Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Treffpunkt für Anästhesisten
tragezwerg
09.05.2021, 08:35
Ganz ehrlich, dieses: das haben wir nicht gewusst, ist doch lächerlich und verlogen. Natürlich haben das unsere großen Berufspolitiker alle gewusst. Nur man wollte Mal wieder zeigen, wie hochwertig und speziell die Weiterbildung ist... Und vorallem wie wichtig die Weiterbilder sind...
Ja, das hab ich auch gesagt als mein Kollege von seinem Gespräch mit der ÄK erzählt hat...
LasseReinböng
09.05.2021, 10:39
.. oder es ging darum, dass Anästhesisten zu früh abhauen wenn sie ihre ZB haben, anstatt weitere 6 Monate auf ICU zu knechten.
In meinem letzten Haus hatten nur ca. 30% der FÄ überhaupt die Zusatzbezeichnung, unter den jüngeren OÄ im OP maximal die Hälfte.
Eine langfristige Perspektive für diese Subdisziplin im Hinblick auf bessere Arbeitsbedingungen sowie die Gewinnung von Nachwuchs ist irgendwie nicht erkennbar.
Bonnerin
09.05.2021, 10:49
Passend dazu gibt es dann u.a. auch solche Umfragewerte: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/123219/Ein-Drittel-der-Intensivpflegenden-will-Arbeitsstelle-aufgeben
Die Schichtsysteme und die Vollbelastung bei u.a. zweistellig freien Personalstellen tun ihr Übriges. Dass man dann das Personal, das gewillt ist die ZB zu machen eben noch länger auf ICU zwingt wird eher langfristig dazu führen, dass es insgesamt noch weniger Leute machen. Aber wenn das in ein paar Jahren durch die Presse geistert wird sicherlich von einer sehr überraschenden Entwicklung gesprochen werden.
tragezwerg
09.05.2021, 11:43
In meinem letzten Haus hatten nur ca. 30% der FÄ überhaupt die Zusatzbezeichnung, unter den jüngeren OÄ im OP maximal die Hälfte.
Eine langfristige Perspektive für diese Subdisziplin im Hinblick auf bessere Arbeitsbedingungen sowie die Gewinnung von Nachwuchs ist irgendwie nicht erkennbar.
Bei meinem aktuellen Arbeitgeber ist der (fromme) Wunsch, dass jeder Facharzt die spezielle Intensiv hat, weil es Dienstreihen gibt, die nur besetzt werden können wenn man die ZB hat (Abrechnung...). Das ist natürlich utopisch umzusetzen, insbesondere nach der neuen WBO.
wendyrumpf
11.05.2021, 07:14
Warum gibt man bei Lokalanästhetika Opiode mit ? Also Bupivacain und Sufenta oder so ? Ich weiß nur, dass man dadurch eine längere Wirkung erzielen kann und Lokale spart. Ich verstehe die Wirkweise nicht ganz...bzw. hab keine gefunden.
Ist das nur, dass das Lokalanästhetikum zuerst wirkt und die Wirkung von Sufenta länger anhält? Oder andersrum?
MissGarfield83
11.05.2021, 08:26
@wendy : Grundsätzlich macht der nur Sinn bei der rückenmarksnahen Regionalanästhesie ( SPA,PDK,CSE ) - denn dort gibt es einen belegbaren Zusatznutzen durch die Blockade spinaler Opioidrezeptoren ( wobei auch viel der Opioidwirkung systemisch ist ). Bei den normalen Regionalverfahren ist ein Nutzen nicht belegt.
Bei der Sectio gibt es Hinweise dass die Zugabe von Sufentanil die Dauer der effektiven Analgesie deutlich verlängert ( >6h) und daher ist die Zugabe von Sufentanil hier ein Standard geworden.
wendyrumpf
11.05.2021, 10:40
Ah okay:) danke Dir für die Erklärung!
Vincenco
13.05.2021, 14:15
Habt ihr Tipps wie ich jemandem das Intubieren beibringe?
Wir haben einen neuen Kollegen der frisch aus Indien kommt und noch nie in einem deutschen Krankenhaus gewesen ist, da er vorher irgendwie in einer Praxis für Arbeitsmedizin gelandet ist. Null Erfahrung im OP oder Anästhesie bisher.
Unsere Oberärzte sind krankheitsbedingt gerade unter der Minimalbesetzung und mit der Corona-Intensiv ziemlich belastet, so dass ich als Fast Facharzt gerade der dienstälteste in den Säälen bin und seine komplette Einarbeitung an mir hängengeblieben ist. Die ersten 2 Wochen waren hauptsächlich erstmal das Krankenhaus, Örtlichkeiten, Leute und die grundlegenden Narkose Abläufe kennenlernen. Theoretischer Hintergrund ist gar nicht so schlecht, er hat schon ganz viel gelesen, aber an der Praxis hapert es halt.
Ich hab ihn erstmal nur Maske beatmen lassen, was schon ganz gut läuft für 1-2 Wochen Praxis und hab jetzt auch angefangen ihn intubieren zu lassen. Nur, die Studenten und Famulanten die ich bisher im Saal hatte, hatten immer schon irgendwie Vorerfahrung und waren sehr vorsichtig. Meine eigenen Anfänge aus Famulaturen hab ich tatsächlich auch nur noch sehr neblig in Erinnerung und weiß gar nicht mehr was es war als es letztendlich bei mir Klick gemacht hatte.
Ich merke halt wie ich wahnsinnig Angst um die Zähne der Patienten habe, da er sehr dicke Arme und große Hände hat und ich schlecht sehen kann wie nah er an den Schneidezähnen ist. Steht ihr rechts oder links wenn ihr jemanden das beibringt? Außerdem lädt er sich immer die Zunge auf und sieht dann nix mehr.
Habt ihr irgendwie Tipps oder Vorgehensweisen wie ihr das jemandem beibringt?
Lass ihn grundsätzlich mit CMAC intubieren. Drehe den Monitor so, dass nur du ihn siehst (er also konventionell intubiert). So hast du immer im Blick was läuft und kannst ihm genaue Tipps geben. Das Finetuning kommt einfach mit der Erfahrung.
PrinzessinAmygdala
13.05.2021, 19:38
Ich hab mir für's PJ Youtube Videos angeguckt, um mich zu verbessern. Die Erklärungen dort haben mir sehr geholfen. Vielleicht kannst du dir da was abgucken an Erklärungen. Ich hab zudem auch öfters mit CMAC intubiert und genauso wie kra- beschrieben mit weggedrehtem Bildschirm.
tragezwerg
13.05.2021, 19:56
Allerdings muss es dann der normale Macintosh-Spatel am CMAC sein. Der D-Blade würde es ja nur komplizierter machen (an meiner Klinik gibt es z.B. fürs CMAC gar keine Macintosh-Spatel).
Ich zeige gern die Intubation einmal komplett mit Erklärungen (sowas wie: sobald der Spatel im Mund ist, Finger raus, weil sie die Sicht versperren, warum Hebeln keinen Sinn macht, Effekte der Kopflagerung...). Einfach damit die Mechanik klar wird.
Ich stelle mich am liebsten auf die rechte Seite des Intubierenden, dann kann ich mit in den Mund gucken und Tipps geben (mehr ziehen, weniger hebeln, etc.).
Gäbe es in deiner Klinik die Möglichkeit am Phantom zu üben? Das kann ja auch hilfreich sein.
Vincenco
13.05.2021, 20:58
Ne, Phantom haben wir nicht. Wir haben 2 Macintosh und 2 D-Blade Spatel, wobei ich nicht weiß ob ich die jeden Tag alle verbraten darf, müssen ja erstmal wieder in den steri runtergebracht werden. Ich guck vielleicht mal auf youtube obs da noch gute Tipps gibt.
agouti_lilac
14.05.2021, 08:22
Unsere Spatel werden für eine gewissen Zeit in eine desinfizierende Lösung gelegt... und ich meine auch die D-Blades. Also schnell wieder verfügbar.
Stress minimieren und den Druck rausnehmen - sowohl für ihn, als auch für dich. Möglichst oft an idealerweise einfachen Patienten (v.a. denen ohne Zähne) und vor allem ohne Zeitdruck probieren lassen. Intubieren immer ohne Stress und ohne hektische Bewegungen, das ganze Schritt für Schritt. Mund optimal öffnen, Larnygoskop vorsichtig einführen, Epiglottis darstellen, Abbruch. Dann das ganze nochmal. Ggf. nochmal. Zahnschutz verwenden.
Tipps wie oben von Tragezwerg genannt sind im Einzelfall sicher notwendig, können in der Masse aber eher verunsichern.
Rettungshase
14.05.2021, 15:56
Mir hat am Anfang die meisten Probleme bereitet, dass ich nicht verinnerlicht hatte, wie wichtig die Position des Kopfes ist.
Versuch nach Möglichkeit, nicht gleich beim ersten "Ich seh nix", selbst zu intubieren, sondern lass ihn herausfinden, woran es liegt und das Problem selbst zu beheben. (fällt mir heute - je nach Patient - zugegebenermaßen immer noch schwer, ist aber ein wichtiger Schritt)
Hallo,
Erfolgte in der Anästhesie immer in dem 2 Weiterbildungsjahr die Rotation auf der Intensiv Station oder ist das Haus und Erfahrungsabhängig?
In allen Krankenhäusern ist das immer im 2. Jahr. Ausnahmslos. /s
Ich denke, es hängt primär von der Planung ab und erst sekundär von Erfahrung.
Ich kenne ein Haus, da ist man nach 6 Monaten OP direkt auf ITS, ein anderes, in dem man von ITS NEF fährt, also erst im 3. Jahr dort anfängt. Und an meiner Uni geht man im 5. Jahr "noch schnell" auf die Intensiv, nachdem eigentlich alles andere schon durch ist.
Fragen mit "immer" sind (fast) immer falsch - das sollte man ja eigentlich schon aus dem Studium wissen :-p
Ich wollte nochmal das emotionale Thema ZB Intensivmedizin ansprechen. Ich finde die Aufregung kommt einfach viel zu spät. Der Entwurf der WBO ist seit 2018/2019 online zugänglich und somit sind die Änderungen auch klar. Die für die WBO Verantwortlichen pfuschen schon mindestens 4-5 Jahre vorher daran rum. Es kann mir doch keiner erzählen, dass es den Fachgesellschaften jetzt erst aufgefallen ist, nachdem wirklich auch die letzte Bezirksärztekammer die neue WBO umsetzt.
Ich wollte nochmal das emotionale Thema ZB Intensivmedizin ansprechen. Ich finde die Aufregung kommt einfach viel zu spät. Der Entwurf der WBO ist seit 2018/2019 online zugänglich und somit sind die Änderungen auch klar. Die für die WBO Verantwortlichen pfuschen schon mindestens 4-5 Jahre vorher daran rum. Es kann mir doch keiner erzählen, dass es den Fachgesellschaften jetzt erst aufgefallen ist, nachdem wirklich auch die letzte Bezirksärztekammer die neue WBO umsetzt.
Du meinst die Verlängerung der gesamten ITS-Zeit für Anästhesisten auf 2.5 Jahre? Wer regt sich denn darüber auf? Ist irgendwie an mir vorbei gegangen... :-oopss ... jedenfalls habe ich mich gewundert, dass die DGAI nicht vehementer dagegen protestiert hat... :-music
Aber für alle die es betrifft: Es sind noch zwei Jahre Zeit in der die Übergangsregelung gilt!
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