Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Medizinstudium: Fehler meines Lebens
@Trüffel: Nö, ist es nicht. Und ein Assistenzarzt ist ja nicht allein in der Abteilung. Man kann durchaus zeitnah dem Chef klarmachen, dass man z.B. unbezahlte Überstunden nicht akzeptiert und daher pünktlich (ein paar Minuten plus/minus wären verkraftbar) den Griffel fallenlässt. Aber „weil man das ja nicht macht“, macht es auch keiner.
Das sehe ich anders. Du erwartest unrealistische Abgebrühtheit von jungen Mitt-20er Assistenzärzten auf ihrer ersten Stelle, die gerade in der Großstadt oder an der Uniklinik durchaus auch heute noch in einer gewissen Bittstellerposition stehen.
Feuerblick
15.07.2020, 11:52
Nein, ich erwarte, dass man Willens ist, Zustände zu ändern, mit denen man unzufrieden ist. Und dass man endlich mal einsieht, dass man eben NICHT Bittsteller ist. Sondern Arbeitnehmer in der Weiterbildung. Sprich: Der Chefarzt schuldet DIR was... nämlich Weiterbildung und gescheite Arbeitsbedingungen. Dafür schuldest DU deine Arbeitskraft. So und nicht anders lautet der Handel. Ein Geben und Nehmen. Wenn Chefärzte meinen, sie könnten ihre Position ausnutzen und die Aufmüpfigen „bestrafen“, dann sollte man dringend gehen.
Wer jammern kann, der ist abgebrüht genug, die Mängel zu sehen. Also kann er auch was ändern. Aber ich sag ja: Duckmäusertum. Mama und Papa haben gesagt, dass man gegenüber Chefärzten bittedanke niemals aufmucken darf!
Wenn Chefärzte meinen, sie könnten ihre Position ausnutzen und die Aufmüpfigen „bestrafen“, dann sollte man dringend gehen.
Wohin? Aufs Land? Alle 6 Monate durch halb Deutschland ziehen? Du machst es dir wirklich zu einfach. Die Medizin hat ein systemisches Problem. Und was ein Chef in der Großstadt dem Assistenten schuldet, wenn er jede Woche 10 Bewerbungen aus ganz Deutschland auf dem Tisch liegen hat und der Assistent in Probezeit ist, dürfte auch recht variabel interpretierbar sein.
CrashStudios
15.07.2020, 12:27
Wohin? Aufs Land? Alle 6 Monate durch halb Deutschland ziehen? Du machst es dir wirklich zu einfach. Die Medizin hat ein systemisches Problem. Und was ein Chef in der Großstadt dem Assistenten schuldet, wenn er jede Woche 10 Bewerbungen aus ganz Deutschland auf dem Tisch liegen hat und der Assistent in Probezeit ist, dürfte auch recht variabel interpretierbar sein.
...zum Glück bekommen Daimler, SAP und Co. nur alle paar Jahre mal eine Bewerbung von BWLern zugeschickt:rolleyes:
Entweder man kämpft für bessere Arbeitsbedingungen oder geht ins Ausland. Im Internet lamentieren, aber dann vor dem Chefs das Maul nicht aufzubekomen ist offensichtlich viel bequemer und Teil der deutschen Mentalität.
Ich habe so oft mit meinen Kollegen über Gehalt und Arbeitsbedingungen gesprochen und mir kamen die Leute dabei vor wie die größten Gewerkschafter, sobald der Chef aber im Raum war, wurde sich sofort wie ein Hund brav auf den Rücken geworfen.
...zum Glück bekommen Daimler, SAP und Co. nur alle paar Jahre mal eine Bewerbung von BWLern zugeschickt:rolleyes:
Eben drum. Ist es nicht faszinierend, dass da trotzdem bessere Zustände herrschen? Weird. Schätze mal, im Gegensatz zu uns dummen Duckmaus-Ärzten ist bei Daimler jeder Bewerber ein William Wallace.
Feuerblick
15.07.2020, 13:26
Nun ja... ob da WIRKLICH bessere Arbeitsbedingungen herrschen? Ich wage es zu bezweifeln...
Ich mache mir gar nichts zu einfach. ich weiß nämlich, dass es funktioniert!
Evidence based
15.07.2020, 14:17
Nun ja... ob da WIRKLICH bessere Arbeitsbedingungen herrschen? Ich wage es zu bezweifeln...
Ich mache mir gar nichts zu einfach. ich weiß nämlich, dass es funktioniert!
Ja, die Arbeitsbedingungen sind besser. Alleine schon durch die freien Wochenenden, fehlenden Nacht-/24h Dienste und die flexible Arbeitszeitgestaltung. Das kann man nicht leugnen und ich möchte es auch nicht missen :)
Alles andere hier angesprochene ist hauptsächlich systembedingt. In einem Krankenhaus arbeiten soviele Kräfte in entgegengesetzte Richtungen, da wird man am Ende bzw. in der Mitte der Nahrungskette einfach nur zerrieben. Kann man alles mitmachen, muss aber niemand mit Approbation. Alternativen gibt es genug, man muss sich nur von der absoluten Jobgarantie verabschieden. Zur Not geht man halt zurück in die Klinik.
Nun ja... ob da WIRKLICH bessere Arbeitsbedingungen herrschen? Ich wage es zu bezweifeln...
Ich mache mir gar nichts zu einfach. ich weiß nämlich, dass es funktioniert!
JA auf jeden Fall. Gerade große Arbeitgeber wie Siemens achten sehr auf ihre Arbeitnehmer. Dort besteht auch das Interesse diese zu halten.
In einem deutschen Krankenhaus interessiert das niemand, im Gegenteil zahlreiche Berufsgruppen versuchen Arbeit sich gegenseitig zuzuschieben. So machen in DE (ein Alleinstellungsmerkmal!) BE & Viggos, CTx , Transfusionen, Port anstechen Ärzte im stationären Bereich. In der Ambulanz dann wieder nicht :-) .
Ebenso der Umgangston und das Verhalten der Mitarbeiter eines KH, welches zwischen preußischen Militarismus, Unfähigkeit und abgestumpfter Unfreundlichkeit (Prinzip: dafür bin ich nicht zuständig, gehen sie weg) oftmals liegt, wäre in einem normalen Wirtschaftsunternehmen nicht akzeptabel.
Kein Geld der Welt macht einen furchtbaren Job ertragbar auf die Dauer. Aber, dass es wenig ist, kann man nicht sagen.
5.016,08 im 2. Jahr plus ca. 1000-1500 für Dienste/ÜS
https://www.praktischarzt.de/arzt/tv-aerzte-tarifvertraege/
Cor_magna
15.07.2020, 15:26
Nun ja... ob da WIRKLICH bessere Arbeitsbedingungen herrschen? Ich wage es zu bezweifeln...
Ich mache mir gar nichts zu einfach. ich weiß nämlich, dass es funktioniert!
Es ist wirklich besser da. Nicht überall, aber die Arbeitsstellen bei Big Playern wie SAP, Siemens, Bosch, Google, Intel etc werden nicht umsonst so umschwärmt. Man muss da erstmal rein kommen, das ist natürlich klar, aber wenn man das schafft ist es da anscheinend echt cool.
Ja, die Arbeitsbedingungen sind besser. Alleine schon durch die freien Wochenenden, fehlenden Nacht-/24h Dienste und die flexible Arbeitszeitgestaltung. Das kann man nicht leugnen und ich möchte es auch nicht missen :)
Alles andere hier angesprochene ist hauptsächlich systembedingt. In einem Krankenhaus arbeiten soviele Kräfte in entgegengesetzte Richtungen, da wird man am Ende bzw. in der Mitte der Nahrungskette einfach nur zerrieben. Kann man alles mitmachen, muss aber niemand mit Approbation. Alternativen gibt es genug, man muss sich nur von der absoluten Jobgarantie verabschieden. Zur Not geht man halt zurück in die Klinik.
Klingt als hättest du Einblicke. Wo und wie arbeitest du denn? :)
Ja, die Arbeitsbedingungen sind besser. Alleine schon durch die freien Wochenenden, fehlenden Nacht-/24h Dienste und die flexible Arbeitszeitgestaltung. Das kann man nicht leugnen und ich möchte es auch nicht missen :)
Mh, okay, das Gedankenexperimente wie diese Vorstellungen auf einen Maximalversorger zu übertragen sind kann ja jeder selbst machen.
Sicher, die Arbeitsbedingungen sind zuweilen schlecht, das ist nicht weg zu diskutieren. Aber diese "ich will eigentlich nur arbeiten wenn ich grad Lust dazu hab, auf keinen Fall nachts oder am Wochenende, Dienstags hab ich immer Spanisch und Freitag kann ich generell nicht, will aber 5000 netto und einen Orden dafür"-Mentalität, die sich auch unter meinen Kollegen immer mehr durchsetzt find ich nicht nachvollziehbar.
Mukopolysaccharid
15.07.2020, 15:44
hab ich noch nie gehört, jedenfalls nicht von Zungen aus Deutschland. In Indien haben diese Firmen tatsächlich Golfplätze und Fitnessstudios auf dem Firmengelände. In DE kann man davon nur träumen. Hier muss man ja schon froh sein, wenn die Firma oder der Firmensitz nicht auch ins Ausland verlegt wird. Lohnzuschläge wie Weihnachtsgeld etc. gibts Jahrzehnte nicht mehr.
Es ist wirklich besser da. Nicht überall, aber die Arbeitsstellen bei Big Playern wie SAP, Siemens, Bosch, Google, Intel etc werden nicht umsonst so umschwärmt. Man muss da erstmal rein kommen, das ist natürlich klar, aber wenn man das schafft ist es da anscheinend echt cool.
Klingt als hättest du Einblicke. Wo und wie arbeitest du denn? :)
Feuerblick
15.07.2020, 15:48
Also, für deutsche Firmen sind mir derartige Aussagen doch neu. Ich kenne eher die Berichte über 80-Stunden-Woche, Stress und Druck. Ja, Dienstwagen und Co gibts vielleicht und ein hübsches Büro auch. Und eventuell auch eine Menge Geld. Aber Repressalien, Überstunden etc. genauso. So zumindest die Schilderungen derjenigen, die ich aus diesen Firmen so kenne...
Mukopolysaccharid
15.07.2020, 15:50
Lehrer ist auch ein harter Job und verlangt ebenso ein Arbeiten am Wochenende und bis in den späten Abend. In einer Firma genauso, besonders, wenn man über ein Subunternehmen dort angestellt ist oder sich nicht für immer auf der untersten Sprosse def Karriere bewegen möchte.
Mh, okay, das Gedankenexperimente wie diese Vorstellungen auf einen Maximalversorger zu übertragen sind kann ja jeder selbst machen.
Sicher, die Arbeitsbedingungen sind zuweilen schlecht, das ist nicht weg zu diskutieren. Aber diese "ich will eigentlich nur arbeiten wenn ich grad Lust dazu hab, auf keinen Fall nachts oder am Wochenende, Dienstags hab ich immer Spanisch und Freitag kann ich generell nicht, will aber 5000 netto und einen Orden dafür"-Mentalität, die sich auch unter meinen Kollegen immer mehr durchsetzt find ich nicht nachvollziehbar.
Evidence based
15.07.2020, 15:51
Es ist wirklich besser da. Nicht überall, aber die Arbeitsstellen bei Big Playern wie SAP, Siemens, Bosch, Google, Intel etc werden nicht umsonst so umschwärmt. Man muss da erstmal rein kommen, das ist natürlich klar, aber wenn man das schafft ist es da anscheinend echt cool.
Klingt als hättest du Einblicke. Wo und wie arbeitest du denn? :)
Ich habe ein paar Einblicke gesammelt, bei Bedarf gerne mehr per PN ;)
@crossie: Natürlich ist das auf die allermeisten Kliniken nicht übertragbar. Die Nächte und Wochenenden müssen besetzt sein. Für mich waren es hauptsächlich die Dienste, die die Lebensqualität gedrückt haben. Viele meiner Bekannten kommen damit scheinbar besser zurecht. Ich habe mich darüber aber nie beklagt, sondern mir irgendwann einfach etwas anderes gesucht. Diese Mentalität ist im Krankenhaus natürlich vollkommen unangebracht - wenn man Patienten behandeln will, dann geht das nur ganz oder garnicht und ohne cherry picking.
Also, für deutsche Firmen sind mir derartige Aussagen doch neu. Ich kenne eher die Berichte über 80-Stunden-Woche, Stress und Druck. Ja, Dienstwagen und Co gibts vielleicht und ein hübsches Büro auch. Und eventuell auch eine Menge Geld. Aber Repressalien, Überstunden etc. genauso. So zumindest die Schilderungen derjenigen, die ich aus diesen Firmen so kenne...
Ach soooooo. Naja, wenn das so ist, dann ist es ja quasi dasselbe. :')
Mukopolysaccharid
15.07.2020, 16:10
Feuerblick meint „gabs damals noch vor 30 Jahren“ anstatt „gibts vielleicht“ ;)
Ach soooooo. Naja, wenn das so ist, dann ist es ja quasi dasselbe. :')
Ist und bleibt halt Blödsinn.
Feuerblick
15.07.2020, 16:27
Am Ende ist es irrelevant. Es gibt ja nur zwei Möglichkeiten:
1. Man verlässt die Medizin und sucht sich einen Job in einem der glorifizierten Unternehmen, der einem genehm ist und der die gewünschte Kohle einbringt.
2. Man bleibt in der Medizin und versucht, die Verhältnisse zu verbessern, indem man die Klappe aufmacht und nicht Hinnehmbares auch nicht hinnimmt.
Kann sich jeder selbst aussuchen. Niemand wird zum einen oder anderen gezwungen. Möglichkeiten gibts für jeden genug.
Und damit bin ich aus dieser Diskussion raus.
GelbeKlamotten
15.07.2020, 16:47
Es ist wirklich besser da. Nicht überall, aber die Arbeitsstellen bei Big Playern wie SAP, Siemens, Bosch, Google, Intel etc werden nicht umsonst so umschwärmt. Man muss da erstmal rein kommen, das ist natürlich klar, aber wenn man das schafft ist es da anscheinend echt cool.
Um einen guten Arbeitsplatz bei SAP zu bekommen, muss man absolut kein Überflieger sein. Durchschnittlicher Abschluss eines Informatikstudiums (oder vergleichbares) und keine groben Patzer im Lebenslauf reicht in fast allen Fällen aus für eine Festanstellung mit den diversen Extras wie kostenlosem sehr gutem Essen, Firmenwagen nach wenigen Jahren (mit Tankflatrate auch für private Nutzung), 1 Jahr volle Lohnfortzahlung bei Krankheit, regelmäßigen Boni und Unternehmensbeteiligungen in Form von Aktienpaketen etc pp.
Ich kenne mindestens 5 Leute, die bei SAP arbeiten. Mit zweien davon war ich eine Zeit lang zusammen. Keiner von denen ist ein Überflieger. Wenn ich denen erzähle, dass ich fast 100 Euro im Monat bezahlen muss, dass ich bei der Arbeit parken darf und ca 5 Euro für ein mittelmäßiges Mittagessen in der Kantine, dann schütteln die nur ungläubig den Kopf.
Das Gehalt eines durchschnittlichen SAP Angestellten ohne Führungsposition liegt unter dem eines Oberarztes, dürfte sich ungefähr auf dem Niveau eines angestellten Facharztes Bewegen. Aber die Arbeitsbedingungen sind WESENTLICH besser und die Stellen sind zumindest heute und in den letzten 5 Jahren nicht schwer zu kriegen.
Cor_magna
15.07.2020, 16:48
Ich habe ein paar Einblicke gesammelt, bei Bedarf gerne mehr per PN ;)
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Würd ich dir schicken wenn es gehen würde. Hast du anscheinend nicht eingeschaltet die Funktion :)
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