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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Medizinstudium: Fehler meines Lebens



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Kackbratze
26.09.2020, 13:03
1. Du sprichst nur für dich selber
2. Also am kleinen Zeh? Interessant. Da juckt es mich auch gerade.
3. Wenn Du das alles nicht willst, warum tust Du dann so, als ob das wichtig wäre für Dich?

DrSkywalker
26.09.2020, 14:08
2. . Auch ein Oberarzt der sich Kackbratze nennt spricht nicht gerade für Seriösität und guten Umgangston.
3. Wenn man so wird um da hinzukommen wo du bist, will ich das ganze lieber sein lassen.

Kackbratze ist hier eine Institution und hat sich den Namen gegeben zu Zeiten in denen manch ein heutiger Berufsanfänger hier noch nicht mal ohne Windeln auskam. Weiterhin wirst du das ganze wahrscheinlich auch sein lassen (, müssen) weil du möglicherweise so bist wie du bist und nicht wie der sehr geschätzte Kackbratze.

Mano
26.09.2020, 18:27
Wenn die Verwaltung rational und wirtschaftlich denken würde, dann würde sie bei uns erstmal in 10 neue Stellen im Patiententransportdienst investieren. Was da an Wartezeiten für OP & Co. entsteht kann keine noch so effektive Stationsarbeit auffangen. Klar das dann lieber der drittklassige Assistent zum Tariflohn eingestellt wird als dem Überflieger einen AT-Vertrag anzubieten...

Trüffel
26.09.2020, 18:30
Ach was. Gibt doch Praktikanten, Pflegeazubis, FSJler, Famulanten und PJler ...

medicinentia
26.09.2020, 18:41
Kackbratze ist hier eine Institution und hat sich den Namen gegeben zu Zeiten in denen manch ein heutiger Berufsanfänger hier noch nicht mal ohne Windeln auskam. Weiterhin wirst du das ganze wahrscheinlich auch sein lassen (, müssen) weil du möglicherweise so bist wie du bist und nicht wie der sehr geschätzte Kackbratze.

Für mich alles keine Legitimation auf Assistenten einzuprügeln und zu sagen wir bieten außer unserer Approbation NICHTS, schon gar keinen Mehrwert, beschweren uns nur und im Prinzip läuft die Sache auch ohne Assistenten / die OÄ machen das dann halt selbst.
Solche Aussagen schätzt du also sehr und unterstützt du nur weil jemand hier lange dabei ist ???

Dann könnte man sagen "Bitte studiert kein Medizin, das ist nichts wert. Kommt einfach direkt in die Klinik und arbeitet bitte"

Melina93
26.09.2020, 18:48
Dass mit der "außer der Approbation habt ihr nichts" war darauf bezogen, dass Oberärzte durch ihre Erfahrung mehr Geld für eine Klinik erwirtschaften und dadurch einen Mehrwert für eine Klinik bieten, den ein Anfänger unabhängig von seinen Ambitionen erst einmal nicht vorweisen kann.
Ich bin ja selber Berufsanfängerin und habe mich davon jetzt null beleidigt gefühlt.

DrSkywalker
26.09.2020, 20:04
Für mich alles keine Legitimation auf Assistenten einzuprügeln und zu sagen wir bieten außer unserer Approbation NICHTS, schon gar keinen Mehrwert, beschweren uns nur und im Prinzip läuft die Sache auch ohne Assistenten / die OÄ machen das dann halt selbst.
Solche Aussagen schätzt du also sehr und unterstützt du nur weil jemand hier lange dabei ist ???

Dann könnte man sagen "Bitte studiert kein Medizin, das ist nichts wert. Kommt einfach direkt in die Klinik und arbeitet bitte"

Einprügeln? Wenn das für dich Einprügeln ist befürchte ich du wirst dich in der Klinik als Weiterbildungsassistentin leider sehr häufig geprügelt fühlen, oder schlimmeres :(

anignu
26.09.2020, 21:09
Es ist schon irgendwie amüsant wenn man so mitliest.

Wenn hier alle glauben was ein Assistenzarzt alles kann, dann machen wir es doch mal anders rum. Wir sehen uns einen sehr einfachen Fall an. Ambulante Portanlage. Patient braucht Port. Ok. Indikationsstellung? Muss ein FA/OA machen. Klar. Aufklärung? Kann auch ein AA machen. OP? Muss FA/OA machen, möglicherweise ein fortgeschrittener AA wenn ein FA/OA in der Nähe ist falls es Probleme gibt, ein frischer AA alleine -> keine Chance. Brief schreiben? Kann auch der AA. Oder die Sekretärin.

Zusammengefasst: für die eigentliche Leistung braucht es den FA/OA. Für den Papierkram reicht es für die zweite Hälfte wenn man eine Sekretärin hat, für die erste Hälfte braucht es eine Sekretärin mit Approbation. Und genau da kommt der Assistenzarzt ins Spiel. Zu Beginn ist der Assistenzarzt wie eine nicht ausgebildete Sekretärin mit medizinischem Halbwissen aber Approbation.

Bei stationären Patienten ist das natürlich aufwändiger. Aber wenn ich mir die Fragen mancher Assistenzärzte anschaue... Beispiel "unklarer Anstieg der Entzündungszeichen". Es ist ja wohl nicht so schwierig für den Anfang. Postoperativ schaut man sich grundsätzlich mal die Bereiche an die operiert wurden ob das Problem dort zu finden ist, dann U-Status und ggf. Rö-Thorax und Zugänge (ZVK, Viggo etc.). Und erst wenn es da nichts gibt überlegt man weiter. Es ist immer das Gleiche. Immer. Wieso um alles in der Welt fragt ein Assistenzarzt ständig nach um sich dann anzuhören "hast du schon einen U-Status gemacht? Nein? Wirklich nicht? Wieso nicht? Wieso immer noch nicht? Wieso schon wieder nicht?". Eine einigermaßen gute Sekretärin kapiert das spätestens nach dem zweiten Mal.

Und beim 10. Mal sagt man es dann in schärferem Ton und der Assistenzarzt heult sich dann in einem Forum aus weil alle so fies sind und das Potential nicht erkennen und man viel zu wenig Geld bekommt für das was man alles aushalten muss...

Mr. Pink online
26.09.2020, 21:28
Ohne Worte... Für die Auswahl und Ausbildung deiner Assis bist du selbst verantwortlich. Wenn die es nach dem zehnten Mal nicht checken, würde ich den Fehler auch Mal woanders suchen.

Trüffel
26.09.2020, 21:43
Assistenzärzte sind ungelernte Sekretäre mit medizinischem Halbwissen. Na, da fällt doch endlich die Fassade! Absolut widerwärtig, was sich hier für Abgründe offenbaren ...

romunken
26.09.2020, 21:59
also ich steh selbst erst kurz vor der 3. ärztlichen Prüfung und habe vor Kurzem bei der KiTa-Meldung unseres Sohnes so einen Zettel dabeigehabt, wo wir angeben sollten, welche Fähigkeiten wir als Eltern so einbringen können: da wollte ich auch "medizinisches Grundwissen" hinschreiben.

was ich sagen will: Wenn mich das lange Studium eins gelehrt hat, dann dass man als Frisch-Approbierter eigentlich noch ziemlich wenig weiß. Und selbst wenn man ein gutes theoretisches Wissen hat, so fehlt einem definitiv noch die klinische Praxis/Erfahrung - insofern auch die andere Hälfte der Medizin = medizinisches Halbwissen.

Das ist auch nicht weiter schlimm, man kann diese Erfahrung ja in den Weiterbildungsjahren sammeln.

][truba][
26.09.2020, 22:05
Was fühlen sich denn hier alle Assis so auf den Schlips getreten?!
Das was Bratze und Anignu schreiben stimmt doch. Ich bin jetzt im 4. Jahr und im ersten und zweiten Jahr hab ich eine ganze Menge dämlicher Fragen gestellt und auch manchmal meinen Hintergrund Dinge gefragt, bei denen mir auffiel, dass ich das vorher hätte recherchieren können. Ich hab sehr oft die Ohren lang gezogen bekommen und fast immer war es richtig so, weil ich einfach nicht (genug) selbst gedacht habe. Man sieht natürlich auch Assis, die haben es drauf und scheinen es selbst im zweiten Jahr schon gecheckt zu haben und vielleicht gehört ihr dazu, dann könnt ihr das vielleicht nicht nachvollziehen aber der ganz normale Assi fragt eben auch öfter mal nach. Ganz oft (und das fällt mir auf, je länger ich da bin) traut er sich auch nicht mal eine Entscheidung zu treffen, die er längst treffen könnte. Natürlich ist es oft ein schmaler Grat (Sprichwort Facharztstandard) aber irgendwann muss man auch anfangen, selbst Dinge zu entscheiden und nicht den FA oder OA jedes mal anzurufen wenn z.B. ein Patient einen offensichtlichen transfusionspflichtigen Hb Wert hat um zu fragen, ob man denn jetzt mal transfundieren solle (Ihr haltet das vielleicht für lächerlich aber ich habe es erlebt, von Assistenten im zweiten oder dritten Ausbildungsjahr) oder ob ein abdominalchir. Patient postoperativ bei akutem Abdomen und steigenden Infektwerten nach Ausschluss der von anignu genannten Gründe ein CT brauch (wobei hier die meisten zumindest schon informiert werden wollen).

Denke so wie die zwei reden, erkenne ich viele meiner ehemaligen (sehr guten) Oberärzte wieder. Man kann nicht alle Standards 20x erklären, denn dann kann man es lieber selber machen. Und wenn einer nachdenkt, bevor er fragt, kriegt er auch (gute) Hilfe. Wer aber denkt, der FA/OA ist nur da um das denken für einen zu übernehmen, kriegt eben auch mal ne Ansage.

GelbeKlamotten
26.09.2020, 22:07
Es ist schon irgendwie amüsant wenn man so mitliest.

Wenn hier alle glauben was ein Assistenzarzt alles kann, dann machen wir es doch mal anders rum. Wir sehen uns einen sehr einfachen Fall an. Ambulante Portanlage. Patient braucht Port. Ok. Indikationsstellung? Muss ein FA/OA machen. Klar. Aufklärung? Kann auch ein AA machen. OP? Muss FA/OA machen, möglicherweise ein fortgeschrittener AA wenn ein FA/OA in der Nähe ist falls es Probleme gibt, ein frischer AA alleine -> keine Chance. Brief schreiben? Kann auch der AA. Oder die Sekretärin.

Zusammengefasst: für die eigentliche Leistung braucht es den FA/OA. Für den Papierkram reicht es für die zweite Hälfte wenn man eine Sekretärin hat, für die erste Hälfte braucht es eine Sekretärin mit Approbation. Und genau da kommt der Assistenzarzt ins Spiel. Zu Beginn ist der Assistenzarzt wie eine nicht ausgebildete Sekretärin mit medizinischem Halbwissen aber Approbation.

Bei stationären Patienten ist das natürlich aufwändiger. Aber wenn ich mir die Fragen mancher Assistenzärzte anschaue... Beispiel "unklarer Anstieg der Entzündungszeichen". Es ist ja wohl nicht so schwierig für den Anfang. Postoperativ schaut man sich grundsätzlich mal die Bereiche an die operiert wurden ob das Problem dort zu finden ist, dann U-Status und ggf. Rö-Thorax und Zugänge (ZVK, Viggo etc.). Und erst wenn es da nichts gibt überlegt man weiter. Es ist immer das Gleiche. Immer. Wieso um alles in der Welt fragt ein Assistenzarzt ständig nach um sich dann anzuhören "hast du schon einen U-Status gemacht? Nein? Wirklich nicht? Wieso nicht? Wieso immer noch nicht? Wieso schon wieder nicht?". Eine einigermaßen gute Sekretärin kapiert das spätestens nach dem zweiten Mal.

Und beim 10. Mal sagt man es dann in schärferem Ton und der Assistenzarzt heult sich dann in einem Forum aus weil alle so fies sind und das Potential nicht erkennen und man viel zu wenig Geld bekommt für das was man alles aushalten muss...

Was du beschreibst hat weitestgehend nicht mit dem Assistenzarztstatus zu tun, sondern damit, dass es einfach einen Haufen schlechte junge Ärzte gibt. Zum Teil liegt das auch daran, dass Assistenzärzte aus dem Ausland angeworben werden, die dort eine wesentlich schlechtere Ausbildung genossen haben und erstmal jahrelang hauptsächlich mit deutsch lernen beschäftigt sind.

Um dein Beispiel mit dem Port aufzugreifen: bei uns gibt es in der radiologischen Abteilung drei Leute, die Ports implantieren. Ein OA und 2 Assistenten.

In der Regel meldet sich die Onkologie bei Bedarf beim OA. Wenn der die Anforderung annimmt übergibt er an einen der AA, der von da an alles weitere übernimmt: die Terminplanung, die Aufklärung, die OP und die Nachsorge.

Der Oberarzt wird nur bei Problemen hinzugezogen.

Das machen die beiden AA neben ihrem normalen Arbeitsplatz, für den sie eingeteilt sind. D.h. wenn sie mit der Portimplantation fertig sind, ist die Befundungsliste voll mit Stagings, MRTs, usw. Der AA bleibt dann unbezahlt länger und arbeitet das auf, weil er ja das Vergnügen hatte, einen Port implantieren zu dürfen.

Genau deswegen habe ich keinerlei Interesse, das zu lernen. Wozu auch? Damit ich dann freiwillig regelmäßig für das gleiche Geld mehr arbeiten darf?

Da liegt das Problem: die Vergütung erfolgt nicht leistungsgerecht. Jeder bekommt das gleiche Tarifgehalt. Und das ist halt angepasst an die im Schnitt vermutlich wirklich eher mäßige Leistung der Assistenzärzte.

Ich denke schon, dass diejenigen die sich beschweren eher die Leistungsträger sind. Die Kollegen, die kaum ein Wort verstehen und jeden zweiten Satz mit „aber mein Obetarzt hat gesagt...“ anfangen, pochen meistens auch nicht auf mehr gehalt.

anignu
26.09.2020, 22:09
Ohne Worte... Für die Auswahl und Ausbildung deiner Assis bist du selbst verantwortlich. Wenn die es nach dem zehnten Mal nicht checken, würde ich den Fehler auch Mal woanders suchen.
Für die Auswahl nicht, für die Ausbildung schon. Aber auch hier bin ich einer von mehreren/vielen. Es ist ja nicht so dass es nur ich sage. Und letztlich läuft es drauf raus dass so zwischen 10 und 15% Idioten dabei sind beim "Rohmaterial". Bei denen helfen dann die gesammelten Bemühungen der Kollegen nix und die gehen letztlich. Manche werden am Ende der Probezeit rausgeschmissen, anderen wird der befristete Vertrag nicht verlängert (lang vorher angekündigt) und den letzten wird es so deutlich nahegelegt dass sie von selbst kündigen. Klar. Man kann dann den Fehler bei den 10 Oberärzten suchen die sicherlich alle alles falsch machen, oder bei dem einen Assistenzarzt der dieselbe Sache beim zehnten Mal immer noch nicht kapiert hat... alles klar.

Assistenzärzte sind ungelernte Sekretäre mit medizinischem Halbwissen. Na, da fällt doch endlich die Fassade! Absolut widerwärtig, was sich hier für Abgründe offenbaren ...
Klar. Alles widerwärtig. Alles Abgründe usw... und wiederum keinerlei Substanz als Gegenrede.

Schreib doch mal was du glaubst dass ein Assistenzarzt KANN! Und was davon eine Leistung ist aus Sicht des Krankenhauses / BWLers / Oberarztes. Und was eine Leistung ist die höher ist als die einer Sekretärin, OP-Schwester oder was auch immer. Außer halt Aufklärungen.

DrSkywalker
26.09.2020, 22:11
Zumindest die ersten zwei Jahre kann man einfach mal etwas Demut an den Tag legen und außer bei groben Dingen einfach mal sich nicht beschweren und seine Arbeit machen. Das hat noch nie geschadet...

GelbeKlamotten
26.09.2020, 22:13
Schreib doch mal was du glaubst dass ein Assistenzarzt KANN! Und was davon eine Leistung ist aus Sicht des Krankenhauses / BWLers / Oberarztes. Und was eine Leistung ist die höher ist als die einer Sekretärin, OP-Schwester oder was auch immer. Außer halt Aufklärungen.

Immerhin kann ein Assistenzarzt nach einigen Monaten bis Jahren den größten Teil der Notfälle im dienst alleine mehr oder weniger gut handeln. Zumindest bei uns ist es nicht üblich, dass im Dienst ein OA anwesend ist. Und nachts beim OA anrufen ist sehr ungern gesehen. Wenn du da ne Sekretärin hinsetzt dann ist der Laden nach ner Dreiviertelstunde dekompensiert.

anignu
26.09.2020, 22:21
Um dein Beispiel mit dem Port aufzugreifen: bei uns gibt es in der radiologischen Abteilung drei Leute, die Ports implantieren. Ein OA und 2 Assistenten.

In der Regel meldet sich die Onkologie bei Bedarf beim OA. Wenn der die Anforderung annimmt übergibt er an einen der AA, der von da an alles weitere übernimmt: die Terminplanung, die Aufklärung, die OP und die Nachsorge.

Der Oberarzt wird nur bei Problemen hinzugezogen.
Und genau hier würde mich interessieren wie nah diese Assistenten am Facharzt sind. Wieviele Jahre Erfahrung sie haben... Denn das ist bei Chirurgen auch so: es gibt Assistenzärzte die Varizen-OPs alleine machen. Portimplantationen alleine machen. Etc. Aber halt nicht die Kleinen. Diejenigen mit mehreren Jahren Erfahrung...

Genau deswegen habe ich keinerlei Interesse, das zu lernen. Wozu auch? Damit ich dann freiwillig regelmäßig für das gleiche Geld mehr arbeiten darf?
DAS wiederum ist ein strukturelles Problem. Ich würde dann solche Sachen halt machen wenn ich dafür andere Sachen nicht machen müsste. Bei Chirurgen ist es halt normalerweise so dass sie entweder grad die eine OP oder die andere OP machen. Mehrere OPs gleichzeitig können nur Chefärzte ;-)

Da liegt das Problem: die Vergütung erfolgt nicht leistungsgerecht. Jeder bekommt das gleiche Tarifgehalt. Und das ist halt angepasst an die im Schnitt vermutlich wirklich eher mäßige Leistung der Assistenzärzte.

Ich denke schon, dass diejenigen die sich beschweren eher die Leistungsträger sind.
Ich empfinde das Tarifgehalt für Assistenzärzte vor allem in den ersten Jahren im Vergleich zum Können schon als ziemlich hoch, während ich der Meinung bin dass die Steigerung im Vergleich zur Lernkurve eher mies ist. Daher gehen die "echten Leistungsträger" ja auch irgendwann Richtung AT-Vertrag oder Praxis...

Immerhin kann ein Assistenzarzt nach einigen Monaten bis Jahren den größten Teil der Notfälle im dienst alleine mehr oder weniger gut handeln.
Stimmt. Nach einigen Jahren... also auf dem Weg Richtung Facharzt...

John Silver
26.09.2020, 22:54
Mal wieder aber auch alles durcheinander.

1. Die Dienste werden beschissen bezahlt. Egal, was man da leistet. Darüber herrscht, denke ich, Konsens.

2. Das Grundgehalt ist ok. Hier besteht offenbar Dissens, deswegen eine kleine Erklärung an die sich unterbezahlt Fühlenden:

Warum zahlt eine große Anwaltskanzlei einem Anfänger mit gutem Examen viel mehr, als selbst der Jahrgangsbeste in der Medizin bekommt? Ganz einfach: Der Anwalt kann schon frisch von der Uni viel eigenständig machen. Klar ist er/sie immer noch ein Zuarbeiter für die Partner der Kanzlei, aber die Partner müssen einen solchen Anfänger eben nicht penibel überwachen. Bissl Einarbeitung, und schon läuft‘s. Ein solcher Anfänger nimmt den Partnern viel Arbeit ab, uns das ist viel wert. Gilt auch für Ingenieure etc.

Wer bezahlt die Assistenzärzte? Die Verwaltung. Nicht der Chef. Was nützt ein Assi der Verwaltung? Besetzt die Dienste, macht den scutwork monkey für die Fachärzte (Chef mitgezählt). Notwendigkeit eines Überfliegers mit tollen Examensnoten, Motivation und bla? Nö. Ganz nett, aber der radebrechende Ukrainer oder Syrer tut‘s genauso; die Unterschiede im Detail sind Probleme der Fachärzte, und das geht der Verwaltung am Arsch vorbei. Chef und Oberärzte sollen das ändern? Klar, immer nach Mama rufen, hat sich seit früher Kindheit, die manche noch immer nicht verlassen haben, gut geklappt. Hilft halt nix, denn der Chef bekommt von der Verwaltung zu hören, Sonderwünsche seien nicht finanzierbar. Dann kann er toben, schreien und wird rausgeschmissen. Wem hilft das? Hm.

Jetzt zur Weiterbildung. Die Weiterbildung ist scheiße, zumindest meist. Woran liegt‘s? Hm, bei der Ärztekammerwahl habe ich noch nie eine Liste mit Assis gesehen. Die Ärztekammer engagiert sich nicht für mehr und bessere Weiterbildung? Komisch. Dann in der Klinik selbst. Nie den Kopf einschalten, Patienten nicht kennen, immer wieder gleiche Fehler machen, sich nie selbst belesen, und dann fordern. Was fordert ihr? Dass wir mehr machen? Äh, nö. Ich bin nicht dazu da, um jedem Assi Basics zu erklären. Selbst, bittschön, es gibt zu jedem Thema Dutzende Bücher und unzählige Zeitschriftenbeiträge. Ich bin kein Lehrer, die Station ist keine Schule. Ich bin dazu da, um den Assis das beizubringen, was nicht in den Büchern steht, nämlich den klinischen Blick, die richtige Denkweise und das Manuelle; diese Dinge können aber nur auf den Basics aufbauen. Wenn mal wieder Assis vor mir stehen, die die Basics nicht beherrschen, nie das nachlesen, was ich nachzulesen auftrage, und dann erwarten, dass der Oberarzt jetzt aber alles beibringt - Pech gehabt, heult im Forum. Ihr seid nicht mehr in der Ausbildung, sondern schon im Beruf, da kann man keine „Ausbildung“ erwarten, der Hase läuft anders.

GelbeKlamotten
26.09.2020, 23:04
Und genau hier würde mich interessieren wie nah diese Assistenten am Facharzt sind. Wieviele Jahre Erfahrung sie haben... Denn das ist bei Chirurgen auch so: es gibt Assistenzärzte die Varizen-OPs alleine machen. Portimplantationen alleine machen. Etc. Aber halt nicht die Kleinen. Diejenigen mit mehreren Jahren Erfahrung...
4. und 5. jahr soweit ich weiß..



DAS wiederum ist ein strukturelles Problem. Ich würde dann solche Sachen halt machen wenn ich dafür andere Sachen nicht machen müsste. Bei Chirurgen ist es halt normalerweise so dass sie entweder grad die eine OP oder die andere OP machen. Mehrere OPs gleichzeitig können nur Chefärzte ;-)

Da habt ihr uns gegenüber tatsächlich einen Vorteil. Uns kann man den ganzen tag lang alles reindrücken was die geräte hergeben und wenn man dann abends um 8 immer noch nicht alles aufgearbeitet hat heißt es: „du musst halt schneller arbeiten“


Ich empfinde das Tarifgehalt für Assistenzärzte vor allem in den ersten Jahren im Vergleich zum Können schon als ziemlich hoch, während ich der Meinung bin dass die Steigerung im Vergleich zur Lernkurve eher mies ist. Daher gehen die "echten Leistungsträger" ja auch irgendwann Richtung AT-Vertrag oder Praxis...
Da gebe ich dir Recht. Die unterschiedliche Leistung eines Berufsanfängers gegenüber einem Assistenzarzt mit sagen wir mal 3 jahren Erfahrung ist im Gehaltsunterschied keinesfalls fair abgebildet.


Habe eigentlich keine Einwände gegen deinen Post. Ich bin selbst überrascht ;)

GelbeKlamotten
26.09.2020, 23:11
Warum zahlt eine große Anwaltskanzlei einem Anfänger mit gutem Examen viel mehr, als selbst der Jahrgangsbeste in der Medizin bekommt? Ganz einfach: Der Anwalt kann schon frisch von der Uni viel eigenständig machen. Klar ist er/sie immer noch ein Zuarbeiter für die Partner der Kanzlei, aber die Partner müssen einen solchen Anfänger eben nicht penibel überwachen. Bissl Einarbeitung, und schon läuft‘s. Ein solcher Anfänger nimmt den Partnern viel Arbeit ab, uns das ist viel wert. Gilt auch für Ingenieure etc.


Das halte ich für sehr unwahrscheinlich. Du denkst eine große Kanzlei mit gutem Ruf stellt einen frischen Uniabsolventen ein und lässt den dann einfach mal vor sich hinarbeiten?

Wohl kaum. Da wird genauso zu anfang jeder Schritt kontrolliert und es muss genauso erstmal ein aufwendiger Lernprozess stattfinden wie beim Assistenzarzt.

Das gleiche gilt für Ingenieure. Auch ein Berufseinsteiger im Ingenieurwesen kostet anfangs erstmal mehr als er einbringt. Glaubst du Audi stellt sich ne Uniabsolventin ein und 6 wochen später konstruiert sie nach kurzer einarbeitung selbstständig Teile für die neue Modellreihe? Ganz bestimmt nicht.

Der Unterschied ist: In der freien Wirtschaft investieren schlaue Unternehmen in junge Mitarbeiter, um später dann von deren Produktivität zu profitieren. In der Medizin ist dieses Vorgehen gänzlich unbekannt, da wird von anfang an versucht, alles aus den Leuten rauszupressen.