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tragezwerg
19.06.2019, 06:25
Bille, ich hatte meinen Kommentar gar nicht auf dich bezogen, sondern auf die generelle Idee, dass man ja an Intensivpatienten nachts alles üben könne. Ich hab viele Kollegen, die das tatsächlich in extenso betreiben und teils stundenlang irgendwann nachts um 2 Patienten schallen, umlagern etc...und das geht für mich halt gar nicht.

crossie
19.06.2019, 10:27
Weil eben zum x-ten Mal in meinem noch jungen Anästhesistenleben erlebt nur noch mal so für mich: wenn ich Strom direkt an einen Muskel halte, dann kontrahiert der, egal wie viel Relaxans ich vorher in den Patienten geschüttet habe, weil ganz anderer Wirkort, oder?

Sebastian1
19.06.2019, 10:58
Mit dem Strom packst du ja eine direkte Erregung an den Muskel. Das Relaxans verhindert die Reflex- und Willkürbewegung der Skelettmuskulatur durch Blockade des Acetylcholinrezeptors der motorischen Endplatte.
Das ist dem Strom aber egal.

Und ja, es gibt tatsächlich Operateure, die das nicht verstehen wollen und meinen, der Patient sei nur nicht ausreichend relaxiert...

tragezwerg
19.06.2019, 11:13
Ja, diese Diskussion habe ich auch schon seeeehr oft mit diversen Operateuren führen müssen. Einem hab ich es während einer OP fünfmal erklärt (er hat es trotzdem nicht verstehen wollen), bis die beiden PJler beim Haken halten nur noch am kichern waren...
Anscheinend ist der Unterschied zwischen spannungsabhängigen und Acetylcholin-abhängigen Ionenkanälen von gewissen Leuten nicht zu verstehen. Kommentar meines Oberarztes damals: "Und die Chirurgen wundern sich, warum wir sie für dämlich halten. Das sagt doch schon alles!"

kartoffelbrei
19.06.2019, 14:55
Mal was anderes - von einer engagierten Notfallsanitäterin kam die Frage, wozu die pädiatrischen AMBU Spur Beutel eine Blockierungsmöglichkeit für das Überdruckventil haben.


dieses ventil kann durch einen kleinen Bügel lt. Broschüre "bei medizinischer Notwendigkeit deaktiviert" werden - allerdings fällt mir keine Indikation hierfür ein. Selbst bei den Initialbeatmungen bei einem Neugeborenen bei noch nicht entfalteten Lungen empfiehlt die ERC-Leitlinie "einen Sptzendruck von 30 cm H2O, bei Frühgeborenen von 20-25 cm H2O....

Von daher konnte ich ihr keine zufriedenstellende Antwort geben - aber vielleicht hilft das Schwarmwissen hier

Ich würde ganz profan sagen: wenn mit der Druckbegrenzung nicht genug rein geht ;-) Paradebeispiel Reanimation mit gleichzeitig Drücken und Beatmen. In unserem Kreißsaal haben die Neugeboren-Ambubeutel auch keine Druckbegrenzung, sondern nur eine Anzeige. Laut unseren Pädiater braucht man z.B. bei einer Mekoniuam-Aspiration teilweise ganz ordentlich Drücke und würde mit den von dir genannten Begrenzungen ggf. nicht immer zurechtkommen.

febee
27.06.2019, 15:27
Ich hatte glaube ich gut 70 Einsätze bis zum Schein an zwei unterschiedlichen Arten von Wachen und ich fand das mehr an Praxis nicht verkehrt.
In welchem geografischen Bereich fährst du denn deinen Schülerschichten? Vielleicht kann man ja noch was vermitteln oder Tipps für Wachen geben.

Das hab ich auch vor! 50 find ich viel zu wenig. Hattr 38 bisher u d wirklich nur einen richtigen ACS und ein akutes Adomen. Ich würd eher zur Ergänzung machen..
Bin im Süden..wenn du einen guten wachen tipp hast mit hoher Fallzahl gerne :-)

Letztens hatte ich einen Notfall im kreissaal (als Päd) und da waren die Simulationsüvungen echt hilfreich. Dachte halt die Fälle können einen auch vorbereiten..

Bonnerin
30.06.2019, 08:48
Kurze Frage in die Runde - ich habe jetzt doch noch mein PJ-Wahltertial auf Anästhesie geändert und wollte mal fragen, was ich mir bis September nochmal an Inhalten der Anästhesie angeschaut haben sollte. Wenn ihr da irgendweche Tipps für mich habt bzw. sagen könnt, was ihr von nem PJler erwartet wäre ich sehr dankbar. :-)

tragezwerg
30.06.2019, 11:49
An Vorwissen erwarte ich nicht sehr viel. Du solltest nen Tubus erkennen können und grob wissen, was wir so an Handwerkszeug haben ;-)
Ich fand den "kleinen" Striebel zu diesem Zweck am besten. Den kann man schön nebenher lesen und es sind viele Bilder drin. Ich hatte den auch im PJ und fand ihn vom Umfang her sehr gut.

MissGarfield83
30.06.2019, 12:31
An Vorwissen erwarte ich nicht sehr viel. Du solltest nen Tubus erkennen können und grob wissen, was wir so an Handwerkszeug haben ;-)
Ich fand den "kleinen" Striebel zu diesem Zweck am besten. Den kann man schön nebenher lesen und es sind viele Bilder drin. Ich hatte den auch im PJ und fand ihn vom Umfang her sehr gut.

Kleiner Striebel reicht dicke...

Bonnerin
30.06.2019, 20:11
Super, vielen Dank euch zwei! Ich hab gerade mal geschaut, den gibt es in der Bib, dann werde ich mir Ende Juli/Anfang August mal ein Exemplar ausleihen! :-)

Kiddo
30.06.2019, 22:12
Ich finde den Taschenatlas Anästhesie von Herrn Prof. Roewer sehr gut. Passt in die Kasacktasche, viele Bilder, gut verständliche Texte. Empfehle ich unseren ATA-Auszubildenden auch immer.

Shizr
04.07.2019, 19:40
Ich hab heute was wirklich seltsames gelesen.
Von einem Kommilitonen, der gerade seine Gyn-Rotation angetreten hat.
Und da sträubt man sich vehement gegen die Durchführung von Blutpatches bei postpunktionellem Kopfschmerz nach akzidenteller Duraperforation.
Argumente:
- Infektionsrisiko
- spätere Periduralanästhesie deutlich schwerer


Ich muss ehrlich sagen, dass ich beide Argumente noch exakt NIE gehört habe, ich das zweite Argument schon rein mechanistisch nicht wirklich überzeugend finde und mir zum ersten Argument die Daten fehlen, die es stützen würden.

Die gängigen Lehrbücher sind ja doch eher für "effektiv und sicher"...


Weiß einer der alten Häsinnen und Hasen da was zu?

MissGarfield83
04.07.2019, 20:25
Ich hab heute was wirklich seltsames gelesen.
Von einem Kommilitonen, der gerade seine Gyn-Rotation angetreten hat.
Und da sträubt man sich vehement gegen die Durchführung von Blutpatches bei postpunktionellem Kopfschmerz nach akzidenteller Duraperforation.
Argumente:
- Infektionsrisiko
- spätere Periduralanästhesie deutlich schwerer


Ich muss ehrlich sagen, dass ich beide Argumente noch exakt NIE gehört habe, ich das zweite Argument schon rein mechanistisch nicht wirklich überzeugend finde und mir zum ersten Argument die Daten fehlen, die es stützen würden.

Die gängigen Lehrbücher sind ja doch eher für "effektiv und sicher"...


Weiß einer der alten Häsinnen und Hasen da was zu?

Infektionsrisiko ist sicher gegeben, daher auch streng aseptische Arbeitsweise und 2Arzt + 1Pflege Technik um dieses zu minimieren. Wenn sich mit der Begründung gegen den Blutpatch gestemmt wird, dann meistens wenn irgendwas passiert ist....

Zweiteres halte ich ebenfalls für unwahrscheinlich, aber wenn ich mal wieder was Luft hab werd ich mal im Hadciz nachlesen... wenn es irgendwo steht dann da

Gesocks
04.07.2019, 23:30
Selbst wenn es so wäre; was soll denn die bessere Alternative zum EBP sein? Bis zur schlüssigen Erläuterung des Gegenteils halte ich es schlichtweg für asozial, PDAs aber keine EBPs anzubieten.

Geringes Infektionsrisiko, zweiter Punkt wohl durch Anekdoten gestützt aber insgesamt eher Blödsinn (zum Beispiel Hebl et al., 1999, Epidural anesthesia and analgesia are not impaired after dural puncture with or without epidural blood patch. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10439753).
Sowieso werden Patienten, die einen wirklich benötigten EBP nicht bekommen wahrscheinlich erst recht nie wieder in eine PDA einwilligen... :-))

Rettungshase
04.07.2019, 23:47
Ich halte es auch schlichtweg für unethisch, schmerzgeplagten Patientinnen diese Option vorzuenthalten.
Hab ich jetzt mal auf die Schnelle gefunden; ist von 2013: https://www.springermedizin.de/postpunktioneller-kopfschmerz/8005170

Shizr
05.07.2019, 19:38
Danke euch.
Schön, dass ich da offenbar keinen groben Unfug im Kopf habe.


Und ja, die Alternative ist halt die "Standardtherapie" ohne Blutpatch. Ich finds auch nicht schön.

MissGarfield83
06.07.2019, 17:15
@shizr : Ich hab jetzt mal nachgelesen :

Zuim zweiten Teil deiner Frage gibt es zwei Aussagen : "In general, previous epidural blood patch does not appear to significantly influence the sucess of futre epidural interventions, but case reports sugget that the epidural blood patch may occasionally result in clinical significant scarring" Admir Hadzic " Hadzic's textbook of regional Anesthesia and acute pain management", S.497
Angeführt werden als Literatur :

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10439753 : Hebl JR, Horlocker TT, Chantigian RC, Schroeder DR. -Epidural anesthesia and analgesia are not impaired after dural puncture with or without epidural blood patch.; Anesth Analg. 1999 Aug;89(2):390-4.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21917443 : Collier CB. - Blood patches may cause scarring in the epidural space: two case reports. ; Int J Obstet Anesth. 2011 Oct;20(4):347-51.

In der letzten Literaturstelle : Zuerst insuffizient, dann Neuanlage : 1x problemlos, einmal hohe Epidurale ...

Shizr
06.07.2019, 17:30
Danke.

Also irgendwie nur Einzelfallberichte und hätte könnte vielleicht...



Ich weiß schon, warum einer meiner OÄ den Hadzic immer die Bibel der Regionalanästhesie nennt.
Spätestens zum Facharzt wird er wohl in mein Bücherregal einziehen müssen ;-)

MissGarfield83
06.07.2019, 17:53
Danke.

Also irgendwie nur Einzelfallberichte und hätte könnte vielleicht...



Ich weiß schon, warum einer meiner OÄ den Hadzic immer die Bibel der Regionalanästhesie nennt.
Spätestens zum Facharzt wird er wohl in mein Bücherregal einziehen müssen ;-)
Lohnt sich ... auch wenn es ein ziemlicher Wälzer ist. Gabs für mich zu Weihnachten ....

quq96
17.07.2019, 20:31
Gibt's hier jemanden, der ohne große Anästhesie-Voerfahrungen mit einer Stelle in der Anästhesie begonnen hat?