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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Treffpunkt für Anästhesisten



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Lizard
02.12.2020, 21:09
Rocuronium zur Einleitung und zum kanülieren und dann Sufentanil 0,8 bis 1µg/kg/h und Sevofluran 0,8 - 1,0 MAC.

@Gersig Warum nochmal Pancuronium(!) NACH Abgang von der HLM?

LasseReinböng
03.12.2020, 15:43
Die einzig erlaubte Form des Nachrelaxierens bei uns war Propofol. ;-) bzw. Nachrelaxieren nur nach RS mit dem OA. Interessant wie unterschiedlich die Vorstellungen/Konzepte sind.

Auch in der Kardioanästhesie wurde nicht nachrelaxiert.

tragezwerg
03.12.2020, 17:38
Bei uns wird auch fast nie nachrelaxiert. Wenn es nötig ist natürlich schon, aber das ist es selten.

LasseReinböng
03.12.2020, 19:41
Die einzig erlaubte Form des Nachrelaxierens bei uns war Propofol. ;-) bzw. Nachrelaxieren nur nach RS mit dem OA. Interessant wie unterschiedlich die Vorstellungen/Konzepte sind.



Ergänzung: im Gegenteil, man versucht schon bei der Einleitung beim Relaxans immer so einen Ticken unter der zweifachen ED95 zu bleiben. ;-)

GOMER
04.12.2020, 06:46
Apropos Relaxierung:

Wie haltet ihr's in der Kardioanästhesie?

Wir leiten mit Cisatracurium ein (oder mit Succi/Roc bei Indikation für RSII), anschließend gibt es 1 µg/kg/min Cisatracurium via Perfusor für die gesamte Dauer des Eingriffes. Eigentliche Narkoseaufrechterhaltung mit Sufentanil via Perfusor (0,5 - 1 µg/kg/h) und Sevofluran (~ 0,6 - 0,7 MAC)

Im PJ hab ich seinerzeit auch nen Ausflug in die Kardioanästhesie gemacht, da war die Dauerrelaxierung absolut unüblich.
Bei vergleichbaren Sufentadosierungen und nur tendenziell leicht höheren MACs.
(Nachrelaxiert wurde da nur bei Eingriffen mit tief hypothermem Kreislaufstillstand.)

(Oder ist das einfach der Tatsache geschuldet, dass mittlerweile 5 Jahre vergangen sind und Standards sich weiterentwickelt haben?)

Ich gebe 100mg Roc zur Einleitung, anschliessend für gewöhnlich nix mehr.
Iso 0.6 MAC, Sufenta 0.3-0.5 mcg/kg/h. Zur Einleitung 40-50 mcg Sufenta, zum Schnitt nochmal 20mcg oder so.

kartoffelbrei
04.12.2020, 11:28
Habt ihr alle HLMs, über die ihr Gas einspeisen könnt? Wir bekommen voraussichtlich erst nächstes Jahr welche, bis dahin müssen wir weiter mit Propofol (3 mg/kg/h) arbeiten.

belanglosigkeiten
04.12.2020, 17:00
Hat jemand von euch Lust, mir per PN ein wenig Frage und Antwort zu stehen?


Ich habe AINS seit Studienbeginn subtil auf dem Fächerwahl-Radar, aber dort bislang nicht famuliert/hospitiert und leider keine persönlichen Kontakte in das Fach. Würde mich riesig über Support/Aufklärung/Werbung freuen! :)

tragezwerg
04.12.2020, 17:30
Hat jemand von euch Lust, mir per PN ein wenig Frage und Antwort zu stehen?


Ich habe AINS seit Studienbeginn subtil auf dem Fächerwahl-Radar, aber dort bislang nicht famuliert/hospitiert und leider keine persönlichen Kontakte in das Fach. Würde mich riesig über Support/Aufklärung/Werbung freuen! :)

Schreib mir gern, aber ich denke es stört auch keinen wenn du hier Fragen stellst.

belanglosigkeiten
05.12.2020, 10:09
Stimmt, warum eigentlich nicht.

Problem #1: Mir drängt sich zunehmend der Verdacht auf dass Anästhesie und gerade Notfallmedizin charakterlich und von der Arbeitsweise her echt gut zu mir passt. Nur mein Wissensstand ist für fortgeschrittenes Klinikstudium eher defizitär.

Gefühlt sind in meinem Semester alle, die so Interesse am Fach bekunden, mit dem EKG-Lineal in der Hand zur Welt gekommen und fahren seit 30 Jahren Rettungsdienst. Ich hingegen habe meine Physio- und Innere*-Scheine im Lotto gewonnen und kann an guten Tagen STEMI korrekt buchstabieren. (Okay, ganz so desaströs ist es auch wieder nicht, aber fast.)

Frage #1: Seht ihr das irgendwie als großen Nachteil? Wie viel (gerade auch in Bezug auf Notfallmedizin/Rettungsdiensterfahrung) könnte man aufholen, wenn man Enthusiasmus für das Fach mitbringt? Wie viel ergibt sich sowieso erst im Beruf? Was sind die Basics, die ihr euch bei Studierenden (für die es nicht die erste klinische Erfahrung post-Physikum ist) wünscht?




[*Von Hämato-Onko und Endokrinologie abgesehen, aber M. Waldenström hat ja mit AINS wenig am Hut.]

(Edit: Wo ich gerade die vorherigen Beiträge lese - Pharma ist kein Problem und finde ich mitunter sogar richtig cool.)

davo
05.12.2020, 10:16
Irgendwie denkst du sehr kompliziert. Man bewirbt sich, und dann fängt man zu arbeiten an. Fertig.

belanglosigkeiten
05.12.2020, 10:20
Ich find's tatsächlich nach bislang ausschließlich operativen Famulaturen (und auch mangels Ärzten in Familie/Freundeskreis) gar nicht so straightforward und bin durchaus fachlich leicht desorientiert.

Autolyse
05.12.2020, 10:21
[...]
Frage #1: Seht ihr das irgendwie als großen Nachteil? Wie viel (gerade auch in Bezug auf Notfallmedizin/Rettungsdiensterfahrung) könnte man aufholen, wenn man Enthusiasmus für das Fach mitbringt? Wie viel ergibt sich sowieso erst im Beruf? Was sind die Basics, die ihr euch bei Studierenden (für die es nicht die erste klinische Erfahrung post-Physikum ist) wünscht?[...]
Ich habe 12 Jahre auf dem Bock gesessen und was hat es mir für den Anästhesieberufseinstieg genützt: Einen Scheiß. Am Anfang bist Du froh, wenn Du alles parallel auf den Kreis bekommst was im Schema F dazu gehört. Aber die Patienten, die Du am Anfang betreust, die können das ab. ;-)

Tante Edith meint: Die DGAI empfiehlt drei Monate Einarbeitung vor dem eigenen Saal, das ist genug Zeit Dich einzugewöhnen (Spoiler: Die wirst Du nicht bekommen).

Shizr
05.12.2020, 10:41
Frage #1: Seht ihr das irgendwie als großen Nachteil? Wie viel (gerade auch in Bezug auf Notfallmedizin/Rettungsdiensterfahrung) könnte man aufholen, wenn man Enthusiasmus für das Fach mitbringt? Wie viel ergibt sich sowieso erst im Beruf? Was sind die Basics, die ihr euch bei Studierenden (für die es nicht die erste klinische Erfahrung post-Physikum ist) wünscht?
Die Kurzantworten:

Nein.

Alles.

Ca. 99 %.

Interesse und Engagement.



Ernsthaft.
Es gibt genügend Anästhesisten, die nie auch nur das geringste Interesse an präklinischer Notfallmedizin hatten und trotzdem großartige Anästhesisten sind.

Wir haben immer wieder Kollegen, die "umschulen" und ohne die auch nur marginalsten einschlägigen Vorerfahrungen ihre Sache dann wirklich gut machen. Und selbst mit einem Anästhesie-PJ brauchst du ein paar Monate, bis du wirklich laufen gelernt hast.

Ich hab vier Jahre als RettAss gearbeitet, Anästhesie-Famulatur und -PJ, hab auf ner operativen ITS gejobbt, und so richtig angekommen (nach meiner eigenen Wahrnehmung) bin ich erst nach ungefähr einem halben Jahr.


Und was ich mir bei Studenten gleich welchen Ausbildungsstandes wünsche:
Interesse und Engagement. Zuhören. Fragen stellen.
Den ganzen praktischen Mumpitz (Zugänge, Maskenbeatmung, Larynxmasken, Intubieren, was auch immer) kann man immer noch lernen, die Anästhesie bietet dafür reichlich Gelegenheiten. (Allein schon, weil es so viele Patienten gibt, die in Narkose noch einen zweiten Zugang brauchen.)

h3nni
05.12.2020, 12:03
Und selbst mit einem Anästhesie-PJ brauchst du ein paar Monate, bis du wirklich laufen gelernt hast.



Heißt das, auch wenn mein "Werdegang" ziemlich in AINS-Richtung gegangen ist, kann ich trotzdem guten Gewissens im PJ was anderes machen und danach vielleicht wieder zurück?

tragezwerg
05.12.2020, 12:44
Ich schließe mich den anderen an und empfehle, es einfach mal auszuprobieren, zu famulieren, PJ zu machen. Die Notfallmedizin ist ja nur ein kleines Teilgebiet für die meisten Anästhesisten. Ich habe Kollegen, die hassen NEF fahren. Sind trotzdem gute Anästhesisten. Und auch für Anästhesisten, die OP-Arbeit doof finden, haben Intensiv und Schmerztherapie genug Alternativen im Angebot.
Egal welches Fach man wählt, das Allermeiste an Fachwissen wird man beim Arbeiten erwerben. Das Studium macht da kaum was aus.
Anästhesie ist viel mit den Händen arbeiten, relativ viel Pharma und Physiologie, und Gerätetechnik. Mir gefällt vor allem das Vielseitige daran: Patienten vom Frühchen bis zum Greis, gesunde und kranke Leute. Und "hours of boredom, minutes of thrill, seconds of terror" stimmt auch irgendwie.
Wenn man eher der Typ "Arztbriefe schreiben und Visite machen" ist, dürfte die Anästhesie eher nicht so gut passen.
Aber man bekommt am besten einen Eindruck, wenn man den Arbeitsalltag live sieht! Also schnell famulieren gehen!

belanglosigkeiten
05.12.2020, 12:55
Danke für eure Antworten!

Ich finde tatsächlich Notfallmedizin super attraktiv (zumindest nach dem, was ich von OSCEs her und so sagen kann). Aber nach meinem subjektiven Empfinden gibt's recht wenige Leute, die das völlig ohne vorherige Erfahrung machen, oder täuscht das?

Famulieren ist momentan schwierig, da ich noch eine Weile in der Forschung festhänge, aber ist auf jeden Fall im Hinterkopf! Vielleicht werde ich fürs Erste mal nach kürzeren Hospitationen rumfragen. :)

Choranaptyxis
05.12.2020, 13:03
Ich find's tatsächlich nach bislang ausschließlich operativen Famulaturen (und auch mangels Ärzten in Familie/Freundeskreis) gar nicht so straightforward und bin durchaus fachlich leicht desorientiert.

Leicht desorientiert bin ich auch noch :-? Ich bin mir nur sicher bei den Dingen, die ich nicht machen möchte.

Bei mir ist es allerdings anders. Hatte am Wochenende nen ACLS Provider Kurs und mich stressen Notfälle tierisch. Hab es zwar gut gemacht, aber trotzdem, da frage ich mich schon, ob Anästhesie das richtige ist.
In der Orthopädie, die einer meiner Alternativen ist (gleichwertig) allerdings ne gute WB-Stelle zu bekommen, ist ja auch mehr Glückssache.

Miss_H
05.12.2020, 13:56
Ich antworte mal als nicht Anästhesistin. Ich hoffe das ist auch okay.
Ich habe nur Erfahrungen aus dem PJ an einer Uniklinik sammeln können und mich aber durch diese Erfahrungen gegen das Fach entschieden.
Das händische hat mir gut gefallen.
Physio habe ich immer geliebt, daher fand ich Beatmung und co sehr spannend.
In Pharma bin nicht wirklich gut, aber mit der Zeit hätte ich das auch hinbekommen.
Am seltsamsten fand ich immer das Ausleiten. Das ist für mich so ein suspekter Zustand (natürlich gibt es da auch Kriterien an die man sich halten kann. Fand es trotzdem immer komisch.) Selbst auf der anderen Seite des Tuchs mag ich das irgendwie nicht.


Und "hours of boredom, minutes of thrill, seconds of terror" stimmt auch irgendwie.
Das konnte ich mir überhaupt nicht vorstellen. Ich arbeite lieber 8 Stunden konstant ohne größere Katastrophen. Daher wäre die Notfallmedizin mein Horror. Da hilft mir auch nicht "Der Patient hat angefangen."

Ich mag die Arbeit im Team sehr. Sich gemeinsam um einen Patienten kümmern sich über diesen Austauschen.
Grundsätzlich mag ich es auch mit Patienten zu sprechen. Gerne auch mehr als 30 Minuten meines Arbeitstages.


Mir gefällt vor allem das Vielseitige daran: Patienten vom Frühchen bis zum Greis, gesunde und kranke Leute.
Genau das würde ich über die HNO auch sagen ;-)

Am aller schlimmsten fand ich die Intensivmedizin. Hatte vorher schon auf einer anderen Intensiv famuliert und fand es sehr gut. An der Uniklinik wurde (gefühlt) das Leben verlängert ohne auf andere Dinge zu achten. Das fand ich ethisch ziemlich grenzwertig. Vielleicht hatte ich da aber einen zu kleinen Einblick.

Insgesamt mag ich das Besserwissertum einiger Anästhesisten nicht. Dieses Studien-Bashing ist nicht mein Ding. Auch die "Ich bin der geilste Typ auf der Welt, weil ich schon 100 Jahre Notfallmedizin mache." ist nicht so meins.

Abschließend würde ich aber sagen: Probiere es aus! Jeder sieht die Situationen anders. Jeder empfindet es anders. Nicht jedes Haus ist gleich, auch in der Anästhesie gibt es viele Unterschiede. Und wenn es nicht mehr möglich ist zu famulieren oder das PJ in der Anästhesie zu machen, dann fang deine Weiterbildung in der Anä an. Ein halbes Jahr wird für fast jedes klinische Fach anerkannt und die Erfahrungen werden dir immer helfen!

Autolyse
05.12.2020, 14:46
Heißt das, auch wenn mein "Werdegang" ziemlich in AINS-Richtung gegangen ist, kann ich trotzdem guten Gewissens im PJ was anderes machen und danach vielleicht wieder zurück?
Klar. Es gibt sogar nach dem ersten Facharzt ein munteres Wechselspiel. Ich hatte in der Anästhesie schon Kollegen die Facharzt für Herzchirurgie respektive Urologie waren und danach umgesattelt sind. Genauso kannst Du nach ein paar Jahren Anästhesie problemlos weg, woanders wirst Du gerne genommen.

Bonnerin
05.12.2020, 17:05
Also ich hatte rein chirurgische Klinikfamulaturen und wollte auch als Wahltertial was chirurgisches machen. Aber dann war Innere so schrecklich, dass ich mich am liebsten sofort exmatrikuliert hätte. Ich war echt verzweifelt und hab dann mega-spontan als Wahltertial Anästhesie genommen, weil das Blockpraktikum wirklich sehr gut und ich die Hoffnung hatte, zumindest ein bisschen was zu lernen, selbst wenn ich das Fach dann nicht machen möchte. Letzten Endes bin ich in der Anästhesie hängen geblieben und habe dieses Jahr nach dem M3 angefangen.

Es ist halt wirklich „speziell“ und man muss das Arbeiten da einfach mögen, d.h. z.B. keine längerfristigen Patientenkontakte, mit den OP-Teams zurecht kommen, Situation schnell einschätzen können...

Ich bin z.B. auch kein Fan des Intensivmedizin-Bereichs und weiß, dass ich jeden Tag zählen werde, bis ich aus der Rotation wieder rauskomme, wenn sie angefangen hat. OP finde ich aber sehr angenehm, ich mag das einfach als Arbeitsplatz, dazu dann noch ein bisschen studentische Lehre, die man da macht.

Wenn du es dir überlegst, mach das PJ da. Die skills kann man in jeder Fachrichtung brauchen!