Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Medizinstudium: Fehler meines Lebens
ehem-user-21-08-2020-1502
12.07.2020, 17:50
Man muss v.A. wissen, ob man sich täglich mit solchen Dingen beschäftigen will
https://www.youtube.com/watch?v=akkPZNspnrs&t=444s
Es ist nicht ratsam NUR auf Geld aus zu sein. Ob jemand der Jura nur halbherzig macht, um gut zu verdienen, am Ende zu den knapp 20% gehört die ein Prädikat schaffen? Ich finde 20% sind wenig und nicht viel. Und ob man dann es wirklich in eine Großkanzlei schafft? Die verdienen zurecht so gut, weil es wenig von ihnen gibt und es hier um die freie Wirtschaft geht. Angebot und Nachfrage. Großkanzleien sind sicherlich auch nicht so defizitär wie viele KH. Die Kunden von Großkanzleien sind meist große Firmen und Konzerne (keine Privatleute) , die entsprechend zahlen. Das kann man nicht so einfach mit Medizin vergleichen wo jeder Absolvent quasi das identische Einstiegsgehalt bekommt. Man müsste dann die Mediziner heranziehen die in der freien Wirtschaft einsteigen (z.B: bei McKinsey)
Der folgende Artikel (zugegeben schon etwas älter) zeigt auf, das es eben NICHT so einfach ist, zu der Jura-Elite zu gehören. Die 80% die kein Prädikat schaffen sind ja nicht alle unqualifiziert oder dumm. Die obersten 20% verdienen in den meisten Studiengängen gut
https://www.lto.de/recht/studium-referendariat/s/juristenausbildung-vier-gewinnt-nicht/
Meiner Meinung sind die Gehälter in GKs gerechtfertigt und ich hab auch kein Problem damit, wenn sehr gute Wiwi und Jura Absolventen ( bei entsprechenden Arbeitszeiten) sehr gutes Geld verdienen. Was mich hauptsächlich stört sind die vielen Durchschnitts- Bwler und Fh Ingenieure, die beim lokalen Ig Metall Unternehmen mit >60k und 35h Woche anfangen und in Bayern und Baden-Württemberg gibt es jede Menge solcher Unternehmen. Da ärgert man sich schon manchmal, wenn man Abi als Jahrgangsbester gemacht hat ...
Ich finde aber übrigens auch, dass die Bereichskleidung ein großer Pluspunkt an unserem Job im KH ist. Ganztags in Anzug und Krawatte würde ich nicht rumlaufen wollen. Im Schlafanzug arbeiten ist leider geil. :-))
Mir war ja in der Klinik der Kittel immer ein Graus... jetzt kann ich anziehen was ich will, solange man damit Patienten gegenüber treten kann.
Aber ich hatte auch eine Kollegin, die mal im Nachtdienst mit rosa Hausanzug und Hasenpuschen und Kittel drüber in der Notaufnahme auftauchte... geht alles...und als Psychiater genießt man eh eine gewisse Form von Narrenfreiheit, was Spleens und Optik angeht... manche Patienten sind sogar gefühlt etwas enttäuscht, wenn man damit nicht aufwartet...:-))
Nulllinie
12.07.2020, 18:18
Hasenpuschen sind ja mega :D
Ich glaub das probier ich auch mal...
ehem-user-21-08-2020-1502
12.07.2020, 18:20
Die Frage ist ja wie weit die Gehälter steigen. Gönne das jedem. Das man als Arzt keine 35 Std Woche hat, ist doch klar. Man muss nach der FA-Prüfung schauen, was der beste Weg ist.
Am meisten wundert mich, dass immer geschrieben wird das "Golf spielen" etwas Besonderes wäre. Mein ehem. Klassenlehrer ist Vorstand im Golfclub.
Heerestorte
12.07.2020, 18:27
die vielen Durchschnitts- Bwler und Fh Ingenieure, die beim lokalen Ig Metall Unternehmen mit >60k und 35h Woche anfangen und in Bayern und Baden-Württemberg gibt es jede Menge solcher Unternehmen. .
Das ist doch Quark! Einer meiner besten Freunde ist E-Ingenieur und hoch spezialisiert. Klar, der bekam ein Einstiegsgehalt >60k €, aber so ein Studium schafft nicht jeder. Von denen, die mit ihm angefangen haben, haben 10% den Abschluss gechafft.
N anderer Kumpel hat einen 1,x Maschinenbau-Master und der musste bei Daimler als Leihingenieur anfangen und er hat in unserer wirtscahftsstarken Heimatregion und in der Region Stuttgart so keinen Job gefunden, trotz Top Ausbildung vom KIT.
Also mal einfach so mit nix arbeiten >60k verdienen, das ist bei weitem kein Standard für jeden Ingenieur.
Golf haftet immer noch die Aura des elitären Sportes an. Dabei ist im Angloamerikanischen Bereich das eher ein Breitensport und auch hier gibt es inzwischen völlig bodenständige Golfclubs, wo der Durchschnittsbürger spielen kann.
Heerestorte
12.07.2020, 18:31
Als ausgebrannter Chirurgie-PJ-ler bin ich nach 16h Haken halten immer auf die driving range gegangen und habe mir gedanklich die Köpfe des Klinikvorstandes auf die Golfbälle projiziert. Das war eine Genugtuung, die ihresgleichen sucht.
Kann ich nur empfehlen! Ebenso das Verschießen von Golfbällen vom Heli-Landeplatz in Richtung Mitarbeiter-Parkplatz.
Da steht der burnout vor der Tür, bevor die Karriere überhaupt begonnen hat.
Plan B ist Golfprofi. Deshalb das ganze Training.
ehem-user-21-08-2020-1502
12.07.2020, 18:32
Golf haftet immer noch die Aura des elitären Sportes an. Dabei ist im Angloamerikanischen Bereich das eher ein Breitensport und auch hier gibt es inzwischen völlig bodenständige Golfclubs, wo der Durchschnittsbürger spielen kann.
Meine 3 Cousinen haben im Studium Golf gespielt, mich interessiert dieser Sport nicht. Mich beeindruckt so etwas einfach nicht. Wenn ich Lust hätte würde ich es auch machen.
Und es gibt auch unverheiratete Lehrer die einen gebrauchten Porsche fahren. Heute auch nichts besonderes mehr. Viele Autos sind auch geleast Es gibt halt Leute, denen das wichtig ist.
Golfprofi wäre natürlich was :)
Feuerblick
12.07.2020, 18:36
Golf ist schon eine sehr spezielle Form des Spazierengehens :-))
ehem-user-21-08-2020-1502
12.07.2020, 18:41
Wenn jemand das Medizinstudium als "Fehler seines Lebens" und "Praktisch jede Alternative ist besser" bezeichnet, frage ich mich, wie man da die FA-Ausbildung durchhalten will? Und das noch in der internistischen Abteilung einer Uniklinik. Da ist doch Burnout oder ne Depression vorprogrammiert.
WackenDoc
12.07.2020, 18:42
Golfprofi scheint auch so ein Mythos zu sein. Vor ein paar Monaten hatte ich einen etwas verwirrten Probanden, der das werden wollte alternativ zu seinem Job. Dachte, das war einfach nur ein dummer Spruch. Nö, meinte er völlig ernst und wie ich denn drauf kommen würde, dass er das nicht könne.
Er hat übrigens noch nie Golf gespielt.
Meine 3 Cousinen haben im Studium Golf gespielt, mich interessiert dieser Sport nicht. Mich beeindruckt so etwas einfach nicht. Wenn ich Lust hätte würde ich es auch machen.
Und es gibt auch unverheiratete Lehrer die einen gebrauchten Porsche fahren. Heute auch nichts besonderes mehr. Viele Autos sind auch geleast Es gibt halt Leute, denen das wichtig ist.
Golfprofi wäre natürlich was :)
Ein Teil meiner Familie spielt Golf samt der nächsten Generation. Mein Schwager ist Solartechniker, mein Neffe ist GaLaBauer in Ausbildung. Meine anderen Schwager und deren Tochter habe sie auch schon infiziert. Das ist halt ein Sport wie jeder andere und bei denen kostet der Jahresbeitrag im Golfclub soviel wie für mich mein Yogastudio. Ich bin mal zum Schnupperkurs mit gegangen, weil ich neugierig war. Ich fand's langweilig. Da wird halt von manchen viel Gewese drum gemacht. Menschen, denen Status Symbole oder Standesdünkel wichtig sind, mögen dem vielleicht noch nachhängen und es gibt sie ja auch noch die Golfclubs, wo man viel viel Geld investieren und einen Bürgen haben muss, um da mit machen zu dürfen. Jedem Tierchen sein Pläsierchen.
Golfprofi scheint auch so ein Mythos zu sein. Vor ein paar Monaten hatte ich einen etwas verwirrten Probanden, der das werden wollte alternativ zu seinem Job. Dachte, das war einfach nur ein dummer Spruch. Nö, meinte er völlig ernst und wie ich denn drauf kommen würde, dass er das nicht könne.
Er hat übrigens noch nie Golf gespielt.
So ein Mythos ist das gar nicht. Das geht, wenn man gut ist und viel Zeit auf dem Golfplatz verbringt. Nur die allerwenigstens werden berühmt wie Tiger Woods. Sondern werden häufig später eher Golflehrer. Mein Neffe will auch in die Richtung und der spielt in seiner Altersklasse (ich hab da keine Ahnung von) wohl richtig gut. Aber der sagt auch, dass er im Zweifelsfall mit seiner Ausbildung dann später Greenkeeper werden könnte, wenn das nicht klappt... dem geht es aber auch nicht ums Geld. Der will unbedingt, wenn es klappt, sein Hobby zum Beruf machen.
ehem-user-21-08-2020-1502
12.07.2020, 19:38
Zum TE: Wenn du so ein Überflieger bist und in Jura Prädikat machen könntest, nutze diese Fähigkeiten in deiner Uniklinik-Abteilung und mache dort schnell Karriere bis zum CA. Oder lasse dich als Fachinternist nieder, kann auch sehr lukrativ sein. Die besten verdienen in den meisten Studiengängen gut. Viele Jobs von BWL´lern und Ingenieuren werden dank Corona gestrichen. Und wenn es Kurzarbeitergeld gibt, sind das keine 60k mehr
JungerArzt92
12.07.2020, 19:51
Man muss v.A. wissen, ob man sich täglich mit solchen Dingen beschäftigen will
https://www.youtube.com/watch?v=akkPZNspnrs&t=444s
Es ist nicht ratsam NUR auf Geld aus zu sein. Ob jemand der Jura nur halbherzig macht, um gut zu verdienen, am Ende zu den knapp 20% gehört die ein Prädikat schaffen? Ich finde 20% sind wenig und nicht viel. Und ob man dann es wirklich in eine Großkanzlei schafft? Die verdienen zurecht so gut, weil es wenig von ihnen gibt und es hier um die freie Wirtschaft geht. Angebot und Nachfrage. Großkanzleien sind sicherlich auch nicht so defizitär wie viele KH. Die Kunden von Großkanzleien sind meist große Firmen und Konzerne (keine Privatleute) , die entsprechend zahlen. Das kann man nicht so einfach mit Medizin vergleichen wo jeder Absolvent quasi das identische Einstiegsgehalt bekommt. Man müsste dann die Mediziner heranziehen die in der freien Wirtschaft einsteigen (z.B: bei McKinsey)
Der folgende Artikel (zugegeben schon etwas älter) zeigt auf, das es eben NICHT so einfach ist, zu der Jura-Elite zu gehören. Die 80% die kein Prädikat schaffen sind ja nicht alle unqualifiziert oder dumm. Die obersten 20% verdienen in den meisten Studiengängen gut
https://www.lto.de/recht/studium-referendariat/s/juristenausbildung-vier-gewinnt-nicht/
Mag sein. Sicher ist das nicht einfach. Aber in der Medizin war ich in jedem Examen in den besten 5% oder besser, im Abitur Jahrgangsbester. Experimentelle Doktorarbeit mit summa und Erstautorenschaft. Da kommen mir "die oberen 20%" nicht unerreichbar viel vor, aber vielleicht täusche ich mich auch.
Ja, ich sitze objektiv auf einer Scheißstelle in der Uni, und kann mich mit Arbeitsbedinungen und Gehalt rumschlagen, die so miserabel sind, dass keiner meiner nicht-Mediziner-Freunde verstehen kann, warum man sich das antut. Ich habe hier halt Forschung am Laufen, die würde ich dann aufgeben. Aber vielleicht ist es besser, eher jetzt den Absprung zu schaffen als gar nicht mehr. Das meinte ich mit "sunk cost fallacy".
Eigentlich hätte ich langsam angefangen, mich um den Postdoc zu kümmern, aber das habe ich erst einmal hintenangestellt, offiziell wegen Corona, aber insgeheim auch, weil ich eigentlich keine Lust habe, noch 2-3 Jahre mehr bis zum Facharzt zu brauchen (das wären dann in der Inneren insgesamt 10-11 Jahre, mit Subspezialisierung!). Wie gesagt, ich hasse die Klinik und finde es wirklich furchtbar dort. Und es geht leider den meisten Medizinern so, die ich kenne. Irgendwie wirkt das Gras für mich in der Medizin nirgends saftig grün, sondern bestenfalls orange-braun.
Mein Eingangspost war etwas emotional verfasst, aber im Großen und Ganzen stimmt das schon so. Ich weiß echt nicht weiter.
Ein Golf Pro ist in der Regel nicht ein Profi im Sinne eines Fußball- oder Tennisspielers. Sondern meist jemand, der auf Landesebene ganz gut Golf spielen kann und Golfstunden gibt. Das nur zur Begriffsklärung :-p Ein Bekannter ist Golf Pro, arbeitet nebenbei auch im Finanzbereich, hat BWL studiert, kommt aus einer Familie, dank derer er ohnehin nicht arbeiten müsste - aber es ist halt seine Leidenschaft. Ansonsten wurde schon alles Wichtige gesagt: Golf ist weder besonders teuer noch besonders elitär. Es ist ein Sport wie jeder andere auch, hat den Vorteil, dass man ihn auch im Alter noch auf hohem Niveau ausüben kann.
Jetzt zum Beitrag des OP -
1. Das mit dem Gehalt ist IMHO Unsinn. Gehälter für Hochschulabsolventen sind in Deutschland allgemein recht niedrig, aber andere Fächer sind da nicht besser als Medizin. Außerdem behaupte ich, dass die meisten Medizinabsolventen in einer Großkanzlei keine Woche überleben würden. Ganz zu schweigen davon, dass die Jura-Examen VIEL härter sind. Auch der Vergleich mit dem Lehrer ist IMHO unsinnig - nicht jeder Lehrer unterrichtet im Gymnasium, nicht jeder ist in Bayern, nicht jeder ist Beamter... und wenn es ein Problem im Examen (das wiederum deutlich anspruchsvoller als das medizinische ist) oder im Ref gibt, ist die Karriere schneller vorbei, als sie angefangen hat. Das ist bei Medizin dann doch deutlich entspannter.
Zu 2: Die Arbeitsbedingungen sind tatsächlich oft mies. Das stimmt. Kaum brauchbare Arbeitsplätze, unbezahlte Überstunden, die von einer großen Zahl an Ärzten seelenruhig akzeptiert werden, usw. - das ist schon ungewöhnlich. Das stimmt. Daran ist die Ärzteschaft als Kollektiv selbst schuld. Aber mit etwas geographischer und fachlicher Flexibilität kann man zumindest den schlimmsten Jobs IMHO meist entkommen.
Zu 3: Das sehe ich wieder anders. Nach 5-10 Jahren ist man dann deutlich weiter vorne als fast jeder andere Hochschulabsolvent.
Mit Uni-Innere hast du dir halt das Arbeitslager ausgesucht. War zu erwarten, dass das anstrengend wird. If you can't stand the heat, get out of the kitchen - ist ja nicht so als gäbe es keine Alternativen.
Heerestorte
12.07.2020, 20:05
Mal ne andre Idee:
Hast du mal die Strahlentherapie angeschaut? Habe jettzt schon von mehreren Kliniken gehört, dass da Leute massiv fehlen.
Hab schon gehört, dass da Assistenten im 2. Jahr Gehälter eines 4. Jahrees-WBA bekommen haben, weil so Nachwuchsmangel herrscht. Keine Dienste. Arbeit von Mo-Fr. Geregelte Arbeitszeiten.
ProximaCentauri
12.07.2020, 20:09
Aus meinem Umfeld (auch Innere an einer Uniklinik, allerdings CH) habe ich komplett andere Eindrücke.
Ja, das Gehalt könnte höher sein wenn man es mit anderen Berufsgruppen vergleicht, aber es reicht tiptop zum leben, für schöne Reisen, etc. Ist für mich zusammen mit dem sinnstiftenden Job für mich viel besser.
Ich habe Spass an der Arbeit, ich mag das Team, ich mag die Patienten und habe jeden Tag das Gefühl dass ich etwas tue was mir Freude macht.
P.S.: Wozu Post-Doc, wenn du eh schon merkst, dass die Arbeit an der Uniklinik nichts für dich ist? Ist doch unsinnig, noch mehr Zeit und Energie in einen Weg zu investieren, der einen ruiniert. Such dir einen anderen Job und gut ists. Oder wirst du dort gegen deinen Willen festgehalten?
Und wenn du an einer größeren Uniklinik (!) an den Standort gebunden bist - in der Umgebung welcher größeren Uniklinik gibts denn keine anderen Krankenhäuser...? :-p
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