Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Kinder-Ecke
kartoffelbrei
26.02.2020, 00:46
Was sagen denn die Eltern, wenn man sie fragt, warum sie mit so etwas nicht zum regulären Kinderarzt gehen? Da müssten doch eigentlich die Wartezeiten kürzer sein als in einer Notaufnahme?
Wenn der 12 jährige seit einem Tag Fieber hat, bekommt man beim ebenfalls überlasteten Kindearzt halt nicht unbedingt am gleichen Tag einen Termin.
Und viele gehen tatsächlich davon aus in der NA schneller dran zu kommen und sind dann nach 1h Wartezeit schon schwer empört.
Der Gang in die Notaufnahme macht ja auch einen Statuswechsel zu Notfall! Dass das durchaus diskutabel ist und auch da Abstufungen bis zu "joa, kann man mal in fünf Stunden anschauen oder meinetwegen auch später" gibt, ist nicht auf dem Schirm.
Außerdem haben in den Faschingsferien viele Kinderarztpraxen Urlaub, da möchte man ja nicht unbedingt zur Vertretung gehen...
aschenputtel1977
26.02.2020, 10:46
Außerdem haben in den Faschingsferien viele Kinderarztpraxen Urlaub, da möchte man ja nicht unbedingt zur Vertretung gehen...
Und geht dann lieber in die Notaufnahme, wo im Normalfall ein Assistenzarzt im 1. Jahr, ach was, 1. Monat sitzt und das Kind behandelt??? Zumindest das beobachte ich hier nicht, muss ich sagen, hier werden die Vertretungsärzte genutz (oder wenn man mit dem gar nicht kann, versucht man es in einer anderen Praxis oder beim Eltern-Hausarzt... )
Ich glaube nicht, dass Eltern daran denken wie weit der Assistent in der Kindernotaufnahme ist ;-)
Aber jetzt mal im Ernst, bei uns in der Gegend ist es v.a.Mittwoch- und Freitagnachmittag in den Ferien wirklich schwierig einen kurzfristigen Termin zu bekommen. Letztes Jahr in den Osterferien hatte mein Kleiner 40 Grad Fieber und hat dann auch noch das Trinken verweigert. Unser Kinderarzt war im Urlaub, die Vertretung hatte ab 12 Uhr zu. Was macht man dann? Dann bleibt für viele nur noch die nächstgelegene Kinderklinik. Mir wurde zum Glück durch den Bereitsschaftsdienst eine notdiensthabende Praxis in der nächstgrößeren Stadt empfohlen, die war aber für einen Umkreis von ca. 50km zuständig.
Ich glaube nicht, dass Eltern daran denken wie weit der Assistent in der Kindernotaufnahme ist ;-)
Aber jetzt mal im Ernst, bei uns in der Gegend ist es v.a.Mittwoch- und Freitagnachmittag in den Ferien wirklich schwierig einen kurzfristigen Termin zu bekommen. Letztes Jahr in den Osterferien hatte mein Kleiner 40 Grad Fieber und hat dann auch noch das Trinken verweigert. Unser Kinderarzt war im Urlaub, die Vertretung hatte ab 12 Uhr zu. Was macht man dann? Dann bleibt für viele nur noch die nächstgelegene Kinderklinik. Mir wurde zum Glück durch den Bereitsschaftsdienst eine notdiensthabende Praxis in der nächstgrößeren Stadt empfohlen, die war aber für einen Umkreis von ca. 50km zuständig.
Kleinkinder mit hohem Fieber und Trinkverweigerung sind auch nicht Teil meines Rants, die dürfen und sollen gerne kommen. Bei Kindern unter einem Jahr sag ich auch nix, grad wenn es das erste Kind ist, dürfen die gerne mit jedem Scheiss kommen, kein Problem.
Aber „große“ Kinder, die seit dem Vortag Fieber haben und dazu zb deutlich husten und schnupfen, wieso müssen die in die notaufnahme? Oder 2x gekotzt, seit 3 stunden nicht mehr, „aber wir wollten das lieber abklären lassen“? Und dann ist man als Arzt oder Pflegekraft noch dafür zuständig, die Kinder am auseinandernehmen des Untersuchungszimmers zu hindern..
aschenputtel1977
26.02.2020, 13:19
So sehe ich das auch! Man kann so viele Highlights aufzählen von Schwachsinns-Belästigungen, damit würde man gar nicht fertig. Aber einer meiner Hass-Momente war mal die Krankenschwester (aus dem Haus!), die mit ihrem 11jährigen kam, der seit dem Morgen des Tages fieberte. Sie wollte nur ein Rezept für Antipyretika, weil sie nichts mehr zu Hause habe. Auf meinen zarten Hinweis, das man dieses für wenige Euro käuflich erwerben könne, meinte sie ernsthaft: Wieso, jetzt bezahlt doch die Krankenkasse.... Kann man nichts mehr dazu sagen.
Ich schüttele aber innerlich auch sehr den Kopf, wenn dann Vertretungspatienten kommen mit: einer Stelle am Kopf, wo ihnen an dem Tag aufgefallen ist, dass auf ca 3 cm Kopfhaut keine Haare wachsen oder die Molluscen im Gesicht, die seit 4 Monaten bestehen... Die vielen echt kranken, die dann kommen, wiegen das aber wieder auf, so dass man nicht ganz verzweifelt...
Größere Kinder ab 6 werden bei uns auch in der bereitschaftspraxis behandelt, die ist gleich neben der Notaufnahme. Da werden die entsprechenden Patienten von der Notaufnahme aus auch gleich hingeschickt. Ist eigentlich ne ganz gute Lösung.
Wir haben einen Kindernotdienst Mi und Fr 13-18 Uhr. Heute bin ich dieser. In der Regel ruft genau NIEMAND an! Wir machen Werbung dafür, haben sogar auf unseren Visitenkarte auf der Rückseite die Zeiten und Telefonnummer aufgedruckt, aber dennoch habe ich in der Regel bei 5h Dienst keinen Patienten. Für 20 € Vergütung... 4 € Stundenlohn. Aber ich mache halt meine Stapel mit Kuranträgen, lese Arztbriefe, usw.
aschenputtel1977
26.02.2020, 15:25
Hier ist der Kindernotdienst an Feiertagen und dem Wochenende. Wir sind durchaus gut besucht, außer im Sommer. Da hatte ich einen Sonntag ( wir haben vor- und nachmittags auf) vormittags 5 Patienten und nachmittags 1. Im Normalfall ist aber gute Frequentation zu verzeichnen.
Wir haben auch Sa und So und Feiertag, aber da nur 4 h. Der ist auch ganz gut besucht. Mi und Fr ist meist nichts los, aber jetzt waren doch schon 3 da, 2 versehentlich, weil Licht war und weil sie nicht dran dachten, dass Mittwoch ist, einer angerufen mit sowas von wunderschöner StrepA-Angina. Der Schnelltest war so dick leuchtend positiv am Teststrich noch lange bevor der Kontrollstrich auch nur erreicht war.
Wir dürfen inzwischen Patienten, die zu den regulären Öffnungszeiten der Kinderärzte kommen, auch dorthin weiterschicken.
Sie müssen trotzdem ärztlich gesehen werden, bekommen aber ebene keine Rezepte o.ä.
Eine Bereitschaftspraxis gibt es bei uns auch nur abends, Mi und Fr nachmittag und am Wochenende.
Chamomilla10
26.02.2020, 19:56
Hmm, ich überlege echt, ob ich wirklich Päd machen will bzw. was ich überhaupt will.. :-notify Wenn ich hier so von der Auslastung (oder Überlastung) lese, komme ich ja eher davon ab. Und generell merke ich gerade wieder in meiner Famulatur (nicht Päd), dass ich mich für so Vieles begeistern kann und mir auch andere Sachen Spaß machen. Wobei die "Work-smile-balance" wohl nirgends so gut wie in der Päd sein wird!
Bin gespannt, wo ich am Ende lande.. :-blush
aschenputtel1977
27.02.2020, 06:25
Ach komm, Pädiatrie ist das beste! Glaub mir! Überlastung lässt sich leichter aushalten, wenn man nette Patienten hat, die schnell ohne tausend neue Medikamente geheilt sind (im Normalfall), dann hat man meist auch dankbare Eltern! Lass dich drauf ein und wenn es echt nichts ist, kannst du immer noch wechseln, es ist doch recht einfach...
Ich bin ja froh, habe ich das nicht so extrem. Aber als ich mit meinem Kurzem und seinem halb abgeschnittenen Zeh mit der spritzig blutenden Arterie neulich mal Freitags Abends im Spital war, habe ich mich bei manchen Kindern um mich rum schon auch gewundert, was die da machen... aber Erwachsene sind nicht besser: ich hatte im Notfalldienst im Spital vorgestern die volle Bandbreite von Heuschnupfen, gebrochenem Zeh, viralem Infekt bis Pneumonie und Pankreatitis bei 93jähriger... wie soll man da noch alle gleich freundlich behandeln?
Autolyse
27.02.2020, 20:26
[...]Von den 150 Patienten am Sonntag wurden übrigens ganze 35 aufgenommen und heute waren es Stand 17 Uhr 25 oder so (einige Einweisungen dabei). Kann man sich nicht ausdenken...man möchte die Eltern schütteln.
Du kannst 35 Kinder aufnehmen? So viele Betten habe ich insgesamt bei 150 Patienten, davon werden vielleicht 10 aufgenommen, danach fängt das Verlegen bis 100km Entfernung an...
Du kannst 35 Kinder aufnehmen? So viele Betten habe ich insgesamt bei 150 Patienten, davon werden vielleicht 10 aufgenommen, danach fängt das Verlegen bis 100km Entfernung an...
Mei, können ist so ne sache, wir stapeln die halt bis unter die decke und schmeissen jeden tag alles raus, was geht. Ob von den stationären jemand verlegt wurde weiß ich nicht, ich war nicht da, hab nur am montag mal aus interesse nachgezählt.
Wie geht’s euch denn so an der Kinder-Corona Front?
Wir haben extrem wenig Covid-19 Patienten. Ein immunsuppremiertes Kind mit Kathetersepsis und Pneumonie. Liegt jetzt auf einer entsprechenden Station bei den Erwachsenen. Für die Pflege nicht ganz einfach sich auf 14 kg einzustellen. Kinder sind eben keine kleinen Erwachsenen. Es tun alle aber ihr Bestes.
Dann haben wir Covid-19 als Nebendiagnose. Alle Patienten die aufgenommen werden, werden getestet. Manchmal positiv, ohne Beschwerden. Auch nicht in den letzten vier Wochen. Müssen dann natürlich auch entsprechend mit Schutzmaßnahmen behandelt werden.
Insgesamt ist es aber eher sehr ruhig bei uns. In die Notaufnahme kommt nur noch, wer wirklich etwas hat. Auf Intensiv betreuen wir Erwachsene mit ohne COvid-19. Zur Entlastung der anderen Intensivstationen.
Wir hatten bisher einen bestätigten Fall auf Normalstation und aktuell ein Kind mit High Flow nach Herz-OP auf Normalstation mit Betreuung durch die Intensivpflege isoliert, weil die Mutter fraglich Coronakontakt hatte (alle Abstriche bei beiden aber bisher negativ).
Da wir ein reines Kinderkrankenhaus sind, betreuen wir keine Erwachsenen und müssen das wohl auch in der Zukunft nicht tun. Es könnte höchstens Personal von uns in andere Krankenhäuser abberufen werden, aber auch das ist aktuell und in naher Zukunft wohl nicht nötig.
Ansonsten ists mega ruhig, das Haus ist halbleer, es kommt echt niemand mehr in die Notaufnahme. Frühchen gibts irgendwie auch weniger. Haben aktuell nichts unter 32 Wochen auf Station liegen ausser die Kleinen, die schon vor nem Monat oder noch länger her geboren wurden.
Habt ihr das Kind nicht bei euch aufgenommen um eure Station "sauber" zu halten oder wieso liegt die bei den Erwachsenen?
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