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Rettungshase
07.05.2019, 22:41
Wegen der NEF-Mitfahrten:
Spannend finde ich auch die Frage, wie es rechtlich ausschaut, wenn man nach oder vor einem Dienst "noch schnell" Mitfahrten sammelt.
Da zahlt einem doch keine Versicherung was, wenn man dann aus dem NEF steigt und sich dabei das Bein bricht oder schlimmer: Wenn man nach einem Mitfahrertag im Nachtdienst einen Patienten schädigt. Da stürzt sich doch jeder Gutachter mit Freuden drauf.



Für ein "blindes" Substituieren gibt es keine gute Evidenz. Für das gezielte substutuieren und einsparen von Fremdblutprodukten durchaus.

- keine Refinanzierung. Weder der Diagnostik, noch der Therapie und schon gar nicht der Logistik. Ferinject und Monofer als Eisenpräparate liegen bei knapp über €100/Ampulle, min 2 Ampullen/Patient. Plus Laborleistungen und Personalaufwand. Das musst du an EKs und Komplikationen erstmal einsparen. Möglich, aber dafür brauchst du ein exzellent organisiertes PBM und ein Controlling, was die (eingesparten) Sekundärkosten auch sieht und berechnen kann. Und das fängt teilweise übrigens schon da an, dass bestimmte Fachabteilungen bei prästationären Patienten nichtmal eine Routine-Labordiagnostik bezahlt bekommen.


Wieso überlässt man die Anämiebehandlung eigentlich nicht den ambulanten Kollegen bei hochelektiven Eingriffen wie z.B. Endoprothetik bei z.B. Arthrose?

agouti_lilac
08.05.2019, 08:37
Ja schon. Aber warum 2 ?
Wir hängen eins an und machen danach ne Hb Kontrolle und wenn der Hb "im Ziel", gibts kein zweites. Warum auch ?
Sehe ich genauso! :-)

Ich hab jetzt mal an Famulaturen/PJ/Krankenpflege-Ausbildung in diversen Kliniken und Fachabteilungen zurück gedacht: ich kann mich nicht erinnern, dass ich mal nur ein einzelnes bestelltes EK gesehen hätte.

PBM stellt einen dann leider vor großen Schwierigkeiten, wie Sebastian es schon beschrieben hat. Wir sehen die Patienten auch regelhaft 1-2 Tage vorher.

Man wird halt so in der Klinik sozialisiert und hinterfragt so was nicht oder erst später.


Insofern: sind die NEF-Fahrten verpflichtend? Und was willst du versichert haben? Gelegentliche Notarzteinsätze sind ja in der Haftpflicht schon meist dabei. Und ob man als Praktikant quasi "unfallversichert" ist müsste man halt fragen.

Ja, ist Dienstaufgabe unserer Klinik. Einsätze wurden "schon immer" in der Freizeit gesammelt, geschuldet dem Personalmangel natürlich. So langsam werden die Assis bei etwas mehr Luft in der kleinen Dienstgruppe wochenweise auf dem NEF eingeplant und prämedizieren nebenher.


Spannend finde ich auch die Frage, wie es rechtlich ausschaut, wenn man nach oder vor einem Dienst "noch schnell" Mitfahrten sammelt.
Da zahlt einem doch keine Versicherung was, wenn man dann aus dem NEF steigt und sich dabei das Bein bricht oder schlimmer: Wenn man nach einem Mitfahrertag im Nachtdienst einen Patienten schädigt. Da stürzt sich doch jeder Gutachter mit Freuden drauf.

Genau darum geht es. Und in der Elternzeit ist man ja erst recht nachweislich nicht da.
Wenn man sich im dienstfrei beim Fahrtensammeln den Finger in der Autotür einquetscht, dann ist die Chance größer, dass keiner merkt/es keinen interessiert, dass du ja eigentlich Ruhezeit hast. Oder auf dem Dienstplan erscheint für den vorherigen Dienst ganz schnell ein anderer Name. :-D:-peng

tragezwerg
08.05.2019, 09:11
Ich habe komplett in meiner Freizeit die Fahrten gesammelt, und auch in Elternzeit. War insofern kein Problem, weil man als Hospitant bei uns ohnehin 1. Keine Behandlung am Patienten vornehmen darf (meine Berufshaftpflicht hätte es aber auch abgedeckt) und 2. Man über den Betreiber des NEF=bei uns das DRK unfallversichert ist.
Nach dem Nachtdienst in der Ruhezeit würde ich das aber auch nicht riskieren.

Autolyse
08.05.2019, 17:10
[...]Wieso überlässt man die Anämiebehandlung eigentlich nicht den ambulanten Kollegen bei hochelektiven Eingriffen wie z.B. Endoprothetik bei z.B. Arthrose?
Weil die da keinen Nerv zu haben, es auch nicht vergütet bekommen und möglicherweise ein anderes Haus den Fall abgreift...

agouti_lilac
08.05.2019, 19:10
Lesenswerter Artikel dazu: Boldt the great pretender | BMJ

Ist leider kostenpflichtig.

Sebastian1
08.05.2019, 19:46
Weil die da keinen Nerv zu haben, es auch nicht vergütet bekommen und möglicherweise ein anderes Haus den Fall abgreift...

Genau das. Du kannst ggfs Kooperationen mit hämatoonkologischen Praxen machen, kann sein, dass man da extrabudgetäre Lösungen findet. Der Aufwand ist personell, finanziell und logistisch aber enorm hoch.

Mano
09.05.2019, 00:43
Wegen der NEF-Mitfahrten:
Spannend finde ich auch die Frage, wie es rechtlich ausschaut, wenn man nach oder vor einem Dienst "noch schnell" Mitfahrten sammelt.
Da zahlt einem doch keine Versicherung was, wenn man dann aus dem NEF steigt und sich dabei das Bein bricht oder schlimmer: Wenn man nach einem Mitfahrertag im Nachtdienst einen Patienten schädigt. Da stürzt sich doch jeder Gutachter mit Freuden drauf.


Haftpflichtversicherung sollte man natürlich sicher stellen (dürfte aber in der Regel über die Privathaftpflicht abgesichert sein). Und die berufspolitische Diskussion kann ich auch nachvollziehen...

Aber von einem evtl. fehlenden Unfallversicherungsschutz würde ich mich nicht abhalten lassen. Den habe ich doch auch nicht, wenn ich privat unterwegs bin. Und falls ich das Risiko eines schweren NEF-Unfalls für so groß halten würde (ja, ich weiß - das Risiko ist höher als im Privat-PKW) dann würde ich auch mit Versicherungsschutz nicht einsteigen. Die Versicherung zahlt dir ja allenfalls Geld aus - näht dir aber nicht deinen Kopf wieder an...

Mano
09.05.2019, 00:49
Für ein "blindes" Substituieren gibt es keine gute Evidenz. Für das gezielte substutuieren und einsparen von Fremdblutprodukten durchaus.


Ich weiß nicht - vielleicht habe ich mit den falschen Quellen gearbeitet, aber als ich die Leitlinie zu dem Thema gelesen habe war ich einigermaßen ernüchtert.
So wie ich es verstanden habe gibt es gute Evidenz, dass EKs schaden. Und es gibt gute Evidenz, dass ich mit PBM (also hier bezogen auf die präoperative Anämiediagnostik und Therapie) EK-Transfusionen einsparen kann. Und daraus wird dann geschlussfolgert: PBM -> weniger Transfusionen -> besseres Outcome
Und da sind wir dann meiner Ansicht nach wieder bei den schönen Zahlen... Eine hochwertige Studie, die belegt dass harte Outcome-Parameter sich durch PBM verbessern lassen, fehlt. Lässt sich vermutlich aufgrund der erforderlichen hohen Zahlen auch nur schwer umsetzen - aber dafür das PBM so gehypt wird finde ich die Datenlage überraschend dürftig.

Kiddo
09.05.2019, 07:28
Jemand auf dem DAC unterwegs :)?

bonescrusher
14.05.2019, 19:58
Hi,
da ich das Gefühl habe, hier wird am meisten gelesen, ganz kurz:

gibt es Kollegen, die in Großhadern arbeiten/gearbeitet haben oder jmd. kennen, welcher dort arbeitet, um mir Infos über Dienststrukturen, Arbeitsklima, Verdienst, Intensivrotationsmöglichkeiten (spezielle I), Einarbeitung als Altassistent über den privat messanger zukommen lassen können

danke
vg

rhythm
15.05.2019, 10:30
@bonescrusher

Dafür würde ich mich auch interessieren. Vielleicht könnten wir das auch hier diskutieren, damit andere Interessierte auch mitlesen können? Danke.

DonatusvHB
15.05.2019, 15:20
Habe gelesen, dass die Uniklinik Frankfurt seit einiger Zeit "papierfrei" mit iPads für jeden Mitarbeiter und Anbindung aller Geräte an einen zentralen Server auch für die Prämedikation dokumentiert. Kann jemand von bisherigen Erfahrungen berichten. Würde mich sehr interessieren. Erleichtert es die Arbeit wirklich?

MissGarfield83
15.05.2019, 21:11
Sagt mal ist die Anwendungsbeschränkung von Thiopental noch in Kraft?

Schorsche
15.05.2019, 21:50
Ich denke schon. Auf jedem Fall habe ich’s vor ein paar Wochen mal gebraucht, es war erstens nicht im Haus aufzutreiben und zweitens musste ich die Indikation ziemlich gut bei der Apotheke begründen...

Moorhühnchen
15.05.2019, 22:48
Sagt mal ist die Anwendungsbeschränkung von Thiopental noch in Kraft?
Was hab ich nicht mitgekriegt?

mainzer
16.05.2019, 05:31
och Hühnchen....:
https://www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinformationen/Pharmakovigilanz/DE/RHB/2018/rhb-thiopental-inresa.pdf;jsessionid=247D2EB5DACFC8D9CBBBD7546DAD EDA7.1_cid319?__blob=publicationFile&v=4

Einfach öfter mal über den Main schauen...dein Chef wird auch nicht jünger ;-)

MissGarfield83
16.05.2019, 06:06
Bin gestern halt über einen Artikel im FA Vorbereitungsheft des Anästhesisten gestolpert wo Thiopental als das Induktionshypnotikum bei Patienten mit Überolltrauma, Schock und mentaler Alteration ( GCS 11 ) propagiert wurde .... seh ich DEUTLICH anders. Mal abgesehen davon dass ja eine Anwendungsbeschränkung existiert und wir es auch nicht mehr für Sectiones nehmen, es laut Rote Hand Brief auch nur noch an Kliniken geliefert wird und die Indikationsstellung auf 2 Indikationen verengt wurde ( unkontrollierter ICP Anstieg, Induktion bei Neos ) ...

LasseReinböng
16.05.2019, 06:41
Bin gestern halt über einen Artikel im FA Vorbereitungsheft des Anästhesisten gestolpert wo Thiopental als das Induktionshypnotikum bei Patienten mit Überolltrauma, Schock und mentaler Alteration ( GCS 11 ) propagiert wurde .... seh ich DEUTLICH anders.


Für RSIs bzw. Intubationen ohne Opiat fand ich es bislang immer am geeignetsten... auch ist die Hypotonie nicht so dolle wie bei Propofol. Daß die Indikationsstellung verengt wurde, wusste ich gar nicht - bei uns war offiziell von Lieferengpässen die Rede.

MissGarfield83
16.05.2019, 07:48
Ich hatte deutlich mehr Hypotonien als unter Propofol - deswegen wunderte mich auch die Aussage. Aber vielleicht liegts an meiner gewohnten opiatlastigen Induktion. Für die o.g. Induktion würde ich jedoch Ketanest/Dormicum deutlich vorziehen, v.a. da auch kontrolliert ventiliert wird. Meiner Erfahrung nach sind die Patienten deutlich hämodynamisch stabiler.

Sebastian1
16.05.2019, 09:42
Dem schliesse ich mich an. Trapanal und Konsorten verwende ich eigentlich gar nicht mehr. Ausnahme waren noch die Notsectios.