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klump3n
18.07.2020, 20:13
Hmm so eine UCH habe ich noch nicht gesehen, Polytrauma meistens mehrfach abends und nachts.
Möglicherweise eine REgion mit sehr guter Versorgung.

liegt wohl daran, dass es ein haus der grund- und regelversorgung ohne schockraum war (schockraumorganisation eine katastrophe, hat auch nur oberärtze angezogen, die keinen bock drauf hatten, offiziell war der schockraum nur von 8-16 uhr besetzt...). polytraumapatienten wurden ins zweite städtische kh gefahren. und um das auszugleichen hatten eben die internisten durch rettungsdienstzulieferung wesentlich mehr zutun (nachts als einziger internist im haus bis zu 20 aufnahmen + station, aber das kennt man ja sicher).
zur weiterbildung mussten die unfallchirurgen auch ab jahr x das haus wechseln.

hebdo
18.07.2020, 23:58
Wenn mein Paper angenommen ist (und es gibt viele Szenarien, wo ich das noch brauche) und ich noch keine Alternative habe bzw. die in zu weiter Zukunft liegt überlege ich mir das. Aber Leute, die gekündigt haben, werden in der Forschung leider zu oft fallen gelassen wie heiße Kartoffeln (einschließlich Neuverteilung der Autorenschaften). Und für 6 Monate nochmal woanders anzufangen macht meiner Ansicht nach auch keinen Sinn.

Du bist einfach gescheitert und zwar an deinen eigenen Ansprüchen, denen du nicht gerecht geworden bist.

Und Du bist im Hamsterrad und rennst der Karotte hinterher, die man dir mit Forschung und Publikationen vor die nase bindet.
Du stehst in absoluter Abhängigkeit zu deinem PI bzw. Chef und bist nicht frei zu entscheiden
Und du braucht 1,5 Jahre und dich von den kaputten Bürostuhl zu erheben und aus der muffigen Abstellkammer zu kommen.

Wenn du wirklich so ein Überflieger wärst, würdest du sofort deine Situation verbessern, rennst aber von einer Fata morgana zur nächsten. Das wird nichts mehr. Auch in 1,5 Jahren.

GelbeKlamotten
19.07.2020, 05:02
Die Darstellung von GelbeKlamotten ist unzutreffend. Gerade als Radiologin sieht es mit dem Verdienst in der (eigenen) Praxis nicht schlecht aus.

Eine eigene radiologische Praxis (bzw. normalerweise eher eine Teilhaberschaft daran) birgt vor allem sehr große finanzielle Risiken aufgrund der hohen Investitionskosten und laufenden Kosten. Mehr als in fast allen anderen Fachrichtungen und ja, auch mehr als wenn ein Handwerksmeister sich selbstständig macht. Ich habe auch schon radiologische Kollegen von der Praxisgründung direkt in die Insolvenz laufen sehen.

Als gesundheitlich leicht vorbelastete Frau ohne Chance auf eine BU-Versicherung sind diese Risiken noch höher, mal davon abgesehen dass ich vermutlich nicht mal den nötigen hohen Kredit bekommen würde.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Radiologie bekanntlich vor großen Veränderungen durch den Einsatz von KI steht, ebenfalls mehr als in (fast) allen anderen Fachrichtungen. Ob man da in einer privaten Praxis am Ball bleiben kann oder sich mittelfristig komplett ins Abseits manövriert, wenn man nicht in einer großen Klinik mit Zugang zu entsprechender teurer Software + Know How arbeitet, ist fraglich.

Meiner Meinung nach gehört die Radiologie (im Moment) eher zu den ungünstigeren Fachrichtungen für eine Niederlassung.

davo
19.07.2020, 07:16
Es gibt aber, gerade in der Radiologie, ja auch die Möglichkeit einer einträglichen Anstellung. Hab schon ein paar Anzeigen gesehen, in denen explizit €150k genannt wurden - da gibt es also sicher noch Luft nach oben. Das würde man mit ähnlichem Engagement als Betriebswirt oder als Ingenieur nie erreichen können.

Ansonsten ist es in der Radiologie halt wie in jedem anderen Geschäft auch - die, die bereit sind, das (IMHO geringe) unternehmerische Risiko auf sich zu nehmen, verdienen deutlich mehr als die, die davor zurückscheuen.

daCapo
19.07.2020, 08:23
Es gibt aber, gerade in der Radiologie, ja auch die Möglichkeit einer einträglichen Anstellung. Hab schon ein paar Anzeigen gesehen, in denen explizit €150k genannt wurden - da gibt es also sicher noch Luft nach oben. Das würde man mit ähnlichem Engagement als Betriebswirt oder als Ingenieur nie erreichen können.

Ansonsten ist es in der Radiologie halt wie in jedem anderen Geschäft auch - die, die bereit sind, das (IMHO geringe) unternehmerische Risiko auf sich zu nehmen, verdienen deutlich mehr als die, die davor zurückscheuen.

Ganz genau. Wenn man schon nicht bereit ist das Risiko einer Radiologie Praxis zu tragen, kann man als Angestellter dort gut verdienen.




Erschwerend kommt hinzu, dass die Radiologie bekanntlich vor großen Veränderungen durch den Einsatz von KI steht, ebenfalls mehr als in (fast) allen anderen Fachrichtungen. Ob man da in einer privaten Praxis am Ball bleiben kann oder sich mittelfristig komplett ins Abseits manövriert, wenn man nicht in einer großen Klinik mit Zugang zu entsprechender teurer Software + Know How arbeitet, ist fraglich.

Meiner Meinung nach gehört die Radiologie (im Moment) eher zu den ungünstigeren Fachrichtungen für eine Niederlassung.

Ja das ist ein geringes unternehmerisches Risiko. Ich glaube eher, dass KI eine Hilfestellung sein kann, aber nicht eigenständig akzeptable Befunde erstellt ohne Überprüfung durch einen Mensch.


Du bist einfach gescheitert und zwar an deinen eigenen Ansprüchen, denen du nicht gerecht geworden bist.

Und Du bist im Hamsterrad und rennst der Karotte hinterher, die man dir mit Forschung und Publikationen vor die nase bindet.
Du stehst in absoluter Abhängigkeit zu deinem PI bzw. Chef und bist nicht frei zu entscheiden
Und du braucht 1,5 Jahre und dich von den kaputten Bürostuhl zu erheben und aus der muffigen Abstellkammer zu kommen.

Wenn du wirklich so ein Überflieger wärst, würdest du sofort deine Situation verbessern, rennst aber von einer Fata morgana zur nächsten. Das wird nichts mehr. Auch in 1,5 Jahren.

Das ist etwas drastisch formuliert, aber richtig.

[QUOTE=Evil;2148799]Wie süß! Generation Z (...)sondern sind u.a. dafür streiken gegangen.
Ich befürchte ja stark, dass sich die Bedingungen wieder verschlechtern werden.../QUOTE]

Naja nur 1x streiken 2006, da war es allerdings auch nötig. Inzwischen hat sich vieles verbessert.
Jetzt wäre sowas wie Personaluntergrenzen auch für Ärzte notwendig oder bessere Qualitätsvorgaben bei OP/Eingriffen.
Vielleicht erkennen mehr Menschen, dass das Gesundheitssystem ein Solidarsystem ist und es findet eine Umstellung statt auf ein System wie in den skandinavischen Länder, NL oder Dänemark. Selbst

milz
19.07.2020, 11:25
Ich kann nur für die Pathologie werben, sofern man Histo/Mikroskopieren mag.
Üblicherweise vernünftige Arbeitszeiten ohne Nacht- und Wochenenddienste, keine anstrengenden Patienten und je nach Geschmack sowohl ruhmreiche Uni-Karriere als auch lukrative Praxistätigkeit möglich. ;-)

GelbeKlamotten
19.07.2020, 12:59
Es gibt aber, gerade in der Radiologie, ja auch die Möglichkeit einer einträglichen Anstellung. Hab schon ein paar Anzeigen gesehen, in denen explizit €150k genannt wurden - da gibt es also sicher noch Luft nach oben. Das würde man mit ähnlichem Engagement als Betriebswirt oder als Ingenieur nie erreichen können.
150k ist in Deutschland schon wirklich weit am oberen Ende der Fahnenstande. Üblich sind eher 100-120k. 150k mag es mal geben in einer sehr lukativen Praxis, aber noch höher wird man nur schwer kommen.
Das ist kein schlechter Verdienst, das behauptet auch keiner. Aber es ist auch kein überragender Verdienst. Auch ein OA mit Hintergrunddiensten kann in jeder Fachrichtung gut auf dieses Gehalt kommen.



Ansonsten ist es in der Radiologie halt wie in jedem anderen Geschäft auch - die, die bereit sind, das (IMHO geringe) unternehmerische Risiko auf sich zu nehmen, verdienen deutlich mehr als die, die davor zurückscheuen.

Klar, einen hohen 6-stelligen, u.U. 7-stelligen Betrag in eine Praxis einer Fachrichtung zu investieren, bei der momentan völlig unklar ist, in welche Richtung sie sich in den nächsten 20 Jahren entwickelt, ist natürlich nur ein geringes Risiko. Mal ganz abgesehen davon, dass die Einnahmen wie üblich willkürlich über irgendwelche Punktwerte enorm schwanken können. Das unternehmerische Risiko ist in der Radiologie wesentlich höher als in fast allen anderen Fachrichtungen. Aber du würdest wahrscheinlich ganz easy mal ne halbe Mio. investieren, kann ja nichts passieren...




Ganz genau. Wenn man schon nicht bereit ist das Risiko einer Radiologie Praxis zu tragen, kann man als Angestellter dort gut verdienen.
Etwa so gut wie in anderen Fachrichtungen auch.



Ja das ist ein geringes unternehmerisches Risiko. Ich glaube eher, dass KI eine Hilfestellung sein kann, aber nicht eigenständig akzeptable Befunde erstellt ohne Überprüfung durch einen Mensch.
Nein, das ist ein sehr erhebliches unternehmerisches Risiko. Und was du glaubst, was KI sein kann und was nicht, ändert an diesem Risiko rein gar nichts.
Selbst wenn KI mittelfristig nur eine enorme Beschleunigung und Verbesserung der Befunde (mit mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch eine Verkürzung der MRT-Liegezeiten) verursacht, bietet das genug Möglichkeiten, Radiologiepraxisinhabern das Genick zu brechen. Wer sagt, dass die vermutlich extrem teure KI überhaupt für eine 0815 Praxis zugänglich sein wird? Wenn die Uniklinik KI einsetzt und damit um Klassen präzisere und bessere Befunde liefert als der niedergelassene Radiologe, wo lässt du dich dann untersuchen? Und wer sagt, dass in 20 Jahren überhaupt noch ein Radiologe dezentral am Rechner sitzt und befundet? Möglicherweise werden die Bilder dann direkt an die "Big Player" (Siemens und co) übertragen und DORT sitzen einige angestellte Radiologen, die die KI-Befunde vor der Freigabe sichten.
Alles denkbar. Was passieren wird weißt du genauso wenig wie ich. Frag 3 radiologische Chefärzte, du wirst mindestens 5 unterschiedliche Meinungen über die Zukunft der Radiologie erhalten. Das ist quasi die Definition von Risiko.

davo
19.07.2020, 13:15
Und während du über die Risiken dessen, was in 20 Jahren eventuell möglicherweise passieren könnte, grübelst, haben die Praxisinhaber ihre Investitionen schon längst wieder drin. QED.

Evidence based
19.07.2020, 15:39
Wenn mein Paper angenommen ist (und es gibt viele Szenarien, wo ich das noch brauche) und ich noch keine Alternative habe bzw. die in zu weiter Zukunft liegt überlege ich mir das. Aber Leute, die gekündigt haben, werden in der Forschung leider zu oft fallen gelassen wie heiße Kartoffeln (einschließlich Neuverteilung der Autorenschaften). Und für 6 Monate nochmal woanders anzufangen macht meiner Ansicht nach auch keinen Sinn.

Ein Paper? Wofür soll das reichen oder wobei helfen? Wenn man sich in der Forschung einen Namen machen will, dann müssen es mindestens 2 pro Jahr sein und zwar relativ konstant. Außer man publiziert im Lancet, NEJM, BMJ oder Nature, Science etc., das muss dann aber auch eine bahnbrechende Erkenntnis sein... für eine Erstautorenschaft in plos one würde ich das nicht durchziehen.

daCapo
19.07.2020, 16:27
Und während du über die Risiken dessen, was in 20 Jahren eventuell möglicherweise passieren könnte, grübelst, haben die Praxisinhaber ihre Investitionen schon längst wieder drin. QED.

Genau.
Möglicherweise übernehmen Handwerksbetriebe aus Polen alle Aufträge in DE zu günstigen Preisen. Ob es sich da noch lohnt einen zu gründen und Maschinen anzuschaffen heutzutage? :-)


150k ist in Deutschland schon wirklich weit am oberen Ende der Fahnenstande. Üblich sind eher 100-120k. 150k mag es mal geben in einer sehr lukativen Praxis, aber noch höher wird man nur schwer kommen.
Das ist kein schlechter Verdienst, das behauptet auch keiner. Aber es ist auch kein überragender Verdienst. Auch ein OA mit Hintergrunddiensten kann in jeder Fachrichtung gut auf dieses Gehalt kommen.


Der muss aber im KH arbeiten inkl. Nachtdienste/Wochenende usw.

JumpRopeQueen
19.07.2020, 17:29
Ich kann nur für die Pathologie werben, sofern man Histo/Mikroskopieren mag.
Üblicherweise vernünftige Arbeitszeiten ohne Nacht- und Wochenenddienste, keine anstrengenden Patienten und je nach Geschmack sowohl ruhmreiche Uni-Karriere als auch lukrative Praxistätigkeit möglich. ;-)

Lieber milz, ich hatte deine alten Beiträge im Pathologentreff gelesen. Du hattest berichtet, dass du viele Überstunden gemacht hast. Ist es denn üblich für Patho? Dann es ist ja dann kein Wunder, dass niemand das machen will. Ich persönlich wäre sehr daran interessiert mich vorwiegend mit Histo zu beschäftigen, aber ich will und werde keine Überstunden machen, das ist Prinzipsache. Von unseren Labormedizinern und MiBis weiß ich, dass sie an der Uni fast immer überpünktlich Schluss machen.

Könntest du evtl. mehr darüber berichten, wie der Alltag eines Pathologen heutzutage aussieht? Gern auch im Pathologentreff :-)

Markian
19.07.2020, 17:59
Was willst du machen, wenn du im Schnellschnitt eingeteilt bist und die Pankreas OP halt 2h länger geht? Dann kannst du nicht einfach gehen. Ich denke es gibt kein Fach, in dem nie Überstunden anfallen.

milz
19.07.2020, 18:02
Lieber milz, ich hatte deine alten Beiträge im Pathologentreff gelesen. Du hattest berichtet, dass du viele Überstunden gemacht hast. Ist es denn üblich für Patho? Dann es ist ja dann kein Wunder, dass niemand das machen will. Ich persönlich wäre sehr daran interessiert mich vorwiegend mit Histo zu beschäftigen, aber ich will und werde keine Überstunden machen, das ist Prinzipsache. Von unseren Labormedizinern und MiBis weiß ich, dass sie an der Uni fast immer überpünktlich Schluss machen.

Könntest du evtl. mehr darüber berichten, wie der Alltag eines Pathologen heutzutage aussieht? Gern auch im Pathologentreff :-)
Hallo JumpRopeQueen, nachdem sich damals mein erstes (sehr zeitraubendes) Forschungsprojekt dem Ende zuneigte hatte ich mit meinem Chef gesprochen, dass ich von der Forschung Abstand nehmen und mich auf die Weiterbildung konzentrieren will. So war es dann auch, d.h. ab dem ca. 3. WB-Jahr machte ich i.d.R. pünktlich Feierabend und an der Uni eben nur meinen FA. Für einen PD/Prof-Titel - sofern man das anstrebt - wird man wahrsch. in den meisten Fächern bluten müssen.

PS: Sofern es eine funktionierende Arbeitszeiterfassung gibt finde ich Überstunden in Maßen tolerabel.

GelbeKlamotten
19.07.2020, 21:36
Und während du über die Risiken dessen, was in 20 Jahren eventuell möglicherweise passieren könnte, grübelst, haben die Praxisinhaber ihre Investitionen schon längst wieder drin. QED.


Genau.
Möglicherweise übernehmen Handwerksbetriebe aus Polen alle Aufträge in DE zu günstigen Preisen. Ob es sich da noch lohnt einen zu gründen und Maschinen anzuschaffen heutzutage? :-).

Wow, mal wieder 1A Scheinargumente. Zunehmende billige Konkurrenz aus dem Ausland gibt es in allen Wirtschaftszweigen schon seit vielen Jahren, insbesondere auch in der Medizin. Das damit zu vergleichen, dass ein Fachgebiet offensichtlich vor einem sehr grundlegenden technischen Wandel steht, ist ziemlich naiv.
Vergleichbar riskant wäre es etwa, jetzt einen großen Kredit aufzunehmen, um in ein neues Unternehmen zu investieren, das Dieselautos für den deutschen Markt produzieren möchte und plant, damit in 10-20 Jahren profitabel zu sein. Kann man machen, kann auch funktionieren, aber ist eben hoch riskant.

anignu
19.07.2020, 22:58
Wenn die Uniklinik KI einsetzt und damit um Klassen präzisere und bessere Befunde liefert als der niedergelassene Radiologe, wo lässt du dich dann untersuchen?
Dass das auf den Großteil der Patienten zutrifft ist sowas von Meilen von realitätsfern, dass ich nicht mal weiß ob die Zehnerpotenz der Meilen noch im einstelligen Bereich liegt.
Glaubst du ernsthaft, dass der Großteil der Patienten dahin geht wo es das bessere Ergebnis gibt? Radiologie ist da ja nur das Eine. Ok, nehmen wir Radiologie. Glaubst du ernsthaft ein Patient beschäftigt sich damit wieviele Zeilen ein CT hat oder wieviele Tesla ein MRT um nur mal irgendwelche radiologische Parameter zu nennen? Weißt du das denn selbst von deinen Radiologen im Haus? Oder welche Software sie verwenden? Und welche Software besser ist?
Zu anderen Fachrichtungen schreib ich lieber nichts. Könnte für die Allgemeinheit verstörend sein...

Heerestorte
19.07.2020, 23:04
Zu anderen Fachrichtungen schreib ich lieber nichts. Könnte für die Allgemeinheit verstörend sein...

Tu es :-)) :-))

daCapo
19.07.2020, 23:33
Im Jahr 2020 faxe ich Arztbriefe an Praxis XY (statt dass sie die Arztpraxis online oder per Versichertenkarte lesen kann) mit einem Gerät von 1995, versende DVDs (statt Teleradiologie), stelle bunte Rezepte oder BTM Rezepte (2 facher Durchschlag) mit einem Nadeldrucker aus dem Jahr 1992 aus....in der Medizin in DE geht Innovation (wie KI, die vllt zunächst ein bisschen beim Befunden hilft) immer GANZ schnell.
Die Patienten gehen zu dem Radiologen zu dem die Überweisung ausgestellt wird....und die Patienten befassen sich nicht damit wieviele Zeilen das CT hat, ob KM gegeben wird, 1mm oder 3mm Schichten, die T2* / SWI Sequenz oder Spektroskopie gemacht wird oder KI eingesetzt wird als Hilfestellung.

Schubbe
20.07.2020, 00:07
Ich verstehe diesen ganzen KI-Wahn ehrlich gesagt auch nicht. Kein Mensch kann mehr die Bestrahlungspläne per Hand berechnen. Die Zielparameter werden vom Arzt definiert und konturiert, vom Physiker eingegeben und dann per Computer berechnet. Dann wird nochmal auf grobe Fehler gegengeprüft (Kollimatorlamelle im Bild o.Ä.), aber der Rest ist quasi blindes Vertrauen in die Technik und Phantommessungen. Interessant daran ist, dass die Physiker noch nicht arbeitslos geworden sind, im Gegenteil, ich hab am Tag mehrere Stellenausschreibungen in meinem E-Mailfach.

Die Technologie wird, sofern sie Marktreife erreicht, den Arbeitsalltag beeinflussen (z.B. Autokontourierung anstatt jede bescheuerte Darmschlinge einzeln einzeichnen zu müssen), aber nicht den Arzt ersetzen. Vielleicht sagt mir die Software sogar, dass sie den "Verdacht auf Spitzenpneumothorax rechts (98.7%)" hat, aber den Befund erstellen und freigeben wird immer ein Arzt. Solche Software wird eher dabei helfen Dinge nicht zu übersehen (Rundherd re. übersehen, bei Fragestellung pneu links). Und das ist ja gerade mal die 2D Bildgebung.

JumpRopeQueen
20.07.2020, 03:58
PS: Sofern es eine funktionierende Arbeitszeiterfassung gibt finde ich Überstunden in Maßen tolerabel.

Mit Überstunden meine ich die, die dann nirgendwo auftauchen. Wenn es ein paar pro Woche gibt, die auch fleißig dokumentiert und bezahlt oder ausgeglichen werden, dann ist es ja was anderes.
Wie war es bei dir damals? Und wie sieht es später als FA aus? Wie ist man finanziell drauf? Gibt es theoretisch eine Möglichkeit, dass man sich nur mit Histo und co. beschäftigt und nicht mehr obduzieren muss? Ich war noch nie bei einer Obduktion dabei und stelle mir das etwas gruselig vor, obwohl ich Histo super spannend finde.

Unsere Pathologen haben uns damals im Kurs damit geworben, dass Patho ein ruhiges, familienfreundliches Fach mit geregelten Arbeitszeiten ist. Kommt wahrscheinlich, wie überall, drauf an, wo man später landet.

GelbeKlamotten
20.07.2020, 06:12
Im Jahr 2020 faxe ich Arztbriefe an Praxis XY (statt dass sie die Arztpraxis online oder per Versichertenkarte lesen kann) mit einem Gerät von 1995, versende DVDs (statt Teleradiologie), stelle bunte Rezepte oder BTM Rezepte (2 facher Durchschlag) mit einem Nadeldrucker aus dem Jahr 1992 aus....in der Medizin in DE geht Innovation (wie KI, die vllt zunächst ein bisschen beim Befunden hilft) immer GANZ schnell.
Die Patienten gehen zu dem Radiologen zu dem die Überweisung ausgestellt wird....und die Patienten befassen sich nicht damit wieviele Zeilen das CT hat, ob KM gegeben wird, 1mm oder 3mm Schichten, die T2* / SWI Sequenz oder Spektroskopie gemacht wird oder KI eingesetzt wird als Hilfestellung.

Ja, ist eben wie bei den Elektroautos. Das setzt sich nie im leben so schnell durch durch. Also sollten wir uns munter weiter auf die Produktion von Verbrennern konzentrieren. Oder?


Ich verstehe diesen ganzen KI-Wahn ehrlich gesagt auch nicht. Kein Mensch kann mehr die Bestrahlungspläne per Hand berechnen. Die Zielparameter werden vom Arzt definiert und konturiert, vom Physiker eingegeben und dann per Computer berechnet. Dann wird nochmal auf grobe Fehler gegengeprüft (Kollimatorlamelle im Bild o.Ä.), aber der Rest ist quasi blindes Vertrauen in die Technik und Phantommessungen. Interessant daran ist, dass die Physiker noch nicht arbeitslos geworden sind, im Gegenteil, ich hab am Tag mehrere Stellenausschreibungen in meinem E-Mailfach.

Die Technologie wird, sofern sie Marktreife erreicht, den Arbeitsalltag beeinflussen (z.B. Autokontourierung anstatt jede bescheuerte Darmschlinge einzeln einzeichnen zu müssen), aber nicht den Arzt ersetzen. Vielleicht sagt mir die Software sogar, dass sie den "Verdacht auf Spitzenpneumothorax rechts (98.7%)" hat, aber den Befund erstellen und freigeben wird immer ein Arzt. Solche Software wird eher dabei helfen Dinge nicht zu übersehen (Rundherd re. übersehen, bei Fragestellung pneu links). Und das ist ja gerade mal die 2D Bildgebung.

Der Radiologe wird sich nicht selbst abschaffen. Aber wie viel wird der Kliniker noch auf den Befund vom Radiologen geben, wenn ihm direkt nachdem das Röntgenbild gemacht wurde eine Software mit 98% Genauigkeit einen Pneu diagnostiziert, während der Radiologe dafür immer 2 Stunden gebraucht hat mit einer Genauigkeit von 90%?

Und wohin wird der Neurologe seinen MS Patienten zur MRT schicken, wenn die Radiologie in Uniklinik x Anbindung an den KI-Service von Big Player y hat, wo die Bilder as-a-service von einer KI ausgewertet werden und der hochspezialisierte Radiologe bei y den ganzen Tag nur MRTs mit genau dieser Fragestellung von dieser KI vidiert, sodass innerhalb von 6 Stunden ein ausgezeichneter Befund abrufbar ist?

Zum niedergelassenen Radiologen, der für einen mittelmäßigen Befund 2 Tage braucht und jeden 4. neuen Herd übersieht statt jeden 200.?

Es handelt sich hier durchaus um eine disruptive Technologie.

Das erste massentaugliche Smartphone wurde 2007 von Apple vorgestellt. Wie hoch war 10 Jahre später noch der Marktanteil vom ehemaligen Marktführer Nokia?