Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Kinder-Ecke
Also du meinst Eltern, deren Kinder nicht gerade stationär sind, sondern sozusagen "Notfall-Rat" erfragen wollen?
Bei uns gehen solche Anrufe direkt zu der zuständigen Ambulanz-Pflege, die geben entweder Rat, schicken weiter (z.B. bei Augensachen direkt an die Uni, wir haben keinen Augenarzt) oder sagen, die Eltern sollen vorbeikommen. Unser Dienstfunk ist ja auch für Notfälle, dann mit besorgten Eltern über Durchfall diskutieren zu müssen und für den Notarzt oder Kreißsaal wäre besetzt? Das geht ja nicht!
Hijadelaluna
21.06.2017, 13:23
Ja, genau, Eltern, die von daheim anrufen "XY hier, ich hab da mal ne Frage....". Und bei uns ist dann tatsächlich das Telefon für echte Notfälle belegt.
Ich hab mich halt gefragt, ob es die Möglichkeit gibt, dass der Pförtner an die 116117 verweist- ist rechtlich aber wahrscheinlich ein Problem..
Hey.
Ich hatte kürzlich was interessantes, es ist aber zu speziell und etwas zu kurz für ein Fallbeispiel. Deshalb mal hier, vielleicht habt ihr ja Lust auf ein kurzes "Neo-Schmankerl".
Ich wurde von meinen Assistenzärzten zu einem Kind im Kreißsaal gerufen, 35+0 SSW nach primärem Kaiserschnitt wegen schlechtem CTG und Vd. vorzeitiger Plazentalösung. Keine antenatalen Steroide.
Der kleine kam zur Welt mit viel Blut drumherum und in den Atemwegen, hat geatmet aber deutliche Einziehungen gehabt, deshalb hatten sie CPAP begonnen und auch zwischenzeitlich etwas assistierte Beatmung bei wechselndem Atemantrieb. Sie mussten am CPAP (PEEP 5-6) bis 100% O2 hochgehen um adäquate Sättigungen zu erlangen und konnten dann auf 50% reduzieren, drunter ging aber nicht. Dann haben sie Zugang gelegt (rechte Hand), dafür die Sättigung ans Bein gemacht. Weiterhin erhöhte Atemarbeit, aber stabiler Atemantrieb. Röntgen Thorax haben sie noch gemacht und mich dann angerufen.
5-10 min später stehe ich im resuscitation room und bekomme das folgende Bild gezeigt - was hättet ihr gemacht, was denkt ihr hat der kleine?
30725
zu Hija:
Gabs bei uns nicht viel, weitergeleitet aufs Dienst-Telefon gab es das auf keinen Fall. Mal habe ich in der Ambulanz den Hörer in die Hand genommen, aber i.d.R. haben die Schwestern den Eltern einen Rat gegeben sofern es um Bagatell-Sachen ging und ansonsten zum KV-Notdienst verwiesen oder gebeten in die Klinik zu kommen.
aschenputtel1977
21.06.2017, 18:17
Ja, genau, Eltern, die von daheim anrufen "XY hier, ich hab da mal ne Frage....". Und bei uns ist dann tatsächlich das Telefon für echte Notfälle belegt.
Ich hab mich halt gefragt, ob es die Möglichkeit gibt, dass der Pförtner an die 116117 verweist- ist rechtlich aber wahrscheinlich ein Problem..
Ich würde als Dienstarzt immer formulieren, dass ich ohne das Kind gesehen zu haben gar keine Ratschläge erteilen werden…. Und an die Pforte gehört eine klare Anweisung. Bei uns werden die manchmal auch zum Dienstarzt durchgestellt, das scheint am Personal an der Vermittlung zu liegen. Die meisten Anrufe landen aber auf Station und werden durch unser Pflegepersonal im Regelfall sehr kompetent gemanaged.
Hey.
Röntgen Thorax haben sie noch gemacht und mich dann angerufen.
5-10 min später stehe ich im resuscitation room und bekomme das folgende Bild gezeigt - was hättet ihr gemacht, was denkt ihr hat der kleine?
irgendne Hernie in den thorax?
juke5489
21.06.2017, 19:20
5-10 min später stehe ich im resuscitation room und bekomme das folgende Bild gezeigt - was hättet ihr gemacht, was denkt ihr hat der kleine?
30725
hmm, gar nicht mein fachbereich, aber spannend, also knobel ich mal mit. ne lösung direkt hab ich zwar nicht, aber ein paar gedanken.
an eine hernie hab ich auch zuerst gedacht, aber aufgrund der deutlichen magenblase und den ebenfalls gut erkennbaren darmschlingen wüsste ich gerade nicht, was nach intrathorakal gerutscht sein sollte. die zwerchfellschenkel kann man ja auch ganz gut verfolgen. die pulmonale gefäß- und bronchialzeichnung ist ja eigentlich auch fast ubiquitär gut abzugrenzen, sodass hier erstmal keine verdrängung auffällt. die transparenzminderung des großteils der lunge fällt halt auf, abgesehen vom rechten unterlappen und der etwas weniger transparenzgeminderten linken lunge. hier finde ich allerdings lateral des linken ventrikels das 'gekröse' (mangels besserer beschreibung) auffällig und kann mir das nicht so richtig erklären.
ich tendiere jedenfalls eher gegen eine hernie und eher in richtung eines pulmonal begründeten problems oder vllt eine aspiration?
Chaoskätzchen
21.06.2017, 20:07
Ich hätte gesagt, dass rechts ein Pneumothorax ist... bei den Neonaten stören mich die weiter abgrenzbaren Strukturen im röntgendurchlässigere Bereich nicht so.. das hab ich irgendwie schon öfter gesehen..
und links.. tja.. wet lung? Recht dicht dafür und ein bisschen zu fleckig. Wenn das Fruchtwasser klar war, wäre eine Mekoniumaspiration aus den DDs draussen. CCAM? Stelle ich mir immer zystischer vor.. wobei es subdiaphragmal im Bereich der Magenblase recht wabenartig aussieht..
Ich bin auf die Auflösung gespannt
WalterSobchak
21.06.2017, 20:14
Huhu aus der Versenkung :jump:
Spannend, vor allem mit 2 Jahren Abstand zur Neo
Positives bronchoaerogramm li lässt an ANS II-III° denken -allerdings nur einseitig? Komisch.
Doch Aspiration? Finde auch das Herz recht groß und nach rechts verlagert.
Viel abzusaugen gewesen? MS ließ sich problemlos schieben? (Ösophago-tracheale Fistel?)
Erstmal:
PEEP hoch, O2, Echo.
Was ganz anderes: ist jemand beim Kinder- und Jugendärztetag in Berlin am WE?
Gibt ja ganz selten auch mal rechtsseitige Zwerchfellhernien mit Verlagerung der Leber in den Thorax, aber so sieht es für mich irgendwie auch nicht aus. Ich finde auch das Herz / Mediastinum relativ weit rechts, Frage ist halt, ob das Herz so groß ist, oder vielleicht ein riesiger Thymus oder sowas das Mediastinum so breit gemacht hat?
WalterSobchak
21.06.2017, 21:46
Dachte kurz an ne dextrokardie. Das Bild ist aber auch etwas verdreht- klavikel sind zwar nicht mit drauf, aber an den Rippen sieht mans ganz gut... auch die MS liegt recht weit rechts - was ich auch mal der verdrehten Aufnahme zuschreibe ....
Sorry, heute ist es zu spät geworden für die Auflösung. Die kommt dann morgen Nachmittag.
Ich bin auch gespannt auf die Auflösung! Ich schaue die ganze Zeit auf die linke Seite und überlege, was man da sehen könnte, aber keine Ahnung!
Ich bin auch sehr gespannt auf die Auflösung.
Zu den Anrufen: die gehen bei uns auch erst an die Pflege der Kinder- und Jugendstation und wenn sie sich unsicher ist, wird an uns durchgestellt.
LG
Ally
Achja, zu den Anrufen war es bei uns auch wie bei Ally. Da kam nur noch selten was per Telefon bei mir an. Je nach Anliegen wurden den Eltern geraten, zu uns zu kommen oder am nächsten Tag auch zum Kinderarzt.
bipolarbär
22.06.2017, 11:54
[QUOTE=THawk;2002448]Röntgen Thorax haben sie noch gemacht und mich dann angerufen.
5-10 min später stehe ich im resuscitation room und bekomme das folgende Bild gezeigt - was hättet ihr gemacht, was denkt ihr hat der kleine?[QUOTE]
Großer Lungensequester auf der rechten Seite?
Okay, here we go, es waren schon sehr gute Antworten dabei, auch die richtige!
Die große Struktur auf der rechten Seite ist Thymus (typisch dass der Thymus nach lateral langsam dunkler wird und nicht so abrupt aufhört wie der Herzschatten), aber er ist schon ansehnlich groß. Ich fand das Herz auch etwas nach rechts verlagert (aber bei etwas verdrehtem Bild). Linkes Oberfeld ist eine Kombination aus TTN und ANS denke ich. Aber links unten ist die Pathologie: Positives Aerobronchogramm, aber zystisch ausschauend und interessanterweise auch auf die Magenblase projizierend aber mit freiem kostodiaphragmatischem Winkel.
Ich dachte auch erst an ANS II-III, aber das betrifft halt niemals nur einen Teil eines Lungenlappens. Am Ende war ich mir unsicher, hab dem Papa das auch so gesagt und hatte dann zwei Tage später wieder Dienst. Der kleine ließ sich nicht vom CPAP weanen, hatte weiterhin Mediastinalshift und eine Verschattung links-basal und ist daher ins Lungen-CT gegangen. Ehrlicherweise ewartete ich einen Lungensequester im linken Unterlappen (typische Lokalisation):
30727
Die chest mass war dann größer als ich gedacht hätte. Gefäßversorgung läuft über A. und V. pulmonalis und wir haben diese zystischen Bereiche, damit ist es kein Sequester sondern eine große CPAM auf der linken Seite (CCAM sei irgendwie veraltet, heute ist es CPAM). Am kommenden Montag geht der kleine in den OP, zur Zeit macht er CPAP mit ein paar Pausen und ist soweit stabil.
edit: Bzgl. der Atemunterstützung habe ich auch PEEP hochgedreht, Sättigung wieder an die präduktale Extremität und 5 min später war er auf 21%. Allerdings hatte er für ca. 2 Stunden noch eine relevante Prä/postduktale Sättigungsdifferenz, die wir mit minimal handling ausgesessen haben. War also etwas verzögerte Anpassung (weiß nicht ob die CPAM dazu beigetragen hat).
Sehr interessant. Ich hatte bis vor kurzem irgendwie nie was von CCAM oder CPAM gehört. War ich wohl gerade krank, als das dran war. Aber aktuell betreue ich eine Schwangere, bei der in der Feindiagnostik beim Kind dieser Verdacht geäußert wurde. Nicht in der Größe wie in deinem Beispiel. Sie wird - wenn ich nicht ganz falsch liege - in deiner alten Wirkungsstätte entbinden.
Kann bitte mal jemand diese ganzen Abkürzungen erklären? Ans usw?
Autolyse
22.06.2017, 20:53
Neugeborene haben immer Dreibuchstabenkrankheiten:
TTN = Transiente Tachypnoe des Neugeborenen
ANS = AtemNotSyndrom des Neugeborenen
CCAM = Congenital Cystic Adenomatoid Malformation
CPAM = Congenital Pulmonary Airway Malformation
Ah klasse Beispiel! Ich habe tatsächlich die richtige Stelle als die komische Struktur gesehen.
ANS ist Atemnotsyndrom, eine Krankheit nur des Neugeborenen.Dabei ist fehlendes oder inaktiviertes Surfactant das Problem. TTN müsste Transiente Tachypnoe des Neugeborenen sein, auch wet lung genannt.
CCAM und CPAM kenne ich auch nicht.
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