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pineapple
25.09.2020, 14:02
Irgendwann wird es sich aber ändern müssen- ob es der breiten Masse gefällt oder nicht. Ich sehe in dem System in Deutschland keinerlei Zukunft, erst recht nicht wenn die Baby Boomer Generation in Rente geht und durch die zunehmende Wohlstandsgesellschaft auch noch multimorbider wird als die Generation davor.
Ich habe auch eine sehr gute Freundin, die chronisch krank ist und das System natürlich total verteidigt. Und für solche Menschen wie sie ist das System ja eigentlich auch gedacht. Aber wenn keiner mehr da ist, der ihre 700 Euro Immunspritzen bezahlen kann, dann kann man es halt noch so sehr wollen- es wird immer mehr zur Utopie. Wer soll das in zwei, drei Jahrzehnten bezahlen?
Aber vielleicht sehe ich es auch zu pessimistisch, keine Ahnung.

bevor sich da was ändert, werden erstmal staatliche Öffnungszeiten für Arztpraxen festegelgt, Mo- So. 6-22 Uhr. Die sind doch eh nur aufm golfplatz. Und schon gibt es wieder genug FA Termine.

Mr. Pink online
25.09.2020, 14:09
Wenn man nachhaltig was für künftige Medizinergenerationen ändern wollen würde was Arbeitsbedingungen und Ausbildungsqualität angeht, dann müsste man die Vorraussetzungen dafür entsprechend ändern. Dem steht das Budgetieringssystem natürlich entgegen. Gute Ausbildung und Arbeitsbedingungen sind da nicht mit einkalkuliert. Ob jetzt DRGs alleine an den miserablen Arbeitsbedingungen schuld sein sollen wage ich zu bezweifeln. Als Assistenzarzt hat man einfach keine gute Lobby. Der beste Tarifvertrag bringt nichts, wenn er in den Kliniken durch systematische Brechung oder opt-out Regelungen nicht greift. Deshalb bringt per se mehr Bezahlung auch nichts. Bezeichnend finde ich dann aber, wenn wie hier im Forum von den offensichtlich "älteren", sprich bereits FA oder in der Niederlassung, die von den jüngeren beschriebenen Verhältnisse auch noch als verhältnismäßig hingestellt werden. Oder besser noch "Ihr habt unser Gesundheitssystem nicht verstanden, Vergleiche mit anderen Ländern sind nicht zulässig, niemals den Bedarfsplan in der Niederlassung kritisieren...".
Das ist Teil des Problems, warum der Nachwuchs keine Lobby hat. Kein generationsübergreifender Konsens. Der Nachwuchs hat aber auch keine Lust sich daran dauerhaft aufzureiben, wenn es sich ja nur um eine kurze FA Ausbildung handelt und danach kann man sich in attraktivere Verhältnisse absetzen. Er trägt also auch eine Verantwortung, da will ich mich nicht ausnehmen.

Melina93
25.09.2020, 14:15
Man hat ja beim damaligen Ärztestreik gesehen, dass Assistenzärzte untereinander nicht einmal diese Lobby haben. Ich kann jetzt nicht beurteilen, ob das ausschließlich moralische Gründe hatte oder sich schlicht nicht getraut wurde. Aber ich hatte ja auch Studienkollegen, die halt alles machen, was man so von ihnen verlangt, weil sie es halt nicht anders kennen (und ja, ich reite hier wieder auf unserem Schulsystem rum, was in meinen Augen ein nicht trivialer Faktor hierfür ist und diese Mediziner heranzüchtet).

Cor_magna
25.09.2020, 14:25
Die Beiträge (Prämie genannt) werden ausschließlich vom Arbeitnehmer bezahlt und zusätzlich wird, daran angepasst, eine Franchise festgelegt. Die Franchise ist das, was man innerhalb eines Jahres selbst zahlen muss wenn man zum Arzt geht. Ist die überschritten zahlt man nur noch 10% selbst bis zu 700 CHF im Jahr. Außerdem gibt es verschiedenen Modelle (Hausarztmodell, TelMed, freie Arztwahl, alternative Medizin) sowie Zusatzversicherungen, aus denen man wählen kann. in der Grundversicherung sind alle Vorsorgeuntersuchungen mit drin. Kann man die Prämie nicht zahlen wird man unterstützt.

Ich finde das System jetzt nicht perfekt, aber im Hinblick auf die allgemeine Sensiblisierung für die Finanzierung des Gesundheitssystems finde ich es nicht schlecht. Es ist autonomer und nicht unbedingt weniger "sozial", da gerecht. Die Menschen haben eine ganz andere Einstellung zu Arztkosten (da für sie ersichtlich und nachvollziehbar) und ich finde schon, dass man merkt, dass sie nicht wegen jeder Kleinigkeit in die ZINA rennen.
Wenn man halt nur einmal im Quartal nur seine Karte hinhalten muss und dann alles als eine Art Flatrate betrachtet mag nicht das Hauptproblem sein, aber ich sehe in dieser Mentalität durchaus ein deutsches Problem. Das deutsche System funktioniert in einer alten, multimorbiden Gesellschaft halt nicht mehr.

AH vielen Dank für die Aufklärung! Klingt durchdacht.

aminemo
25.09.2020, 16:40
AH vielen Dank für die Aufklärung! Klingt durchdacht.

Ich bin in der österreichischen BVAEB versichert, der Versicherung für öffentlich Angestellte (MedUni), Eisenbahner und Bergbau:-)) und hier sind auch 10% aller Arztkosten, Laborkosten, Bildgebung etc. zu bezahlen. Die Versicherung für die große Masse, ÖGK, also "normale Angestellte", Arbeitslose usw. sieht dies jedoch nicht vor. Da fühl ich mich ehrlich gesagt schon leicht veräppelt, wenn 2,xx Euro ans Labor zu zahlen sind oder 3,xx Euro für den Hausarztbesuch und dafür jedes Mal eine extra Rechnung ins Haus flattert. Das ist ein bürokratischer Irrsinn sondergleichen, da Kinder oder Personen mit niedrigem Einkommen sich dann wieder in gewissen Fällen befreien lassen können oder um Rückerstattung ansuchen können.

daCapo
25.09.2020, 18:54
Sorry, aber jetzt wirds nur noch wirr.
Natürlich hast Du geschrieben, daß die KV Praxen leer seien und keiner hingeht, sondern direkt eine NA ansteuert, ist jetzt nicht so lange her, vlt. kannst Du Dich an Deinen Post von heute morgen doch noch erinnern.

Wann und wo habe ich gesagt, daß ich nichts an den ARBEITSBEDINGUNGEN von KH Ärzten ändern will, böswillige und dreiste Unterstellung,

Deine ach so tollen Niederlande und ihr Coronaproblem scheinen Dich ja umzutreiben

Meine Pfründe gehen Dich, mit Verlaub nix an, Angst um sie habe ich sicher nicht,

Ansonsten bin ich es Leid, mit einem ideologisch verbohrten Dauermotzer zu debattieren. Wie Bratze schon sagte, geh zur Verwaltung, leg Deine 2 Cent in die Waagschale und schau, welche Verbesserrung Du bekommst, ich denke, die Antwort wird Dir nicht gefallen.

a) Das war überspitzt formuliert mit den KV Praxen. Wenn du den Ärzteblattartikel liest, siehst du das zahlreiche Patienten die Notaufnahme bevorzugen obwohl sie wissen, dass sie eigentlich in der KV Praxis sein müssten.
b) Also konstruktive Beiträge zur Verbesserung der Arbeitsbed. von KH Ärzten habe ich nicht von dir gelesen. Von den schlechten Arbeitsbed. der einen profitieren immer andere.
c) Das legt die Vermutung, dass hier Sorge vor Veränderungen/die eigenen Pfründe besteht
d) Die Coronaepidemie ist noch nicht um. Es ist zu früh, um zu beurteilen: Das eine Land oder Bundesland hat alles falsch gemacht, das andere nicht. Was das ganze mit Arbeitsbed. für Krankenhausärzte zu tun hat, ist mir ein Rätsel.
e) Du brauchst auch nicht mit mir diskutieren oder debattieren. Trotzdem antwortest du immer wieder. Weil du andere Meinungen nicht akzeptieren oder tolerieren kannst? Das ist ein Forum hier, Diskussion ist ein Bestandteil des Forums. Diskussionsteilnehmer zur "KH Verwaltung zu schicken" um sie zu demütigen und sich daran zu belustigen, ist ein Teil der üblichen Beleidigungen hier und soll weitere Diskussionen subtil verhindern, weil kein ernsthaftes Interesse an Veränderungen besteht.

Christoph_A
25.09.2020, 19:14
Doch, ich diskutiere mit Dir, genau davon lebt ein Forum. Derjenige, der sich mit anderen Meinungen eher schwer tut, scheinst Du zu sein, aber cancel culture ist ja momentan en vogue.
Die Coronapandemie verdeutlicht, daß wohl einige KH Systeme nicht so schlecht sind, wie Du sie gerne redest und andere wohl nicht so super, wie Du es immer darzulegen versuchst. Hat mit den Arbeitsbedingungen nix zu tun, wohl aber mit der Kliniklandschaft und Ambulanzstruktur der betreffenden Länder. Deine 3. Ligisten schlagen sich jedenfalls bisher wackerer als das CL System, das Du gebetsmühlenartig anpreist.
Ansonsten haben wir einfach unterschiedlich Ansichten, das ist nicht schlimm, ich nehme mir nur auch weiter das Recht heraus, auf Wortglaubereien und Halbwahrheiten Deinerseits zu reagieren, ob Dir das jetzt passt oder nicht ist mir wumpe.

medicinentia
25.09.2020, 20:32
Man hat ja beim damaligen Ärztestreik gesehen, dass Assistenzärzte untereinander nicht einmal diese Lobby haben. Ich kann jetzt nicht beurteilen, ob das ausschließlich moralische Gründe hatte oder sich schlicht nicht getraut wurde. Aber ich hatte ja auch Studienkollegen, die halt alles machen, was man so von ihnen verlangt, weil sie es halt nicht anders kennen (und ja, ich reite hier wieder auf unserem Schulsystem rum, was in meinen Augen ein nicht trivialer Faktor hierfür ist und diese Mediziner heranzüchtet).

Ich habe zB. mal im PJ gestreikt weil mir das von Assistenzarzt Kollegen angeboten wurde, bzw ich ermuntert wurde weil die PJ Bedingungen auch ja ziemlich schlecht sind. Da von den restlichen Stationsärzten am folgenden Streiktag viele sich angeschlossen haben, bekam ich vom Oberarzt am Tag zuvor als ich nach Hause wollte zu hören "Ich habe gehört Sie wollen auch streiken ? Da ist ja morgen nur eine ganz knappe Besetzung morgen. Überlegen Sie sich das gut wie Sie sich entscheiden und ob Sie das auch mit Ihrem Gewissen vereinbaren können ! "
Muss ich dazu noch irgendwas sagen ?

Bzgl der anderen Diskussion:

Ich denke hier besteht teilweise ein Altersunterschied und auch im Beschäftigungsverhältnis (Klinik, Praxis)
Ich habe mit Kollegen geredet, Praxis , 40-45 , Internisten/HA/Chirurgie und es erinnert mich an einige Beiträge im Forum , teils wird eine regelrechte Festung aus Stolz aufgebaut um die eigene Überzeugung, vielleicht liegt es auch daran dass man selbst durch das marode Weiterbildungssystem musste , "dann müssen auch die anderen durch".
Finde ich persönlich falsch, Veränderungen am Arbeitsmarkt muss es auch und gerade in der Medizin geben und da ist praktisch aktuell nichts zu erkennen - LEIDER im Gegenteil.
Ich versuche hier für die Nöte der WbA zu werben damit zukünftig auch noch welche da sind und man wieder mit weniger Magenschmerzen hier arbeiten kann. Aktuell stimmt es nicht, entweder eine spürbare (!!) bessere Bezahlung oder bessere Arbeitsbedingungen und zwar WIRKLICH besser .(ansonsten werden wohl alle billig aus dem Ausland bald importiert, teils aus Ländern die selbst eine eigene klamme medizinische Versorgung haben- völlig falscher Ansatz)

Thomas24
25.09.2020, 21:07
Ich habe zB. mal im PJ gestreikt weil mir das von Assistenzarzt Kollegen angeboten wurde, bzw ich ermuntert wurde weil die PJ Bedingungen auch ja ziemlich schlecht sind. Da von den restlichen Stationsärzten am folgenden Streiktag viele sich angeschlossen haben, bekam ich vom Oberarzt am Tag zuvor als ich nach Hause wollte zu hören "Ich habe gehört Sie wollen auch streiken ? Da ist ja morgen nur eine ganz knappe Besetzung morgen. Überlegen Sie sich das gut wie Sie sich entscheiden und ob Sie das auch mit Ihrem Gewissen vereinbaren können ! "
Muss ich dazu noch irgendwas sagen ?

Ok. Solange man sich nicht in einem Arbeitsverhältnis, sondern in einem Ausbildungsverhältnis aus Student befindet, ist es schonmal kein Streik. Höchstens ein Boykott. Aber wir wollen mal nicht auf der Semantik rumreiten. Wem soll denn so ein PJ Streik schaden, bzw. wo ist denn der Hebel gewesen? Wer ist denn überhaupt der Adressat eures Boykotts? Die lokale Klinikverwaltung, die sich sicher brennend für die Belange von PJ Studierenden interessiert (Spoiler: Sachbearbeiter interessieren sich dafür nicht besonders, und die Kfm. Geschäftsführer - nun ja, die haben andere Sorgen), das Dekanat der jeweiligen Uni? Oder etwa die 'hohe Politik' im BMG? Hattet ihr denn konkrete Forderungen und einen konkreten Verhandlungspartner, habt ihr öffentliche Aufmerksamkeit geschaffen? Oder wolltet ihr nur eurem Unmut mal Luft verschaffen?




Bzgl der anderen Diskussion:

Ich denke hier besteht teilweise ein Altersunterschied und auch im Beschäftigungsverhältnis (Klinik, Praxis)
Ich habe mit Kollegen geredet, Praxis , 40-45 , Internisten/HA/Chirurgie und es erinnert mich an einige Beiträge im Forum , teils wird eine regelrechte Festung aus Stolz aufgebaut um die eigene Überzeugung, vielleicht liegt es auch daran dass man selbst durch das marode Weiterbildungssystem musste , "dann müssen auch die anderen durch".
Finde ich persönlich falsch, Veränderungen am Arbeitsmarkt muss es auch und gerade in der Medizin geben und da ist praktisch aktuell nichts zu erkennen - LEIDER im Gegenteil.
Ich versuche hier für die Nöte der WbA zu werben damit zukünftig auch noch welche da sind und man wieder mit weniger Magenschmerzen hier arbeiten kann. Aktuell stimmt es nicht, entweder eine spürbare (!!) bessere Bezahlung oder bessere Arbeitsbedingungen und zwar WIRKLICH besser .(ansonsten werden wohl alle billig aus dem Ausland bald importiert, teils aus Ländern die selbst eine eigene klamme medizinische Versorgung haben- völlig falscher Ansatz)

Ich muss hier mal eine Lanze für die 'älteren Kollegen' brechen. Ich denke, niemand vergönnt dem eigenen Berufsnachwuchs nicht bessere Arbeits- und Ausbildungsbedingungen, da hast du wohl einen falschen Eindruck gewonnen. Aber- und auch das muss mal gesagt werden- der ein oder andere Teilnehmer profiliert sich hier mit sehr kuriosen Ansichten und Aussagen, die zum einen sehr daran zweifeln lassen, dass man sich mal ernsthaft mit den Basics der Rahmenbedingungen des Systems, in dem wir arbeiten (dürfen, müssen, sollen...) auseinandergesetzt hat, bzw. ein ganz ausgeprägtes Sendungsbewusstsein bei gleichzeitiger zur Schaustellung von profunder Ahnungslosigkeit. Wenn da mal ein paar einordnende Anmerkungen oder wie von Evil, Kackbratze, Christoph und anderen mal ein spitz formulierter Verweis auf die schnöde Faktenlage kommt ('leg deine 2 g mal in die Waagschale bei der Personalabteilung'), sollte man nicht als mangelnde Solidarität mit den jungen Kollegen missverstehen. Abgesehen davon: ihr wisst, wo ihr hingehen müsst, um wirklich und nachhaltig eure Rahmenbedingungen verbessern zu können.

Abiturient2010
25.09.2020, 21:32
...
Ich muss hier mal eine Lanze für die 'älteren Kollegen' brechen. Ich denke, niemand vergönnt dem eigenen Berufsnachwuchs nicht bessere Arbeits- und Ausbildungsbedingungen, da hast du wohl einen falschen Eindruck gewonnen. Aber- und auch das muss mal gesagt werden- der ein oder andere Teilnehmer profiliert sich hier mit sehr kuriosen Ansichten und Aussagen, die zum einen sehr daran zweifeln lassen, dass man sich mal ernsthaft mit den Basics der Rahmenbedingungen des Systems, in dem wir arbeiten (dürfen, müssen, sollen...) auseinandergesetzt hat, bzw. ein ganz ausgeprägtes Sendungsbewusstsein bei gleichzeitiger zur Schaustellung von profunder Ahnungslosigkeit. Wenn da mal ein paar einordnende Anmerkungen oder wie von Evil, Kackbratze, Christoph und anderen mal ein spitz formulierter Verweis auf die schnöde Faktenlage kommt ('leg deine 2 g mal in die Waagschale bei der Personalabteilung'), sollte man nicht als mangelnde Solidarität mit den jungen Kollegen missverstehen. Abgesehen davon: ihr wisst, wo ihr hingehen müsst, um wirklich und nachhaltig eure Rahmenbedingungen verbessern zu können.

Was das mit übermäßigem Sendungsbewusstsein zu tun haben soll, wenn man sagt "meine Arbeitsbedingungen sind kacke und ich finde ich verdiene insbesondere pro Stunde (!) zu wenig für die Länge der Ausbildung, die Verantwortung, die WE-/Nachtarbeit und den Stress, insbesondere auch im Vergleich zu anderen Akademikern" verstehe ich nicht. Und nichts anderes als das sagen wir "unzufriedenen Jungen", jeder mit unterschiedlichen Formulierungen.

Andererseits habe ich auch keine Ahnung, wie man jedes Jahr sichere 20% Rendite an der Börse macht, also bin ich wahrscheinlich als kleiner Assi einfach nur blöd und sollte froh sein, dass sich überhaupt jemand erbarmt mich einzustellen und zu beschäftigen.

Thomas24
25.09.2020, 21:54
Was das mit übermäßigem Sendungsbewusstsein zu tun haben soll, wenn man sagt "meine Arbeitsbedingungen sind kacke und ich finde ich verdiene insbesondere pro Stunde (!) zu wenig für die Länge der Ausbildung, die Verantwortung, die WE-/Nachtarbeit und den Stress, insbesondere auch im Vergleich zu anderen Akademikern" verstehe ich nicht. Und nichts anderes als das sagen wir "unzufriedenen Jungen", jeder mit unterschiedlichen Formulierungen.

Na, seine Unzufriedenheit zu artikulieren- ist doch alles legitim. Aber wenn dir beim Querlesen durch den Thread wirklich kein (!) Sammelsurium von Kuriositäten, Halbwahrheiten, Falschannahmen etc. auffallen sollte, würde es mich sehr wundern. Da waren schon ein paar richtige Schenkelklopfer dabei-

Trüffel
25.09.2020, 22:30
Wenn sich die Krankenpflege über unzumutbare Arbeitsbedingungen aufregt oder bessere Gehälter fordert, habe ich noch nie erlebt, dass aus den eigenen Reihen Hoh und Spott kommen sowie Kommentare der Marke: "Du kapierst nicht im Ansatz, wie das System funktioniert. Studier erstmal Wirtschaftswissenschaften oder Gesundheitsökonomie, dann weißt du, warum deine Forderungen lächerlich sind."


Wenn da mal ein paar einordnende Anmerkungen oder wie von Evil, Kackbratze, Christoph und anderen mal ein spitz formulierter Verweis auf die schnöde Faktenlage kommt ('leg deine 2 g mal in die Waagschale bei der Personalabteilung'), sollte man nicht als mangelnde Solidarität mit den jungen Kollegen missverstehen.
Doch, schon. Es geht bei Gehaltsforderungen bzw. -verhandlungen schließlich selten darum, was fair oder gerecht wäre, sondern eigentlich immer darum, was man gerne hätte. Die von den Hohen Herren so sehr gescholtenen Phantasiesummen halt. Wenn man aber die Forderung des Nachwuchses offen verhöhnt, weil das System angeblich die aktuellen Summen notwendig bedinge, dann ist das mangelnde Solidarität und nichts anderes. Streiks werden ja auch nicht daran legitimiert, ob ein Nicht-Streikender Dritter sie für angemessen hält oder nicht. So jemanden gibt es insbesondere auf Seite der Zahler nämlich immer.

Nun war ich nie Oberarzt und bin ja bekanntlich hier die Kaffée® stehlende Ahnungslosigkeit in Person. Aber vielleicht mag mich jemand aus dem Heiligen Zirkel erleuchten: Welches reale Interesse haben denn (Ltd.) Oberärzte oder Niedergelassene daran, dass Assistenten besser entlohnt werden? Ich armer junger Naivling würde denken: Der eine sähe das Geld vielleicht lieber in eine Oberarztsekretärin investiert und der andere würde vielleicht lieber darauf verzichten, seinen angestellten Ärzten höchstpersönlich mehr Kröten zahlen zu müssen, die sonst in seine eigene Tasche gewandert wären.

Thomas24
25.09.2020, 22:56
Nun ja, Trüffel sind ja bekanntlich etwas teurer- also passt schon.


Wenn sich die Krankenpflege über unzumutbare Arbeitsbedingungen aufregt oder bessere Gehälter fordert, habe ich noch nie erlebt, dass aus den eigenen Reihen Hoh und Spott kommen sowie Kommentare der Marke: "Du kapierst nicht im Ansatz, wie das System funktioniert. Studier erstmal Wirtschaftswissenschaften oder Gesundheitsökonomie, dann weißt du, warum deine Forderungen lächerlich sind."

Deine Perspektiven sind dann doch ein klein bisschen anders, als in der Kranken- und Altenpflege, wo die durchschnittliche Verweildauer im Beruf von Absolventen in der Altenpflege bei 8 Jahren und in der Krankenpflege 13 Jahren liegt, also bitte mal die Kirche im Dorf lassen.

Du hast ein fünf bis sechsstelliges Jahreseinkommen -bereits während der Weiterbildung, eine sichere Berufsperspektive, Aufstiegs- und, oder Exitperspektiven innerhalb und außerhalb des kurativen Sektors, ins Ausland etc. Eine Verbesserung der Arbeitsumstände, der Weiterbildungsstruktur, planbare Rotationen etc. das wären doch mal viel drängendere Punkte als das Gehalt. Wenn der Job für dich so unzumutbar ist, dann engagier dich doch. Im Internet seinen Frust ablassen wird deine Situation nicht verbessern :-nix.

Thomas24
25.09.2020, 23:02
Nun war ich nie Oberarzt und bin ja bekanntlich hier die Kaffée® stehlende Ahnungslosigkeit in Person. Aber vielleicht mag mich jemand aus dem Heiligen Zirkel erleuchten: Welches reale Interesse haben denn (Ltd.) Oberärzte oder Niedergelassene daran, dass Assistenten besser entlohnt werden? Ich armer junger Naivling würde denken: Der eine sähe das Geld vielleicht lieber in eine Oberarztsekretärin investiert und der andere würde vielleicht lieber darauf verzichten, seinen angestellten Ärzten höchstpersönlich mehr Kröten zahlen zu müssen, die sonst in seine eigene Tasche gewandert wären.

Nun, vielleicht bellst du schon mal grundsätzlich den falschen Baum an. Es fängt schon mal damit an, dass nur knapp 17% der Ausgaben der GKV überhaupt für die ärztliche Behandlung ausgeben werden. 83% gehen woanders hin.

Trüffel
25.09.2020, 23:15
Deine Perspektiven sind dann doch ein klein bisschen anders, als in der Kranken- und Altenpflege
Wir führen eine ökonomische Diskussion, keine Debatte um soziale Gerechtigkeit. Wenn die Forderung nach mehr Geld lächerlich ist, weil dieses Geld angeblich im gedeckelten System nicht existiert, dann ändert die Perspektive des Fordernden absolut gar nichts.


Eine Verbesserung der Arbeitsumstände, der Weiterbildungsstruktur, planbare Rotationen etc. das wären doch mal viel drängendere Punkte als das Gehalt.
Da stimme ich dir zu. Allerdings ist das nunmal auch nur eine teilweise valide Differenzierung. Denn wenn das System aktuell vielerorts nur mit zahlreichen unbezahlten Überstunden und somit letztlich Betrug funktioniert, dann impliziert eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen eine monetäre Aufstockung der Ärzteschaft. Gut, die landet nicht in der Geldbörse des einzelnen Arztes. Da das Argument aber lautete, solches Geld sei schlichtweg nicht vorhanden, frisst die Schlange letzenendes doch wieder ihren eigenen Schwanz und verdaut ihn.

daCapo
25.09.2020, 23:39
Ich muss hier mal eine Lanze für die 'älteren Kollegen' brechen. Ich denke, niemand vergönnt dem eigenen Berufsnachwuchs nicht bessere Arbeits- und Ausbildungsbedingungen,(...) Aber- und auch das muss mal gesagt werden- der ein oder andere Teilnehmer profiliert sich hier mit sehr kuriosen Ansichten und Aussagen, die zum einen sehr daran zweifeln lassen, dass man sich mal ernsthaft mit den Basics der Rahmenbedingungen des Systems (...) leg deine 2 g mal in die Waagschale bei der Personalabteilung'), sollte man nicht als mangelnde Solidarität mit den jungen Kollegen missverstehen. Abgesehen davon: ihr wisst, wo ihr hingehen müsst, um wirklich und nachhaltig eure Rahmenbedingungen verbessern zu können.

Achja die alte Garde. Wenn man das zu Ende liest, bedeutet es doch, dass man den jüngeren Kollegen keine besseren Arbeitsbedingungen gönnt. Wenn man die Basics verändern möchte, mag das durchaus "kurios" sich anhören. Trotzdem kein Grund andere zu beleidigen und zu empfehlen mit der Krankenhausverwaltung über sowas zu diskutieren. In einem Forum darf man durchaus andere Ansichten haben und tiefgreifende Veränderungen im Gesundheitswesen ansprechen.




Nun war ich nie Oberarzt und bin ja bekanntlich hier die Kaffée® stehlende Ahnungslosigkeit in Person. Aber vielleicht mag mich jemand aus dem Heiligen Zirkel erleuchten: Welches reale Interesse haben denn (Ltd.) Oberärzte oder Niedergelassene daran, dass Assistenten besser entlohnt werden? Ich armer junger Naivling würde denken: Der eine sähe das Geld vielleicht lieber in eine Oberarztsekretärin investiert und der andere würde vielleicht lieber darauf verzichten, seinen angestellten Ärzten höchstpersönlich mehr Kröten zahlen zu müssen, die sonst in seine eigene Tasche gewandert wären.

Niemand von Oberärzten/Chefärzten oder Niedergelassenen hat Interesse an einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen von nachrangigen Krankenhausärzten. Ganz im Gegenteil, nachher muss die alte Garde noch federn lassen. Soweit kommts noch. Dann doch lieber einen Vergleich aus der Trickkiste holen wie die DDR oder angeblich überfüllte Krankenhäuser in Dänemark&Holland mit Coronapatienten. Dein Fehler war hier die Entlohnung zu anzusprechen. Das Grundgehalt ist fair. Die Dienste im Krankenhaus sind miserabel bezahlt, daher möchte das auch keiner der oberen Zehntausend mehr machen, vor allem nicht für die Bezahlung (weniger als zur normalen Arbeitszeit und dann wird am nächsten Tag nochmal abgezogen) oder ganz billig als Rufdienst. Das ganze ist natürlich nicht mit KV Diensten vergleichbar, die wollen die Niedergelassenen auch nicht unbedingt machen (kann man delegieren an Hinz&Kunz im Gegensatz zum Krankenhausarzt dem diese Option verwehrt bleibt), aber im Zweifel weist man den Patienten ins Krankenhaus ein.


Doch, ich diskutiere mit Dir, genau davon lebt ein Forum. Derjenige, der sich mit anderen Meinungen eher schwer tut, scheinst Du zu sein, aber cancel culture ist ja momentan en vogue.
Die Coronapandemie verdeutlicht, daß wohl einige KH Systeme nicht so schlecht sind, wie Du sie gerne redest und andere wohl nicht so super, wie Du es immer darzulegen versuchst. Hat mit den Arbeitsbedingungen nix zu tun, wohl aber mit der Kliniklandschaft und Ambulanzstruktur der betreffenden Länder. Deine 3. Ligisten schlagen sich jedenfalls bisher wackerer als das CL System, das Du gebetsmühlenartig anpreist.
Ansonsten haben wir einfach unterschiedlich Ansichten, das ist nicht schlimm, ich nehme mir nur auch weiter das Recht heraus, auf Wortglaubereien und Halbwahrheiten Deinerseits zu reagieren, ob Dir das jetzt passt oder nicht ist mir wumpe.

Eben wolltest du nicht mehr mit mir debattieren, jetzt plötzlich schon, lebt ja das Forum von ;-)
Cancel Culture...ja genau hier im Forum : Ist das auch einer deiner Schenkelklopfer?

Du arbeitest garnicht im stationären Bereich in DE und lobst ihn in den Himmel aufgrund einer noch nicht beendeten Viruspandemie, die hauptsächlich ältere Personen und Chronisch Kranke betrifft, die zwischenzeitlich gewarnt sein sollten (im Gegensatz zum Zeitraum Januar-April 2020). Bemerkenswert. Das ist ein sehr interessanter Ansatz. Die miserablen Arbeitsbedingungen in DE Krankenhäusern kann man jetzt rechtfertigen, weil es bei einer Viruspandemie so gut läuft. Bezeichnend. Aber immerhin besser als DDR.

3. Liga kann doch auch positiv sein, wenn mal ein Fehler passiert ist es nicht so dramatisch. Es ist immer wohnortnah. Leitlinie ist eh so eine Glaubensfrage und ein Gefühl in der 3. Liga, muss man nicht so ganz ernst nehmen. Multizentrische Studien sind teuer, bedeuten Zusammenarbeit mit anderen Zentren und können auch vom sozialistischen Ausland durchgeführt werden. Vielleicht wird es später mal berücksichtigt. Wichtige Wissenschaftsjournale sind eh alle in Englisch, da brauch man sowas nicht in DE ansiedeln, es gibt immerhin das Ärzteblatt. Auch Halbwahrheiten und WischiWaschi passen perfekt zur 3. Liga, so viel kann man da nicht erwarten. Und immerhin ist es besser als in der DDR, daher sollte auch niemals etwas verändert werden. Auch bitte nicht drüber diskutieren.

Christoph_A
26.09.2020, 06:19
Hui, jetzt hast es aber krachen lassen. Krudes Gefasel ohne Substanz.
Der Covid muß Dir echt wehtun, so verzweifelt Du ihn kleinreden willst. Ist ja auch wirklich blöd, daß das miese Deutschland da den versorgungstechnisch phantastisch aufgestellten Nachbarn überlegen ist.
Kleiner Denkansatz, wie bereits oben jemand erwähnte, liegt der Erfolg auch zu Teilen in der deutlich größeren Anzahl ambulanter Versorgungsmöglichkeiten begründet.
Ansonsten, cancdl culture hättest Du gerne, hier im Forum gibts das nicht, hatte ich auch so formuliert, aber gut.
Wie gesagt, Deine Halbwahrheiten und populistischen Nebelkerzen werden weiter kommentiert, damit wirst Du leben müssen.
Die Unterstellung, ich würde nichts auf Leitlinien geben oder an hoher Versorgungsqualität interessiert sein ist mit lächerlich noch freundlich kommentiert.

Kackbratze
26.09.2020, 07:19
Es gibt Kliniken, da werden nach dem Dienst keine Minusstunden aufgeschrieben, sondern Überstunden abgegolten mit Freizeit. Bedeutet, dass man dadurch mehr Geld hat.
Was die grundsätzlichen Arbeits- und Weiterbildungsbedinungen anbetrifft, kann man sich seine Klinik aussuchen, bundesweit, genauso wie den Arbeitgeber, der in Nuancen (es sind nur Nuancen meiner Meinung nach) den schöneren Tarifvertrag hat.

Und da stehen wir wieder bei dem doofen Tarifvertrag. Den kann man durch o.g. Maßnahme sicherlich anpassen, aber Du wirst als WBA nicht mal eben so mit einem AT Vertrag nach Hause gehen, weil du für die Klinik kein extra Cash generiert.
Das passiert durch Spezialsprechstunden/Spezialabteilung (Facharzt), Forschung mit Drittmitteln oder ein ausgeprägtes Arbeitsbewusstsein mit gezielter Repräsentation des Krankenhauses nach aussen (Jede Pups-Fortbildung für Externe hat deinen Namen drauf stehen(Facharzt)). Das sind ähnliche Dinge, die dich auch in den hochgelobten Kanzleien oder Unternehmensberatungen zu den höheren Nummern auf dem Lohnzettel führen.

Ab dem Moment hast Du etwas womit Du verhandeln kannst.
Ein "ich bin jetzt schon Arzt, eure Weiterbildung ist Scheisse und Nachtdienste auch, deswegen will ich mehr Geld" ist für ein Unternehmen ein Grund drüber nachzudenken, dich zu ersetzen, aber nicht um mehr Geld reinzustecken.

Nur mal so am Rande: bis auf eure Mama hat euch nach dem Examen keiner lieb. Die Verwaltung nutzt euch als Reittiere um das wenige verdammt gute Geld zur Bank zu bringen, die Patienten erzählen höchstens (genau wie ihr) wie Scheisse es bei euch ist und alle Anderen schauen neidvoll auf einen Tarifvertrag, den das Gros der Absolventen anderer Fächer gerne hätten.
Früher wurden hier Piloten als Traumverdiener genannt. Wegen Verantwortung und so.
Ein kleines Coronavirus hat das mal eben geändert.

Ihr wusstet vor Studienbeginn über den Tarifvertrag Bescheid, während des Studiums sollte man genug Praktika gemacht haben um die Tragweite der Arbeit erfassen zu können.

Sich hinterher hinzustellen und nur auf dem Boden der eigenen Persönlichkeit Gehälter zu fordern, die lt. Tarif (Solidarität, ne?) über den anderen Kollegen stehen, ist genauso frech.

Wenn Du es für alle forderst, dann geh zum MB, Verdi und Co und verhandelte mit. Oder wechsele den Job. Oder kneif die Backen an ein paar Stellen zusammen und zieh durch.
Durch lamentieren wird es nicht besser.

Evil
26.09.2020, 08:23
Niemand von Oberärzten/Chefärzten oder Niedergelassenen hat Interesse an einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen von nachrangigen Krankenhausärzten. Ganz im Gegenteil, nachher muss die alte Garde noch federn lassen.
Das ist eine böswillige, durch hier geschriebene Aussagen nicht gedeckte Unterstellung, jedoch kennzeichnendes Beispiel für Deine Argumentation und Standpunkte.
Ich frage mich, warum sich hier noch irgendwer die Mühe macht und seine Lebenszeit mit Dir verschwendet. Ich werde es jedenfalls nicht tun und mich darauf beschränken, grob falsche Aussagen als solche zu kennzeichnen.

Trüffel
26.09.2020, 08:27
Und warum können die Fach- und Oberärzte diesen tollen Extra-Cash fürs KH generieren? Weil die Assistenten auf Station und in der ZNA den Rest machen. Der gesamte Cash der Grundversorgung fließt ohne sie nicht. Also auch wieder eine recht originelle OA-Sichtweise. Ich frage mich, welcher Informatiker für seine Firma nur dann als wertvoll betrachtet wird, wenn sein Name überall auf Broschüren und der Website steht, wo Schlüsselkunden ihn sehen und sagen: "Whoa, so ein toller Hecht. Also jetzt wo ich weiß, dass der da arbeitet, gebe ich meine Software in dieser Firma in Auftrag!" Wenn Assistenzärzte für das Krankenhaus so ein furchtbarer Deal wären, dann wären sie längst gefeuert und die ach-so-profitablen Fach- und Oberärzte würden den Laden alleine schmeißen. Tun sie nicht? Dann ist das Modell vielleicht doch etwas zu einfach gedacht. ;)