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Bille11
16.03.2018, 12:58
C+L und Maskenbeatmung werden von mir immer eingetragen - das sind ja die wenigen wirklich relevanten Informationen des Narkoseprotokolls - sonst kann man das Protokollieren auch ganz lassen.

Die älteren Kollegen bei uns dokumentieren auch recht wenig und ich kann es sehr gut verstehen. Meine Bereitschaft, jeden RR mmHG genau zu dokumentieren nimmt auch immer mehr ab. Irgendwann kann man die hinverbrannte Schei$$e auch nicht mehr aufschreiben. Als Kind gab es im Steakhaus vor dem Essen was zum Mahlen, als erwachsener Akaedmiker brauche ich im Jahr 2018 keine Beschäftigungstherapie dergleichen...

Ich habe bekanntermassen eine echt herausfordernde Schrift. Aber immer dann, wenn man meine Narkoseprotokolle oder Notarztprotokolle wirklich gut lesen kann, dann war etwas - und ich dokumentiere gewissenhaft, mit Ausschluss von Ereignissen und Beschreiben von Befunden zB über CL hinaus. Das wird dann halt ein kleiner Roman fürs (imaginäre) Gericht. Kollegen, die mich kennen, erkennens sofort an der deutlich besseren Lesbarkeit. (Vermeintliche) Banalitäten sind allerdings eher.... schön dahingemalt aber herausfordernd. Inhaltlich Standard, höchstens bei der Maskenbeatmung und beim CL, Tubustiefe variabel.
Intensivmedizinisch haben wir gsd elektronische Datenverarbeitung, so dass das Ganze dann deutlich angenehmer ist für alle. Aber auch hier - sobald irgendetwas komisch wird, gibts einen Roman zum minutiösen Mitlesen. Und ansonsten auch schonmal die Sparversion ‚war nix neues‘.

Für meine Prämedikationstexte, die ich wortwörtlich wiederholen kann, könnte man mir auch einen Stempel machen. Es steht in 90% exakt das gleiche da. Erst wenn es zum ASA IV++ und/oder Operativ/Intensivmedizinisch herausfordernden Procedere kommt, füge ich 1-2 weitere Sätze an. Leider darf ich keinen Stempel benutzen. Kann aber jederzeit sagen, was da steht.

anignu
16.03.2018, 13:16
Nur so aus Interesse: wie kommt man denn als Patient auf die Idee, dass jemand einen Seldinger-Draht in einem verloren haben könnte?
Ganz ehrlich? Ich kenne so einen Fall, war ich im OP dabei. Unschöne Geschichte. Ist man letztlich draufgekommen wegen ständig wiederkehrendem Fieber, bei der endovaskulären Bergung dann in der Beckenachse Dissektion, dann offene Versorgung der Dissektion in der Beckenachse etc. Krasser Wahnsinn der Fall. Und der Patient war jünger als ich.

fallenangel30487
17.03.2018, 18:18
Hallo Zusammen,
ich hätte mal eine Frage an euch. Ich bin jetzt gerade mit dem PJ fertig und habe bald Examen. Zwischen der Prüfung und meinem Arbeitsbegin habe ich noch ein paar Wochen frei, dann fange ich im Sommer in der Inneren in einem mittelgroßen Haus an zu arbeiten. Ich habe in meiner RS Ausbildung ein paar mal intubiert, aber das ist schon ca. 10 Jahre her. Eigentlich hätte ich das gerne noch ein paar mal im PJ gemacht, leider hat es sich aber nicht ergeben da ich nicht in der Anästhesie war und auf der ITS auf der ich im PJ war, gabs irgendwie während meiner Arbeitszeit keine Intubation. Daher habe ich mir überlegt ob ich einfach vor meinem Arbeitsbegin noch so 1-2 Wochen in der Anästhesie bei meinem künftigen Arbeitgeber hospitiere. Da ich dort alle auch in der Anästhesie kenne ist das wohl kein Problem. Die Frage ist ob das Sinn macht. So hätte ich die Möglichkeit noch ein paar Intubationen zu machen. Ich habe ein bisschen Angst, dass ich in ein paar Monaten im Dienst da stehe und auf ITS intubieren muss und das einfach nicht kann. Klar kann man nach ein paar Intubationen noch lange nicht sicher durführen, aber man hat denke ich dann wenigstens ein bisschen Erfahrung und ist nicht so ganz planlos. Ich werde wohl ca. 3-6 Monate Schonfrist haben, bevor ich meine ersten Dienste machen muss, jedoch werde ich erst nach ca. 6-12 Monaten auf der ITS eingeteilt. Ich habe dann aber die ZNA, ITS und das ganz Haus zu betreuen, finde das irgendwie schwierig wenn man noch ziemlich wenig ITS Erfahrung hat. Meint ihr es macht Sinn einfach vorm Arbeiten nochmal in der Anästhesie zu hospitieren?

Philip_MHH
17.03.2018, 19:04
Schaden wird es dir sicher nicht ;) die Frage ist, ob du die zeit nicht doch lieber genießen solltest bevor es ins Arbeitsleben geht. Das ist dann ja auch am Anfang eine sehr anstrengende Zeit, die Verantwortung die man plötzlich hat, weil man "fertiger Arzt" ist.

Aber klar, üben und Sicherheit gewinnen schadet nie. Wenn du die Zeit hast und dein zukünftiger Arbeitgeber mitspielt nutz die Chance .

Autolyse
17.03.2018, 23:02
Ich plädiere fürs freimachen. Selbst wenn man durch alle Säle springt und alle Intubationen macht, dann sammeln sich immer noch nicht so viele an, dass man wirklich einen deutlichen Fortschritt erreicht.
Die wenigsten Intubationen auf ITS kommen ja aus dem blauen Dunst, sondern kündigen sich an, so dass man das schon planen (und sich den anästhesiologischen Kollegen dazubitten kann, wenn ihr es nicht ohnehin primär mit Videolaryngoskopie macht) kann.

Rettungshase
18.03.2018, 17:30
Ich spreche mich auch fürs Freimachen aus.
Hab schon ein paar "Intubationspraktikanten" während Famulaturen und des PJs gesehen, die es freitags noch genauso gut konnten wie montags, was - wie gesagt - nichts mit Unvermögen zu tun hat, sondern einfach mit oben beschriebener Lernkurve.

Außerdem garantiert dir keiner, dass du auch wirklich alle Intubationen machst. Falls es plötzlich doch neue, einzuarbeitende anästhesiologische Kollegen gibt, wird man die vermutlich priorisiert behandeln und du verschenkst kostbare freie Zeit.

Brutus
18.03.2018, 17:56
Eben! Du wirst die nächsten 30-35 Jahre genug zu arbeiten haben. Ohne wirklich entspannt noch mal frei zu haben. Und der AG ist dazu da, Dir die Fähigkeiten für die Übernahme von Diensten zu lehren, bzw. die Zeit dafür zu geben.
Mach frei und fahr noch mal schön in den Urlaub.

fallenangel30487
18.03.2018, 18:14
Danke für eure Meinungen. Ich denke ich werd dann erst mal Urlaub machen nach dem Examen, dann sehe ich weiter. Wahrscheinlich mach ich mir auch einfach zu viel Gedanken im voraus.

Corinna
18.03.2018, 20:36
Kollegin hat zur Zeit ne ehemalige Patientin, die wegen eines angeblich verlorenen Seldinger-Drahtes beim Legen einer Arterie klagen will. Was damit passiert sein soll, weiß ich leider nicht. Fall aus dem Jahr 2016. Kollegin sagt, Chef hat die Arterie gelegt und ist sich sicher, daß es ein Flowswitch war. Leider isses nicht dokumentiert, wer gelegt hat und was gelegt wurde.
Ich war bisher noch nicht auf die Idee gekommen bei der Doku darauf zu achten, ob Seldinger oder Flowswitch. Bisher habe ich nur "Anlage unter sterilen Kautelen" geschrieben. Werde auch das wohl in Zukunft weiter ausbauen. :-?

Das finde ich auch eher krass und fast an den Haaren herbeigezogen. Wenn einem der Draht verlorengeht, DANN dokumentiert man doch wirklich, was danach passiert ist?! Zu 0815 Fällen von vor 2 Jahren erinnert man sich natürlich nicht mehr, aber DAS wüsste man doch auch noch?? (btw: Auf keiner Intensivstation, die ich kenne, wird die problemlose Anlage neuer Arterien und ZVKs ärztlicherseits konsequent dokumentiert...)
Das wäre jetzt wirklich interessant zu erfahren, wie die Sachlage in dem Fall wirklich zustande kam.

Aber bei mir ist es auch so: wenn ich schon mit Ärger rechne, dokumentiere ich mehr.

ChillenMitBazillen
19.03.2018, 09:46
(btw: Auf keiner Intensivstation, die ich kenne, wird die problemlose Anlage neuer Arterien und ZVKs ärztlicherseits konsequent dokumentiert...)

Bitte? Da das eine risikobehaftete und aufklärungspflichtige Prozedur ist, dokumentiere ich dazu auf jeden Fall etwas, und zwar so, dass man aus meinen Dokumentationen erkennen kann, dass ich auch nicht ganz perfekte Verläufe entsprechend dokumentiere. Das kostet mich Sekunden (z.B. problemlose Anlage ZVK Vena subclavia re. nach Landmarkentechnik unter sterilen Kautelen, Annaht bei 17cm, venöse BGA, zentralvenöse Druckkurve. Indikation parenterale Vollernährung, Aufklärung duch mich. Verzicht auf Jugularispunktion wg. Tumor und Bestrahlung. Rö angemeldet."

Wenn man das erste Mal angeschuldigt wird, durch Femoralarterienverletzung einen Patientenschaden verursacht zu haben, ist es schön, darauf verweisen zu können, dass man die Leiste nie angetastet hat...

Mano
19.03.2018, 10:07
Dokumentieren ja, das gehört meiner Ansicht nach schon mit dazu. Allerdings habe ich noch nie dokumentiert, dass am Ende genauso viele Drähte wie vor der Anlage vorhanden waren - halte ich auch für übertrieben... Irgendwo bleibt dann halt doch ein Restrisiko...

nxk61
21.03.2018, 12:44
Hey Leute,

ich bin gerade am Bewerbungen schreiben für Anästhesie, habe noch keine Berufserfahrung.
Gibt es Kliniken, die ihr empfehlen könnt mit guter Ausbildung? Weiß jemand was vom städtischen Klinikum Osnabrück?
Über Erfahrungsberichte würde ich mich freuen. :)

Bille11
21.03.2018, 13:11
Bewirb Dich einfach und hospitiere! Im Klinikum Osnabrück hat vor 2-3 Jahren noch eine tolle Stimmung geherrscht, da bist Du als Anfänger sicher gut aufgehoben :-) Und als einer der Maximalversorger in der Gegend mit eigentlich dem kompletten Anästhesiespektrum, ausgenommen der Kardiochirurgie, lernt man ganz sicher alles rasch und selbstständig zu beherrschen!
:-top

nxk61
21.03.2018, 13:50
Hey Bille,

vielen Dank für die schnelle Antwort. :) Habe schon einen Hospitationstermin!
Gut zu hören, dass dort eine gute Stimmung war. Beim PJ- Ranking kam die Abteilung auch ganz gut weg.
Das ist ja auch schon ein gutes Zeichen.

Odile1
21.03.2018, 14:51
nxk61, wenn du deine privaten Nachrichten freischaltest kann ich dir gerne auch noch ein paar kurze Infos schicken :)

nxk61
21.03.2018, 17:37
ist aktiviert :)

Mitschmaus
22.03.2018, 07:59
Hallo zusammen!

Ich schließe mich mal der Grundsatzfrage an. Hat einer Erfahrungen mit der Anästhesie im Helios Wuppertal, im jung-Stilling in Siegen oder mit dem st marien Hospital in Lünen? Würde mich über kurze Erfahrungsberichte sehr freuen :-) ich danke euch! Lieben Gruß! Mitsch

nxk61
22.03.2018, 10:17
Ich würde mich auch noch über Erfahrungen mit den Kliniken in Aachen freuen. ;)
Im speziellen das Marienhospital und das St. Antonius- Hospital- Eschweiler.
Wenn da noch jemand Infos hat, wäre das ein Traum! :)

tragezwerg
22.03.2018, 12:59
Liebe Kollegen, heute habe ich zum ersten Mal gehört dass es Bestrebungen gibt im Rettungdienst Methoxyfluran zur Analgesie durch NotSan einzuführen...in Australien wird das wohl viel von Paramedics eingesetzt.
Ich bin da eher kritisch eingestellt...ein volatiles Anästhetikum, das in Deutschland in den 70ern wegen nephrotoxischer UAW vom Markt genommen wurde und entsprechend der Stoffgruppe ohnehin kaum bis gar nicht analgetisch wirkt zum Zwecke der Analgesie einzusetzen leuchtet mir nicht ein. Dann doch lieber Lachgas, wenn es denn unbedingt inhalativ sein muss. Das ist wenigstens echt analgetisch. Oder eben Ketamin, das fände ich auch für NotSan vetretbar.
Was denkt ihr dazu?

Grübler
22.03.2018, 13:03
Die Paramedics in Amerika nutzen Entonox (festes Mischverhältnis O2:N2O) - das finde ich durchaus vertretbar. Methoxyfluran find ich Bullshit. Vor allem, weil es auch noch explosiv ist!