Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Treffpunkt für Anästhesisten
tragezwerg
17.11.2019, 15:50
Bei uns wird auch außer bei TEP-Wechseln fast nie transfundiert. Regelhaft nur bei großen Wirbelsäulen-OPs.
Ich hoffe das passt hier rein...Kennt ihr das Problem, dass ihr gerade am Anfang riesige Probleme habt, die Spinalanästhesien zu treffen? Ich versuche und mache und tue und habe vlt. eine Quote von 40% bei ca 12-15 SpA bisher, sodass der OA sehr oft übernehmen muss. Habe mir schon die Anatomie nochmal reingezogen, Überlegungen angestellt, Skizzen gemalt, die Haltung der Patienten verbessert, mir Zeit gelassen, aber der richtige Durchbruch ist bisher noch nicht gekommen :/
Habt ihr Tips??
Das war bei mir am Anfang auch so. Hab dann mal geguckt was der OA anders macht: der stochert deutlich hemmungsloser als ich! :-D
Bei mir war denk ich oft das Problem: nicht tief genug, zu vorsichtig vorgeschoben. Nur Mut, das klappt schon! Ist wie mit allem, am Anfang weiß man nicht warum es nicht klappt und plötzlich kippt es irgendwann und man weiß nicht, warum es plötzlich klappt...
Philip_MHH
28.11.2019, 09:14
so ist das...einfach machen und nicht entmutigen lassen. Es gibt immer Rücken, die es einem nicht leicht machen. auch wenn man da schon einige hundert mal reingestochen hat. und im Zweifelsfalls mal ne Etage höher oder tiefer, kann auch mal helfen, wenn es auf der avisierten Höhe richtig doof ist.
Rettungshase
28.11.2019, 10:14
Was man mal machen kann, um ein "Gefühl" für die Anatomie vor Ort zu entwickeln, ist schallen: https://www.youtube.com/watch?v=tSoz3Jt5Eeg
Das muss nicht direkt bei der ersten Spinalen des Tages sein, sondern kann vllt. auch einfach mal so an einem willigen Kollegen passieren (das Schallen, nicht das Punktieren^^).
Lass dich unbedingt mal im Umgang mit der paramedianen Punktionstechnik teachen.
Mit welchen Spinalnadeln arbeitet ihr denn?
bmfbagels
28.11.2019, 12:09
Bin kein Profi aber ich hatte am Anfang das selbe Problem. Bei mir hat sich der Knoten mit folgenden Tipps von meinem OA gelöst:
Lagerung ist superwichtig. Tief einatmen lassen und beim Ausatmen die Schultern runterdrücken und dem Patienten sagen dass er zusammensacken soll wie nach 2-3 Bier. 1-2 mg Midazolam helfen beträchtlich um die Lagerung gut hinzukriegen.
Und: im Zweifelsfall eine Etage höher. Wenn du auf Höhe der Beckenkämme den Raum zwischen den Dornfortsätzen nicht richtig gut tastest, direkt eine Etage höher punktieren. Und mit der Infiltrationsnadel für die LA schon die richtige Richtung abtasten. Wenn du da nicht gut zwischen die Fortsätze kommst garnicht erst probieren sondern Lagerung optimieren oder wie gesagt eine Etage höher.
Damit hat sich dann meine Quote deutlich erhöht auf >90%. Bei ganz alten oder ner heftigen Skoliose gehts aber dann halt manchmal auch nicht.
In eigener Sache: bin vor 2 Monaten auf die interdisziplinäre Intensiv gewechselt und muss sagen, bin echt am Schwimmen. Hab das Gefühl nie fertig zu werden und immer mieses Gefühl bei der Übergabe dass x noch nicht getan ist. Habe schon gehört dass man mit dem Insuffizienzgefühl am Anfang einfach zurecht kommen muss aber habe das Gefühl dass man die ganze Zeit am Brandlöschen ist und die Regelarbeit daneben zu erledigen kaum möglich ist. Die Pflege ist auch überlastet weil unterbesetzt sodass die ganze Zeit gefühlt Kriegsgebiet- ähnliche Zustände herrschen. Ich hoffe das ist subjektiv und meiner Überforderung geschuldet. Wie waren eure ersten Monate auf ITS?
Rettungshase
28.11.2019, 13:07
In eigener Sache: bin vor 2 Monaten auf die interdisziplinäre Intensiv gewechselt und muss sagen, bin echt am Schwimmen. Hab das Gefühl nie fertig zu werden und immer mieses Gefühl bei der Übergabe dass x noch nicht getan ist. Habe schon gehört dass man mit dem Insuffizienzgefühl am Anfang einfach zurecht kommen muss aber habe das Gefühl dass man die ganze Zeit am Brandlöschen ist und die Regelarbeit daneben zu erledigen kaum möglich ist. Die Pflege ist auch überlastet weil unterbesetzt sodass die ganze Zeit gefühlt Kriegsgebiet- ähnliche Zustände herrschen. Ich hoffe das ist subjektiv und meiner Überforderung geschuldet. Wie waren eure ersten Monate auf ITS?
Ich hab die Intensiv nächstest Jahr vor mir.
Ich kann dir nur auch die Worte einer netten Kollegen weitergeben: "Wenn man sich mal damit abgefunden hat, dass man gar nicht alles schaffen kann, lebt es sich bedeutend leichter auf der Intensiv."
@mcc: ich hatte mal so einen "Seuchentag" da waren 3 von 3 Spinalen zur Sectio nicht möglich und ich musste um Hilfe rufen...eine haben wir dann aber tatsächlich schlafen gelegt, nachdem auch der Chef 7x vergeblich versucht hat zu punktieren. Trotzdem hab ich mich nach diesem Tag auch sehr unzulänglich gefühlt...Lagerung hab ich für mich aber auch als einen der wichtigsten Punkte ausgemacht und versuche mir das schon vorher ganz bewusst anzuschauen zu planen und zu optimieren-noch bevor abgewaschen wird.
bipolarbär
05.12.2019, 08:05
Hat jemand den TraumaManagement-Kurs gemacht oder kennt jemanden, der ihn gemacht hat? Ist das empfehlenswert insb. im Vergleich mit den PHTLS-Kursen?
Mir hat er sehr gefallen.
Wenn mans runterbricht, ists alles eins und dasselbe.. ob phtl, atls, etc, traumamamagement..
Rettungshase
12.12.2019, 21:56
Hat jemand eine Literaturempfehlung für mich bezüglich "Breaking Bad News"/Überbringen schlechter Nachrichten im notfall- und intensivmedizinischen Kontext?
Ich hatte kürzlich meine erste erfolglose Rea als verantwortliche NÄ und habe festgestellt, dass die Kommunikation mit Angehörigen diesbezüglich ganz schön fordernd ist.
ChillenMitBazillen
13.12.2019, 15:27
Hat jemand eine Literaturempfehlung für mich bezüglich "Breaking Bad News"/Überbringen schlechter Nachrichten im notfall- und intensivmedizinischen Kontext?
Ich hatte kürzlich meine erste erfolglose Rea als verantwortliche NÄ und habe festgestellt, dass die Kommunikation mit Angehörigen diesbezüglich ganz schön fordernd ist.
Den da fand ich mal ganz sinnvoll: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6170084/
Aus eigener Erfahrung: Adäquates Setting (richtiges Gegenüber!?, beide sitzen oder beide stehen), ganz kurze Sätze, kein Drumherumreden. "Ihr Mann/Frau ist leider verstorben", nicht von uns gegangen oder so. Nur die nötigsten Infos (ist tot, Sie müssen jetzt gar nichts machen/dürfen ihn aber gerne waschen oder so/die Polizei kommt weil..., Verweis an den Hausarzt mit wenn möglich/sinnvoll zeitlichem Abstand. Raum für Fragen geben. Wenn sinnvoll und authentisch: Die Angehörigen bestärken ("Toll, dass Sie ihn nach Hause geholt haben, wie er es sich gewünscht hat" o..ä.)
Philip_MHH
13.12.2019, 15:42
Ängste und Selbstvorwürfe nehmen ist mir wichtig. Also gerade wenn gefragt wird „hätte ich was anders machen können , hab ich was falsch gemacht „
Und sich ein paar Infos zurecht legen um den Angehörigen zu erklären, wie es weitergehen soll (Bestatter, Pfarrer, Notfallseelsorger, Hausarzt/KV-Dienst zur zweiten Leichenschau, ggf. Kripo usw.), ggf. Kontakt herstellen (Notfallseelsorge/KV-Dienst haben wir meist über die Leitstelle schon organisiert). Viele sind völlig überfordert mit der toten Person in ihrer Wohnung und froh, wenn sie wissen, was sie machen sollen/dürfen/können wenn der Notarzt wieder weg ist.
Und die Reaktion der Angehörigen akzeptieren und sie da abholen wo sie stehen. Ich hab mit den Jahren die volle Bandbreite an Emotionen auf eine Todesnachricht gesehen, auch einiges was auf mich befremdlich gewirkt hat aber da hilft als Außenstehender eigentlich nur, das zu akzeptieren und die Reaktion anzunehmen.
Hat jemand eine Literaturempfehlung für mich bezüglich "Breaking Bad News"/Überbringen schlechter Nachrichten im notfall- und intensivmedizinischen Kontext?
Vielleicht ist das (https://www.aerztekammer-hamburg.org/akademieveranstaltungen.html?kathaupt=11&knr=20A0305&kursname=Breaking+Bad+News+-+AErztliche+Gespraechsfuehrung+bei+der+UEberbringu ng+schwieriger) ja was für dich
Vielleicht ist das (https://www.aerztekammer-hamburg.org/akademieveranstaltungen.html?kathaupt=11&knr=20A0305&kursname=Breaking+Bad+News+-+AErztliche+Gespraechsfuehrung+bei+der+UEberbringu ng+schwieriger) ja was für dich
Die Veranstaltung fußt vermutlich auf dem SPIKES (https://www.ukbonn.de/42256BC8002B7FC1/vwLookupDownloads/SPIKES_handout.pdf/$FILE/SPIKES_handout.pdf)-Konzept.
Rettungshase
13.12.2019, 22:15
Vielen Dank für eure wertvollen Hinweise. Den Artikel finde ich großartig.
Das SPIKES-Konzept wurde bei uns im Studium gelehrt und als Orientierung finde ich es hilfreich.
Der Kurs ist für mich leider örtlich etwas fern, aber prinzipiell sicher eine gute Sache.
Genau wie Chillen mit Bazillen plädiere ich für kurze Sätze. Gegenüber "er ist verstorben" bevorzuge ich insbesondere im Rettungsdienst die aus meiner Sicht noch etwas härtere Aussage "er ist tot".
Regeln, die ich dafür, insbesondere nach einer erfolglosen Reanimation habe:
1) ich achte darauf, dass alle Anwesenden im Raum sind; nicht dass während des Gesprächs noch einer von der Toilette zurück kommt oder so.
2) bzgl. des Settings setze / stelle ich mich der Person gegenüber, die für mich die zentrale Ansprechperson ist, weil es entweder der nächste Angehörige ist oder ich mit demjenigen zuvor schon geredet habe
3) Ich stelle zuallererst noch einmal ausdrücklich klar, dass ich der (Not-)Arzt bin. Gelegentlich verwende ich dabei auch die Formulierung "verantwortlicher (Not-)Arzt", wobei das im Rettungsdienst nicht so wichtig ist. Auf der Intensivstation habe ich die Erfahrung gemacht, dass der Begriff "Verantwortung / verantwortlich" schwierige Gespräche im Durchschnitt erleichtert. Allein die Tatsache, dass jemand sich als verantwortlich bezeichnet, scheint dazu zu führen, dass Leute sich ernster genommen vorkommen, größere Kompetenz unterstellen, insgesamt offener und entspannter sind. Man hat unterschwellig immer Angst davor, Verantwortung zu übernehmen, tatsächlich macht die Verwendung des Begriffs aber oft (nicht immer) die Dinge einfacher. Verantwortung hat man ja eh, egal ob man es sagt oder nicht. Bezüglich der Überbringung im Rettungsdienst finde ich einfach grundsätzlich wichtig, nochmal ganz klar zu sagen, dass man der Arzt ist.
4) Dann der Satz "er ist tot" und danach PAUSE
5) Gute Erfahrungen habe ich damit gemacht, den Angehörigen danach einige Fragen zu stellen. Statt (versuchte) Erklärungen zu liefern, lieber ein paar Fragen stellen. Wie der Tag so war, ob derjenige Beschwerden hatte. Oder nach früheren Vorerkrankungen zu fragen. Den Leuten scheint es enorm gut zu tun, wenn sie nach der Todesnachricht selbst reden können. Das braucht nicht mal lang sein. Einfach nur 2 Minuten lang noch paar Fragen stellen. Und etwaige Ängste / Selbstvorwürfe kommen dabei dann auch raus.
6) Gelegentlich kommt das Thema "Beruhigungstbl." für den Angehörigen auf (oft von anderen Angehörigen, die dem engsten Angehörigen was geben (lassen) wollen. Da weise ich regelmäßig darauf hin, dass das eigentlich nicht empfohlen wird, weil es die Realisation des Todes erschweren kann und somit zwar im ersten Moment "schonend" wirkt, aber dafür hinterher die Trauerzeit unangenehmer macht. Ich sage den Leuten, dass es ganz schlimm ist, dass derjenige jetzt tot ist, und dass es aber für einen selbst auch wichtig sein kann, dieses Schlimme zu erleben. Die meisten wollen danach nichts mehr. Man kann darauf hinweisen, dass bei Bedarf auch später noch der KV-Dienst angerufen werden kann, oder man kann eine Tavor-Tbl. da lassen für den Fall, dass sie sie später nehmen wollen.
Sehr wichtig ist, dass die eigentliche Nachricht, dass derjenige tot ist, wirklich ankommt. Gelegentlich formuliere ich auch ausdrücklich, dass das jetzt endgültig ist, aussichtslos, nichts mehr daran zu ändern. Generell: Bloß nicht zu viel labern. Es bleiben von viel Gelaber ganz andere Wortfetzen bei den Angehörigen hängen als man denkt. Klare - und wenige - Aussagen.
Wenn es angebracht erscheint, weil die Angehörigen z.B. fragen, woran derjenige gestorben ist, und man das seriös ja oft nicht konkret beantworten kann, weise ich auf die Möglichkeit einer Obduktion hin. Wenn keine amtliche Obduktion stattfindet (z.B. bei nicht natürlichem Tod), gibt es ja immer noch die Möglichkeit einer von den Angehörigen beauftragten Obduktion. Eine solche kostet ca. 1.000 Euro und muß selbst bezahlt werden. Im allgemeinen nehmen Angehörige von dem Vorschlag recht schnell Abstand, aber ich glaube, manchmal ist es gut, das konkret anzusprechen, damit die Angehörigen dadurch selbst aktiv-emotional die Entscheidung treffen, dass es nicht wichtig ist, zu wissen, woran derjenige gestorben ist, und sich das nicht dauerhaft fragen.
Im Rahmen der Verabschiedung vom Einsatzort frage ich die Angehörigen oft, ob wir gemeinsam zum Verstorbenen hingehen sollen. Dort verabschiede ich mich dann. Dieses gemeinsame Hingehen habe ich auf der Intensivstation immer gemacht und dann als Angebot in der Präklinik beibehalten.
Edit: Danke auch an chillen mit Bazillen für den Artikel. Kannte ich noch nicht und fand ich auch sehr gut!
Rettungshase
13.12.2019, 23:28
Danke, dass du deine Erfahrungen hier teilst.
Im Rahmen der Verabschiedung vom Einsatzort frage ich die Angehörigen oft, ob wir gemeinsam zum Verstorbenen hingehen sollen. Dort verabschiede ich mich dann.
Wie bitte schaut es denn aus, wenn es sich um einen nicht-natürlichen Tod handelt? Dürfen die Angehörigen den Toten anfassen, wenn jemand dabei ist?
Ich bevorzuge auch Aussagen wie "Patient ist tot." Das versteht jeder. Das Schlimmste was man in der Situation machen kann ist sich missverständlich ausdrücken. Oder Hoffnung schüren wo keine ist. Es braucht klare Aussagen.
Wobei bei mir aufgrund meiner Sozialisation auch in irgend einer Form eine Formulierung anbringe in der ich ausdrücke, dass ich nun nur noch mein Beileid aussprechen kann. Vielleicht ist dies auch noch eine gewisse Verstärkung der Satzes davor. Damit macht man nochmal klar, dass es nicht mehr darum geht über das Leben zu sprechen, sondern dass man nun über den Tod spricht.
Ich hab das Gefühl dass Angehörige auch oft noch beschäftigt ob der Verstorbene zum Schluss noch Leiden musste. Also jetzt im Krankenhaus. Draußen, wenn man nur schnell dazu kommt, ist das anders. Das ist im Krankenhaus ein größeres Thema.
Draußen ist es immer wieder ein Thema ob sie nicht früher den Notarzt hätten rufen sollen. Und man kann da versuchen den Leuten diese Angst was falsch gemacht zu haben zu nehmen. Sie haben ja letztlich den Notarzt gerufen. Also haben sie eigentlich das Richtige gemacht... oder so...
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