Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Kinder-Ecke
Moonchen
16.03.2016, 20:27
Die haben bei uns ja alle einen negativen Influenza-Test, das ist ja das Merkwürdige.. Naja, Multiplex-PCR ist weggeschickt..
Das Mädel wurde extubiert, neurologisch alles gut. Aber leider nur eine Ausscheidung von 50 ml/d...
ehem-user-11022019-1151
29.03.2016, 21:19
Hallo :) ich habe mal eine Frage. Ist vielleicht auch bisschen gynäkologischer Natur.
Wie lange darf/kann man eine Geburt hinauszögern, wenn bereits ein Blasensprung war?
Hier geht es speziell um eine Schwangere, die ungefähr in der 19. Woche einen Blasensprung hatte.
Das kann schon einige Wochen gehen. Das Problem ist, dass eine offene Fruchtblase zum einen eine Infektionsgefahr ist. Wichtig ist deshalb Kontrolle der Entzündungswerte und Antibiose. Zum anderen kann es bei zuwenig Fruchtwasser beim Kind zu Kontrakturen der Extremitäten kommen sowie Probleme bei der Lungenentwicklung auftreten.
Man muss also schauen, wie viel Fruchtwasser eventuell noch vorhanden ist und inwieweit das Kind weiterhin gut versorgt ist (und wächst).
Weit entfernt von fachlicher Ahnung - aber aus ner Famulatur ist mir eine vergleichbare Situation in Erinnerung geblieben. Riss der Fruchtblase in etwa vergleichbarer Woche. Mutter stationär mit strengem Liegen, AB und engmaschiger Kontrolle der Entzündungsparameter. Geburt dann irgendwo 30+x wegen steigendem Infektlabor.
In so frühen Wochen gibt's da kein Maximum, da versucht man die Schwangerschaft so lang wie möglich zu halten. Jetzt hätte das Kind ja sowieso keine Chance. Am Termin ist das was ganz anderes.
LG
Ally
ehem-user-11022019-1151
30.03.2016, 19:28
Hallo,
vielen Dank für eure Antworten (bevor sich jemand wundert, ich bin nicht schwanger :)).
Ich habe nur kürzlich über den Fall gehört und da wurde der Schwangeren gesagt, dass keine Chancen bestehen und sie warten soll, bis das Kind stirbt.
Aber der Fall von Solara ist echt interessant.
Noch eine Frage: würde man dann eher warten, bis das Kind von selbst stirbt oder einen Abbruch machen? Und wie ist es, wenn das Kind noch lebt, aber die Entzündungswerte steigen?
Jule-Aline
30.03.2016, 19:42
Hallo,
vielen Dank für eure Antworten (bevor sich jemand wundert, ich bin nicht schwanger :)).
Ich habe nur kürzlich über den Fall gehört und da wurde der Schwangeren gesagt, dass keine Chancen bestehen und sie warten soll, bis das Kind stirbt.
Aber der Fall von Solara ist echt interessant.
Noch eine Frage: würde man dann eher warten, bis das Kind von selbst stirbt oder einen Abbruch machen? Und wie ist es, wenn das Kind noch lebt, aber die Entzündungswerte steigen?
zur 1.Frage: weiß ich nicht,ethisch sehr schwierig.
2.Frage: kann mir vorstellen,dass dann das Kind geholt wird.Hier in der hiesigen Uniklinik werden auch extremste Frühchen aufgepäppelt,das kleinste wog 275g und war 27cm lang, wurde im Jahr 2010 geboren.Und er überlebte,wurde mit 3700 g entlassen.
Ich denke, je nachdem wie es mit dem Fruchtwasser ist. Damals war das nur ein Riss, kein richtiger Sprung. Das Fruchtwasser hatte sich nachgebildet. Wird anders sein, wenn das ganze Fruchtwasser weg ist.
Und wie es im jeweiligen Land geregelt ist, bei uns wird glaub ich an der 24., in der Schweiz erst ab der 26. Woche alles versucht.
Wenn man nichts tut, setzen da von selbst die Wehen ein, da ist keine Intervention nötig.
Es stimmt, dass es inzwischen sehr kleine frühchen gibt, die überlebt haben, aber die waren reifer. Da ist das Schwangerschaftsalter entscheidend, nicht das Gewicht. Mit 18/19 Wochen gibt's da keine Möglichkeit.
Soweit ich weiß, gibt's einen Fall mit 21+ der überlebt hat. Normalerweise ist es in Deutschland so geregelt, dass bei Geburt bis 21+6 keine Maßnahmen ergriffen werden, zwischen 22+0 und 23+6 ein Graubereich besteht, in dem die Eltern entscheiden dürfen und ab 24+0 primär alles gemacht werden muss.
LG
Ally
Moonchen
31.03.2016, 16:47
Bei uns ist es im Prinzip so wie bei Ally: zwischen 22+0 - 22+6 Versorgung nur auf ausdrücklichen Wunsch der Eltern, 23+0 - 23+6 auf Wunsch der Eltern und/oder wenn Kind primär ausdrücklich Lebenszeichen zeigt und ab 24+0 auf jeden Fall Versorgung.
Wir hatten im letzten zwei Frühchen, bei dem die Mutter recht früh einen Blasensprung hatte (genaue Woche weiß ich nicht mehr), da wurde glaube ich noch versucht das Fruchtwasser aufzufüllen (wann dazu genau die Indikation ist weiß ich auch nicht - Gynäkologen hier?) und das andere Kind lag ziemlich lange trocken. Hatten dann beide deutliche Probleme mit der Beatmung gehabt weil die Lunge durch das fehlende Fruchtwasser hypoplastisch war (ich meine einer der beiden hatte es dann auch leider nicht geschafft)...
Jule-Aline
31.03.2016, 16:59
Aber wie entscheiden sich die Eltern?Ich kann mir vorstellen,dass fast alle wollen,dass man ab 22+0 behandelt.Kann mich erinnern,mal einen Artikel gelesen zu haben,dass in den Niederlanden , Frankreich und der Schweiz erst ab der 24.Wo behandelt wird.
Ach,habe den Artikel jetzt gefunden:
http://lmt-medicalsystems.com/de/aktuelles/nachrichtendetails/fruehgeburt-andere-laender-andere-richtlinien.html
Man darf nicht vergessen, dass Kinder, die in der 24+0 SSW geboren werden, extreme Frühchen sind. Und unter 24+0 ist nochmal eine ganz andere Nummer. Die Medizin ist heutzutage sehr weit, und viele dieser extremen Frühchen überleben. Aber eben nicht alle. Und selbst wenn diese Frühchen überleben, haben sie oftmals schon im Krankenhaus mit allerhand sehr schweren Komplikationen zu rechnen und müssen im schlimmsten Fall eine Vielzahl an Operationen über sich ergehen lassen.
Nicht alle Eltern können sich das für sich und ihr Kind vorstellen. Es ist ja nicht so, dass man sich dann gar nicht um das Kind kümmert, sondern dass man nicht jede mögliche Behandlung bis aufs Maximum ausschöpft.
Fruchtwasser auffüllen macht nur Sinn, wenn es nur ein kleines Loch ist, dass sich im Besten Fall wieder verschlossen hat. Dann kann man natürlich die Bedingungen für die Kinder verbessern. Wenn es ein großes Loch ist und das Fruchtwasser sofort wieder rausläuft, ist es sinnlos.
Jule, dass alle alles wollen habe ich weder in Deutschland noch in Kanada so erlebt. Es kommt doch immer darauf an, wie man die Eltern berät. Außerdem muss man die lokalen Daten betrachten. Ich arbeite zur Zeit in einem Zentrum in dem noch kein 22 Wochen Kind überlebt hat. Aus dem Grund ist unsere Empfehlung für 22+0 bis +6 Palliativversorgung. Kann ich auch gut vertreten. Wenn ich mir dagegen die Daten aus Köln z.B. anschaue (sind ja im Internet frei verfügbar) würde ich dort "offener" beraten mit 22+ Wochen.
Was ich hier gut finde ist, dass wir sehr offen mit den Eltern über die Folgen sprechen (in Kanada bis 25+6 SSW). Ich war nie ein großer Freund von Zahlen - aber wir nutzen hier spezielle Decision aid-karten mit den Daten zu Mortalität und major oder possibly major disability. Darauf ist das schön visualisiert und wir haben zusätzlich noch Karten, die ein intensivmedizinisch versorgtes oder palliativ verstorbenes Kind zeigen. Damit setzt du dich (sofern so viel Zeit ist) mit den Eltern zusammen, bemühst dich dein eigenes Werte-Bild außen vor zu lassen und den Eltern zu einer informierten Entscheidung zu helfen. Schließlich sind sie es, die Zeit ihres Lebens mit dem Kind und ihrer Entscheidung leben müssen. Ich kann und muss das schließlich nur für einige Wochen / Monate begleiten.
Noch kurz zu Moonchen: Die "ausdrücklichen Lebenszeichen" in 23+ Wochen sind ein heikles Thema. Man hat gute Daten (kann ich b. Bedarf mal raussuchen), dass der Zustand des Kindes auf der Erstversorgungseinheit kein prognostischer Marker ist. Die Entscheidung kann / sollte also nicht in der 1. Lebensminute fallen, sondern davor.
@THawk: Das Info-Material, was ihr da benutzt, ist das frei zugänglich/irgendwo publiziert oder eine "Spezialität des Hauses"?
Nicht, dass ich jetzt schon so weit wäre, so ein Gespräch zu führen, eher aus Interesse zum selber mal anschauen...
ehem-user-11022019-1151
04.04.2016, 18:03
Vielen Dank euch allen für die Gedankenanstöße.
Ich habe mittlerweile erfahren, dass das Baby gestorben ist.
Jedoch wurde im Krankenhaus auch die Sache mit der Bettruhe nicht so eng gesehen.
Wie dem auch sei, selbst wenn das Kind die "magische" Grenze überschritten hat, ist es ja schon lange nicht über den Berg und das haben mir eure Posts nochmal bisschen verdeutlicht.
Übrigens, ich habe mal einen Drilling gefahren, der in der 27. Woche zur Welt gebracht werden musste (seine Geschwister natürlich auch). Erwartungsgemäß waren die drei winzig klein und leicht, jedoch sehr gut entwickelt (jedenfalls zwei von ihnen) und hatten eher weniger gesundheitliche Probleme (abgesehen von stellenweise bradykardien und einigen anderen Problemen).
Das hat mir gezeigt, wie weit fortgeschritten die Medizin ist und auch immer weiter fortschreiten wird!
Relaxometrie
06.04.2016, 18:58
Eine Frage, die ich für meinen Bruder stelle, nachdem er sie mir gestellt hat und ich sie nicht professionell beantworten konnte:
Sollen Kinder (im konkreten Fall 2 Jahre alt) bei Fieber beim Schlafen zugedeckt werden?
Ich habe einfach gesagt, daß ich es so machen würde, wie es dem Kind wohl am Besten zu tun scheint. Wie sehen die Pädiater und anderen Kindererfahrenen das?
Kein Kind wird zugedeckt liegen bleiben wenn es ihm zu warm wird. Insofern stellt sich das Problem nicht.
Ich schließe mich THawk an.
Bei Fieberanstieg ist dem Kind kalt, da deckt man es zu, wenn es das will. Wenn es oben ist oder entfiebert, ist dem Kind warm, dann wird es sich aufstrampeln. Ist es keins von beidem, dann kann man es ja dünn zudecken. Aber ob es so bleibt, entscheidet das Kind ja eh selbst.
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