Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Treffpunkt für Anästhesisten
Hab zwei Fragen:
1. Gibt es auf dem ähnlichen Niveau wie der fürs DESA empfohlenen Bücher (Anesthesia Viva Science oder das von Plunckett et al.) auch was auf deutsch? Mein Englisch ist nicht gut genug als dass ich die flüssig lesen könnte. Im Rahmen des Lernens für den Facharzt hab ich aber doch irgendwie Lust auf einen gewissen "deep dive" bekommen - ohne jegliche Ambitionen fürs DESA.
2. Hat hier jemand Erfahrung mit LAMAs bei erweiterten Indikationen wie z. B. lap. CCE? Finde das Thema insgesamt sehr spannend, frag mich aber wie das z.B. mit Relaxation in dem Fall aussieht?
MissGarfield83
23.03.2024, 08:48
@crossie : Michael Preuss von boa.coach hat mal all seine Artikel als Buch zusammengefasst ... hab ich gerne zwischendurch bei der DESA Vorbereitung gelesen.
https://amzn.eu/d/aFLItti
Ansonsten sind halt viele gute Bücher aus dem englischen nicht übersetzt.
Das Anaesthesia Science Viva Book ist relativ einfach geschrieben und gut verständlich :https://amzn.eu/d/faEQhJH
Ansonsten kann ich das Basic Physiology for Anaesthetists auch sehr empfehlen ... einfache , kurze Kapitel mit guten Erklärungen für die relevante Physio https://amzn.eu/d/2l8Bse4
Hey!
Ich bin momentan im PJ und habe kürzlich begonnen, mir mal Gedanken über das Leben danach zu machen. Anästhesie soll's werden und das am liebsten an einem Maximalversorger/UK, vermutlich ab Jahresanfang 2025.
Mit wie viel Vorlauf habt ihr euch auf eure erste Stelle beworben? Ich habe da bislang total unterschiedliche Antworten gekriegt, aber n ist auch klein. Aktuell überlege ich, so Anfang August die ersten Bewerbungen loszuschicken, habe mir aber von einem OA sagen lassen, dass das z.B. für manche Unikliniken schon zu spät ist.
Und: Es juckt bei der Bewerbung wohl niemanden, wenn ich (noch?) keine Doktorarbeit habe, oder? Wenn ich mich so durch die Liste meiner Heimat-Uni klicke ist die Quote an Promotionen in der Anästhesie zumindest echt niedrig.
Hoffe das ist der richtige Thread für solche Fragen!:)
An meiner Uniklinik waren damals im Juli schon alle Anästhesiologie-Stellen für Januar besetzt. Und das war keine beliebte oder Großstadt-Uni.
Vor allem: Eine zu frühe Bewerbung kann dir ja keinen Nachteil bringen. Im schlimmsten Fall sagt man dir halt, bewirb dich in drei Monaten. Eine zu späte Bewerbung hingegen kann dir sehr wohl einen Nachteil bringen. Wozu also abwarten?
Hach wie schön - ich habe mir heute von einem Notfallsanitäter im RTW bei der Induktion einer ICB als Schutzintubation sagen lassen, als ich die Medikamente angesagt habe (im TTO und auch dann bei der Gabe), dass 0,1 Fentanyl zu wenig sei… darauf ist mir nur eingefallen, dass ich hier die Anästhesistin und Notärztin sei & entscheide, wieviel Fentanyl genug sei. (Über das ‚sehr grosszügig’ aufgezogene 50mg Rocuronium habe ich nichts gesagt). Spannend, was man so in seinem Leben erfährt. Hätte ich nicht gedacht. Passte ihm auch nicht. Ich musste ihn anschliessend an den Einsatz informieren, dass er das jetzt nicht wissen konnte, ich jetzt aber 20 Jahre (nagut, nur 18) Anästhesist sei und 16 Jahre Notärztin.. :-keks (in ‚meiner Hood‘ unterwges gewesen, nicht irgendwo wer weiss wie fremd)
Die Frage ist halt wieder, wieso man so eindeutige Aussagen trifft. "Hey Bille, meinste nicht, ich soll 0.5 aufmachen? Ich glaub, das reicht dem nicht". "Ah ja, mach mal/ne, ich denk das passt". Alle happy. Aber "du dumme Frau, das langt dem nie, was soll das?" Ist halt 100% schlecht gemacht
Wieso hast du zum ROC nichts gesagt? Wars dir zu blöd/nicht noch mehr Diskussionen?
Es war eine 0,5er Ampulle aufgezogen und ich wollte 0,1 davon gegeben haben. Das passte ihm halt nicht. Dass diese komische Notärztin einfach so wenig Fenta will. (Mir liegt es daran, Blutdruck zu halten… :-)))
Wieso zum Roc. - keinen Bock auf Diskussionen mit einem, der ‚mal was gehört hat & sicher einige Intubationen gesehen aber nie die Trennung zwischen Trauma-ITN und NCh-ITN machen musste, zudem kam dann auch das folgende ins Spiel: sein Kollege hatte auf die Ansage ‚… und jetzt Propofol… 200mg …‘ sehr zielsicher das Propofol aus der Hand gelegt und die Rocuronium in die Hand genommen… das haben wir alle dann sehr bewundert :-)), ich dann ‚.. das weisse Medikament, Propofol.. 200mg = 20ml.. ‚ kommentiert. Und da die ganze Aktion so lang gedauert hat, hat die Patientin allein von den 0,1 Fenta und der ersten Hälfte Propofol schon nix mehr gemacht… da ist mir das mit überm Daumen gepeilt 0,4-0,5 Rocuronium/kgKG dann auch egal gewesen.
Als Nachtrag zu dem Ganzen:
In unserem Kreis sind 2x 0,1 Fentanyl als Schmerztherapie bei NRS >6 den Notfallsanitätern zugelassen worden.
Seither werde ich oft genug auch für eine darüber hinaus gehende Schmerztherapie nachgefordert (weil ‚einfach nur Fentanyl geben‘ halt nicht reicht, sondern ein Basisanalgetikum und eine Einschätzung der Schmerzen in Relation - oft auch Anxiolyse verbal/medikamentös eigentlich viel hilfreicher wäre) - sehr oft gebe ich dann das hiesige Basisanalgetikum, ggf ein Anxiolytikum und begleite oft auch verbal - was gut funktioniert. Ich glaube - ich bin der Überzeugung! - dass die Kollegen NFS in unserem Kreis (und auch dort, wo es zugelassen wird) oftmals gar nicht genau um die Pharmakologie und Potenz, Möglichkeiten der mehrgleisigen Pharmako- & ‚multimodalen Akutschmerztherapie‘, Symptomeneinschätzung und -Ursache Bescheid wissen, weil: ‚ich kann ja Fentanyl geben, das hilft immer…‘ (& dann hilft es oftmals nicht ausreichend)
Das im Hinterkopf zu wissen, dürfte einem auch die sparsame Reaktion des NFS auf ‚nur 0,1 Fentanyl - boah, was für ne Memme ist diese (in einer Hinsicht auch noch spezielle) Ärztin denn…‘ und diese Ansage ‚das wird zu wenig sein‘ von ihm - weil 0,1 könnte ja selbst er geben - erklären.
Das Konzept ‚viel ist manchmal einfach nicht zielführend‘ haben die Kollegen NFS bei uns leider noch nicht verinnerlicht.
Wenn ich als Internist Blutdruck halten will, geb ich eher Fenta als Propofol...
ui..
kannst du kurz grobe Unterschiede Trauma/NCh nennen? danke :)
Trauma: kannst, nein musst: viel Fenta draufkloppen und mit Volumen ausgleichen. Kann Hypotonie ertragen, darf und sollte sogar einigermassen hypoton (90/50) gehalten werden.
Neuro: irgendwie Erhalt des RRsys >130mmHg, um eine Cerebralperfusion zu ermöglichen (Blutung: CPP gegen ICP, Ischämie: CPP >> MAP) - Hierfür als Mittel der Wahl gerne Ketofol…
Opiate machen eine längerwirksame RR Senkung, die ich dann mühsam ‚akrinorisieren’ kann… wenig Opiat, viel Relaxans, ausreichend viel Propofol (lässt sich prima akut ‚akrinorisieren‘)
Danke für deine noch differenziertere Einordnung der Dosis und eventuellen Problematik.
Ah, Akrinor gibt's bei uns gar nicht, nachdem wir auf ITS eh nur kritisch kranke intubieren, läuft eh Nor mit, vielleicht erklärt das unseren Hang zu Opiatlast. Wobei, viel Induktion machen wir auch mit Keta Mida, weil das ja kreislaufstabiler sein soll.
Bis Du im RD einen NorA Perfusor fertig hast…. :-((
Wir intubieren so selten und bis ich den Ambubeutel hab, haben die 4 Pflegekräfte schon 5 Perfusoren aufgezogen, mit egal was ich will :D
Vor allem: Eine zu frühe Bewerbung kann dir ja keinen Nachteil bringen.
Wir haben keine Stelle zum 1.1., aber sie könnten schon zum 1.10. anfangen. Kein Interesse? Dann gehen sie doch an eine andere Klinik.
Ich empfinde das als Nachteil.
Wird, wenn man dann mit dem Studium noch nicht fertig ist, aber nicht vorkommen.
Mit wie viel Vorlauf habt ihr euch auf eure erste Stelle beworben? […]Und: Es juckt bei der Bewerbung wohl niemanden, wenn ich (noch?) keine Doktorarbeit habe, oder?! Bei mir waren es tatsächlich nur 3 Monate Vorlauf, was primär daran lag, dass ich mir bis kurz vor das M3 noch nicht sicher war, was ich eigentlich machen will. Sonst hätte ich mich früher darum gekümmert, aus genau den von davo angesprochenen Überlegungen heraus. Die Häuser rekrutieren Anfänger ja auch gerne erst mal aus dem eigenen PJ-Pool, je nach Stellensituation sind dann möglicherweise wirklich alle Stellen zum Wunschtermin besetzt wenn man sich als Externer spät bewirbt. Das wäre zumindest meine Befürchtung.
Promotion bzw. das Fehlen einer selbigen war hier kein Problem, wobei im Vorstellungsgespräch schon darauf hingewiesen wurde, dass man sich da innerhalb der ersten sechs Jahre drum kümmern sollte, falls man sich längerfristig an der Uni sieht (Wissenschaftszeitvertragsgesetz lässt grüßen).
Matzexc1
14.05.2024, 05:40
Bis Du im RD einen NorA Perfusor fertig hast…. :-((
Ich fordere meistens 1mg Nor in 100 NaCl an( 10yg/ ml) und dann titrieren.
detysnow
14.05.2024, 12:59
Hach wie schön - ich habe mir heute von einem Notfallsanitäter im RTW bei der Induktion einer ICB als Schutzintubation sagen lassen, als ich die Medikamente angesagt habe (im TTO und auch dann bei der Gabe), dass 0,1 Fentanyl zu wenig sei… darauf ist mir nur eingefallen, dass ich hier die Anästhesistin und Notärztin sei & entscheide, wieviel Fentanyl genug sei. (Über das ‚sehr grosszügig’ aufgezogene 50mg Rocuronium habe ich nichts gesagt). Spannend, was man so in seinem Leben erfährt. Hätte ich nicht gedacht. Passte ihm auch nicht. Ich musste ihn anschliessend an den Einsatz informieren, dass er das jetzt nicht wissen konnte, ich jetzt aber 20 Jahre (nagut, nur 18) Anästhesist sei und 16 Jahre Notärztin.. :-keks (in ‚meiner Hood‘ unterwges gewesen, nicht irgendwo wer weiss wie fremd)
Trauma: kannst, nein musst: viel Fenta draufkloppen und mit Volumen ausgleichen. Kann Hypotonie ertragen, darf und sollte sogar einigermassen hypoton (90/50) gehalten werden.
Neuro: irgendwie Erhalt des RRsys >130mmHg, um eine Cerebralperfusion zu ermöglichen (Blutung: CPP gegen ICP, Ischämie: CPP >> MAP) - Hierfür als Mittel der Wahl gerne Ketofol…
Opiate machen eine längerwirksame RR Senkung, die ich dann mühsam ‚akrinorisieren’ kann… wenig Opiat, viel Relaxans, ausreichend viel Propofol (lässt sich prima akut ‚akrinorisieren‘)
Ich war in der Situation natürlich nicht dabei, aber an sich finde ich es meist begrüßenswert, wenn Teammitglieder Zweifel an einer Maßnahme oder auch einer Dosierung äußern. Auch im critical resource management wird das in Form eines Speak-Up durchaus begrüßt! Wichtig dabei ist halt immer die Formulierung. Ein "Ich habe das Gefühl, 0,1mg Fentanyl könnte zu wenig sein. Bist du dir sicher, dass das reicht?" kommt dabei besser an als ein "Mädchen, was soll denn der Quatsch mit 0,1 Fenta?". Auf Seite des Empfängers ist die richtige Formulierung jedoch genauso wichtig. "Ich verstehe, was du meinst, aber meiner Erfahrung nach wird 0,1mg Fenta reichen, wenn wir dafür etwas mehr Propofol geben." ist sicher wertschätzender als "Ich bin hier der Arzt und treffe die Entscheidungen". Dass die Wahl eine wertschätzenden Formulierung gerade in Stresssituationen schwer fallen kann, steht außer Frage. Nicht nur deshalb ist ein gelegentliches Zwischenfalls- bzw. CRM-Training kein Fehler. Und auch mit regelmäßigen Trainings wird es nicht immer gelingen.
Als kleine Anekdote: vor einigen Jahren hatten wir in einem unserer abteilungsinternen Simulator Trainings ein Szenario, bei dem der jeweils teilnehmende Oberarzt im Vorfeld heimlich gebrieft wurde während des Szenarios eine medizinisch nicht indizierte und potentiell patientenschädigende Maßnahme anzuordnen. Ergebnis: ein großer Teil der Teilnehmer (ärztlich als auch pflegerisch) setzte die Maßnahme trotz eigener Zweifel ohne Rückfragen um. Danach dazu befragt waren Begründungen zum Beispiel die Sorge durch eigenes Unwissen aufzufallen oder auch zu hoher Respekt vor dem fachlichen Wissen des Oberarztes. Ich denke, man muss nicht darüber reden, dass das Nicht-Äußern von Bedenken gefährlich sein kann. Auch die erfahrensten von uns treffen nun manchmal falsche oder zumindest suboptimale Entscheidungen oder übersehen einfach etwas. Ein aufmerksames Teammitglied, dass sich dann auch noch den Mut nimmt seine Zweifel zu äußern ,kann da das Zünglein an der Waage sein, das die Katastrophe verhindert.
Zurück zu deiner beschriebenen Situation mit dem Fentanyl. Gerade die Dosierung zur Einleitung bzw. die Gewichtung Opioid/Hypnotikum ist schon auch persönlicher Geschmack. Zumindest würde ich deine Unterscheidung nach Trauma-Narkose und Neuro-Narkose nicht so schwarz/weiß sehen und wüsste auch keine Veröffentlichung, die das so binär darstellt. Kreislaufstabilität kann man erreichen mit wenig Fenta und wenig Propofol aber genauso gut mit mehr Fenta und dafür (noch) weniger Propofol. Esketamin an dieser Stelle mal ganz ausgelassen. Da ist schon viel persönlicher Geschmack bzw. eigene Erfahrung dabei. Und wenn besagter Notfallsanitäter zum Beispiel von den meisten Notärzten mehr Fenta zur Einleitung gewohnt war, finde ich es nicht verwerflich das (möglichst wohl formuliert) zu äußern.
So zumindest meine Meinung zu dem Thema. Meine anästhesiologische und notärztliche Erfahrung umfasst zwar noch keine 20 Jahre, aber zum Facharzt hat es irgendwann dann doch gereicht..
Viele Grüße
Danke für eure Antworten zum Bewerbungsthema. Dann gehe ich das doch zeitnah an.
(Falls jemand gute Abteilungen in NRW oder Nord-RLP kennt, freue ich mich über Tipps!)
xenopus laevis
14.05.2024, 19:30
Mit wie viel Vorlauf habt ihr euch auf eure erste Stelle beworben? […]Und: Es juckt bei der Bewerbung wohl niemanden, wenn ich (noch?) keine Doktorarbeit habe, oder?!
Kommt drauf an wie verzweifelt sie sind.
Erste Stelle: Ende Dezember beworben und 1.2 angefangen.
Powered by vBulletin® Version 4.2.3 Copyright ©2026 Adduco Digital e.K. und vBulletin Solutions, Inc. Alle Rechte vorbehalten.