Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Treffpunkt für Anästhesisten
Matzexc1
11.04.2022, 11:58
"Wie du kommst gegangen, so wirst du auch empfangen" ;-) Die Frage ist rechtlich: leistest du den Dienst in der Arbeitszeit? Offenbar, du kommst ja von ICU, oder? Dann liegt der Schwarze Peter beim Arbeitgeber im Zweifelsfall.
Mein Tipp: wenn du weißt, dass es die Notfallmedizin bleibt: schaff dir eigene Stiefel (und ggf. eigene Klamotten) an. Läuft durch die Steuer. Da weißt du, was du hast.
Ja, ich mache die fahrten in der Arbeitszeit.
Den Tipp werde ich gerne befolgen :-), kann jemand einen Hersteller empfehlen. mbs-medizintechnik hat da ein Komplettset
Ich bestelle Klamotten immer bei Hortig, die sind qualitativ gut. Und Schuhe: Haix in allen Lebenslagen :-love
In meiner neuen Klinik meinte der Chef kürzlich, die Pflege habe sich darüber beschwert, dass sie von den Anästhesisten im Saal angerufen werde um z.B. eine warme Infusion zu bringen. Wir mögen doch für solche banalen Dinge bitte selbst den Saal verlassen und sie selbst holen/erledigen.
In meiner alten Klinik war das bei Strafe verboten, bei laufender Narkose den Saal zu verlassen und ich finde das ehrlich gesagt auch richtig so. Insbesondere wenn man wie in meiner aktuellen Klinik dafür nicht nur mal schnell gegenüber in die Einleitung muss sondern je nach Saal ein Stück weit über den Gang.
Wie seht ihr das bzw. wie wird das bei Euch gehandhabt?
tragezwerg
02.05.2022, 17:12
Bei uns ist es nicht gestattet, den Saal zu verlassen, egal für was. Auch zur Toilette dürfen wir nur, wenn eine ärztliche Ablöse kommt. Finde ich angesichts der Größe der Abteilung sowie der sehr durchwachsenen Qualität des ärztlichen und pflegerischen Personals richtig so. Habe früher an ner kleinen Klinik gearbeitet, wo man sich sehr gut kannte, da wusste ich genau welche Pflegekraft kurz im Saal bleiben kann wenn ich aufs Klo musste oder nen Schluck trinken wollte. An meiner aktuellen Stelle hätte ich dabei kein gutes Gefühl.
Das finde ich gut.
Nur um es noch mal ausdrücklich zu sagen: man soll bei uns raus gehen OHNE dass einen jemand ablöst, weder pflegerisch noch ärztlich. D.h. der Patient bleibt mit Chirurgen und OP Pflege allein.
Matzexc1
03.05.2022, 05:45
An meinem 1.Arbeitgeber hatten wir häufig für 3 OP Säle 1 Pflegekraft. Da waren die Infusionen und Medikamente in der Einleitung und dann bin ich halt selbst gegangen, Ablösung gab es, wenn der Oberarzt Lust hatte, selten.
Hier habe ich zwar eine Pflegekraft pro Saal, gehe aber auch mal kurz raus um eine Infusion, aus der Einleitung, selbst zu holen.
Aber über den Gang ein Stück weggehen wäre mir auch zu heiss
DoctorNew
16.05.2022, 19:17
Habe mal eine Frage an die Erfahrenen hier bezüglich der fiberoptischen Wachintubation.
Lokalanästhesie scheint mir da besonders wichtig zu sein. Was und wieviel nehmt ihr dafür? Lasst ihr vorher auch Lokalanästhetikum Inhalieren?
Eigentlich soll der Patient bis zur Tubuspassage ja komplett wach sein. Hat jemand Erfahrungen, vorher schon etwas Propfol, ggf. mit Ketanest zusammen, zu geben, um das ganze für den Patienten angenehmer zu gestalten? Solange der Patient spontan atmet natürlich.
Hatte jetzt zweimal das Problem, dass ich mit dem Bronchoskop sicher endotracheal war, den Tubus aber nicht vorschieben konnte. Habt ihr dafür Tipps?
… dreeeehen… den Tubus. Und etwas Burp ohne Druck. :-meinung
tragezwerg
16.05.2022, 19:49
Hier wird Lidocain in den Rachen gesprüht (das handelsübliche Spray) und zusätzlich das i.v.-Lidocain für mindestens 15 Minuten vernebelt.
Dann wird Remifentanil mit 0,05mcg/kg/min ausreichend lange anfluten lassen. Damit brauchen die meisten Patienten nix zusätzlich. Wenn jemand sehr agitiert ist, gibt es 1-2 mg Midazolam dazu (Flumazenil wird dann aufgezogen bereit gelegt). Propofol würde ich persönlich komplett vermeiden...hatte schon bei Remifent + 1mg Midazolam komplett komatöse und apnoeische Patienten, Propofol hat da ja noch n ungünstigeres Profil...das ist dann immer so stressig :D
Und wegen des Tubus: was Bille sagte! Auch beim regulären nasalen intubieren beim schlafenden Patienten ist die Drehbewegung oft der entscheidende Faktor.
Wir vernebeln Oxybuprocain 2%, ca. 1ml/10 kg KG in die Verneblermaske. Bis die Menge vollständig venebelt ist dauert es um die 15 min. Dann Lidocain-Spray in Nase/Rachen. Ergänzende Sedierung ggf. mit Remifentanil. Midazolam wie von Tragezwerg beschrieben nur in besonderen Fällen mit aufgezogenem Flumazenil in der Nähe.
Und ich mach gern 1-2mg Midazolam und dann etwas warten… 20-30mg Propofol drauf.. so mache ich quasi auch alle Wachbronchos. wenn ein Narkotiseur für Sedierung extra dabei steht, gern auch ohne Midazolam und der Kollege (oder ich) ‚macht den Propofol-Perfusor‘. In meinem alten Haus viel gemacht. Für 10min Broncho kommen so 100-150mg Propofol zusammen, Für die reine Einfädelei… so 30-40mg.
Nie gemacht, aber gern ausprobieren würd ich ja gern Dexdor: via Perfusor, 4yg/ml, 6ml/h (bei ~60-90kg), 10-15min vorher an den Start gehen, in der Zeit alles vorbereiten & mit Lidocain sprühen & vorsichtig rein. Hat jemand damit Erfahrungen?
tragezwerg
16.05.2022, 21:13
Dexdor wurde hier ausgiebig getestet und für ungeeignet befunden (nicht von mir persönlich, aber von mehreren Dexdor-affinen Oberärzten). Wäre aber auch nicht meine erste Wahl, dazu sediert es zuwenig und es fehlt der analgetische Aspekt vom Remi (unsere "Wiederholungstäter" unter den Patienten berichten auch, dass ihnen Remi die "angenehmsten" fiberoptischen Wachintubationen beschert hat...haben Patienten mit Z.n. 30+ fiberopt. Intubationen, die können da richtig gutes Feedback geben).
Tragezwerg - Danke für Feedback! Also nicht sinnig. Schade. Aber es passt zu so einigen Berichten zur tollen Wunderwaffe Dexdor (hier auch eher affine Haltung).
Remi ist hier in der Gegend irgendwie eines der am wenigsten genutzte Medikament - aber ich will es mal mit in die Planung aufnehmen.
MissGarfield83
17.05.2022, 05:34
Macht jemand von euch zur FOI transcricoidale Anästhesie - hatte im Airwaykurs einen CA der erzählt hat, dass er seine Assistenten dies machen lässt - zum einen damit sie Übung für die Koniotomie haben, zum anderen wäre die endotracheale Anästhesie ziemlich gut.
Bonnerin
17.05.2022, 06:21
Macht jemand von euch zur FOI transcricoidale Anästhesie - hatte im Airwaykurs einen CA der erzählt hat, dass er seine Assistenten dies machen lässt - zum einen damit sie Übung für die Koniotomie haben, zum anderen wäre die endotracheale Anästhesie ziemlich gut.
Ich hab das 1x bei einem OA gesehen. Die Bilder waren ganz gruselig und geholfen hat es in dem Fall zumindest auch nicht. Die FOI war aber eh echt "dreckig" (lief auch mit Dexdor danach).
Ein anderer OA hat darauf verzichtet, und Propofol genommen und die Patient:innen waren immer entspannter...
detysnow
17.05.2022, 18:49
Bei uns ist auch Lidocain (vernebelt oder als Spray) plus Remifentanil Standard. Wenn das Lidocain vernebelt wird, gebe ich gerne noch ein Milligramm Adrenalin dazu, besonders bei unversorgten HNO Tumoren, die so kontaktvulnerabel sind. Insgesamt steht und fällt das ganze aber mit der richtigen Dosis Remi. Falls man Zugriff auf einen Perfusor hat, der es kann, kann ich dafür nur TCI ans Herz legen. Man startet zum Beispiel mit 1,0ng/ml und tastet sich dann in 0,5ng/ml Schritten an die richtige Dosis ran. Die Titration gelingt damit deutlich schneller, da die Pumpe ja jedesmal einen kleinen Bolus gibt und mehr oder minder sofort den neuen Plasmaspiegel erreicht (und auch hält!). Die Gefahr während der Bronchoskopie (und davon abgelenkt) den Patient unbemerkt in die Apnoe laufen zu lassen ist also deutlich geringer. Weshalb man sich eben auch insgesamt höhere Plasma Spiegel erlauben kann ohne Sicherheit zu opfern. Die Patientenzufriedenheit ist damit meiner Erfahrung nach sehr hoch. Und zwar ohne eine "tubus-durchtritts-narkose" mit Propofol, wie sie manche ja auch machen und welche meiner Meinung nach dann wieder zur Lasten der Sicherheit geht. Ja, sicher. Gehen tut es auch ohne tci, aber wenn ich es mir aussuchen kann, nehme ich es immer und kann's nur empfehlen!
Macht jemand von euch zur FOI transcricoidale Anästhesie - hatte im Airwaykurs einen CA der erzählt hat, dass er seine Assistenten dies machen lässt - zum einen damit sie Übung für die Koniotomie haben, zum anderen wäre die endotracheale Anästhesie ziemlich gut.Haben wir an der Uni immer mal wieder gemacht. Effekt war mäßig bis okay, der Lern- und Übungseffekt für FONA war schon gut. Es nimmt halt die Angst, in den Hals zu stechen ;-)
Auch auf die Gefahr hin, dass das eine dumme Frage ist: kann mir jemand erklären, warum bei der offenen radikalen Prostatektomie ein sehr restriktives Infusionsregime gefahren werden soll? Ich hab bisher nicht wirklich was dazu gefunden.
dissection
22.05.2022, 18:17
Auch auf die Gefahr hin, dass das eine dumme Frage ist: kann mir jemand erklären, warum bei der offenen radikalen Prostatektomie ein sehr restriktives Infusionsregime gefahren werden soll? Ich hab bisher nicht wirklich was dazu gefunden.
ich bin nur ein humble und dummer internist aber würde auf TUR-Syndrom tippen (Hyponatriämie durch Einspülen hoher Menge an Volumen mit niedriger Osmolalität)
Aeonflux
22.05.2022, 18:52
Auch auf die Gefahr hin, dass das eine dumme Frage ist: kann mir jemand erklären, warum bei der offenen radikalen Prostatektomie ein sehr restriktives Infusionsregime gefahren werden soll? Ich hab bisher nicht wirklich was dazu gefunden.
Das wollen Chirurgen doch immer gerne bei Bauch-OPs. Der Situs soll schön "trocken" sein, sprich wenig Wasser interstitiell. Das ist sicherlich sinnvoll für Wundheilung und Anastomosen, aber bei Bäuchen gibt es mE auch zu trocken, wenn der Flüssigkeitsbedarf einfach doch hoch ist und es dauert. Der Trick besteht halt wie immer darin, die Flüssigkeit intravasal zu halten. Da reicht Ringer eben oft nicht, obwohl der Blutverlust gering ist.
TUR Syndrom ist ja ein Problem, dass Spülflüssigkeit mit hohem Druck in eröffnete Gefäße gedrückt wird, das hat man ja bei offenen OPs nicht.
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