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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Kinder-Ecke



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THawk
02.06.2019, 19:32
Schrecklich, jw. Da kann man nur für die eigene Familie raus lernen.


Wir haben gerade einen Jugendlichen mit DCM, echt schlechte Funktion. Levosimendan, Nitrat, Dobutamin... Unklar woher, aber fiese Prognose. Das dümmste, wir sind kein Herzzentrum. Und die kinderherzzentren haben alle keine Betten für den.

jw
04.06.2019, 05:43
Das mit dem Bettenmangel auf Intensivstationen ist ein richtiges Problem und geht ganz zu Lasten der Patienten. Selbst wenn die Prognose schlecht ist.

THawk
04.06.2019, 06:17
Ja, absolut. Unser Jugendlicher wurde dann im Erwachsenen-Herzzentrum versorgt und per ITW in ein Kinder-Herzzentrum verlegt...

jw
04.06.2019, 21:27
Gut, dass ihr ihn noch unterbringen könntet!

Bei uns ist es ärztlich total eskaliert. Wir haben zwei kranke Assistenten. Ein Oberarzt von dreien geht. Normalerweise war die Bestetzung 1-3-6 Aktuell 1-1-2-4 und uns schwimmen die Felle davon.
Wir haben zum Teil keinen Schreibdienst oder die MFA in der Ambulanz hat Urlaub.
Sind jeden Tag 12 h in der Arbeit und die Arbeit türmt sich noch und nöcher.
Wir müssen noch den ganzen Juli durchhalten. Dann werden es wieder zwei Leute mehr sein. Die müssen aber erst eingearbeitet werden. Die Ambulanz ist fast ausbestellt.
Wir hatten schon ein Gespräch mit dem Chef, dass die Situation nicht tragbar ist. Patientensicherheit ist gefährdet.
Er kann aber selbst auch nicht viel tun. Überlege nun mich an den Personalrat zu wenden und ggf. PÜberladtungsanzeigen zu schreiben. Hat damit jemand Erfahrung? Der Zustand ist aktuell echt belastend für das Team.

epeline
05.06.2019, 05:02
Ich kenne das total. Durch Fehler der GF total eskalierte Personalsituation. Wird aktuell durch Honorarärzte gedeckt. Vielleicht wäre das was für euch für den Sommer. Muss der Chef aber auch dahinter stehen

McBeal
05.06.2019, 05:06
Bei uns ist schon länger eine Oberarztstelle unbesetzt, sodass zwei oder drei Wochenenden pro Monat durch Honorarärzte abgedeckt werden. Und selbst bei den Assistenten wurde eine Zeit lang mit Honorarärzten gearbeitet, die Zeit ist derzeit glücklicherweise erstmal vorbei.

LG
Ally

Feanna
05.06.2019, 08:52
Sowas, wenn Honorarärzte notwendig werden, ist (gerade auf Assistentenebene, Oberäzte sind da ja rarer) immer so super ärgerlich wenn eigentlich Bewerber da gewesen wären, aber die Verwaltung keine Stelle genehmigt hat. (Man kann ja nicht dafür planen dass doch nochmal jemand schwanger wird oder kündigt........ ist ja so selten sowas). Da zahlt das Haus nämlich am Ende mehr dafür dass ein paar Tage abgedeckt werden, als wenn man jemanden für das ganze Jahr eingestellt hätte, die/der dann das ganze System mitgetragen hätte.
Aber so doof es auch ist, ist es manchmal nett zu hören dass man sich nicht einfach das falsche Haus ausgesucht hat, sondern dass es an vielen Orten Probleme gibt. (Über diese Erleichterung hinaus sind das natürlich Zeichen eines grundsätzlich fehlerhaften Systems das man verbessern sollte!)

annekii
05.06.2019, 09:53
Puh, das klingt echt übel. Vor gefühlt kürzester Zeit noch war eine Stelle in der Pädiatrie echt schwierig zu bekommen, selbst in kleinen Häusern. Wie sich das so schnell wandeln kann.

jw
05.06.2019, 19:29
Eine Honorarkraft wäre natürlich noch eine Möglichkeit. Das kann ich meinem Chef noch vorschlagen.
Wir haben eine Schwangere, die seit zwei Wochen im Berufsverbot ist und ab dieser Woche im Mutterschutz. Ersatz kommt erst zum 1.07. und den Akutausfall des Kollegens. Zur Überbrückung wäre das eine Möglichkeit.

freak1
05.06.2019, 20:04
Mit Honorarärzten wird es in Zukunft massive Probleme geben weil sie jetzt offiziell sozialversicherungspflichtig sind und damit nochmal teurer als vorher^^

mkw44
05.06.2019, 20:16
In dem Haus, in dem ich bis vor Kurzem war (kleines Haus) hatten wir fast meine ganze Zeit (~2 Jahre) durchgehend Personalprobleme. Vorletzten Winter hatten wir 5 oder 6 Monate einen Honorararzt, der auf Assistentenebene pro Monat bestimmt 10 Nachtdienste und direkt davor oft noch Spätdienste abgedeckt hat. Eine Oberarztstelle ist unbesetzt, seit ich angefangen hatte...
Von der nächst gelegenen Uniklinik habe ich ebenso Personalprobleme gehört, von meiner ehemaligen eigenen Uniklinik genauso, die hätten auch jeden genommen von uns.
Also Pädiatriestelle zu bekommen ist glaube ich im Moment wirklich nicht sehr schwer.

Choranaptyxis
05.06.2019, 21:04
Bei einer Famulatur in einem Maximalversorger, war zwar nicht in der Päd, hab es aber mitbekommen, gab es auch nur mittelmäßig sprechende AÄ in der Päd, und unattraktiv war es da für die Ausbildung gewiss nicht, da sowohl CA als auch OÄ was drauf hatten lehrtechnisch.
Passenderweise gab es dann im Newsletter von doccheck auch den Hinweis auf ne Oberarztstelle im Uniklinikum Münster :D (allerdings mit Spezialisierung Hämato/Onko.

abcd
08.06.2019, 09:48
Falscher Thread.

hottentotte
09.06.2019, 20:59
@jw: In welcher Kinderkardio arbeitest du denn?
Gerne auch pn

jw
11.06.2019, 17:34
@hottentotte
Ich bin nicht in der Kardio. Wir haben nur eine Intensivstation mit 6 Betten.

jw
13.06.2019, 17:49
So, vermutlich bin ich dann nächste Woche die einzige Assistentin der Abteilung. Meine Kollegin hat ne Phlegmone. Ist jeden Tag gekommen, hat das Bein nicht so schonen können. Und nun hat es sich verschlechtert. Die Ambulanz ist ausbestellt. Die Station läuft aber normal weiter.
Ich reduziere in zwei Wochen aufgrund einer Rotation. Mir fehlen noch Briefe mit Befunden von März-Juni, ca 140 Stück aus der Ambulanz. Mein Chef hat nun eine Mail bekommen, dass ich um Freistellung bitte, zur Fertigstellung,ansonsten werden sie nicht mehr zeitnah bearbeitet werden können von mir. Aus betrieblichen Gründen wird er mich nicht freistellen, bin ja eh schon auf Station versetzt worden, und nun die letzte, die noch arbeitet mit dem Nachtdienst zusammen.
Heute war ich beim Personalrat. Es wird nochmal unsere Belastungsanalyse durchgesehen. Und dann erfolgt noch mal ein Gespräch mit unserem Chef, der Personalabteilung, dem Personalrat und den Assistenten.
Ich bin einfach nur noch genervt von der Situation. 12-14 h jeden Tag arbeiten und immer Versprechungen, dass das alles nur kurzfristig ist. Das ist aber ein chronisches Problem, sobald jemand krank ist eskaliert es so. Und es fällt ja doch immer wieder jemand aus. Dass das die anderen Kollegen ausbaden müssen, ist ja nicht Rechtens, da muss der Arbeitgeber für Ersatz sorgen.

freak1
13.06.2019, 20:34
Was passiert wenn du auch noch krank wirst? Behandeln sich die kleinen Patienten dann selbst oder was plant dein Cheffe?

jw
14.06.2019, 06:48
Es sind ja noch zwei Oberärzte da. Die müssten dann übernehmen. Machen sie z.T. jetzt schon.
Man kann die elektiven Aufnahmen
ausbestellen.
Im Juli kommen zwei neue Mitarbeiter.

jw
16.06.2019, 11:40
Vorerst mal letzter Nachtdienst, der es in sich hatte.
Hatte einen 16 Jährigen übernommen Zuverlegung mit Hirntumor in der Pinealisregion. Bekannte Somnolenz, lichtstarre Pupillen, nachts zentrale Bradykardien bis 25/min. Finde es immer sehr schwierig solche Patienten einzuschätzen, wenn sie gerade erst gekommen sind und man sie nur im Nachtdienst betreut. Zumal die Übergabe das Ausmaß gar nicht erkennen ließ. Habe mich noch mit der NCH beraten. Nach Liquoraustau sah es im MRT nicht aus. Wurde zuvor noch etwas Liquor abgelassen über ein Rickham- Reservoir.
Wohl alles vom Tumor kommend. Augenarzt sah auch keine Stauungspapillen. Montag wird das Staging noch komplettiert, es gibt ne Fenestrierung und dann Beginn mit Chemo. Die Prognose ist aber nicht gut.

Später war noch ein A-Schockraum mit einer Jugendlichen, die aus Liebeskummer aus dem 2.Stock aus 8Meter Höhe gesprungen ist, sich beide OSG WeberC und die Calcanei gebrochen hat, zusätzlich noch ne Wirbelkörper Fraktur. Sie hat es auch im Schockraum so bereut und geweint. Eine Übersprungshandlung.

Und ein Organangebot. Patienten in OP geschoben. Organ hat doch nicht gepasst. Patient ins Elternhaus zum Übernachten geschickt. Nächstes Angebot keine sechs Stunden später. Patient wieder auf Station. Organ hat wieder nicht gepasst. Das ist ja wirklich eine Achterbahn der Gefühle für die Patienten und ihre Eltern.

Und der ganz normale Wahnsinn nebenher noch. Onkologische Patienten mit Chemo- und Blutproduktegaben, ZVK‘ s die nicht mehr laufen. Eltern die ihre Kinder bringen, obwohl sie nicht im Zelltief sind und nur ne Pharyngitis haben, partout bleiben wollen und man kein Zimmer hat. Diverse Anrufe von Eltern unsere chronisch kranken Patienten. Medikamente gegen Schmerzen, Übelkeit und Entzug und zum Schlafen verordnet.

Habe meine Kollegin noch auf der Intensivstation ein bisschen ins sonografieren eingewiesen. Passende Kandidatin mit VP -Shuntneuanlage hatten wir auch.

Immerhin gab es noch eine Stunde Schlaf. Morgens Blutentnahme Marathon mit 9 BEs. Übergabe an die Kollegen.
Der ganz normale Wahnsinn.

freak1
16.06.2019, 13:56
@jw
A-Schockraum?

Und krass was ihr für ein Spektrum habt (Trauma, Organtransplantation, Onko) mit so einem Stellenschlüssel. :-wow