PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Kinder-Ecke



Seiten : 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 83 84 85 86 87 88 89 90 91 92 93 94 95 96 97 98 99 100 101 102 103 104 105 106 107 108 109 110 111 112 113 114 115 116 117 118 119 120 121 122 123 124 125 126 127 128 129 130 131 132 133 134 135 136 137 138 139 140 141 142 143 144 145 [146] 147 148 149

annekii
06.05.2023, 13:43
Wir verordnen nicht mehr viele Langzeittherapien. Als wir übernommen haben, war das beim Vorgänger noch so, sodass wir vieles überprüfen mussten und auch beendet haben, zB Jahre lang Logo von Kindern mit Akzent, da "zu alt" nach Deutschland gekommen.

Wir achten immer auf korrekte Indikationen, lesen die Therapieberichte durch. Wenn da bei Ergo nichts mehr für EN1 drin ist, sondern eher PS1 (Aufmerksamkeit, Konzentration), schauen wir uns sie früher an und verweisen dann bei Verdacht auf ADHS an die KJP. Denn PS1 kann man nicht ohne entsprechende Diagnostik verordnen, die wir aber nicht können.

Dauertherapien kriegen die Kinder mit Behinderungen ohne Pausen. Da wäre auch alles andere kontraproduktiv.

Außerdem kennen wir mittlerweile auch die Praxen vor Ort gut. Der eine Logopäde hat es immer nach 1-2 Rezepten geschafft. Wenn der mal ein drittes braucht, frag ich nicht nach. Bei 6 sind wir bei ihm noch nie angekommen. Es gibt eine Praxis, die Schrott macht, da kontrollieren wir spätestens nach 2 Rezepten in der Praxis und immer sagen die Eltern, dass es eigentlich nichts bringt. Dann fangen sie woanders an und es wird doch. Und erstaunlicherweise braucht diese Praxis auch immer 2x 45 min Logo in der Woche für weniger Erfolg als der andere mit 1x 30 min/Woche. Aber man darf ja nichts empfehlen :-nix

Und der Punkt, dass jede:r irgendwo was therapiebedürftiges hat, ärgert mich auch und kommuniziere ich auch. Ich will, dass die Kinder auch mal einen Erfolg erleben. Sie haben jetzt 2 Rezepte mit wöchentlichen Terminen was gelernt und haben jetzt mehr Freizeit, weil sie es geschafft haben. Ich will nicht, dass immer jemand was zu kritisieren an ihnen findet. Und diese eine Praxis tut genau das. Da ist man nie mal gut genug.

Salzi19
06.05.2023, 15:48
Persönliche Erfahrung als Mutter: K3 hat 9 von 11 Logopädieterminen geschafft (Ursprungsdiagnose sigmatismus). Die Logopädin besteht jetzt schon auf ein Folgerezept, therapiert aber mittlerweile schon Akkusativ/Dativ-Probleme, die ich persönlich für einen 5jährigen noch nicht als dramatisch sehe :-nix (der sigmatismus hat sich deutlich verbessert). Jetzt weiß ich als Mutter ehrlich gesagt auch nicht so wirklich, ob ich ein Folgerezept noch so toll finde oder lieber erst mal ein paar Monate Pause hätte :-nix

Miss_H
06.05.2023, 19:53
@Salzi: Ist doch perfekt um einen kurzen Termin beim Kinderarzt zu machen und es mit ihm zu besprechen.

annekii
06.05.2023, 20:40
Ja, würde ich auch sagen. Zumal Dysgrammatismus teilweise auch umfeldbedingt ist. Hier gibt es ein wesentliches Problem im Thüringisch mit dem Dativ. Hier geht der Spruch "der Dativ ist dem Genitiv sein Tod" dann weiter, da der Akkusativ auch Teile des Dativs auslöscht. Und das ist in allen Schichten verbreitet. Das ist kein Grund für eine auf Kasse verordnete Therapie.

Ab Schule muss man ja auch immer noch schauen, ob es nicht eigentlich eine schulische Aufgabe im Rahmen von Sonderpädagogik ist. §6 (2) "3Weiterhin dürfen Heilmittel bei Kindern nicht verordnet werden, wenn an sich pädagogische, heilpädagogische oder
sonderpädagogische Maßnahmen zur Beeinflussung der vorliegenden Schädigungen geboten
sind (insbesondere Leistungen nach den §§ 46 und 79 des SGB IX). 4Sind solche Maßnahmen
nicht durchführbar, dürfen Heilmittel nicht an deren Stelle verordnet werden. 5Neben pädagogischen, heilpädagogischen oder sonderpädagogischen Maßnahmen dürfen Heilmittel nur
bei entsprechender medizinischer Indikation außerhalb dieser Maßnahmen verordnet werden."

Das wurde bei uns nicht selten angefordert und auch mit diesem Paragraphen zurückgewiesen, gefühlt jede Schule ein paar Mal, bis sie es verstanden hatten, dass wir nicht deren Personalmangel auf Kassenleistung und eigene Regressgefahr ausbügeln.

Was wir auch ausgiebig beenden mussten, waren die Kreuze Hausbesuch. Die sind ja wirklich fast nie gerechtfertigt. Aber sehr gerne wurden sie für die KiTa oder Schule genutzt, um dort mehrere Kinder mit jeweils Hausbesuch (=Anfahrtspauschale für jedes Kind!) abzurechnen. Dabei dürfen nur Kinder mit entsprechendem Gesamtförderbedarf ja überhaupt Therapie in der Einrichtung bekommen.

Espressa
07.05.2023, 10:07
Als Mutter finde ich es schade, dass Schulen nicht mehr zusätzliches Fachpersonal (Logopäden, Ergotherapeuten, Psychologen…) vor Ort fest angestellt haben, die dann noch während der Schulzeit einzelne Kinder rausholen und mit ihnen arbeiten könnten.
Hier in Luxemburg Stadt gibt es eine (inklusive) Schule, die mit jeweils 20 Wochenstunden solches Personal hat, und es reicht hinten und vorne nicht. Und so wie ich es jetzt auch in den normalen Schulen sehe, wäre da locker Bedarf.

Bei uns soll eine neue Riesen-Grundschule für die Großgemeinde gebaut werden, (zwar auch blöd dass die Zwerge dann alle Anfahrt haben), die auch sowas vorsieht.

freak1
07.05.2023, 10:40
Luxemburg weiß aber auch nicht wohin mit dem Geld.

Miss_H
07.05.2023, 10:52
Und so wie ich es jetzt auch in den normalen Schulen sehe, wäre da locker Bedarf.

Meist läuft das eben nicht über Festangestellte sondern über externe Kräfte. Und das lohnt sich für die einfach nicht. In den Ferien und an Feiertage ist man dann arbeitslos.

Salzi19
07.05.2023, 11:11
@annekii: bei uns spricht das Umfeld auch einen relativ stark ausgeprägten Dialekt, in dem die Fälle auch nicht immer korrekt gebraucht werden :-nix ich bin aber sowieso in 2 Wochen beim Kinderarzt, da werde ich das mal ansprechen.

annekii
07.05.2023, 12:50
@annekii: bei uns spricht das Umfeld auch einen relativ stark ausgeprägten Dialekt, in dem die Fälle auch nicht immer korrekt gebraucht werden :-nix ich bin aber sowieso in 2 Wochen beim Kinderarzt, da werde ich das mal ansprechen.

Bei uns ist das Umfeld übrigens auch zuhause :) Mittlerweile verbessern A. und ich ihn beide bei falschem Gebrauch des Akkusativs oder auch Dativ statt Genitiv. ;-) Ohne eine Mutter, die das dauernd korrigiert, wäre es auch bei einer einmal wöchentlichen Therapie nicht angekommen. Aber mein Mann ist resistent, er bleibt dabei.

Ich höre ungelogen jede Woche mind. 1x nach dem morgendlichen Impfen oder U "jetzt gehen wir bei die Kinder(n)" von den Eltern an ihre Kinder. Und das ist nicht aus Spaß! Auf meinem Aussprache-Bogen zur U8 und U9 gibt es ein Vogelnest mit 3 Eiern. Damit ich sehe, ob Plural an der Stelle klappt frage ich oft nach, wenn sie nur Nest sagen. "Was ist im Nest drin?" - "Eiern" kommt zu mindestens 75%. :-nix Ich wiederhole es korrekt, habe aber aufgehört, es als pathologisch zu betrachten. Das muss Dialekt bedingt sein.

Absolute Arrhythmie
07.05.2023, 12:57
Da wo ich ursprünglich her komme geht man "nach die Omma" :-))

Kandra
07.05.2023, 20:42
Vielen Dank für eure Anmerkungen und vor allem Danke an Annekii, ich hoffe ich bin irgendwann mal genauso differenziert und überlegt wie du in meiner Arbeit :) Aus deinen Postings kann ich immer sehr viel mitnehmen.

Ich habe auch den Eindruck, dass die Therapeuten bei vielen Kindern vom 100sten ins 1000ste kommen und eben irgendwann überhaupt nicht mehr das ursprüngliche Problem therapieren. Andererseits sind sie ja doch auch die "Experten" für ihr Gebiet, viel mehr als ich das vermutlich je sein werde. Da finde ich das "Reinquatschen" in deren Therapieempfehlungen schwierig, aber andererseits ist es ja dramatisch, dass gefühlt 99% unserer Kinder mit Förderung alle so große Probleme haben, dass sie jahrelanger Therapie bedürfen.

Das mit dem Abgleichen der Therapieberichte mit dem Hilfsmittelkatalog ist eine sehr gute Idee und auch eine gute Übung für mich :)

@Aschenputtel: Ich habe letztens gelernt, dass z.B. Ergotherapie außerhalb der Frühförderung schon geht, hierzu muss die Frühförderung aber schriftlich bestätigen, dass das Kind das bräuchte, sie es aber aktuell nicht leisten können. Das machen die natürlich ungern ;)
Bei den Patienten denen ich neu Logo oder Ergo verordne sage ich das mit den begrenzten Rezepten immer dazu, so hoffe ich, dass die Diskussionen in Zukunft weniger werden.
Was mich sehr ärgert ist, dass die "Dauerpatienten" dann auch oft anrufen wg z.B. dem 7. Rezept und hier vorher auch schon Termine wahrgenommen haben, weil ihnen der Therapeut nicht gesagt hat, dass das eventuell Probleme geben kann. Das wissen die doch genauso gut wie wir, was im Heilmittelkatalog drin steht. Finde ich super frech, weil ich dann natürlich der Arsch bin, der den Eltern im Zweifel das Rezept verweigert und sie die Termine dann selber zahlen müssen.

anignu
07.05.2023, 23:07
Da wo ich ursprünglich her komme geht man "nach die Omma" :-))
Und ich persönlich muss sagen: ist doch toll! Eine gewisse Intelligenz der Kinder vorausgesetzt lernen sie zumindest später, dass das Dialekt ist und es daneben noch dieses andere Konstrukt gibt auf das man sich irgendwann geeinigt hat. Dieses "hochdeutsch". Und während andere Eltern als Nicht-native-speaker mit ihren Kindergartenkindern englisch zu Hause reden (in unserem Umfeld gefühlt extrem) um denen gleich mal englisch beizubringen, mach ich das halt in meiner Muttersprache. Damit wachsen meine Kinder auch zweisprachig auf. Zu Hause Dialekt und in Kindergarten/Schule vornehmlich hochdeutsch. Des is nahad a "da Mama sei Radl" a wenn's do de Hoichdeitschn olle Fuasnegl aufdrahd. Grammatikalisch ist das definitiv korrekt, nur eben nicht im Hochdeutschen ;-)
Da sind wir dann zwar völlig vom Thema weg aber wenn Eltern die in Deutschland in einer Region mit Dialekt aufgewachsen sind mit ihren Kindern ausschließlich englisch sprechen, wo soll das denn enden? Die Dialekte sind eh schon fast tot, soll das Hochdeutsche auch noch vollständig durch englisch ersetzt werden?

Andererseits sind sie ja doch auch die "Experten" für ihr Gebiet, viel mehr als ich das vermutlich je sein werde. Da finde ich das "Reinquatschen" in deren Therapieempfehlungen schwierig, aber andererseits ist es ja dramatisch, dass gefühlt 99% unserer Kinder mit Förderung alle so große Probleme haben, dass sie jahrelanger Therapie bedürfen.
Auf der anderen Seite bekommt man ja schon irgendwann auch ein Gefühl ob es noch um Medizin/Heilung geht oder nur noch um andere Dinge. Wenn ein Privatpatient alle 3 Monate kontrolliert wird mit immer dem gleichen Ergebnis (keine Verschlechterung) und man ganz genau weiß dass man dies bei einem Kassenpatient NIEMALS so machen würde... etc.

annekii
08.05.2023, 20:50
@Kandra: Wir haben sehr schnell nach der Übernahme eine Ankündigung zum Regress, oder wie das heißt, bekommen. Für Heilmittel, einfach weil wir weitergeführt haben, was der Vorgänger gemacht hat. Wir haben uns ja echt auch gar nicht vorstellen können, dass jemand sowas falsch macht. Man lernt halt dazu.

Und nein, die Therapeut:innen sind lange nicht immer die Expert:innen. Das musst du vor Ort rausfinden. Bestell dir doch die KInder am Anfang nach 1-2 Rezepten ein. Schlechte Stifthaltung oder ein einzelner fehlender Buchstabe sollte nach 10x schon Ansätze der Besserung zeigen. Dann vergleiche es mit dem Bericht und lass die Eltern berichten, sollte unter 10 min dauern, würde ich schätzen.

Milana
06.06.2023, 17:59
Wo bleibt das Sommerloch? Ich mag nicht mehr...

epeline
06.06.2023, 20:23
Das, was weniger an Infekten kommt, hat Allergie...

annekii
06.06.2023, 21:18
Ja, wo ist es denn?! Letzte Woche und gestern hatte die Hälfte noch Allergie, heute war es so voll nur mit Infektkindern, hochfieberhaft, rote Rachen ohne Strep-Nachweis!
Wie schön war es, wenn mit Beginn der Birke die Infektwelle abebbte. Jetzt ist die Birke fertig und die Gräser voll da und die Infekte immer noch. Es gab mal Zeiten, da war das zweite Quartal das schlechteste.

aschenputtel1977
07.06.2023, 05:43
Das sommerloch wurde doch schon vor ein paar Jahren wegrationalisiert…. ��

Kandra
20.07.2023, 14:54
Habt ihr zur Zeit auch so viele (Klein)kinder mit riesigen zervikalen Lymphknoten nach eigentlich nicht so eindrucksvollen Infekten, die wochenlang nicht wirklich kleiner werden? AZ und kleines BB eher unauffällig.

aschenputtel1977
20.07.2023, 16:35
Ja. Sorgt hier immer wieder für verunsicherte Eltern. Hab auch n paar Blutbilder gemacht, alles unauffällig....

Herbstblume90
21.07.2023, 15:09
Hatte ich grad sogar bei mir in der KJP bei einem 6 jährigen und habe dann auch recht zügig Blut abgenommen, das aber total unauffällig war..