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dissection
22.05.2022, 19:19
Das wollen Chirurgen doch immer gerne bei Bauch-OPs. Der Situs soll schön "trocken" sein, sprich wenig Wasser interstitiell. Das ist sicherlich sinnvoll für Wundheilung und Anastomosen, aber bei Bäuchen gibt es mE auch zu trocken, wenn der Flüssigkeitsbedarf einfach doch hoch ist und es dauert. Der Trick besteht halt wie immer darin, die Flüssigkeit intravasal zu halten. Da reicht Ringer eben oft nicht, obwohl der Blutverlust gering ist.
TUR Syndrom ist ja ein Problem, dass Spülflüssigkeit mit hohem Druck in eröffnete Gefäße gedrückt wird, das hat man ja bei offenen OPs nicht.
Top, vielen Dank!
Nein, es geht bei den Prostatektomien um die vesicourethrale Anastomose, die ja der erst zum Ende hin gemacht wird und während der OP der produzierte Urin quasi in den Bauchraum läuft. Meine Erfahrung begrenzt sich allerdings nur auf DaVinci-Prostatektomien, in Bezug auf das Flüssigkeitsregime dürfte das aber keinen Unterschied mache.
Weil es scheinbar doch keine Selbstverständlichkeit ist die bisher an mir vorbei gegangen ist bin ich gestern mal zum Äußersten geschritten und habe meinen Chef gefragt.
Es sei wohl eine Spezialität des neuen Uro-Chefarztes. Der möchte, dass die Patienten super trocken und straff hypoton gehalten werden - dann blutet es weniger und er ist schneller fertig. Offensichtlich eine Eminenzbasierte Methode :D
Aeonflux
24.05.2022, 19:50
Weil es scheinbar doch keine Selbstverständlichkeit ist die bisher an mir vorbei gegangen ist bin ich gestern mal zum Äußersten geschritten und habe meinen Chef gefragt.
Es sei wohl eine Spezialität des neuen Uro-Chefarztes. Der möchte, dass die Patienten super trocken und straff hypoton gehalten werden - dann blutet es weniger und er ist schneller fertig. Offensichtlich eine Eminenzbasierte Methode :D
Super. Wer mit 80/60 mmHg Blutstillung macht, darf sich dann über postop Nachblutung freuen, wenn der Pat schmerzbedingt dann 160/90 hat. Und die Flüssigkeitsrestriktion kann auch problematisch sein, va wenn es lange dauert. Die Patienten kompensieren die Hypovolämie lange, aber wenn sie dann dekompensieren, dann geht es rapide den Bach runter. Denn kippt man in kurzer Zeit viel rein und hat das Lungenödem.
Ich kann nur abraten. Klar, man kippt nicht unkritisch kristalloide Infusionen, aber ich bin immer mit 6ml/KG/h + kolloidale für Blutverlust gut gefahren.
Scheint eine neue Masche zu sein. Ich bin letztens im Dienst auch ganz kurz vom Glauben abgefallen, als ich gebeten wurde, den Blutdruck auf 100 zu senken (bei einem konstanten Druck von 120bis 130 syst.). Erst mein völlig unverständiger Gesichtsausdruck sorgte beim Operateur dann auch für die Einsicht, dass das bei einer Spinalanästhesie wohl eher ... ... ...
Ging dann auch so. :-nix
tragezwerg
27.05.2022, 07:27
Ach ja, dieses "Aber die Anastomosen quellen immer so auf wenn man mehr als 30ml Kristalloid über 8 Stunden infundiert!!!!1!!11!!!!" gehört zu meinen Favoriten der idiotischen Ideen. Weil ja auch die Durchblutung der Anastomosen soooo viel besser ist wenn man den dehydrierten Patienten mit horrenden Dosen Noradrenalin am Leben erhalten muss...:-wand
Ganz toll auch: Die HNOler möchten keine inhalativen Narkotika, da würde es ja in der Nase so viel mehr bluten...
kartoffelbrei
27.05.2022, 07:37
Mein absolutes Highlight ist immer noch der Gynäkologe, der während der Sectio die Patientin nachrelaxiert haben wollte, sie würde so pressen. War eine Spinale...
Ach ja, dieses "Aber die Anastomosen quellen immer so auf wenn man mehr als 30ml Kristalloid über 8 Stunden infundiert!!!!1!!11!!!!" gehört zu meinen Favoriten der idiotischen Ideen. Weil ja auch die Durchblutung der Anastomosen soooo viel besser ist wenn man den dehydrierten Patienten mit horrenden Dosen Noradrenalin am Leben erhalten muss...:-wand
Hmm, damals... als ich noch klein war, da gab es alleine schon für die Nüchternheit den ersten Liter Ringer. Dann pro Stunde ein Liter Ringer, Blutverlust wurde mit Voluven / Haes ausgeglichen. Hach, das waren noch Zeiten. Arterenol? Was ist das? Die einzelnen RR-Abfälle konnte man gepflegt mit Akrinor abfedern.
Und dann von heute auf morgen durfte die 6 Stunden OP nur noch 500ml Ringer kriegen. Und Arterenol in Höchstdosen. Da ist jetzt die Frage: lieber aufgequollene Darmwände oder nekrotische Anastomosen? :-nix
Und auf der Intensiv durftest Du dann das Volumendefizit erstmal ausgleichen. Kam dann meistens aufs gleiche raus...
Aber Hauptsache intraoperativ gabs kein Wasser. :-wand
Ich handhabe das mittlerweile mit von beidem ein bisschen. Und nach BGA. Damit sind die Operateure zufrieden, die Patienten kommen einigermaßen stabil auf der Intensiv an und wirklich Extreme hier oder da haben wir auch nicht (mehr)... :-nix
ChillenMitBazillen
30.05.2022, 20:01
Macht jemand von euch zur FOI transcricoidale Anästhesie - hatte im Airwaykurs einen CA der erzählt hat, dass er seine Assistenten dies machen lässt - zum einen damit sie Übung für die Koniotomie haben, zum anderen wäre die endotracheale Anästhesie ziemlich gut.
In Ausnahmefällen. In der HNO ist z.B. manchmal bei Patienten mit großen die Stimmritze verdeckenden Tumoren keine wirklich zufriedenstellende Lokalanästhesie auf üblichem Wege zu erreichen. Den Teaching-Aspekt finde ich recht wichtig, deswegen mache ich es gerne einmal mit allen fortgeschrittenen Assistent*innen. Die Patient*innen empfinden es übrigens durchweg als angenehm, hätte ich vorher auch nicht gedacht.
Technik: blaue Braunüle, Spritze mit LA hinten aufgesteckt, unter Aspiration senkrecht (da ist knorpelige Larynxhinterwand, kein Ösophagus) punktieren, Wenn Luft kommt, dann Nadel raus und durch die Braunüle LA applizieren.
So meinste?
https://www.youtube.com/watch?v=bDRTzmuwMnQ
Schluckauf bei Larynxmaske, hat da jemand ein gutes Rezept, wie ich das weg bekomme oder verhindere?
tragezwerg
04.06.2022, 15:03
Narkose vertiefen löst das Problem fast immer.
Kinderarzt1987
07.06.2022, 17:00
Hallo Miteinander,
ich hoffe ihr seid gut in die Woche gestartet.
Ich wollte gerne eine Frage in die Runde stellen und hoffe auf ehrliche Antworten. :) Ich bin AA im letzten Weiterbildungsjahr in der Pädiatrie, mit entsprechend einem Jahr Erfahrung auf der Neugeborenenintensiv. Nun habe ich die Möglichkeit, ein Jahr in die Anästhesie zu rotieren (6 Monate OP, 6 Monate Intensiv) um den Notarzt zu erwerben. Da ihr ja die Experten in dem Bereich seid: haltet ihr es für realistisch als "Fachfremder" mit einem Jahr Anästhesie (und entsprechendem Facharzt in einem patientennahem Gebiet) den Notarzt zu machen, oder fehlt einem noch die weitere Erfahrung in der Anästhesie?
Viele Grüße und vielen Dank für eure Meinungen!
Philip_MHH
07.06.2022, 17:57
hey Kinderarzt,
mehr Anästhesie sorgt für mehr Erfahrung in der Anästhesie. Aber ich denke, dass du mit einem Jahr schon ganz gut dabei bist, der durchschnittliche Internist oder Chirurg hat, wenn er seine Prüfung für die Notfallmedizin macht, in der Regel weniger Erfahrung mit Anästhesie, Atemweg etc.
Insofern brauchst du dich da sicher nicht verstecken.
Kinderarzt1987
07.06.2022, 19:59
Super vielen Dank :)
Pampelmuse
08.06.2022, 18:12
Ich glaube, ich lese hier mal ein bißchen mit. Ich interessiere mich mehr und mehr für die Intensivmedizin. :-blush
Hat jemand Buchtipps für die ITS, Tipps für gute Podcasts, Youtube-Channel usw.?
Rob J Cole
08.06.2022, 20:39
Hallo, ich habe Ende letzten Jahres die Prüfung in anästhesiologischer Intensivmedizin absolviert und das beste Buch das ich gefunden habe, das ist der Herold Internistische Intensivmedizin.
Ibs. der allgemeine Teil handelt viel von physiologischen Grundlagen, angefangen bei der Sauerstoffbindungskurve bis hin zu 20 Seiten PiCCO Erklärungen. Das Kapitel Infektiologie und auch Hämatologie sind ebenfalls sehr gut und für alle Ärzte sinnvoll durchzuarbeiten.
Des Weiteren habe ich mit den allgemeinen Leitlinien gelernt, also neue Spesis Leitlinie etc.
Ich hatte noch ein Kurzlehrbuch gekauft, aber beides konnte ich parallel (2 Kids: 1/2 Jahr alt und 2,5 Jahre alt) neben der Arbeit natürlich nicht durcharbeiten. Habe dann in 1 Monat Elternzeit und in 1 Woche Urlaub das gemacht was ich geschafft habe und es hat gereicht für die Prüfung. Aber es war schon Aufwand, gefühlt mehr als die Facharztprüfung, aber damals waren auch noch keine Kids da.
Gruß Rob
Emcrit ist ganz gut, bezieht sich viel auf die Schnittmenge Notaufnahme/ICU.
"Mastering intensive care" finde ich als Podcast auch ganz toll, ist aber wenig inhaltlich, sondern eher meta "wie kommunizieren ich, wie komme ich klar, wie organisiere ich den Alltag". Muss man aber Australisch dafür hören können und wollen ;)
Matzexc1
09.06.2022, 13:03
Mir wurde das ICU Buch von Marino empfohlen
MissGarfield83
09.06.2022, 16:30
Ansonsten :
Wilhelm - Praxis der Intensivmedizin (:älter, kommt aber Ende des Jahres neu)
Critical care secrets
Oh's intensive care Manual
https://emcrit.org/ibcc/toc
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