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crossie
19.08.2018, 13:29
Danke für die Antworten!

Grundsätzlich möchte ich eigentlich da bleiben weil von Größe, Lage und Spektrum passt mir das schon sehr gut. Ich hoffe gerade darauf, dass es besser wird wenn ich jetzt mehr selbständig machen kann.

Die letzte Woche war ich das erste Mal im Zentral-OP, musste einen Tag davon eine krank ausgefallene Kollegin ersetzen in einem Saal und die übrigen Tage jeweils Geräteeinweisung und danach Pausenauslösung. Ich war also keinen Tag "einfach nur mal mit jemandem mit", wo ich hätte was fragen und mir erklären lassen können.

Es gibt für jeweils 4 Säle einen Aufsicht, der entsprehende OA kommt wohl auch rel. verlässlich wenn es dringend ist, einmal aber auch schon nicht, da hab ichs dann zum Glück und mit viel Schweiß selbst hinbekommen. Und Zeit was zu fragen und sich erklären zu lassen gibts auf jeden Fall nicht, denn der OA ist nebenbei auch noch OP-Koordinator.

SOPs gibts leider nur sehr wenige und die sind meist seit Jahren nicht aktualisiert. Einarbeitsungskonzept gibts nicht.

Corinna
19.08.2018, 17:00
Pausenauslösung an sich klingt für mich (nicht Anästhesist) jetzt aber auch nicht so nach super easy Anfängertätigkeit, oder?
on topic: erstmal dem für dich zuständigen bzw. Personaloberarzt rückmelden, wie es bisher aus deiner Sicht gelaufen ist, und dass du es dir anders vorgestellt hattest, und so gerade nicht zurecht kommst. Anhören, was als Antwort kommt, angucken was davon umgesetzt wird. Dann neu bewerten.

Rettungshase
19.08.2018, 17:31
Man wird als Anästhesieanfänger ja auch nicht gleich in den HTG-Saal gestellt, in dem der Patient gerade an die Maschine geht ;)

Außerdem gebe ich, wenn ich von einem "kleinen" Anfänger ausgelöst werde, immer zu verstehen, dass er ruhig mal kurz durchklingeln kann, wenn er sich unsicher ist. Bei großen Problemen geht es natürlich an den OA.

crossie
19.08.2018, 18:29
Bei besagter Pausenauslösung am Freitag kam ich in einen Saal, in dem seit ner halben Stunde ein Hüft-TEP-Wechsel bei einer älteren Pat. lief. Als ich kam waren schon ein halber Liter Blutverlust, es tröpfelte gemütlich noch der erste Liter Infusion vor sich hin und meine Kollegin versuchte grad mit der dritten Ampulle Akrinor den Blutdruck in vertretbare Bereiche zu heben.Der etCO2 lag bei 26. Das fand ich als Anfänger alles irgendwie nicht optimal. Als Auftrag bekam ich ne BGA zu machen und weg war die Kollegin (und nichts wie wenn was ist ruf an). Die BGA brachte dann nen Hb von 5,0. Zu meinem Glück kam da grad der OA rein. Ich schlug vor, deutlich mehr Volumen zu geben und von Akrinor auf NA umzusteigen. Fand er gut, sollte ich so machen, außerdem 2 EK transfundieren. Fand ich auch gut, nur alles irgendwie noch nie selbst gemacht und zu allem Überfluss gab es auch noch keine Anästhesie-Pflege für den Saal, d.h. ich sollte/musste mir eine von einem anderen Saal suchen die mir hilft. Die war dann auch noch genervt und entsprechend hilfsbereit.
Insgesamt eine Situation die mich als Anfänger in der zweiten Woche "leicht" an meine Grenze bringt. Irgendwie ist alles mit Arterie, ZVK, Katecholaminen und Perfusoren für den Anfang gefühlt ein bisschen viel.

Philip_MHH
19.08.2018, 18:32
Ist doch auch total nachvollziehbar , dass dich das überfordert. Das sind auch keine Anfängernarkosen. Da sollte man eigentlich erstmal bei gesunden Patienten und wenig risikobehafteten eingriffen eingesetzt werden um erst mal das Handwerk zu lernen

Rettungshase
19.08.2018, 18:54
Keine schöne Aktion von Seiten der Kollegen; abgesehen davon, dass ich, wenn 1 Ampulle Akrinor innert kürzester Zeit nichts bringt, davon ausgehen muss, dass das Problem woanders liegt, z.B. bei fehlendem Volumen.

Kleiner Tipp: Versuch dich bei Übergaben ans ABCDE-Schema zu halten. Dafür muss Zeit sein; dieses fluchtartige Saalverlassen von manchen Pflegekräften und Kollegen hat bei mir immer Unverständnis ausgelöst. Ansonsten darf gern der OA sofort zu so etwas von dir in den Saal reintelefoniert werden, wenn er der Meinung ist, dich so früh zu solchen Sachen stellen zu müssen, wird ihm das bewusst sein, dass du anfangs noch - völlig zu Recht - oft anrufst.
Es spricht auch absolut nichts dagegen, kurzfristig mit zwei Anästhesisten im Saal zu sein und das Problem gemeinsam zu lösen.

kut66
19.08.2018, 19:39
Sehe das wie meine Vorredner. Ein HTEP-Wechsel ist nix für Anfänger, diese Eingriffe können eine enorme Dynamik haben und zudem sind die Patienten oft nicht die Gesündesten.
Nein, da gehörst du nicht (alleine) rein. und wenn du da doch mal Pausenauslöse machen sollst, müsste man dir ganz konkrete Handlungsanweisungen geben. Datmit wäre vermutlich die Pause schon um.
Also nein, hier fände ich es gerechtfertigt, ja fast erforderlich, die Übernahme dieser Aufgabe abzulehnen.

McDreamy
19.08.2018, 20:42
Hm.... Also das was du da schreibst geht gar nicht. H-TEP Wechsel und Pausenauslösung sind definitiv nix für Anfänger, die noch nie(!) mal von irgendjemandem was erklärt bekommen haben.
Ich würde da sofort zum Leitenden OA gehen und das genau sagen: Sorry, aber wenn ich die Aufgaben x od. y erledigen soll, dann brauch ich dafür auch eine Einschulung, sonst mach ich es in Zukunft nicht mehr.

Ist leider oft so, dass man auf größeren Anästhesieabteilungen (die wohl meist vom Personal knapp sind) gleich mal als Systemerhalten missbraucht wird, obwohl man von nix eine Ahnung hat. Aber wenn du was sagst, wird das sicher berücksichtigt, es wird dir niemand den Kopf abreißen nur weil du eine bessere Einschulung verlangst, bevor du allein am Patienten rumwerkeln sollst.

Moorhühnchen
19.08.2018, 20:59
Wenn es so war wie geschildert, finde ich die Aktion von der Kollegin ziemlich arschig! Ganz ehrlich: in so ner Situation würd ich mich gar nicht auslösen lassen, und schon gar nicht von einem Anfänger.
Sind denn bei Euch gerade noch Sommerferien? Ist Aussicht auf Besserung der Personalsituation in Sicht? Kann ja tatsächlich sein, dass es gerade nur das berühmte Sommerferien-und-alle-sind-im-Urlaub-Phänomen ist. Insgesamt hört sich das aber echt übel an! :-(

A.K
24.08.2018, 21:11
Bei besagter Pausenauslösung am Freitag kam ich in einen Saal, in dem seit ner halben Stunde ein Hüft-TEP-Wechsel bei einer älteren Pat. lief. Als ich kam waren schon ein halber Liter Blutverlust, es tröpfelte gemütlich noch der erste Liter Infusion vor sich hin und meine Kollegin versuchte grad mit der dritten Ampulle Akrinor den Blutdruck in vertretbare Bereiche zu heben.Der etCO2 lag bei 26. Das fand ich als Anfänger alles irgendwie nicht optimal. Als Auftrag bekam ich ne BGA zu machen und weg war die Kollegin (und nichts wie wenn was ist ruf an). Die BGA brachte dann nen Hb von 5,0. Zu meinem Glück kam da grad der OA rein. Ich schlug vor, deutlich mehr Volumen zu geben und von Akrinor auf NA umzusteigen. Fand er gut, sollte ich so machen, außerdem 2 EK transfundieren. Fand ich auch gut, nur alles irgendwie noch nie selbst gemacht und zu allem Überfluss gab es auch noch keine Anästhesie-Pflege für den Saal, d.h. ich sollte/musste mir eine von einem anderen Saal suchen die mir hilft. Die war dann auch noch genervt und entsprechend hilfsbereit.
Insgesamt eine Situation die mich als Anfänger in der zweiten Woche "leicht" an meine Grenze bringt. Irgendwie ist alles mit Arterie, ZVK, Katecholaminen und Perfusoren für den Anfang gefühlt ein bisschen viel.

Leitest du denn auch schon nach 2 Wochen komplett alleine ein und aus plus aufkabeln mit Arterie, ZVK etc.? Wenn ja Respekt, da ist man bei uns frühestens nach 4-6 Monaten soweit. Wenn ich mich recht erinnere, macht kein Anfänger vor abgelaufenen 2 Monaten auch nur eine einzige Narkose bei uns ohne das ein Fach- oder Oberarzt dabei ist. Einen eigenen Saal gibts glaub ich auch frühestens ab 2-3 Monaten Einarbeitung. Und wenn man dann die erste Zeit alleine im Saal ist, war das meist der Gyn-Saal mit Abrasionen/IRs etc. oder Varizen..

Rettungshase
25.08.2018, 20:19
In der aktuellen A&I geht es ja um Palliativmedizinische Versorgung im Notarztdienst.
Dort wird bei Tumorarrosionsblutungen z.B. im HNO-Bereich davon gesprochen, diese mit einer mit Suprarenin getränkten Kompresse von außen zu komprimieren.

Wie stellt man das denn praktisch an? Supra 1:10.000 verdünnen und davon 10ml?

Hijadelaluna
25.08.2018, 20:43
So haben wir das zumindest neulich gemacht. Also eine Ampulle mit 10ml Aqua und dann auf die Kompresse gekippt und auf die hat dann der Junge gebissen (Nachblutung nach Zahnextraktion bei Subhämophilie).
In unserer Notaufnahme hätten sie sogar eine Spezial-Paste (Name fällt mir grad nicht ein) für so Fälle. Nach Lektüre der Packungsbeilage haben wir davon aber abgesehen.

Rettungshase
25.08.2018, 21:03
Prima. Dankeschön.

anignu
26.08.2018, 01:10
Verdünnt ihr das immer? Kommt doch auf der Kompresse eh nichts systemisch an. Ich nehm bei manchen Problemen Supra pur auf die Kompresse.

tragezwerg
26.08.2018, 07:43
Unsere HNO und MKG nehmen das Supra pur aus dem Fässchen. Hab ich bei Tumorblutungen auch immer so gemacht. Hilft aber nur bedingt, man muss trotzdem noch komprimieren, was natürlich z.B. im Rachen extrem unangenehm ist und den Atemweg verlegt.

tragezwerg
26.08.2018, 07:46
Verdünnt ihr das immer? Kommt doch auf der Kompresse eh nichts systemisch an. Ich nehm bei manchen Problemen Supra pur auf die Kompresse.

Auf Schleimäuten angewendet kommt tatsächlich relevant was im System an. Gerade bei Zahn-OPs haben wir oft eindrückliche Hypertonien durch Supratupfer. Aber im Notfall wäre das ja nicht so tragisch, bei relevanter Blutung dürfte der Patient ja eher hypoton sein.

Shizr
26.08.2018, 12:28
Auf Schleimäuten angewendet kommt tatsächlich relevant was im System an. Gerade bei Zahn-OPs haben wir oft eindrückliche Hypertonien durch Supratupfer.
Bei Augentropfen ist das auch manchmal recht eindrücklich.

Ich hatte bei einer meiner ersten Augen-Narkosen eine seltsame allmähliche Hypertonie, die ich nicht verstanden habe. Und nachdem ich die üblichen Verdächtigen (Narkosetiefe usw.) abgearbeitet hatte, hab ich meine OÄ angerufen, weil ich damals ein kleiner Vier-Monats-Assistent war und eben keine Ahnung hatte.
Die meinte nur tiefenentspannt "Solange es unter 200 bleibt, ist okay, und frag mal, was die getropft haben".

Tja. Sie haben Phenylephrin 100 mg/ml getropft.
Damals hab ich gelernt, dass Augentropfen wirklich Medikamente sind ;-)

Rettungshase
26.08.2018, 15:26
Ich hatte kürzlich eine derartige HNO-OP: Jugendliches Mädchen, ASA I für ne Nasennebenhöhlen-OP bei chr. Sinusitis. Während der OP stellte sich heraus, dass die HNO-ler relativ viel sehr nah an der CT-morphologisch dünnen Schädelbasis herumoperieren mussten.
Zum Schluss legen sie immer noch mal kurz getränkte Tamponaden (müsste Naphazolin gewesen sein) ein.
Nach OP-Ende ging es dann an die Ausleitung; 10 min nach Nahtende entwickelte sie einen hohen Blutdruck und eine Bradykardie und hätte eigentlich auch schon längst wieder wach sein können.
Da war ich auch ziemlich überrascht wegen der Dynamik der Tupfer und hab erst mal den OA angerufen, ob es nicht doch vielleicht eine Hirndrucksymptomatik sein könnte.

anignu
26.08.2018, 21:58
Sachen gibts. Ich kenns bei fiesesten Schürfwunden die nicht aufhören wollen zu bluten, bei tangentialem Fingerkuppenabschnitt oder bei der Mesh-Graft-Entnahmestelle. 1 Ampulle Supra pur auf die Kompresse, drauf, warten, fertig. War nie ein Problem. Oder ich habs nicht gemessen ;-) Nein, unsere Mesh-Grafts sind ja manchmal auch incl. Arterie aufgelined...

Plastik
01.09.2018, 14:55
Hallo zusammen, ich beginne im November meine erste Stelle und würde mich gerne etwas vorbereiten (Urlaub und Zeit nach dem Examen hab ich jetzt schon genug genossen). Ich lese prinzipiell sehr gerne ziemlich in die Tiefe gehende Fachbücher wie z.b. den Larsen. Der ist natürlich in der neuen Auflage absurd teuer aber zum Beispiel in der Auflage von 2006 für 10 Wurp zu haben. Meint ihr dass das noch sinnvoll sei kann dort nachzulesen oder ist das Wissen da zu veraltet?