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Arrhythmie
28.08.2019, 10:45
Ich versuche in meinem Berufsleben geerdet zu bleiben, empathisch für die Ängste der Patienten zu sein, neue Kollegen gut einzuarbeiten,... . Solche Begebenheiten helfen einem dabei.
Negativ ist mir eine junge Kollegin in Erinnerung geblieben, die kaum da war und schon ganz cool von "Antikotz" (=Dexa, Ondansetron...) geredet hat. Wie ne ganz Große halt.
Da stimme ich voll zu und ich wünsche mir, später auch so handeln zu können.
Die Ausdrucksweise mancher Leute ist tatsächlich fragwürdig. Bei jungen Kollegen fällt das sicher dann noch deutlicher auf als bei den alten Hasen, wobei das für mich persönlich keinen Kollegen "attraktiver" machen würde, egal wie lange er schon dabei ist. Und ich habe auch im OP schon alte Anästhesisten/Chirurgen/Pflegekräfte so reden hören...
Vielleicht wollte sie auch einfach "dazu gehören"... oder hatte eben wirklich eine große Klappe.
______
Zum "mitbekommen" - ich kann das aus Patientensicht bestätigen, ich hatte selber eine Operation im letzten Jahr, nach der ich längere Zeit als normal im Aufwachraum lag (da es eben Probleme mit der Narkose gab), irgendwann alle möglichen Oberärzte um mich herum standen und hektisch angerufen wurden. Ich konnte nicht sprechen, die Augen nicht öffnen, ich habe gespürt, dass an mir rumgefummelt wird (im Gesicht), ich habe wie durch Watte gehört, dass Stimmen über mich sprechen. Ich weiß sogar noch einzelne Sätze die gefallen sind. Zum Glück hat keiner über mich gelästert (oder ich hab es nicht mitbekommen...) Ein Arzt meinte "Sie ist ja auch Medizinstudentin, hab ich in der Akte gesehen" - Daran erinnere ich mich noch genau! Aber sehr nebulös das alles.
Das werde ich tatsächlich nie wieder vergessen... Aber ich hab jetzt `nen Anästhesie-Ausweis :-keks sehr beruhigend falls ich nochmal unters Messer müsste...
Rettungshase
28.08.2019, 20:19
@ Arrhythmie: Du wirst im Beruf mehr Freude haben, wenn du deine Position und Tätigkeit von deiner Persönlichkeit getrennt zu betrachten lernst.
Arrythmie - wenn du wüsstest, wie verdammt gern ich das KPP absolviert habe. Und mich wirklich sehr gut mit der Pflege verstanden und so viel von denen gelernt habe... Ich vermisse es sogar.
Wenn ich an den Thread denke, in dem ich das KPP über mehrere Seiten lang verteidigt habe, kann man mir mit Sicherheit keine Respektlosigkeit der Pflege gegenüber vorwerfen.
Bei dem oft gehörten/ gelesenen „Der arme Student wird nur zum Putzen ausgenutzt“-Jammern ist „Bettpfannenweitwurf“ das, was der Medizinstudent dann halt macht.
Es ist nicht in Bezug auf examinierte Pflegekräfte, sondern in Bezug auf den KPP‘ler gemeint.
Ersetze es durch „Krankenbetten-durch-die-Gegend-Schubsen“ oder „Unterschied-zwischen-Schwesternruf-und-Fernbedienung-Erklärbär“.
Aber sei es drum.
Den Zusammenhang, auf den ich hinaus wollte, hast du ja erkannt.
Ich habe auch im KPP mehr gedurft oder hätte sogar noch mehr „gesollt“.
Wenn mir das zu heikel war, hab ich es abgelehnt.
Verweis auf Auswahlverschulden ihrerseits und Übernahmeverschulden meinerseits, fertig ist der Lack.
Wer dann moppert, moppert gegen die Wand.
Wer bis dahin bzw. bis vor kurzem noch als Praktikant im KPP Nachtschränke gewischt und Vitalparameter überprüft hat, sollte nie alleine im Saal bleiben.
Ich finde es tatsächlich unverantwortlich von der Ärztin, dich da hinzusetzen und zu verschwinden!
Dass du als Famulantin vielleicht auch ungern gegen die Order „Du bleibst allein im Saal!“ aufmucken wolltest, kann ich sogar nachvollziehen.
Wäre ich die Patientin und würde ich es rausfinden, würde der Bär steppen - ganz ehrlich!
Wie gesagt: no offense!
Moorhühnchen
29.08.2019, 13:37
Also "Antikotz" sag ich auch gelegentlich - jetzt nicht gegenüber der Patienten (es sei denn man ist auf dem selben sprachlichen Niveau), aber zu Kollegen aus der Anäpflege, wenn ich mal wieder Wortfindungsstörungen habe schon häufiger. Was ist an dem Wort schlimm, außer dass es nicht so sonderlich akademisch klingt?? :-nix
Andere Sache und vielleicht eine kleine "Mini-Umfrage".
Habe gestern ne Patientin prämediziert, die mit ihrer Tochter gekommen war - Medizinstudentin kurz nach Blockpraktikum Anästhesie. Da aufgrund der Länge des Eingriffs noch Unklarheiten bestanden (weil noch nicht klar war, was genau gemacht werden soll) erwähnte ich nebenbei, dass dies für die Narkose keinen großen Unterschied macht, da es letztlich nur bedeutet "Gastopf ausdrehen oder weiterlaufen lassen".
Da guckte die Tochter mich sehr erstaunt an und meinte "Man macht heutzutage noch Gasnarkosen?!?"
Sie studiert nicht hier, sondern im Norden Deutschlands und ich wollte mal fragen, ob es tatsächlich Unis gibt, wo Gasnarkosen als "vollkommen old school" dargestellt werden? Bzw. wer macht Gasnarkosen und wer macht ausschließlich TIVAs? In 3 meiner 4 Häuser wurden und werden selbstverständlich Gasnarkosen gemacht und im 4. Haus war es eine krude Mischung aus Propofol-TIVA mit Lachgas (ja, immer noch, DAS finde ich wirklich old school!). :-))
Heerestorte
29.08.2019, 13:56
Also "Antikotz" sag ich auch gelegentlich - jetzt nicht gegenüber der Patienten (es sei denn man ist auf dem selben sprachlichen Niveau), aber zu Kollegen aus der Anäpflege, wenn ich mal wieder Wortfindungsstörungen habe schon häufiger. Was ist an dem Wort schlimm, außer dass es nicht so sonderlich akademisch klingt?? :-nix
Andere Sache und vielleicht eine kleine "Mini-Umfrage".
Habe gestern ne Patientin prämediziert, die mit ihrer Tochter gekommen war - Medizinstudentin kurz nach Blockpraktikum Anästhesie. Da aufgrund der Länge des Eingriffs noch Unklarheiten bestanden (weil noch nicht klar war, was genau gemacht werden soll) erwähnte ich nebenbei, dass dies für die Narkose keinen großen Unterschied macht, da es letztlich nur bedeutet "Gastopf ausdrehen oder weiterlaufen lassen".
Da guckte die Tochter mich sehr erstaunt an und meinte "Man macht heutzutage noch Gasnarkosen?!?"
Sie studiert nicht hier, sondern im Norden Deutschlands und ich wollte mal fragen, ob es tatsächlich Unis gibt, wo Gasnarkosen als "vollkommen old school" dargestellt werden? Bzw. wer macht Gasnarkosen und wer macht ausschließlich TIVAs? In 3 meiner 4 Häuser wurden und werden selbstverständlich Gasnarkosen gemacht und im 4. Haus war es eine krude Mischung aus Propofol-TIVA mit Lachgas (ja, immer noch, DAS finde ich wirklich old school!). :-))
Habe in drei Lehrkrankenhäusern von zwei verschiedenen Unis sowohl TIVAs als auch Gasnarkosen gesehen, also nein, nicht old school :-))
tragezwerg
29.08.2019, 14:04
Hab ich auch noch nie mitbekommen, dass irgendwo gar keine Gasnarkosen gemacht werden...wir machen TIVA und Gasnarkose, je nach Standort und Eingriff und oberärztlicher Befindlichkeit.
Hat sie vielleicht der Begriff „Gas“ gestört, weil die volatilen Anästhetika genau genommen ja keine Gase sind? Bei uns in Anästhesie wurde da wert drauf gelegt.
Bei uns werden balancierte Anästhesien und TIVAs durchgeführt - manchmal auch in Kombination. Dazu gab es Anfang des Jahres eine sehr interessante Publikation aus der A&I.
Vielleicht hat sie auch „Gasnarkose“ mit Lachgas assoziiert hat.
In den 4 Anästhesieabteilungen, die ich bisher kennengelernt habe, macht man auf jeden Fall auch Gasnarkosen.
Also in den Krankenhäusern die ich bis jetzt kennengelernt habe, wurden auch Gas- als auch TIVA-Narkosen durchgeführt.
Überwiegend eher Gas, besonders bei den Hochbetagten und TIVAs bei Patienten mit PONV oder bei bestimmten Eingriffen ( gyn. OPs, CHE, Struma...)Ich habe bestimmt zu 60% Gasnarkosen in meiner Weiterbildung gemacht.
Moorhühnchen
29.08.2019, 14:30
Vielleicht hat sie auch „Gasnarkose“ mit Lachgas assoziiert hat.
Hm, auf die Idee bin ich gar nicht gekommen. Hätte vielleicht mal genauer nachfragen sollen, aber so wichtig kam es mir im Gespräch dann gar nicht vor. Die Patientin selbst hat explizit kein PONV angegeben und von daher hätte mein Chef (P-Pat.) vermutlich auch keine TIVA aufziehen lassen. Bei uns im Haus sind TIVAs schon seeeehr selten.
Mein persönlicher Eindruck ist, dass vieles von dem, was Medizinstudenten so vor sich hinplappern, überhaupt nichts mit der Lehre an der entsprechenden Uni zu tun hat. Das ist oft einfach Halbwissen, das irgendwo im Vorbeigehen aufgeschnappt wurde.
Meine Narkosenliste sagt, dass bei mir 95% Gas vs. 5% TIVA sind. Und dabei nehme ich eher schon schneller eine TIVA als im Hausdurchschnitt.
Moorhühnchen
29.08.2019, 15:44
Meine Narkosenliste sagt, dass bei mir 95% Gas vs. 5% TIVA sind. Und dabei nehme ich eher schon schneller eine TIVA als im Hausdurchschnitt.
Wir liegen mit unserer TIVA-Quote noch deutlich darunter! ;-)
PS: vermutlich habe ich es mir nach 10 Jahren hart genug erarbeitet "Antikotz" sagen zu dürfen!! :-D
WackenDoc
29.08.2019, 15:47
Ich sage übrigens auch Antikotz. Liegt aber eher dran, dass ich nicht immer auswendig weiss, wie das jeweilige NEF bestückt ist.
tragezwerg
29.08.2019, 15:55
Bei meinem früheren Arbeitgeber gab es TIVA nur, wenn triggerfreie Narkose nötig war...also so etwa nie ;-)
Aktuell würde ich sagen ist es 50/50. In der HNO z.B. viele TIVAs, in der Viszeralchirurgie dafür kaum welche.
Markus-HEX
29.08.2019, 16:02
TIVA mache ich (neben der Notwendigkeit von triggerfreien narkosen oder hochgradigem PONV) immer dann gerne, wenn kein geschlossenes Atemwegssystem verwendung finden kann (z.B. Panendos mit wechselndem Atemwegszugang wie für einen Part Tubus, für den anderen Part intermitt. MB), oder wenn ein Erbrechen deletäre Folgen haben könnte (verdrahteter Kiefer), dann auch ohne PONV - Anamnese
Philip_MHH
29.08.2019, 16:17
Wir machen überwiegend TIVA, aber auch balanciert. Wurde auch nie an der uni als oldschool dargestellt. Soja frei gehts ja auch nicht anders , wenn das mal nötig ist ;)
Moorhühnchen
29.08.2019, 16:51
Wir machen überwiegend TIVA, aber auch balanciert. Wurde auch nie an der uni als oldschool dargestellt. Soja frei gehts ja auch nicht anders , wenn das mal nötig ist ;)
Oh, ähm ja, da fällt mir ein, die mangelnde Umweltfreundlichkeit von Gasnarkosen wurde auch angeführt. Ich bin da ja ketzerisch und antwortete, dass Soja-Monokulturen für mich jetzt auch nicht da Gelbe vom Ei bezüglich Umweltfreundlichkeit sind. Insgesamt glaub ich, im Gespräch gerade noch so die Kurve bekommen zu haben, obwohl ich das Schmunzeln schon nicht verbergen konnte. Wüsste gern, wie es die "Gegenseite" wahrgenommen hat! :-oopss
Vor einiger Zeit gabs mal einen Artikel über die Kombination von Propofol und Sevo parallel für die Aufrechterhaltung der Narkose. Habs aber noch nie irgendwo in der Praxis gesehen und bin selbst noch ein viel zu kleines Licht als dass das meine Aufsicht tolerieren würde :D
Vor einiger Zeit gabs mal einen Artikel über die Kombination von Propofol und Sevo parallel für die Aufrechterhaltung der Narkose. Habs aber noch nie irgendwo in der Praxis gesehen und bin selbst noch ein viel zu kleines Licht als dass das meine Aufsicht tolerieren würde :D
Etwas, was in meinem alten Haus sehr beliebt war. Kombiniert, schön Propo einsparen, Opiat auch wg der analgetischen Wirkung, dann Sevo frühzeitig raus.
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