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Wie sieht es bei euch so aus mit Aufklärungen im PJ?
Die letzten beiden Tertiale hieß es immer, dass ich das auf gar keinen Fall machen soll. Aber jetzt habe ich auf den letzten Metern eine Ärztin auf Station, die das Aufklären gerne uns aufdrückt. Und mein PJ-Kollege hat's bisher völlig selbstverständlich gemacht. Ich weiß, dass das prinzipiell rechtens ist, wenn man als PJler 1. die Untersuchung gut kennt, um die es geht, und 2. im Aufklären entsprechend angeleitet wurde.
Insb. das Anleiten findet bei uns aber nicht statt. Und die Untersuchungen, um die es zuletzt ging, habe ich auch zuletzt so vor 7 Jahren im Pflegepraktikum gesehen, wenn überhaupt. Deshalb habe ich mir überlegt, dass ich nicht ohne Aufsicht aufklären möchte, falls sie nächstes Mal mich fragt (und sofern die beiden Punkte eben nicht erfüllt sind). Oder findet ihr das übertrieben?
Das ist keineswegs übertrieben, sondern auch als fertiger Arzt ratsam.
Matzexc1
18.07.2024, 08:59
Kann mich davon nur anschließen, ich mache fast täglich Aufklärungen und es gibt genug Fallstricke (rechtlich, menschlich, fachlich) Als Pjler entweder unter Aufsicht oder sie muss es selbst machen, frisch als Assistenzarzt sollte man die ersten Male auch mit jemand erfahrenem zusammen aufklären
So wirklich wirklich sind doch Aufklärungen nur dann wirksam und gut, wenn man selbst den Eingriff durchführen könnte, dachte ich?
Zumindest TAVI dürften bei uns nur Fach-/Oberärzte aufklären. Wirklich viel komplizierter als eine schwierige PTCA mit Rotablation etc ist die ja auch nicht. Aber es gibt mehr Fallstricke und damit incentives, aufgrund derer die Kostenträger die Übernahme verweigern könnten (und deswegen dort FA-Standard, so meine Vermutung).
So wirklich wirklich sind doch Aufklärungen nur dann wirksam und gut, wenn man selbst den Eingriff durchführen könnte, dachte ich?
Das kann man so nicht sagen. Es ist doch einfach so, dass die Aufklärung meist das einzige "belastbare" Schriftstück ist. Viele andere Dinge sind häufig doch Ermessenssache. Und deshalb stürzen sich die Juristen auf die Aufklärung und werden hier leider häufig fündig.
Ich würde mich nicht auf die Aufklärung eines PJlers verlassen und kenne es so auch nicht aus meinem PJ. Ich kläre in meiner Klinik alles auf, da gibt es keinen Facharztvorbehalt. Aber wenn ich etwas nicht kenne, dann lass ich mir das erklären und frage ich nach speziellen Risiken.
Heerestorte
18.07.2024, 10:02
Ich habe mich im PJ geweigert aufzuklären und als Assi in der ersten Woche auch, als ich eine Hemikolektomie oder 6/8 Leberresektion aufklären sollte :-))
Danke euch für das Feedback! Dann bleibe ich auch bei meiner Haltung, es nicht zu machen.
Carnivore
20.08.2024, 10:15
Innere PJ Tertial:
Über 3h Visite für 18 Patienten. 🥲
Wer zur Hölle hat Spaß an diesem Fach?! 😬
Naja, das sind dann ja gerade mal 11 Minuten pro Patient, inklusive aller Weg- und Wartezeiten... das ist echt nicht viel Zeit, um sich mit körperlicher Untersuchung, Laborwerten, Bildgebung, Medikation, der Entscheidung über das weitere Vorgehen, usw. zu befassen, und im Idealfall auch noch etwas Lehre für die PJler zu betreiben.
Bonnerin
20.08.2024, 11:16
Naja, das sind dann ja gerade mal 11 Minuten pro Patient, inklusive aller Weg- und Wartezeiten... das ist echt nicht viel Zeit, um sich mit körperlicher Untersuchung, Laborwerten, Bildgebung, Medikation, der Entscheidung über das weitere Vorgehen, usw. zu befassen, und im Idealfall auch noch etwas Lehre für die PJler zu betreiben.
Würde ich so nicht unterschreiben. Ich erinnere mich an die stundenlangen Visiten in den Patientenzimmern und DANACH, also im Arztzimmer, ging es mit allem weiter, das du hinter körperlicher Untersuchung genannt hast.
Finde das Fach bis heute auch einfach schrecklich und bin froh, dass wir uns die Fachrichtung aussuchen dürfen.
Naja, das ist halt das Kerngeschäft der Inneren Medizin. Ok, mittlerweile kommen auch immer mehr invasive Dinge in den internistischen Fächern an aber letzten Endes denkt man halt den Großteil des Tages über den Patienten nach. Was soll man denn als Internist auf Station sonst den ganzen Tag machen?
Reha-Anträge, Blutentnahme, Pflegegrade, Sozialarbeit.
Carnivore
20.08.2024, 13:47
Genau das + Briefe schreiben, Totenscheine, Angehörigengespräche ect.
Schrecklich. 😅
Ich freue mich auf Chirurgie. 🤞🏼
Teile deine Gefühle! Ich hatte noch nie so wenig Spaß wie aktuell in der Inneren. Wünsche mich manchmal sehnsüchtig zurück in eine gepflegte Whipple oder sowas... Diese ganze Schreibtischarbeit und dieses Micro-Managing von einzelnen Befunden/Laborwerten, die oft nur eine Nebenbaustelle der Nebenbaustelle sind, da bin ich nicht für gemacht.
(Wobei bei mir auch das Team einfach nicht so zugänglich für uns PJs ist. Mit ein bisschen mehr Humor/Socializing wäre es direkt viel angenehmer. Aber zum Glück wechsele ich bald die Station und dann ist das PJ auch fast gegessen.)
Reha-Anträge, Blutentnahme, Pflegegrade, Sozialarbeit.
Reha-Anträge: Sozialdienst/PJler, die sich über ein paar zusätzliche Euros freuen
Blutentnahme: MFA, PA, bezahlte Studenten
Pflegegrade: Sozialdienst
Sozialarbeit (wenn sie über „einsamer Omi ein bisschen zuhören“ hinausgeht): Sozialdienst
man muss nur in den richtigen Kliniken arbeiten ;-) Bin ja weder Sozialarbeiterin noch Sekretärin sondern Ärztin.
Angehörigengespräche gehören halt auch mit dazu, ich würde ja auch wissen wollen was Sache ist, wenn meine Omma stationär liegt. Die Kunst ist es, das Ausmaß der Gespräche zu regulieren. Totenscheine schriebe ich, außerdem der ZNA/ITS jetzt eigentlich selten. Auf Normalstation genau 4 Stück in 5 Jahren.
Jo, die Briefe existieren und sind ein bisschen ausufernder als das, was die anderen Fachrichtungen so rausschickend (Briefen schreiben müssen sie trotzdem alle ;-) ) aber selbst den Mehrwert eines gutes Briefes erkennt man irgendwann im Laufe seines Internistenlebens.
Innere ist halt nicht jedermanns Sache aber sind alle anderen Fächer auch nicht. Ich hab mich im OP auch immer zu Tode gelangweilt wenn die Chirurgen wieder ewig ein irgendeiner anatomischen Struktur rumzufitzelt haben… hab aber auch keinen Plan, was die da machen und warum das so laufen muss. Genauso ist es eben auch mit der Inneren: wenn man versteht, wie gute internistische Medizin funktioniert dann versteht man auch die endlosen Visiten und das darauffolgende Gelaber im Arztzimmer.
Noch jemand nah am M3 und kirre? Alle sagen ja (auch hier), dass es halb so wild ist, aber trotzdem bin ich in manchen Momenten überzeugt, ich kann nicht ansatzweise genug und die Zeit wird zu knapp. Mein Losfach und ich haben uns auch einfach absolut gar nichts zu melden, das wird richtig unangenehm.
Dabei mochte ich mündliche/praktische Prüfungen im Studium und war da immer viel viel besser als schriftlich, aber aktuell fühle ich mich überhaupt nicht selbstbewusst. (Liegt sicher auch daran, dass diesmal ein unterschriebener Arbeits- und Mietvertrag und die ganzen Leute, die mich nachmittags abholen kommen wollen, den Nicht-Durchfallen-Druck deutlich erhöhen...)
medipassions
02.11.2024, 20:31
Wann ist den dein Termin @kiebits? Ich habe auch bald meine Prüfung, mein Losfach (Neuro) und ich könnten nicht gegensätzlicher sein und vom Wissen her fühle ich mich ebenfalls unvorbereitet. Ich weiß gar nicht, wie ich am ersten und zweiten Tag 2 h insgesamt reden soll…ich weiß, die Durchfallquote ist niedrig, aber auch mich stresst es, dass meine Familie und Freunde vor der Tür warten werden und ich hab Angst durchzufallen. Mich blockiert diese Nervosität auch etwas, aber irgendwie kann ich da nichts gegen machen.
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