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Rettungshase
01.09.2018, 21:08
Ein Buch von 2006 würde ich definitiv nicht empfehlen.

Hast du Zugang zu einer Bibliothek?
Bist du an einer Klinik angestellt, die über einen Bibliothekszugang ggf. Zugang zu Fachzeitschriften bietet?

AI-Online.info hat freien Zugriff auf Artikel. Falls du Mitglied in der DGAI und/oder im BDA werden möchtest: Da kannst du auch auf cme Anästhesiologie Zugriff erhalten.
CIRS Anästhesiologie ist ebenfalls kostenfrei.

Ansonsten wäre mein Rat: Schau dir in Ruhe ein paar Bücher an und kauf dir eins. Du wirst dich eh weiterbilden müssen und kannst es als Lehrmittel von der Steuer absetzen.
Wenn du noch einen Studentenstatus hast, kann vllt. der ein oder andere Kongress für dich nett sein wegen vergünstigter Preise; etwa der HAI.

GOMER
01.09.2018, 21:56
Das mit den grossen Schinken ist so eine Sache, leider sind da viele Köche am Brei beteiligt, dementsprechend variiert die Qualität der einzelnen Kapitel sehr. Als ich damals angefangen habe, hat unser Chef allen Neulingen 'Die Anästhesiologie' von Rossaint/Zwißler/Werner geschenkt. Tatsächlich habe ich nie reingeschaut. Ne zeitlang dachte ich immer ich müsste bis zum Ende der Weiterbildung den grossen Miller gelesen haben, einige Kapitel sind allerdings so ungenießbar, daß mich bald der Mut verlassen hat.

Nach all den Jahren habe ich nur zwei Bücher, die ich uneingeschränkt empfehlen würde:
-'Duke's Anesthesia Secrets' - leicht in zwei Wochen durchzuarbeiten, wenn man das einigermassen auswendig lernt, dann weiss man mehr als 95% der Kollegen
-'Pharmacology and Physiology for Anesthesia: Foundations and Clinical Application' - fundierte Grundlagen für Fortgeschrittene

Die speziellen Sachen würde ich tatsächlich aus speziellen Büchern lernen, für Wissen für den Alltag kommt aus guten Review-Artikeln, z. B. in 'Current Opinion'

crossie
02.09.2018, 13:03
Ich hab vor einem Monat frisch als Assi angefangen und mir "Praxis der Anästhesiologie" von Wilhelm gekauft. Ist erst dies Jahr rausgekommen und gefällt mir bisher sehr gut, insb. wegen des Praxisbezugs. Ich muss aber sagen, dass es zumindest bei mir am Anfang eher darum geht, praktische Sachen zu lernen und Erfahrung zu sammeln. Beides Dinge, die man nur seeeeehr begrenzt nachlesen kann. Z.B. den Fall, dass in einen Patienten mit LAMA plötzlich keine Luft mehr rein geht muss man ein, zwei mal erlebt haben :D Und grad jetzt am Anfang gehts eher drum, das zu machen, was einem die Aufsicht / der Oberarzt sagt, da ist wenig Spielraum für eigene Ideen (was ich auch nicht schlimm finde).

Nutzt eigentlich jemand UpToDate?

LasseReinböng
02.09.2018, 21:36
Der "große" Striebel läßt sich ein durchlesen wie kaum ein anderes deutschsprachiges Anästhesielehrbuch !

Am Anfang braucht man das alles aber nicht wirklich und nach dem ersten, zweiten Gehalt kann man ja mal shoppen gehen...

Wenn man wirklich Spaß an Anästhesie hat, wird man irgendwann sowieso bei den Briten landen...FRCA all the way.

MissGarfield83
03.09.2018, 06:35
@lasse : bin grad auf der Suche nach Inspiration... welche englischen Bücher kannst du empfehlen?

Moorhühnchen
03.09.2018, 14:00
Mal von jemandem gefragt, der absoluter Englisch-lese-Muffel ist: was ist an den englischsprachigen Büchern so anders?

Ich habe noch nie gerne Englisch gelesen oder Filme geschaut, aber ich frage mich, was das Geheimnis der englischsprachigen Bücher ist? Unterhaltsam geschrieben? Andere Erkenntnisse? Mehr Fallbeispiele? :-nix
Und warum kriegen das deutsche Autoren nicht hin?

MissGarfield83
03.09.2018, 15:52
@huhn : Ich lese englische Literatur weil ich auch mal über den Tellerrand schauen mag - manche Dogmen die typisch deutsch sind gelten dort einfach nicht und umgekehrt ... Was ich oft besser gelöst finde ist die Art Wissen zu vermitteln ... weniger blabla von wegen das steht in dieser und das steht in jener Studie, sondern eher eine konkrete Handlungsempfehlung.

tragezwerg
03.09.2018, 15:59
Ich mag für die Grundlagen die Bücher von Striebel gern, weil flüssig zu lesen. Man merkt aber sehr, dass so ein Buch schnell veraltet (Stichwort Sepsis, ARDS etc.). Für den Facharzt habe ich mir auch die ganzen Leitlinien der DGAI zu Gemüte geführt (wenn möglich die Kurzversion :-top), das hat mir viel gebracht.
Um auf dem Laufenden zu bleiben, ist der Refresher Course (erscheint jährliche nach jedem DAC) gut.
Bei den amerikanischen Büchern stört mich, dass sie bezüglich Handlungsempfehlungen und Medikamenten halt doch einige Unterschiede zum hier üblichen Vorgehen enthalten. Das stelle ich mir gerade für Anfänger eher verwirrend vor.

Grübler
21.09.2018, 14:26
Ich benötige gerne ein wenig Feedback. Ich hab begonnen Anästhesie-bezogene Podcasts zu schreiben, zu sprechen und produzieren (10 sind bisher geschrieben, 2 fertig gestellt, mehr werden folgen). Die Themen sollen halt alles Anästhesie-Bezogene sein, aufbereitet als Prüfungsgespräch als Vorbereitung für mündliche Prüfungen. (Als erste Folge gibt's halt Reanimation - sehr unkreativ - aber es geht dann halt weiter über akutes/chronisches Nierenversagen, zu physikalischen Grundlagen von Messverfahren, und so weiter und so fort...)

zum MP3-Download: http://anae-doc.de/podcasts
alternativ der erste Podcast auf Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=9VDZNqGbWLU

Was haltet ihr davon? Würde mich auch über kurze Rückmeldungen jeglicher Art freuen :-)

Relaxometrie
22.09.2018, 11:32
Ich möchte ganz uneigennützig :-? auf den Bücher-Thread verweisen, in dem ich folgendes Buch zum Verkauf anbiete:
"Atlas der peripheren Regionalanästhesie: Anatomie - Anästhesie - Schmerztherapie"
Thieme; Auflage: 2., aktualisierte und erweiterte Auflage (8. November 2006)

Moorhühnchen
22.09.2018, 13:57
Falscher Fred.... :-?

Rettungshase
05.10.2018, 19:43
Hallo liebe Leute,

wie geht ihr denn praktisch mit potentiell intraoperativer Weichteilschwellung des Halses vor Extubation um?
Insbesondere interessiert es mich im Zusammenhang mit (längeren) Bauchlagen z.B. auch bei dorsalen Desen - hier natürlich besonders die cervikalen Frakturen, aber auch etwa bei Thyreoidektomien.

Gibt es cut-offs an Volumensubstitution? Bzw. "fahrt ihr diese Patienten eher trocken"?
Ist Chemosis eurer Erfahrung nach ein probater Prädiktor?
Taugt der Cuff-Leak-Test was? ( z.B. hier https://lifeinthefastlane.com/ccc/cuff-leak-test/ ) Jeder OA, dem ich das bislang vorgeschlagen hat, wehrt das in der Regel ab.
Ist Sonographie hier sinnvoll?
Laryngoskopiert ihr vorher noch mal?
Bekommt jeder einen Tube Exchange Katheter?

tragezwerg
06.10.2018, 04:29
Längere Bauchlagen sind meiner Erfahrung nach meist unproblematisch, Probleme hatte ich da bisher eher nach langen OPs in extremer Kopftieflage (DaVinci-Prostatektomie). Volumenresteiktion wird gerne mal propagiert, ob es wirklich was bringt bezüglich der Atemwege weiß ich nicht.
Auf unserer HNO/MKG-Intensiv ist der Cuffleaktest sowie laryngoskopieren vor Extubation Standard und in der Kombi fährt man damit sehr gut. So mache ich es auch wenn mir ein Patient im OP vor Ausleitung äußerlich zu geschwollen vorkommt. Wenn der Cuffleak grenzwertig bzw. negativ ist wird nicht extubiert, bei isolierter schlechter laryngoskopischer Sicht extubiere ich ggf. über nen Cookstab.
Der Cuffleaktest ist aus meiner Sicht eine sehr gute Sache und macht ja nicht viel Aufwand. Ich bin da allerdings vorsichtiger als im verlinkten Artikel und setze den Cutoff für die Extubation bei 150ml.
100%ige Sicherheit wird dir keins der Verfahren geben, und auch über Cookstab gelingt die Reintubation nicht immer (Hauptfehlerquelle ist ein nicht tief genug eingeführter Stab der durch die Manipulation beim Tubus drüber schieben aus der Trachea disloziert).

Rettungshase
08.10.2018, 20:39
Vielen Dank, Tragezwerg.
Mir fehlt da zuweilen die Erfahrung und dem betreuenden OA die Zeit. Naja... und learning by doing geht bei uns tlws. leider nur in einem begrenzten Sicherheitsfenster :p

Judith87
11.10.2018, 21:16
Liebe Anästhesie Gemeinde: im Rahmen der Facharztprüfung sind 2 Gutachten vorzulegen. Ist es möglich Fälle (oder 1 von 2) selber zu konstruieren? Besten Dank!

tragezwerg
12.10.2018, 06:01
Gutachten? In BW braucht man die nicht.

Sebastian1
12.10.2018, 08:35
In Nordrhein zB schon. Ich gebe dir den Tipp, mal deine Kollegen zu fragen, die die FA-Prüfung hinter sich haben, wie sie es gemacht haben. Im Zweifelsfall hilft die Ärztekammer bei der Frage weiter, und auch nur auf deren Aussagen würde ich mich in diesem Zusammenhang auch wirklich verlassen.

Moorhühnchen
08.11.2018, 19:57
Falls demnächst mal wieder ein Patient sagt: "Ich hab da eine Doku über Narkose gesehen..."
Es könnte diese hier gewesen sein: Mysterium Narkose (http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=76429)

Oops!
09.11.2018, 08:53
Zu dem Beitrag, den Moorhühnchen verlinkt hat, mal eine Frage:
seit wann werden denn die Augen des Patienten (wieder) zugeklebt?
Ich dachte, das würde nicht mehr gemacht, um Tränenfluss beobachten zu können?

tragezwerg
09.11.2018, 09:32
Zu dem Beitrag, den Moorhühnchen verlinkt hat, mal eine Frage:
seit wann werden denn die Augen des Patienten (wieder) zugeklebt?
Ich dachte, das würde nicht mehr gemacht, um Tränenfluss beobachten zu können?

Das ist stark von der jeweiligen Abteilung und auch dem Eingriff an sich abhängig. Manche kleben zu, manche machen nur Salbe oder Gel rein.