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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Medizinstudium: Fehler meines Lebens



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Bonnerin
20.09.2020, 16:42
@medicinentia
Bezüglich PJ: Ja, und? Ich gehe doch lieber schon durch das Studium desillusioniert an die 60 Monate Assistenzarztzeit ran als zu denken wie toll jetzt alles wird und dann nach einer Woche schon anzufangen, ne Psychotherapie zu suchen.

Das Einzige, das wir wirklich machen können, ist eben Nein sagen. Aber das tun nur die wenigsten, weil die beinahe-Gehirnwäsche zum Thema „ach, die Leute sterben doch ohne mich“/„ich bin ja so ein essentieller Mitarbeiter“/„ich mag Menschen helfen“ dann eben doch viele davon anhält, den ArztBERUF eben als genau das anzusehen. Die reden sich die miesen Bedingungen dann mit „Berufung, kein Beruf“ oder ähnlichem schön. Darum halt die 60 Monate irgendwie überstehen und dann raus aus dem Gesundheitssystem, so schnell es geht.

Der MB ist sicher im direkten Vergleich besser als verdi vor 15 Jahren, aber keineswegs gut, dafür sind da die Funktionäre politisch zu verzahnt und auch zu sehr aus dem Arbeitsalltag raus.

Mr. Pink online
20.09.2020, 16:52
Kann ich zustimmen. Leider ist man aber gerade in der vulnerablen Phase seiner Ausbildung (also PJ/Assistenzartz) in einem deutlichen Abhängigkeitsverhältnis zu seinem Ausbilder. Will man rechtzeitig seinen FA haben, oder sogar Karriere machen, hat es sich einfach nirgends bewährt auf die Barrikaden zu gehen. Das schlauste ist es, sich so bald als möglich in die Niederlassung zu verkrümeln und aus dem malignen System Klinik zu verschwinden. Denn an dem System wird sich so oder so nichts ändern, da viele der Verhältnisse entweder politisch gewollt, oder zumindest geduldet sind. Ich meine, jeder kennt doch die Arbeitsverhältnisse und weiß, wie schlimm die Ärzte geknechtet werden. Darüber gibt es unzählige Berichte in den Medien. Ein Riegel vorgeschoben wird dem trotzdem nicht, obwohl es so einfach wäre. Zu Prüfungen wegen Verletzungen des Arbeitszeitgesetzes kommt es selten, zu Verurteilungen noch viel seltener. Jeder weiß doch, dass ein funktionierendes Gesundheitssystem ohne diese systematische Ausbeutung weder personaltechnisch noch finanziell zu stemmen wäre.

Feuerblick
20.09.2020, 16:57
Komisch... in anderen Berufen klappt das mit dem „auf die Barrikaden gehen“ super. Aber Mediziner wollen sich ja ausbeuten lassen, damit sie zeigen können, wie aufopferungsvoll sie ihrer Berufung folgen und Leben retten. :-meinung

daCapo
20.09.2020, 17:36
Jeder ist seines Glückes Schmied, die Ärzte in Deutschland schmieden sich aktuell ihr Eigenes.
Zu beobachten ist aktuell schon ein besorgniserregendes Stellen-Hopping (zB alle 6 Monate neue Stelle oder etwas mehr), gute Stellen werden extrem selten.


Das stimmt und haben die Kliniken auch so verdient.


Kann ich zustimmen. Leider ist man aber gerade in der vulnerablen Phase seiner Ausbildung (also PJ/Assistenzartz) in einem deutlichen Abhängigkeitsverhältnis zu seinem Ausbilder. Will man rechtzeitig seinen FA haben, oder sogar Karriere machen, hat es sich einfach nirgends bewährt auf die Barrikaden zu gehen. Das schlauste ist es, sich so bald als möglich in die Niederlassung zu verkrümeln und aus dem malignen System Klinik zu verschwinden. Denn an dem System wird sich so oder so nichts ändern, da viele der Verhältnisse entweder politisch gewollt, oder zumindest geduldet sind. .

Das stimmt, niemand hat Lust diese furchtbare Zeit in der Weiterbildung in alle Ewigkeit zu verlängern. Daher sagt niemand was.


Komisch... in anderen Berufen klappt das mit dem „auf die Barrikaden gehen“ super. Aber Mediziner wollen sich ja ausbeuten lassen, damit sie zeigen können, wie aufopferungsvoll sie ihrer Berufung folgen und Leben retten. :-meinung

Hmmm, und dann machst du noch weitere 2 Jahre deine "Ausbildung" , rotierst nicht usw.

Auf die Barrikaden gehen in DE??? Das Land der pflichtbewussten preußischen Beamten und Soldaten???
Es gab mal die Lokführer von GDL in den letzten Jahren, da war vor allem das dumme Fußvolk betroffen, das nicht im dicken Benz durch die Gegend fährt. Das wars auch schon.

Bonnerin
20.09.2020, 17:38
Hatte das vergangene Woche auch wieder. Da hat ein Assistenzarzt-Kollege aus dem operativen Bereich (nein, kein Chirurgen-bashing) den ich ohnehin schon als nicht so sonderlich „frauenfreundlich“ empfinde sich laut über meine Pflegekräfte ausgelassen. Gab nämlich krasse Verzögerungen an dem Tag auf operativer Seite und der Saal muss halt rechtzeitig fertig werden, da wir keinen Spätdienst in dem Bereich haben (also nie, nicht nur an dem Tag.)

Er steht dann also da am Tisch und hält Haken und fängt an, sich lauthals darüber zu beklagen, warum meine Pflege denn dann (= zum offiziellen Dienstende) schon weg wäre. Ich habe dann höflich darauf hingewiesen, dass er a) weiß, dass es keinen Spätdienst gibt und b) da nun mal Dienstende ist und die Leute auch ein Recht darauf haben, dass die Arbeitszeit eingehalten wird.

Daraufhin wurde er ziemlich motzig so nach dem Motto „Ah, ja, und Sie finden dass auch noch in Ordnung, wie fahrlässig da mit Menschenleben umgegangen wird?“ „Übermüdet zur Arbeit und immer unbezahlte Überstunden sind IMHO fahrlässiger.“ Und dann kam allen Ernstes: „Ja, aber wenn eben ALLE jeden Tag nur 2 Stunden länger bleiben würden müsste sich ja niemand zu sehr überarbeiten.“

Habe ihm dann mitgeteilt, dass es schön ist, wie er der Verwaltung und der Politik der Stellen-Nichtbesetzung in die Hände spielt, dann war er im Sinne von „agree to disagree“ ruhig. Aber wie will man bitte mit solchen Kollegen dafür sorgen, dass es vernünftige Bedingungen gibt? Und das war ja jetzt noch nichtmal jemand in einer höheren Karriereposition.

Feuerblick
20.09.2020, 17:39
@daCapo: Nein, machst du eben NICHT. Es geht. Aber wenn alle die Mär glauben, dass irgendwer dann böse zu ihnen ist, dann wird sich nichts ändern. Sehr im Sinne derjenigen, die gerne unterwürfige, brave Assistenten haben möchten. Die Zeiten der Frage „Wie hoch?“ auf ein chefärztliches „Spring!“ sind lange, lange vorbei. Komisch, dass die aktuelle Generation wieder genau in diese seltsamen Verhaltensweisen zurückfällt. Aber klar, ist bequemer, wenn man Konflikten aus dem Weg geht. Dann aber bitte nicht jammern.

@Bonnerin: Genau diese Deppen vermehren sich, habe ich den Eindruck. Aber es gibt auch zu wenige wie dich, die solchen Schwachmaten Kontra geben. ;-)

daCapo
20.09.2020, 17:50
@daCapo: Nein, machst du eben NICHT. Es geht. Aber wenn alle die Mär glauben, dass irgendwer dann böse zu ihnen ist, dann wird sich nichts ändern. Sehr im Sinne derjenigen, die gerne unterwürfige, brave Assistenten haben möchten. Die Zeiten der Frage „Wie hoch?“ auf ein chefärztliches „Spring!“ sind lange, lange vorbei. Komisch, dass die aktuelle Generation wieder genau in diese seltsamen Verhaltensweisen zurückfällt. Aber klar, ist bequemer, wenn man Konflikten aus dem Weg geht. Dann aber bitte nicht jammern.



Mein Chef war gerade erst mega sauer, weil das Arbeitszeitgesetz eingehalten werden muss und es Gesetze zu Diensten gibt an die man sich halten muss. Droht mit Abbruch WB usw.

medicinentia
20.09.2020, 18:00
Ich glaube es liegt zudem auch an dem Studium an sich, im Prinzip total verschult und alles wird mit Anwesenheitspflichten und Unterschriftenlisten abgearbeitet. Hier wird schon in der vulnerablen Ausbildungsphase Individuelle Persönlichkeitsbildung untergraben und der "Student" an das System gewöhnt.

Aus dem persönlichen Umfeld kenne ich jetzt Assistenzärzte die der Medizin gänzlich den Rücken kehren, verübeln kann man Ihnen auch das nicht. Eine Bekannte (Internistin) arbeitet jetzt bei Lidl.
Mir ist es schleierhaft wie der Regierung diese Entwicklung anscheinend völlig egal ist ? Sind die Ärzte offenbar so wenig wert ??

Dennoch muss ich am Marburger Bund hier an dieser Stelle DEUTLICHE Kritik üben !!! Im Prinzip stellt sich mir die Daseinsberechtigung, WELCHE Interessen werden hier überhaupt vertreten ? Längst überfällige Arbeitszeitschutzgesetze die in anderen Branchen zur selbstverständlichkeit gehören und 2 % Lohnerhöhung als ERFOLG zu verkaufen treibt die Sache ad absurdum. Völliges Unverständnis meinerseits an dieser Stelle.

Hinzu kommt dass die eigene Praxisgründung heutzutage auch kein schnelles Allheilmittel mehr darstellt. Die Rechnung muss auch hinsichtlich Opportunitätskosten gestellt werden und Entwicklung in anderen Branchen in diesem Zeitraum, plus Inflation und Steigung der Lebenshaltungskosten.
Ausbildung : 6 Jahre Studium + 5 Jahre FA Ausbildung + 5-10 Jahre Kassensitz und Praxisabzahlung = 16-21 Jahre wirtschaften für ein durchschnittliches Gehalt während dieser Zeit (nicht danach) - SEHR zeitaufwendig ,was in anderen Branchen in diesem immensen Zeitaufwand möglich wäre aufzubauen und das selbst ohne ein Overachiever zu sein stellt man sich lieber nicht vor als Arzt.
Hinzu kommen die großen Praxenverbände die es einzelnen Praxen nun zusätzlich schwer machen und so wiederum die Bildung weiterer MVZ fördert.

Im Prinzip erscheint auch jegliches bemühen des Bvmd für junge Kollegen zumindest ein einheitliches PJ Entgeld, dass ÜBER dem gesetzlichen Mindestlohn liegt zu scheitern - welch ein fatales Signal sendet das bitte aus ??? Das erkämpfte "Faire PJ" Zertifikat (Kliniken erwerben es freiwillig...) hat sich auf eine Mindestvergütung von 350 (!) Euro geeinigt. Hat hier jemand an dieser Stelle vielleicht Hintergrundmehrwissen ?

Mir macht/machte diese Entwicklung erhebliche Sorgen, jegliche Erklärungsansätze oder konstruktive Vorschläge sind natürlich willkommen.

Feuerblick
20.09.2020, 18:10
Mein Chef war gerade erst mega sauer als er die Dienstanweisung Rufbereitschaft entsprechend der aktuellen Gesetzgebung (geändert ca. 2009 (!!)) verändern musste. Außerdem möchte er nicht, dass man darüber diskutiert, welche Form der Bereitschaft zur Arbeit passt. Es war lediglich eine interne Diskussion (!). Die Privatassistentin hat eine vertrauliche Email einfach weitergeleitet. Wir wollten es eigentlich geschlossen ansprechen. Insgesamt sehr unprofessionell von ihr und theoretisch auch justitiabel. Bestätigt aber nur das , was MrPink und medicinentia sagen.
An Anfang des Jahres getroffene mündliche Vereinbarungen möchte er sich jetzt nicht mehr halten. Trotzdem wäre ein Wechsel für mich nicht sinnvoll, ich bin bald fertig, was Zahlen angeht (Zeiten fertig) und müsste an einem neuen Job erstmal 6 Monate bleiben, um eine Zulassung zur Prüfung zu bekommen. Macht keinen Sinn.
Unser damaliger Chef (das zu einer Zeit, in der widersprechende Assistenzärzte sehr unbeliebt waren) war auch stinksauer, als wir unsere Überstunden nicht so gefällig aufschreiben wollten, dass das AZG nicht übertreten wird. Und schon gar nicht ausstempeln und weiterarbeiten. Eine nette kleine Strafe der Behörde hat ihn gefügig gemacht.
Gleiches galt für Rotationen etc. Inzwischen gibt es ein festes System an diesem Haus.
Wenn sich alle Assistenten einig sind, dann kann man viel erreichen. Und so eine Privatassistentin würde ich persönlich mir ja mal in der Assistentenrunde vorknöpfen. Haben wir auch gemacht mit Kollegoiden. Die waren dann wenigstens still. Okay und bekamen die Interna auch nicht mehr erzählt :-))
Und Vereinbarungen trifft man immer (!) schriftlich. Selbst weniger verhaltensoriginelle Chefs vergessen sowas gern, wenn es ihnen gerade nicht in den Kram passt.
Beides ist übrigens in jedem Job und in jedem Berufsfeld gleich. Und auch nicht neu sondern war schon zu Zeiten meiner Eltern in ganz und gar nicht akademischen Berufen so.

daCapo
20.09.2020, 18:17
Aus dem persönlichen Umfeld kenne ich jetzt Assistenzärzte die der Medizin gänzlich den Rücken kehren, verübeln kann man Ihnen auch das nicht. Eine Bekannte (Internistin) arbeitet jetzt bei Lidl.
Mir ist es schleierhaft wie der Regierung diese Entwicklung anscheinend völlig egal ist ? Sind die Ärzte offenbar so wenig wert ??


Naja bei LIDL hat schon wenig mit Medizin zu tun. Ich hätte jetzt an Gesundheitsamt, Arbeitsmedizin oder Mibi/Labor gedacht.



Dennoch muss ich am Marburger Bund hier an dieser Stelle DEUTLICHE Kritik üben !!! Im Prinzip stellt sich mir die Daseinsberechtigung, WELCHE Interessen werden hier überhaupt vertreten ? Längst überfällige Arbeitszeitschutzgesetze die in anderen Branchen zur selbstverständlichkeit gehören und 2 % Lohnerhöhung als ERFOLG zu verkaufen treibt die Sache ad absurdum. Völliges Unverständnis meinerseits an dieser Stelle.


Es ist besser als VERDI, sonst ist es schon mager. Bestimmt kommt gleich TARUMO um die Ecke :-)




Im Prinzip erscheint auch jegliches bemühen des Bvmd für junge Kollegen zumindest ein einheitliches PJ Entgeld, dass ÜBER dem gesetzlichen Mindestlohn liegt zu scheitern - welch ein fatales Signal sendet das bitte aus ??? Das erkämpfte "Faire PJ" Zertifikat (Kliniken erwerben es freiwillig...) hat sich auf eine Mindestvergütung von 350 (!) Euro geeinigt. Hat hier jemand an dieser Stelle vielleicht Hintergrundmehrwissen ?


Leider Nein. Finde es sehr wenig, ganz entsprechend der Wertschätzung. Das PJ sollte man zu großen Teilen im Ausland machen, sofern möglich. Daher gibt es ja auch entsprechende Möglichkeiten. Wahlfach an der Klinik, wo man anfangen will.

Mano
20.09.2020, 18:29
Meint ihr nicht, dass ihr ein wenig übertreibt?

Diese Diskussion ist mir viel zu sehr schwarz-weiß: Die Arbeitsbedingungen sind furchtbar, alle anderen Berufe verdienen ihr Geld praktisch im Schlafen und "Alle sind Idioten, weil sie sich nicht wehren - außer mir natürlich".
Ja, die Arbeitsbedingungen könnten besser sein. Ja, ich würde mir mehr Geld wünschen. Ja, es gibt Arbeitgeber die gesetzliche Regelungen kreativ auslegen. Ja, es gibt egoistische Kollegen.

Aber in vielen Berufen verdient man deutlich weniger und hat schlechtere Arbeitsbedingungen bei ebenfalls hoher Verantwortung (LKW-Fahrer sind teil tagelang in ihren 1.5qm unterwegs und tragen Verantwortung für nen rollenden 40 Tonner). Aber es hat sich in den letzten Jahren viel verbessert (36h-Dienste). Aber ich mag die meisten meiner Kollegen trotzdem.

Jeder hier wusste vor dem Studium, worauf er sich einlässt. Und haben hier alle nur Freunde, die als Fluglotsen oder Anwalt in einer Top-Kanzlei arbeiten? Und kennen niemand der sein Geld als Maurer, Altenpflegekraft, Pädagoge verdient?

Natürlich sollte man trotzdem an Verbesserungen arbeiten, aber dieses Rumgeheule hier irritiert mich. Kommt in der Realität an...

daCapo
20.09.2020, 18:30
Unser damaliger Chef (das zu einer Zeit, in der widersprechende Assistenzärzte sehr unbeliebt waren) war auch stinksauer, als wir unsere Überstunden nicht so gefällig aufschreiben wollten, dass das AZG nicht übertreten wird. Und schon gar nicht ausstempeln und weiterarbeiten. Eine nette kleine Strafe der Behörde hat ihn gefügig gemacht.
Gleiches galt für Rotationen etc. Inzwischen gibt es ein festes System an diesem Haus.
Wenn sich alle Assistenten einig sind, dann kann man viel erreichen. Und so eine Privatassistentin würde ich persönlich mir ja mal in der Assistentenrunde vorknöpfen. Haben wir auch gemacht mit Kollegoiden. Die waren dann wenigstens still. Okay und bekamen die Interna auch nicht mehr erzählt :-))
Und Vereinbarungen trifft man immer (!) schriftlich. Selbst weniger verhaltensoriginelle Chefs vergessen sowas gern, wenn es ihnen gerade nicht in den Kram passt.
Beides ist übrigens in jedem Job und in jedem Berufsfeld gleich. Und auch nicht neu sondern war schon zu Zeiten meiner Eltern in ganz und gar nicht akademischen Berufen so.

Der Betriebsrat wusste bisher auch garnix von unserer Rufbereitschaft und dachte wir arbeiten 08-17 Uhr. Dabei ist seit 2012 zwingend notwendig, dass er zustimmt. Angeblich möchte der Betriebsrat jetzt selbst Initiative ergreifen, mal sehen.


Klar kann man das bei der Aufsichtsbehörde melden, insb. wenn man nach Einsatz in der Nacht weiterarbeitet, theoretisch gäbe es da Verstöße. .................................................. ............



Und Vereinbarungen trifft man immer (!) schriftlich. Selbst weniger verhaltensoriginelle Chefs vergessen sowas gern, wenn es ihnen gerade nicht in den Kram passt.
Beides ist übrigens in jedem Job und in jedem Berufsfeld gleich. Und auch nicht neu sondern war schon zu Zeiten meiner Eltern in ganz und gar nicht akademischen Berufen so.

Die Vereinbarung für die Rotation habe ich ja schriftlich und werde, falls sie nicht kommt, daraufhinweisen.
Muss ich mir noch überlegen ein Extragespräch über eine Vereinbarung zur Beendigung der Weiterbildung in einem ZEitraum XX zu machen. Im Grund kann er auch immer sagen: Ja war nicht engagiert genug/irgendwas erfinden, daher kann ich mich nich an die Vereinbarung halten usw.

Feuerblick
20.09.2020, 18:34
Joa, das ist aber nun nicht arztspezifisch. Solche Deppen gibt es überall. Aber das Rotationssystem ist kein Belohnungssystem. Der Chef hat eine Weiterbildungsermächtigung und muss weiterbilden. Wenn er dir die Weiterbildung verweigert, dann muss er halt die Ermächtigung abgeben. Es ist seine Pflicht, dich weiterzubilden. Es ist nicht deine Pflicht, dich würdig zu erweisen. :-nix

daCapo
20.09.2020, 18:36
Ja, ich würde mir mehr Geld wünschen. Ja, es gibt Arbeitgeber die gesetzliche Regelungen kreativ auslegen. Ja, es gibt egoistische Kollegen.

Aber in vielen Berufen verdient man deutlich weniger und hat schlechtere Arbeitsbedingungen bei ebenfalls hoher Verantwortung (LKW-Fahrer sind teil tagelang in ihren 1.5qm unterwegs und tragen Verantwortung für nen rollenden 40 Tonner). Aber es hat sich in den letzten Jahren viel verbessert (36h-Dienste). Aber ich mag die meisten meiner Kollegen trotzdem.



Mehr Geld wünsche ich mir eigentlich nicht, wie bereits geschrieben sind wir da im europäischen Mittelfeld.
Arbeitsbedingungen haben sich bereits gebessert, sind aber noch verbesserungswürdig bzw. es wäre schon ein Fortschritt, wenn sich an die bestehenden Regeln gehalten wird.
LKW Fahrer ist kein toller Beruf, da hast du Recht. Auf die Pausen wird übrigens pingelich geachtet!


Joa, das ist aber nun nicht arztspezifisch. Solche Deppen gibt es überall. Aber das Rotationssystem ist kein Belohnungssystem. Der Chef hat eine Weiterbildungsermächtigung und muss weiterbilden. Wenn er dir die Weiterbildung verweigert, dann muss er halt die Ermächtigung abgeben. Es ist seine Pflicht, dich weiterzubilden. Es ist nicht deine Pflicht, dich würdig zu erweisen. :-nix

Diese bekloppte Weiterbildung über die Ärztekammer, wo die Chefs sich die Klinke in die Hand geben/Prüfer und Gutachter sind, ist schon sehr DE arztspezifisch. Nur bei absolut groben Fehlern, wie z.B. ein Zeugnis wird nicht ausgestellt, wird die ÄK tätig. Naja einfach abwarten, es ist nicht mehr lang.

Bonnerin
20.09.2020, 18:40
Ich glaube es liegt zudem auch an dem Studium an sich, im Prinzip total verschult und alles wird mit Anwesenheitspflichten und Unterschriftenlisten abgearbeitet. Hier wird schon in der vulnerablen Ausbildungsphase Individuelle Persönlichkeitsbildung untergraben und der "Student" an das System gewöhnt.



Ich denke, du hast mit vielen anderen Dingen in deinem Beitrag Recht. Aber dem Punkt oben widerspreche ich heftig. Die meisten Studiengänge sind sehr durchgetaktet mit Anwesenheitspflicht, etc., zumindest falls den Unis grundsätzlich etwas daran liegt, dass die Absolventen zeitnah fertig sind.
Es ist meiner Meinung nach genau umgekehrt: Man hat diese sehr spezielle soziale Druckkomponente weniger durch die Rahmenbedingungen an der Uni, sondern vielmehr durch die Kommilitonen und die Ärztinnen und Ärzte, die mit ausbilden. Es wird einem halt genau dieser "Systemrelevanz"-Aspekt so lange eingetrichtert, bis man die eigene Gesundheit dem unterordnet. Was halt Quatsch ist. Es ist immer ein Dienstarzt da, der dann eben im Dienst arbeitet. Dafür muss der kleine Stationsassi nicht noch jeden Tag ne Stunde früher kommen und zwei Stunden später gehen (ohne stempeln), da die Leute im Regelfall eben nicht einfach mal eben so sterben, nur weil man nach Hause geht.

@Mano: Du hast auch im Großen und Ganzen Recht. Aber gerade die Pflege hat das gleiche Problem der Konfliktscheuheit wie die meisten Ärzte, weswegen sich auch da an den miesen Bedingungen so schnell leider nix ändern wird. Mit höflich Bitte sagen kriegt man leider erstmal gar nix von irgendwem...

OhDaeSu
20.09.2020, 18:56
Aber in vielen Berufen verdient man deutlich weniger und hat schlechtere Arbeitsbedingungen bei ebenfalls hoher Verantwortung (LKW-Fahrer sind teil tagelang in ihren 1.5qm unterwegs und tragen Verantwortung für nen rollenden 40 Tonner). Aber es hat sich in den letzten Jahren viel verbessert (36h-Dienste). Aber ich mag die meisten meiner Kollegen trotzdem.

Jeder hier wusste vor dem Studium, worauf er sich einlässt. Und haben hier alle nur Freunde, die als Fluglotsen oder Anwalt in einer Top-Kanzlei arbeiten? Und kennen niemand der sein Geld als Maurer, Altenpflegekraft, Pädagoge verdient?


Natürlich sollte man trotzdem an Verbesserungen arbeiten, aber dieses Rumgeheule hier irritiert mich. Kommt in der Realität an...


Gerade dein Vergleich ist doch völlig realitätsfern. Wie kann man sich als gefragter Akademiker nach 6 Jahren Studium mit Altenpflegern und LKW-Fahrern vergleichen? Nach dem Muster kann man sich alles schönreden.

GelbeKlamotten
20.09.2020, 19:05
Gerade dein Vergleich ist doch völlig realitätsfern. Wie kann man sich als gefragter Akademiker nach 6 Jahren Studium mit Altenpflegern und LKW-Fahrern vergleichen? Nach dem Muster kann man sich alles schönreden.

Der nächste Schritt, wenn wir nicht mal mehr wie ein LKW-Fahrer bezahlt werden, ist dann der Vergleich mit den Näherinnen in den Textilfabriken in Vietnam. Alles eine Frage der Perspektive.

medicinentia
20.09.2020, 19:09
Meint ihr nicht, dass ihr ein wenig übertreibt?

Diese Diskussion ist mir viel zu sehr schwarz-weiß: Die Arbeitsbedingungen sind furchtbar, alle anderen Berufe verdienen ihr Geld praktisch im Schlafen und "Alle sind Idioten, weil sie sich nicht wehren - außer mir natürlich".
Ja, die Arbeitsbedingungen könnten besser sein. Ja, ich würde mir mehr Geld wünschen. Ja, es gibt Arbeitgeber die gesetzliche Regelungen kreativ auslegen. Ja, es gibt egoistische Kollegen.

Aber in vielen Berufen verdient man deutlich weniger und hat schlechtere Arbeitsbedingungen bei ebenfalls hoher Verantwortung (LKW-Fahrer sind teil tagelang in ihren 1.5qm unterwegs und tragen Verantwortung für nen rollenden 40 Tonner). Aber es hat sich in den letzten Jahren viel verbessert (36h-Dienste). Aber ich mag die meisten meiner Kollegen trotzdem.

Jeder hier wusste vor dem Studium, worauf er sich einlässt. Und haben hier alle nur Freunde, die als Fluglotsen oder Anwalt in einer Top-Kanzlei arbeiten? Und kennen niemand der sein Geld als Maurer, Altenpflegekraft, Pädagoge verdient?

Natürlich sollte man trotzdem an Verbesserungen arbeiten, aber dieses Rumgeheule hier irritiert mich. Kommt in der Realität an...

Ich bin in der Realität angekommen und versuche die ganze Situation sachlich und argumentativ zu belegen.
Von Rumgeheule oder sonstiges kann keine Rede sein, Fakten muss man auch ausprechen, tut mir leid wenn dich das schon höchstgradig irritiert.

Der Vergleich eines Arztes mit einem Lastwagenfahrer (er hat seine Daseinsberechtigung und Verantwortung) ist dennoch obsolet und ist nicht weiter diskussionsbedürftig.


@Bonnerin

Danke für diese Erläuterung, die ich im übrigen sehr interessant finde!
Die indoktrinierte Systemrelevanz ist mit Sicherheit ein Baustein der zu Problemen führt und schnell im Berufungsmarathon / Samaritermodus eskaliert.

Trüffel
20.09.2020, 19:13
Ich finde das auch absurd. Klar verdienen Ärzte absolut betrachtet nicht schlecht. Das rechtfertigt es trotzdem nicht, für Nachtarbeit faktischen Lohnabzug zu kassieren. Und wenn Überstunden mit dem Gehalt abgegolten sein sollen, dann darf man dieses Gehalt bitte erstmal um mindestens 50 %, eher 100 %, aufstocken. Es ist mir ein Rätsel, wie Leitungsfunktionäre immer völlig überrant von der Vorstellung tun, überproportionale Leistung überproportional zu entlohnen.


Ich denke, du hast mit vielen anderen Dingen in deinem Beitrag Recht. Aber dem Punkt oben widerspreche ich heftig. Die meisten Studiengänge sind sehr durchgetaktet mit Anwesenheitspflicht, etc., zumindest falls den Unis grundsätzlich etwas daran liegt, dass die Absolventen zeitnah fertig sind.
Oh doch! Das Medizinstudium ist arg verschult. Vom Präsenzanteil dürften da nur die Laborfächer vergleichbar sein oder uns sogar noch übertrumpfen. Ansonsten würde es mich sehr wundern, wenn an der Uni auch nur ein einziger trauriger Hahn danach kräht, wie schnell Studierende ihren Abschluss bekommen.

pineapple
20.09.2020, 19:34
Bist du zufällig jemand aus der Verwaltung meiner Klinik? Könnte man meinen.
Meint ihr nicht, dass ihr ein wenig übertreibt?

Diese Diskussion ist mir viel zu sehr schwarz-weiß: Die Arbeitsbedingungen sind furchtbar, alle anderen Berufe verdienen ihr Geld praktisch im Schlafen und "Alle sind Idioten, weil sie sich nicht wehren - außer mir natürlich".
Ja, die Arbeitsbedingungen könnten besser sein. Ja, ich würde mir mehr Geld wünschen. Ja, es gibt Arbeitgeber die gesetzliche Regelungen kreativ auslegen. Ja, es gibt egoistische Kollegen.

Aber in vielen Berufen verdient man deutlich weniger und hat schlechtere Arbeitsbedingungen bei ebenfalls hoher Verantwortung (LKW-Fahrer sind teil tagelang in ihren 1.5qm unterwegs und tragen Verantwortung für nen rollenden 40 Tonner). Aber es hat sich in den letzten Jahren viel verbessert (36h-Dienste). Aber ich mag die meisten meiner Kollegen trotzdem.

Jeder hier wusste vor dem Studium, worauf er sich einlässt. Und haben hier alle nur Freunde, die als Fluglotsen oder Anwalt in einer Top-Kanzlei arbeiten? Und kennen niemand der sein Geld als Maurer, Altenpflegekraft, Pädagoge verdient?

Natürlich sollte man trotzdem an Verbesserungen arbeiten, aber dieses Rumgeheule hier irritiert mich. Kommt in der Realität an...