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Autolyse
28.04.2019, 12:12
Wenn die statistischen Auffälligkeiten tatsächlich so groß waren, dann bedeutet das, dass die peer reviewer von den Dutzenden Artikeln anscheinend nie ein brauchbares peer review durchgeführt haben ;-)
Unter der Annahme, dass die Reviewer eine Abbildung des Durchschnitts der Studenten sind werden >90% davon Statistik schon im Studium doof gefunden haben und ihr statistisches Review auf p<0,05? beschränkt haben.

ThackeryJohn
30.04.2019, 21:07
Hey Leute, ich habe ein Anliegen, das nicht ganz so passt und ich will das Ganze auch nicht für persönliche Beratung missbrauchen. Ich denke nur, dass ihr Anästhesisten/Intensivmediziner mir vielleicht eine kurze Einschätzung aus Erfahrung geben könntet.

Mein Opa (88 Jahre alt) Z.n. Sturz in Badewanne Ostersamstag (1 1/2 Wochen her), im CT leichte Blutung epidural, sowie subdural, war jedoch ansprechbar und neurologisch keine sonstigen Auffälligkeiten. Er hat im KH dann eine Lungenentzündung und leichte Sepsis entwickelt, wurde dann intubiert (liegt auf Intensiv). Lungenentzündung und Sepsis rückläufig. cCT brachte keine weitere Blutung zum Vorschein. Von diesen Parametern also eine gute Entwicklung.
Propofol und Midazolam wurden letzten Samstag/Sonntag abgesetzt, nun wacht er nicht mehr auf und wird immer noch intubiert, die Ärztin sagte meiner Mutter auch, dass sie sich Sorgen machen, weil er eben nicht aufwacht.
Ich wohne leider 400 Kilometer entfernt und kann nicht täglich ins Krankenhaus :(

Die Ärztin möchte nun eine Tracheotomie durchführen, um den Intubationsschlauch zu ziehen und ihm das Atmen zu erleichtern.
Meine Frage: Ist die Vorgehensweise auf Intensiv üblich, um den Patienten zum Aufwachen zu bringen? Könnte man nicht ein Mittel geben wie Naloxon o.ä. um ein Aufwachen zu "triggern"? Oder wäre das vielleicht kontraindiziert, wegen der Hirnblutung?
Als meine Tante danach gefragt hat, ob man ihm was geben kann zum Aufwachen, konnte die Ärztin sich nicht wirklich dazu äußern.
Erhöht es das Infektionsrisiko, wenn der Intubationsschlauch über einen langen Zeitraum drinbleibt? Mir erschließt sich nämlich nicht, warum man unbedingt den Schlauch ziehen will und eine Tracheotomie durchführen will, könnte man nicht weiterhin intubieren und warten, bis er irgendwann aufwacht?
Ich bin leider erst im zweiten Semester und mir fehlen die ganzen Kenntnisse, vielleicht kann ja jemand von euch 1-2 Sätze dazu schreiben. Falls es gegen die Forenregeln verstößt, dann bitte einfach den Beitrag löschen oder nicht darauf eingehen. Vielen Dank!

kartoffelbrei
30.04.2019, 21:19
Ohne auf den konkreten Fall Bezug zu nehmen: es ist üblich, dass Patienten, die längere Zeit intubiert waren, über eine vorübergehende Tracheotomie von der Beatmung entwöhnt werden. Die Atemmuskulatur baut ab und muss langsam wieder aufgebaut werden, indem man den Patienten so wach wie möglich am Beatmungsgerät mitatmen lässt und die Unterstützung im Lauf der Tage langsam reduziert (Weaning). Ein oraler Tubus ist bei entsprechender Wachheit ein solcher Husten- und Würgereiz, dass das nicht über so einen langen Zeitraum funktioniert. Ein Trachealkanüle stört deutlich weniger und wird auch ohne Sedierung toleriert.

ThackeryJohn
30.04.2019, 21:25
Vielen Dank für deine Antwort, das hat mir schon sehr weitergeholfen! :)

Rettungshase
30.04.2019, 21:28
Ganz allgemein gesprochen:
Im Rahmen eines Aufwachversuchs stellt man die Sedierung aus bzw. reduziert sie deutlich und schaut, ob der Patient wach wird. Es gibt in diesem Sinne keine "wach machenden" Medikamente.
Eine Tracheotomie ist eine Standardmaßnahme auf der Intensivstation, wenn sich abzeichnet, dass ggf. nicht zeitnah extubiert werden kann. Es erleichtert u.a. die Oralhygiene, die Beatmung für den Patienten, reduziert das Risiko für Pneumonien, mindert die dauerhafte Reizung der Stimmbänder (die reagieren gereizt, wenn da dauerhaft ein Fremdkörper zwischensteckt) uvm.

ThackeryJohn
01.05.2019, 19:43
Auch dir vielen Dank Rettungshase, dann kann ich meiner Mutter jetzt plausibel erklären, warum dieser Eingriff gemacht wird. Danke, dass ihr dazu eine Meinung abgegeben habt :)

Moorhühnchen
05.05.2019, 14:57
Wo genau liegt das Geheimnis, wenn man sich für die HES-Schulung bei der ESA einloggen will?
Ich kann beim besten Willen kein Konto anlegen oder mich einloggen.
https://myesa.esahq.org/Account/LogOn/SignUp

Info des BfArM zur weiteren Verwendung von HES (https://www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinformationen/Pharmakovigilanz/DE/RV_STP/g-l/hes-neu2017.html)

Hat jemand den entscheidenden Hinweis?

tragezwerg
05.05.2019, 17:16
Ich hab da auch mehrere Anläufe gebraucht. Die Seite ist total unübersichtlich.

Rettungshase
05.05.2019, 20:59
Ich bin ESA-Mitglied; damit ging es völlig problemlos.
Letzten Endes zählt es "eigentlich" nur, wenn jeder (!) ärztliche Mitarbeiter der Klinik diese Schulung durchlaufen hat.

Moorhühnchen
05.05.2019, 21:30
Ich hab da auch mehrere Anläufe gebraucht. Die Seite ist total unübersichtlich.
Was hat letztlich den Erfolg gebracht? Ich bekomme immer nur eine Fehlermeldung, mit der ich nichts anfangen kann und die halbe Seite wird rot. Habe es vom Handy versucht sowie vom Laptop mit Chrome und Firefox. :-nix

So sieht das dann aus:

Aiko
05.05.2019, 23:16
Was hat letztlich den Erfolg gebracht? Ich bekomme immer nur eine Fehlermeldung, mit der ich nichts anfangen kann und die halbe Seite wird rot. Habe es vom Handy versucht sowie vom Laptop mit Chrome und Firefox. :-nix


Bei mir ging es unproblematisch (Zugriff per Opera). Hast du mal versucht dich von einem anderen Rechner aus einzuloggen?

Moorhühnchen
06.05.2019, 08:31
Zwei verschiedene Laptops und ein Handy hab ich durch. Versuche es später nochmal von der Arbeit aus, dann auch mit anderer eMail-Adresse. Aber mysteriös find ich das schon. Ich meine, so hochkomplex ist das Erstellen eines Kontos ja normalerweise nicht. :-?

EDIT: endlich geschafft! :-)

Aber vielleicht hätte ich erst meinen Namen eintragen sollen - ich habe jetzt ein schönes Blanko-Zertifikat, ohne Namen. Ob das so gedacht war? :-))

Grübler
06.05.2019, 19:04
Aber vielleicht hätte ich erst meinen Namen eintragen sollen - ich habe jetzt ein schönes Blanko-Zertifikat, ohne Namen. Ob das so gedacht war? :-))

Kopieren, und in der Klink verteilen. So ist es zumindest realistisch, dass jeder Mitarbeiter eine aktuelle Bescheinigung hat :-))

Moorhühnchen
06.05.2019, 19:24
Kopieren, und in der Klink verteilen. So ist es zumindest realistisch, dass jeder Mitarbeiter eine aktuelle Bescheinigung hat :-))Hab schon gehört, dass einige meiner Kollegen die Schulung nicht machen wollen, weil sie eh kein HES benutzen, viele von ihnen stehen auf Gela, was ich so gar nicht mag. Ich mein, ich benutze HES so ca. einmal im Jahr - aber ich hätte schon gern weiterhin die Möglichkeit.... :-?

Bin mal gespannt, wie das ausgeht.

Grübler
06.05.2019, 22:16
Meiner Meinung nach ist das eine versteckte Marktrücknahme von HAES. Warum sie's nicht direkt gemacht haben, erschließt sich mir aber nicht. Wer kann und will das mit den Fortbildungen (jedes Jahr!) schon leisten für ein Medikament, das sowieso eher fragwürdig ist?!

Und ob Gela jetzt so viel besser als HAES ist - da bin ich sehr skeptisch; hätte da auch ein schlechtes Gefühl bei, das zu benutzen...

Sebastian1
07.05.2019, 06:58
Kolloide sind tot, die Leichenstarre hat schon eingesetzt. Konsequent wäre es, es einfach rauszuwerfen...

tragezwerg
07.05.2019, 08:39
Wo ich Kolloide nützlich finde ist bei ultra langen abdominellen Blutbädern (Leberresektionen mit Darmteilresektion etc. pp.) mit viel Wasserverlust über den Situs. Da profitieren die Patienten nicht von übermäßig viel Kristalloid (im Gegenteil, die schwemmen nur auf und alles ist ödematös), und ein wohldosiertes Beutelchen Kolloid stabilisiert da den Kreislauf schon merklich. Und immer gleich mit Blutprodukten drauf ist halt auch nicht ohne. Habe mittlerweile mehrere fiese Reaktionen auf FFP erlebt, bis zur Reanimation.
Im normalen Alltag brauche ich das Zeug auch nicht zwingend.

Brutus
07.05.2019, 09:43
Kolloide sind tot, die Leichenstarre hat schon eingesetzt. Konsequent wäre es, es einfach rauszuwerfen...
Naja, sehe ich nicht so. Vor allem wird immer beim Abgesang auf das HES die GUTEN, VERFÜGBAREN Alternativen genannt. Nur: fragt man nach, was denn diese ach so gelobten, guten und verfügbaren Alternativen sind, bekommt man keine Antwort...

Moorhühnchen
07.05.2019, 09:54
Ich war ja gerade im März bei den Westdeutschen Anästhesietagen und bei mehreren der Vorträge hatte man schon das Gefühl, dass HES wieder stark im Kommen ist.
Von der ESA-Schulung und dem Lieferstop war da lustigerweise gar nicht die Rede. Das läuft alles so still und heimlich hintenrum und als ich die Meldung in der Ärztezeitung vom 1. April gelesen habe, dachte ich tatsächlich an einen Aprilscherz. Sollte man auf der Fortbildung mit Themenkomplexen rund ums HES zumindest gehört haben?!
Ne Freundin von mir ist vor kurzem auch über die Verwendung von HES im Rahmen postpartaler Blutungen bei der FA-Prüfung gefragt worden und der Einsatz wurde stark befürwortet. Mal ehen, ob es auf dem DAC thematisiert wird.

tragezwerg
07.05.2019, 10:01
Naja, sehe ich nicht so. Vor allem wird immer beim Abgesang auf das HES die GUTEN, VERFÜGBAREN Alternativen genannt. Nur: fragt man nach, was denn diese ach so gelobten, guten und verfügbaren Alternativen sind, bekommt man keine Antwort...

Ja, diese Alternativen sind mir auch noch nicht begegnet...FFP oder Albumin entgegen jeder Empfehlung? Gela? Dextran aus irgendeinem Bunker von 1995? Hypertones NaCl?