Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Treffpunkt für Anästhesisten
Ich war im zweiten WB-Jahr auf ITS und bin danach Notarzt gefahren und hätte die ITS-Erfahrung nicht missen wollen. Durch unser MET-Team hatte ich vor meinem ersten eigenen Notarzt-Einsatz schon eine Reihe von Reanimationen und akuten Dekompensationen innerklinisch erstversorgt (natürlich nicht vergleichbar mit der Präklinik, wenn man zur Not unter CPR einmal mit dem Fahrstuhl auf ITS fährt ;-), was mir dann doch ein ganz gutes Gefühl gegeben hat.
Als Saal-Anästhesist lernst du - zumindest in den ersten Jahren - wenig für die NA-Tätigkeit. Auf ITS sieht man jedoch zumindest viele der bedrohlichen präklinischen Notfallbilder.
Andersherum gibt es natürlich auch viele gute Notärzte, die es anders irgendwie gelernt haben. Und wenn man meine obige Argumentation wirklich konsequent verfolgt, sollte man vorher auch noch ein Jahr Kinder-ITS, Geburtshilfe und interdisziplinäre Notaufnahme durchlaufen haben...
Der Kurs bringt einem natürlich auch viel, wenn man hinterher nicht fährt. Gerade auch für die ITS-Dienste. Aber zuviel Zeit zwischen Kurs, Prüfung und präklinischen Einsatz würde ich mir nicht lassen (dauert meist eh schon lang genug) - sonst vergisst man vieles wieder und baut innerlich eine riesen Hürde auf; lieber Augen zu und durch...
Rettungshase
14.02.2020, 21:14
@ Yellani: Ich würde den Kurs erst dann machen, wenn du gedenkst, innerhalb des folgenden halben Jahres auch die Mitfahrten zu sammeln.
Ob vor oder nach Intensivzeit aktiv als NA zu fahren... das sind beides Konzepte, die an verschiedenen Häusern unterschiedlich gehandhabt werden. Jedes davon hat seine Vor- und Nachteile und keins von beiden scheint katastrophal falsch zu sein.
WackenDoc
14.02.2020, 21:23
Ich muss ja zugeben, dass ich reiner Präkliniker bin. Hab nie auf einer ITS gearbeitet und kann damit auch nichts mit anfangen. Sekundärverlegungen sind so gar nicht mein Ding. Und mein Fachgebiet ist auf den DIVI-Protokollen "sonstige". Gerüchteweise sind meine RAs/NFS auch nicht unzufriedener als mit anderen Notärzten. Irgendwas kann man meist ziemlich gut und irgendwas eher nicht so. Das liegt in der Natur der Sache und den Rest lernt man durch Erfahrung und Weiterbildungen.
tragezwerg
15.02.2020, 07:38
In manchen Bundesländern ist ja die Intensivzeit (6 Monate) Voraussetzung für die Zusatzbezeichnung Notfallmedizin (BaWü zum Beispiel), das muss man im Zweifelsfall auch mit einplanen.
Der Zeitpunkt des Kurses wäre bei mir egal gewesen, da der Kurs so unterirdisch war, dass ich da eh nix anderes gelernt habe als im RS-Kurs vor dem Studium.
WackenDoc
15.02.2020, 11:04
In den meisten Bundesländern braucht man Intensiv oder Notaufnahme oder OP (oder gemsicht wenn man z.B. in der Anästhesie ist mit einer anästhesiologischen Notaufnahme und man in der Zeit immer mal wieder im OP ist quasi als Praktikant)
Und genau in die Weiterbildungsordnung schauen, wann man was machen soll. Sinnvoll ist es wohl, wenn man den Kurs zwischen den Schülerschichten auf dem NEF macht. Also wenn man schon ein paar Einsätze gemacht hat und noch ein paar folgen. Dann kann man die Kursinhalte besser einordnen. Ist aber nur meine persönliche Meinung. In manchem Bundesländern muss man erst die Intensiv/Anästhesiezeit haben und kann erst danach Einsätze sammeln.
tragezwerg
15.02.2020, 12:14
Ich finde es ja echt seltsam, dass es da solche Unterschiede in den Weiterbildungsordnungen gibt. In Rheinland-Pfalz hätte es damals gereicht, in der Anästhesie gearbeitet zu haben ODER der Notaufnahme ODER auf der Intensiv. In BaWü musste es dann explizit die Intensivstation sein, alles andere zählt nicht.
Eine Ärztekammer will 5 Thoraxdrainagen, die andere 10 Reanimationen, die nächste 25 EKGs. Ist doch bescheuert, dass das nicht bundesweit einheitlich sein kann!
Danke euch für eure Rückmeldung.
Habe mich natürlich mit der WBO befasst. Zeitliche Reihenfolge Kurs/Einsätze sammeln ist egal, gefordert werden ein halbes Jahr Anäs oder Notaufnahme oder ITS, das ist also auch kein Problem.
Mir ging es eher um die Tatsache, dass ich, wenn ich die ZB haben sollte, noch nicht sicher weiß, ob ich danach auch eigenständig NA fahren möchte.
Wenn ich den Kurs mache, dann auch die Einsätze und die Prüfung. Alles andere wäre Quatsch.
Nachdem wir im Rahmen der Weiterbildung aber auch verschiedene Rotationen haben, ist der frühe Zeitpunkt des Kurses wahrscheinlich dann geschickter als gegen Ende der WB oder zur Intensivzeit.
Rettungshase
19.02.2020, 20:03
Habt ihr Erfahrungswerte oder Expertise, ab wann Noradrenalin "eine zu hohe Laufrate" hat und "nicht mehr wirkt"?
Ich habe dazu jetzt die unterschiedlichsten Meinungen gehört, aber so richtig objektivierbar war davon nichts.
Ich würd's wie üblich an der klinischen Reaktion festmachen.
Wenn Steigerungen der NA-Dosierung keinen Effekt auf den arteriellen Druck haben, ist mehr Noradrenalin eindeutig aktuell nicht förderlich.
Dann braucht's halt offenbar andere Ansätze. Azidose ausgleichen? Mehr Volumen? Mehr Inotropie? Mehr Chronotropie? Vasopressin? Hydrocortison?
Dass es dafür eine definierbare Laufrate / gewichtsbezogene Dosierung gibt, halte ich für eine urban legend.
tragezwerg
20.02.2020, 17:11
Ich glaube auch nicht, dass man das pauschal sagen kann. Dazu sind die Patienten einfach zu verschieden.
Rettungshase
20.02.2020, 17:28
Ok, Danke euch.
Ich habe jetzt mehrfach gehört, wenn Kollegen z.B. Patienten übergeben haben, dass es von anderen Kollegen hieß: "Na, bei der Laufrate macht es jetzt auch keinen Sinn mehr, das Nor weiter zu steigern."
Das waren aber jeweils völlig unterschiedliche Dosen. Daher rührte meine Frage.
(Dass man differenziert Inotropie, Vasokonstrikition, Volumen etc. betrachten sollte, sei an dieser Stelle mal vorausgesetzt)
In welcher Einheit wird es denn dann betrachtet...
Ich habe in den letzten 12 Jahren Vasopressoren in verschiedensten Laufraten bewundern dürfen:
ZB
Laufrate in ml/h
Laufrate in mg/h
Laufrate in mg/kgKG/h
Laufrate in yg/kgKG/min
All diese Laufraten bieten unterschiedliche Sichtweisen der Information Vasopressormenge pro Zeit an.
Rettungshase
20.02.2020, 22:27
In welcher Einheit wird es denn dann betrachtet...
Ich habe in den letzten 12 Jahren Vasopressoren in verschiedensten Laufraten bewundern dürfen:
ZB
Laufrate in ml/h
Laufrate in mg/h
Laufrate in mg/kgKG/h
Laufrate in yg/kgKG/min
All diese Laufraten bieten unterschiedliche Sichtweisen der Information Vasopressormenge pro Zeit an.
Naja.. das ist zumindest innerhalb des Hauses gleich. Aber bei den einen war bei Noradrenalin 5mg/50ml mir Laufraten von 30ml/h der "obere Endpunkt" der Wirksamkeit von Noradrenalin erreicht, bei den anderen bei einem Äquivalent von 50ml/h.
Wobei ich mir auch hier mal eine Vereinheitlichung wünschen würde.
tragezwerg
21.02.2020, 05:10
Naja.. das ist zumindest innerhalb des Hauses gleich. Aber bei den einen war bei Noradrenalin 5mg/50ml mir Laufraten von 30ml/h der "obere Endpunkt" der Wirksamkeit von Noradrenalin erreicht, bei den anderen bei einem Äquivalent von 50ml/h.
Wobei ich mir auch hier mal eine Vereinheitlichung wünschen würde.
Das kommt natürlich auch sehr auf das Patientenklientel an...bei uns sind bei entsprechenden Patienten auch 10mg/50ml mit Laufraten weit über 25ml/h anzutreffen (ab und zu hab ich auch mal NA pur erlebt). Wirken tut das schon noch (es erhöht den Blutdruck zumindest), ob da noch irgendeine Form von Mikrozirkulation stattfindet ist allerdings fraglich.
Bei uns ist das leider nicht mal innerhalb einer Klinik gleich mit den Einheiten. Je nach vorgehaltenen Geräten (sind noch recht viele im Umlauf die nicht programmierbar sind) und Gusto der Anwender variiert es.
Erdbeermond
19.03.2020, 21:45
Oh. Mein. Gott. Ich habe morgen (ganz spontan) meinen ersten Dienst. Ahhhhhh
Also wir haben nen Hintergrunddienst und nen erfahrenen Arzt im Haus, aber so langsam wird mir schon ein wenig komisch im Bauch....
Irgendwelche Tipps?
Irgendwelche Tipps?
Wie bei jedem Dienst: genug zu Essen und Trinken dabei haben für Notfälle, sich nicht scheuen den erfahrenen Kollegen anzurufen und fragen, fragen, fragen (auch die Pflege, die haben auch Wissen).
Ah, Ratschläge annehmen. Nicht alle Ratschläge sind dumm. Und vielleicht nicht übertreiben mit den Fragen. Aus eigener Erfahrung: ein Dienst ist keine Situation in der man die Anflutdauer verschiedener Schlafmittel incl. deren Wahrscheinlichkeit für paradoxe Reaktionen in aller Ausführlichkeit diskutiert. Wenn dein erfahrener Mensch dir Medikament x empfiehlt dann gibt das. Lies nochmal kurz nach, aber dann gib das. Das hätte der erfahrene Mensch gemacht. Diskutiere mit dem erfahrenen Menschen nicht auf dem Niveau der pharmakologischen Rezeptoren. Sie werden ihn nicht interessieren und er bekommt irgendwann nur einen Hass auf dich. Stell eine Frage, erhalte die Antwort und mach es.
Und die Hierarchie einhalten. Dein Ansprechpartner ist so lange der erfahrene Kollege bis der sagt "ruf den Hintergrund an" oder er selbst den Hintergrund anruft. Nichts nervt einen Hintergrund mehr als Anrufe von Kollegen wegen Kleinigkeiten die locker vom anderen Vordergrunddienst hätten gelöst werden können.
Rettungshase
20.03.2020, 17:48
Irgendwelche Tipps?
Ich brainstorme mal, was mir so ad hoc retrospektiv auf meine Dienst einfällt:
Mach dich früh mit den relevanten Strukturen bekannt.
z.B. Schockraumprotokoll (und Alarmierungsindikation), Meldewege (wer, wann, wo, wie erreichbar), Verantwortlichkeiten, Ansprechparnter, Fristen, Schlüssel, Schleichwege...
Das ist auch eine gute Gelegenheit, sich mal mit den Chirurgen zu unterhalten (Wann muss der Schenkelhals operiert werden, wann die Amotio, wieso haben sie den "Notfall" um Mitternacht wieder vom Programm gestrichen? uswusf.)
Nichtsdestotrotz sollte man irgendwann den Mittelweg zwischen "interessiert nachfragen" und selbstbewusst/kompetent auftreten finden. Im ersten Dienstjahr fällt triviales Fragenstellen allerdings wesentlich leichter als im fünften ;)
Dann sollten relevante Verfahren, die ihr häufig im Dienst braucht, natürlich sitzen. Man kann so manche ASA IV-Patienten mit Abszess am Unterarm idR prima mit Regionalanästhesie versorgen, RSI ist wichtig, Spinale, ZVK und Arterie. Wobei auch hier gilt: Bei Unsicherheiten oder nach (Haus)Standard großzügig um Hilfe bitten und lieber breit aufstellen und deeskalieren als der Situation nachlaufen.
Wenn du das alles noch nicht auf "Facharztniveau" kannst, ist das keine Schande, aber schau, dass du dir mit der Zeit eine gewisse Sicherheit aufbaust; auch im Hinblick auf die generelle Weiterbildung.
Wenn mal was echt schlecht gelaufen ist: Melde es zeitnah (z.B. an deinen erfahrenen Kollegen) und besprecht es miteinander, inwieweit ihr zeitnah den Chef/die Chefin in Kenntnis setzen wollt. IdR hassen anästhesiologische Chefärzte nichts mehr als - vermeintlich - anästhesieassoziierte Zwischenfälle von den chirurgischen Kollegen als Erstes zu erfahren.
Und um genau das zu vermeiden: Versuche möglichst nicht von den "tagesprogrammüblichen" Standards abzuweichen. Also nicht huddeln und wurschteln, nur weil es spät ist.
Kennt jemand eine gute Seite mit Podcasts oÄ zum Thema AINS?
MissGarfield83
21.03.2020, 15:21
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