Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Kinder-Ecke
Gibt's eigentlich Altersgrenzen für bariatrische Chirurgie? Ich meine, bei dem Gewicht wäre das im Erwachsenenalter ja klar zu rechtfertigen.
Ihr habt aber in eurer Praxis schon auch immer mal wieder exotischere Sachen?!
Alle Praxen haben exotische Sachen, weil die Kinder ja alle einen Kinderarzt brauchen. Aber die anderen haben halt andere seltene Sachen.
Soweit ich weiß, ist bariatrische Chirurgie vor 18 extrem selten und nur totalen Ausnahmen vorbehalten.
Mich macht das Übergewicht oft so traurig. Es fängt alles so früh an. Manchmal haben wir Erfolg mit der Beratung ab dem ersten Kontakt, manchmal sieht man schon bei der U3 den Beginn wieder.... wenn das Kind nicht hochgenommen und gekuschelt wird beim Weinen, sondern die Flasche gezückt wird und auf der Liege liegend gefüttert wird, ohne Nähe. Satt und ruhig. Das ist jetzt plakativ, aber leider bestätigt sich das im Verlauf ganz oft.
Naja, unter 18 Jahren kenne ich ehrlich gesagt keine bariatrische Chirurgie. Ja, das mit dem Übergewicht ist ein super frustranes Thema.
Aber es gibt auch viele Praxen, da ist die Kommunikation schwierig. Man hat das Gefühl die Patienten sind schlecht betreut und es wird sich gar nicht nach so komplexe Patienten gekümmert. Das hängt doch sehr vom persönlichen Engagement ab. Bei euch stimmt das.
Ich erlebe unter den niedergelassenen Kollegen in unserer Umgebung meistens viel Engagement für die besonderen Kinder. Da man davon ja nicht so viele hat, kann man das ja gut machen und ist auch eine schöne Abwechslung zwischen dem Alltagsgeschäft.
Aber es kommt auch immer drauf an, wie die Fachkollegen ansprechbar und konkret in der Kommunikation sind. Mein transplantiertes Kind zB wird durch UKE HH betreut. Da faxen wir die Werte der Blutentnahmen und bekommen zurück: "Bitte Tacrolimus erhöhen auf soundso, Kontrolle in 4 Wochen inkl. folgender Parameter." Das ist einfach und kann ich ohne wirklich eigenen Hirnschmalz einzubringen.
Wenn ich aber allen Angaben für die medikamentöse Behandlung inkl. Krisen von Stoffwechselerkrankungen hinterherlaufen muss, kann ich das einfach nicht.
Wir haben extra eine SEK Beauftragte, die sich um die Kommunikation mit den Praxen, anderen Zentren, Eltern kümmert. Wir versuchen auch immer alles klar und transparent zu formulieren. Und sind da auch immer ansprechbar. Das ist nicht in allen Zentren so. Das weiß ich, wenn mal versucht, wen zu erreichen. Es gibt aber auch viele, die sehr bemüht und engagiert sind.
Viele Grüße aus Berlin.
agouti_lilac
03.11.2019, 16:21
Derzeit ist ja die Schließung vieler Kinderkliniken in Diskussion und in den Medien.
Sehr ihr das auch so schwarz, bzw. nehmt ihr das auch so wahr, dass chronisch kranke Kinder schlechter versorgt werden?
Ich fänd es total schade, wenn das Haus im Ort der Praxis geschlossen wird, weil wir mit denen so schön nah zusammenarbeiten. Die kennen uns, wir kennen die, man hat schnell die Kollegen am Apparat und die uns. Der Weg ist halt viel kürzer, in die nächsten anderen Kliniken fahren die Patienten 45 min, Besuche sind schwieriger, usw. Aber die chronisch kranken Kinder würde es nicht so sehr betreffen, weil die eh schon mehr in die anderen Kliniken müssen.
Relaxometrie
03.11.2019, 16:31
Sehr ihr das auch so schwarz, bzw. nehmt ihr das auch so wahr, dass chronisch kranke Kinder schlechter versorgt werden?
Genau diese Frage wollte ich auch stellen, als ich vorhin diesen Fernsehbeitrag (https://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/videos/trailer-kein-geld-fuer-kranke-kinder-video-100.html), der morgen ausgestrahlt wird, zufällig entdeckt habe. Würde mich interessieren, wie die Pädiater des Forums, aber auch sonstige Forumsmitglieder das Thema (allgemein; aber auch den morgen folgenden Fernsehbeitrag) beurteilen.
aschenputtel1977
03.11.2019, 16:32
Hier ist auch eine größere Klinik am Ort. Ich bin seit 2 Jahren da raus, aber einige von den Kollegen von "damals" kenne ich noch und weiß auch die einzelnen Nummern noch.. Sogar vom Dienstarzt HNO und KiChi :D Ich weiß auch noch, wie s da läuft, kann den Patienten vorher im groben sagen, was sie erwartet, wo sie sich melden können und so weiter. Das wäre auch sehr schade, aber ich hoffe noch das beste.
Meine Freundin arbeitet als KiKra in der hiesigen Kindernotaufnahme der Uni. Die Geschichten sind nicht mehr lustig. Ständige Überbelegung, drei Kinder werden stationär in der Notaufnahme versorgt, bzw eher nicht versorgt, weil mindestens im Nachtdienst, teilweise aber auch im Früh oder Spät nur eine Pflegekraft arbeitet, die für die Administration, die Primärversorgung mit Durchmessen etc., Arztassistenz und allem drum und dran dann alleine verantwortlich ist. Dazu ist die Kindernotaufnahme baulich komplett von allem Anderen getrennt, so dass man auch bei randalierenden Eltern, deren privat versichertes Söhnchen mit Husten nicht sofort angeschaut wird, ohne Backup steht. Und dann muss noch immer wieder NRW-weit nach Betten telefoniert werden, wenn alles mal wieder pickepackevoll ist. Wenn jetzt auch die große Kinderklinik hier in der Nähe dicht gemacht wird, wird es lustig.
Die Kinderkliniken sind vom Pflegenotstand ja ein bisschen länger verschont geblieben, jetzt schlägt er aber auch hier voll durch, was dann in teilweise komplett gesperrten Stationen und entsprechendem Bettenmangel mündet. In München gibt es zeitweise kein einziges freies Bett mehr, was zu dramatischen Situationen führt. Betrifft sowohl den pädiatrischen als auch den neonatologischen Bereich und auch schon lange nicht mehr nur die Großstädte sondern auch die Peripherie. Ich habe schon Zuverlegungen aus Landkreisen bekommen, wo ich mich schon gefragt habe, ob die mich verarschen wollen weil da mindestens noch 2-3 Kinderkliniken näher gewesen wären.
Moonchen
04.11.2019, 10:00
Ich kann aktuell nur aus nem recht speziellen Bereich (nämlich Kinderkardio-Intensiv) berichten, und bei uns ist es definitiv nen Kampf um Kapazitäten. Unsere Station hätte theoretisch Platz für 1 Bett mehr, was aber nicht genutzt werden kann da nicht genug Pflegepersonal vorhanden ist. Wir müssen desöfteren Kinder wegverlegen die eigentlich noch auf ne Intensivstation gehören und es passiert nicht selten dass geplante, notwendige OPs 2-3x verschoben werden (auch kurzfristig) weil nen Notfall reinkommt und keine ausreichenden Kapazitäten für mehr da ist .
Von meiner alten Klinik (mittelgroße Kinderklinik) bekomme ich auch immer mal wieder mit, dass diese Zuverlegungen von teils 100km bekommen (bei 2-3 Kinderkliniken die näher sind) weil die anderen kein Platz haben - und auch bei meiner jetzigen Klinik in der Allgemeinpädiatrie (immerhin Uniklinik) werden nachts Notfälle mit „normalen“ pädiatrischen Notfällen (GE, Pneumonie und Co) teils in entfernte Kliniken weggeschickt wenn kein Platz mehr ist.
Bezüglich der Chroniker kann ich für unsere herzkranken Kinder nur sagen dass es eigentlich nicht am Geld liegen (sollte), da unsere Abteilung ordentlich Plus macht , aber an den Personalkapazitäten - vor allem an Pflegepersonal Bzw nicht genehmigten Arztstellen. Außerhalb der Neo Bzw Kardio , also in Disziplinen wo man nicht so viel Geld bekommt, mag das durchaus anders aussehen.
Hier scheinen die Kapazitäten generell (noch) okay zu sein. In der Breite können sich aber zunehmend Kinderkliniken nicht mehr halten, bzw. sie verlieren Qualifikationen. Aus einem früher guten Level 2 Zentrum ist heute Level 3 oder 4 geworden, weil sie einfach keinen Neonatologen mehr finden. Da braucht man gar nicht politisch über Zentralisierung sprechen, die ergibt sich ganz automatisch aufgrund des Mangels an qualifiziertem Personal.
Gefühlt läßt auch die Versorgungsqualität umliegend nach, wobei ich das im Wesentlichen bzgl. Geburtshilfe und Neo beurteilen kann. Ich bin überzeugt, dass besondere Fragestellung in die Zentren gehören und wir im Rahmen der Versorgungsforschung sicherstellen müssen, dass Patienten frühzeitig identifiziert und adäquat betreut werden. Es ist gut, heimatnah eine Möglichkeit der stationären Versorgung für typische Kinderkrankheiten zu haben. Die spezielleren Sachen müssen halt an die Zentren. Langfristig wird sich für diese ganz kleinen Kliniken damit aber die Frage der Weiterbildungsqualität stellen. Was der frische Facharzt während seiner Weiterbildungszeit gesehen hat unterscheidet sich da schon massig zwischen den Häusern.
roxolana
07.11.2019, 11:46
Mal ne Frage in eigener Sache: Ist es normal, dass eine 8-jährige nach der Influenzaimpfung 39,5 Fieber hat? Wir haben die letzten Jahre immer mit Fluenz Tetra geimpft und da gab es nie eine Impfreaktion. Gestern gab es aber Vaxigrip, weil Fluenz nicht lieferbar ist. Ich habe überlegt, ob es doch ein Infekt ist, aber sie hat keinen Fokus...
tragezwerg
07.11.2019, 13:58
Mal ne Frage in eigener Sache: Ist es normal, dass eine 8-jährige nach der Influenzaimpfung 39,5 Fieber hat? Wir haben die letzten Jahre immer mit Fluenz Tetra geimpft und da gab es nie eine Impfreaktion. Gestern gab es aber Vaxigrip, weil Fluenz nicht lieferbar ist. Ich habe überlegt, ob es doch ein Infekt ist, aber sie hat keinen Fokus...
Hab ich im Bekanntenkreis schon öfters gehört, unser Kinderarzt sagte das vorgestern auch als wir mit unserer Tochter zum Impfen da waren. Laut ihm ist bis zu 40° nach Influenzaimpfung häufig.
roxolana
07.11.2019, 14:13
Danke für die Info!
Gerade liegt sie erschlagen mit 39,7 im Bett und macht Mittagsschlaf. Das hatten wir schon lange nicht mehr...
Was sagen die ansässigen Kinderärzte hier eigentlich überhaupt zur Grippeimpfung bei Kindern ohne chronische Erkrankungen? Laut STIKO ist es ja nicht empfohlen, ich habe bislang hauptsächlich aus Angst vor Grippekomplikationen impfen lassen. Hatte als Kind selbst ne Grippe mit Lungenentzündung.
Ich hätte auch mal eine Frage. Ich hätte jetzt im KV-Dienst ein 7jähriges Mädchen mit HWI. Da Kinder nicht so mein Gebiet sind, hab ich sie an die Kinderklinik verwiesen. Aber man wird ja nicht dümmer, wenn man sich da ein wenig auskennt. Was hätte man denn in diesem Falle gegeben?
z.B. Cefuroxim 20-30 mg/kg in 2 ED für 7 Tage. Die anderen, üblichen Erwachsenen-HWI-Antibiotika sind für Kinder meist nicht zugelassen. Amoxi könnte man noch, ist aber wegen der Resistenzlage nicht mehr so üblich. Bei fieberhaftem HWI (=Pyelonephritis) dann 3. Gen. Cephalosporine wie Cefixim oder Cefpodoxim. Bei größeren mit sonst nicht beeinträchtigtem AZ kann man das auch ambulant machen. Macht jemand was anderes?
Ich hatte mich noch einmal durch die Leitlinien geklickt. Die empfehlen Trimethoprim oder Nitrofurantoin.
https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/053-001k_S3_Brennen_beim_Wasserlassen_2018-08.pdf
Relaxometrie
07.11.2019, 19:36
z.B. Cefuroxim 20-30 mg/kg in 2 ED für 7 Tage.
Orales Cefuroxim hat eine schlechte Bioverfügbarkeit, so daß die erreichte Konzentration bei vielen Keimen nicht ausreicht. In der stationären Erwachsenenmedizin gebe ich Cefuroxim oral daher gar nich mehr.
Oder was sagen die Pädiater? Reicht die Konzentration, die man oral erreicht, bei einem nicht fieberhaften Harnwegsinfekt aus?
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