt nie problematisch.

Yup, da stimme ich dir zu. Auf lange Sicht sind die Arbeitsbed. in der Klinik zermürbend als Arzt in der Weiterbildung.

Mr. Pink online
21.09.2020, 08:28
Das Gehalt ist dank der Zuschläge in Ordnung, allerdings setzt das dann eben auch vorraus, dass du dich im Schichtdienst verheizt. Das tarifliche Grundgehalt liegt vor allem im Einstiegsbereich unter dem was meine Freunde in o. g. Berufsgruppen zu Beginn bekommen haben. Und die haben keinen Schichtdienst gemacht und Wochenende war auch nie ne Diskussion. Zugegebenermaßen waren das aber auch keine Nieten in ihrem Bereich. Der unterdurchschnittliche Jurist singt vermutlich ein anderes Lied. Ist mir aber egal, denn ich Vergleich mich ja nicht mit jedem Akademiker in Deutschland.

Christoph_A
21.09.2020, 08:41
Gerade, wenn Du Dich nicht mit jedem Akademiker in D vergleichst, solltest Du Dich allerdings auch schön vom Gedanken 8h Tages ohne Überstunden verabschieden, auch der nicht unterdurchschnittliche Jurist oder high flying bird VWLer wird wohl eher nicht nach 8h den Griffel fallenlassen und seinen Feierabend genießen.

Mr. Pink online
21.09.2020, 08:54
Irgendwie versuchst du es dir aber auch auf Teufel komm raus schön zu reden oder? :D

Vom 8h Tag ohne Überstunden hat sich doch jeder hier schon verabschiedet. Ich arbeite aktuell genausoviel wie meine high flying Akademikerfreunde in Jura und VWL, allerdings zu nem deutlich schlechteren Einstiegsgehalt. Außerdem arbeiten die seltenst am Wochenende, von Schichtarbeit mal abgesehen. Ohne Frage kloppen die halt unter der Woche bis um 21h. Das hab ich aber auf Station auch oft gemacht und ich bin nicht erst um halb neun ins Büro geschneit.
Der Vergleich muss nicht sein wer arbeitet mehr, sondern wer bekommt für wieviel Arbeit wieviel Geld. Und da dürfen wir Mediziner uns ganz hinten anstellen.