Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Kinder-Ecke
Hallo Ally,
ich habe damals einfach alle erreichbaren Kinderarztpraxen angerufen und gefragt, ob sie Weiterbildungsassistenten nehmen. Ich glaube, es war ca. 6 Monate vor einem möglichen Start. Erst habe ich nur Absagen bekommen. Damals gab es eine einzige Praxis, in der Assistenten arbeiteten, jetzt sind es viele und sie wollen alle nicht mehr anders arbeiten. Du müsstest halt schauen, ob sie schon mind. 3 Jahre niedergelassen sind. Dann müssen sie auch erst die WB-Ermächtigung beantragen, wenn noch nicht vorhanden. Es gibt in einigen Bundesländern auch Förderung für Assistenten, nicht mehr nur für Allgemeinmedizin, sondern auch für die Pädiatrie.
Wir selbst sind noch nicht lang genug niedergelassen und ich bezweifle, dass wir mal Assistenten nehmen werden, weil wir ja nur 2 0,5-Sitze haben und bisher einfach nicht genug Geld da wäre, um noch mehr Personal zu bezahlen. Aber wenn ich versuche, mir vorzustellen, dass sich jemand bewirbt, wäre für mich auch erstmal ein Anruf ok, aber auch eine einfache Bewerbung per Mail oder Post. Inhaltlich würde ich vielleicht ein bisschen drauf schauen, ob bereits Ambulanzerfahrung dabei ist. Es gibt ja Kliniken, bei denen ein 24h-kinderärztlicher Notdienst nebenan sitzt, die quasi gar keine Ambulanz kennen. Oder halt Leute, die außer Neo und Onkologie noch nichts gemacht haben. Aber ein Hinderungsgrund wäre es für mich nicht, ich würde mich nur auf längere Einarbeitungszeit einstellen.
Ich habe die Woche überlebt! Meine Praxispartnerin war im Winterurlaub, eine andere Praxis vor Ort auch und aus der Nachbarstadt hatten wir auch noch für 2 Tage Vertretung übernommen. So hatte ich am Montag (ganztags) 80 Kinder, die restlichen Tage hatten wir nur halben Tag mit je 50 Kindern. Und immer höchsten 2-3 unnötige, ansonsten wirklich nur richtig kranke Kinder und auch so viele kleine. https://influenza.rki.de/Wochenberichte/2016_2017/2017-05.pdf hier sieht man auch, dass die 0-4jährigen einen hohen Anteil haben und dass die Saison früher war und noch kein wirklich Abfall der Erkrankungen kommt. Aber ab Montag sind wir wieder zu zweit und keine Vertretung mehr. Das gute waren nur locker 100 Scheine mehr ;) in einer Woche.
LG
Annekii
Jule-Aline
11.02.2017, 19:12
Frag doch einfach bei der KV nach. Die vermittelt jedenfalls hier Weiterbildungstellen.
vanilleeis
11.02.2017, 19:35
Je nach KV kriegst du auch 4800€ Förderung für den ambulanten Teil Pädiatrie, zB WL. Das macht dich natürlich attraktiv für den AG.
Ansonsten habe ich bei der aktuellen Bewerbungsrunde gute Erfahrungen mit kurzen Anfragen per Mails gemacht.
Super, annekii, Jule-Aline und vanilleeis für Eure Tipps! Ja, der Facharzt, bei dem meine Kollegin jetzt anfängt, stellt auch nur ein, wenn er die Förderung bekommt (ich wohne in WL). Hoffentlich spricht sich das mit der Förderung rum!
Ich werde wohl kurze Mail-Bewerbungen schreiben (telefonisch finde ich total schwierig bei sowas) und wahrscheinlich meinen Radius langsam erweitern. Ein halbes Jahr vorher damit anzufangen ist auch ein guter Tipp!
Edit: Vanilleeis, hast Du eventuell einen Link, unter dem ich das mit der Förderung nochmal nachlesen kann? Ich finde das immer nur für die Allgemeinmedizin. Danke!
LG
Ally
vanilleeis
12.02.2017, 10:38
https://www.kvwl.de/arzt/sicherstellung/antrag/assistent.htm
Musst du nach unten scrollen unter grundversorgende Fachgebiete
vanilleeis
12.02.2017, 10:39
Oder hier das Merkblatt: https://www.kvwl.de/arzt/sicherstellung/antrag/pdf_assistent/kvwl_ass_info_fa.pdf
vanilleeis
12.02.2017, 10:41
Ansonsten gibt es noch die KV-Börse (link habe ich gerade nicht) Da sind auch immer mal pädiatrie-stellen ausgeschrieben, aber eher selten
Oh, super, vielen lieben Dank! :-top
LG
Ally
Wie sieht es denn in den Kliniken aus? Was habt ihr vor allem? Sind bei den vielen RS-kranken auch beatmete Kinder? Die Influenza finde ich dieses Mal sehr junge Kinder-phil. Ich habe locker 10 Kinder unter 3 Monaten in Influenza A, davon 5 eingewiesen, weil eine Exsikkose drohte, 3 mit BE und tgl. Vorstellungen geradeso ambulant geführt. Und die sind echt arg krank. Und dann hatten wir Waagentechnikprobleme, sodass die Kinder abgenommen haben, obwohl sie es nicht haben. Das ist bei 3 Monate nicht einerlei.
Wie sieht es bei euch mit den vielen Flüchtlingen aus? Ich habe mittlerweile gute Apps für die Übersetzungen mit Stimmausgabe, aber nicht auf persisch oder gar Dari, Farsi oder Pashto. Dummerweise haben wir gerade aus Afghanistan die meisten Familien, deren Eltern auch nicht lesen können. Da hilft mir der Google Translator in Schrift überhaupt nicht. Ich habe solche Mühe, die Kinder durchzuimpfen, ordentliche Vorsorgen zur richtigen Zeit durchzuführen und Kontrollen bei Krankheit durchzuführen.
Spannend war letztens eine U7 mit einem Kind, das 24,5 Monate alt war. Mit Händen und Füßen, sowie Übersetzungsapp konnte ich sogar vieles unserer Standardanamnese zur Entwicklung abfragen, weil ja zur U7 die Kinder eh kaum mitmachen. Manche Antworten verwunderten mich schon, z.B. Treppe alternierend laufen, oder dass das Kind sehr gut meine Perlen fädelte. Dann hatte es ein komplettes Milchgebiss, sprach für mich zwar unverständlich, aber doch erkennbar in Mehrwortsätzen. Auch zu mir sagte es immer wieder was und wiederholte es dauernd, was ich für mind. 4 Wörter hielt. Da mein Arabisch aber gleich Null ist, habe ich natürlich nichts verstanden. Nach der Untersuchung habe ich den Vater gefragt, ob das Kind 2 oder 3 Jahre alt ist und er strahlte über das ganze Gesicht und zog seine Übersetzungsapp raus, die mir dann ungefähr erklärte, dass das Kind 3 ist und sie in Syrien ein ganzes Jahr lang nicht registrieren lassen konnten.
Ich fand es spannend, dass man es doch trotz Sprachbarriere schafft, sowas zu erkennen. Ich bekam auch noch raus, dass das Kind zur Geburt BCG geimpft ist (Narbe am Oberarm) und 2x Polio. Aber an dem Geburtsdatum kann man nichts mehr ändern! Die Ausländerbehörde war furchtbar, als ich nachfragte "die hatten ihre Anhörung in ihrer Landessprache. Da hättense was sagen können. Jetzt isses halt so.". Der Fehler der Familie war, dass sie Papiere hatten! Hätten sie keine gehabt und gesagt, wie alt das Kind ist, dann hätte es gepasst. Sind sie zur Einschulung noch in Deutschland, werde ich mich vermutlich für eine "vorzeitige" Einschulung einsetzen müssen.
Jule-Aline
21.02.2017, 16:02
Wieso Fehler,dass Papiere dabei waren?Wieso vorzeitige Einschulung?
Vorzeitig ja nur, weil das Kind auf den Papieren ein Jahr jünger ist, als es biologisch ist. Und hätte es diese Papiere nicht, dann wäre es jetzt auch offiziell 3...
Ich hab mich gerade für den Kinder- und Jugendmedizinkongress im September in Köln angemeldet :-oopss Trifft man da eventuell jemanden von euch?
Wenn die Familie keine Papiere gehabt hätten, dann hätten sie mündlich ein Geburtsdatum genannt und zwar das richtige. Dieses hätte dann mangels Papieren gegolten. So ist das Kind nun mind. 12 Monate jünger auf dem Papier und wird damit auch ein Jahr später offiziell eingeschult.
@Kandra: Ich nicht. Dafür wieder Update Pädiatrie in Berlin und Jahrestagung der STGKJ und Pädiatrie zum Anfassen und Jugendkongress usw. Ich frag mich, wann ich ab März am Wochenende zuhause bin....
Nachdem es hier gerade wieder aktuell wird und einem ja alle immer alles brav nach Lehrbuch erklären wollen, frage ich jetzt doch noch mal die Kinderärzte hier: wie steht Ihr zur Bauchlage? Ich merke einfach jetzt schon, dass sie sich auf dem Bauch viel wohler fühlt, ruhiger und entspannter ist und besser schläft. Die ganze Familie besteht aus Bauchschläfern... was macht denn jetzt echt Sinn? Danke schon mal...
Also, da K3w ja auch Bauchschläferin war und das ja zu dem Zeitpunkt damals gerade hier leider sehr aktuell sicher noch mehr zu Gedanken darüber geführt hat, war ich sehr froh, Folgendes damals von einer Freundin gehört zu haben, die das Thema SIDS eine Woche zuvor auf einer Fortbildung beleuchtet hatte. Konsens da war, dass die Bauchlage alleine ohne Vorliegen von RF wie Frühgeburtlichkeit, niedriges Geburtsgewicht, rauchenden Eltern etc keinerlei Erhöhung des Risikos darstelle, dass die Bauchlage in Kombination mit oben Genanntem aber dann tatsächlich das Risiko erhöhe. Dazu habe man wohl neue als auch die ganzen alten Studien neu ausgewertet, indem man eben diese Trennschärfe beleuchtet hatte. Ich kann Dir keine Quelle zum Nachlesen nennen, mir hat das damals gereicht.
Hier Bauchschläfer ab Tag 2. Gibt keine Alternative. Auf dem Bauch ist seine Position.
Nachdem Muri mich beruhigt hatte, habe ich meinen Frieden damit gemacht. Hilft ja nix. Auf dem Rücken ist nicht seins, nur im Notfall.
Das merke ich hier eben auch schon. Hier im Spital ist es gerade halt noch etwas übel warm im Zimmer. Daheim haben wir dann wohl wirklich alles andere schön unauffällig. Und in 4 Monaten etwa dreht die sich ja eh wie sie will...
Darf man auch als Kinderarzt ohne eigene Kinder? ;-)
Am Ende relativieren sich die Empfehlungen häufig im häuslichen Umfeld durch Schlafentzug, Nörgelei des Kindes etc. Und das kann ich auch gut verstehen. Wir verstehen immer noch nicht komplett wieso es zum SIDS kommt und es ist m.E. sicher ein Sammeltopf von vielen verschiedenen Pathologien.
Ich bin allerdings weiterhin von der Risikoerhöhung durch Seit- oder Bauchlage überzeugt. Andere Sachen, wie von Muriel genannt, erhöhen ebenfalls das Risiko, sind aber teilweise nicht beeinflussbar (Frühgeburtlichkeit, Geburtsgewicht z.B.). Wenn diese Risikofaktoren hinzukommen, scheint die Bauchlage besonders risikobehaftet zu sein.
Eine nette Veröffentlichung zu dem Thema: Oyen, N., Markestad, T., Skaerven, R., Irgens, L. M., Helweg-Larsen, K., Alm, B., et al. (1997). Combined effects of sleeping position and prenatal risk factors in sudden infant death syndrome: the Nordic Epidemiological SIDS Study. Pediatrics, 100(4), 613–621.
Das Argument, dass sie sich nach wenigen Monaten selber umdrehen überzeugt mich nicht sehr, da zu diesem Zeitpunkt das SIDS-Risik schon deutlich sinkt.
Insofern empfehle ich weiterhin, die Brust- und Seitlage beim unbeobachteten Schlaf zu vermeiden und gebe gerne zu, dass dies nicht für jedes Kind praktikabel ist. Aber die Eltern sollten das Risiko kennen (und negieren kann man es m.E. einfach nicht, auch wenn es keine anderen Risikofaktoren gibt) und dann müssen sie für sich selbst entscheiden wie sie damit umgehen wollen.
Muriel, falls deine Freundin das mal veröffentlicht haben sollte würde ich mich über eine Quelle freuen. Ich habe es nicht gefunden.
Ich kenne es leider auch als einzelnen RF und der letzte echte SIDS-Fall, den ich mitbekommen habe, war auch in Bauchlage.
Da muss man dannabwägen. Ich würde es zumindest erstmal mit der Rückenlage probieren.
Unsere Nummer drei hat sogar die ersten zwei Wochen, in denen wir beide wegen der Hitze auf der Couch geschlafen haben, in Bauchlage auf meiner Brust geschlafen - für uns die einzige praktikable Lösung für nachts in der Phase. Und seitdem schläft sie zwar auf dem Rücken, aber wie bei ihrer Schwester auch geht das Babybay gar nicht und sie schläft mit bei mir (wobei wir zum Glück soviel Platz haben, dass ich immer ein ganzes Stück von ihr wegrücken kann).
Alles Gute!
LG
Ally
Danke. Na wir schauen mal, wie es daheim geht. Vielleicht tagsüber mehr Bauch und nachts doch versuchen mit Rücken. Bin jedenfalls schon mal froh, wenn wir unser eigenes kühles Schlafzimmer haben. Diese Spitalzimmer hier sind nicht gut zu lüften und viel zu warm...
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