Anmelden

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Treffpunkt für Anästhesisten



Seiten : 1 2 3 4 5 6 7 8 [9] 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 83 84 85 86 87 88 89 90 91 92 93 94 95 96 97 98 99 100 101 102 103 104 105 106 107 108 109 110 111 112 113 114

LasseReinböng
26.04.2018, 10:49
Ist jemand von euch Mitglied bei der ESA und liest deren Fachzeitschriften bzw. kann diese empfehlen ?

Ich überlege derzeit stark, mein AINS-Abo zu kündigen. So kurz vor dem FA ist natürlich wie erwartet mein Abonnement deutlich teurer geworden und liegt jetzt bei fast 400 Tacken im Jahr... war mir zwar bewusst, das das Abo irgendwann teurer werden würde, musste mich beim Lesen der Rechnung aber trotzdem erstmal hinsetzen.
So wirklich überzeugend fand ich darüberhinaus die AINS nie, so manches Exemplar liegt noch fast ungelesen auf dem Stapel...irgendeine Fachzeitschrift würde ich aber schon abonnieren wollen, um nicht komplett zu verblöden.

Rettungshase
26.04.2018, 12:32
Als Mitglied der DGAI kannst du automatisch "assoziiertes Mitglied" der ESA werden. Über die DGAI-Mitgliedschaft erhältst du "Der Anästhesist" (lese ich derzeit deutlich lieber als die AINS) für knapp 250€/a statt 360€ ohne Rabatt.

ai-online.info ist eh kostenfrei.

Dr-Pizza
26.04.2018, 16:49
Mal ne doofe Frage: Wer sollte eurer Meinung nach den Namen des Patienten beim Time-Out nennen? Chirurg oder Anästhesist? :-nix

freak1
26.04.2018, 17:16
In meinem PJ Haus war es die Anästhesie.

Sebastian1
26.04.2018, 17:20
@Lasse: Genau, ESA associate Membership nehme ich auch über DGAI mit....ist günstiger und bietet eigentlich das meiste, was man so braucht. Oder halt EDAIC machen, da ist dann glaub ich für ein Jahr auch die Mitgliedschaft drin. War mir bisher zu "achneelassmal..." ;-)

@Dr-Pizza: Letzlich doch egal, einer nennt, der andere kontrolliert. Wer jetzt was macht... in den Häusern, wo0 ich bisher war, war's der Anästhesist, weil der in der Situation keine sterilen Handschuhe anhat und ;)

Dr-Pizza
26.04.2018, 18:05
Ich finde ja, der Chirurg muss eigentlich seinen Patienten kennen und wissen, wer da aufliegt. Daher war es für mich eigentlich immer selbstverständlich, dass der Chirurg sagt, wer da liegt. Neulich meinte einen von denen aber: erstens kenne er den Patienten nicht, zweitens müsste er ja wissen, wen wir aufgelegt haben...

(Davon abgesehen finde ich es nervig, dass auf diesen Time-Out-Zetteln nie genau die Zuständigkeit genannt wird. Da steht immer "Chirurg oder Anästhesist" und am Ende bleibts bei mir hängen *gefaelltmirnicht*)

Vincenco
26.04.2018, 18:14
Ich höre auch häufig den Satz. "Also wir operieren Herr ....ääähmmm??" Und dann sag ich halt den Namen

Rettungshase
27.04.2018, 09:28
Sehe ich jetzt nicht so das Problem drin... ich vergesse manchmal auch zwischendrin den Namen der Patienten, kenne dafür aber immer Ausgangsparameter, Vorerkrankungen uswusf.
Ich muss im gegenseitigen Vertrauensgrundsatz annehmen, dass der Chirurg schon weiß, wen/was er da operiert.

Unsere Checkliste hat btw. streng nach Funktion getrennte Spalten. Stationspflege, Anästhesiepflege, Anästhesist, Operateur, AWR-Pflege. Ist das bei euch anders?

][truba][
27.04.2018, 13:09
In unserem Haus nennen wir als Chirurgen die Namen und Op. Kommt aber wirklich mal vor, dass der Name nicht im Kopf ist.
Unsere Liste hat aber auch getrennte Spalten an verschiedenen "Abschnitten" der Kette.

CYP21B
27.04.2018, 13:39
Bei uns wird der Name und Geburtsdatum von Anästhesie genannt und mit Checkliste und Bildmaterial vom Springer abgeglichen.
Ich weiß auch nicht immer die kompletten Patientendaten mit Vornamen und Geburtsdatum auswendig, wohl aber den Befund und die geplante Op. Daher hätte ich unsere Variante für die Übliche gehalten. Wäre jetzt sicher aber kein Staatsakt wenn ed mal anders wäre.

Dr-Pizza
27.04.2018, 21:59
[QUOTE=Unsere Checkliste hat btw. streng nach Funktion getrennte Spalten. Stationspflege, Anästhesiepflege, Anästhesist, Operateur, AWR-Pflege. Ist das bei euch anders?[/QUOTE]

Ja, bei uns gibt es leider keine klare Zuständigkeit, wer was ausfüllt (in allen Abschnitten steht "Anästhesist oder Chirurg"), was letztlich bedeutet, dass es der ausfüllt, der als letztes im Saal ist bzw den Patienten abgibt, bzw ein doofes Pflichtgefühl hat...

mainzer
27.04.2018, 22:16
heute im viszeralchirurgischen Saal eingeteilt gewesen...schöne große Einleitung; Pat. 80J, Rectum-CA Rezidiv (Erst-OP vor 22J)..
thorakaler PDK, ZVK, art DM, DJ durch die Kollegen der Urologie...
Die Viszeralchirurgen fangen um 12:00 an...popellangweilige Narkose
Nach 1h dann plötzlich 500ml Blut im Sauger...halbe Std. später nochmal 1000ml...schwierig zu operierender Situs; Tumor hinter Uterus irgendwo in der Tiefe verbacken... Chef der Gynnies steigt mit ein, Hysterektomie, Ovarektomie, Scheidenkürzung und Blindverschluss.
Irgendwann bequemt sich auch der CA der Viszeralchirurgie in den Saal...steigt mit ein, Iliacalgefäß durch...Sauger läuft voll (kein schönes Geräusch)...ich drehe das NA sukzessive hoch...
Und nachdem minutenlang keiner mit MIR kommuniziert erdreiste ich mich zu sagen, dass der Pat. bald drucklos ist (im Minimum 50/30mmHg unter 3000µg/h NA...)
Sagt doch der CA zu mir...dann müsste ich mal n OA in den Saal rufen.....
Hab ihm dann gesagt, dass ich keine OA brauche wenn er mal die Blutungsquelle findet und ausschaltet...da hat er kurz geguckt..

Ganz ehrlich..was hätte der OA auch machen sollen...High-Flow-Shaldon war schon längst drin, das Labor informiert, dass statt 2 nun 6 EKs eingekreuzt werden sollen, 2 EKs abgerufen, Tranexamsäure, Fibrinogen und Calcium ebenfalls drin, differenzierte Gerinnung (vorher) abgenommen...man oh man... Irgendwann war's dann auch mal wieder gut; gott sei Dank...auch ohne OA (ich glaub es geht los!). Ne fähige Pflege ist Gold wert!!
Das Beste war, dass der CA in der Herrenumkleide eine Kurzübergabe an den Diensthabenden Chirurgen macht und erzählt, dass es kurz aus ner Sakralvene geblutet hätte..Pat. jetzt aber wieder stabil sei......
Achja...kurz...Sakralvene....3l!!!!
Aber witzige Sichtweise....hat Spaß gemacht im Saal :-)

anignu
27.04.2018, 22:17
Der Anästhesist soll halt Namen und ein Stichwort sagen, dann kann ich ihm die ganze Leidensgeschichte des Patienten incl. aktueller Befunde und was wir planen incl. welchen Strategien wenn es nicht klappt nennen...
Sich wegen dem Namen aufzuregen, der einem grad nicht in den Sinn kommt, ist irgendwo kleinlich.

Apropos kleinlich, eine wahre Geschichte aus unserer Klinik: bei uns muss die Seite die operiert wird markiert werden. Da sind alle ultrastreng, im Zweifel geht der Patient zurück auf Station und der Saal wir gesperrt bis die Seite zweifelsfrei geklärt ist. Auch wenn eine Operation an dem einen Fuß angesetzt ist, während der Patient auf der anderen Seite oberschenkelamputiert ist. Manchmal wurde auch schon die Einschleusung verweigert, weil bei einer beidseitigen OP nicht beide Seiten (rechts und links) markiert waren.

Also man kann es auch übertreiben mit den Checklisten.

Ich finde es gut wie es bei uns mit den meisten Anästhesisten bei uns läuft. Da geht man einfach gemeinsam ein paar Punkte durch von Patientenname, über Antibiose, Besonderheiten, Implantate die gebraucht werden usw... einfach und dann fängt man endlich an zu operieren.
Ein extremes "ich weiger mich Narkose zu machen, weil ich mich weigere mein Hirn einzuschalten, denn ihr Chirurgen habt einen Fehler gemacht und irgendwo auf Patient oder Zettel ein Kreuzchen vergessen und nun werdet ihr mit 30min Saalsperre bestraft" bringt die gegenseitige Achtung halt auch nicht auf ein höheres Niveau. Zum Glück sind dies Einzelfälle...

Relaxometrie
27.04.2018, 22:48
Also man kann es auch übertreiben mit den Checklisten.
Nenn mich kleinlich....aber ich finde es absolut richtig, auch nur kleine Ungenauigkeiten in solchen Checklisten ernst zu nehmen und solange nachzuhaken, bis man eindeutig weiß, was und welche Körperseite operiert werden soll.
Denn erstens führt eine einmal begonnene und akzeptierte Schlamperei im Ausfüllen dazu, daß die Checklisten irgendwann gar nicht mehr ernst genommen werden.
Zweitens kann hinter den von Dir geschilderten Fällen ja auch stecken, daß nicht nur die Markierung beider Körperseiten oder die Markierung des Fußes (obwohl es bei Oberschenkelamputation nur noch einen Fuß gibt) fehlt, sondern daß auch der auf der Checkliste vermerkte Eingriff insgesamt falsch ist.

Rettungshase
27.04.2018, 23:28
Ja, bei uns gibt es leider keine klare Zuständigkeit, wer was ausfüllt (in allen Abschnitten steht "Anästhesist oder Chirurg"), was letztlich bedeutet, dass es der ausfüllt, der als letztes im Saal ist bzw den Patienten abgibt, bzw ein doofes Pflichtgefühl hat...

Hm... das klingt nach einer klaren Schwachstelle/Verbesserungsmöglichkeit.
In meiner Spalte "Auszufüllen vom Anästhesisten" werden diverse Dinge (z.B. zum Atemweg, Allergien, Antibiose, Verifikation von Identität und Eingriff, Gerätecheck, Aufklärungen vorhanden + unterschrieben usw.) abgefragt
Ein wenig unerfreulich finde ich den Punkt "Spezialgeräte vorhanden?" Letzteres empfinde ich als... naja... bemerkenswert. Was weiß denn ich, ob für die Knie-TEP oder die ME irgendein Special-Instrument benötigt wird oder ob alles wie immer klappt?

Unten muss ich als durchführender Anästhesist persönlich mit Namen unterschreiben. Diese Spalte ist Teil des Sign-Ins. Die Anästhesiepflege hat ihre eigene Spalte. Manchmal hakt die Pflege netterweise Teile meiner Liste ab. Ich muss aber gestehen, dass ich dafür zu sehr Pedant bin und in aller Regel doch noch mal alles selbst abfrage.

Ich lege die Liste dann dem Chirurgen hin, der selbst auch noch mal eigene Spalten zum Sign-In und Sign-Out hat: "Richtiger Patient, Röntgenbilder da, usw."

Unsere anästhesiologischen Oberärzte leben das ganz gut vor und legen hohen Wert darauf, dass die Checklisten auch VOR Einleitung abgehakt werden.
Ein paar wenige Operateure (fast ausschließlich die Chefs) interessieren sich herzlich wenig für die Liste. Dann ist es halt so, aber ich tröste mich damit, dass ich meinen Teil zur Patientensicherheit geleistet habe.

Hier ein interessantes Fallbeispiel, bei dem eine mangelhafte direkte Verantwortlichkeit für einzelne Checkpunkte sicherlich einen relevanten Beitrag zur Fehlerentstehung hatte: https://www.cirs-ains.de/files/fall-des-monats/FdMFebruar2017.pdf

Corinna
28.04.2018, 11:22
Hier ein interessantes Fallbeispiel, bei dem eine mangelhafte direkte Verantwortlichkeit für einzelne Checkpunkte sicherlich einen relevanten Beitrag zur Fehlerentstehung hatte: https://www.cirs-ains.de/files/fall-des-monats/FdMFebruar2017.pdf

Sehr gutes Beispiel! Aufklärung und Durchführung macht ja bei ganz vielen Sachen kaum je der selbe Arzt.

LasseReinböng
28.04.2018, 11:28
Es gibt bei uns keine mir bekannte offizielle Regelung, wer beim time out was sagt, somit macht jede chirurgische Abteilung und jeder Chirurg es anders. Es gibt auch gewisse Chirurgen, die einfach reinschneiden ohne time out.

Vincenco
28.04.2018, 11:36
Das gibts natürlich auch. UC/Ortho und ACH machen bei uns immer time out. Die Gynnies und Gefäßchirurgen nie. Fangen auch manchmal schon an aufzudecken und abzuwaschen während ich mit der präoxygenierung und Einleitung anfange. Ganz großes Kino...

mainzer
29.04.2018, 21:52
Fangen auch manchmal schon an aufzudecken und abzuwaschen während ich mit der präoxygenierung und Einleitung anfange. Ganz großes Kino...

geht GAR NICHT!!!

freak1
29.04.2018, 23:38
geht GAR NICHT!!!

Also bei elektiven Eingriffen, oder?

Bei Notfällen hab ich das schon häufiger erlebt, akute Blutung nach PTCA mit noch 70 Systole oder notsectio... Wobei Abwaschen war das auch nicht eher kipp drüber während der Operateur die Handschuhe anzieht...