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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Kinder-Ecke



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Moonchen
15.02.2016, 21:00
Hab den Artikel auch gelesen und konnte mich da auch in vielem wiedererkennen - sowohl bei den positiven als auch bei den negativen Sachen... Wir haben in der Klinik auch ein kapilläres CrP-Gerät und das ist echt Gold wert. Habt ihr denn bei euch einen "cut off" Wert, bei dem ihr gerade bei den typischen fiebrigen IDOLs eine Therapie anfangt? Und wie macht ihr das bei - wahrscheinlich - durch Virusinfekt mitbetroffenen Trommelfell (also Trommelfell gerötet, keine sonstigen Zeichen für bakterielle Otitis und Kind hat außerdem noch Rhinitis und nen roten Hals) - wie schnell gebt ihr da Antibiotika?

WalterSobchak
15.02.2016, 21:09
AB bei Respirationstrakt-Geschichten gebe ich im Grunde nie ohne CrP. Außer vielleicht akute Otitis bds. bei deutlich beeinträchtigtem Kind <2 Jahre.
Nen wirklichen Cuttoff gibt's ja meines Wissens nicht. Bei >40mg/l denk ich drüber nach, >60mg/l gibt's was. Ist sicher willkürlich, fahre aber ganz gut damit...

Generell verteile ich sehr sehr selten ABs.
Kann die Male pro Woche an 1-2 Händen abzählen. (Harnwegsinfekte schon mit eingerechnet..)

annekii
15.02.2016, 21:32
Mit der Kinderklinik haben wir da auch keine Probleme. Die sind da auf dem selben Weg und nehmen auch überhaupt nicht übertrieben auf. Das ist ein toller gegenseitiger Respekt und eine tolle Zusammenarbeit. Da kann man sich gegenseitig immer gut bestätigen bzw. etwas weiterführen und klar muss man auch mal was anders machen, aber schon allein, weil manche Krankheiten eben fortschreiten oder sich anders entwickeln.
Aber es gibt Kollegen, die sehen irgendwie in allem Bronchitis und Angina und Otitis und geben immer AB, immer immer immer. Ich frage mich, welche Angst dahinter steckt? Im Übrigen war es heute natürlich wirklich so. Arg viel Cefpodoxim bei obstruktiven Bronchitiden *heul*.

Wir reden übrigens nie schlecht über die Kollegen, sondern bestätigen es eher, dass der Verlauf der Krankheit so geworden ist, dass es nötig war. Ich kann nun mal nicht jedes WE Notdienst machen. Andersrum sprechen aber genau diese schlecht über uns, dass wir vieles nicht erkennen würden. Naja, ändert unser Vorgehen aber auch nicht.

Der Cut off ist für mich auch so schwierig. In der Klinik hatten wir nen toughen Chef, der hat sogar bei fehlendem Fokus nen Tag zugewartet bei CRP>100, wenn nicht Leukos und DiffBB auch eher bakteriell aussahen. Dann gab es am Folgetag ein Kontrolle-CRP. Wenn das wesentlich gesunken ist, blieb das Kind ohne AB. Und das ging echt oft. So habe ich die Angst vor hohen CRPs ein wenig verloren.

Letztens hatte ich ein Kind mit 4d Fieber bis 40°C, an Tag 4 BE gemacht, weil Eltern gedrängelt haben, und CRP von 75 rausbekommen, keine Leukos, keine Linksverschiebung. Da war ich eigentlich über meinem ambulanten Cut off fürs CRP und habe dennoch ohne AB zugewartet und Entfieberung kam an Tag 5, an Tag 7 sprang es rum und war wieder topfit.

Moonchen
15.02.2016, 21:53
Bei uns gibt es auch keinen wirklichen Cut off, in der Regel geb ich ambulant so ab 60-70 mg/dl (auch ein bischen von den Leukos, dem Alter des Kindes und vom Gesamtbild abhängig) ein Antibiotikum.
Bei uns in der Klinik (da ist es natürlich "einfacher" als ambulant, da genauere Beobachtung möglich) warten wir bei unklarem Fokus bzw. normalen Leukos auch eher großzügig zu; es sei denn es handelt sich um ein kleines Kind. Hatten jetzt Anfang des Winters öfter mal Kinder mit CrP von 120-170 und normalen Leukozyten, die dann allesamt auch ohne antibiotische Therapie rückläufig waren - keine Ahnung was da rumging..

Schorsche
16.02.2016, 09:51
@ Moonchen: Adenoviren? Ein paar Nachweise hatten wir in dieser Saison auch und die zeichnen gern verantwortlich für hohe CrP ohne Leukozytose/Linksverschiebung.

Wenn ich ein ambulantes CrP mache, setze ich mir vorher meist einen Cutoff, wo ich unter der Symptomatik noch zuwarten würde - muss aber gestehen, dass ich als Einsteiger die Grenze, bei der ich beginne nachzudenken, eher bei 40-50 mg/l setzen würde... Im stationären Bereich siehts deutlich anders aus, unser Chef hälts ähnlich, wie annekii beschrieb.

annekii
16.02.2016, 09:59
Ja, Adenoviren waren es bei Nachweis dann auch immer, wenn das CRP so hoch und wieder ohne AB sank.

40-50 finde ich genau die Zahl, die nicht haben will. Da weiß man nicht mehr als vorher.

SkYSkYSkY
16.02.2016, 20:22
Ich muss jetzt auch endlich mal Hallo sagen. Bin ab 01.01.2016 in der Pädiatrie in einem kleinen Krankenhaus an der Ostsee :-). Bisher bin ich sehr zufrieden, kenne das Haus aber auch schon seit dem PJ. Dafür ging es schon nach 3 Wochen los mit Diensten....

Zum Thema CRP: Mich als Anfänger wundert ein bisschen das System bei uns. Wir sind relativ freigiebig wenn es ums Röntgen bei V.a. Pneumonie geht. Find ich auch nicht schlimm. Allerdings haben wir ziemlich oft Grenzbefunde, wo man jetzt sagen kann Pneumonie oder Peribronchitis (nicht nur ich). Meine Obrigkeit gibt dann im Zweifel auch bei einem CRP von 5 oder 8 schonmal gerne Ampi (nach Auskultationsbefund). Ich kenne es aus der Erwachsenenmedizin ein bisschen anders. Einerseits waren die Pneumonien i.d.R. deutlicher (Lobäpneumonien) zu sehen, andererseits hätte man da bei so einem niedrigen CRP wahrscheinlich eher keine Antibiose gestartet. Ich denk mir öfter, dass es vielleicht doch eher virale Geschichten sind. Allerdings entfiebern die Kinder dann nach AB oft recht schnell. :-nix

Gallilei
16.02.2016, 20:26
Sind es denn da auch mg/l oder eher mg/dl? ;-)
Eine klare Linie kann ich für mich auch gar nicht so festlegen. Ganz viel Bauchgefühl sowohl für als auch wider und dann eben mit der Hoffnung auf Bestätigung gibt es das CrP. Und dann geht es mir wie annekii: 50 ist ein völlig nutzloses Ergebnis...

SkYSkYSkY
16.02.2016, 21:23
Es sind mg/l :-) Referenzbereich ist <3

Moonchen
16.02.2016, 21:57
Bei eindeutiger Lobärpneumonie behandeln wir antibiotisch mit Penicillin oder Unacid. Aber alles sonstige was auskultatorisch oder im Röntgen pneumonisch aussieht aber kein hohes CrP hat bekommt erstmal nichts. Einzige Ausnahmen sind vielleicht wenn das Kind vom AZ her schlecht ist oder schon länger krank, dann gibt es halt was gegen atypische Erreger...

annekii
16.02.2016, 22:11
Ich schließe mich moonchen an und möchte noch hinzufügen, dass ich eher keine lockere Haltung zum Röntgen habe. Gerade wenn es um eine Bronchopneumonie/Peribronchitis geht. Denn es wird ja nicht automatisch bakteriell, wenn es eine Bronchopneumonie ist.

Moonchen
06.03.2016, 20:38
Ich HASSE HASSE HASSE die Notfallambulanz :heul:
Ist bei euch zur Zeit auch so viel los? Wir haben eigentlich am Wochenende einen Assistenten bei uns im Haus der von 09:30 - 20:00 für den Ambulanzdienst abgestellt ist. In den letzten Wochenenddiensten musste spätestens ab mittags immer noch einer aus dem Haus mithelfen und selbst dann waren die Kinder kaum abzuarbeiten.. :-?

solidus
06.03.2016, 20:49
Wir sind auch voll bis aufs letzte Bett und in der Notaufnahme stapeln sich die Patienten.. hab letzte Nacht 27 Kinder gesehen. Davon immerhin sechs aufgenommen, der Rest war Ohrenschmerzen/Ausschlag/URTI/Krupp.. und viele größere mit Streptokokken.
Und wir haben gerade eine doofe Häufung an abszedierenden Pneumonien. Lauter Kleinkinder in eigentlich ordentlichem Zustand, vom Kinderarzt oral anbehandelt und bei uns dann aufgenommen bei ausbleibender Besserung und exorbitantem CRP (>20mg/dl), im Röntgen aber noch ohne Erguss. Der kam dann jeweils ein paar Tage später.. ich glaub, so viele Drainagen hatten wir echt selten in einem Winter.

annekii
06.03.2016, 21:22
So scheint es bei uns auch in den Kliniken auszusehen. Wir sehen in der Praxis 80-100 Kinder an den langen Tagen. Und wenn wir einweisen müssen, merkt man deutlich, dass eigentlich keine Kapazitäten mehr bestehen. Und die Diensthabenden scheinen gar nicht zu schlafen. Ich bekomme Briefe zu allen Uhrzeiten aus einer Nacht und da gehen ja nicht nur unsere Patienten hin. An den Notdienstwochenenden ist es auch recht aktiv, aber der Notdienst ist leider nicht so gut bekannt (oder nicht so beliebt?), sodass wir den Kollegen in der Klinik nicht ausreichend abnehmen können. In der Stadt, in der ich wohne, klagen die Kollegen in der Klinik darüber, dass sie vor lauter Ambulanz die Aufnahmen schlecht betreuen können. Wartezeiten von 3 h sind da keine Seltenheit.

Wir haben es bei Kleinen vor allem mit allem, was obstruktiv macht, zu tun. Und da sind nicht wenige mit Sauerstoff über ne ganze Woche dabei. Dann immer noch Influenza und ähnliches bei eher Grundschülern, und dann noch ne Welle Gastroenteritis dazu. Insgesamt eher viel, als ganz schwer. Die schwersten waren die Minis mit O2-Bedarf. Von Pneumonien mit Drainagen ist mir hier (noch?) nichts bekannt.

Schorsche
07.03.2016, 00:04
Dito. Gerade ein ganz normaler Wochenenddienst in einer Kleinstadt: 90 Kinder im KV-Dienst bis 20 Uhr, ich habe bis 0 Uhr auch schon wieder 20 gesehen. Eigentlich alle mehr oder weniger infektig an den oberen Atemwegen, viele lange krank, viele Influenzanachweise. Stationäre Aufnahmen heute Abend: bisher keine, hätte aber auch keine Ahnung gehabt, wie ich das regeln sollte. Nervig war vor Allem der Vater, der beim Kind mit seit 6 Tagen bestehendem Fieber, aber weiter unauffälligem BB/CrP vehement das Antibiotikum forderte. Mir tun vor Allem die neuen Kollegen Leid - für mich ist's bisher der härteste Winter und ohne wenigstens minimale Berufserfahrung geht man in den Diensten einfach unter :-keks
Pneumonien mit komplizierten Verläufen hatten wir einige zum Jahreswechsel (davon eine heftige invasive StrepA-Infektion), momentan ist an der Front zum Glück Ruhe.

Moonchen
07.03.2016, 08:05
Bei uns sind es meistens auch nicht schwerkranke Kinder, sondern einfach die Menge die es macht. Die Aufnahmen gestern waren zum größten Teil Gastroenteritiden mit Exsikkose. Pneumonien mit Drainagen hatten wir diesen Winter noch keine einzige, bei uns dafür vermehrt Fälle von gesicherter Pertussis.
Bei uns in der Ambulanz sind Wartezeiten von 2-3 Stunden zur Zeit auch keine Seltenheit, teilweise sogar noch mehr. Und dadurch das derjenige, der eigentlich das Haus versorgen soll, mit aushilft, ist halt für die stationären Patienten auch keine Zeit mehr. Und das ist dann immer so ein Teufelskreis - man selbst ist total gestresst, versucht alles schnell zu erledigen, die Eltern haben aber Redebedarf, sind dann unzufrieden weil sie warten müssen und dann nur kurz Zeit für sie hat und dadurch sinkt die eigene Laune noch mehr (geht zumindest mir so :-D )..
Aber hoffen wir auf den Frühling...

febee
12.03.2016, 15:13
Also wenn es nicht Zufall ist Moonchen, dann arbeiten wir in derselben klinik? 😉 oder es ist allg. Überall so übelst viel los. Gleiche Umstände auch hier..

annekii
12.03.2016, 15:34
Bei uns hatten wir letzte Woche den Eindruck, es flaut wieder ab. Die Wartezeiten waren besser, die Liste der wartenden war gleichzeitig höchstens 6 in der Akutsprechstunde. Und es waren wieder Kinder dabei, die wegen einer banalen Erkältung kamen. Die Wochen zuvor hatte ich den Eindruck, nur obstruktive und grippale Kinder zu sehen. Da hatte keiner einfach mal einen Husten und Schnupfen.

Moonchen
12.03.2016, 23:38
Bei uns ist anhaltend die Grippe da.... Und ich hab Wochenende :-D

erdbeertoertchen
15.03.2016, 20:40
Gibts Tipps, wie man kleine Knirpse freiwillig zur Blutentnahme bringen kann? Ich hab gerade einen 7 Jährigen, der sich weigert.